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HerrMer Armblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 120. Donnerstag, den 10. Oktober 1907.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 5. Oktober 1907.
Trotzdem ich in meinem Ausschreiben vom 13. Oktober 1906 I. A Nr. 3800 (Kreisblatt Nr. 122) den Wunsch ausgesprochen habe, daß die aufgestellten Gemeinderechnungen alsbald nach ihrer Abhörung und Feststellung mir zur Oberrevision vorgelegt werden möchten, damit sie rechtzeitig geprüft und zur Ausstellung der Voranschläge für das kommende Rechnungsjahr zurückgegeben werden könnten, ist von den Gemeinderechnungen sür das Rechnungsjahr 1906 bis jetzt nur eine verhältnismäßig geringe Zahl hier eingereicht worden.
Unter Hinweis aus das obige Ausschreiben sowie meine Verfügung vom 10. April d. Js, A. 1829, Kreisblatt Nr. 48, ersuche ich die Herren Ortsvorstände nochmals, mir die rückständigen Gemeinderechnungcn möglichst bald, spätestens aber bis zum 25. Oktober d. Js. zur Oberrevision einzureichen.
I. A. 4547. Der Königliche Landrat.
J. V.: T h a m e r.
Hersseld, den 5. Oktober 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Ackermanns Heinrich Schäser zu Ransbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 9343. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
An her 8-itze H Ansviirti-tn AM vollzieht sich ein Wechsel, an Stelle des Staatssekretärs v. Tschirschky wird der deutsche Botschafter in Petersburg von Schön treten. Herr v. Tschirschky vertauscht den Posten mit dem Wiener Botschafterposten auf seinen eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen mit Seiner Majestät und dem Reichskanzler. Manche Blätter sind geneigt, den Grund für den Weggang des Herrn v. Tschirky in einem gewissen Widerwillen gegen den Reichstag zu sehen und zum Maßstab seines Wertes den Mangel an Redegewandtheit zu nehmen. DaS ist irrig und ungerecht. Gewiß, die parlamentarischen Verhältnisse waren dem Nachfolger des zwar nicht redesertigen, aber Parlament und Parteien genau kennenden Freiherrn v. Richthofen ganz neu, und es zeigte sich bald, daß ihm der Reichstag ein fremdes Terrain und die Gabe der freien schlagfertigen Rede versagt war. Jedoch zum Debattieren war Herr v. Tschirschky nicht berufen worden, wie denn überhaupt der Schwerpunkt der Tätigkeit des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes nicht im Reichstage, sondern im inneren diplomatischen Dienste liegt.
6n ” .' UM 5 Licht
Roman von Carlo Carraky.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Lady Ann nahm den Bries und las ihn für sich. Er lautete:
Greenhouse, am 24. Juni 1844.
Mein lieber Sohn Ralph, lieber Neffe Oliver!
Kapitän Butewcll's neuestes Schreiben gibt mir unliebsame Kunde über Euer Verhalten gegen einander. Ihr gehabt Euch nicht wie leibliche Vettern, sondern wie zwei Rivalen, deren Einer dem Anderen nicht einen Vorzug gönnt, als wäret Ihr nicht meines Blutes, sondern zwei Euch wildsremde Menschen; selbst solche leben verträglicher! Des Kapitäns Bries verschweigt noch mehr aus Schonung, als er aus Pflichtgefühl mitteilt! Pfui, schämt Euch beide von Herzen, reicht Euch die Hände, vertragt Euch künftighin besser und zeigt, daß Ihr von guter Erziehung und keine Wilden seid! Ich weiß, daß Ihr beide stets um den ersten Preis geivetteifert habt, denn Ihr seid beide ehrgeizig. Zähmt Euren Ehrgeiz, denn leicht artet er zur Ehrsucht aus, und ein Ehrsüchtiger ist die Pest für feine Mitmenschen! Solltet Ihr aber noch einen anderen Grund zur Eifersucht haben, so bedenkt, daß Ihr noch halbe Knaben seid! Schon mancher dachte sich in Eurem Alter als einen Drachentödter, aber er hat nichts über seine Kräfte HinauS- gehendes verrichtet! Knabenträume sind wie Wellenschaum, den die Bewegung deS Wassers, kaum entstanden, zerstört! — Du, Ralph, mein Sohn, bedenke, daß Oliver sozusagen Dein Gast ist, denn Dein Heim hat ihn geborgen vor den Stürmen, die seine Kindheit bedrohten; Du, Oliver aber vergiß nicht, in dem Sohne dem Vater Dankbarkeit zu bezeugen, der auch Dir ein zweiter Vater wurde. DaS aber merkt beide: ich werde denjenigen, der mir Unchre macht, nie als meinen Sohn oder meinen Neffe» anerkennen.
