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Herrselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 130t Sonnabend, den 2. November 1907t

Amtlicher teil.

Hersseld, den 23. Oktober 1907.

Am 2. Dezember d. Js. findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt.

An Formularen kommen in Anwendung:

1. die Zählkarte A. 1.

2. die Zählkarte A. 2.

3. die Anweisung für die Zähler B.

4. die Kontrolllistcn für die Zähler C.

5. die Anweisung für die Behörden D.

6. die Ortsliste E.

Die Zähleinheit ist nicht mehr wie bei den bisherigen Zählungen das Gehöft, sondern dieviehhaltendeHaus- Haltung; es ist also fürjede Viehhaltende Haus - Haltung eines Gehöfts eine Zählkarte A. 1 und für jede Haushaltung mit den unter A. 5 der Anweisung D. bezeichneten Schlachtungen eine Zählkarte A. 2. erforderlich. Zur Vermeidung von Verwechslungen zwischen den Formu­laren B. und C. sowie D. und E. mache ich ausdrücklich daraus aufmerksam, daß das Formular ö. aus der Rückseite auch die BezeichnungC. und das Formular D. die Be­zeichnungE trägt.

Der voraussichtlich erforderliche Bedarf an Formularen wird den Ortsbehörden in den nächsten Tagen zugesandt werden. Sollten die Formulare bis zum 5. November d. Is. nicht eingetroffen sein, oder nicht für ausreichend befunden werden, so ist mir unverzüglich zu berichten.

Nach § 3 der Anweisung D. ist die Ausführung der Viehzählung Sache der Ortsbehörden. Die Herren Ortsvor- stände haben hiernach ungesäumt gemäß der §§ 4, 5 und 6 der Anweisung bezüglich der Einteilung der Gemeinden in Zählbezirke sowie der Bestellung der Zähler rc. das Weitere alsbald zu veranlassen.

Die Zähler erhalten je eine Anweisung,8. Zwei Formulare zur Ausstellung der Kontrollliste C., sowie die für den Zählbezirk erforderliche Anzahl von Zählkarten A. 1 über den Viehstand und A. 2. über die Schlachtungen. Das eine Stück der Kontrollliste C. ist zur Urschrift das andere zur Reinschrift zu verwenden.

Die Ausgabe der Zählkarten muß späte­stens am 30. November d. Js. beendet sein.

Die Wiedereinsammlung und Prüfung der Zählkarten hat am 4. Dezember d. Js. durch den Zähler zu erfolgen.

Hierauf sind alsbald die beiden Exemplare der Kontroll­liste auszufüllen.

Diese müssen bis z u in 6. D e z e m b e r d. I s. an die Ortsbehörde zurückgegeben werden.

Die Ortsbehörde hat das eingelieferte Zähl- material alsbald eingehend zu prüfen, etwa vor­gefundene Mängel sofort zu beseitigen und die Ortsliste aus Grund der Kontrollisten auszustellen. Die beiden Reinschriften der Ortsliste und die Reinschrift der Kontrollliste sowie die Zählkarten sind bis spätestens zum 15. Deze mber d. Js. mir einzureichen.

Das 3. Exemplar der Ortsliste und die Urschriften der Zählelkonttolllisten verbleiben in der Gemeindc-Repositur.

Ich erwarte, daß die O r t s b e h ö r d e n dievorschriftsmäßige und gewissenhafte Ausführung der Zählung sowie die p ü n k t. liche Einhaltung der bestimmten Termine sich angelegen sein lassen.

I. 9998. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 25. Oktober 1907.

Nach Ziffer 1 der Bekanntmachung vom 4. Februar d. Js., betreffend den Gewerbebetrieb der Psandleiher (M. Bl. d. i. V. S. 96) dürfen neue Sachen, die nicht zu den Gebrauchs­gegenständen des Verpfänders gehören, nur auf Grund einer Bescheinigung der Ortspolizeibehörde als Pfandstücke ange­nommen werden.

Zur Behebung von Zweifeln über die Auslegung dieser Bestimmung mache ich daraus aufmerksam, daß, wenn unter den zum Versatz gebrachten neuen Sachen sich unverar­beitete Sachen, wie Leinen, Kleiderstoffe usw. befinden, und der Verpfänder glaubhaft machen kann, daß diese Stoffe für seinen Gebrauch bestimmt sind, von der Beibringung der ortS« polizeilichen Bescheinigung abzusehen ist.

Auf die Prolongation bereits vor dem Inkrafttreten der Bekanntmachung vom 4. Februar d. J§. verpfändeter neuer Sachen sind die neuen Vorschriften nicht zur Anwendung zu bringen.

