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Herrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 137. Sonnabend, den 36. Oktober 1907.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 25. Oktober 1907.
Bereits in meinem Ausschreiben vom 27. August 1907 — I. Nr. I. 7709 — abgedruckt im Kreisblatt vom 5. September 1907 — Nr. 105 — ist zu einer gemeinsamen Bekämpfung der in diesem Jahre besonders empfindlich aus- tretenden Mäuseplage ausgesordert worden. Meine inzwischen angestellten Beobachtungen haben mich indessen nicht die Ueberzeugung gewinnen lassen, daß dieser Aufforderung überall in hinreichend wirksamer Weise entsprochen worden wäre.
Bei der kürzlich abgehaltenen Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins hat diese Angelegenheit gleichfalls zur Beratung gestanden, und es ist dabei der Wunsch zu Tage getreten, daß die Aufforderung zum gemeinsamen Vorgehen aus diesem Gebiete eindringlichst wiederholt werden möchte. Ich ersuche daher die Interessenten dieser wichtigen Angelegenheil ihr besonderes Interesse zuteilwerden zu lassen. Die Erfahrungen, welche im Kreise Fulda unter Leitung der berufenen Stellen mit den verschiedenen Bertilgungsmitteln gemacht worden sind, haben ergeben, daß sich in der Praxis die Vertilgung durch Gisthafer als am wirksamsten und gleichzeitig am einfachsten herausgestellt hat. Ich bin daher bereit, für die gemeinsame Beschaffung dieses Mittels zu sorgen.
Die Herrn Ortsvorstände haben dies sofort aus ortsübliche Weise öffentlich bekanntmachen zu lassen, und damit die Aufforderung zu verbinden, daß diejenigen Grundbesitzer, welche Gifthafer beziehen wollen, die erwünschte Menge binnen drei Tagen beim Ortsvorstand anzumelden haben. Die Anmeldungen sind ordnungsmäßig in Hve Nachweijung aufzunehmeu unb mir binnen längstens fünf Tagen vorzulegen.
Zur Kostensrage ist zu bemerken, daß sich das Pfund Gift- Hafer einschließlich Transportspesen aus etwa 48 Pfennig belaufen wird. Aus einen Hektar sind ein bis zwei Pfund erforderlich. Außerdem wird zum Legen des Giftes eine Gistflinte gebraucht, welche etwa 2,50 Mk. kostet. Nicht jeder, welcher Gisthafer bestellt, braucht dazu auch ein eigenes Instrument. Es genügt ein Instrument für eine Anzahl von Besitzern, die sich seiner nacheinander bedienen können.
Mit der Anmeldung des Gisthafers haben die Herren Bürgermeister gleichzeitig den Bedarf an Giftflinten anzumelden.
Die entstehenden Kosten werde ich dann durch die Gemeindeorgane einzichen.
Genaue Jnnehaltung der gesteckten Fristen ist dringendes Erfordernis.
I. 10076. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malens in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des verstorbenen Königlichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist
Dienstag, den 39, Oktober im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 25. Oktober 1907.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 21. Oktober 1907.
Unter der Schafherde des Joh. Georg Kühn zu Rückers- hausen, Kreis Ziegenhain, ist Räudeverdacht festgestellt worden. I. 9918. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 21. Oktober 1907.
Unter der Schafherde des Schäfers Dusenberg zu Lingel- bach, Kreis Ziegenhain, ist die Räude ausgebrochen. I. 9899. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während der verflossenen Woche konnte Deutschlands Kaiserin aus 49 Jahre eines reichgesegneten Lebens zurück- blicken. Wohl selten umspannt ein Menschenleben eine solche Fülle von Taten und Werken bewahrender, helfender, rettender Christenliebe, wie sie schon das bisherige Leben, Wirken und Schaffen unserer Kaiserin in sich schließt. Der Dank hierfür hat denn aud) an ihrem letztverflosscneu Geburtstagsseste wieder in zahllosen begeisterten, allen Schichten und Ständen des deutschen Volkes entstammenden Huldigungen seinen spontanen Ausdruck gefunden. Mit ganz besonderer Wärme und Inbrunst aber wandten sich Herzen und Sinne dcS Volkes diesmal dem Throne zu, war doch die teure Laudesmutter vor nicht langer Zeit von einem Unfall betroffen worden, der leicht ernstere Folgen hätte nach sich ziehen können. Daß daS nicht geschehen ist, dafür sind wir dem gütigen Gotte großen Dank fchuldig. Möge er auch ferner seine allgewaltige Hand schützend über das Leben der Kaiserin breiten, und mögen der allgeehrten
und allgeliebten Landesmutter noch weitere lange Jahre gesegneten Wirkens und glanzvollen Glückes beschicden sein.
