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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 131
Sonnabend, den 1Ä. Oktober
1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 8. Oktober 1907.
Für die Beruss-Genossenschast der Schornsteinscgermeister des deutschen Reiches amtieren für die nächsten 2 Jahre (1. Oktober 1907 — 30. September 1909) im 5. Bezirk der X. Sektion, die aus den Kreisen Cassel Stadt — Land, Hof- gcismar, Wolfhagen, Melsungen, Witzenhansen, Eschwege, Rotenburg, Hersseld, Schmalkalden sowie Fürstentum Waldcck besteht, als Vertrauensmann Louis Kühnemann in Cassel und Julius Bönicke in Cassel als bessert Stellvertreter. I. 9423. Der Königliche Landrat
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 9. Oktober 1907.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 9. September 1881, I. Nr. 10411, Kreisblatt Nr. 73, betr. Anmeldung von Zuchtbullen zur Herbstkörung noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Sollte mir bis zum 15. d. M ls. ein diesbezüglicher Bericht nicht erstattet werden, so nehme ich an, daß in der betreffenden Gemeinde Zuchtbullen zur Herbstkörung nicht vorhanden sind.
I. 9515. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malens in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Verschung der Geschäfte des verstorbenen Königlichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist
Dienstag, den 15. Oktober im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 11. Oktober 1907.
Der Königliche Landrat von Grüne lins.
Hersseld, den 7. Oktober 1907.
Unter dem Schweinebestande.des Wilhelm Jckler in Gitters- dors ist Rotlausfeuche ausgebrochen.
I. 9432. Der Königliche Landrat.
. I. V.:
Thamer.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
In der badischen Hauptstadt Karlsruhe ist der entschlafene GroßherzogFriedrich I. von Baden in Anwesenheit des Kaisers und zahlreicher Mitglieder fürstlicher Häuser zu Grabe getragen worden. Der Verewigte war unter den regierenden deutschen Fürsten einer, dessen Persönlichkeit nicht nur Traditionen aus der großen Zeit deutschen Werdens verkörperte, sondern der auch als Fürst sowohl wie als Mensch deutschen Herzen nahe stand. Wenn jemals die Redensart am Platze war, daß ein Volk an der Bahre seines Fürsten trauert, so muß sie von Großherzog Friedrich gelten. Hat doch selbst die sozialdemokratische Presse Badens in wohltuendem Gegensatze zu den andern Genossenblättern, denen auch der Tod dieses edlen Fürsten den Anlaß zur Betätigung des ihnen gewohnten rohen Tones gab, durchweg in sympatischen Artikeln die Bedeutung des entschlafenen Großherzogs gewürdigt, dessen Name in der deutschen Geschichte mit leuchtenden Lettern ver- zeichnet bleiben wird.
In Wiesbaden war der n a t i o n a l l i b e r a l e Parteitag zusammengetreten. In einer Vorsitzung wurde bereits das Haupthindernis für einen harmonischen, einheitlichen Verlaus aus dem Wege geräumt, indem man die Frage derJugend- orgarnisation und der Kaiserslauterner Beschlüsse als nicht dringlich erklärte und von der Tagesordnung absetzte. So ist der Zwist zwischen den Jungen und Alten der nationalliberalen Partei, der zu scharfen Auseinandersetzungen unter ihnen in Wiesbaden zu führen drohte, unter der Hand bcigelegt worden, ohne die Oeffentlichkeit erst damit zu belästigen, freilich auch, ohne daß die Ursachen des Zwistes ganz beseitigt sind. Im übrigen bieten die Verhandlungen der Wiesbadener nationalliberalen Tagung zu eingehenderer Betrachtung seinen Anlaß.
