versprechen hiernach äußerst interessant zu werden, da sich ein heißer Kamps um den Sieg entspinnen wird. Da eine derartige Veranstaltung hier noch niemals geboten worden ist, so dürste es bis Sonntag an Zuschauern nicht fehlen.
):( Hersfeld, 3.' Oktober. (Schöffengericht.) Zwei polnische Arbeiter von der Domäne Eichhos wurden wegen Körperverletzung mit 6 Wochen Gefängnis bestraft, ein Vorarbeiter daselbst wegen desgleichen Vergehens mit 5 Tagen Gefängnis. — Wegen Diebstahls erhielt ein Pferdeknecht 3 Tage Gefängnis. — Ein hiesiger Metzgergeselle wurde wegen Betrugsversiichs zu 1 Woche Gefängnis verurteilt. — Wegen gemeinschaftlichen Fischens zur Nachtzeit wurden drei hiesige Personen bestraft, einer erhielt eine Geldstrafe von 6 Mark ev. 2 Tage Gefängnis, die beiden anderen je 1 Woche Gefängnis. — Außerdem wurden noch drei Einspruchssachen verhandelt, welche sämtlich mit Verurteilung endeten.
F„lda, 2> Oktober. (Amtliche Meldung.) Gestern Abend 1l Vs Uhr fuhr der Güterzug 6809 von Elm aus den aus Bahnhof Flieden haltenden Güterzug 7213 aus infolge Ueber- fahrens des auf Halt stehenden Einfahrtssignals. Leicht verletzt wurde ein Bremser. Der Materialschaden ist ziemlich erheblich. Der Betrieb zwischen Elm und Flieden mürbe bis 6 Uhr vormittags eingleisig aufrecht erhalten und von da ab in vollem Umfange wieder ausgenommen.
Ebersbach, 2. Oktober. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs wurde der mit Heumäheu beschäftigte Tagelöhner Donig von einer Lokomotive ersaßt und zur Seite geschleudert. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach zwei Stunden starb.
Hohenkirchen, 2. Oktober. Ein schwerer Verlust hat einen hiesigen Landwirt betroffen. Seine sämtlichen Kühe sind an Wickenvergistung erkrankt. Vier davon sind der Krankheit bereits zum Opfer gefallen.
Oberelsungen, 3. Oktober. Am Dienstag nachmittag gegen 5 Uhr machte sich der 14jährige Sohn des Müllers Homburg dahier mit dem Schmieren des Mühlenbetriebes zu schaffen und wurde plötzlich der linke Arm von dem Kammrade ergriffen und in das Getriebe gezogen. Doch besaß er die Geistesgegenwart, den Arm aus seiner gefährlichen Lage zu befreien. Der Arm war bis oberhalb des Ellenbogens ze, splittert. Der zu Hülfe gerufene Arzt legte den ersten Not- verband an und ordnete die sofortige Ueberführung ins Land- krankenhaus nach Cassel an, wo in derselbeu Nacht der Arm bis zum Schultergelenk abgenommen wurde.
Niederurff, 2. Oktober. Das Söhnchen des Schmiedemeisters Lock siel in ein Faß voll heißes Wasser, welches bei der Dreschmaschine verwendet wurde, und verbrühte sich dermaßen, daß es am andern Tag in der Klinik zu Marburg starb.
Amöneburg, 1. Oktober. Eine Totschlagsaffäre ereignete sich hier gestern abend gegen 11 Uhr. Der zirka 40 Jahre alte Spezereihändler Josef Schmitt von hier, ein in sehr guten Verhältnissen lebender ehemaliger Schiffer, unterhielt sich in der Wirtschaft von Reichert mit einigen hier haltenden Schiffern und anderen Gästen in animiertester Stimmung. Aus geringfügiger Ursache — Schmitl wollte mindestens ebenso gut holländisch sprechen können, wie die von Holland kommenden Schiffer — gerieten die Zecher in heftigsten Streit. Als Schmitt gegen 11 Uhr die Wirtschaft verließ, um nach seinem direkt nebenanstehenden Wohnhause zu gehen, soll er dann seinen im Wirtshaus zurückgebliebenen Gegnern zugerufen haben: „Kommt nur mal heraus!" Zwei Männer eilten auch heraus, wurden aber, wie sie angaben, von Schmitt mit Backsteinen, die zu einem Anbau angefahren sind, bombardiert. Die Männer warfen zurück, wobei Schmitt, der eben sein Hostor abschließen wollte, durch einen Steinwurf an die rechte Schläfe getroffen wurde und leblos, mit dem Schlüssel in der Hand, zu Boden stürzte. Der Streit hatte einen sehr starken Menschenauflauf zur Folge und einige der umstehenden Leute eilten rasch zum Arzte, um dem anscheinend Bewußtlosen Hilfe zu holen. Der Arzt aber konstatierte, daß Schmitt sofort tot niedergestürzt war. Die beiden Schiffer fowie der Schlosser Schmitt und ein Taglöhner wurden verhaftet. Alle vier wurden geschloffen nach Kastei und von dort nach Mainz ab- gesührt. Als Täter scheint übrigens in erster Linie der Tag- löhncr in Betracht zu kommen.