Das Ereignis der innern Politik war für Deutschland während der Berichtswoche die Tagung des christlich- nationalen Arbeiterkongresses in Berlin. Daß die staatserhaltend gesinnten Parteien den Verhandlungen dieses Kongresses mit wärmster Teilnahme und regstem Interesse ge- folgt sind, erscheint bei den Hoffnungen, die sich für die Gesundung unseres Volkslebens an eine christlich-nationale Arbeiterbewegung knüpfen, selbstverständlich. Den Glanz- und Höhepunkt der Tagung bildete zweifelsohne die bedeutsame Rede des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern v. Beth- mann-Hollweg. Wie alle bisherigen Kundgebungen dieses Staatsmannes so trug auch seine Rede aus dem christlich- nationalen Arbeiterkongresse den Stempel einer geistesmächtigen und zugleich warmherzigen Persönlichkeit. Liebe zum Arbeiterstande vereinigte sich in den Ausführungen des Staatssekretärs mit weiser Fürsorge für das Wohl des Ganzen zu harmonischem Einklänge. Mit Nachdruck ermähnte der Staatssekretär die Vertreter der christlich-nationalen Arbeiterschaft, stets dessen eingedenk zu bleiben, daß der Arbeiterstand wie jeder andere Stand nur ein Glied des gemeinsamen Volkskörpers ist, und daß nicht die Ausschaltung aller anderen Interessen, sondern der billige Ausgleich einander entgegenstehender Interessen das Ziel einer gesunden Politik sein muß. Hoffen wir von ganzem Herzen, daß diese ernsten Mahnungen nicht auf steinigen Acker, sondern auf fruchtbaren Boden gefallen fein mögen.
In der Reichshauptstadt ist eine Kommission amerikanischer Beamter eingetroffen, um im Auftrage ihrer Regierung mit den benotn Behörden über Zollfragen zu verhandeln. Da bekanntlich Lvitjer der Abschluß eines langfristigen neuen Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten von Amerika nicht gelungen ist, dürfte die Annahme berechtigt sein, daß die Kommission dem Zwecke der Sammlung neuen Materials für eine endgültige Regelung des handelspolitischen Verhältnisses zwischen Deutschland und Amerika dienen soll.
Die nach Europa entsandte marokkanische Ge- sandtschast des Gegensultans Mulay Hasid hat zwar verschiedene europäische Hauptstädte besucht, aber mit keinem Erfolge: sie ist wie in London und Berlin fo auch jetzt in Rom abgewiesen worden. Daß die in Vertragsbeziehungen mit dem rechtmäßigen Sultan von Marokko stehenden Regierungen es durchweg ablehnten, die Gesandtschaft auch nur zu empfangen, war nicht anders zu erwarten, und es wird somit Mulay Hafid kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich mit seinem Bruder, dem Sultan selbst auseinanderzusetzen. Im übrigen ist die Lage in Marokko noch durchaus unklar, nnd wir vermögen nur die Hoffnung auszusprechen, daß die Dinge bafelbft sich recht bald gründlich zum Bessern wenden möchten.
Zum 27. Oktober.
