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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 134. Dienstag, den 13. November 1907.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 6. November 1907.

Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche mit der Erledigung des Ausschreibens vom 1. Oktober 1880, Nr. 11469 — Kreisblatt Nr. 79 — betreffend den Erlös für das verkaufte Gemeindeobst noch im Rückstand sind, werden mit 8tägiger Frist erinnert.

A. 4957. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Am MtrW in Wand.

DaS Kaiserpaar hat nunmehr seine geplante Reise zum Besuche des verwandten englischen Hofes zur Ausführung gebracht, geleitet von den herzlichsten Wünschen des deutschen Volkes für einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf der Reise. Am Sonnabend nachmittag trafen die Majestäten, nachdem am Spätabend zuvor ihre Abreise von Berlin erfolgt war, mittels Sonderzuges in dem holländischen Hasenplatz Vlissingen ein und begaben sich dort mit dem Gefolge an Bord der Jacht „Hollenzollern", welche alsdann, gefolgt von den Kreuzern „Scharnhorst" und „Königsberg", sowie dem als Depenschenboot dienenden Torpedoboot „Sleipner", die Ueberfahrt nach England antrat. Die Ankunft der Kaiserflotille auf der Reede von Spitehead (Portsmouth) wurde für Montag früh erwartet. Dem auf acht Tage berechneten Besuch des kaiserlichen Paares am englischen Hofe wird sich bekanntlich noch ein mehrwöchiger Aufenthalt des Kaisers auf der Insel Wight anschließen, welcher dem Monarchen ärztlicherseits behufs völliger Beseitigung seines jüngsten Halskatarrhes angeraten worden ist; von dem milden Seeklima Wights steht denn auch die gänzliche Behebung dieses Uebels zu erhoffen.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach Meldungen aus London haben mehrere dortige Blätter schon heute Artikel veröffentlicht, in denen dem deutschen Herrscherpaare herzliche Willkommensgrüße dargeboten werden. Sie geben der Stimmung weiter Kreise jenseits des Kanals Ausdruck, die ein besseres Verständnis der beiden großen Völker für einander wünschen, und in deren Sinne hervorragende Persönlichkeiten seit Jahren gewirkt haben und heute noch wirken. Die beiden letzten Jahre haben erfreuliche Beweise für den Erfolg dieser Be­strebungen gebracht, neben denen Bemühungen gleicher Richtung, und zwar ebenfalls mit merklichen Ergebnissen in Deutschland am Werke waren. Wie in dem Besuch Sr. Majestät des Königs von England in Wilhelmshöhe, so werden in dem Aufenthalt der Kaiserlichen Majestäten als Gäste des britischen Königshofes jenseits des Aermelmeeres die Bestrebungen gekrönt,

€in Kampf um s Licht

Roman von Carlo Carraky.

' (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Beim Glase Wein ging es nun an's Erzählen und dann machte man Pläne, wie besonders Blaine zu sangen sei. Plötzlich erklärte Ralph:

„Kapitän, machen Sie Ihre Güte groß und erlegen Sie für mich den Fahrpreis! Bin ich erst in Caernavon, so tele­graphiere ich, wie die Sache steht; Sie kommen hinüber und der Schurke wird hinter Schloß und Riegel gesetzt!"

„Die Schurken, meinen Sie wohl?"

„Hm," versetzte Ralph, „Gardener ist doch nur der Verführte!"

Horstmann lächelte:

„Ich kenne ja Ihre Herzensgüte, Sir Ralph, dieselbe wird sich wohl nie verleugnen!"

Ralph schwieg stille.

„Und wann fahren Sie?" fragte Horstmann.

„Gleich morgen!"

„Bravo! Frische Fische, gute Fische!"

Klara hatte nun hundert Aufträge für ihren James, so daß Ralph lächeln muffte.

In der Tat reiste der Gast andern Tages ab und traf eines Morgens früh bei Dr. Morisson ein.

„Ich grüße Sie, mein werter Sir James!" sagte der Advokat. „Sie wollen mich gewiß sprechen?"

„Allerdings!"

„Bitte treten Sie in mein Kabinett!"

Hier angekommen, wandle sich Ralph um:

„Sie halten mich für James, Herr Doktor?"

„Nun, natürlicherweise!"

„Ich bin eS aber nicht!"

„Nicht? dann sind Sie —?"

„Ralph Morley!"

„Mein Gott! — Ihr Bruder hält Sie für tot!"

„Das mußte er wohl, als er mich verließ!"

frühere Mißverständnisse zwischen den beiden Mächten endgültig zu überwinden und ihre Beziehungen auf die Basis eines friedlichen und freundlichen Verhältnisses zu stellen. Un­zweifelhaft ist der bevorstehenden Begegnung der deutschen und der britischen Majestäten insofern eine nicht zu unterschätzende politische Bedeutung beizumessen, als durch sie der auf beiden Seiten gehegte und deutlich zu Tage getretene Wunsch nach Erhaltung ungetrübter Beziehungen neue und wichtige Förderung erfährt. Diese Bedeutung wird keineswegs geschmälert durch die Tatsache, daß entgegen der hier und da laut gewordenen Meinung die Behandlung spezieller politischer Probleme während des Kaiserbesuchs in England weder angeregt noch beabsichtigt ist. Der warme Empfang der unserem Herrscherpaar in England zugedacht ist, wird bei uns einen gleichgestimmten Widerhall finden und seinerseits den geweckten freundlichen Gesinnungen zwischen den beiden Nationen neue Kräftigung verleihen.