Der bevorstehende Kaiserbcsnch in den Niederlanden hat der französischen Presse BelgienS von neuem Anlaß gegeben, Deutschland dunkle Anschläge aus die Niederlande anzudichten, und Pariser Blätter vom Schlage deö „Figaro" haben denselben Ton angestimmt. DaS sind in der Tat so verbrauchte Motive, daß sie schwerlich irgendwo Eindruck machen können, am allerwenigsten in den Niederlanden, wo man durch die unmittelbare Grenznachbarschast am ehesten in der Lage ist, zu sehen, daß Deutschland zu seiner wohl gewiß emporsührenden Entwicklung nicht der Unterdrückung kleinerer Staaten bedurft hat oder bedarf. Gerade diese letzteren
haben aus den Erfahrungen eines Menschenalters erkennen können, daß die Entfaltung der in ihnen ausgespeicherten Kräfte unter dem Schlitze des seit 36 Jahren gesicherten europäischen Friedens durch Deutschland nach keiner Richtung gehemmt worden ist. Die Staatskunst des jungen Deutschen Reiches hat bereits ihre festen und jedem Politiker bekannten Ueberlieferungen, die durch keinerlei Gehässigkeiten! ^ausländischer Widersacher in Zweifel gezogen werben können.
In der ungarischen Hauptstadt ist nach schwierigen Verhandlungen der österreichisch-ungarische Ausgleich doch noch zu einem befriedigenden Abschlüsse gelangt, und sowohl in Budapest wie in Wien ist diese Tatsache mit allgemeiner Freude ausgenommen worden. Dieses Ergebnis ist ohne Zweifel in erster Linie der Festigkeit der österreichischen Regierung zu verdanken, die den ungarischen Heißspornen schließlich jede Hoffnung auf immer weitergehende Konzessionen benommen hatte. Die österreichische Regierung hat sich nur herbeigelassen, ihre Forderung nach sofortiger Sicherstellung der Gemeinsamkeit der Notenbank für weitere zehn Jahre auszu- geben und die Regelung dieser Frage auf „ruhigere Zeiten" zu verschieben. Jedenfalls wird aber auch die ungarische Regierung zufrieden sein, daß endlich eine Vereinbarung erzielt worden ist. Die Erledigung des neuen Ausgleichs wird eine Kraftprobe für die politische Einsicht der deutschen Parteien bilden, und man kann nur wünschen, daß sie in einer Weise bestanden wird, durch die der deutsche Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung gekräftigt und gestärkt wird.
Während in Frankreich die Lust an dem „Marokko- Abenteuer" abflant und alle Zeichen barauf hindeuten, daß die Franzosen froh sein würden, wenn sie erst wieder aus Casablanca heraus wären, schiebt ein Londoner Blatt Frankreich wieder ernstere Absichten unter. Nach einer Meldung der Londoner „Daily Telegraph" aus Casablanca soll der französische Gesandte Regnanlt dem Sultan das französische Protektorat anbieten wollen, während der spanische Gesandte, der sein Beglaubigungsschreiben überreichen werde, in loyaler Weise die im Vertrage von Algeciras eingegangenen Verpflichtungen beobachten werde. Vorläufig hat nun freilich, wenigstens in der Oeffentlichkeit, die Ankunft des französischen Gesandten in Rabat diese Ucberraschung nicht gebracht, und man wird die weitere Entwicklung der Dinge in Marokko abwarten müssen.
Sie Kirren in Marokko.
Von offizieller spanischer Seite bemüht man sich, die wegen Marokko zwischen Frankreich und Spanien entstandenen Differenzen als unerheblich darzustellen. Auch die Agence Havas meldet jetzt aus Tanger: „Der Zwischenfall betreffend den von den Spaniern besetzten Teil von Casablanca ist übertrieben worden; er hat keinen Anlaß zu unhöflichen Auseinandersetzungen gegeben. Es handelt sich um eine Prinzipien- fragc, die Gegenstand eines nach Madrid und Paris abgegangenen Sonderberichts geworden ist. Major Santa Olalla hatte gegen die Fortschaffung von Steinen aus bem in Trümmern liegenden Negerviertel Einspruch erhoben, weil dieses Viertel ihm unterstand; er hat aber lediglich Einspruch erhoben und seiner Regierung berichtet." In recht schroffem Widerspruch zu diesen amtlichen und halbamtlichen Erklärungen stehen Presseäußerungen, wie die in folgendem mitgeteilte:
Madrid, 10. Oktober. Efpana Nueva veröffentlicht einen Artikel, der in erregter Weise die Haltung Frankreichs in der Marokkosrage kritisiert und Frankreich beschuldigt, Marokko als seine persönliche Beute zu betrachten. Das Zusammenarbeiten beider Länder könne angesichts ihrer Widerstreitenden Interessen zu keinem Ergebnis führen, und sie täten deshalb besser, die Gemeinschaft auszulösen.