Laasphe, 2. Oktober. In Eisern fiel ein kleiner Junge in einen Topf, der mit kochendem Wasser gefüllt war. Der Kleine gab nach kurzer Zeit seinen Geist aus.
Frankfurt a. M., 2. Oktober. Der 18 Jahre alte Sohn des Schneidermeisters Zapf und die 17 Jahre alte Johanna Bolz, beide aus Offenbach, unterhielten seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis. Die Mutter des Mädchens war mit dem Verhältnis der beiden wegen der Jugend ihrer Tochter nicht einverstanden. Das schienen die beiden jungen Leute sich so zu Herzen genommen zu haben, daß sie beschlossen, gemeinsam in den Tod zu gehen. Wahrscheinlich sührten sie ihren Plan am Sonntag aus. Man fand die Hüte der beiden am Montag morgen an der Mainsähre zwischen Fechenheim und Offenbach. Die Leichen des Liebespaares wurden bisher noch nicht gekündet.
Marburg, 2. Oktober. Zermalmt wurde gestern vormittag gegen 10 Uhr bei der Station Menne (Strecke Altenbeken-Cassel) ein polnischer Arbeiter, der sich in selbstmörderischer Absicht vor einen Güterzug warf. Aus Scham über eine sittliche Verfehlung (Ehebruch) hat er, von seinem Dienstherrn zur Rede gestellt und sofort entlassen, die unselige Tat begangen.
Mengeringhausen (Waldeck), 3. Oktober. Den aus der Dampfziegelei in Stellung befindlichen Knecht Friedrich
Bunte, der mit einem schwer beladenen Lastfuhrwerk zum Bahnhof gefahren war, fand man heute Morgen unterwegs tot neben den Pferden liegend. Wie Leute, die in der Nähe aus dem Felde waren, gesehen haben wollen, habe die Deichsel des Fuhrwerkes, die während des Fahrens hin- und herschlug, den Knecht M großer Gewalt vor den Leib gestoßen, wodurch der Tod eintrat. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
Friedrichsfeld, 3. Oktober. Hier würde Mittwoch abend die verstümmelte Leiche eines Knaben aus dem Bahnkörper gesunden, wie sich später Herausstellte, der Sohn des Weichenstellers Weinkötz aus Friedrichsseld. Der 12jährige Knabe hat wahrscheinlich einen Richtweg einschlagen wollen, den Bahndamm betreten und ist dann von einem Zuge überfahren und sofort getötet worden.
Erfurt, 1. Oktober. Die Verhandlungen der Strafkammer am 1. Okt. wegen der Krawalle beim Erfurter Maurerstreik endeten damit, daß sechs Angeklagte als Rädelsführer einer öffentlichen Zusammenrottung vor das Schwurgericht verwiesen und weitere drei Fälle vertagt wurden. Ein Angeklagter erhielt einen Monnt Gesängnis.
Vermischtes.
— (Eine gemütliche Reklamation.) Eine fränkische Güterexpedition hat, nach der AmbcrgerVvlkszcitung, dieser Tage folgenden Brief erhalten: „Liwe Giteräxbetütiou! Warum schikst Du mir so lange meinen Kuser nicht. Ich habe Dir doch nikz gedan, das Du mir meinen Kuser nicht schikst. Sei so gud und schik mir doch meinen Kuser. Es grüßt Dich bestens Dein M. Sch." Es gibt doch noch recht gemütliche Leute.
