Gustav Simon, Hersfeld, Weinstratze 619, Spezialhaus für Herren- und Knabe« Garderobe, fertig und nach Matz.
Mp* Neu eröffnet. *^MS
1904 zum ersten Male geschehen ist, eine Ermittelung der söge- nannten Hausschlachtungen verbunden, d. h. derjenigen Schlach- tungen, bei denen gcinätz den bestehenden Vorschriften eine Schlachtvieh- und Fleischbeschau nicht vorzunehmen war. Die Zahlung erstreckt sich auf alle derartigen, die während der Zeit vom 1. Dezember 1906 bis zum 30. Novcmderr 1907 vorge- kommen sind; gezählt werden nur die Schlachtungen von Rindern (mit 5 Unterabteilungen), Schafen, Schweinen und Ziegen.
Die Zahlung wird mittelst einer besonderen (blauen) Zähl- karte bewirkt. ES ist streng darauf zu achten, daß in diese Karte lediglich die vorerwähnten HauSschlachtungen eingetragen werden, da alle anderen Schlachtungen, die der amtlichen Schlachtvieh- und Fleischbeschau unterliegen, bereits regelmäßig vierteljährlich und jährlich nachgewiesen werden. Demzufolge dürfen in Gemeinden, in denen Schlachthauszwang besteht,' blaue Zählkarten überhaupt nicht oder höchstens für einzelne Äbbauten, die vom Schlachthauszwange etwa ausgenommen sind, ausgefüllt werden.
Die wichtigste Neuerung gegenüber allen früheren Zählungen ist aber bei der Viehzählung sowohl wie bei der SchlachtungS zählung die Aenderung des ErhebungSverfahrenS; es wird nämlich nicht wie bisher nach Gehöften, sondern nach Haushaltungen gezählt, ähnlich wie es bei der Volkszählung geschieht. ES har also jeder Haushaltungsvorstand (oder sein Stellvertreter) daS bei ihm stehende Vieh einzutragen, ebenso die Schlachtungen, die bei ihm vorgekommen sind, letzteres auch in dem Falle, wenn kein Vieh bei ihm steht oder während der letzten 12 Monate gestanden hat. Dabei ist gleichgültig ob er Eigentümer des lebenden oder geschlachteten Viehes ist. Wenn also ein Viehbesitzer sein Meh bei einem Nachbar eingestellt hat, so hat der Nachbar, nicht der Eigentümer die Zählkarte auszufüllen. Ebenso ist eS bei den Schlachtungen: wer nicht auf dem Gehöfte, indem er wohnt oder in dem dazu gehörigen Hofraume, Stall usw. geschlachtet, sondern die Schlachtung an anderer Stelle hat vornehmen lassen, darf die blaue Zählkarte nicht ausfüllen; das hat vielmehr derjenige zu besorgen, in dessen Wohnung (Hof, Stall usw.) geschlachtet worden ist. Wer dagegen einen Schlächter in seine eigene Wohnung hat kommen lassen, um dort zu schlachten, muß die blaue Karte selbst ausfüllen und darf die Ausfüllung nicht dem Schlächter übertragen.
Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes beider Zählungen Sängt zum großen Teile von der Mithilfe der Bevölkerung ab. An diese wird daher die dringende Bitte gerichtet, daS Zählge- schäst durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern. Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleichtern. Wenn auch die Zählkarten in erster Linie von den Haushaltungsvorständen oder deren Stellvertretern selbst auszufüllen sind, so bedarf es doch außerdem einer großen Zahl freiwilliger Zähler, die bei der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigenschaft von öffentlichen Beamten besitzen. ES steht zu erwarten, daß wie bei früheren Zahlungen so auch diesmal sich in genügender Zahl Männer sinken werden, die bereit sind, dieses Ehrenamt zu übernehmen; sie würden damit dem allgemeinen öffentlichen Interesse einen wesentlichen Dienst leisten.
Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Besprechung in den Gemeindeversammlungen und in den Schulen sowie durch die amtlichen Blätter und die Tagespresse — welch' letztere sich durch Abdruck dieser Ansprache oder durch Verbreitung einer sonstigen entsprechenden Belehrung ihrer Leser ein großes Verdienst erwerben würde — der Zweck der bevorstehenden Zäh- lung zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen. Namentlich würde darauf hinzuweisen sein, daß die in den Zählkarten enthaltenen Angaben lediglich zur Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke, in keinem Falle etwa zu Steuerzwecken dienen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird so gehalten werden, daß die Angaben des einzelnen Haushaltungsvorstandes darin in keinem Falle mehr erkennbar sind.
Die Ausbreitung der Ergebniffe der Zählung ist für das Königreich Vreußenund die Fürstentümer Waldeck und Pyrmont dem Königlichen Statistischen Landesamte in Berlin sw. 68, Lindenstr. 28 übertragen worden. Diese Behörde wird zur Behebung etwa austauchender Zweifel bezüglich Einzelheiten der Zählung auf jede an sie gerichtete Anfrage bereitwilligst Auskunft erteilen.
Berlin, im Oktober 1907.
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.
I. V.: E v e r t, Oberregierungsrat.
Hersscld, den 8. November 1907.
Der auf Donnerstag den 28. November d. I. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 7V2 Uhr morgens begonnen werden.
I. 10607. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
3« Besucht des Asermres in kuglaud.
Das deutsche Kaiserpaar traf am Montag nachmittag gegen V22 Uhr an Bord der „Hohenzollern", der die drei Begleitschiffe folgten, nach mehrstündiger Verspätung, welche der am Montag früh im Kanal herrschende dichte Nebel verschuldet hatte, in Portsmouth ein. Die Ueberfahrt der Majestäten von Vliffingen nach England war sehr angenehm verlausen, sie wurde durch starken Nebel lediglich etwas verlangsamt. Zu Ehren der hohen Gäste lag die englische Kanalflotte in Parade-
Mr. Morley blickte Ralph an und dann James.
„Wie ist mir denn?" fragte er dann. „Dort James und bort auch? — Himmel! Wer von Euch ist nun Ralph?"
Da warf sich Ralph ihn zu Füßen und sagte:
»Ich bin es, Vater! Acht Tage schon genieße ich die Seligkeit, mich von Dir geliebt zu wissen!"
„Mein Sohn, mein teurer Sohn!" entgegnete der alte Greis. „O, Gott sei gedankt!"
Oliver war bestürzt! Alles, was er geplant, war zunichte geworden! Maßlose Wut erfaßte ihn, er griff in die Brusttasche und der Revolver blitzte in seiner Hand.
Aber James Griff lenkte ihn in die Höhe und lächelnd sagte er:
„Du siehst, Vater, er ist noch ganz der Alte. Mir hat er nach dem Leben gettachtet und Ralph hat er ebenfalls mordm wollen!"
Der alte Herr aber sagte ruhig: „Meine Freude ist zu groß, als daß ich ihm tun sollte, wie er verdient! Von heute an, Oliver Gardener, darfft Du an meinem Tisch nicht mehr sitzen; Deiner Stellung im Geschäfte enthebe ich Dich; Du gehst von unS! Mit Mördem haben die Morleys keine Gemeinschaft!"
„Noch einen Augenblick, Papa, wenn Du erlaubst!" JameS nahm den Revolver an sich. „Die Schlechtigkeit dieses Buben ist so ungeheuerlich, wie keiner ahnte! Bitte, Bernard holen Sie dm Gentleman herein, der draußen steht!"
Bernard ging und erschim mit Kapitän Horstmann.
JameS stellte ihn als solchen vor und sagte:
„Nun reden Sie Kapitän!"
Sir Archibald nickte; er sah Oliver mit einem Schreckenslaut zusammenbrechen.