Während so die spanische Presse immer wieder ihrem Ueberdruß an dem Marokko-Unternehmen Ausdruck gibt, macht man sich in Paris auf eine recht lange Dauer der Aktion gefaßt.
Paris, 10. Oktober. Der Gaulois will wissen, die an MaroKo zu stellenden Entschädigungsansprüche beliefert sich auf 22 Millionen Frank. Man müsse sich darauf einrichten, daß die Okkupation von Udjida und Casablanca wenigstens nach ein Jahr dauern werde.
Nach einer Meldung aus Udjida ging eine kleine Abteilung gegen den Decharstamm vor, der am 7. d. Mts., wie gestern berichtet, eine französische Erkundungsabteilung angegriffen hatte. Der Befehlshaber der Abteilung ließ die Stellung der Dcchar beschießen, bis er die am 7. b. Mts. gefallenen Soldaten für genügend gerächt hielt.
Eine Fahrt Zeppelins vor deutschen Fürsten.
F r i e d r i ch s h a f e n, 8. Oktober. Gras Zeppelin hatte gar nicht mehr die Absicht gehabt, noch eine Fahrt mit dem alten Ballon zu machen und diesen deshalb nach der letzten Fahrt in die Halle gestellt, ohne gegen daS Verflüchtigen deS Wasserstoffgases oder daS Aufsangen der atmosphärischen Lust Vorkehrungen wie sonst zu treffen. Infolgedessen würbe durch das achttägige Liegenlassen das GaS im Ballon schlechter und schwand so, daß die ursprüngliche Auftriebskraft sich bedeutend reduzierte. Da kam am letzten Sonntag plötzlich eine Depesche vom deutschen Kronprinzen, in der er den düngenden Wunsch
äußerte, einmal den Ballon zu sehen und dann gleichzeitig selbst eine Fahrt mitzumachen. Jetzt mußte sofort der Ballon auf seinen Zustand untersucht werden, und es ergab sich nicht gerade ein günstiges Resultat. Aber es mußte gehen. Sofort wurde am Montag, nachdem inzwischen vom Kronprinzen und dem österreichischen Erzherzog Franz Salvator die telegraphische Anzeige von deren Ankunft für Dienstag eingetroffen war, der letzte Rest, des noch vorhandenen Wasserstoffgases dem Ballon zugeführt. Dann aber ergab sich bei der Messung, daß höchstens noch 4—500 Klg. Auftriebskraft vorhanden war. Bei diesem Zustand trat die Unmöglichkeit ein, dem Wunsch des Kronprinzen und demjenigen des Erzherzogs um Aufnahme in die Boote und Mitfahrt zu entsprechen, und beide mußten aus eine Fahrt mit dem neuen Schiff vertröstet werden. Dagegen ward heute die letzte Fahrt mit dem alten Schiff an- getreten, um den Hoheiten die absolute Manöveriersähigkeit des Fahrzeuges nachzuweisen. Das ist denn auch in geradezu überraschender Weise, trotz des starken Windes von 8—9 Meter pro Sekunde, gelungen. In der ersten Gondel hatten Gras Zeppelin und fein unermüdlicher Ingenieur Dürr nebst zwei Monteuren, in der Hinteren Gondel nur drei Mann Motorbedienungspersonal Platz genommen. Auf das Kommando „Los!" hob sich der Ballon, einen Augenblick später setzte die Höhensteuerung ein, die Spitze strebte empor, und glatt stieg das Schiff aus etwa 200 Meter. Hier richtete es sofort seinen Kurs direkt gegen den Wind, dem deutschen Ufer zu, und beschrieb nun einen weiten Kreis um das Schiff der königlichen Gäste. Dann ging es in bemerkenswert rascher Fahrt, das verfolgende Schiff im See weit hinter sich lassend, erst dem Schweizer Ufer zu, um oberm ls wie in neckischem Spiele zum nachfolgenden Schiffe zurück '^■'t.’