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herselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 116.
Dienstag, den 1. Oktober
1907.
Amtlicher teil.
Cassel, den 6. September 1907.
Beschlub!
Der unterzeichnete Bezirksausschuß hat in seiner heutigen Sitzung, nach Vortrag der Sache, beschlossen:
Die Schonzeit für Rehkälber auf das ganze Jahr 1907 auszudehnen. (B. A. Nr. 1360 L/07.)
Der Bezirksausschutz zu Cassel. gez. Gras v. B e r n st o r s f.
Hess. Nass. landw.
Berufs-Genossenschaft.
Sektion Hersfeld.
A. 4373.
Hersfeld, den 25. September 1907.
Die in der Genossenschaftsversammlung vom 12. Dezember 1906 beschlossenen Unsallverhütungsvorschriften für
1. landwirtschaftliche Geräte und Sprengmittel,
2. landwirtschaftliche Vieh- und Fuhrwerkshaltung,
3. landwirtschaftliche Bauhaltung,
4. Forstwirtschaft und
5. forstwirtschaftliche Nebenbetriebe sind, nachdem sie die Bestätigung des Reichsversicherungsamtes erhalten haben, nunmehr in Druck erschienen.
Nach den Bestimmungen der Vorschriften selbst, sollen dieselben erhalten je 1 Stück
a) die Gemeindebehörden und
b) die Betriebsunternehmer mit über 1500 Arbeitstagen.
Diese Abdrücke werden in den nächsten Tagen den Herrn OttSvorständen von mir zugesandt werden. Soweit die Un- sallverhütungsvorjchristen an Betriebsunternehmer auszuhändigen sind, ist dies alsbald zu bewirken. Die Namen der Beteiligten sind aus dem Unternehmer-Verzeichnis ersichtlich.
Außerdem hat der Genossenschastsvorstand beschlossen, die Unfallverhütungsvorfchristen auch an andere BetricbSunter- nehmer auf Wunsch kostenfrei abzugeben. Es ist noch eine Anzahl Abdrücke dahier vorrätig. Aus Wunsch können sie abgegeben werden.
Die Herren Ortsvorstände ersuche ich, alsbald in den Gemeinden aus ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen, daß die obenerwähnten Unsallverhütungsvorschriften mit dem 1. Januar 1908 in Kraft treten und ein Stück von den fraglichen Vorschriften im Bürgermeisteramtslokal zur Einsicht der Beteiligten ausbewahrt wird und daselbst entsprechende Belehrung eingeholt werden kann.
Zuwiderhandlungen der Betriebsunternehmer gegen die Unsallverhütungsvorschriften können vom Genossenschastsvorstand mit Geld st rase bis zu 10 00 Mark bestraft werden (§ 120 Ziffer 1 des Unf.-Bers.-Ges. für Land- und Forstwirtschaft vom 30./6. 1900).
von Grunelius.
felicia-
Novelle von Hella Limpurg.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Louis," rief das junge Mädchen halblaut, „ich kann nicht öffnen, wenn Du mir nicht Deinen Schlüssel leihst — der meine ist verloren."
Ein dunkler, hübscher Männerkopf wurde soeben am Fenster sichtbar, Graf Louis unterdrückte einen leichten Fluch zwischen den Zähnen. „Wenn Ihr Frauen schon nicht mit hineingezogen werden müßtet," grollte er, „Ihr könnt eben nicht sorg- sam sein. Wenn nun Eure Ulanen ihn finden und all unsere Waffen hier ausstöbern! Dann wäre der ganze Uebersall nutzlos."
„Gib mir den Schlüssel, Louis, ich habe mancherlei mit Dir zu reden und so ist'S zu unbequem."
„Ich auch, Felicia. Zuerst wollte ich von Dir erfahren, weshalb einer der beiden Offiziere, die bei Euch liegen, heute so eilig davongebraust ist? Ich sandte ihm eine Kugel nach, doch völlig nutzlos."
„Ah," das junge Mädchen fuhr erschrocken zurück, „er ist sortgeritten? Ich ahnte es allerdings nicht! Doch kann er unmöglich etwas gemerkt haben."
„Es ist nicht der Rittmeister selbst?"
„N — ein; doch, etwas wissen sie von der Nähe der Franktireurs und ich wollte Dich bitten" — die Tür des Pavillons öffnete sich, beim hellen Mondschein konnte NordeckS scharfes Auge eine ganze Menge ChassepotS liegen sehen, dann trat der junge Graf zn seiner Schwester und küßte sie aus die Stirn. „Nun, meine Felicia, was wolltest Du bitten?"
„Louis,' kannst Du nicht den gräßlichen Uebersall ver- hindern? Ich — ich fürchte mich so unsäglich davor, denn nun rückt die Zeit immer näher, daß Ihr ihn aussührcn werdet."
„Aber Liebling, was kommt Dir bei? WaS soll ich von meiner tapfren Schwester denken, die bis jetzt so glühend für ihr Vaterland schwärmte?"
