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herchloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsgast" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 123. Donnerstag den 17. Oktober 1007.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 11. Oktober 1907.

Der Landesausschuß hat beschlossen, für das Jahr 1908 die Erhebung einer einfachen Viehseuchen-Abgabe für Pserde u. s. w. 20 Pfennig für jedes Stück und einer dreifachen Abgabe für Rindvieh 15 Pfg. für jedes Stück (vergleiche §§ 5 bis 7 des Reglements vom 7. Dezember 1881 14. Januar 1882) anzuordnen. Zur Erhebung der Abgabe für Rindvieh ist die nach § 10 dieses Reglements erforderliche Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten erteilt worden.

Die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände des Kreises ersuche ich, wegen der Zählung des Viehbestandes am 2. November d. J. die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Das Formular zur Ausstellung deS Verzeichnisses wird in den nächsten Tagen übersandt werden. Nach bewirkter Ausstellung ist das Ver­zeichnis nach zuvoriger öffentlicher Bekanntmachung 14 Tage lang (vom 6. bis einschl. 19. November d. I.) offen zu legen rmd mir hieraus mit der Offenlegungsbescheinigung versehen, spätestens bis zum 25. November v. I. zur Feststellung ein« zureichen.

1. 9616. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Montag, den 28. Oktober, morgens 10 Uhr, soll im Saale des Herrn Kniese zu Hersseld die amtliche Konferenz der Lehrer deS Bezirks Hersseld (Land) I statifinden.

KruspiS, ihm 16. Oktober 1907.

Die Königliche Kreisschulinspektion: Gonnermann.

nichtamtlicher Ceil.

Das Befinden des Kaisers Franz Josef stellte sich nach den ersten Berichten von heute früh als recht befriedigend dar; in den folgenden Stunden hat sich aber be­dauerlicherweise wieder ein leichter Rückschlag gezeigt. Die zuerst ausgegebene amtliche Mitteilung, die auch an der Börse bekannt gegeben wurde, lautete:Der Kaiser verbrachte die vergangene Nacht besser als die vorhergehende; er wurde nur wenig durch Husten gestört. Der Monarch ist fieberfrei. Der Katarrh ist in Lösung begriffen." Ueber den weiteren Ver­lauf wird folgender berichtet:

Wien, 15. Oktober. Der Kaiser stand früh um 5 Uhr aus, nachdem die Nacht ziemlich ruhig verlaufen war. Er war fieberfrei und die katarrhalischen Erscheinungen unverändert. Während deS Vormittags war jedoch das Befinden minder gut, der Hustenreiz verstärkte sich, auch Fieber stellte sich wieder ein. DaS subjektive Befinden läßt zu wünschen übrig, der

in " / um s Eicht

Roman von Carlo Carraky.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

DieNymphe" brächte schwedische Hölzer nach Anglesea, nahm hier ihre Kohlenvorräte ein und später in nördlichen Fabrikstädten Englands Stiefel und Schuhwerk, welches nach Valparaiso, wo diese Waren hoch im Werte stehen, bestimmt war. Aus Chile sollte dann das Fahrzeug mit Guano be­laden nach Europa zurückgehen.

Aber schon bei Kap Horn hatte der tückische Blaine, der die Stelle des zweiten Steuermanns bekleidete, einen Plan entworsen, wie er Schiff und Ladung in seine Hände bringen könne. ES war ein verwegenes Unternehmen, aber Blaine schreckte nicht davor zurück.

Kapitän Kund Horstmann litt feit einiger Zeit stark am Wechselfieber, so daß der erste Steuermann, Normann Gill, meistens seine Stelle vertrat.

Zuerst sondierte Blaine nun Oliver Gardener in Bezug auf seinen Plan. Gardener, der allen Menschen etwas Böses gönnte, war sofort einverstanden. Daraus warben beide unter der Mannschaft, die außer ihnen noch zwölf Köpfe zählte. Es war geheuertes Volk, aus allen Nationen bestehend; be­sonders stark war die portugiesische Rasse vertreten. Zehn der Kerle traten den Meuterern bei, zwei erwiesen sich als treir; es waren Deutsche, die man deshalb nicht zu tief in die Karten gucken ließ.