Beherzigt wohl und aufrichtig die Worte Eures
treuen Vaters und Oheims Archibald Morley."
Hier aber hat der scheidende Staatssekretär in seiner ruhigen, vornehmen, gediegenen Art Gutes gewirkt. Nach den Wirren der Marokkozeit war eine Periode des Abwartens, der Beobachtung und des Selbstvertrauens angemessen. Dieser Politik gab er sich mit klarem Verständnis hin und flößte im diplomatischen Verkehr durch seine ehrliche Geradheit Vertrauen ein. Die Lust im Reichstage sagte ihm nicht zu. Das ist nicht bloß bildlich gemeint, Herr v. Tschirschky litt körperlich unter den Anstrengungen, die ihm neben der Leitung einer weitverzweigten Behörde, den diplomatischen Empfängen und gesellschaftlichen Pflichten die Teilnahme an den parlamentarischen Verhandlungen verursachte. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit zog er es vor, wieder an wichtiger Stelle eine Vertretung des Reiches im Auslande zu übernehmen, wo er die Vorzüge feines Temperaments und Charakters ungehemmt durch die aufregenden Einflüsse der öffentlichen Vertretung einer großen Behörde zur Geltung bringen kann.
Sein Nachfolger Herr von Schön ist mehr von robuster Art. Er ist viel herumgekommen, war Dragoneroffizier, dann Diplomat, dann Hofmarschall in Koburg, Gesandter in Kopenhagen und seit 1905 Botschafter in Petersburg. Er entstammt einer reichen Fabrikantenfamilie in Worms, ist gesellschaftlich sehr gewandt, gilt für ebenso arbeitsfreudig als gcschästsklug und hat es jedenfalls verstanden, in Kopenhagen und Petersburg neue Sympathien für das Deutsche Reich hervor- zurufen.
Sie Wirren in Marnkkn.
Die beständigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den spanischen und den französischen Staatsmännern und Offizieren wegen des Vorgehens in Marokko scheinen jetzt dazu zu führen, daß Spanien sich von dem ganzen Unternehmen zurückzieht, an dem es von vornherein nur widerwillig teilgenommen hat. Die Madrider Correspondencia Militär bereitet auf diesen Entschluß in folgender Form vor: „Infolge der letzten Zwischen- fälle in Casablanca dürfte man, wie es heißt, mit der Möglichkeit einer Zurückziehung der spanischen Truppen aus Marokko und ihrer Rückkehr nach Spanien rechnen." In Casablanca selbst hat sich das Verhältnis zwischen dem französischen Oberkommandierenden und dem Befehlshaber der spanischen Truppen- abteilung im höchsten Grade unleidlich gestaltet.
Paris, 8. Oktober. General Drude führte bei der französischen Regierung darüber Klage, daß der spanische Major Santa Olalla aus eigener Machtvollkommenheit den Casablanca bewohnenden Europäern verbot, das Stadtgebiet auf der Landseite zu verlassen. Auch fand Drude die Form, in welcher der Major hiervon dem Hauptquartier nachträglich Kenntnis gab, dem militärischen Rangunterschied keineswegs entsprechend.