„Louis, eS wird uns allen schwere Zeiten einbringen; wir sönnen den Ruin deS Landes einmal nicht steuern —"
Infolge Versetzung der Lehrerin Tromm, welche zur Zeit vertretungsweise mit der Versetzung einer Lehrerstclle zu Schenk- lengsseld beauftragt ist, kommt die IV. Schulstelle zu Schenk- lengsseld vom 1. Oktober d. Js. ab zur Erledigung und soll alsbald anderweit besetzt werden.
DaS Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Dienstwohnung 1100 Mark; der Einheitssatz der Dienstalterszulage 120 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 13. Oktober d. Js. an den Königlichen Ortsschulinspektor — Herrn Pfarrer Schenk zu Schenklengsfeld — einreichen.
Hersseld, den 27. September 1907.
Der Königliche Schulvorstand:
I. 9059. von Grunelius.
Hersfeld, den 20. September 1907.
Interessenten verfehle ich nicht aus den in Nr. 38 des Regierungsamtblattes vom laufenden Jahre zur Veröffentlichung gelangten Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 7. September d. I. — 4. 9303. — betreffend die Lehr- pläne zur Ausbildung von Gewc^beschullehrerinncn, und auf die gleichfalls obgedruckten Lehrpläne aufmerksam zu machen. I. 8662. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 26. September 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Schmieds Karl Schrodt zu Philippsthal ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 8958. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 26. September 1907.
Unter dem Schweinebestande des Maurers Johann Bube zu Heringen ist Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 9030. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 26. September 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Heizers Berthold Bieber zu HerSfeld auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 8992. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 30. September 1907.
Die Abschätzung der Flurschäden, die durch die diesjährigen Truppenübungen in den Gemarkungen hiesigen Kreises entstanden sind, wird vom Mittwoch den 2. Oktober d. JS. ob beginnen. Zeit und Stunde der Abschätzungstermine kann für jeden einzelnen Ort im Voraus nicht bestimmt werden. Die Herrn Ortsvorstände der in Betracht kommenden Gemeinden haben sich für die nächsten Tage bereit zu halten, da sie bei den Abschätzungen zugegen sein müßen.
„Dem Ruin," fuhr Louis empor, sein Auge flammte zornig, „Felicia, Du wagst ein solches Wort auszusprechen!"
„Bruder, höre mich; einen wehrlosen Feind zu Überfällen ist nicht edel, nicht männlich; stellt Euch ihm offen entgegen —"
„Damit die Elenden unS zu Boden werfen! Sie haben den Teufel im Leibe. Nein, Felicia, fo günstig treffen wir die Gelegenheit nie wieder! Noch heute werde ich meine Leute sammeln; spätestens vormittag sind wir im Schloß, richtet Euch danach."
„Louis, Du hast Dich vorhin beklagt, daß Du eine Frau zur Mitwisserin Deines Geheimnisses habest; Du wirst es noch ernster zu bereuen haben, wenn ich Deinen Plan — verrate."
„DaS wirst Du nicht und darfst es nicht, Mädchen; Du bist des Todes, wenn Du nicht sogleich schwörst" —
„Ich schwöre nicht", unterbrach sie ihn stolz, „und Du, wage nicht, mich zu berühren, denn Du bist ebenfalls kein Edelmann, wenn Du mit jenem Gesindel, welches Licht und Recht scheut, Dich einläßt."
Sie hatte voll flammenden Zornes gesprochen, ihre Gestalt schien zu wachsen, Nordeck meinte bei sich, sie noch nie so schön gesehen zu haben; auch Gras Louis wich betroffen zurück, er schien unschlüssig mit sich selbst zu kämpfen und sagte endlich unmutig: „Felicia, ich kann nicht zurück —"
„Aber ich verlange, daß Ihr unsere Feinde nicht heimlich niedermetzelt, sondern, wenn eS sein muß, offen mit ihnen kämpst; sie sind in der Minderzahl, Ihr werdet sie gefangen nehmen, ober töten dürst ihr sie nicht, daß mußt Du mir versprechen."
Bei den letzten Worten brach ihre Stimme in eigentüm- licher Bewegung, daß ihr Bruder sie erstaunt ausah. „Felicia, welch' ein sonderbarer Geist ist über Dich gekommen? Du bist sentimental oder gar — verliebt!"
Sie schrak zusammen und lachte gezwungen aus. „Possen," meinte sie achselzuckend, „komm zur Sache, Louis, ich bin nicht zum Scherze» aufgelegt."
„Ich noch weniger, Schwester. Wenn Du Dich tatsächlich in einen der Ulanenoffiziere verliebt hättest, so wäre das ein
Die beteiligten Grundstücksbesitzer sind gleichfalls sofort entsprechend zu benachrichtigen.
Der Königliche Landral.
I. B.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Lei!
MkR Friedrich tun Baden f.
