Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich
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herrseloer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 129.
Donnerstag, den 31. Oktober
1907.
Amtlicher teil
Hersseld, den 25. Oktober 1907.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die S t e u e r l i st e n für 1907 und die für das Steuerjahr 1908 neu ausgestelltenStaats- st e uerli st en , Pers o n en - Verz eich n isse und S t a a t s st e u e r r o l l e n mir bis spätestens zum 11. November d. Js. e i n z u r e i ch e n.
Die Herren Bürgermeister, die etwa, (auf Grund meiner Kreisblatts-Versügung vom 16. d. Mts. — Kreisblatt Nr. 124) den Arbeitgebern noch keine Lohnnachweisungenzur Ausfüllung übersandt haben sollten, ersuche ich, dies umgehend zu tun, damit die Aufstellung der Listen wegen Fehlens dieser Nachweisungen keine Verzögerung erleidet.
Die Formulare sind in der Funk'schen Buchdruckerei vorrätig.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer:
Veranlagungs-Kommission.
St. Nr. 2241. von Grunelius.
Ungültigkeitserklärung.
Der auf den Namen des Wilhelm Baumbach aus Allmershausen unterm 19. Dezember 1906 für das Jahr 1907 zum Handel mit Weiß-, Woll- und Kurzwaren, geringwertigen Lebensmitteln und altem Eisen unter Mitführung eines einspännigen Fuhrwerks erteilte Wandergewerbeschein Nr. 3222 ist angeblich verloren. Er wird hierdurch mit dem Bemerken für ungültig erklärt, daß dem p. Baumbach ein Ersatz-Wandergewerbeschein erteilt worden ist.
Cassel, den 11. Oktober 1907.
Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, gez. Unterschrist. * *
Hersseld, den 28. Oktober 1907.
Wird veröffentlicht.
I, 9933. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 24. Oktober 1907.
Der telegraphische Wettervorhersagedienst hat, weil im ReichshauShaltsetat für das Rechnungsjahr 1907 hierfür nur beschränkte Mittel vorgesehen werden konnten, mit dem 30. September d. Js. geschlossen werden müssen. Der öffentliche Anschlag der Wettervorhersage an allen Telegraphen- Anstalten hat somit vom 1. Oktober d. Js. ab ausgehört.
Die Wetterdienststellen werden jedoch auch während des Winters aus Grund des ihnen täglich zugehenden umsangreichen Nachrichtenmaterials Wettervorhersagen fortlaufend ausstellen. Diese unter Benutzung der Ausdrücke des Schlüssels abgesaßten und um die Mittagszeit auszugebenden
Gin Kampf um$ Eicht.
Roman von Carlo Carraky.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Dann hat Mr. James Recht: wer meutert, stiehlt und Menschenleben aufs Spiel setzt, der mordet auch mit kaltem Blute!"
Und nun erfuhr James zu seinem größten Erstaunen die Geschichte der Meuterei aus der „Nymphe".
Er hörte aufmerksam zu und sagte dann sinnend:
„Die Sache wird immer leichter: Die von ihrem Gatten Gesuchten sind Oliver Gardener und sein Spießgesell, den Sie Blaine nannten, nicht wahr? — Sie sind auch Ralphs Mörder! Möge es der Gerechtigkeit gelingen, die beiden Bösewichter zu fassen!"
Man tauschte feine Ansichten noch hin und her aus, James aber war den Horstmanns nur noch teurer geworden.
Der Winter hatte Einzug gehalten, aber in Klaras Herzen blühte lichter Frühling aus. Es war nun wohl unzweifelhaft, daß James Knox sie liebte. Jeder Blick sprach es aus, jede Handlung zeugte davon.
Dagegen ward Frau Horstmanns Gesicht immer sorgenvoller. ‘ Als eines TagS ein Brief aus Texas kam.
Er war von Normann Hill geschrieben und gab an, daß Kapitän Horstmann krank gewesen, jetzt aber aus aller Gefahr sei. Aus jeden Fall würden sie beide im Frühjahr zurückkehren.
Der Brief war lange unterwegs gewesen.
Frau Horstmann jubelte. So kam der Mai heran.
DaS Frühjahr von 1851 war ein überaus warmes. Im Mai stand die Natur bereits in üppiger Pracht da. Ueberall wuchs und grünte es. Da traf ein zweiter Brief von Horstmann ein. Er war von Kapitän Horstmann selbst geschrieben und meldete feine völlige Genesung und baldige Abreise nach Europa.
Dem Tage zu Ehren unternahm die Familie Horstmann bei dem herrlichsten Wetter einen Ausflug in daö junge Grün eines Parkes auf den prächtigen Elbbergen.
