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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Per Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile lOPfg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.ns^u«^

Herssel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 114.

Donnerstag, den 26. September

1907.

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auf das Ijersfelder Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alle wichtigen Ereignisse in d-r

Politik des Zn- und Auslandes, wichtige Gerichts-Entscheidungen rc., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc.

sortsetzungsweise zum Abdruck.

SKS^ Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Vüreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wich­tige (Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben,

An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle J4 Tage eine ausgezeichnete Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".

Anfang Mai und Oktober je einen

Auszug aus dem Gisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier tieferung ins Haus 1,40 Mk.« für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

felicia.

Novelle von Hella Limpurg.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wirklich schien eine Ohnmacht Felicia anzuwandeln, sie schwankte so stark, daß Nordeck den Arm um sie legte; aber nur Sekunden lang, dann richtete sie sich heiß errötend empor und stammelte:Nein, nein, es ist nichts. Ich danke Ihnen aber gehen wir weiter."

Ein namenlos süßes Empfinden hatte den Rittmeister durchwogt, als er die schlanke Gestalt der Gräfin im Arme hielt, nur mit Aufbietung beinah übermenschlicher Willenskraft hatte er sich bezwungen, sie nicht an sein Herz zu ziehen und Felicias Lippen zu küssen. Aber der Augenblick war vorbei! Mit ritterlicher Haltung trat er, sich verneigend, etwas zurück und dann schritten beide wieder stumm nebeneinander hin.

Nordeck wußte, daß er des schönen Mädchens Geheimnis bei sich trug, es lag nur an ihm, es zu enthüllen und sie vielleicht des Verrats zu überführen. Er war ein begeisterter Soldat, der ohne eine Miene zu verziehen in den dichtesten Kugelregen stürmte, aber dennoch widerstand es ihm, eine schwache Frau zu demütigen.

Ich habe gestern noch lange geschrieben", begann er ab. lenkend,Mama wünscht, so oft es geht, von mir recht aus­führlich zu hören, und so benützte ich die wenigen Ruhetage, die uns vergönnt sind, ihr einmal getreulich alles zu berichten,, was mich in diesen Tagen bewegte.

Sein ernster Blick ruhte mit unbeschreiblichem Ausdruck auf Felicia, der die heißen Blutwellen bis in die Haarwurzeln stiegen, aber sie sah nicht empor, sie fühlte nur, wie ihr Herz höher zu schlagen begann sie empfand zum ersten Male, daß sie diesen Feind nicht hassen könne.

Wohl Ihnen, Herr von Nordeck, daß Sie noch eine Muttet haben", entgegnete sie leise und bewegt,mein Vater ist seelensgut zu mir und verwöhnt mich, wo er kann, und dennoch gibt es Augenblicke wo ich sehnsüchtig Mama ver­misse."

Amtlicher teil.

Berlin W 64, den 27. Juni 1907.

Nach § 6 der mittels Erlasses vom 6. April 1888 ver­öffentlichten Bestimmungen über die Beförderung von Leichen aus Eisenbahnen (M. Bl. s. d. i. V. 1888 S. 94) ist die Beförderung der Leichen der an Pocken, Scharlach, Flecktyphus, Diphtherie, Cholera, Gelbfieber oder Pest verstorbenen Personen nur dann zugelassen, wenn mindestens ein Jahr nach dem Tode verstrichen ist.

Nach den seither gewonnenen Erfahrungen geht diese Vor­sichtsmaßregel, soweit es sich um Scharlach, Diphtherie und Gelbfieber handelt, über das Maß der Notwendigkeit hinaus. Demgemäß sind auch in den Vorschriften für die Beförderung von Leichen aus dem Seewege (M. Bl. d. H. u. G. V. 1907 S. 3) besondere Beschränkungen für Scharlach-, Diphtherie- und Gelbfieberleichen nicht vorgesehen worden.

Um die Vorschriften für die Beförderung von Leichen aus Eisenbahnen hiermit in Einklang zu bringen, haben wir be­schlossen, in Nr. 6 der eingangs erwähnten Bestimmungen die WorteScharlach",Diphtherie" undGelbfieber" zu streichen.

Euer Hochgeboren ersuchen wir ergebenst, diesen sofort in Kraft tretenden Erlaß durch das Amtsblatt zu veröffent­lichen und die Nachgeordneten Behörden gefälligst mit ent­sprechender Anweisung zu versehen.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten.

J. A.: gez Unterschrift.

Der Minister des Innern.

I. V.: gez. von Bischofsshausen.

Der Minister der geistlichen. Unterrichts- und Medizinal-

Angelegenheiten. J. A.: gez. Förster.

An die Herren Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten in Berlin. (M. d. ö. A. II. Ct. Nr. 204/ M. d. I. II. a. Nr. 4662/3». d. g. A. M. Nr. 6387.)

