Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für hersseld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w
Der Anzeigenpreis beträgt für den KMm einer ein- gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^^»«
Herrselder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 183
Sonnabend, den 9. November
1907
Amtlicher teil.
Hersseld, den 4. November 1907.
Unter dem Schweinebestande des Müllers Franz Heuer zu Heringen ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 10472. Der Königliche Landrat.
I. V.: T h a m e r.
Hersfeld, den 31. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande des Johs. Jäger zu Hedders- dors ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 10285. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 4. November 1907.
Unter dem Schweinebestande der Witwe Roßbach zu Hersfeld ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 10447. Der Königliche Landrat.
I. V.: T h a m e r.
Hersseld, den 31. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande des Heinrich Stock zu Nieder- ossa ist Rotlaufseuche ausgebrochen. [. 10316. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 4. November 1907.
Unter dem Schweinebestande des Konrad Baum und Johannes Lotz zu Kathus ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 10471. Der Königliche Landrat.
I. V:
T h a m e r.
Hersseld, den 1. November 1907.
Unter dem Schweinebestande des Maurers Wilhelm Steinert zu Frielingen ist Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 10 373. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 31. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Adam Ries II. zu Heringen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 10243. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 31. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Wilhelm Dippel zu Asbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 10 207. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 31. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Bernhard Faulhaber zu Gershausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
1. 10226. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Der Königliche Kreisarzt Dr. Ewers ist bis auf weiteres in seiner zeitigen Privatw ohnung: Frauentor B. 17 », 1- Etage
(Haus des Herrn Fabrikanten Jacob Seelig) dienstlich zu sprechen.
Hersseld, den 7. November 1907.
Der Königliche Landrat
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
DerProzeß B ülow-Brand.dersich soeben vor den Schranken deS Moabiter Kriminalgerichts abgespielt hat, ist in seiner Wirkung einem reinigenden Gewitter zu vergleichen. Daß aus Charakter und Lebensführung unseres Reichskanzlers dabei auch nicht der leiseste Schatten fiel, stand freilich für jeden, der die edle Größe und Reinheit dieser ganz in der Pflicht wurzelnden und in ihr ausgehenden Persönlichkeit kennt, von vornherein fest. Wichtiger erscheint daher daS Auftreten des Fürsten Eulenburg und seine eidliche Zeugenaussage. Der
Fürst hat seinem bereits abgegebenen Ehrenwort, daß er sich nie in homosexueller Hinsicht vergangen habe, nunmehr noch den Eid hinzugefügt. Von weitaus größerer Bedeutung für das öffentliche Interesse aber ist die fernere eidliche Aussage des Fürsten, daß eine Kamarilla Eulenburg nie existiert habe, und daß er insbesondere nie gegen den jetzigen Reichskanzler irgendwie intrigiert oder auch nur ein unfreundliches Wort gesagt habe. Er ist hiernach anzunehmen, daß nunmehr wenigstens das Zentrum aushören wird, mit der Legende, Fürst Bülow habe sich vor einer Kamarilla in den Reichstagswahlkampf geflüchtet, zu hausieren. Von der Partei des moralischen Sumpfes, der Sozialdemokratie, die ja nur von Lüge und Verleumdung lebt, ist dies freilich auch in Zukunft nicht zu erwarten. •
Am Schwedensteine bei Lützen, wo im Dreißigjährigen Kriege der Schwedenkönig Gustav Adolf den Heldentod starb, hat die Weihe der vom Konsul Oskar Ekmann in Stockholm gestifteten Gustav Adolf-Gedächtniskapelle in Anwesenheit des Prinzen Eitel-Friedrich von Preußen, des Kronprinzen von Schweden und vieler geistlichen und weltlichen Würdenträger aus Deutschland und Schweden in feierlicher Weise stattgefunden. Ihrem Stifter war es leider nicht vergönnt, der seltenen Feier beizuwohnen; er ist am 14. Mai dieses Jahres verstorben. Von Fansarenbläsern in mittelalterlicher Heroldstracht eingeleitet, bewegte sich der imposante Festzug nach dem bekannten „Schwedenstein", wo nach dem allgemeinen Gesänge des Lutherschen Schutz- und Trutzliedes „Ein' feste Burg ist unser Gott" der Leipziger Superintendent Geh. Kirchenrat Dr. Pank in schwungvollen Worten die Festrede hielt. Wie hier vor 275 Jahren schwedische und deutsche Männer Schulter an Schulter in sester Waffenbrüderschast ge- kämpft hätten, so stände heute hier mit dem deutschen Kaisersohne und mit deutschen Fürsten der Kronprinz des schwedischen Königreichs, durch seine Gemahlin eng verbunden mit dem deutschen Kaiserhause, gleichwie einst in Gustav Adolf und seiner Gemahlin das Geschlecht der Wasa vermählt mit dem Hohenzollerngeschlecht. Beide Völker sollten nie vergessen, welch heilige Bande sie verbinden durch gleiche Erinnerungen, gleichen Glauben, gleichen Stamm. Schließlich bezeichnete der Redner das Gotteshaus als ein unzweideutiges Zeugnis, eine ernste Mahnung, ein heiliges Gelübde und ein beständiges Bekenntnis. Nach der Weihrede des Generalsuperintendenten Jacobi aus Magdeburg vollzog der schwedische Erzbischos Ekmann in der Sprache seines Landes die Weihe, und mit Gebet, Segen und gemeinsamem Gesang schloß die würdevolle Feier, der im Geiste Millionen von Evangelischen beigewohnt haben werden.