— München, 2. Oktober. Das Oberbayerische Schwurgericht hat den ehemaligen Zirkusdirektor Niederhofer wegen Ermordung des Kaufmanns Hendschel zum Tode verurteilt.
— Posen, 3. Oktober. Der Mörder Franz Kramer, der am 23. September vorigen Jahres im Walde vonChojno den Förster Kiau erschossen hatte, wurde heute durch den Scharsrichter Schwietz hingerichtet.
— Bautzen, 3. Oktober. In der vergangenen Nacht wurde unweit des Bahnhofes die Leiche des 18jährigen Gymnasiasten, Oberprimaners Max von Craushaar, auf den Schienen der Strecke Bautzen-Dresden aufgesunden. Der Verunglückte ist beim Ueberschrciten des Gleises an verbotener Stelle vom Zuge ersaßt und getötet worden.
— Chemnitz, 3. Oktober. Wie aus Rumberg(Böhmen) gemeldet wird, wurden bei einem Mühlenbrande zwei Feuerwehrleute durch herabstürzende Balken erschlagen und der Kommandant schwer am Kopse verletzt.
— Thalheim im Erzgebirge, 3. Oktober. In einer Strumpffabrik wurde das sechsjährige Töchterchen eines Wirkers von einer Welle an den Haaren ersaßt und ihm die ganze Kopshaut bis zu den Augenbraunen abgerissen. Der Zustand des Kindes ist lebensgefährlich.
— Bonn, 3. Oktober. Der Kaufmann Hernalstein aus Brüssel, der nach Unterschlagung von 70000 Mk. zum Nachteil der dortigen Depotkasse auf einem Motorzweirad geflüchtet war, ist heute, wie die Deutsche Reichszeitung meldet, von der Kriminalpolizei hier in einer Wirtschaft, in der er abgestiegen war, verhaftet worden. Hauptsächlich sein rotes Kopshaar hatte ihn verraten.
— (Ein ganz Schlauer.) In der „Berl. Bör- senztg." lesen wir folgende amüsante Schnurre: Ein Automobil kommt um die Ecke gesaust, und der Führer erblickt vor sich einen Mann mit einer Flinte über dem Rücken und einem kränklich aussehenden Hunde an seiner Seite. Der Mann sprang noch rechtzeitig beseite, der Hund wurde getötet. Der Führer stieg ab und beschaute sich sein Werk. „Ist das Ihr Hund?" fragte er. „Jawohl." „Sind Sie mit 20 Mk. zufrieden?" „Ja". Sin Goldstück wechselte seinen Besitzer, und der Fahrer stieg wieder in seinen Wagen. „Es tut mir leid, daß ich Ihnen Ihr Jagdvergnügen für heute verdorben habe," sagte er dabei. „Ich wollte nicht auf die Jagd," ent- gegnete der Andere. „Was wollten Sie denn mit dem Hunde und der Flinte?" „Ich wollte drüben in den Wald gehen, um den Hund zu erschießen."
— (Hunger als Triebfeder.) Aus dem Gerichtsgefängnis zu Samter in Posen brach jüngst ein unter dem Verdacht des Kassenraubs Verhafteter aus. Am vierten Tage war er wieder „eingebrochen" — mit einem Nachschlüssel hatte er das Gefängnistor geöffnet. Befragt, warum er geflüchtet sei, antwortete er: „Weil ich Hunger hatte!: „Und warum sind Sie wieder eingebrochen?“ war die weitere Frage. „Weil ich jetzt noch größeren Hunger habe" erklärte der Brave freimütig.
— (Welche Eigenschaft schätzen Sie bei einer Frau am meisten?) Diese wichtige Frage hat jüngst das Londoner Wochenblatt „Tit Bits" den Junggesellen unter seinen Lesern vorgelegt. Das Blatt hat 17 300 Antworten erhalten. Einige Leser schätzen bei einer Frau die Schönheit; andere die Verschwiegenheit; noch andere das — Mundhalten. Das alles scheint aber noch nicht das männliche Ideal, d. h. das Ideal der Männerwelt zu sein, denn von den 17 300 Antworten stellten mehr als 16 000 übereinstimmend fest, daß die weitaus interessante Eigenschaft der Frau das „Kochenkönnen" ist!
— San Franzisko, 3. Oktober. Die Zahl der bis gestern hier vorgekommenen Erkrankungen an Bubonenpest beläust sich insgesamt aus 51, von denen 30 tödlich verliefen. 30 unter verdächtigen Erscheinungen erkrankte Personen stehen unter Beobachtung.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 3. Oktober. Dem Vernehmen der „Berl. Pol. Nachr." uach soll in der Novelle zur Gewerbeordnung, die dem Bundesrat zur Beratung vorliegt, auch die Gleichstellung des Arbeitsverhältnisses der in Betrieben arbeitenden Werk- Meister und Techniker mit den Handlungsgehilfen angestrebt werden.
Berlin, 3. Oktober. Zwischen dem Hausbesitzer Lehrer Liebig und dem Portier Becker entstand ein Streit, weil Becker sich weigerte zu ziehen, da ihm angeblich nicht ordnungsgemäß gekündigt worden sei. Im Verlaus des Streites schlug Liebig mit einer Stange nach Becker. Der Angegriffene wehrte sich, woraus Liebig mehrere Revolverschüsse abseuerte. Der Portier wurde in die Stirn getroffen und brach sofort bewußtlos zusammen; er wurde nach dem Krankenhaus gebracht. Eine zweite Kugel streifte einem Handwerker, der als Unbeteiligter dem Austritt beigcwohnt hatte, die linke Brust; ferner wurden der Schneidermeister Thom und dessen Frau sowie die Frau Becker und ein bisher unbekannter Mann verletzt. Liebig wurde von der Polizei sistiert. Er gab an, daß Becker, seine Frau und das Ehepaar Thom blindlings aus ihn eingeschlagen hätten, sodaß er sich nur durch Abgabe scharfer Schüsse seines Lebens habe wehren können. Nach der Vernehmung wurde Liebig entlassen.
Hamburg, 3. Okt. Vor mehreren Monaten wurde ein Einbruch im deutschen Generalkonsulat in Kapstadt verübt. Die Polizei ermittelte bei einem hiesigen Boten Sevacke 14000 Mark, die ihm sein im Konsulat angestellter Sohn geschickt hatte. Das Geld wurde beschlagnahmt. Der aus Kapstadt flüchtige Sbhn wurde, als er am 3. hier eintraf, verhaftet.
B r e s l a u, 3. Okt, In Erlach (Erzgebirge) wurde ein Kassenbote einer Fabrik, der aus dem Postamt 1300 Mk. abgehoben hatte, von zwei Männern überfallen, mit Knütteln niedergeschlagen und beraubt.
Düsseldorf, 3. Okt. Der Zahlmeister Görler vom hiesigen Bezirkskommando wurde verhaftet. Er wird beschuldigt, zum Nachteil des Offizierskasinos 5000 Mark unterschlagen zu haben. Die Verhaftung erfolgte in dem Augenblick, als Görler sich in der Kaserne verabschiedete, da er nach St. Avold versetzt worden war.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 6. Oktober.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Pfarrer Schröder.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.) Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Feyerabend.
Mittags 12 Uhr: Gottesdienst in Petersberg.
Vom 1. Oktober beginnt der Vormittagsgottesdienst für die Dauer der Wintermonate wieder um V2IO Uhr:
Vom 1. Oktober d. Js. ab sind die Abfahrtszeiten der Züge auf der hiesigen Station folgende:
In der Richtung nach Bebra.
ß20 g05 g46 ljSS Jg48 ^I2 g41 ^.13* 502 720 759 1Q08
11^, 11°*, 1**......
In der Richtung nach Frankfurt a. M.
134** ^.03 ßlO* 746 1Q29* 1Q51 1253 ^28 510 538 725
8“ 10“
In der Richtung nach Treysa.
652, 1Q54, 214, 515, 715, 1Q15
Die mit * und fetten Druck bezeichneten Züge sind zuschlagpflichtige Schnellzüge, die nur durch fetten Druck ausgezeichneten sind zuschlagsrei. f) Ab Fulda nur SonabendS und am Werktag vor Feiertagen. **) Bis Gelnhausen nur Montags und am Wecktag nach Feiertagen.
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