Herz erschließen; ich will Gottes Gebote halten, seine Wege wandeln, und er wird mir helfen, durch alle Anfechtungen zum ewigen Leben." Nach der Feier nahm das Kaiserpaar mit dem neukonfirmierten Prinzen und dessen Brüdern das heilige Abendmahl. ,
Die Kaiserliche Familie unternahm gestern nachmittag mit den anwesenden fürstlichen Gästen eine ^lusfahrt iu Automobilen in den Grunewald. Abends fand bei Ihren Majestäten Familientafel statt. Heute morgen hörte Se Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militarkabmetts Generals von Oertzen, deS Staatssekretärs des Reichsmarine- amts Admirals v. Tirpitz und des Chefs des Marinekabinetts Admirals v. Müller, besichtigte die Hülfsmodelle der Standbilder des ersten Königspaares für die neue Charlottenburger Brücke in Gegenwart des Oberbürgermeisters Schustehrus und einen Aebtiffinnenstab für Kloster Fischbeck in Gegenwart des Künstlers Pros. Rohloff und begab Sich um I2V2 Uhr im Automobil nach Döberitz, um an der heutigen Parforcejagd teilzunehmen; mit dem Kaiser fuhr Prinzessin Friedrich Karl von Hessen.
Prinz August Wilhelm von Preußen.vierter Sohn des Kaiserpaares, und sein Vetter, PrinzWaldemar von Preußen, werden noch im Laufe dieses Monats an der Universität Straßburg immatrikuliert werden.
Auf Veranlassung des preußischen Kultusministeriums finden statistische Erhebungen über die Zahl der Krüppel in Preußen und deren geistige und körperliche Pflege statt, die im Februar nächsten Jahres abgeschlossen sein werden. Aus Grund der hierdurch gewonnenen Erfahrungen soll erwogen werden, ob es sich empfiehlt, die Fürsorge für Krüppel, die zurzeit ausschließlich der Privatwohltätigkeit überlassen ist, ähnlich wie der Taubstummen und Blinden den Provinzial- verbänden zu überweisen. Es dürste dabei neben der körperlichen Pflege auch besonders die Frage des Unterrichts und die Ausbildung berücksichtigt werden, um den Krüppeln eine eigene Erwerbstätigkeit zu gewähren.
Der auswärtige Handel Deutschlands erreichte in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der Einsuhr rund 6565 Mill. Mark, in der Ausfuhr 5134,9 Mill. Mk. Gegen das Vorjahr nahm die Einfuhr um 453,2 Mill., die Ausfuhr um 620,6 Mill. Mk. zu.
Wie die Korrespondenz Wilhelm von vertrauenswürdiger Seite ersährt, hält die Besserung im Befinden des Kaisers von Oe st erreich an. Die Folgen der schlecht verbrachten Nacht vom Freitag zum Sonnabend sind ganz überwunden. Wenn überhaupt eine Gefahr für den Kaiser bestanden hat, kann man sie jetzt als beseitigt betrachten und annehmen, das die Rekonvaleszenz beginnt. Daß der Husten nicht aus einmal schwindet, liegt in der Natur des Leidens. Vermehrte Nahrungsausnahme, Fiebcrlosigkeit, gehobenere Stimmung und besserer Kräftezustand sind nach jeder Richtung hin zufriedenstellende Symptome.
Die Belgrader Polizei ist einem Komplott gegen den serbischenKronprinzen aus die ©pur gekommen, das dessen Entfernung bezweckt. Dib Verschwörer sind zumeist Offiziere, die an dem Königsmord beteiligt waren, so daß die Regierung und die Polizei nicht wagen, gegen die Verschwörer vorzugehen. Kronprinz Georg, der für sein Leben fürchtet und ein Attentat gegen seine Person erwartet, befindet sich in nervöser Erregung und verbringt seit Wochen schlaflose Nächte.
