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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, m

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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 124.

Sonnabend, den 19. Oktober

1907

Amtlicher teil.

Den Herren Bürgermeistern, in deren Bezirken Arbeitnehmer wohnen, für welche zwecks der Ein­kommensteuer-Veranlagung die Einholung von Lohnnachweisungen notwendig wird, geht dieser Tage aus der F u n k's ch e n B u ch d r u ck e r e i je ein Muster dieser Nachweisungen zu.

Ich ersuche, nur diese Formulare zu verwenden und den Bedarf in aller Kürze in der genannten Buchdruckerei zu decken.

Ueber die Art der Verwendung gibt das Formular selbst Erklärung.

Mit der Einholung der Auskünfte von den Arbeitgebern ist sofort zu beginnen. Die Lohnnachweisungen sind bei der Ausstellung der Steuerlisten zu verwenden und diesen beizu- fügen.

Hersfeld, den 16. Oktober 1907.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer« Beranlagungs-Kommission:

von Grunelius.

Hersfeld, den 15. Oktober 1907.

Der nach dem Wegkataster der Königlichen Obersörsterei Hersfeld-Wippershain unter B. Nr. 23 ausgesührte, durch die Distrikte 102, 103, 109, 108, 112, 113, 117, 118, 124, 125 und 127 führende öffentliche Weg Siegwinden-HerSfeld hat aus Zweckmäßigkeitsgründen im Distrikt 108 und 112 eine geringe Verlegung erfahren, indem derselbe aus die Distriktslinie 108/109 und 112/113 verlegt worden ist.

Die neue Wegstrecke ist ca. 350 Meter lang, bereits aus­gebaut und dem öffentlichen Verkehr übergeben.

A. 4648. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des verstorbenen König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 22. Oktober im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 19. Oktober 1907.

Der Königliche Landrat von G r u n e li u s.

Hersfeld, den 12. Oktober 1907.

In Verfolg meines Ausschreibens vom 22. Juli d. Js. I. Nr. 6494, Kreisblatt Nr. 90, teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises mit, daß seitens des Herrn Reichskanzlers (Reichsamt des Innern) der Verlagsbuchhandlung von Julius Sprenger zu Berlin, Nr. 24 Monbijouplatz 3, die Herstellung und der Verlag von Deckblättern zu den Anweisungen zur Bekämpfung des Aussatzes, der Cholera, des Fleckfiebers, der Pest und der Pocken übertragen worden ist. Der Ladenpreis des einzelnen Stückes beträgt für die Deckblätter zu den Anweisungen zur Bekämpfung des Aussatzes, des Fleckficbers, der Pest und der Pocken 10 Psg., bei Abnahme von 100 Exemplaren 6 Pf. für die Deckblätter zu der Anweisung der Bekämpfung der Cholera zusammen 15 Pfg., bei Abnahme von 100 Exem­plaren 10 Pfg

Die durch die preußischen Ausführungsvorschriften ergänzten gleichen Anweisungen sind nach wie vor in der Buchhandlung von Richard Schötz Berlin S. W. 48 Wilhelmstr. 10 erhältlich. 1. 9572. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In der verflossenen Woche hat sich ein W e ch s e l in bet Statthalterschaft der Reichslande vollzogen, indem Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg aus seinem Amte, das er dreizehn Jahre lang als Vertreter des Kaisers verwaltet hat, geschieden und an seine Stelle der bisherige Botschafter in Wien Gras v. Wedel getreten ist. Fürst Hohen- lohe, der im Jahre 1894 an Stelle des zum Reichskanzler er­nannten Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-SchillingSfürst ge­treten war, hat in dessen Sinne weiter dahin gestrebt und gewirkt, die Parteien über die politische und religiöse Zer­klüftung hinaus zu gemeinsamer praktischer Arbeit für die Volkswirtschaft Elsaß-Lothringens und zur Stärkung des Reichsgedankens zusammenzuführen, und der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Eine zehnjährige Tätigkeit als ReichStagsab- geordneter hatte ihn die einigenden Gedanken in den Parteien erkennen lassen. Seine nahen verwandtschaftlichen Bezieh­ungen zu dem kürzlich Heimgegangenen Herrscher des badischen Nachbarstaates, sein hohes, persönliches Ansehen, sein vorur­teilsfreies, unbestechliches, leutseliges Wesen erleichterten ihm

