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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 135.
Dienstag, den 22. Oktober
1907.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbst-Kontrollversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
gu Hersfeld I
(Turnplatz an der Hainstraße) JMittwoch, den 6. pfovember 1907,
Vormittags 9 Uhr
für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld.
gu Obergeis
(bei Gastwirt Er nst)
JVIittwocb, den 6. Piovember 1907,
Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Obergeis und Untergcis.
gu Heimboldshausen
(bei Gastwirt Ech t e rm ey er)
JVIontag, den 11. November 1907,
Vormittags 930 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Heimboldshausen, Ausbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshos mit Nippe und Unterneurode.
gu Heringen
(S ch u l p l a tz)
JVIontag, den 11. November 1907,
Vormittags 11 Uhr
für die Mannschaften aus den Gemeinden Aengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen. Die Mannschaften aus Kleinensee erscheinen in Hönebach.
gu Friedewald
(aus dem Schloßplatz)
Dienstag, den 12. November 1907,
Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Hillartshausen.
Ju Schenklengsseld
(bei Gastwirt Kroneberg)
Dienstag, den 12. November 1907,
Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsseld, Ransbach, Hilmcs, Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsseld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstseld.
gu Oberhaun
(bei G a st w i r t K i e l) freitag, den 15. November 1907,
Vormittags 10 Uhr
€in Kampf ums Dicht.
Roman von Carl 0 Carraky.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Es war eben Teufelsgeld!"
„Ein schöner Trost! — Wenn dieser verdammte Schwede die Foning-Jnscln verlassen hat, so wird er uns verfolgen I Man sollte nie halbe Arbeit tun!"
„Du hast den moralischen Jammer mit Deinem Wenn und Aber! Laß mich schlafen!"
Um dieselbe Zeit ritt aus einem Maultier ein gutgekleideter Reiter des WegS^auf Whitc Pine zu.
Plötzlich stand sein Tier still.
„Was gibt's?"
„Aber das Tier stand unbeweglich. Der Reiter stieg ab zündete ein Wachslichtseuerzeug an.
„Teufel! — Ein Todter?"
Aus der rechten Brust klaffte eine Wunde. Der Reiter verstopfte sie mit einem Sacktuche und leuchtete dem Ver- wundeten ins Gesicht:
„Bei Gott, mein Doppelgänger! Ich selbst könnte es sein!" Er legte sein Ohr an des vermeintlichen Toten Brust:
„Himmel, das Herz schlägt noch!"
Er hob den Verwundeten auf, der leise stöhnte, und legte ihn auf das Maultier. Langsam führte er die Last White Pine zu. Vor dem Hotel „zum guten Glück" hielt er an.
„Ein Zimmer mit zwei Betten! Einen Arzt, bitte!"
Man trug den Verwundeten die Treppe hinauf, Mr. Hopkins, der Wirt, aber sagte:
„Der hat wohl eines erhalten!"
„Bitte, sprecht nicht drüber; ich weiß nicht, wie die Sache zusammenhängt," meinte der Andere.?
„Wie Ihr wünscht! Und Zahlung"
„Ich stehe für alles ein!"
Der Wirt nickte und sagte: „Well, da ist ja der Arzt schon!"
Dieser untersuchte die Wunde mit der Sonde; der Verwundete stöhnte laut aus.
für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhanscn, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
gu Mederaula
(K i r ch p l a tz)
Sonnabend, den 16. November 1907,
Mittags 12 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk Engelbach mit Hof Sternberg, KruspiS, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa und Holzheim.
Ju Kirchheim
(b e i G a st w i r t N u h n) Sonnabend, den 16. November 1907,
Nachmittags 330 Uhr
für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendors, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgen, Heddersdors, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit Hof Beiersgraben und Willingshain mit Hof Löscher.
gu Hersfeld II (Turnplatz an der Hainstraße)
JVIontag, den 1$. November 1907,
Vormittags 9 Uhr
für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbe- zirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhos, Eichmühle, Heenes, Rohrbach, Tann, Hermannshos amd Wehneberg.
Zur strengen Nachachtung für die beteiligten Mannschaften fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkungen hinzu:
1. Zu den Herbst-Kontrollversammlungen haben zu erscheinen:
a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1895 eingetreten und deshalb zur Landwehr bezw. Seewehr II.. Aufgebots übergeführt werden.
b) sämtliche Reservisten und Dispositionsurlauber.„
c) die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften.
d) sämtliche Invaliden der Reserve mit Ausnahme der dauernd abgesundenen Ganzinvaliden.
2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbesolgung der Berufung zu den Kontrollversammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht genannten Höfen, Mühlen u. s. w. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.
„Es ist nichts Edles verletzt," meinte der Doktor, „in zehn bis zwölf Tagen kann sich der Kranke wieder frei bewegen."
Er verband die Wunde und versprach, nach dem Kranken rcgclmäßiq sehen zu wollen.
Der Fremde übernahm die Pflege selbst und murmelte: „Da sitze ich nun in White Pine im „Guten Glück", anstatt ein Goldfeld zu erwerben und Gold zu graben; ich. Ralph Morley!"
