günstigung in folgendem Umfange: gewöhnliche Briefe bis 60 Gramm und Postkarten werden ganz frei befördert, Postanweisungen bis zu 15 Mark kosten 10 Pfennig, Pakete ohne Wertangabe bis zu 3 Kilogramm kosten 20 Pfennig Porto. Die Sendungen müssen stets die Ausschrist: Soldatenbrics. Eigene Angelegenheit des Empfängers tragen. Auch bei Postanweisungen und bei Paketen, bei diesen sowohl aus der Be- gleitadresse als auch auf den Paketen selbst, muß dieser Vermerk angewendet sein. Für die von den Soldaten ausgehende Sendungen müssen die vollen Postgebühren bezahlt werden.
) :( Hersfeld, 28. Oktober. Die feierliche Einweihung des von der Stadt erbauten Vereinshauses des Vaterländischen Frauenvereins findet am nächsten Freilag den 1. November, vormittags HV2 Uhr statt
Kaltennordheim (Rhön), 25. Oktober. Dieser Tage weilte hier der Staatsanwalt aus Eisenach. Es handelte sich um die Zeugenvernehmung in dem gegen eine ganze Anzahl hiesiger Einwohner eingeleiteten Verfahren wegen Landsriedenbruchs. Die Veranlassung zu dieser Angelegenheit haben Vorkommnisse während des Manövers gegeben. Eine Volksmenge hatte sich in drohender Haltung in der Erregung über die Behandlung eines Soldaten durch einen Offizier gezeigt und war trotz wiederholter Aufforderung nicht auseinandergegangen, sondern hatte den Offizier in einem Hause bedroht und darin sestgehalten.
Körle, 25. Oktober. Gestern nachmittag ist beim Fahren der Dampsdreschmaschine der Einleger Martin Engelhardt von hier verunglückt. Er kam unter den Dampskessel, wodurch ihm das rechte Bein zermalmt wurde. Das schreckliche Unglück wurde noch dadurch erhöht, daß eine ganze Weile verging, ehe der Verunglückte befreit werden konnte. Mittelst der Bahn wurde E. in das Landkrankenhaus nach Cassel verbracht, wo ihm das Bein abgenommen wurde. E. ist seit vorigem Jahre verheiratet, sein Vater, ein Krieger von 1870/71, ist vor einigen Wochen im Landkrankenhaus zu Cassel an einem langwierigen und schmerzhaften Krebsleiden verstorben.
Niederbreisig, 25. Oktober. Der Güterzug 8227, der von oben kam, fuhr durch den hiesigen Bahnhof und war gerade im Begriff, von dem Brückengeleise in ein anderes Überzugehen, als der Güterzug 6482, der von Köln kam und angeblich das Haltesignal nicht beachtet hat, ihm in die Seite fuhr. Die letzten drei Wagen des Zuges 8227 wurden aus dem Gleis gehoben und teilweise zertrümmert. Von dem von hinten kommenden Zuge wurden acht Wagen vollständig aus dem Gleis gehoben und teilweise gänzlich zerstört. Der Hilfs- bremser Orth aus Koblenz, der sich in dem letzten Wagen des Güterzuges 8227 befand, geriet unter einen Wagen und konnte nur noch als Leiche unter dem Wagen hervorgezogen werden. Der Wagen, in dem sich der Zugführer befand, ist zusammengestürzt, aber der Zugführer selbst kam mit dem Schrecken davon. Der Heizer, der sich auf der Lokomotive des Zuges 6482 befand, rettete sich durch einen Sprung über das Geländer des Bahndammes. Die Unglücksstätte ist über und über mit Trümmern besät. Nach kurzer Zeit trafen bereits die Hilsszüge zur Ausräumung der Strecke ein. Sämtliche Züge erlitten erhebliche Verspätungen, besonders der um 7 Uhr 37 Min. in Köln abgehende Schnellzug, der erst gegen 12 Uhr 30 Min. in Koblenz ankam. Der ganze Schnell- und Luxuszugverkehr wurde über die rechte Rheinseite geleitet. Ein Gleis ist dem Verkehr bereits wieder freigegeben worden.