In anderen Pariser Berichten aus Casablanca wird die Abberufung des Majors Santa Olalla verlangt. Er habe auch eine Entscheidung getroffen, derzufolge das Haus des internationalen Klubs L'Union mit Truppen belegt werden
Lady Ann las den Brief mit Interesse und großem Ernst und nickte dann:
Ausgezeichnet, Archibald; mir ganz aus der Seele gesprochen! Ich mache Dir mein Kompliment! So kräftig kann doch nur ein Mann sprechen!"
Sir Archibald lächelte und legte das Schreiben, nachdem er es geschlossen, neben fein Kuvert, dann bediente er sich und scherzte mit Alice Dudley.
„Nun, Prinzeß Goldhaar, also nach Sandbank geht Ihr?"
„Ja, Sir!"
„Weißt Du auch, daß wir Euerem Beispiel folgen?"
„Ja, Sir, Edith sagte es mir soeben!"
„Nun gut, das soll eine Lust werden! Sandbank hat hübsche Dünen und einen hügeligen Strand!"
„Wir hörten davon schon!"
„So? Ach, da ist Erosion!"
Der alte Bureaubote humpelte herbei. Er hatte viele Briesschaften, die er aus den Nebentisch legte. Sir Archibald gab den Brief, den wir bereits kennen, zur Besorgung, ließ sich aber nicht weiter beim Frühstück stören.
Tom bediente die Herrschaften nach einem alten Vorrecht. Erst hernach ließ sich Sir Archibald die Post reichen. „Hier ist auch ein Brief an Dich, Edith!" sagte er plötzlich und blickte Lady Ann vielsagend an. „Mir scheint, es ist Ralph's Handschrift!"
„Ja, Onkel!" erwiderte Edith und errötete leicht.
Herr Archibald hatte die übrigen Pvsteingänge O'Maggy zurückgegeben und sagte:
„Lege sie aus meinen Schreibtisch!" Zu Edith aber äußerte er:
„Nun, was schreibt unser Seemann?"
Edith reichte das Schreiben sogleich dem Oheim und meinte:
„Lies es selbst, Onkel!"
Lady Ann blickte ihm über die Schulter und beide ent- zifferten:
Am Bord deS Nelson vor der Themse am 20. Juni 1844.
Liebe Cousine Edith!
Du glaubst es kaum, mit welch' schwerem Herzen ich heut am schwankenden Tische sitze, Dir zu schreiben, denn gegen
sollte, und die Türen durch seine Soldaten gewaltsam öffnen lassen. Wegen dieser Handlungsweise sei beim spanischen Konsulat Klage erhoben worden. Inzwischen hat sich auch die militärische Lage bei Casablanca von neuem verwickelt.
Casablanca, 8. Oktober. Kundschafter melden, eine zweite Mahalla Mulay Hafids sei seit Freitag in Settat untergebracht. Befehligt werde diese Mahalla durch das Khalisat Mulay Hafids, über die betreffende Persönlichkeit sei jedoch nichts bekannt. Das vollständige Aushören der Rückkehr von Eingeborenen nach Casablanca wird der Anwesenheit der Mahalla zugeschrieben. Heute soll eine Erkundigungsabteilung nach Sidi-Mumen gehen.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 8. Oktober 1907.
Se. Majestät der Kaiser und Prinz Oskar trafen um 12 Uhr 35 Min. mit Sonderzug in Elbing ein, wo sie von Ihrer Majestät der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise, die im Automobil von Cadinen gekommm waren, empfangen wurden. Im Gefolge des Kaisers befanden sich der Hofmarschall Graf v. Zedlitz-Trützschler, die Flügel- adjutanten v. Neumann-Koscl und Frhr. v. Marschall und der Leibarzt Dr. Niedner. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren im offenen Automobil durch die Stadt und wurden lebhaft begrüßt. Die Ankunft in Cadinen erfolgte kurz vor 1 Uhr. Die Schüler hatten dort Aufstellung genommen und begrüßten die Kaiserliche Familie.