seine Ausgabe. Er hat das von dem Kaiser in ihn gesetzte Vertrauen vollkommen gerechtfertigt, in stiller, zielbewußter Arbeit hat er an feinem Teile die Entwickelung des Reichs­landes kräftig gefördert, ein treuer Hüter der Westmark des Deutschen Reiches, so daß Liebe, Verehrung und treue Segens­wünsche ihn ins Privatleben begleiten.

Die Verurteilung des sozialdemokratischen Rechtsanwalts Dr. Liebknecht wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu IV2 Jahren Festung ist nicht bloß ein juristischer Vorgang, sondern auch ein politisches Ereignis; denn der Spruch des höchsten deutschen Gerichtshofes hat gezeigt, daß der Staat doch Mittel und Wege hat, um der gewissenlosen Rekruten- und Kinderverhetzung seitens der Sozialdeinokratie energisch entgegenzutreten.

Die Kunde von der Erkrankung des öster­reichischen Kaiser Franz Joses hat die Teilnahme für den greifen Herrscher, dem ein langes, arbeitsreiches und schick- salvolles Leben überall herzliche Sympathien erweckt hat, auch außerhalb der Grenzen feines Reiches hervorgerufen, ist doch die Persönlichkeit dieses Monarchen, die mancherlei zerstörende Kräfte durch den Respekt vor ihm in Schranken hält, eine der stärksten Stützen des Habsburgischen Staates. Ganz besonders in Deutschland folgt man den Berichten über die Krankheit des Kaisers Franz Joses mit jener Teilnahme, die dem Bundes­genossen des Deutschen Reiches, dem verehrungswürdigen Herrscher eines uns eng befreundeten Volkes gegenüber natür­lich ist. Mit Befriedigung wird die Meldung ausgenommen, daß eine Besserung im Befinden des Kaisers von Oesterreich sestgestellt ist, und gern die Hoffnung gehegt, daß es ihm noch lange Jahre vergönnt sei, in Frische ur^ Rüstigkeit seines hohen Annes zu walten, die Wohlfahrt seines Volkes zu pflegen und eine Politik zu führen, die nicht wenig dazu beigetragen hat, die Zuversicht in eine friedliche und gedeihliche Zukunft zu er­halten und zu festigen.

Aus der sich ihremEndezuneigendenH aagerFriedens- k 0 n s e r e n z ist es zuguterletzt noch zu einigen Zusammen­stößen zwischen den Vertretern verschiedener Mächte bei der Schiedsgerichtssrage gekommen. Der Versuch, Deutschland, dessen Vertreter die Unausführbarkeit des obligatorischen Schieds­gerichts in der vorgeschlagenen Art überzeugend bargelegt hat, aufs neue als Störenfried hinzustellen, ist jedoch auf keinen frucht­baren Boden gefallen, und die betreffenden Verhandlungen haben nur von neuem den geringen Wert derartiger großer Veranstaltungen dargetan.

In E n g l a n d stehen gegenwärtig wieder einmal koloniale Sorgen im Vordergründe; denn die Lage in Indien scheint sehr gespannt zu sein. Namentlich hat das Verhalten des eng­lischen Sozialistenführers Keir Hardie in Indien große Ent­rüstung und das von allen Seiten geäußerte Verlangen nach scharfen Maßnahmen gegen diesen Aufwiegler hervorgerufen. Keir Hardie läßt sich dadurch aber nicht stören; er fährt fort, daraus hinzuweisen, daß die Zustände in Bengalen viel schlimmer seien als in Rußland, und die Grausamkeiten ärger, als sie jemals in Armenien vorgekommen |eien. So hetzt der Sozial- demokrat auf einem ohnedies leidenschaftlich erregten Boden und ist ohne Zweifel mitschuldig daran, daß die Ausschreitungen in Kalkutta stattgefunden haben.