Wer heute die Heranwachsende Jugend, ja auch die mitten im Leben stehenden Männer, die sich bei den Wahlen zum Reichstage eifrig betätigen, politische Versammlungen besuchen und patriotische Feste feiern, fragte „Was wißt ihr von Metz?", der würde erschrecken über das tiefe Stillschweigen und die mancherlei mehr oder weniger unvollkommenen Antworten. Und doch verdient gerade Metz mit ehernen Griffeln in jedes deutsche Herz eingeschrieben zu werden. Es ist weniger die Festung selbst, die das Interesse fesselt, obwohl auch sie bei dem heißen Ringen und Kämpsen um Deutschlands Einheit eine ernste Rolle gespielt hat, sondern die sie umgebenden zahllosen Schlachtfelder sind es, die jedes deutsche Herz rascher schlagen lassen müssen.
Da steht auf einem kleinen Friedhof bei Gravclotte eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruhen 3000 tapfere Krieger". Wer das nur mit den Augen lieft, der versteht diese stumme Sprache nicht, aber wer mit dem Herzen lieft, dem sagen die Worte: „Sieh her, wir haben geblutet und sind zu einem bessern Leben eingegangen für unser teures, innig geliebtes Vaterland; wir sind gestorben für Deutschlands Ruhm und Ehre; mit unserm Blut, gepaart mit Schwert und Eisen haben wir Deutschlands Einheit geschmiedet. Das Opfer haben wir für euch gebracht, die Wohlfahrt des Friedens, die euern Besitzstand mehrt, euch Arbeit und Brot gibt, ist unser Werk. Wir haben euch ein köstliches Erbe hinterlassen und ehrlos seid ihr, wenn unser Blut euch nichts gilt, wenn ihr nicht mit eurer ganzen Kraft dahin strebt, rein und ehrenvoll zu erhalten, wie wir es für euch geschaffen haben. Hebt Herz und Hand sürs Vaterland!"
Jedes Denkmal redet seine eigene Sprache, aber ein jedes preist die Helden der großen Zeit und kündet ihren Ruhm; ein jedes packt den Beschauer mit Allgewalt, und unwillkürlich wenn er nicht schon gelernt hat, den Geist zu erheben, zieht er seinen Hut zu einem Dankgebet und zu dem Gelübde: „Wie ihr ruhmgekrönten Helden aus der heiligen Stätte hier eure Liebe zu unserm ruhmreichen Vaterlande freudigen Herzens mit dem Tode besiegelt habt, so schwören auch wir, daß wir fest und treu die Wacht halten werden und, euer würdig, allezeit bereit sind, wenn es sein muß, euch in den ehrenvollsten Tod
zu folgen." Dann bricht er ein grünes Reis, um die Gräber mit seiner Liebe zu zeichnen.
Wenn wir so in uns versenkt die Denkmäler betrachten und nun den Blick aus das Schlachtfeld lenken, dann ist es uns plötzlich, als ständen die Toten auf aus ihren Gräbern und besetzten die Stellungen, die sie in den Augusttagen des Jahres 1870 inne hatten. Das Schlachtfeld belebt sich mit Freund und Feind, der Geschützdonner, die Mitrailleusensalven und das Kleingewehrfeuer klingen an unser Ohr, vorüber rauscht die Brigade Bredow in ihrem Todesrittt, und mit brausendem Hurra geht die deutsche Jnsanterie gegen die schier uneinnehmbaren, französischen Stellungen vor.
Nun erst, wenn wir das Schlachtgetobe hören und sehen, wie die Deutschen todesmutig und den Tod verachtend gerungen haben, erst, wenn wir sehen, wie die Reihen in dem dichten Kugelregen sich lichten und doch kein Wanken, sondern nur ein Vorwärts kennen, bis sie die Siegespalme in Händen halten, erst dann können wir die ganze Heldengröße unserer Krieger erfassen, und wir sagen uns: „Ein Schurke, wer diese Helden nicht ehrt und gleich ihnen nicht aller Orten und zu jeder Zeit Leib und Leben in seliger Freude dem Vaterlande weiht. Selbst der klein und niedrig Geborene war hier in seiner Heldengröße unerreicht, und auch bet Kleinste unter uns ist riesengroß und aller Ehren wert, wenn er zu kämpfen, zu siegen oder zu sterben versteht, wie unsere Krieger in den Jahren 1870/71."
Ae L«WW in Wand.