In Karlsruhe hatdieBeisetzungdesGroßherzogS F r i e d r i ch I. n ■ • *5 a b e in Anwesenheit deS Kaisers, des deutschen Kronprinzen und zahlreicher Fürstlichkeiten statt» gefunden. In der Schloßkirche hielt der Seelsorger deS Großherzoglichen Paares Oberkirchenratspräsident D. Helbing eine Predigt über 1. Mose 24, 56 und segnete die Leiche ein. Dann bewegte sich der Trauerzug unter Glockengeläut und Trauersalut nach dem Mausoleum im Fasanengarten, wo ebenfalls Exzellenz D. Helbing die Gedächtnisrede über den Bibelspruch „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen fein!“ hielt. Mit Gebet, Segen und Orgelspiel schloß die ergreifende Feier. — In der Kapelle zu Cadinen wurde auf Anordnung der Kaiserin ein Trauergottesdienst für den verstorbenen Großherzog von Baden abgehalten.
Das große Interesse, das der Kaiser der Frage deS Lenkballons und besonders den Versuchen mit dem Zeppe - linschen Lu.stschiss stets entgegengebracht hat, wird ausS neue bewiesen durch das Eintreffen des Kronprinzen in Friedrichshafen, wo der Thronfolger heute zusammen mit dem König von Würtemberg und mehreren anderen Fürstlichkeiten einem Ausstiege des Zeppelinschen Fahrzeuges beiwohnte.
Die seit 1. Oktober 1906 in Geltung befindlichen, vom Bundesrat für den Umfang des Deutschen Reiches gleichlautend festgesetzten Polizeivorschriften über den Verkehr mit
einen muß ich doch mein Herz ausschütten! Du kennst Papa» Strenge: ihm mag ich mein Leid nicht klagen und MamaS leidender Zustand, wie es mir scheint, verdient alle Rücksicht bei solchen Gelegenheiten!
Die Sache ist die: Oliver, dessen hämisches Wesen Du ja längst kennst, ist seit unserem letzten Urlaub, an dessem Ende Du mir die schöne gelbe Rose mit auf den Weg gabst, un- ausstchlich gegen mich, als ob er mich tödlich hasse. Er hat mich denn nicht nur bei den Offizieren verhetzt, sondern mich auch geradezu denunziert. Du kannst Dir denken, daß mich dieses Benehmen nicht gegen ihn, der mir schon so schwereres Leid angetan, freundlicher gestimmt hat: ich bin auf dem besten Wege, ihn Haffen zu lernen! Kapitän Butewell, daS ist nun das Schlimmste, hat an diesen Vorfällen Anstoß genommen und uns verschiedentlich beide mit Strasen belegt, auch bedroht, daß er jeden von uns, der sich das Geringste zu schulden kommen ließe, vom Nelson verjagen werde. Ich will mich freilich wohl danach halten, aber wer weiß, wohin mich Olivers Bosheit noch treibt? Bedaure mich, liebe Edith, aber verurteile mich nicht, Du kennst ja meine Aufrichtigkeit! WaS Du von Oliver zu halten hast, wird Dir auch nicht zweifelhaft fein! Deine schöne Marschall-Nil-Rose hat er hämisch, wie aus Versehen, in die Fluten geworfen; hätten mich die Matrosen nicht scstgehalten, bei Gott, ich wäre in den See gesprungen, sie wiederzuholen, aber als sie loSließen, hatten dir Wellen das Kind Floras längst entsührt. Bin ich nicht tapfer gewesen, daß ich, wie ich versprochen, ein ganzes Jahr nicht geschrieben habe? Aber nun hole ich s nach, schicke Dir tausend Grüße und den Eltern durch Dich, ihren Liebling, und verbleibe auch in der Königin Rock
Dein treuer Vetter Ralph Morley."
Sir Archibald blickte Edith an, aber ihr Gesicht blieb «n» beweglich, während sie mit Alice kindlich plauderte.
„WaS willst Du ihm denn antworten?" fragte schließlich Herr Morley.
Edith blickte auf.
„WaS mir mein Herz eingibt, Onkel; vor allem das, er soll sich durch Oliver's allbekanntes Benehmen nicht zu einer Unbedachtsamkeit hinreißen lassen!"