London, 9. November. Aus Windsor wird telegraphiert, daß dort jetzt die endgültigen Vorbereitungen für den Kaiser­besuch getroffen werden. Enorme Mengen von seltenen Blumen und Plauzen wurden von den Treibhäusern zu Frogmore nach dem Schloß geschafft. Die Eskorte der königlichen Karde-Kavallerie, welche am Montag die königlichen Equipagen vom Bahnhof nach dem Schloß begleiten wird, hielt heute im Schloßhof eine Probe ab. Der König erteilte dem Kadettenkorps der United-ServiceS-College-Kadettenschule in Windsou die Genehmigung, am Montag bei Ankunft der kaiserlichen Gäste aus dem Bahnhose Aufstellung zu nehmen. Es wird dort eine zweite Ehrenwache bilden und sich eigen­artig neben der ersten Ehrenwache der Garde-Grenadiere aus­nehmen, die sämtlich über sechs Fuß hoch sind. Man er­wartet, daß der Kaiser beide Ehrenwachen inspizieren werde.

ZM towriiwiiwr ein zweiter Lohn geboren.

Im deutschen Kaiserhause ist wiederum ein freudiges Familienereignis ein getreten, am Sonnabend vormittag ist die deutsche Kronprinzessin in Potsdam von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Den hohen Eltern, wie dem kaiserlichen Großelternpaare bringt zu der Geburt des zweiten Sohnes und Enkels das deutsche und preußische Volk die innigsten Glückwünsche dar — möge auch das jüngste Reis am alten Hohenzollernstamm kräftig blühen, wachsen und gedeihen!

Mit lebhafter Freude vernahm heute die Bevölkerung Berlins die Kunde, daß dem Kronprinzenpaar ein zweiter Prinz geboren ward. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge begleitete die Leibbatterie des 1. Garde- Feldartillerieregiments unter Hauptmann v. Aulock zum Salut­schießen nach dem Lustgarten. Die Batterie protzte am Wasser ab und gab mit der Front nach dem Dom die üblichen

Mein Gott, diese Ueberraschung! Nun aber nehmen Sie Platz und lassen Sie uns überlegen, was zu tun!"

Der Diener mußte Wein und Zigarren bringen.

„Lassen Sie sich also zunächst sagen," berichtete der Doktor, „daß Ihr Herr Bruder anerkannt ist!"

„Gott sei gelobt!"

„Sie lieben Ihren Bruder?"

„Ueber alles!"

„Noch über Miß Edith?"

Ralph wurde flammend rot und versetzte dann:

„Man sagte mir, sie fei längst Lady —!"

„Das ist ja Unsinn! Miß Edith ist die Treue in eigener Person!"

„Und ich Tor glaubte —"

„Das hätte ein anderer auch getan. Derjenige, welcher die Intrigue ersonnen, ist ein Meister in der Verstellung. Empörender ist noch die andere Lüge, daß Sie bei Sternheim und Kompanie — Nein, es ist zu absurd!"

„Edith wird es nicht geglaubt haben!"

„Nein, sie glaubt an Sie wie an Gott! Wir müssen aber vorsichtig sein; ihre Gesundheit ist infolge der vielen Aufregungen nicht die beste!"

Ralph lächelte trübe, dann sagte er:

„Was sagen Sie zu dem Plan, wenn wir James benach­richtigen und ich an seine Stelle trete?"

„Eben wollte ich eS vorschlagen! Bei der großen Aehn- lichkeit, die Sie beide mit einander besitzen, ist er leicht ausführbar!"

„Und des Vaters Leben wird nicht gefährdet!"

„Die Hauptsache, mein teurer Sir Ralph!"

„Gut, so schreiben Sie sogleich; aber erwähnen Sie meiner nicht! Man kann nicht wissen, ob der Brics ungefährdet in feine Hände kommt!"

„Ach, Sie denken an — Ihren Vetter!"

„Leider!"

„Sir James hat mir seinen Verdacht ebenfalls mitgeteilt. Ich traue ihm alles Schlechte zu!"

Ralph ging nicht weiter daraus ein, sondern meinte:

72 Schüsse ab. Das Trompeterkorps deS Regiments spielte beim Ausmarsch der Batterie den Torgauer Marsch, nach dem Salutschießen Heil Dir im Siegerkranz. Mit dem Preußenmarsch rückte sie wieder ab. Die Königlichen Gebäude und viele Privathäuser legten alsbald Flaggenschmuck an.

Sit 8ck- und SirWIrifiS.