Der Plan der Meuterer war nun folgender: man wollte sich des Kapitäns, deS ersten Steuermanns und der beiden Deutschen bemächtigen und diese auf einer wüsten Insel aus- setzen, die Ladung verkaufen, das Schiff aber unter den Hammer bringen und den Erlös teilen. Hinsichtlich des AussetzungS- ortes war man noch nicht recht einig; die Portugiesen schlugen daS Eiland MaS-a-Fuora auf der Höhe von Valparaiso vor, Blaine aber hielt daS für zu gewagt, da die Insel häufig von Schiffen angelaufen wurde; er entschied sich vielmehr für die Fanning-Jusel im Stillen Ozean, obgleich sich hierbei

Katarrh löst sich langsam. Kaiser Wilhelm und der König von Italien werden täglich zweimal über das Befinden des Monarchen informiert, auch der König von Spanien zieht täglich zweimal Erkundigungen ein. Wie hiesige Blätter melden, steht für die Mitglieder des Kaiserhauses, die in Böhmen weilen, darunter die Enkelin des Kaisers, Fürstin Elisabeth Windisch- Graetz, auf dem Bahnhof in Prag ein Separatzug bereit, um sie eventuell nach Wien zu bringen.

Wien, 15. Oktober. Heute nachmittag wurde der Kaiser Franz Joses vom Hofrat Kerzl untersucht. Das Fieber ist ein wenig gestiegen, um dann auf 38 Grad zu verharren. Die Lösung des Katarrhs macht nur geringe Fortschritte, da aber der Auswurf reichlich ist, hat der Patient geringe Beschwerden. Appetit ziemlich gut, Krästezustand und Herztätigkeit befriedigend.

Sie Sitten in Marokko.

Zu den Unterredungen des Sultans Abdul Asis in Rabat mit dem französischen Gesandten Regnault wird aus Rabat berichtet, der Sultan hätte seine ziemlich schwierige Lage mit Regnault besprochen. Es sei aber im Gegensatz zu gewissen Gerüchten durchaus unrichtig, daß er die Besetzung aller marokkanischen Häfen verlangt und Frankreich volle Aktions- sieiheit in Marokko angeboten habe, falls dieses der Hergabe einer Anleihe sich bereit erkläre. In Marrakesch soll große Unordnung herrschen, mehren europäische Besitzungen sind, wie verlautet, geplündert worden. In den Kreisen der französischen Gewerbetreibenden und Händler in Casablanca hat man eine Petition wegen Abberufung des spanischen Beschlshabers Majors Santa Olalla in Umlauf gesetzt. Der französische Konsul verweigerte jedoch die Entgegennahme der Petition. Der Gegensultan Mulay Hafid soll stärkere Streitkräfte zur Belagerung des HafenplatzeS Mogador abge­sandt haben. Mac Lean, der Vertrauensmann des Sultans Abdul Asis, befindet sich noch immer in der Gefangenschaft deS spekulativen Schciks Raisuli. Der marokkanische Kriegs­minister Guebbas ist vom Sultan beauftragt worden, mit der britischen Gesandtschaft in Tanger wegen der Auslösung Mac LeanS in Verbindung zu treten. Da der Sultan das von Raisuli verlangte Lösegeld nicht aufbringen kann, soll England es vorschießen und der Sultan will die Summe dann auf fein persöulicheS Konto übernehmen.

Das Echo de Paris meint, eine der Bedingungen, unter denen Frankreich den Sultan Abdul Asis aus seinen gegen­wärtigen Geldnöten befreien würde, sei, daß die franzosen- seindlichen Elemente aus dem Maghzen vollkommen verschwinden müßten. Der Sultan soll erklärt haben, er müßte bis Freitag dieser Woche die für die Truppen nötige Summe erhalten, da er sonst die ganze Mahalla von Rabat zu entlassen genötigt fei; er würde dann mit seinem Gesolge in Rabat bleiben und die weiteren Ereignisse abwarten. Der Sultan soll durch das Gerücht von dem Herannahen der hafidischen Mahalla in große Ausregung versetzt sein.

ein Zeitverlust ergab. Dieser Vorschlag wurde endgültig an­genommen.