.. Eine Stunde lang beschrieb nun das Luftschiff alÄ deutbaren Figuren, wechselte alle Augenblicke seine Stellung und Schnelligkeit. Ueberrafchender- weife ergab sich, daß die Seitensteuerung bei dem starken Wind sogar noch viel besser funktionierte als vor acht Tagen bei den viel schwächeren aber unsteten Windstärken. Das Manöver des Aus- und Abstiegs bis zur Wasserfläche durch das Höhen- steuer war geradezu glänzend gelungen und brächte sowohl den Kronprinzen als den König und den österreichischen Gast in wahrhast enthusiastische Stimmung. Der Kronprinz bedauerte nur immerzu, daß er nicht habe mitfaljren können. Von Herrn Pros. Dr. Hergesell ließ er sich dann auch einen detaillierten Fahrbericht erstatten und die von Hergesell vom Ballon aus aufgenommenen Photographien, GeschwindigkeitS- berechnungen und Fahrkurven vorlegen. Der Empfang des Grafen auf dein Dampfer „Württemberg" nach der Bergung des Ballons war geradezu stürmisch herzlich.
- ährend seiner glänzenden ^abrt führte Gras Zeppelin den Fürstlichkeiten auf dem Dampfer ein interessantes Probestück in unmittelbarer Nähe auf der Mitte dcS Sees vor: er demonstrierte die Wirkung der Höhensteuerung. Aus einer Höhe von etwa 250 Metern stieg er fast plötzlich, bis auf wenige, vier bis fünf Meter zum Seespiegel hinab, hielt sich auf dieser Höhe eine Zeitlang schwebend, und stieg dann ohne jede Ballastabgabe ebenso scharf mit Motorkraft in die Höhe. Der König und der Kronprinz, welche die Manöver mit hohem Interesse verfolgten, zollten diesein Experiment nachträglich gegenüber dem Grafen ihre höchste Verwunderung. Wenige Minuten vor 1 Uhr freiste der Ballon noch einmal um feine Halle und ließ sich dann langsam etwa 100 Meter vor dem Eingang auf das Wasser nieder. Der Abstieg vollzog sich vollkommen glatt, und schon 10 Minuten später betrat der Graf, mit seiner weißen Mütze beständig winkend und grüßend, unter dem Hurrarufen taufender den Bretterboden seiner Halle. Eine halbe Stunde nach 1 Uhr war der ganze Ballon geborgen, und Gras Zeppelin fuhr auf einem Motorboot zu dem Dampfer „Württemberg" hinüber, wo ihm von dem Fürsten ein heimlicher Empfang zuteil wurde. Sowohl der König als der Kronprinz, der die ganze Zeit über mit außerordentlicher Lebhaftigkeit mit dem Glase von der Schiffsbrücke aus alle Bewegungen des Ballons verfolgt hatte, sprachen dem Grafen ihre volle Anerkennung aus — es war biejer Moment des Grafen höchster Triumph. (Berl. Lok.-Anz.)
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 10. Oktober 1907.
Seine Majestät derKa iser übersandte dem Wirklichen Geh. Rat Dr. H i n z p c t e r zu seinem 80. Geburtstage mit einem eigenhändigen Glückwunschschreiben Seine Bronzebüste auf schwarzem Marmorsockel, die den Kaiser in Marineuniform darstcllt.
Der Reichstag wird nach einer jedenfalls aus den Kreisen deS ReichstagSpräsidinms stammenden Mitteilung seine Sitzungen am 22. November nachmittags wieder ansnedmen. In dieser ersten Sitzung werden kleinere Borlagen und Peiitions berichte beraten werden. Alsdann wirb in die weitere Ver- Handlung der am Schluß des letzten TageSabschniurs unerledigt gebliebenen Gesetzentwürfe eingetreten werden. Wahrscheinlich wird einer der ersten Gegenstände die erste Beratung deS Ge- setzentwurfS über den MajestätSbeleidigungs-Paragraphen sein.