Vorstehenden Erlaß teile ich mit Bezug auf meine Bekannt­machung vom 5. April d. JS. I. I. 2899, veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 43, den Ortspolizeibehörden des Kreises hierdurch zur KenütniS mit.

I, 7843. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Aus die in der Nr. 43 des Amtsblattes pro 1907 ver­

öffentlichte Anweisung vom 17. Juli d. Js. zur Ausführung des Gesetzes vom 22. Juni d. Js. betreffend Abänderung des Gesetzes über den Erlaß polizeilicher Strafversügungen wegen Uebertretungen vom 23. April 1883, weise ich die Ortspolizei- behörden des Kreises hierdurch noch besonders hin.

Hersfeld, den 25. Oktober 1907.

l. 9855. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 31. Oktober 1907.

Der Kantor^Eimer zu Eschwege hat ein Gips-Relief für die Provinz Hessen-Nassau hergestellt, dessen Anschaffungspreis 40 Mark fürgbaS Exemplar beträgt.

Die Abgüsse sind leicht und dauerhaft.

Signaturen sind der Plankarte gemäß gewählt.

Das Relief kaun^ittels zweier Anhänger bequem an die Wand gehängt oder an einem Kartenständer emporgezogen werden.

Die Königl. Regierung hat die Anschaffung des Reliefs den Schulen im Kreise, denen die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, empfohlen.

I. 10291. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 30. Oktober 1907.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich gefälligst dafür zu sorgen, daß die am 1. November d. Js. fällig werdende III. Rate der für das laufende Etatsjahr zu entrichtenden K r e i s st e u e r tunlichst bald, spätestens aber b's zum 6. November d Js. bei der Kreiskommunalkasse hier eingezahlt wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Grunelius.

Hersfeld, den 25. Oktober 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Metzgers Adam Stiebing in Philippsthal ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 10017. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 25. Oktober 1907.

Die unter dem Schweinebestande der Witwe Sauerbrei in Wüstseld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 10043. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Zugelaufen: Ein braungelber Dachshund. Abzuholen bei Kanzlcigehülfe Steinberg in Niederaula.

Der Saatenftand Mitte Oktober 1907. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

HBegutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B C 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. J.)

Fruchtarten usw.

Duri noter

Staat

hschnitts- für den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

rH

03

00 1 (M

00

00

iO

4

Ist

Winterweizen .

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel) .

Winterroggen .

Sommerroggen.

Sommergerste .

Hafer ....

Erbsen

Ackerbohnen

Wicken

Kartoffeln .

Zuckerrüben

Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) .

Klee . . - .

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be (Ent.)wässerung

AndereWiesen .

2,5

2,4

2,5

2,8

2,8

2,4

[ 2'6

2,7

2,0

2,8

2,8

1

1

4

1

1

1

2

2

1

1

Königlich Preußisches Statistisches LandeSamt. vr. Blenk, Präsident.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der P r o z e ß H a r d e u - M v l t k e hat in einer für das gesunde Volksempfinden unverständlichen Weise, nämlich mit der Freisprechung HardenS geendet. DaS forensische Schau­spiel, das hiermit seinen Abschluß gefunden hat, bietet der Betrachtung reichen Stoff dar und regt zu den mannigfachsten Erörterungen an, so daß es unmöglich ist, ihm in dem engen Rahmen eines Wochenberichts auch nur annähernd gerecht zu

werden. Das Wesentlichste mit scheint uns die Tatsache zu sein, daß der Prozeß die Reformbedürftigkeit unserer Justiz in einigen wichtigen Punkten vor aller Welt schlagend dargetan hat. So kann es mit der Handhabung der Oeffentlichkeit nicht weiter gehen; denn sonst werden unsere Gerichtshöfen zu hohen Schulen des Lasters und verwandeln sich aus Instituten, die der Reinhaltung der Sitten zu dienen haben, in förmliche Pflanzstätten der Unzucht. Und auch das kann nicht immer­fort so bleiben, daß die Rollen des Klägers und Angeklagten, wie in dem in Rede stehenden Prozesse, dank der Unzuläng­lichkeit des Gerichtsleiters völlig vertauscht werden, und daß Kläger und Zeugen in allen Intimitäten ihres Privatlebens schutzlos preisgegeben werden. Hier gilt es, den Finger in offene Wunden zu legen und ernstlich aus Abhülfe Bedacht zu nehmen.