Die holländische Expedition nach derJnscl Flores begegnete, wie amtlich gemeldet wird, vielfachen Widerstand. Mehrere befestigte Dörfer wurden eingenommen. Der Feind hatte 198 Tote. Alle Führer aus der Gegend des Rokkaberges, wo der Widerstand jetzt gebrochen ist, haben sich unterworfen.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
):( Hersfeld, 21. Oktober. Mit dem heutigen Tage erreicht unser diesjähriges L u l l u s s e st wieder sein Ende. Selten wohl war es vom Wetter so begünstigt wie diesmal. Besonders der gestrige Sonntag war ein prächtiger Herbsttag, und in Scharen strömten die Bewohner der näheren und weiteren Umgegend zu den Toren der Stadt herein, um auf dem Marktplatze sich an den mannigfachsten Vergnügungen zu erfreuen. In den Nachmittagsstunden herrschte denn auch hier ein ganz enormes Gedränge, und dürsten wohl sämtliche Budenbesitzer mit dem gestrigen Sonntag außerordentlich zusrieden gewesen sein.
):( Hersfeld, 21. Oktober. Herr Hippodrombesitzer Begemann spendete heute aus Anlaß des beim diesjährigen Lullusfeste gemachten guten Geschäftes dreißig Mark für hiesige Arme. Für diese edle Handlungsweise sei ihm hiermit gedankt.
Cassel, 20. Oktober. Ein schwerer Unglückssall, dem ein Menschenleben zum Opser gefallen ist, ereignete sich heute Vormittag, kurz vor 10 Uhr, auf der Strecke Warburg-Cassel, zwischen den Stationen Grebenstein und Jmmenhausen. Der etwa 30 Jahre alte Rottenarbeiter Wilhelm Finis aus Grebenstein, der auf der Strecke mit Stopsarbeiten beschäftigt war, wurde von dem 10,59 Uhr in Cassel eintreffenden Eilzuge 183 ersaßt und aus der Stelle getötet. Die Maschine des Zuges war mit Blut besudelt, einzelne Leichenteile und Stoffsetzen waren an ihr hängen geblieben. Der fürchterlich verstümmelte und zerstückte Körper des Verunglückten wurden zwischen den Geleisen ausgehoben und nach Grebenstein gebracht« Wie es möglich war, daß der Streckenarbeiter daS Herannahen des Eilzuges überhörte, und wie sich die schauerliche Szene im Einzelnen abgespielt hat, wird wohl nie Ausklärung finden.
Ziegenhain, 19. Oktober. Gestern abend wurde der Butterhändler Heinrich Poppert, der während des Tages Butter in den Ortschaften aufgetauft hatte, in der Nähe von Mengs- berg von mehreren Zigeunern angefallen und am Halse gewürgt. Schließlich gelang es ihm jedoch, sich loszureißen, aus sein Pferd einzuschlagen und den braunen Kerlen zu entkommen.
Schmalkalden, 18. Oktober. Eine interessante Verhandlung fand dieser Tage vor der zweiten Strafkammer statt. Ein junger Kaufmann M., der hier konditionierte, will von seinem Chef aufgestachelt worden sein, an einem Nachbar wegen einer Anzeige Rache zu nehmen. Daraus ging der junge Mensch in den Garten des Nachbars und schnitt dessen Rosen- ftämmchen und Weinstöcke ab. Die Sache kam zur Anzeige »nd M. floh aus Furcht nach Frankreich, wo er in die Fremdenlegion verschickt wurde. Infolge Einmischung der deutschen Botschaft würbe M., der noch nicht 18 Jahre alt war, nach 7 Monaten entlassen. Der junge Mann war nun wegen der oben angegebenen Handlung vom Schöffengericht zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden unb hatte dagegen Berufung eingelegt. Das Gericht hob auch daS erstinstanzliche Urteil auf und setzte eine Geldstrafe von 20 Mk. fest. Außerdem wurde M. der bedingten Begnadigung empfohlen.