Acht Tage darauf lag Kapitän Horstmann bei einem neuen Fieberansall zu Bette, während Normann Hill, der sich seit langem dem Dienst übermäßig gewidmet, einmal ordentlich ausschlafen wollte. Oliver Gardener übernahm es, die beiden Burschen zu übermütigen und zu knebeln, Blaine dagegen machte Hill und Horstmann unschädlich.

Ihr erbärmlichen Hallunken," sagte der kranke Mann, ich sollte nur gesund fein, ich wollte Euch wohl zeigen, wie man mit Euresgleichen umgeht; so natürlich, trotzdem ich nur Feiglingen gegenüberstehe, ist jedoch die Mehrzahl der Hunde deS Hasen Tod!"

Faselt nicht!" entgegnete Blaine.Ich möchte Euch sonst eine Kugel durch die Rippen jagen."

Und Ihr, Ihr junger Bösewicht ans Anglesea, den ich von Not und Elend gerettet, Euch wird auch die Stunde der Vergeltung schlagen!" rief er Oliver zu.

Oliver Gardener lachte höhnisch und meinte:

In der Einsamkeit einer müssen Insel, Sir, mögt Ihr Eure Rachegedanken zur Ausführung bringen; ich zittere vor Euch nicht!"

Den Befehl über daS Schiff führte von nun an Blaine. Das Steuer übernahm Oliver. Man hielt den Kurs aus die Fanning-Jnseln ein, erreichte diese nach drei Tagen, brächte die vier Opfer der Meuterei per Boot nach den Eilanden hinüber, löste einem der Matrosen die Fesseln und stieß dann wieder ab.

Zunächst ward nun die Kapitäns-Kajüte untersucht, die Kasse geplündert, die Papiere durchstöbert, die Siegel sortge- nommen, die Licferungsscheine gefälscht. Blaine galt als Kapitän derNymphe", Oliver als erster Steuermann, ein Portugiese als dessen Ersatzmann. Die Waren wurden ver­kauft, dann fuhr man nach Calao, wo auf Grund einer ge­fälschten Vollmacht dieNymphe", der man am Spiegel den NamenHansa" gegeben, versauft ward. Von der gemachten Geldbeute besamen Blaine und Oliver jeder ein Drittcil, daS letzte Drittel teilten sich die Uebrigen. Alle gingen dann nach Verakruz, wo sie sich wieder heuern ließen. Blaine und

Der Eclair meldet, daß General Drude auf Grund von Kundschastermeldungen, nach denen die von Mulay el Reschid geführte hafidische Mahalla sich in der Richtung auf Taddcrt bewege, die das Lager von Casablanca umgebenden Hügel befestigen läßt. In Mogador, beffen Gouverneur Abdul Asis treu geblieben ist und in dieser Haltung von dem französischen Konsul und dem Kommandanten der Galilse bestärkt wird, hofft man, daß die aus Rabat angekündigten 500 Mann Sultanstruppen bald eintreffen werden. Ein Teil der Be­völkerung sei nämlich durch das Gerücht von dem Herannahen einer hafidischen Mahalla unter Führung El GlauiS stark beunruhigt.

Das Todesurteil gegen Hau rechtskräftig.

Der höchste Gerichtshof deS Reiches, vor dem am Sonn­abend, dem 12. d. Mts. die RevisionSverhandlung gegen die Entscheidung im Prozeß Hau stattfand, hat nunmehr sein Urteil gesprochen.

Leipzig, 15. Oktober. Der erste Strassenat des Reichs­gerichts erkannte gemäß dem Antrag des ReichsanwaltS aus Verwerfung der von Hau eingelegten Revision. Damit ist das vom Karlsruher Schwurgericht ausgesprochene Todesurteil rechtskräftig geworden.