Aus Rußland kommen sensationelle Meldungen über ein geplantes, aber *e^.t-lies Attentat, gegen den Zaren. 27 Werst von Petersburg entfernt führten Jagdhunde in der Nähe des Schienenweges bei Pawlowsk einen Jäger zu einer mit Stroh, Erde, Lehm und Planken bedeckten Stelle. Beim Abräumen fand man verschiedene Grabinstrumente und stieß auf zwei Männer, welche damit beschäftigt waren, eine Mine zu graben. Die Leute trugen Pläne für diese Mine bei sich; ferner fand man bei ihnen Telegramme von Komplizen, in denen diese sich nach dem Gange der Arbeiten erkundigten. Die Männer wurden verhaftet und der Gendarmerie in Zars- koje Sselo übergeben.
Ein frecher Raubansall auf einen russischen Eisenbahnzug wurde auf der Station Karatfchew verübt. Die Räuber hatten es auf den im Zuge befindlichen Kafsen- boten der Malzewschen Fabriken abgesehen, der etwa 60 000 Rubel bei sich hatte. Sie schleuderten eine Bombe, durch deren Explosion der Kaffenbote getötet, seine vier Begleiter verwundet wurden. Ein Militärkommando hat die Verfolgung der Räuber, welche mit 40 000 Rubeln entkommen sind, übernommen. Weiteren Meldungen zufolge wurden bei Durchsuchung des Zuges durch die Polizei fünf verdächtige Personen festgenommen, ebenso auch zwei verwundete Räuber. Bei dem Ueberfall büßten außer dem Kassenboten noch zwei Passagiere das Leben ein ; unter den Verwundeten befinden sich gleichfalls zwei Passagiere. Der noch fehlende Betrag von 20 000 Rubeln von der Gesamtsumme von 60 000 Rubeln, die der ermordete Kaffenbote bei sich trug, wurde nachträglich in dem Waggon gefunden.
Str Mscnkrch in Amerika.
An der Börse in New-Iork ist eine Krisis ausgebrochen, die man nicht anders als einen großen Börsen- und Finanz- krach bezeichnen kann, der seinem ganzen Wesen nach dem amerikanischen GeschäftSleben ein sehr schlechtes Zeugnis aus- stellt. Diese schwere Krisis, begleitet, von dem Zusammenbruch einer ganzen Anzahl Banken, Trusts und Geschäftshäuser, ist nämlich nicht nur infolge einer Ueberproduktion und Ueber- anspannung der kapitalistischen Kräfte eutstanden, sondern die Hauptursache des Börsenkraches ist in den Schwindeleien zu erblicken, welche die Vertreter des Kupserringes und anderer Trusts ius Werk gesetzt haben, um die Preise künstlich und mit erlogenen Mitteln auf eine schwindelhaste Höhe zu treiben. Wie in Amerika in der schamlosesten Weise Geld gemacht wird, das mag schon dadurch erhellen, daß von dem Kupferringe und den Kupferspckulanten der Preis des KupferS fast um hundert Prozent über den wirklichen Wert des Kupfers in die Höhe getrieben worden ist. Das Schwindelgebäude des Börsenkupserbanmes ist nun aber zusammengestürzt, das Kupfer kostet heute die Hälfte deS Preises wie vor einigen Monaten, amerikanische Kupferaktien sind von 60 DollarS aus zehn Dollars herabgesunken, und alle Bank-Institute, Kapitalisten und Spekulanten, welche mit Kupferaktien spekulierten, oder solche in Depot genommen haben, erlitten ungeheuere Verluste. In zwei Tagen brach die dem Kupserkönige August Heinze in New-Iork nahestehende Bankfirma Otto Heinze u. Co. zusammen, ferner die Banksirma Groß u. Kleeberg und die HandelS-National-Bank. Eine sehr große Anzahl amerikanischer Banken geriet in ZahlungSstockungen, und was daS seltsamste dabei ist, sogar einige staatliche Sparbanken in den Vereinigten Staaten haben wegen deS KupferftacheS ihre Zahlungen eingestellt. Diese staatlichen Sparbanken müssen also betrügerisch leichtsinnig gewirtschaftet haben, wenn sie durch den Sturz