Der Zusammenbruch einer Reihe von Trusts, Aktiengesell­schaften und Banken in Nordamerika und die wahrscheinlich wieder einmal an ihrem Höhepunkte angelangte industrieelle Hochkonjunktur in Deutschland, England, Oesterreich, Frank­reich, Belgien, Holland und der Schweiz haben den inter­nationalen Weltmarkt gleichzeitig in eine Geld- und Wirt- schaftskrisis gebracht. Wir glauben aber, daß die Geldkrisis schlimmer ist als die Wirtschaftskrisis, und daß man keine so großen Befürchtungen gerade in Deutschland zu hegen braucht, weil sich die deutschen Banken und Aktiengesellschaften aus dem Gebiete der Industrie nicht an den wilden Spekulationen beteiligt haben, wie es vielfach im Auslande und zumal in Amerika geschehen ist. Wir haben schon früher wiederholt daraus hingewiesen, daß Nordamerika zwar enorme Naturschätze besitzt, aber lange nicht so reich und so solid in seinem Wirt­schaftsleben ausgebildet ist wie etwa England und verhältnis­mäßig auch Deutschland. Die Milliarden der Amerikaner stehen meistens aus dem Papiere der Aktiengesellschaften und werden von den Trusts und Ringen geradezu in der frechsten Weise als Betriebskapital hingestellt, indem man sagt, daß die Aktien von 10 oder 20 einen Ring bildenden Gesellschaften jetzt aus einmal das dreifache wert seien, oder daß man einfach , die dreifache Anzoh^von Aktien au^ibi. Das ist echter, freier, amerikanischer Schwindel, der durch die große Krisis in Amerika wiederum deutlich zu Tage getreten ist. Um sich wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen, braucht aber Amerika bares Geld, denn die papiernen Aktien sind vielfach wertlos geworden, und Amerika braucht das Geld und zumal das Gold um jeden. Preis. Amerika zahlt auch riesig hohe Zinsen, aber trotzdem sehen sich die Banken Europas genötigt, ihre Goldbestände gegenüber den wilden amerikanischen An­sprüchen zu schützen, um Europa vor einer Geld- und Wirt- schaftskrisis möglichst zu bewahren. Deshalb haben die Banken von England, Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Italien, Holland und Belgien ihren Zinsfuß für Wechsel und Lombard­geschäfte auch enorm erhöht. Die deutsche Reichsbank ist sogar soweit gegangen, daß sie den Wechselzinsfuß auf 7Va Prozent und den Lombardzinsfuß auf 8V2 Prozent hinaufgeschraubt hat. Das ist für die Geschäftsverhälnisse eine sehr ernste Lage, welche viele Unternehmungen nötigen wird, fast ohne Gewinn, ja mit Verlust wegen Mangel an genügendem Bargeld zu arbeiten. Eine heilsame wirtschaftliche Wirkung kann aber durch den hohen Zinsfuß vielleicht dadurch erreicht werden, daß die sehr hohen Preise für Rohprodukte, Kohlen und Ge­treide infolge der Geld- und. Wirtschaftskrisis sinken müssen,

„Ich wünsche dringend, daß die Ehre unseres HauseS ge­schont werde!"

Dr. Morisson verbeugte sich und entgegnete:

„Daran erkenne ich den echten Morley. Es soll so geschehen!"

Doktor Morisson verschaffte Ralph Geldmittel, so daß er sich genau wie James ankleiden konnte; er bezog inzwischm ein Hotel, wo ihn auch James aufsuchen sollte.

In einem geschlossenen Wagen brächte Dr. Morisson James, nachdem er ihn vorsichtig auf daS Wiedersehen vor- bereitet, zu Ralph, und in den Armen lagen sich beide.

„Ick bringe Dir tausend Grüße von Deiner Klara!" sagte Ralph.

„Und ich kann Dich versichern, daß Edith Deiner in treuer Liebe gedenkt!"

„O, ich Tor, daß ich ihr solange sernblieb!"

„Desto größer ist jetzt die Freude!"

James war mit dem Plan einverstanden, nur eine Aenderung wünschte er: er wollte, während Ralph des Vaters Herz ge­wann, nach Hamburg reifen und feine Klara holen.

Ralph gestand es zu.

„Sage aber Kapitän Horstmann, daß er sich beeile, ehe die Vögel ausfliegen!"

„Ja, gönne mir^rei Tage zur Rückreise nach GrünhauS, alsdann kannst Du meine Zimmer beziehen, wie sie sind!"

„Zugestanden; unterdes werde ich den äußeren Menschen nach Deinem Muster ausstatten lassen!"

Wie klopfte Ralph das Herz, als er am vierten Tage in Grünhaus eintraf und Edith ihn begrüßte:

„Nun, Du Zugvogel, wieder da?" Ralph hätte ihr um den Hals fallen mögen, aber er bezwäng sich, sondern sagte nur:

„Ich bringe Dir auch Nachrichten mit über jemand, der Dir teuer ist!"

Edith errötete wie die Mohnblumen die Sommers über im Kornfelde stehen.

„Von wem?" flüsterte sie.

„Gestaltest Du mir heute abend eine Unterredung; eS ist nicht so leicht abgemacht!"