Er mußte den Verwundeten wegen der frappanten Achn- lichkcit mit sich selbst wieder und wieder betrachten. „Ein solches Spiel der Natur," pflegte er dann jedes Mal zu murmeln, „ist doch gar zu wunderbar!"
Am nächsten Morgen schlug James Kuox die Augen aus und blickte feine Umgebung und seinen Pfleger verwundert an.
Da trat Ralph Morley zu ihm und sagte:
„Ihr seid in sicherer Hut, Sir; noch soeben war der Arzt hier und warnte vor Aufregung und Sprechen! Schlaft und seid ruhig! Wenn Ihr stark genug seid, sollt Ihr mir alles erzählen!"
Der Kranke wollte den Arm regen, aber die Wunde schmerzte; es ward ihm dunkel vor den Augen und er fiel in ein bewußtloses Traumwachen zurück.
Dieser Zustand von Schwäche dauerte etwa zehn Tage an, genau wie der Arzt vorausgesagt, nach dieser Zeit kam James Knox wieder zu sich, konnte ohne Gefahr sprechen und sich regen.
Ralph Morley hörte seine Geschichte an und sagte dann:
„Ich werde noch heute Schritte tun, um Euch Euer Goldfeld sicher zu stellen, indem ich mich an die Behörde wende; wenn es möglich ist, werde ich auch Eure Mörder ermitteln!" rr
In der Tat wandte er sich an den Kommissar der Re- gierung, welcher Ralph an Ort und Stelle führen ließ. Er fand hier aber einen harmlosen Spanier, der behauptete, das Goldfeld von einem gewissen James Knox gekauft zu haben. Er konnte in der Tat den Kaufkontrakt vorlegen, auf dem links der Name James Knox stand.
„Sehr wohl!" gab Ralph daS Papier zurück.
Der Polrzcimann, der ihn begleitete, zuckte die Achsel: „Wir sind hier sozusagen in der Wildnis, Sir!"
4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das Führungsattest mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirks-Kommandos in Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt • werden.
Wer vor der Kontrollversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu gestcllen.
6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungsfälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der OrtS- oder Polizeibehörde, welche spätestens aus dem Kontrollplatz abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrollversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes sind ungültig und werden nicht angenommen.
7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchen sie zu den Kontrollversammlungen einberufen sind, zum aktiven Heere und sind demnach den Militär- strasgefetzen unterworfen.
8. ES wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt »ach dem Kontrollversamm- lnngsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch auf Verabsolgung einer Militärsahrkarte seitens der betreffenden Nsenbahnstation haben.
9. Das Mitbringen von Stöcken pp. sowie von Hunden ist verboten.
Hersfeld, den 14. Oktober 1907.
Königliches Bezirhe-Kommando.
* *
Hersfeld, den 16. Oktober 1907.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorstehcr des hiesigen Kreises ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken alsbald und wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, sowie den betreffenben Mannschaften noch besonders mitzuteilen.
Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrollort gehört hat zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrollversammlungen zugegen zu fein.
I. I. 9667. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 16. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Schreiners Friedr. Mansius zu Heringen ausgebrochene Rotlausscuche ist erloschen. 1. 9698. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 16. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande deS Valentin Reinhard
„Schon gut; wir wollen warten, bis mein Schützling mich begleiten kann! Inzwischen bitte ich, über den Vorfall das tiefste Schweigen zu beobachten."
Als er heimkehrte, tröstete er James, so gut er konnte, dieser aber jammerte:
„Meine Goldklumpen, mein schönes Gold!"
„Wir werden anderes suchen!" gab Ralph zurück.
Die beiden wurden bald gute Freunde und nun erzählte der eine dem anderen seine Geschichte; von seinem Vater jedoch sagte James nichts.
Seit dieser Zeit saß James oft sinnend da. Ralph bemerkte eS und fragte einst:
„Was sinnt Ihr? Eure Sache steht noch nicht so schlimm als meine! Ihr habt nichts als elendes Gold verloren, ich aber habe Vater, Mutter und Braut eingebüßt, und waS noch schlimmer ist, den Glauben an die Menschheit!"
Hieraus entgegnete James Knox.
„Wißt, ich habe nicht umsonst einem Advokaten zur Seite gestanden: Habt Ihr Euch genau davon überzeugt, daß jene Briese, die Ihr erhieltet, nicht gefälscht waren?"
Ralph sah ihn staunend an:
„Wie kommt Ihr darauf?"
James lächelte:
„Ihr erzähltet von Eurem ränkesüchtigen Vetter Oliver? Könnte der nicht auch die Briese gefälscht haben?"
„Das ist wahr! Es liegt so nahe, und ich kam nicht darauf."
„Seht Ihr? Ich rate Euch, Euer ganzes Augenmer daraus zu richten!"
„Nun wißt, JameS, daß ich nur hierher gekommen bin, um Reichtum zu erwerben! Dann wollte ich vor meinen Vater treten!“
„Offen gestanden, ich beabsichtige das Gleiche zu tun!"
„So habt Ihr noch einen Vater?"
„Allerdings, aber einen, der sich von mir losgesagt hat" dadurch, daß er meine Mutter in das Elend trieb
„Sprecht Euch deutlicher aus!"
„Nun, Ralph, so wißt, daß unS gewiß eine höhere Fügung