Das neue schweizerische W e h r g e s e tz, das von der Sozialdemokratie so heftig bekämpft wurde, ist in der Volksabstimmung mit großer Mehrheit zur Annahme gelangt. Durch das neue Gesetz wird die erste Ausbildungszeit der Rekruten verlängert und eine bessere Ausbildung der Offiziere gewährleistet, den höheren Truppenführern aber wird ein ent- scheidender Einfluß auf die Ausbildung der ihnen unterstellten Truppenteile ermöglicht. Die gesamte schweizerische Presse begrüßte den Abstimmungstag als ein geschichtliches Ereignis, das aufs neue die Eigenkraft der Schweiz bewiesen habe, während die sozialdemokratischen Blätter die erlittene Niederlage mit nichtssagenden Phrasen, wie das bei ihnen so üblich ist, zu bemänteln suchten. Das Deutsche Reich als Nachbar der Schweiz darf die Annahme der Wehrforderung mit Freude begrüßen ; denn eine wehrfähige Schweiz ist eine neue Gewährleistung des europäischen Friedens.
In Rußland sind die Haupt wählen der Duma nunmehr beendigt. Gewählt sind 195 Mitglieder der Rechten und Monarchisten, 124 Oktobristen und Gemäßigte, 4 Friedliche Erneuerung, 35 Kadetten, 14 polnische Nationalisten, 5 Mohammedaner, 11 Sozialdemokraten, 26 Linke und 2 Wilde. DaS hervorstechendste Merkmal der neugewählten Volksvertretung Rußlands ist dar entschiedene Uebergewicht der gemäßigten Elemente, die nahezu über eine Dreiviertelmehrheit verfügen. Hierin gelangt deutlich der Umschwung zum Aus- druck, der sich in der Stimmung der russischen Wähler seit den Wahlen zur zweiten Duma vollzogen hat. Stand diese noch vollständig unter der Herrschaft der radikalen Phrase, so ist in der Zwischenzeit eine wachsende Abkehr von dem revo- lutionären Treiben eingetreten. Nach der Zusammensetzung der dritten Duma steht daher zu hoffen, daß sie ersprießliche Mitarbeit an der Erneuerung deS staatlichen Lebens in Rußland leisten wird.
In O e st e r r e i ch nehmen die parlamentarischen Verhandlungen über den Ausgleich ihren Fortgang. In Italien beginnt ein Sturm gegen das Ministerium Tittoni herauszu- ziehen, und e§ gilt' als wahrscheinlich, daß eine Kammerauslösung ihm seine Mehrheit im Parlamente entziehen werde. König Viktor Emanuel aber scheint entschlossen, ihn zu halten, und eS ist immerhin möglich, daß die Krisis noch vorüberzieht.
In Portugal dagegen rückt die Gefahr einer Revolution immer näher, falls der König sich nicht entschließt, das Mi- nisterium Franco fallen zu lassen und zu verfassungsmäßigen Zuständen zurückzukehren. Sehr ähnlich liegen endlich die Dinge in S e r b i e n, wo die antidynastische Bewegung in bedrohlichem Wachstum begriffen ist. Hier lassen sich die Geister
des Fürstenmordes nicht bannen, und die Nemesis, die durch das Leben der Völker schreftet, schickt sich an, ihres Amtes zu walten.
Las Proirmm her Naisemist war in den letzten Tagen geändert worden. Die Prinzessin von Schleswig-Holstein, die Braut des Prinzen August Wilhelm, war im Königlichen Schlosse zu Berlin, wo sie zu Besuch weilte, von den Windpocken befallen worden, und eS war zu befürchten, daß die Tochter des Kaiserpaares, Prinzessin Viktoria Luise, angesteckt werden würde. Ist die Krankheit auch nicht so schwer, so wollte doch die Kaiserin ihre Pflege- befohlenen nicht verlassen. Auch mag die noch für diesen Monat erwartete Entbindung der Frau Kronprinzessin Ihrer Majestät nahegelegt haben, lieber aus die Begleitung Seiner Majestät nach England zu verzichten. Dieser Verzicht wurde am englischen Hofe sehr bedauert, und deshalb hat sich Ihre Majestät die Kaiserin doch noch entschlossen, an der Fahrt nach England teilzunehmen.