Mit großer Freude ist, wie man wohl sagen darf, von ganz Europa die Nachricht von der G e n e s u n g K a i s e r FranzJosess ausgenommen worden. Sein Leben ist nicht bloß für die besondern Geschicke Oesterreichs, sondern auch für die gesamten europäischen Verhältnisse von unschätzbarem Werte. Möge ihm bald die parlamentarische Erledigung des öster­reichisch-ungarischen Ausgleiches bcschieden fein. Schwierig­keiten genug dürste dieses bedeutsame Werk noch zu überwinden haben, und der Reichsrat wird, falls er seine Arbeiten kräftig fördern will, in Zukunft mehr Selbstzucht an den Tag legen müssen, als die vielen unerquicklichen Szenen der jüngsten Zeit wieder bewiesen haben.

Die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der Wahlen zur russischenReichsdumalauten diesmal erheblich günstiger als die früheren. Die sogenannten Kadetten und die sozialistischen Partei": Habm einen starken Rückgang erfahren, und dre gemäßigten Gruppen, die zu ernstlicher Arbeit und Zusammenwirken mit der Regierung bereit find, werden voraus­sichtlich im neuen russischen Parlament eine große Mehrheit besitzen. Damit eröffnen sich günstige Aussichten für eine ge­deihliche Weiterentwickelung deS großen Zarenreiches. Kehrt erst einmal in den gebildeten Kreisen des russischen Volkes die Besonnenheit wieder, dann ist auch zu hoffen, daß die Schand­taten des revolutionären Terrorismus endlich aushören und Ruhe und Ordnung ihre Wiederherstellung finden werden.

In England wird die öffentliche Meinung zurzeit vorzugsweise durch einen drohenden Streik der Eisenbahner in Anspruch genommen. Der sozialdemokratische Charakter des Unternehmens hat aber nicht die Eisenbahndirektionen zu festem Zusammenhalten veranlaßt, sondern auch sofort im ganzen Lande eine starke antisozialdemokratische Bewegung inS Leben gerufen. Die beiden großen Parteien scheinen entschlossen, überall, wo es sich um die Bekämpfung von Sozialdemokraten handelt, Hand in Hand zu gehen, und auch die gesamte Presse nimmt einmütig gegen die Eisenbahner Stellung. Es ist dies ein erneuter Beweis für den gesunden politischen Sinn, der das britische Volk noch in allen Epochen seiner Geschichte aus­gezeichnet hat.

Die letzte Woche hat endlich eine Reihe furchtbarer Na­turereignisse gebracht: die Ueberschwemmungen in Frank­reich und Norditalien und das Erdbeben in Kalabrien. In Deutschland herrscht herzliches Mitgefühl mit den zahlreichen Opfern dieser Katastrophen, deren Gewalt den Menschen wieder einmal ihre Hülflosigkeit und Schwäche gegenüber den Natur­mächten zu erschütterndem Bewußtsein bringt.

Ae Sirrtn in Marokko.

Nach Meldungen aus Marrakesch hat die Zusammenkunft des französischen Gesandten Regnault mit dem Sultan Abdul Asis den größten Zorn des G e g c n s u l t a n s Mulay H a f i d hervorgerusen, da er nunmehr überzeugt ist, daß Frankreich auf feiten Abdul Asis' stehe. Mulay Hasid rüstet eifrig zum Kampse. Mit den militärischen Operationen geht es zwar bisher nur langsam vorwärts; doch können die nächsten Tage hierin wohl eine Aenderung bringen.

Paris, 31. Oktober. Mulay Hafid wagt wegen des Treibens der Marrakesch bedrohenden, von Agenten Abdul Asis' besoldeten Räuberbanden immer noch nicht, jene Stadt zu verlassen. Nur wenn die nach Mogador gesandte hafidische Mahalla sich der beim Orte Bureki ihr gegenüberstelicndcn des Kaid Anflus überlegen zeigen sollte, würde Mulay Hasid sich persönlich zu seinen Truppen begeben. Die beiden Mohallas sind gegenwärtig 10 km voneinander entfernt. ES ist nicht ausgeschlossen, daß vor Mogador und Casablanca noch vor Ende dieser Woche gleichzeitig gesümpft wird. General Drude trifft seine Vorbereitungen für diese Eventualität.

Bisher wurde angenommen, eS fehle Mulay Hafid zur ernstlichen Kriegführung an Geld: jetzt behauptet ein Bericht­erstatter deS Pariser Matin in Marrakesch das Gegenteil und erzählt folgende, etwas abenteuerlich klingende Geschichte: Der Gegensultan verfüge über ansehnliche Geldmittel, da er in einem Palastc einen großen Goldschatz gefunden habe, der fiele Millionen betrage; jedenfalls sei in der Stadt eine außer­ordentlich große Menge spanischer, Ende deS achtzehnten Jabr- sunderts geprägter Goldstücke im Umlauf. Ueber die Zustände bei Casablanca wird berichtet: