Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa
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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 117.
Donnerstag, den 3. Oktober
1907.
Beiteilungen
aus das
Bersfelder Kreisblatt
werden für das
4 Quartal
von allen Aaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 20. September 1907.
Der Ackermann Conrad Schönewald zu Kirchheim ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter für den dasigen Gemeindebezirk eidlich verpflichtet worden.
A. 4360. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 19. September 1907.
Der Landwirt Heinrich Schäfer zu Kruspis ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter für den dasigen Gemeindebezirk eidlich verpflichtet worden.
A. 4351. Der Königliche Landrat
vo n Grün elins.
Hersfeld, den 20. September 1907.
Der Müller Heinrich Manns zu Kirchheim ist heute als Ortsschätzer-Stellvertreter für den dasigen Gemeindebezirk eidlich verpflichtet worden.
A. 4360. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 20. September 1907.
Der Ackermann Friedrich Schornstein zu Kirchheim ist heute als Ortschätzer für den dasigen Gemeindebezirk eidlich verpflichtet worden.
A. 4360. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Felicia.
Novelle von Hella Limpurg.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Leutnant Hoffmann hatte den Brief an die alte Freifrau von Nordeck mitgenommen, der Rittmeister war beruhigt, nun erhielt sie doch gute Nachricht von dem einzigen Sohne — und zugleich die lieben, schlichten Grüße der bezaubernden Fee!
Endlich war die Toilette des Grafen beendet. Schlag ein Uhr trat er auS seinem Zimmer aus den Korridor und wandte sich sehr kühl, sehr steif zu dem seiner harrenden Offizier.
„Nun, Herr von Nordeck, es ist eigentlich eine ziemlich ungewöhnliche Stunde, in der Sie nach mir verlangten."
„Ungewöhnliche Ereignisse treten oft zu ebensolchen Stunden ein", gab Nordeck gleich frostig zur Antwort. „Ich habe soeben einen Schlüssel an mich genommen, der wohl Ihnen gehören dürste, mein Herr Graf."
„Der Pavillonschlüssel", rief St. Roc sehr erleichtert aus, „ah, ich danke Ihnen von Herzen, Herr von Nordeck und will sogleich Felicia denselben bringen."
„Noch nicht, Herr Graf, es handelt sich dabei um eine schwere Anklage, die auf Sie gewälzt wird und ich muß Sie freundlichst ersuchen, uns in den Park zu begleiten, wir wollen in Ihrer Gegenwart daS Gartenhaus öffnen."
„In meiner — Gegenwart!" St. Roc prallte zurück, „ah, bitte, verschonen Sie mich, es — es ist ja nur altes Gerümpel."
„Hm, wer weiß; es sollen sich noch allerhand Gegenstände daselbst befinden, die — mich interessieren würden, sie zu sehen, morgen früh würde es wohl zu spät sein, da erhalten wir von den Unsren Verstärkung, wie mir gemeldet wurde."
Der alte Herr wurde sehr bleich, ein nervöses Zittern überfiel ihn und er blieb einige Minuten unschlüssig stehen, als mit einem Male die Tür von Felicias Zimmer am andren Ende des Korridors ansgerissen wurde und die junge Gräfin selbst hereinstürzte. Sie trug jetzt einen feuerroten Morgenrock."
„Was geht hier vor?" frug sie mit vibrierender Stimme, „Papa, weshalb bist Dir zu so später Stunde noch aus?"
nichtamtlicher teil.
Jer russisch-Wlische Vertrag
liegt jetzt im Wortlaut vor. Die englische Regierung hat ein Blaubuch herausgegeben, in dem er enthalten ist. Die Festsetzungen über Tibet und Afghanistan interessieren uns nicht, weil wir mit diesen Ländern nicht einmal einen nennenswerten Handelsverkehr unterhalten. Größer ist unser Handelsinteresse in Persien. Der englischen Regierung lag daran, die englische Stellung im persischen Golfe zu wahren und der vor dem japanischen Kriege ziemlich großen Gefahr einer allmählichen Unterwerfung Persiens unter russischen Einfluß durch eine vertragsmäßige Regelung zu begegnen. Bei der Unterzeichnung des Vertrags hatte der englische Botschafter in Petersburg ausdrücklich zu erklären, daß die britische Sonderstellung im persischen Golfe unberührt bleibe, und daß die englische Politik sortsahren werde, den status quo im Golf zu bewahren und den britischen Handel unter Aufrechterhaltung der offenen Tür für alle Nationen zu entwickeln.
Wir sind nicht berechtigt, in die Versicherung über die offene Tür Zweifel zu setzen; denn tatsächlich hat England diesen Grundsatz in neutralen Grundwässern und Ländern überall befolgt, und der deutsche Handel hat sich dabei nicht schlecht befunden. Es ist auch ehrlich gemeint, wenn eines der Organe der regierenden liberalen Partei, die Londoner „Tribune", die Verdächtigung der deutschen Schiffahrtsunternehmungen im persischen Golfe zurückweifl und die Berechtigung des deutschen Wettbewerbs bei der wirtschaftlichen Entwicklung Persiens anerkennt.
Von den benachbarten türkischen Gebieten ist in dem Vertrage nicht die Rede. Die „Tribune" meint aber, daß, wenn Fragen in Euphratal nächstens zur Diskussion kämen, sie von allen Großmächten in besserer Stimmung betrachtet werden würden. Ob jedoch bald eine solche Diskussion eingeleitet werden wird, erscheint uns fraglich. Deutschland hat jedenfalls keine Eile. Die Bagdadbahn, für die deutsche Unternehmer eine unanfechtbare Konzession besitzen, ist noch lange nicht bis Mesopotamien vorgerückt, und wenn England wünscht, an der Verwaltung der Bahn für das letzte im persischen Golfe endende Stück beteiligt zu werden, so können wir ruhig abwarten, ob und wann und wie es Verhandlungen darüber einleiten will.
Sie Wimil in Marokko.
Paris, 1. Oktober. General Drude entläßt die eingeborenen Freiwilligen, welche in Algerien Feldarbeiten zu verrichten haben. Von diesen stets in vorderster Reihe ausge- botenen Freiwilligen blieben zehn tot bei Taddert und Sidibrahim. Man betrachtet die Heimsendung des wichtigen Truppenkörpers als sicheres Anzeichen dafür, daß kein größeres
„Ah, eine Bagatelle, mein Kind," erwiderte St. Roc, zärtlich in das blasse, verstörte Gesicht seiner Tochter blickend, „geh ruhig schlafen, ich bin bald wieder hier. Die Herren — wollten — nur eine kleine Auskunft von mir haben."
„Ich will alles wissen, Papa," beharrte Gräfin Felicia energisch, „in der Stunde der Gefahr verlasse ich Dich nicht, dessen sei gewiß. Oder — muß ich — die Feinde selbst fragen ?"
Sie legte eine so scharfe Betonung auf die§ eine Wort, daß Nordeck's Herz ausbäumte in wildem Schmerz und ein Zucken durch feine Züge ging. Langsam trat er vor. „Sie kennen diesen Schlüssel, gnädige Gräfln? Nun denn, ich bat den Herrn Grasen, gütigst dabei zu sein, wenn ich den Pavillon damit öffne, und all die Sachen mit Beschlag belegen lasse, die sich dortselbst vorfinden werden."
Bei seiner direkten Anrede strömte alles Blut zurück in des Mädchens Wangen, einen Moment blickte sie ihn wie hülflos an, doch sein Auge blieb kalt und endlich sagte sie entschlossen, beide Hände an die pochenden Schläfen gepreßt:
„Nun, so gehen wir, mein Herr."
„Die Ulanen erwarten unS unten. Sie müssen sich diese Begleitung gefallen lassen, meine Herrschaften. A la guerre comme ä la guerre I *
DaS junge Mädchen warf den Kops zurück, aber sie wich diesmal nicht zurück, sondern bot gelassen ihrem zitternden Vater den Arm, um ihn zu führen.
Draußen aus dem Hose sah es recht wunderlich auS. Beim Scheine einiger lodenider Pechsackeln sah man die Ulanen neben ihren Pferden stehen, des Befehls ihres Rittmeisters gewärtig, sich in den Sattel zu schwingen.
Weiter ab jedoch befand sich eine andere Gruppe. Bewacht von drei der Ulanen mit geladenen Revolvern standen die sämtlichen Dienstboten des gräflichen Schlosses beisammen, zornsprühend und dennoch ohnmächtig den gefürchteten Feinden gegenüber. Nordeck hatte Befehl erteilt, bis zum Morgen dieselben streng gefangen zu halten und beim geringsten Fluchtversuch zu erschießen; ohne diese unerläßliche Maßregel hätten die Franktireurs zweifellos sogleich Meldung von den Vorgängen im Schloß erhalten und alles wäre vereitelt gewesen.
Unternehmen mehr von Drude geplant ist. Als einer der wichtigsten unter den unabhängigen Chefs gilt augenblicklich Hakku Hamu, das Oberhaupt deS Zayan-StammeS, durch dessen Gebiet der kürzeste Weg von Marrakesch nach Fez führt. Man schreibt Mulay Hafid die Absicht zu, Hakku Hamu zu gewinnen und in einem günstig scheinen dm Augenblick seinen Marsch nach Fez zu ermöglichen. Hakku Hamu besitzt aus der Zeit vor feiner Unabhängigkeitserklärung, die im Jahre 1885 erfolgte, den ihm vom früheren Sultan Mulay Hassan verliehenen Titel Kaid, welcher dem gefürchteten Chef niemals aberkannt wurde.
Sie Vargäige in WM.
Aus der russischen Schwarzen-Meer-Flotte sollten blutige Meutereien stattgefunden haben. Es hieß, sechs Offiziere seien hierbei gefallen; aus mehreren Schiffen hätten die Meuterer die Oberhand behalten und seien sie dann mit den Schiffen in See gegangen. Die Petersb. Telegr.-Agent. bezeichnet jetzt diese Sensationsgerüchte als vollständig erfunden. Dieselben scheinen durch das noch nicht ganz aufgeklärte Eindringen Bewaffneter in die Kaserne des Bretschen Regiments in Seba- stopcl hervorgerufen worden zu sein.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 1. Oktober 1007.
Die Leiche des Großherzogs von Baden wurde heute in der Schloßkirche aufgebahrt. Von 9 bis 10 Uhr hatten der Hossta und die auS der Umgebung Geladenen Zutritt. Um 10 Uhr wurde die Kapelle dem allgemeinen Publikum geöffnet. Die Uebersührung der Leiche deS Großherzogs erfolgt am Mittwoch. Nachdem früh 7 Uhr in der Schloßkirche ein Gottesdienst stattgefunden hat, wird der Sarg durch Unteroffiziere vom Schloß zum Dampsboot Kaiser Wilhelm, welches Trauergala trägt, getragen; ebenso in Konstanz vom Schiff nach dem Bahnhof. Am Landungskai sowohl in Meinau als auch in Konstanz wird eine Ehren- kompagnie des Infanterieregiments Nr. 114 Ausstellung nehmen. Das Dampfboot mit der Leiche deS Fürsten verläßt um 8 Uhr die Insel und trifft um Va9 Uhr in Konstanz ein. Sodann wird der Sarg in feierlicher Weise nach dem Bahnhof zum bereitstehcndcn Extrazug gebracht. Dieser nimmt um 9 Uhr seinen Weg über Jmmendingen, Stühlingen, WaldShut, Säckingen, Schopsheim, Lörrach, Leopoldshöhe, Freiburg und Offenburg nach Karlsruhe. In der Residenz bewegt sich der Trauerzug durch die Karl Friedrichstraße nach der Schloßkirche. Die genannte Straße, der Marktplatz, das Rathaus und die Schloßplatzstraße erhalten Trauerschmuck. Seit gestern morgen halten Offiziere des Infanterieregiments Nr. 114 Ehrenwache beim Katafalk in der Großherzoglichen Schloßkapelle. Am
Aber deS Grafen Stirnaber schwoll jählings an, als er seine Leute gefangen sah, und er wandte sich heftig zu dem stattlichen Rittmeister:
„Ich muß Sie bitten, mein Herr, die Ihnen gewährte Gastfreundschaft nicht zu mißbrauchen und ohne weiteres meine Dienerschaft freizugeben."
„Gastfreundschaft, Herr Gras," bemerkte der Freiherr ironisch, „ich denke, unser Aufenthalt hier in Ihrem Schlosse kann kaum als Besuch ausgefaßt werden. Im übrigen bleibt eS bei meinen Befehlen und Ihr anderen folgt mir. Laßt die Pferde zurück."
„Halt, da kommen Reiter," bemerkte halblaut der Wachtmeister und horchte nach der Straffe, von wo gedämpfte Husschläge herüberklangcn.
„In der Tat," fuhr Nordeck aus, „sollten eS die Unsrigen sein — oder kommen schon die Feinde, dann sind wir verloren."
Die letzten Worte murmelte er nur undeutlich vor sich hin, aber schon donnerte eine Faust an daS Hostor.
„Im Namen unseres Königs öffnet," rief eine barsche Stimme, und Nordeck's Augen blitzten freubig.
„Das ist Hoffmann, nun haben wir gewonnen."
Hinter dem eintretenden Leutnant wehten eine Menge schwarz-weißer Fähnchen, Pferd um Pferd drängte nach in den weiten Hofraum, welcher düster erleuchtet wurde von den qualmenden Fackeln.
„Hah, was geht hier vor," stieß Leutnant Hoffmann erstaunt auS, als er dort die Gruppe der gefangenen Dienerschaft, hier aber den Grafen am Arme seiner totbleichen Tochter gewahrte.
„Sie kommen recht, Herr Kamerad, um mir zu helfen, einen wahrscyeinlich geplanten Ueberfall zu vereiteln. Und nun, was bringen Sie mir für Befehle und Nachrichten?"
„Sehr gute, Herr Rittmeister. Die Unsrigen rücken vor und werden noch heute daS Dorf besetzen — auch Kriegsgericht halten über sämtliche Feinde, welche bei dem Ueberfall hier gefangen werden."
Gras St. Roc schrak zusammen, seine Tochter mußte ihn stützen, daß er nicht umsank; er dachte an LouiS. Wie, wenn man ihn auch fände.