Die Revision konnte sich bekanntlich nur auf formale Ver­stöße strafprozessualer Natur stützen. Dem Angeklagten steht jetzt noch die Möglichkeit offen, die Wiederaufnahme des Ver­fahrens zu betreiben. Das hat allerdings zur Voraussetzung, daß Hau neue wichtige Tatsachen vorzubringen imstande ist.

Entgleisung eines englischen Ex- prehzuges.

Ein folgenschweres Eisenbahnunglück, bei dem zahlreiche Personen getötet und verletzt wurden, hat sich in der ver­gangenen Nacht bei der englischen Station Shrewsbury zu­getragen.

London, 15. Oktober. Aus ShrewSburg wird tele­graphiert, daß der von Crewe nach Bristol gehende Eilzug der London and North Western-Eisenbahn heute nacht um V24 Uhr dicht vor der Station Shrewsbury auf einer Kurve ent­gleiste. Sämtliche Wagen, außer dem letzten, sprangen vom Gleis und wurden zertrümmert. Die Szene war grauenhaft. Entsetzliches Jammergeschrei der unter den Trümmern liegenden schwer verletzten Passagiere ertönte weithin. Rettungskorps waren schnell zur Stelle und arbeiteten nach Kräften an der Befreiung der unglücklichen Opfer. Nach den letzten Nachrichten hatte man 15 Tote, darunter den Lokomotivführer und Heizer, und 23 schwer Verletzte sowie "viel leichter Verletzte aus den Trümmern hervorgeholt. Die Wattezimmer des Bahnhofs waren in zeitweilige Lazarette verwandelt. In einem Zimmer

Gardener blieben beisammen und nahmen Dienst aus einem Ostindienfahrer.

Die Opfer der Meuterei schätzten sich noch glücklich, wenigstens mit dem Leben davongekommen zu sein. Die Fesseln waren bald gelöst, aber was nun tun, da man ohne Waffen und Nahrungsmittel war?

Die Inseln waren damals durchaus keine wüsten Eilande, sondern mit Bäumen und Gebüsch bedeckt und mit Quellen ausgestattet. Viele Seevögel nisteten dort, und so suchte Normann Hill fürerst Eier. Da er ein Feuerzeug bei sich trug, konnte man auch wenigstens ein Feuer anzünden und Fische, die man mit der Hand sing, braten. Die beiden deutschen Matrosen entdeckten auch Kokospalmen aus der Insel. Die Schalen derselben wurden nun als Kochgesäße benutzt, um die Eier zu sieden. Die Kokosmilch tat an dem kranken Horstmann Wunder, so daß er schnell gesundete. Es ergab sich ferner, daß eine Austerbank in der Nähe war, welche unsere Ausgesetzten ausbeuten konnten. Sie lernten dann auch schnell aus Jlang, den sie entdeckten, Fangnetze flechten und so fehlte eS ihnen nicht an Nahrung und gesunder Tätigkeit.

Die vier hielten brüderlich zusammen, so daß ihnen daS Leben wenigstens nicht zur Qual ward; Horstmann aber litt unsäglich an Heimweh, denn er hatte in Hamburg ja seine Gattin und Tochter zurückgelassen. Bisweilen schöpfte er wieder Hoffnung und sagte dann tröstlich:

Es muß bald ein Schiff kommen, welches uns mitnimmt; nach meiner Berechnung sind mir nicht allzuweit von der Fahrstraße nach unserem eigentlichen Reiseziele ab!"

Aber Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat schwand, ohne daß das ersehnte Schiff erschien. Der Sicher­heit wegen richteten die Ausgesetzten sich an den Bäumen, unter denen sie sich eine Art von Hütte erbaut, einen Kalender ein. Aber ein volles Jahr verging, ehe der sehnlichste Wunsch der Armen in Erfüllung ging.

Eines Morgens rief Normann Hill plötzlich:

Großer Gott, ein Schiff mit englischer Flagge!"

Wo, wo?"

Dort!"

Richtig!"