Frankfurt a. M., 27. Oktober. In hiesigen Lokalen tritt seit längerer Zeit eine Jndianerkapelle aus dem wilden Westen auf, wo man Kartoffeln als Spalierobst pflanzt und Büffel mit Erbsen totschießt. Mit. phantastischem Federschmuck auf dem Haupt, wilden, rot gemalten Gesichtern, eingehüllt in lange Mäntel, ausgerüstet mit Gewehr und Skalpmesser betreten diese wilde Heldengestalten das Podium, um als Rothäute den Bleichgesichtern hinter ihren Henkeltöpfchen etwas aus Wild-West vorzuspielen. Aber keine Angst um den Skalp, meine Herrschaften, die Sache kommt anders. Ein Musiker aus Köln klagt vor dem Frankfurter Gewerbegericht gegen den großen Sioux-Häuptling „Adlerfeder", bet sich jetzt — als friedlicher Europäer entpuppt, auf 45 Mark Entschädigung für Gehalt, 30 Mark für freie Kost und 20 Mark für Bahnfahrt. Der große Häuptling suchte nämlich durch eine Annonce im „Artist" einen Geiger. Ein Musiker aus Köln wurde durch ein Telegramm engagiert und fuhr nach Frankfurt. Hier wurde ihm mitgeteilt, daß er geschminkt als Indianer zu spielen habe. Der Musikus verzichtete aus diese Ehre und klagte seine Entschädigung ein mit der Begründung, daß man ihm den Hauptzweck seines Engagements verheimlicht habe. Das Gericht ist der Ansicht, daß man dem Kläger seine zukünftige Eigenschaft als Indianer vorher mitteilen, da man ja auch Gefahr laufen konnte, daß man Leute mit Brillen und Zwicker bekäme, obwohl die Kultur auch in das Wild-West vordringe. Lächelnd meinte der Beklagte, er habe auch schon Indianer mit Zwickern spielen lassen. Allgemeine Heiterkeit. Die Belehrung des Gerichts geht dahinaus, daß der Beklagte für alle Fälle zu zahlen habe. Wenn er einen wichtigen Grund, daß Kläger geschminkt und im Kostüm auftreten müsse, verheimlicht habe, so habe er die Folgen zu tragen. Der Beklagte will einen weiteren Termin und einen neuen Zeugen. Das Gericht gibt dem Anträge statt, teilt aber zu gleicher Zeit mit, daß diese Mühe eine vergebliche sei und nach den Rechtsgründen die Verurteilung erfolgen werde.
Altenbeken, 25. Oktober. DaS große O. Schultesche Stahlwerk ist gestern ein Raub der Flammen geworden und sind dadurch über 100 Arbeiter für längere Zeit arbeitslos geworden. — Beim Bahnbau Müngsten-Solingen entstand zwischen österreichischen und kroatischen Arbeitern eine große Keilerei, wobei der Schachtmeister M. durch einen Revolverschuß getötet wurde.
Aus Waldeck, 29. Oktober. Gestern mittag ereignete sich in der Sägemühle auf Pickhardshammer im Orpetale ein schweres Unglück, welches einer Familie Plötzlich den Ernährer raubte. Der Besitzer, Schreinermeister Jäger, ein fleißiger strebsamer Mann, war an der Kreissäge beschäftigt Dabei mußte wohl ein Stück Holz abgefprungen sein, daS den Aermsten am Halse und am Kopfe derart schwer verletzte, daß das eintretende Kind den Vater, den es zum Mittagessen rufen wollte, als Leiche vorfand.
Göttinge», 26. Oktober. In der Nacht zum 5. August vollsührtc hier der Arbeiter Heinrich Friedrichs aus Desingerode einen tollen Streich. Er ging in angetrunkenem Zustande mit zwei Kollegen über den Leinckanal an der AUccstraße, als der' Referendar Biesantz an ihnen vorüberkam. Diesem forderte F. Geld und Zigaretten ab, im Weigerungsfälle würde er in die Leine springen müssen. F. bestand so hartnäckig auf feiner Forderung, daß B. nur dadurch Handgreiflichkeiten entging, daß er Bewegungen machte, als wolle er einen Revolver ziehen und sich dann schnell entfernte. Der Angeklagte wurde wegen Erpressungsverfuchs zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. — Zwölf Wechsel im Gesamt- betrage von 2681 Mark gestohlen hat der 21jährige Volontär
Gg. Schölling aus Beuchen, der bei dem Bankverein in Osterode in Stellung war. Die Wechsel hatte er am Versalltage präsentiert und die vereinnahmten Gelder in der leichtsinnigsten Weise durchgebracht. Der Angeklagte wurde von der hiesigen Strafkammer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Mühlhansen i. Th., 24. Okt. Heute wurde in das hiesige Krankenhaus ein Mann eingeliefert, der eine sehr schwere, 12 Zentimeter lange Schnittwunde im Unterleib und eine starke- Verletzung der Leber auswies. Der Betreffende soll ein Handelsmann aus Hohenbergen fein, der mit einem Gesährten im Begriffe stand, in seinen Heimatsort zurück- zukehren. Unterwegs seien beide in Streit geraten und der Fremde habe dem Genannten die gefährliche Verwundung mck einem Messer beigebracht. Der Verletzte war noch nicht vernehmungsfähig, so daß die Aussagen auf ihren wahren Gehalt noch nicht geprüft werden konnten. — Heute mittag fand man am Wehr der Feldmühle in der Unstrut die 3jährige Tochter des Tischlers Stallknecht als Leiche. Wie das Kind in das Wasser gekommen ist, ist noch nicht sestgestellt; jedenfalls ist es beim Spielen hineingefallen, ohne daß es jemand bemerkte.
Steinbach bei Gießen, 25. Oktober. In großer Beunruhigung befindet sich unsere Einwohnerschaft wegen der wiederholten Brände, die nun schon zehn Scheunen nebst Stallungen mit großen Vorräten einäfcherten. Die Staatsanwaltschaft weilte die letzten Tage hier und nahm gestern eine Verhaftung vor.
Vom Harz, 24. Oktober. Ein Schwindel versetzt in Wildemann und den umliegenden Harzorten die Gemüter in nicht geringe Ausregung. Der Kurhausbesitzer Jakopf, Besitzer von Engelhardts Kurhaus in Wildemann, ist in Hannover verhaftet worden. Jakopf war in diesem Sommer als Volontär in Engelhardts Kurhaus eingetreten und hatte dann später das Kurhaus von Frau Engelhardt für 140000 Mark gekauft, aber keine bare Anzahlung darauf geleistet. Im Lause der Zeit tauchten dann allerlei Verdachtsgründe gegen den neuen Kurhausbesitzer auf, u. a. fiel es auf, daß er die Schankkonzession bei dem Landratsamte nicht aus feinen Namen, sondern aus den eines feiner Kellner nachgesucht hatte. Einer der Hypotheken - gläubiger wandte sich nun an ein Auskunftsbureau und erfuhr von diesem, daß Jakopf wegen Betrügereien vorbestraft sei. So hatte er völlig mittellos, unter dem Namen eines Reichsgrasen von Gerhardt in Schlesien ein Gut für 1650 000 Mark gekauft, wofür er mit zwei Jahren Gefängnis bestraft worden ist. Nachdem Frau Engelhardt von der Sachlage Kenntnis erhalten hatte, machte sie den Kauf rückgängig, und Jakopf wurde in Hannover verhaftet, als er im Begriffe war, für Frau Engelhardt einen Wechsel über 10000 Mark auszustcllen, obwohl er keinerlei Vermögen besitzt.
Vermischtes.
— (Was zerstreute Briesschre i b er der Post e i n b r i n g e n.) Ueber dieses Kapitel, so schreibt man der Frankfurter Zeitung aus London, bringt der neue Bericht des britischen Generalpostmcisters interessante Mitteilungen. Obwohl zu dem Gewinn, den die Postverwaltung in ihrer hier so vielseitigen Tätigkeit erzielt, fast die ganze Bevölkerung beitragt, liefert doch eine Kategorie von Briefschreibern der Post ganz besonders wertvolle Klienten: das sind die Unachtsamen und Gedankenlosen, die ihre Sendungen mit falschen, unvollständigen und in zahlreichen Fällen sogar mit gar keinen Adressen versehen. Nicht weniger als 29^/4 Millionen solcher Poststücke ' Mußten in dem Berichtsjahre 1906/07 unbestellt bleiben, und wenn diese auch einerseits der Post nicht unerhebliche Nach- sorschungsarbeiten verursachen, so liefern sie doch anderseits ganz beträchtliche Einnahmen; denn wo keine Ablieferung weder an den Adressaten, noch an den Absender möglich ist, da tritt die Post nach einer bestimmten Zeit in den Besitz der Werte. Diese sind nicht gering. Die 29% Millionen Poststücke enthielten allerlei Zahlungsmittel, nämlich bares Geld und Banknoten im Werte von etwa 330 000 Mk., sowie Schecks, Wechsel, Postal Orders und Briesmarken im Betrage von rund 13V2 Millionen Mark, im ganzen also über 13% Millionen. Merkwürdig ist die erhebliche Zunahme in der Anzahl der zerstreuten Briesschreiber. Zwar weist der Postverkehr auch im ganzen einen größeren Umfang aus als im Vorjahre, aber der beträgt doch nur drei bis vier Prozent, während jene Gedankenlosen und Unachtsamen sich um etwa 10 pCt. vermehrt haben. Klein ist dagegen die Zahl ihrer Sendungen an sich, wenn man sie mit dem Gesamtverkehr der Post vergleicht, die über 4800 Millionen Poststücke umfaßt. Davon stehen die Briese mit ungefähr 2800 Millionen an erster Stelle. Dann kommen 1120 Millionen Drucksachen, 830 Millionen Postkarten und 100 Millionen Pakete. Von den Briefen allein kommen im Durchschnitt 64,1 und von allen Sendungen zusammen 111,1 aus jeden Einwohner des britischen Reiches, das wohl die verhältnismäßig größte Zahl von Briesschreibern in der Welt auf« weist.
— Breslau, 25. Oktober. In gestriger Nacht find auf der Kolonie Martinschacht bei Lipine die Wirtschaftsgebäude und eine Scheune niebergebrannt. Auf der Brandstätte wurden an drei Stellen verkohlte Leichen ausgefunden. Man nimmt an, daß es sich bei den Verunglückten um galizische Arbeiter handelt, die sich eingeschlichen hatten, um dort zu nächtigen. Von mehreren Schulkindern, die sich gestern an der Brandstätte aufhielten, wurden drei durch ein umstürzende Brandmauer verletzt.
— („Den Mortimer spielt' ich am besten".) In Sidney erregt die blutige Rache, die ein Theaterinspizient an dem begünstigten Liebhaber der Heroine genommen hat, großes Aussehen/ An dem Theater wurde „Maria Stuart" gespielt, und der betreffende Schauspieler trug die Rolle des Mortimer. Aus diese Rolle, und speziell auf die Sterbeszene baute der rachsüchtige Mensch seinen Plan. Es war Gebrauch bei der Bühne, daß sich Mortimer mit einem Dolche ersticht, dessen Klinge beim Anlegen an den Körper in das Heft zurückweicht und dann selbsttätig wieder vorschnellt. Hierdurch wird bei Mordszenen die größtmöglichste Naturtreue erreicht. Als der Inspizient gemerkt hatte, daß Mr. Robinson, der Darsteller des Mortimer, in der Gunst der Maria auch in Zivil die Stelle des Günstlings einnahm, die er selbst gerne inne gehabt hätte, beschloß er, sich auf teuflische Weise zu rächen." Als sich Robinson-Mortimer zum Austreten fertig machte, gab er ihm im letzten Moment einen Dolch, der dem gewöhnlich gebrauchten aufs Haar glich, in Wirklichkeit aber eine feststehende Klinge hatte. Mortimer spielte an dem Abend seine Rolle mit ganz besonderem Feuer und entfaltete namentlich in feiner Todesszene sein ganzes Temperament. Er zog seinen Dolch, bohrte sich denselben vorgeschriebcncrmaßen in die Brust und fiel int selben Augenblick so naturgetreu zu Boden, daß das Publikum sich nicht enthalten konnte, laut zu applaudieren. Die Darstellerin der Marie bernertte aber mit Entsetzen daS fließende Blut und fiel — jetzt ihre königliche Haltung gänzlich anf-
gebend — in Ohnmacht. Die Vorstellung wurde sosor abgebrochen, der zum Glück nicht lebensgefährlich verletzte Mortimer ins Krankenhaus geschafft und der Inspizient verhaftet. Die Sache wird für beide Teile noch ein Nachspiel haben. Der Inspizient wird sich wegen feiner Niederträchtigkeit vor Gericht zu verantworten haben, während Mr. Robinson seine Partnerin zu heiraten gedenkt.
— Düsseldorf, 25. Oktober. Aus der Fahrt nach Düren stieg in Benrath-Düsseldors eine von Oberschönweide bei Berlin kommende Frau mit drei Kindern aus, ging nach Hodenbach und warf dort ein dreijähriges Kind in den Jtterbach, wo es ertrank. Die anscheinend geisteskranke Frau wurde mit den anderen Kindern in das Krankenhaus gebracht.
— („B 0 russias" Untergang.) Aus seiner ersten Reise verloren gegangen ist der Hamburger Dampfer „Borussia", der im Hasen von Lissabon bei heftigem Sturm gesunken ist. Das Schiff befand sich auf der Heimkehr von seiner ersten, im Juli nach Ostasien angetretenen Fahrt und war der erste für den Kiegssall zum Truppentranspport eingerichtete Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie. Bei 6500 Tonnen Wasserverdrängung betrug die Länge 128 Meter. An Besatzung hatte der Dampfer 135 Mann, an Fahrgästen nur 44 Personen. Zum Glück gelang die Rettung bis auf 2 Menschenleben, die zu beklagen sind. Die Ladung von 60 000 Sack Kaffee gilt als verloren, während man das Schiff selbst zu heben hofft. Hieß es zunächst, die Ankerketten seien gerissen, so besagt eine neuere Meldung: Der Dampser geriet beim Einnehmen von Kohlen durch die hestigen Stromverhältnisse ins Treiben. Als der eine Anker plötzlich hielt, also nicht Grund faßte, legte sich das Schiff infolge des eindringenden Wassers auf die Seite, so daß die Katastrophe, der Untergang, nicht mehr zu vermeiden war.
— (10000 Kronen für einen Schnurrbart.) Mit einer originellen Schadenersatzklage, die ein früherer Offiziersdiener gegen einen Oberleutnant angestrengt hatte, mußte sich das Wiener Bezirksgericht besassen. Nicht weniger als zehntausend Kronen verlangte der Kläger vom Beklagten als indirekten Ersatz für seinen Schnurrbart, den er seiner Angabe nach in Diensten des Beklagten auf dessen Verlangen opfern mußte. Dem Kläger war, nachdem er kurze Zeit bei dem Oberleutnant in Dienst gewesen war, von diesem erklärt worden, daß er ihn nur dann in seinen Diensten behalten könne, wenn er sich seinen buschigen Schnurrbart gänzlich abrasicren lasse. Wie der Kläger ansührt, sträubte er sich anfangs gegen diese Zumutung, zumal auch seine Frau hestig dagegen protestierte. Der Oberleutnant erklärte ihm jedoch, daß er, wenn er sich den Schnurrbart abrasieren lasse, so lange in seinen Diensten bleiben könne, wie es ihm selbst belieben werde, im entgegensetzten Falle müßte er ihn sofort entlassen. Der Diener gab schließlich dem Verlangen nach und ließ sich den Schnurrbart ganz abrasieren. Nach kurzer Zeit teilte der Oberleutnant seinem Diener mit, daß er ein« getretener Familienverhältnisse halber nicht länger aus seine Dienste reflektiere und daß er ihn entlassen müsse. Der Diener erklärte nun in der Anklage, daß er ohne Schnurrbart keinen Posten finden könne und daß nach Angaben von Sachverständigen aus dem Schnurrbartfache mindestens zwei Jahre vergehen würden, bis ihm der Schnurrbart in seinem srüheren Umfange nachwachsen würde. Als Ver- bienftentgang für die zwei schnurrbartlosen Jahre verlangt der Kläger, entsprechend ben Bezügen, die er als Diener beim Beklagten hatte, den Ersatz von 6000 Kronen; ferner ver- langt er den Ersatz von 4000 Kronen mit der Motivierung, daß er ohne den Schnurrbart dem Spott seiner Freunde und Bekannten ausgesetzt sei, daß er eine Strase verbüßt habe und als Sträfling seinen Schnurrbart opfern mußte. Im Laufe der Verhandlung zog der Klagevertreter die Klage bezüglich des Schadenersatzes wegen des Schnurrbartes zurück und beschränkte das Klagebegchren bloß aus den Lohnanspruch von 159 Kronen.
— (Eine Idylle von den Eskimos.) Ein Mitglied der Mikkeljen-Expedition, V. Stefanson, gibt jetzt einige bemerkenswerte Mitteilungen über seinen Aufenthalt unter den Eskimos auf der Herrschelinsel. Ihre Nahrungsmittel bestanden fast nur aus Walfisch, kleinen Fischen und Eisbär. Die Erlegung des Wildes übernahmen die Eskimos; sie sind zum großen Teil mit mordenen Gewehren ausgerüstet und wissen mit ihnen meisterhaft umzugehen. „Unsere Mahlzeiten umfaßten täglich zweimal rohen Fisch, meist gefrorenen, und einmal gekochten Fisch oder Fleisch. Anfangs kochte ich alle Lebensmittel, aber davon kam ich bald ab, die Arbeit und die Umstände waren zu groß, und mit der Zeit kam ich so weit, daß mir rohe Fische besser mundeten als gekochte. Die Eskimos verstanden kein Wort englisch, waren völlig unzivilisiert und alle Heiden, aber es ließ sich trefflich mit ihnen leben, nie wich ihre gute Laune von ihnen, und selbst an Hungertagen bewahrten sie ihren frischen Humor. Ihr Familienleben war mustergiltig in seiner Harmonie; nie beobachtete ich einen Streit,, nie hörte ich ein zorniges Wort zwischen den Gatten. Nie sah ich die Züchtigung eines Kindes; die Kleinen waren die besterzogenen Kinder, die ich je gesehen. Diebstahl ist unter diesen un- . kultivierten Heiden etwas völlig Unbekanntes. . . . Diese Eskimos leben in fast völligem Kommunismus, und dieses System scheint sich bei ihnen trefflich zu bewähren. Alle Lebensmittel sind gemeinsames Gut, ein Waisenkind geht genau so gnt gekleidet wie der Sohn des reichsten und einflußreichsten Mannes des Stammes.______________________
Letzte Nachrichten.
Rom, 27. Oktober. Fürst Bülow hat dem Minister des Aeußern Tittoni telegraphisch seine herzliche Anteilnahme aus Anlaß des Unglücks ausgesprochen, das Kalabrien heim- gesucht hat. Der österreichisch-ungarische Botschafter hat Tittoni einen Besuch abgestattet und ihm die Anteilnahme seiner Regierung ausgesprochen. Der das englische Geschwader im Mittelmeer kommandierende Admiral hat durch Bermittlung des britischen Botschafters der Regierung angeboten, ein Schiff seines Geschwaders zur Hilfeleistung zu entsenden.
Washington, 27. Oktober. Präsident Roosevelt hat an den Schatzsekretär Corteluou ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn zu seinen bewunderungswerten Maßnahmen gegenüber der Finanzkrisis beglückwünscht. Den Geschäftsleuten, die während der Krisis so große Einsicht und soviel Sinn für das öffentliche Wohl gezeigt hätten, spricht der Präsident seinen Glückwunsch aus. Schließlich erklärt Roosevelt, die Panik sei durch die Spekulation herbeigesührt worden. Rubige Ueber« legung aber müsse daS volle Vertrauen zur amerikanischen Geschästlage herbeisühren.