Wie es scheint, wird es jedoch bei dem Aufschub deS Besuches des Kaiserpaares in Amsterdam verbleiben. Seine Majestät der Kaiser wünscht nach den Tagen von Windsor und London noch zwei bis drei Wochen in England zu bleiben, und zwar inkognito aus der Insel Wight, um sich von einer Erkältung, die er sich vor acht Tagen zugezogen hat, ganz zu erholen. Jene am Golfstrom gelegene Insel ist bekannt durch ihr mildes und heilkräft' »es S.ima. Königin Wilhelmina hat bereits zugestimmt, daß der für den 19. und 20. November in Aussicht genommene Besuch in Amsterdam erst etwa drei Wochen später erfolge.
Zu irgend welchen politischen Kommentaren über die veränderten Reisedispositionen deS Kaiserpaares liegt kein triftiger Grund vor. Pariser Blätter haben sich aber die Gelegenheft nicht entgehen lassen, wieder einmal das Mißtrauen der Holländer gegen Deutschland zu erregen. Der „Temps" behaup- tet, man sei in Deutschland verschnupft darüber, daß eine engere wirtschaftliche Verbindung zwischen Belgien und Holland zustande zu kommen scheine. Es tagt nämlich gegenwärtig eine belgisch-holländische Kommission, die alte Gegensätze in Eisenbahnsragen und anderen Verkehrsangelegenheiten auS- gleichen soll. Die geographische Lage der beiden Küstenstaaten hat schon lange zu zweckmäßigen Abmachungen gedrängt. Diese sind aber ganz unpolitischer Natur, und daß es nicht schon längst dazu gekommen ist, ecklärt sich daraus, daß jedes der beiden Völker ängstlich aus seine Selbständigkeit bedacht ist und jede Art von politischer Interessengemeinschaft ablehnt. An der politischen Abneigung der beiden Völker untereinander wird weder jene Kommission, selbst wenn sie nützliches zustande bringt, noch auch das heiße Bemühen französischer Ratgeber, Belgien und Holland gegen Deutschland militärisch zu einen, etwas wesentliches ändern. Vollends wenn diese Ratgeber so plump und ungeschickt verfahren, wie mit der Behauptung, daß der deutsche Besuch in Amsterdam verschoben worden sei, weil es den Kaiser verstimmt habe, daß die lang vorbereitete Kommission nun wirklich ihre Beratungen beginnt. Mit solchen Albernheiten sollte man die Kaiserreise, bei der überhaupt über den Rahmen der Pflege höfischer Beziehungen hinaus keine politischen Zwecke verfolgt werden, nicht beladen.
Kurzer Rückblick auf die Kämpfe in Südwestafrika.
Der länger als drei Jahre hindurch geführte Krieg in Deutsch-Südwestafrika hat unsere Schutztruppe in nähere Be- rührung mit einem ebenso kühnen als verschlagenen Feinde gebracht, und dieselbe au den Kamps auf afrikanischem Boden und an afrikanische Verhältnisse gewöhnt. Nichtsdestoweniger hat eS so langer Zeit bedurft, um dem Ausstand ein Ende zu machen und um in dem weiten Gebiete, welches größer ist als daS Deutsche Reich, die Ruhe wiedcrhcrzustellen und Leben und Eigentum der Bewohner zu sichern. Unwillkürlich ist deshalb oft die Frage aufgeworfen worden: wo bleibt die Ueberlegenheit deutscher Kultur den Eingeborenen gegenüber? Sind die Schutztruppen nicht mit den besten Feuerwaffen ausgerüstet, verfügen sie nicht über Feld- und GebirgSgcfchütze, senden ihre Maschinengewehre nicht lausende von Geschossen in dem Zeitraum von einer Minute gegen den Feind? Sind die deutschen Soldaten nicht nach bewährten Grundsätzen auS- gebilder und an Tapferkeit dem Gegner nicht ebenbürtig ? Alles richtig, aber welchem Feinde stand man gegenüber? Auch er kennt die Vorteile, welche ihm die Unwcgsomkcit und Wasserarmut seiner Heimatlandes bietet, er ist ein gewandter Reiter und weiß den Hinterlader zu handhaben. Der Schütze, der in der Kalahari den scheuen Strauß jagt, steht an Schießausbildung nicht hinter dem deutschen Soldaten zurück, und wer die Eingeborenen sich an ein Rudel Springböcke heranschleichen sieht, der weiß, wie diese Leute das Gelände im Gefecht ausnutzen. Keiner von ihnen ist über daS verstreute Gefecht belehrt noch unterwiesen worden, aber die Praxis derselben steckt ihnen im Blut. In allen Gefechten dasselbe Bild. Man sieht nur selten die feindlichen Schützen, aber diese sehen