Vorhersagen können telegraphisch gegen Erstattung folgender Zustellungsgebühren bezogen werden:
a) bei Uebermittlung durch Fernsprecher an Teilnehmer der Ortsfernsprechnetze oder an Inhaber von Nebentelegraphen sowie bei Zustellung im Ortsbestellbezirke gelegentlich der regelmäßigen Bestellgänge: monatlich 2 Mk., vierteljährlich 4,50 Mk., halbjährlich 8 Mk.,
b) bei Zustellung durch die Landbriefträger im Landbe- stellbezirk: monatlich 3 Mk., vierteljährlich 6,75 Mk., halbjährlich 12 Mk.,
c) bei Zustellung durch Eilboten im Ortsbcstellbezirk: monatlich 4 Mk., vierteljährlich 9 Mk., halbjährlich 16 Mk.,
d) bei Zustellung durch Eilboten im Landbestellbezirk: zu den unter a ausgeführten Gebühren unter Hinzurechnung der wirklich erwachsenden Botenkostcn.
Die Preise für den Bezug ausführlicherer Vorhersagen für bestimmte Zwecke (ohne Benutzung des Schlüssels telegraphisch oder telephonisch mitzuteilen) sind seitens der Interessenten mit der zuständigen Wetterdienststelle zu vereinbaren.
Die Wetterkarte des öffentlichen Wetterdienstes erscheint ebenfalls während des Winters täglich.
Der monatliche Abonnementspreis beträgt wie bisher 50 Pfg., wozu noch 14 Pfg. Postbestellgebühr treten.
Bestellungen auf die telegraphische Wettervorhersagen und die Wetterkarten sind an die zuständige Wetterdienststelle oder an die nächste Postanstalt zu richten.
I. 9920. Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 21. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande oes Wilhelm Dippel in Asbach ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
l. 9938. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 27. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande des Landwirts Wilhelm Eidam in Wippershain ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 9973. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 22. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande des Landwirts Bernhard Faulhaber in Gershausen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 9972. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung.
Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau hat aus Grund des § 6 Abs. 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 2. Februar 1901, betr. die Einrichtung einer Standesver
Nachdem man in Gesellschaft von vielen hundert festlich gekleideten Menschen, die den Park füllten, den Kaffee eingenommen, führte James seine Klara in den herrlichen Parkgängen umher. Ueberall grüne Buchen, in denen die Finken ihr Lied schmetterten, während im Unterholz die Nachtigall ihr süßes Liebeslied flötete. Unter einem blühenden Goldregenbaum nahmen sie abseits vom Gewühl endlich Platz, und es sah aus, als wollte der junge Lenz seinen Goldsegen auf die Häupter dieser beiden Glücklichen ausgießen.
„Fräulein Klara," begann plötzlich James Knox, indem er auf der Ruhebank hin und herrückte, „ich hätte Ihnen ganz etwas Besonderes zu sagen, wenn Sie mir hierzu die Erlaubnis erteilen möchten!"
Klara errötete, sie fühlte es, daß der über ihr Leben ent- scheidende Augenblick nahe.
„Bitte," entgegnete sie leise, „ich höre, Mr. James!"
„Fräulein Klara," nahm er uun wieder schwer atmend daS Wort, „wenn Ihre Frau Mutter bisher nicht so stark von Sorgen um Ihren Papa wäre eingeengt gewesen, ich hätte längst geredet, so aber hielt ich das für unbescheiden und egoistisch! Sehen Sie, Fräulein Klara, seit dem ersten Augenblick, da ich Sie sah, war Ihnen mein Herz zugetan.
„Ich erzählte ihnen meine Lebensgeschichte, damit Sie über meine Lage vollkommen orientiert sein sollten. Liebe Klara, meine Liebe ist seitdem gewachsen, so sehr, daß ich nun nicht länger schweigen kann. Liebste, einzigste Klara, wollen Sie den Lebensweg mit mir Zusammengehen und meine geliebte Gattin werden?"
Sie hatte ihre Augen, die voll Tränen standen, mit den Händen bedeckt. Er zog die letzteren fort und sagte:
„Tränen? — Um GotteSwillen, Klara, Sie wenden sich doch nicht von mit ab und lassen mich wie einen Schiffbrüchigen aus einem Felsen vom Meere umspült zurück?"
Er zog sie an sich, und sie ließ eS geschehen. Er küßte den blühenden Mund und flüsterte:
„Mein, mein!"
Und über ihnen schmetterte der Fink das Brautlied und ein neugieriges Eichkätzchen schaute den Müssen zu, mit denen sie den Liebesbund besiegelten.
tretung der Apotheker (G. S. S. 49) bestimmt, daß aus dem Regierungsbezirk (Wahlbezirk) Cassel in die Apothekerkammer vier Mitglieder und vier Stellvertreter zu wählen sind. Der dreijährige Zeittaum, für welchen die Wahl erfolgt, beginnt mit dem 1. Januar 1908. Bezüglich der Wahlberechtigung und Wählbarkeit verweisen wir aus die Bestimmungen des § 3 a. a. O., indem wir bemerken, daß die Listen der wahlberechtigten und wählbaren Apotheker in der zweiten Hälfte des Monats Juli d. Js. in jedem Kreise der beiden Wahlbezirke öffentlich ausgelegen haben.