Kleiu-Littdeu, 18. Okt. Im Bahnhof Gießen überfahren und getötet wurde heute abend der Schreiner Kaspar Beitz aus Dutenhosen, der bei der Firma Ed. Müller-Gießen im
Dienst stand. Er hatte am Güterbahnhos Dielen ausgeladen und wollte sich nach getaner Arbeit über den Bahnkörper nach seinem Zug bcgeben, der ihn um 6 Uhr 30 Min. nach Hause bringen sollte. Da fuhr gerade der Personenzug Nr. 797 aus Frankfurt ein, die Maschine ersaßte den Schreiner und schlciste ihn etwa 250 Meter. Als der Zug hielt, war Beitz tot, die Maschine hatte ihm den Kopf zerschmettert, während man sonst keine Verletzungen bemerkte. Beitz ist etwa 30 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern in bedrängten Verhältnissen.
Friedberg, 18. Oktober. Der Fall Philippi hat hier das größte Aussehen erregt, sowohl wegen der Tat selbst, als auch wegen des Motivs. Philippi wurde allgemein für einen reichen Mann gehalten, bis man gestern das Gegenteil erfuhr. Der Verstorbene war wegen seines biederen Charakters, sowie seines munteren Wesens eine in der ganzen Stadt beliebte Persönlichkeit. Schrecklich war der Jammer der armen Kinder mitanzusehen, welche aus der Schule zurückkehrten und die Eltern tot vorsanden.
Spangenberg, 19. Okt. Gestern abend von V27 Uhr ab herrschte im benachbarten Bischofferode Großfeuer. Die Gehöfte der Landwirte W. Waßmuß und Steinert wurden in kurzer Zeit eingeäschert.
Schlüchtern, 18. Oktober. Im benachbarten Marborn stürzte die 38 Jahre alte Frau des Kausmanns Hain .beim Zwetschenpflücken vom Baum herunter und erlitt schwere Verletzungen. Kurz daraus verstarb die Frau.
Hofgeismar, 20. Okt. An einem Graben der Feldflur zu Hombressen wurde gestern früh die Leiche eines dortigen Landwirtes ansgefnnden. Eine Gerichtskommission begab sich an Ort und Stelle, um die Todesursache festzustellen.
Nordhausen, 17.. Oktober. Vor der hiesigen Strafkammer tarn heute der tragische Vorgang bei Wallhausen zur Verhandlung. Angeklagt war der 17jährige Kupferschmiedelehrling Friedrich Berlich aus Halle a. S., der am 24. Juli d. Js. in der Nähe von Wallhausen seine Geliebte, die 16jährige Putzmacherin Anna Moritz aus Halle a. S. durch Revolver- schüffe so schwer verletzt hatte, daß sie am folgenden Tage in der Klinik zu Halle verstarb. Da die Eltern des Mädchens das Verhältnis der beiden blutjungen Menschen nicht dulden wollten, hatten beide beschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Sie fuhren ziellos von Halle über Merseburg und Sanger- hausen bis nach Wallhausen. Der Angeklagte gab dem wiederholten Verlangen des Mädchens nach und feuerte einen Schuß ab, der dem Mädchen in die Brust drang. Dann gab er auf sich selbst einen Schuß ab, verletzte sich aber nicht schwer. Als er aus seiner leichten Betäubung erwachte, sah er, wie das von rasenden Schmerzen gepeinigte Mädchen versuchte, sich an einem Baume aufzuhängen. Berlich vereitelte dies, indem er sie wieder abschnitt. Dann schleppten sich beide bis zum nächsten Hause, dessen Bewohner für ärztliche Hilfe sorgten. Diese vom Angeklagten gegebene Darstellung des Vorganges wurde durch die Beweisaufnahme bestätigt, sodaß die Anklage wegen Mordes fallen gelassen und Anklage wegen Vergehens gegen § 216 St.-G.-B. (Tötung eines Menschen auf dessen ausdrückliches ernsthaftes Verlangen) erhoben wurde. Das Urteil lautete gemäß dem Anträge des Staatsanwalts auf 2 Jahre 6 Monate Gefängnis.