At Wirre« i« Marokko.

Entsprechend den Grundsätzen, auf denen unsere Marokko­politik beruht, fördern wir alles, was dazu dienen kann, die gegenwärtige legitime Macht in Marokko zu festigen, vermeiden wir alles, was gegen das Ansehen des jetzigen Souveräns ausgebeutet werden könnte. Die Entfaltung von Energie, die in dem Zuge des Sultans nach Rabat zutage trat, hatte daher unseren vollen Beifall, wiewohl sich gewiß niemand in Deutsch­land verhehlt, daß es mit diesem vereinzelten und verspäteten Beweise von Tatkraft nicht getan ist, und daß dem jungen Sultan die großen Herrschertugenden fehlen, die dazu gehören würden, um sich allen Schwierigkeiten zum Trotz auf die eigenen Füße und das Land aus neue Grundlagen zu stellen. Es lag auf der anderen Seite durchaus in der Richtung unserer Politik, daß der Usurpatur von Marrakesch, der Bruder des legitimen Sultans, keinerlei Aufmunterung von uns erhielt. Von französischen Blättern ist versucht worden, Mulay Hafid als deutschen Schützling hinzustellen und den bei ihm befind­lichen syrischen Arzt, der den deutschen Namen Holtzmann hat, zum deutschen Agenten zu stempeln. Dieser Holtzmann ist so wenig ein deutscher Agent, wie die Publizisten mit deutsch- klingenden Namen, die in englischen Zeitschriften und Broschüren gegen das Deutsche Reich hetzen. In Wirklichkeit haben wir mit Mulay Hafid nie geliebäugelt, während in Frankreich eine Zeit lang Neigung vorhanden war, ihn als Gegensultan aus den Schild zu erheben, und es wohl noch vom AuSgang der Verhandlungen in Rabat abhängen wird, ob es mit solchen Neigungen endgültig vorbei ist. ES war selbstverständlich, daß die Vertrauensleute, die Mulay Hafid nach Europa gesandt hat, in Berlin verschlossene Türen fanden. Mulay Hafid ist keine Macht, mit der das Deutsche Reich verhandelt. Der Sultan hat sich hierbei aufS neue von unserer Loyalität über­zeugen können und ebenso die Franzosen, denen eS übrigens

gegenwärtig, wo sie als die Freunde des legitimen Souveräns von Marokko austreten, besser in das Spiel gepaßt hätte, wenn die Abgeordneten des Gegensultans in Berlin offiziell empfangen worden wären. Nachdem dies nicht geschehen ist, werden wir, mag dies der französischen Presse auch nicht leicht werden, auf Anerkennung unserer offenen und ehrlichen Haltung immerhin zu rechnen haben.

Für uns stehen »ach wie vor unsere wirtschaftlichen Inte­ressen in Marokko im Vordergrund. Dazu gehört auch die Regelung der Entschädigung für die bei dem Bombardement und der Plünderung von Casablanca und Umgegend um das Ihrige gekommenen Deutschen. In der Sache ist jetzt ein Schritt vorwärts geschehen, indem der französische Botschafter Herr Cambom unserem Auswärtigen Amte die Vorschläge seiner Regierung wegen der Einsetzung einer internationalen Kommission zur Prüfung der Schäden überreicht hat. Es ist zu hoffen, daß diese Vorschläge eine geeignete Basis weiterer Verhand­lungen bieten. Sie werden von der deutschen Regierung mit Sorgfalt geprüft werden, wie überhaupt nichts verabsäumt wird, um den deutschen Kaufleuten in Marokko in der jetzigen schwierigen Situation allen erforderlichen Beistand und Rück­halt zu gewähren.