Aus Grund der §§ 5 Abs. 1 und 6 Abs. 2 wird der Endtermin (Wahltermin) aus Montag, den 1 8. Novbr. d. I s., Abends 7 Uhr, hiermit festgesetzt.
Die Wahl hat schriftlich durch Einsendung des Stimmzettels an den Vorstand, zu Händen des unterzeichneten Vorsitzenden, Hofapotheker Nagell in Cassel, Orleansstraße 2, zu erfolgen.
Wir fordern daher die wahlberechttgten Apotheker hiermit aus, ihre Stimmzettel bis spätestens zu dem vorgenannten Endtermin an die bezeichnete Adresse gelangen zu lassen.
Jeder Stimmzettel muß Namen, Stand und Wohnort des Wählenden, sowie der von ihm gewählten Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder enthalten.
Ungültig sind:
1. Stimmzettel, welche die Person des Wählenden nicht erkennen lassen, oder von einer nicht wahlberechttgten Person ausgestellt sind,
2. Stimmzettel, welche keinen oder keinen lesbaren Namen enthalten,
3. Stimmzettel, auf welchen mehr Namen als zu wählende Personen verzeichnet sind,
4. Sttmmzettel, welche einen Protest ober Vorbehalt enthalten,
5. Stimmzettel, insoweit dieselben die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft erkennen lassen, oder den Namen einer nicht wählbaren Person bezeichnen, oder der Angabe entbehren, ob der Betreffende als Mitglied oder als Stellvertreter gewählt worden ist.
Gewählt sind diejenigen, welche die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.
Cassel, den 26. Oktober 1907.
Der Vorstand der Apothekerkammer für die Provinz Heffen-Nassau. Nagell, Vorsitzender.
nichtamtlicher teil
Refskinationsfest.
Die Tat Dr. Martin Luthers am 31. Oktober 1517 hat weltgeschichtliche Bedeutung. Wohl ist schon zu oft wiederholten Male daraus hingewiesen worden, daß der Wittenberger Augustinermönch mit jenen 95 Thesen, die er an die Tür der
„James!" flüsterte sie beschämt. Es kamen Leute, die sich nicht in den KreiS ihrer Herzensseligkeit drängen dursten. Sie standen auf und eilten strahlend, erglühend im Sonnenschein eines unermeßlichen Glückes zur Mutter. O Jugcndlieb, goldne Zeit, Sommer des Lebens, warum mußt Du so schnell verwelken und mit Deinem Blütenkranz sterben?
Frau Horstmann segnete den Bund ihrer Kinder, James aber rief:
„Kellner, bringen Sie den edelsten spanischen Trank, den Sie haben! Mama, dieser Fest müssen wir feiern!"
Und sie tränten auf die Verlobung, auf die Mutter, aus den Vater.
Acht Tage darauf reiste James Knox, das Herz voll Wehmut, nach Carnavon ab. Lange noch wehte Klaras weißes Tuch dem abscgelnden Schiffe nach.
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7. Kapitel.
Der Erbschleicher.
Sechs Jahre waren über GrünhauS hingezogen, seitdem Ralph verschollen war. Sir Archibald hatte sich von dem damals erlittenen Schlaganfall nie wieder ganz erholt. Er ging wohl auf das Reederei-Bureau, mußte aber alle Arbeit meiden und diese seinen Beamten überlasten. Von Ralph sprach er selten, aber man sah, wie ihn der Kummer verzehrte, weil alle seine Ausrufe in den Zeitungen ohne Erfolg blieben, obwohl sie bereits Hunderte von Pfunden gekostet hatten. Sir Archibald war in diesen Jahren ein gebrechlicher Greis geworden.
Nicht besser ging e§ Lady Ann. Zunächst hatte sie noch den Gatten gepflegt und getröstet, mit Edith von Ralph geredet und sich wohl tausendmal die AbschiedSszcne erzählen lassen, dann hatte sie angefangen zu kränkeln und jetzt lag sie seit Monaten auf dem LeideuSlager, welches sie, wie die Aerzle sagten, nicht wieder verlassen würde. Oftmals fragte sie Edich:
„Glaubst Du, daß er noch lebt?" Dem armen Mädchen ging dabei jedesmal ein Stich durch daS Herz. — Zuerst war sie bei der Nachricht von Sternheim und Kompanie, welche sie weder Sir Archibald noch Lady Ann gezeigt, wie