Meiches (Oberhessen), 16. Oktober. An einem der letzten Abende :brannte hier ein aus dem Felde stehender großer Hausen Stroh ab. Die Flamme stieg mitten, wie in einem Schornsteine in die Höhe und als man später die Asche aus- einanberwarf, stieß man auf verkohlte Knochenreste. Wahrscheinlich hat ein Handwerksbursche sein Nachtquartier in dem Stroh gesucht und verursachte dabei mit seiner brennenden Zigarre den Brand, der ihm das Leben kostete. Die Polizei beschlagnahmte sofort den Knochenfund.
Lützen, 16. Oktober. Gestern vormittag ist die siebenjährige Tochter des Maurers Genth jun. in Hohenlehe verbrannt. Sie war mit noch drei jüngeren Geschwistern in der Wohnstube und hat wahrscheinlich einem fünf Monate alten Säugling die Trinkflasche anwärmen wollen, wobei die Kleider vom Feuer erfaßt wurden. Man fand das Mädchen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt am Boden liegend, kurze Zeit darauf starb sie.
Worbis, 18. Oktober. Der Landwirt Lier aus Wießen- born fuhr von der dortigen Kirmes zwei Damen nach dem Bahnhof. Aus der abschüssigen Chaussee scheute das Pferd. Eine Dame sprang vor Angst aus dem Wagen, während die andere herausgeschleudert wurde. Beide trugen erhebliche Verletzungen davon. Lier wurde ebenfalls aus dem Wagen aus einen Steinhausen geschleudert und erlitt so schwere Verletzungen, daß er im hiesigen Krankenhaus verstarb.
Erfurt, 17. Oktober. In einer hiesigen Schuhfabrik stürzte ein 16jähriger Lehrling in den Schacht eines Fahrstuhls, der Fahrstuhl stürzte nach und der junge Mann würbe so schwer verletzt, daß an sein Auskommen nicht zu denken ist.
Gotha, 18. Oktober. Aus dem hiesigen Bahnhof wurde gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr der Postsekretär Höser beim Ueberschreiten der Gleise von einer Lokomotive bei Seite geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, an dem er heute früh gestorben ist.
Eisenach, 19. Okt. An dem Schnittpunkt der Straßen Eichrodt-Eisenach und Eichrodt-Großenlupnitz hat man dem kühnen Husarenleutnant Hellwig, der an dieser Stelle am 17. Oktober 1806 an der Spitze von nur 50 Husaren 240 Franzosen angriff und überwältigte und dadurch 4000 Preußen dem schmachvollen Joch französischer Gefangenschaft entriß, ein einfach-würdiges Denkmal gesetzt. Das Denkmal wurde heute unter entsprechender Feier enthüllt. An derselben beteiligten sich it, a. Nachkommen Hellwigs, das gesamte Offizierkorps des Eisenacher Bataillons, Abordnungen derbeiden Husarenregimenter, denen Hellwig angehört hat (Schles. Nr 6 und Rhein. Nr. 9), Kriegervereine usw. Den Großherzog Wilhelm Ernst vertrat Schloßhauptmann von Cranach. Generalleutnant Exzellenz von Quistorp hielt die Weihrede, in welcher er in begeisterten Worten eine Darstellung vom Verlaus des kühnen Ueber- salls gab.
Homburg, 17. Oktober. Auf einer Treibjagd bei Ober- Staetten würbe der Stadtverordnete Zwiebacksabrikant Pauly aus Homburg-Kirdorf, als er von seinem Stande sich auf die Schueiße vorbeugte, um nach einem Hirsch zu sehen, von seinem Nebenschützen, der nach diesem Hirsch schoß, unglücklicherweise mit der Kugel durch beide Backen getroffen, sodaß der Oberkiefer verletzt wurde. Der Verwundete würbe in das allgemeine Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr scheint ausgeschlossen zu sein.
Sand, 18. Oktober. In der letzten Nacht wurde bei der Witwe Z. ein EinbruchSdicbstahl verübt, wobei dem Einbrecher etwa 600 Mark in einer Komode ausbewahrte Baugeldci in die Hände fielen. Der Dieb ist im Morgengrauen erkannt worden. ES ist der wegen einer ganzen Reihe von EinbruchS- licbstählen steckbrieflich verfolgte ehemalige Dachdeckergeselle I. auS Cassel. BiS jetzt gelang es nicht, deS Einbrechers habhaft ;U werden.
Vermischtes.
„., i * n' 19- Oktober. Als gestern abend Prinz Ertel Friedrich und Gemahlin im Automobil nach Potsdam fuhren, stieß der Wagen auf der Charlottenburger Chaussee mit dem Rade des Monteurs Sandle zusammen. Dieser wurde seitwärts geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Er hatte ziemlich schwere Verletzungen am Kopse und an der Hüfte erlitten. Der Prinz bemühte sich um den Verletzten, den er nach der Unfallstation brächte, wo er wartete, bis die Wunden verbunden waren. Dann fuhr er den Montenr nach seiner Wohnung.
— Königsberg, 19. Oktober. Der Dampfer „Reval", der auf der Fahrt nach Halisax begriffen war, ist untergegangen. 30 Mann Besatzung sind ertrunken.
München, 19. Oktober. Die jugendliche Kindes- mörderin ^da^Schnell hat, wie jetzt festgestellt wurde, zwei ihrer kleinen Opfer im Särglein selbst zu Grabe getragen und bafür den üblichen Lohn kaltblütig in Empfang genommen. s>ie ist als uneheliches Kind ihrer Mutter, die es einem dem Trunk ergebenen Tagelöhner in die Ehe zubrachte, in sehr trüben Vorstadtverhältnissen mit all ihrem Elend und ihren häuslichen Streitereien ausgewachsen, und die Verschlagenheit des Mädchens ist wohl, abgesehen von ihrer Veranlagung, zum größten Teil auf das Milieu zurückzuführen. Mit dreizehn Jahren kam sie schon als Kinderwärterin in die Großstadt, wo sie trotz guter Behandlung ihren Charakter nicht mehr änderte. Ihr erstes Opser ist wahrscheinlich der im Oktober vorigen Jahres plötzlich verstorbene neun Monate alte Knabe des Gewerbegerichtsboten Schiener in München gewesen. Die Leiche dieses Kindes wird am Montag ausgegraben. Dann folgten im Februar, Mai, Juni und September die übrigen Opfer, Knaben und Mädchen von Bauers- und Tagelöhnersleuten. Die ursprüngliche Annahme, daß es sich um triebartigen moralischen unb physischen Schwachsinn bei der Schnell handelt, gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Inzwischen ist eine weitere Tagelöhners- samilie ermittelt worden, bei der die Schnell im Mai acht Tage lang ein Kind hütete, das dann ebenfalls plötzlich gestorben ist.
— Die soeben eröffnete neue Rheinbrücke, die, 625 Meter lang, die Städte Duisburg, Ruhrort und Homberg verbindet, hat mit ihrer mittleren Oessnung von 203,2 Metern die größte Brückenspannweite in Deutschland. Sie hat 6 Millionen Mark gekostet.
— (Ein nach zwanzig Jahren aufgeklärtes Verbrechen.) Im Juni 1888 verschwand in Deutsch- Pickar der Beuthener Gerichtsvollzieher Schott. Seine Leiche wurde später im Brunnen des Hausbesitzers Bonczkowitz aufgesunden, der damals unter dem Verdacht des Mordes verhastet wurde, aber nach Jahresfrist wegen mangels an Beweisen freigelassen wurde. Nunmehr, nach fast zwanzig Jahren, tat ein Augenzeuge des Verbrechens, der Kutscher Schaub, dem Bonczkowitz 3000 Mark Schweigegeld gezahlt hatte, verräterische Aeußerungen, worauf die Wiederaufnahme der Untersuchung gegen Bonczkowitz erfolgte. Dieser hatte am Mordabend an Schott beim Glücksspiel im Gasthause tausend Mark verloren.
— (Ein eigenartiges S elb stm 0 rd m 0t iv.) Aus Wien wird geschrieben: In Szatemar an der ungarischen Grenze ereignete sich vor wenigen Tagen ein eigenartiger Vorfall. Ein Mann von 106 Jahren ist an und für sich eine Seltenheit. Noch seltener dürste es sein, daß ein Mann in diesen Jahren seinem Leben durch Selbstmord ein Ende macht. Das allerseltsamste ist aber in vorliegendem Falle das Selbstmordmotiv, aus dem sich der 106jährige Joseph Szazkas erhängte. Vor wenigen Tagen hatte er Bekannten gegenüber geäußert, Gott scheine ihn vergessen zu haben und er scheine verdammt zu fein, ewig auf Erden zu leben.
— St 0 ckh 0 lm, 19. Okt. Wie dem Svenska Tele- grambyram aus Uleaborg gemeldet wird, kenterte auf der dortigen Reede ein von einem Dampfer geschlepptes Segelboot, in dem sich außer dem Besitzer des Bootes 24 Arbeiterinnen befanden. Zwanzig Arbeiterinnen sind ertrunken.
— Petersburg, 19. Oktober. Vom 16. Juli bis zum 15. Oktober d. I. sind in den verschiedenen Orten des Reiches 8299 Cholerafälle festgestellt worden, von denen 399 tödlich verlaufen sind.
— Aus Südtir 0 l wird gemeldet: Infolge des unaufhörlichen Regens durchfrißt das Hochwasser bei Neumarkt und Salum die Etschdämme. Die Sarnthalerstraße ist durch die Talfer auf eine größere Strecke zerstört und für den Wagenverkehr gesperrt. In Wangen ist ein Haus eingestürzt. Auf der Ueberetscher Bahn bei Kaltem fanden Erdabrutschungen statt; der Zugverkehr blieb gestern teilweise unterbrochen. Bei Burgstatt ist die Reichsstraße überschwemmt. Bei Roneogno sind die Gleise der Valsuganabahn unterjpült, bei Primoer sind mehrere Brücken fortgeriffen.
Letzte Nachrichten.
Erfurt, 21. Oktober. In der vergangenen Nacht 12 Uhr wurde in der Großen Arche die 23jährige Frau Therese Richard, als sie sich auf der Straße mit einer anderen Frau unterhielt, von unbekannter Seite durch einen Schuß in den Kopf lebensgefährlich verletzt. Von dem Täter fehlt jede Spur.
Paris, 20. Oktober. General Drude telegraphiert, laß zwei Kompagnien Soldaten, die in der Richtung nach Taddat marschierten, von Eingeborenen beschossen wurden. Auf sranzösischer Seite sind ein Hauptmann und ein Soldat getötet, sechs Soldaten schwer verwundet.
Snhl, 21. Oktober. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde der Zugführer Rothius von hier in dem Tännel bei Oberhos vom Berliner O-Zug erfaßt und sofort getötet.
Vom 1. Oktober d. Js. ab sind die Abfahrtszeiten der Züge auf der hiesigen Station folgende:
In der Richtung nach Bebra.
620, 805f 04« n33 134S pa Z4i 413, 502 7* 759 100S 1124s, U4W 1'20*,
In der Richtung nach Frankfurt a. M. p4** 41)3 ßlO* 74G |0W* jQöl 10^ 42S JIO QSS 725 8^, 10“.
In der Richtung nach Trcysa.
6“, 1054, 2", ö15, 715, 1015.
Die mit * und fetten Druck bezeichnet« Züge sind zuschlagpflichtige Schnellzüge, die nur durch fetten Druck ausgezeichneten sind zuschlagsrci. f) Ab Fulda nur SonabendS und am Werktag vor Feiertagen. **) BiS Gclnhaufen nur Montags und am Wecktag nach Feiertagen.