Aus Marrakesch, 16* Ost, wird telegraphiert: Aus Tafilclt und anderen Oasen deS Südens kommen hier Tausende von Kricgem an, um unter Mulay Hafid in den heiligen Krieg zu ziehen, nachdem die hiesigen Ulemas ihn zum Sultan ausgerufen haben. Mulay Hafid ist augenblicklich damit be- schästigt, eine Mahalla gegen Bargasch, den Kaid von Mogador, zusammenzubringen, der durch Ehib Bakka, den Beschlshaber der Mahalla, ersetzt werden soll "^ntyrrS soll dieser auch den Kaid der Anflus zu der bisher rmrerlassenen Anerken­nung Mulay Hafids sowie zu einer Huldigungsrcise und darauf zur Teilnahme am Kriege zwingen.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 17. Oktober 1907.

Se. Majestät derKaiser traf heute vormittag, von Hubertusstock kommend, im Automobil im Schloß Bellevue ein, wo die Prüfung des Prinzen Joachim anläßlich seiner für morgen bevorstehenden Einsegnung stattfand. Se. Majestät begab Sich dann gegen 1 Uhr nach dem hiesigen Königlichen Schlosse.

Dem Kronprinzen wurden gestern im Ministerium des Innern durch Minister v. Moltke die Beamten des Ministeriums vorgestellt. An die Vorstellung schloß sich ein Rundgang durch das Ministerium.

Dem Bundesrat ist nunmehr auch der Entwurf über die anderweite Regelung der Haftung des Tierhalters für ben von seinen Tieren angerichteten Schaden, und zwar in unveränderter Fassung, wieder zugegangen.

Die Vorbereitungen für die in der zweiten Novemberhälfte anhebende Wintertagung des Reichsparlaments nehmen einen raschen Fortgang. Mit der Drucklegung des Reichshaushaltsctats für 1908 ist nun begonnen worden, und es sind dem Bundesrat bereits einige SpezialctatS zuge­gangen. Die Beratungen über den Etat sollen im Bundesrat in der nächsten Woche beginnen und so gefördert werden, daß es möglich sein wird, den gesamten Etat dem Reichstage gleich bei seinem Wiederzusammentritt vorzulegen. Nach derKreuz­zeitung" ist der Entwurf eines Vereinsgesetzes dem Bundes­rate am letzten DienStag zugegangen. Das Scheckgesetz und daS Weingefetz dagegen werden dem Bundesrat voraussichtlich erst in der nächsten Woche vorgelegt werden. Dagegen ver­lautet über die Fertigstellung der Novelle zum Börsengesetz und über die Vorlage betreffs der Strafprozeßreform noch nichts genaues.

Der nunmehr dem Bundesrat zugegangene Entwurf, be- treffend das Vereins- und Versammlungsrecht, bestimmt inbezug auf die Verhandlungssprache kurz und bündig, daß in öffentlichen Versammlungen die Verhandlungen in deutscher Sprache zu führen sind, und daß Ausnahmen davon der Genehmigung der Landesregierung bedürfen.

Die deutsch- südwest afrikanische Südbahn hat vor kurzem die Station Brackwater erreicht. Brackwater ist derjenige Punkt der Gesamtlinie LüdcritzbuchtKeetmans- Hoop, von dem eS in der im Reichstage vorgelegten Denk­schrift deS Generalstabes hieß, daß mit seiner Anschließung die Zufuhren für die Südtruppen auf dem weiten und kost­spieligen Wege über SwakopmundWindhukKeetmanshoop eingestellt werden könnten.

Der Handel von Kamerun hat im Jahre 1906 abermals seine frühere Höhe überschritten, nachdem er schon 1904 und 1905 einen außerordentlichen Aufschwung genommen hatte. Der Gesamthandel hatte 1906 einen Unsatz von 2311 gegen 223A Millionen Mark im vorhergehenden Jahre. Der Handelsverkehr vollzog sich nach wie vor ganz überwiegend über die Küstengrenze.

Nach einer Meldung des amtlichen Wiener k. k. Telegr. Korr.-BureauS ist K a is er Fran z I oses wieder fieberfrei.