Horstmann aber legte ihm die Hand auf die Schulter und betonte:
„Sie da, Matrose Gardener! Wo habt Ihr die „Nymphe" gelassen? Möchtet Ihr nicht auch ein Jahr auf die Fonning Inseln gehen?"------------ »Wissen Sie, Sir," fuhr er dann fort, „daß dieser Mensch mit Hilfe eines Schurken, der sich Blaine nennt, die ganze Mannschaft meines Schiffes, der „Nymphe", zur Meuterei
stellung aus der Reede von Spitehead, am Landungsplätze in Portsmouth hatten die Spitzen der Militär-, Marine- und Stadtbehörden nebst zwei Ehrenwachen Ausstellung genommen. Bei Spitehead waren der Prinz von Wales, der deutsche Botschafter Gras Wolff-Metternich und der englische Ehrendienst zur ersten Begrüßung des Kaiserpaares an Bord der „Hohen- zollern" gekommen. Bei der Landung wurden den Majestäten von den in der Nachbarschaft angesammelten großen VolkS- massen lebhafte Ovationen gebracht, welche sich auch bei der Fahrt nach Windsor vielfach wiederholten. Nach ersolgter Landung nahm der Kaiser eine künstlerisch ausgeführte Be- willkommnungsadresse der Stadt Portsmouth entgegen. Um 4 Uhr 50 Minuten traf das Kaiserpaar in dem festlich geschmückten Städtchen Windsor ein, wo das englische Königspaar, der Herzog und die Herzogin von Connaught, die Prinzessin von Wales u. s. w. die hohen Gäste auf dem Bahnhöfe empfingen. Der Kaiser, welcher englische Admiralsunisorm angelegt hatte, begrüßte sich mit dem Könige Eduard, der die Uniform des 1. preußischen Gardedragonerregiments trug, in ungemein herzlicher Weise, desgleichen mit der Königin Alexandra und den übrigen Fürstlichkeiten, ebenso wies die Begrüßung der Kaiserin besonders mit der Königin Alexandra und dem Könige Eduard den Stempel äußerster Herzlichkeit auf. Dann begaben sich die gesamten Fürstlichkeiten zu Wogen nach Schloß Windsor, auf dem ganzen Wege vom Bahnhöfe bis zum Schloß war das Kaiserpaar Gegenstand geradezu begeisterter Kundgebungen seitens der die Straßen belebenden Menge. Nach der Ankunft im Schlosse nahm das Kaiserpaar zusammen mit der Königlichen Familie den Tee ein; später arbeitete der Kaiser allein. Um 9 Uhr war für das Kaiserpaar und die englische Königsfamilie Diner im eichenen Speisesaale. Bald nach der Ankunft des Kaiserpaares in Schloß Windsor hatten der Premier-Minister Sir Henry Campbell-Bannerman und der Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey dem Kaiser ihre Aufwartung gemacht. — Die höheren Offiziere der „Hohen- zollern" und.der anderen deutschen Kriegsschiffe statteten Montag nachmittag den Marinebehörden von Portsmouth einen Besuch ab. Admiral Bosanquet und der Werftdirektor erwiderten den Besuch. Später kamen 12 englische Offiziere an Bord der deutschen Kreuzer. Bosanquet gab abends den 10 dienstältesten Offizieren des deutschen Geschwaders ein Festmahl.
London, 12. November. Aus Windsor wird gemeldet, daß Kaiser Wilhelm sich bei bester Stimmung befinde und keinerlei üble Nachwehen der Reise verspüre. Der Kaiser und die Kaiserin drückten ihre lebhafteste Befriedigung über den ihnen gewordenen herzlichen Empfang in Portsmouth und Windsor aus. Kaiser Wilhelm nahm mit Interesse die vielen prachtvoll ausgeführten Neuerungen in und um Schloß Windsor wahr und sprach seine warme Bewunderung über die ihm und der Kaiserin zuerteilte Gemächerflucht aus. König Eduard ging heute mit dem Kaiser und den übrigen Herren auf die Jagd im Windsorer Forst. Die königliche Jagdgesellschaft verließ das Schloß um 11 Uhr mit dem Automobil.
MttWs Verschling durch Hnnglmm Vech.
Ist auch der schwere Waffengang, den unsere Südwest- afritaner viele Monate lang gegen Herero und Hottentotten zu bestehen hatten, mit dem Tode Jakob Morengas glücklich zu Ende geführt, so hat die allgemeine Teilnahme an den größeren Episoden dieses schicksalsreichen Feldzuges doch immer noch nicht nachgelassen. Das gilt auch insbesondere von den wiederholten Versuchen, den letzten Widerstand der Eingeborenen im äußersten Süden des Schutzgebiets zu brechen, und deshalb darf ein Vortrag, den Hauptmann Bech über seinen blutigen Strauß mit Morenga gehalten hat, aus lebhaftes Interesse in weiten Kreisen rechnen. Aus Sprottau wird darüber geschrieben :
Vor einem vielhundertköpfigen geladenen Publikum hielt Hauptmann Bech, der zurzeit einen viermonatigen Urlaub in seiner hiesigen Vaterstadt verlebte, einen mehrstündigen, sehr interessanten, mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag über seine mehrjährigen Erlebnisse aus dem südwestasrikanischen Kriegsschauplatze. Hauptmann Bech machte bekanntlich seinerzeit von sich reden, als er den verschlagenen Hereroführer Morenga auf englisches Gebiet versolgte. Der Schildernng dieses Vorsalles, der damit zum ersten Male eine authentische Darstellung in der Oeffentlichkeit erhielt, folgte das Auditorium mit besonderer Aufmerksamkeit. Hauptmann Bech führte aus:
Nach anstrengenden Märschen hatte ich am 29. April 1906 mit meinem Detachement Hanapan erreicht. Eben waren wir im Begriff, uns der langersehnten Ruhe hinzugeben, als
verführt hat; mich, der ich krank, hat dieser Bösewicht nebst dem Steuermann und zwei treuen Matrosen aus die Fonning Inseln im Stillen Ozean bringen lassen, wo wir ein volles Jahr und darüber des Lebens Not gleich Schiffbrüchigen empfunden haben. Die Ladung haben die Schurken versilbert, das Schiff verkauft, den Ertrag aber verspielt!"
„DaS ist ja entsetzlich!" rief Mr. Morley voll Abscheu.
Hier erhob sich James:
„Lasse Dir sagen, Papa, was wir beschlossen haben: um die Ehre der Familie zu schonen, wollest Du ihm eine Summe von einigen tausend Pfund einhändigen, mit welchem Gelde er nach der Neuen Welt entfliehen mag, ehe die Behörden ihn als Mörder, Dieb und Meuterer fassen!"
„Es sei!" bestätigte Mr. Morley. „Er soll 5000 Pfund haben! Seid Ihr einverstanden, meine Söhne?"
»Ja I"
„Bernard," gebot nun der alte Herr, „geleite Herr Oliver Gardener hinaus! — Deine 5000 Pfund kannst Du in einer halben Stunde an der Kasse in Empfang nehmen, dann hast Du Grünhaus und das Werk zu meiden, oder — ich lasse Dich sofort verhaften, Oliver Gardener!"
Sir Archibald sprach kraftvoll wie in alter Zeit.
„Und nun, Papa," fuhr James fort, „soll es wieder heiter am Theetische der Morleys hergehen! Siehe die da, Ralph und Edith, Hand in Hand! Gestatte mir, Dir nun auch eine Schwiegertochter zuzusühren!"
„Kinder, Kinder!" rief der alte Herr.
James war schon hinaus und brächte Klara an der Hand herein:
„Schau, Papa, das ist sie, die Tochter des wackeren Kapitäns da, der Deinem Ralph das Leben gerettet hat!"
Sir Archibald streckte beiden eine Hand entgegen. Klara aber mußte an seiner Seite Platz nehmen.
Nun ging es an's Erzählen, Sir Archibald sagte leicht aufatmend:
„Gottes Wege sind wunderbar!"
Die Entlassung Gardeners wurde jetzt dem ersten Ingenieur angezeigt, die Kasse angewiesen zu zahlen.
(Fortsetzung folgt.)
in unserem Lager plötzlich ein reitender Eilbote mit drei KriegS- depeschen erschien. Diese Hiobsposten besagten, daß etwa 50 Hottentotten in der Nacht vom 27. zum 28. April die Pad (Weg) Klippdamm-Witpan in östlicher Richtung, also in der Richtung auf die Grenze zu, überschritten und Morenga die Absicht habe, Klippdamm noch in der Nacht zu Überfällen; er stehe mit 180 Mann nicht weit davon. An eine Ruhe war nun nicht zu denken. Sofort wurde alles für den Weiter- marsch zubcreitet, und in zwei Stunden setzten wir uns in Bewegung. Als wir Klippdamm erreichten, erfuhren wir, daß diese übrigens befestigte Station von den Hottentotten nicht belästigt worden war. Hier war aber inzwischen ein Telegramm des Oberstleutnants von Estorff an mich eingetroffen, durch das ich den Befehl erhielt, den Feind mit äußerster Energie zu verfolgen, bis ihn die englische Polizei stellte. Aus dem Weitermarsch stieß ein Bur zu uns, der nähere Mitteilungen über den Aufenthalt Morengas machte, die sich bald bestätigen sollten. Denn am 4. Mai entdeckten wir hart an der Grenze ganz frische Hottentottenspuren, die aus englisches Gebiet hinüber- führten. Wir waren also Morenga hart auf den Fersen. Ich überlegte ernstlich,, was ich tun sollte. Da sich eine so günstige Gelegenheit, den Burschen abzufangen, nicht gleich wieder bot und meine Leute vor Begierde brannten, aus den Feind zu kommen, so beschloß ich, den Feind über die Grenze zu verfolgen. Schon nach kurzem Marsche stießen wir auf die Hottentotten, die bei van Rootsvlcy ganz sorglos zwischen den Dünen lagerten. Aus dem neutralen englischen Gebiet dursten sie sich ja sicher fühlen. Sofort formierte ich mein Detachement in drei strahlenförmigen Zügen, und mit Hurra wurden die Pontoks, in denen die Hottentotten Deckung gesucht hatten und aus denen uns die Kugeln lebhaft um die Ohren pfiffen, gestürmt. Von uns wurde nur ein braver Kamerad, ein Württemberger, tödlich verwundet, während zahlreiche Herero- leichen den Kampfplatz bedeckten. Auch Morengas Bruder war gefallen und Morenga selbst am Kopse und am Halse schwer verwundet. Als meine Leute das Schlachtfeld ab- suchten, hatte sich Morenga auf den Bauch gelegt und sich tot gestellt. Niemand kannte ihn, so daß er sich später den Engländern gegenüber rühmen konnte, durch diesen Trick der Gefangenschaft entronnen zu sein. Wir erbeuteteten 30 Gewehre, 300 Patronen und viel Lagergerät. Kaum war das Gesechts- feuer eingestellt, als englische Polizisten angesprengt kamen und mich darauf aufmerksam machten, daß ich mich aus englischem Boden befände und hier kein Gefecht liefern dürfe; wir möchten sofort sämtliche Waffen abliefern. Ich entschuldigte mich damit, daß ich nur die Absicht gehabt hätte, der englischen Polizei bei der Entwaffnung der Hottentotten behilflich zu sein. Diese Erklärung stimmte die Engländer versöhnlicher, so daß sie mit der Hälfte der Waffen, ja, schließlich mit zwei bis drei Stück zufrieden sein wollten. Aber auch diesen Wunsch erfüllte ich ihnen nicht. Ich brach alle weiteren Verhandlungen in höflicher Form ab, ließ meine Leute auf dem Gefechtsselde noch einmal antreten, um den Sieg in einem kräftigen Hurra auf unseren obersten Kriegsherrn ausklingen zu lassen, und dann traten wir mit unserem toten Kameraden und den Siegestrophäen den Rückmarsch ins deutsche Gebiet an. Seit diejem Ereignis war Morengas Widerstand für alle Zeiten gebrochen.
Ist Vnrgiingt in Rußland.
Semberg, 11. November. In der Militär-Reitschule von Jaroslau fiel am. 9. d. M. mittags der Ulanenoffizier Kahn hinterrücks mit dem Säbel in der Hand den General Gemmingen an, der gerade im Equitationskurs Rapport ent- gegennahm. Die anwesenden Offiziere stürzten dem General zu Hilfe und wehrten den Angreifer ab, wobei der dem General zugedachte Hieb den Oberleutnant Schrott an der Hand verletzte. Die Offiziere zogen die Säbel und versetzten Kahn mehrere Hiebe, so daß er blutend die Reitschule verließ. Er wurde verhaftet und ins Militärspital abgegeben, weil er sehr schwer verletzt ist. Die Veranlassung zum Ueberfall gab die Entscheidung deS Militärehrengerichts, wonach Kahn des Offiziersranges verlustig erklärt wurde.
Ae Sirrtn in Marakka.
In Marokko dauern die inneren Wirren fort. Infolge der Weigerung des Stammes der Kemmis, die Steuer zu bezahlen, unternahm der Kaid von Arzila einen Raubzug in ihr Gebiet. Das Eigentum der Bewohner wurde weggenommen, die Wohnstätten zerstört, zahlreiche Stammesangehörige und einige Soldaten fielen im Kampfe. Zwischen den Stämmen der Khlets und der Ben Aissa kam es wegen Streitigkeiten zu einem Kampfe, bei dem zahlreiche Ben Aissa-
— Ein Kampf mit Löwen fand dieser Tage in der Nähe des Bahnhofs in Wiesloch in Baden statt. Dort gastierte seit einiger Zeit der Menageriebesitzer Wiesner mit seinem Zirkus. Als nun nach Abschluß der dortigen Vorstellungen die Tiere in mehreren Wagen nach dem Bahnhöfe gebracht wurden, ging unweit der Station auf bis jetzt unaufgeklärte Weise plötzlich die Tür deS einen Wagens aus und drei mächtige Beberlöwen stürzten sich aus die Pferde. Der eine Löwe erhielt einen kräftigen Husschlag, so daß er zurücktaumelte, der andere riß mit feiner Pranke ein großes Stück Fleisch aus dem Hinterschenkel deS PserdeS und auch der Führer des Wagens hatte mit den drei Löwen zu kämpfen. Er wurde hierbei an der Hand nicht unerheblich verletzt, doch gelang es ihm schließlich, durch Hiebe mit der Peitsche die Raubtiere sich vom Leibe zu halten. Glücklicherweise kamen noch rechtzeitig die Tierbändiger hinzu, die die Löwen mit Netzen und Tüchern ein- fingen und sie wieder in ihren Käfig brachten.
— Hannover, 11. November. Gestern vormittag 10 Uhr fand man in der Eilenriede im sogenannten Bischhosshohlgraben die beiden hier wohnhaften, unverheirateten, im Alter von 58 und 60 Jahren stehenden Schwestern Frieda und Emma Scheele mit durchschnittenen Pulsadern tot auf. Neben den Leichen lag ein Rasiermesser. Da die beiden Damen in guten Verhältnissen lebten und ein Grund für einen Selbstmord nicht verhanden ist, nimmt man an, daß die Damen bei ihrem gewohnten Spaziergang einem Verbrechen zum Opser gefallen sind. Man vermutet, daß der oder die Täter ben Damen den Schnitt über den Arm beibrachten und sie in das Wasser warfen, wo sie erstickt sind.
— Bonn, 11. November. Gestern abend warf sich ein junger Mann vor einen Schnellzug nnd wurde sofort getötet.
— Berlin, 11. November. (Mordversuch und. Selbstmord.) Am Montag nachmittag kurz vor 4 Uhr verwundete ein unbekannter Mann den Kaufmann Sally Waldo in seiner Wohnung in der Fasanenstraße 72 durch zwei Revolverschüsse schwer und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe.