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herrfelder KreisWatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 128.

Dienstag, den 29. Oktober

1907.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 24. Oktober 1907.

Bekanntmachung.

Bei den Terminen zur Auswahl der Schöffen und Ge­schworenen in diesem Jahre ist wahrgenommen worden, daß eine größere Anzahl der Herren Ortsvorstände des Kreises trotz meiner Rundverfügung vom 2. Juli 1907 I. Nr. A. 3022, abgedruckt im Kreisblatt Nr. 79 vom 6. Juli 1907 von der Ausnahme in die Urliste nicht nur diejenigen Personen ausgeschlossen haben, welche zum Schöffenamte unfähig sind, (§ 32 deS Gerichtsversassungsgesetzes vorn 24. Januar 1877, in neuer Fassung R. G. Bl. S. 371 von 1898) und solche, welche nach §§ 33, 34 dieses Gesetzes dazu nicht berufen werden sollen, sondern über den Kreis dieser Personen hinaus eine ganz willkürliche Auswahl getroffen haben.

Dies Verfahren ist gesetzlich unzulässig. Ich mache die Herren Ortsvorstände der LandgemeindenGutsbezirkedafür verantwortlich, daß bei Ausstellung der sragl. Listen in Zukunft genau nach den gesetzlichen Bestimmungen verfahren wird.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersseld, den 21. Oktober 1907.

Der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medi- zinal-Angelegenheiten hat den Königlichen Kreisarzt Dr. Ewers in Kempen (Rheinland) vom 1. November d. I. ab in die durch das Ableben des Geheimen Medizinalrats Dr. Victor freigewordene Kreisarztstelle für den Kreisarztbezirk Hersfeld- Hünfeld berufen.

3*. I. 9803. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 28. Oktober 1907.

Wegen Umbau des Deckplattenkanals in Nr. 1,9 -p 85 des Landwegs Kirchheim-Kemmerode am Ausgang des Ortes Gershausen wird der Landweg von Gershausen ab während der Zeit vom 29. Oktober bis 3. November für Lastfuhrwerk gesperrt.

l. 10116. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

3« Besuch H KaiserWres in

Der englische Hof und die städtischen Behörden von London rüsten zum Besuch des deutschen Kaiserpaares, der für Mitte des nächsten Monats bcvorsteht und sechs bis sieben Tage

Gin * um $ Eicht

Roman von Carlo Carraky.«

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Manchmal mir auch! Wir haben in Amerika unsern Longfellow und lesen auch Hood und Tennyson!"

Und wir unsere Goethe und Schiller, die unsterblich sind." Die müssen Sie mir vorlesen!"

Gern!"

Hier mischte sich Frau Horstmann in das Gespräch:

Nun vom Parnaß und Helikon auf die prosaische Erde zurück, Klara! Da ist unser Hans schon in Sicht. Du trinkst gewiß gern eine Tasse Kaffee?"

Ja, Mama!"

Und Herr Knox nimmt den feinigen in unserer Gesell­schaft ein?"

Wenn ich nicht störe!"

Ei, Sie gehören ja mit zur Familie!"

Wie eS schien, gefiel Klara der junge Amerikaner ebensowohl als ihrer Mutter. James Knox war von diesem Augenblicke an viel öfter in der Horstmann'fchen Wohnung anzutreffen als sonst. Frau Horstmann sah es und lächelte.

Der junge Mann studierte sehr eifrig. Bald schrieb er ganz und gar wie Ralph, das Deutsche las er fast fließend, und des armen Ralph Tagebuch war seine tägliche Lektüre.

In dem Buche hatte Ralph seine glückliche Jugend be­schrieben, wie er von Tom gegängelt wurde, wie später Edith in'S Haus kam und seine Spielgefährtin ward, wie dann Oliver Gardener den Zank zwischen sie trug. Ein schweres Weh bereitete eS ihm, als er samt Oliver aufs Kolleg zu Coernaein kam; Edith erhielt eine Gouvernante. Die Schülerjahre ver- flogen, und jetzt zeigten alle Darstellungen Ralph, wie un­bewußt die Liebe zu Edith schon bei ihm Einzug gehalten, wie er aus Oliver eifersüchtig ward. Nun kamen die Jahre auf demNelson"; die Liebe ist erblüht; Edith schenkt ihm beim Abschied ihre schönste Rose und spricht aus, daß sie ihn liebt. Dann folgt die Katastrophe, die ihn seine Eltern

dauern wird. Der Kaiser und die Kaiserin werden in Schloß Windsor wohnen, wo zweimal große Tafel und an mehreren Tagen Jagden veranstaltet werden. Ein Tag ist für den Besuch Londons bestimmt, wo der Kaiser von den städtischen Behörden empfangen und im feierlichen Zuge nach der Guild- Hall, dem Rathaus von London, geleitet werden wird. Hier wird der Kaiser einer Sitzung beiwohnen und die Huldigung mit einer Ansprache erwidern. König Eduard, auf dessen Einladung die Reise erfolgt, ist bemüht, seinen hohen Gästen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen.

In der Begleitung des Kaiserpaares befindet sich der Kriegsminister v. Einem, den der König in Erwiderung der freundlichen Aufnahme des englischen Kriegsministers Haldane bei dessen vorjähriger Anwesenheit in Deutschland eingeladen hat, ferner ein Vertreter des Auswärtigen Amts. Die An­nahme, daß auch der Reichskanzler Fürst Bülow mit nach England gehen werde, trifft nicht zu. Der Besuch fällt zeitlich mit dem Beginn der parlamentarischen Arbeiten zusammen, bei denen die Anwesenheit des leitenden Staatsmannes schwer entbehrt werden könnte. Auch kommt in Betracht, daß seit der Zeit des Berliner Kongresses, also feit bald 30 Jahren, kein englischer Premierminister in Deutschland war und sich König Eduard bei seinen Besuchen unseres Kaisers nur von einem Vertreter des Ministeriums des Auswärtigen begleiten ließ.

Etwas anderes wäre es, wenn in Windsor und London hochwichtige politische Verhandlungen zu führen wären. Solche stehen aber nicht in Aussicht. Konkrete Streitfragen gibt es zwischen England und uns gegenwärtig nicht. Was die Temperatur der offiziellen Beziehungen beinträchtigte, waren Volksstimmungen, harte Urteile über den Burenkrieg und den englischen Charakter hüben, Besorgnisse gegen die Entwickelung der deutschen wirtschaftlichen und maritimen Kräfte drüben. Man ist ruhiger geworden, die Einsicht, daß die Erde Raum hat für beide stammverwandten Völker, hat Fortschritte gemacht, Hoffnungen, die deutsche Militärmacht als Feind der Humanität und des Friedens hinzustellen, sind gescheitert. Gegenseitige Besuche von Vertretern städtischer und Arbeiterinteressen und von Journalisten haben ein besseres gegenseitiges Verständnis angebahnt. So bringt denn ein Teil der' englischen Presse jetzt schon sehr freundliche und verständige Begrüßungsartikel für das deutsche Kaiserpaar, und die Erwartung ist berechtigt, daß der Besuch nicht nur äußerlich eindrucksvoll verlaufen, sondern die freundlichen höflichen Beziehungen beleben und zu dem Verhältnis von Reich zu Reich und Volk zu Volk einen nach­haltigen Zusatz von gegenseitigem Verständnis und Vertrauen liefern wird.

Sun Den Mmitrftlitro in Wobritn.

Immer neue Hivbsposten laufen aus der unglücklichen Provinz ein, und immer höher steigt die Ziffer der Getöteten und Verletzten. Zur Linderung der furchtbaren Not hat eine umfangreiche Hilfsaktion eingesetzt, der aus öffentlichen und

kostet, aber Edith's Liebe bleibt sein Stern im trüben Dunkel bis jener Brief kommt, der ihm mitteilt, wie Edith Grace Edith Dudley wird. Jetzt ist alles bei ihm aus; Verzweiflung spricht auS jeder Zeile, bis sich seine Seele aufrafft und er beschließt, nach Kalifornien zu gehen, Gold zu graben und dann seine Eltern auszusuchen.

Und nun dieses Ende!---James las die Partien des Buches, welche das langsame Entstehen seiner Liebe zu Edith schilderten, wiederholt; dabei ward ihm unter Bangen und unter unendlicher Freude klar, daß er selbst liebte, daß Klara die Sonne seines Lebens sei. Klara mußte die Seinige werden!

Frau Horstmann wurde von Tag zu Tag ernster, da ihr Gatte nichts von sich hören ließ. James tröstete sie gutmütig, so gut er konnte: vielleicht sei sein Brief verloren gegangen, oder Horstmann sei gar schon aus der Heimreise begriffen. Das machte der guten Frau den Zimmerherrn, dem sie bereits mütterliches Wohlwollen entgegentrug, immer lieber. Sie ließ deshalb Klara i» ihrem Umgänge mit Knox völlig freie Hand.

Das junge Mädchen, dessen Vergißmeinnichtaugen seit einiger Zeit heller strahlten als je, nahm mit James Schillers ewig PoesiereicheGlocke" durch.

Als sie die Stelle lasen:

Und herrlich in der Jugend prangen, sieht er die Jungfrau vor sich stehen," traf ein sinnender, liebevoller Blick Klaras Gestalt und verklärtes Gesicht.

Da faßt ein namenloses Sehnen des Jünglings Herz."

Ach, ihm selbst war ja das Herz so übervoll! Aber durste er sprechen, ehe seine Zunkunst nicht völlig klar war?

Begeistert hörte er ihrem Vortrage zu; war sie nicht wie eine Seherin, wie eine Predigerin der göttlichen Liebe?

Er hätte sich heute nicht zügeln können, wenn er bei ihr geblieben wäre; er drückte Klara deshalb warm die Hand und ging auf sein Zimmer. Klara blickte ihm sinnend nach. Schimmerte nicht eine Träne, Diamanten gleich, in ihren Wimpern?

Für diesen Tag blieb JameS unsichtbar, am nächsten Morgen aber faßte er sich ein Herz und trat bei Horstmann'? ein.

privaten Quellen reiche Mittel zufließen. Ueber die Lage in den von dem Erdbeben heimgesuchten Gegenden wird folgendes berichtet:

Rom, 25. Oktober. Die Verwüstung und das Elend in den einzelnen Ortschaften ist unbeschreiblich. Die Insassen des Bezirksgesängnisses in Caulonia konnten mit Mühe erst im letzten Augenblick vor dem Einsturz des Gebäudes geborgen werden. In dem am schwersten heimgesuchten Ferruzzano zählte man gestern abend 212 Leichen. Menschliche Glieder ragen noch aus den Trümmerhaufen, und man vernimmt das Stöhnen der noch Verschütteten. Die Ueberlebenden irren jammemd umher, ohne etwas zur Rettung zu tun. Tiefe, durch das Erdbeben gebildete Spalten erschweren die Hilfeleistung. Die Zahl der Opfer ist in Ferruzzano besonders groß, weil die Bevölkerung von Der Katastrophe im Schlaf überrascht wurde. Den zahlreichen Verwundeten fehlt es an Arznei und Eis. In Catanzaro füllt eine laut betende Gemeinde die Kirche bis auf den letzten Platz; Prozessionen ziehen durch die Sttaßen. Es herrscht Besorgnis wegen der zahlreichen, an den Berg­kämmen gelegenen Ortschaften, die keine telegraphische Ver­bindung haben. Die reißenden Bergströme verhindern zurzeit jeden Zugang zu ihnen. Gestern abend 9 Uhr 30 Min. wurde in Messina ein neuer starker Erdstoß verspürt, der 10 Sekunden dauerte und eine große Panik hervorrief, aber keinen Schaden anrichtete. Die Militärbehörde hat den Obdachlosen 1500 Zelte überwiesen. Der Papst und der Erzbischof von Reggio haben 50 000 Lire für die Opfer der Katastrophe geschickt, außerdem werden von kirchlicher Seite Subskriptionen eröffnet. Die Mailänder und Turiner Hilfskomitees für die durch das Erdbeben vom Jahre 1905 Geschädigten, die sich gerade aus­lösen wollten, haben -bre Tätigkeit wieder ausgenommen.

Nach einer weiteren Meldung schätzt man die Gesamtzahl der bei dem Erdbeben in Kalabrien Getöteten auf 300, ver- ' mundet sind etwa 1000 Personen. General Aliprandi, der Kommandeur der 22. Division in Catanzaro, wird heute die Unglücksstätten besuchen. Popolo Romano meldet, daß die Regierung die technische Finanzkommission von Kalabrien an- gewiesen habe, die Höhe des angerichteten Schadens sestzustellen, um einen sofortigen Steuernachlaß anordnen zu können.

Rom, 25. Oktober. Genaueren Angaben zufolge ist Ferruzzano nicht unmittelbar dem Erdbeben zum Opfer gefallen, sondern von einem ungeheuren Erdrutsch verschüttet worden, den das Erdbeben von dem Berge, an dem der Orte liegt, loslöste. Bis jetzt wurden in Ferruzzano allein schon 500 Leichen geborgen. Man zählt über 600 Verwundete. Der Schaden ist ungeheuerlich. Ein Sonderzug mit Aerzten und Arzneien ist bereits eingetroffen. Die Aerzte haben den Auf­trag, bei Brancaleone, einer Ortschaft nahe Ferruzzano, die selber fast gänzlich zerstört ist, ein Feldlazarett für transport- unfähige Verwundete zu errichten und die Transportfähigen, soweit möglich, nach dem 40 Kilometer entfernten Reggio ab= zuschieben. Die Soldaten erfüllen ihre traurige Pflicht mit äußerster Pietät, trotzdem sie einen schweren Stand haben, da

Wenn ich nicht störe," sagte er bescheiden,hätte ich wohl etwas mit ihnen zu besprechen, Frau Horstmann!"

Ich habe Muße genug!" entgegnete diese.Bitte, nehmen Sie nur Platz!"

Hm," versetzte der junge Mann,ich möchte auch Fräulein Klara dabei wissen!"

Klara erscheint sogleich!"

Hier trat sie ein und errötete, als die Mutter James Worte wiederholte.

Die Wimpern waren gesenkt, als sie entgegnete:

Reden Sie, Herr Knox!"

Ich halte mich verpflichtet, Sie darüber auszuklären, wer ich eigentlich bin und welche Aussichten ich für die Zukunft habe!"

Frau Horstmann blickte James wohlwollend an und entgegnete:

Man sagt ja, daß Mitteilung das Herz erleichtert. Fühlen Sie, Mr. Knox, nun zu einer solchen Mitteilung den Drang, so sprechen Sie; seien Sie dabei gewiß, daß Klara und ich Ihr Verttauen zu schätzen wissen und genug Interesse für Sie besitzen, um Ihre Geheimnisse zu bewahren!"

Klara nickte beklommen dazu, da ihr angeborener weiblicher Takt erriet, Mr. James müsse wohl wichtige Ursache haben, ihnen ein solches Verttauen zu erweisen. Ihr Herz fühlte seit dem ersten Augenblick für diesen offenen, ehrlichen Charakter, und sie hoffte, daß dieser Erklärung früher oder später eine andere folgen werde, die ihr die bräutliche Myrte in das Haar flechten werde.

James Knox fand sich durch dieses Entgegenkommen er­mutigt und begann sogleich:

Ich habe eine armselige aber glückliche Jugend verlebt. Einen Vater habe ich nie gekannt, dafür aber ein so reiches, treues Mutterherz, wie eS nur Dichter besingen können! Wie ich erst vor nicht langem erfuhr, als eS nicht mehr schlug, hatte der Mann, der meine Mutter mit allen Fasern ihres HerzenS liebte, ihr Verttauen schmählich gemißbraucht! Meine gälte Mutter war arm, eine Erzieherin, die daS bittere Brot )er Gouvernanten. Da gewann der Sohn eines Groß industriellen ihr Herz. Von feinem Vater auS ihrem Platze