Nunmehr ist auch der letzte der Mitbegründer des neuen Deutschen Reiches, der greife Großherzog Friedrich von Baden, in die Ewigkeit abberufen worden. Er hat ein Alter von 81 Jahren erreicht. Im deutschen Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinaus, wo immer deutsche Herzen schlagen, hat diese Trauerkunde in den weitesten Kreisen unseres Volkes die innigste Teilnahme hervorgerufen, war der Verewigte doch ein Fürst, dessen kerndeutscher Sinn ein langes Leben hindurch ihn unbeirrt auf Bahnen geleitet hat, die zu Heil und Ruhm der Nation führen sollten. Ein klarer Geist und ein warmes Gemüt fanden sich in dem dahingeschiedenen Herrscher des gesegneten badischen Landes zu fruchtbarem Bunde zusammen, dessen schöpferisches Wirken mit dem Werdegänge unserer Nation aus tiefster Zerrissenheit und Schwäche zu machtvoller Entfaltung der in ihr schlummernden Kräfte immerdar eng verknüpft bleiben wird. Ehrfurchtgcbietende Hoheit und Herzge- winnnende Güte vereinigten sich in der Erscheinung des Großherzogs Friedrich zu harmonischem Einklang und verliehen ihm die wahrhaft fürstliche Gabe, aus den Höhen zu wandeln und sich doch in naher lebendiger Fühlung mit den Wünschen und Bedürfnissen des Volkes zu halten. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein in der Fürsorge für sein Land nie erlahmender Herrscher, hat Großherzog Friedrich dessen Glück und Wohlfahrt in der innigen Verknüpfung mit den Geschicken des geeinigten deutschen Vaterlandes gesucht und ohne Zaudern die Opfer gebracht, die notwendig waren, um das Deutsche Reich in neuem Glänze erstehen zu lassen.
Schon auf dem Frankfurter Fürstentage bekannte sich Großherzog Friedrich zu Preußen, und als nach dem deutschen Kriege 1866 der Tag der Einigung Deutschlands zu grauen begann, war Badens Herrscher bei der Eröffnung des badischen Landtages einer der ersten, die öffentlich Zeugnis ablcgten von dem festen Willen, das durch die jüngsten Geschehnisse erweckte Nationalbewußtsein nicht wieder in die Dämmerung unheilvollen Haders und trauriger Ohnmacht zurücksinken zu lassen. Als dann die entscheidende Stunde unserer nationalen Entwickelung schlug, sah Großherzog Friedrich den kommenden Entscheidungen ohne Zagen entgegen, obgleich sein Land mit in erster Linie dem Anprall der feindlichen Heeresmassen ausgesetzt war. Mit freudigster Hingebung betätigte er während des großen Krieges seine deutsche Gesinnung und nahm an der Errichtung des neuen Kaisertums lebhaften Anteil. Noch
furchtbares Unglück, welches Dein ganzes Lebensglück zerstören könnte."
Sie sckwieg, das Haupt gesenkt, zitternd am ganzen Körper und St. Roc fuhr bitter fort: „Du stehstwie eine Schuldige da! O, Ihr Mädchen, daß Euer Herz so leicht ausflammt, auch gegen Pflicht und Gewissen. Wehe, wenn ich den vor den Lauf meiner Pistole bekomme, welcher Dich feige gemacht! Wo ist der Schlüssel hin? Hast Du ihn dem Herrn bereits ausgeliefert?
Da hob sie stolz, unmutig den Kops und sagte schroff: „Nein, ich habe ihn verloren. Eine Verräterin an meinem eignen Bruder werde ich nicht, das schwöre ich Dir und nun laß mich gehen, eS ist hohe Zeit. Ich will den Pavillon abschließen und Dir den Schlüssel hineinreichen."
Während der Graf verschwand und der Schwester noch einige Mitteilungen machte, schlich Nordeck heimlich davon, um, sobald er fern von dem Pavillon war, eiligst in das Schloß zurückzukehren. Sein Bursche stand bereits mit dem Jnterinisrocke im Zimmer und so ging bie Verwandlung rasch vor sich. „Nun noch meinen Säbel," befahl der Rittmeister hastig, „dann gehst du zu den Leuten und sagst, sie sollen satteln und sich bereit halten, in einer Viertelstunde werde ich sie rufen, also beeile dich."
Er selbst aber schritt eilig dem Schloßflügel zu, in dem die weiße Ahnsra» zu verschwinden pflegte; er mußte sie sprechen, sie entlarven.
Unb da schwebte sie auch schon daher, licht und still wie ein Hauch, das Lämpchen aus der Brust schimmernd; wat's denn möglich, daß unter dieser sylphenhasten Hülle sich dunkler, todeSwürdiger Verrat barg! Mit gezücktem Säbel stand er jetzt vor der Erscheinung, die leise ausschreiend zurückwich.
„Halt, wer da! Keinen Schritt weiter, ich befehle es!
Wer Sie auch fein mögen, lüften Sie den Schleier."
Die weiße Frau wollte trotzdem mit einer gebieterischen Bewegung an Nordeck vorüber, sodaß er abermals einen Schritt näher trat und damit vollständig ihren Weg vertrat.
„Felicia, Gräfin," sagte er nach einer Weile traurig, „so ist meine Vermutung doch richtig, und Sie haben die Rolle des Gespenstes gespielt, um gegen unS zu Wicken. Haffen