* * *

Hersfeld, den 16. September 1907.

Wird mit Bezug auf die Verfügung des Herrn Regierungs­Präsidenten vom 4. Mai 1888, A. II. 5652 Kreisblatt Nr. 60 de 1888 veröffentlicht.

I. 8499. Der Königliche Landral.

I. V.:

Thamer.

Hersfcld, den 21. September 1907.

Nach § 46 des Gewerbesteuergesetzes vom 24. Juni 1891 hat eine Neuwahl der Mitglieder und Stell - vertreterderSteuerauSschüssederGewerbe- steuerklassen III und IV im VeranlagungSbezirk Hers- seld für die nächsten 3 Jahre stattzufinden.

Zur Vornahme der Wahl ist Termin im Sitzungszimmer des Königlichen Landratsamtes im Stift hier anberaumt worden und zwar

Sie haben aber noch einen Bruder, Gräfin."

Ja," gab sie mit aufleuchtenden Augen zurück,und ich liebe ihn auch über alles. Für ihn würde ich durch Wasser und Feuer gehen."

Der Glückliche," sagte der Freiherr mit so eigener Be­tonung, daß sie erbebte; doch er beherrschte sich sogleich und frug ruhig:Ist Ihr Herr Bruder bei der Armee?"

Sie zögerte sekundenlang, dann sagte sie unruhig:Er will der schmählichen Republick nicht dienen, denn er ist ein warmer Anhänger seines vertriebenen Kaisers, und ich denke darin wie Louis. Würden Sie einen anderen Gebieter aner­kennen, wenn man Ihren König vertriebe?"

König Wilhelm und Ihr Kaiser, Gräfin, sind nicht in einem Atem zu nennen," antwortete Nordeck, stolz,wir ver­ehren ihn als greifen Helden und edelsten Menschen aber fürchten Sie nicht, daß ich Ihre Loyalität verletzen will."

Ihrer Frau Mutter mag der Abschied von Ihnen schwer genug geworden sein," brach die Gräfin ab,es muß bitter schlimm sein, den einzigen Sohn in den Krieg ziehen zu sehen."

Die allgemeine Begeisterung bei unserem Fortgang hat eS Mama in etwas erleichtert; je länger die Trennung dauert, je schwerer wird sie ihr."

Und sie lebt ganz allein auf dem Schloß?"

Ja, ganz allein. Ihr innigster Wunsch ist, ich möchte ihr bald eine Tochter zusührcn."

Es war abermals jener weiche, gefährliche Ton, bei dem das junge Mädchen errötend den Blick abwandte; der Feind ihres Vaterlandes durfte sie so nicht anschauen und unwillkürlich beschleunigte sie ihre Schritte.

Sie wollten mir von der Ahnfrau erzählen, gnädige Gräfin," bemerkte Nordeck seufzend nach einer Pause; das Schloß lag schon ganz nahe vor ihnen, im Gold der Morgen­sonne schimmernd.

Wenn Sie der Sage nicht Glauben schenken, Herr von Nordcck, so wäre eS nutzlos."

An die Existenz der Sage glaube ich unbedingt, Gräfin Fee; lasten Sie mich nicht umsonst bitten, sondern erzählen Sie."

Ihre Blicke ruhten eine Sekunde ineinander, dann begann Felicia träumerisch in die Ferne starrend, während sie in einen

für die Klasse III auf

Sonnabend, den 12. Oktober d. 3s.

Vormittags 9 Uhr

für die Klasse IV aus

Sonnabend, den 12. Oktober d. 3s.

Vormittags 10 Va Uhr.

Zu wählen sind je 5 Abgeordnete und eine gleiche Anzahl Stellvertreter.

Die Wahlen erfolgen nach relativer Stimmenmehrheit.

Wählbar sind nur solche männliche Mitglieder der betres- fenden Gewerbesteuerklasse, welche das fünfundzwanzigste Lebens­jahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden.

Von mehreren Inhabern eines Geschäftes ist nur einer wählbar und wahlberechtigt.

Aktien- und ähnliche Gesellschaften üben die Wahlbefugnis durch einen von dem gefchäftSsührcnden Vorstand zu bezeich­nenden Beauftragten aus; wählbar ist von den Mitgliedern des geschästssührenden Vorstandes nur Eines. Minderjährige und Frauen können die Wahlbefugnis durch Bevollmächtigte ausüben, wählbar sind letztere nicht.

Die Wahlberechtigten d. s. sämtliche zur Zeit der Wahl zur Gewerbesteuer veranlagten Gewerbetreibenden des Veran­lagungsbezirks in ihrer Klaffe werden zu obigen Terminen mit dem Hinweise eingeladen, daß, falls die Wahl der Abge­ordneten und Stellvertreter seitens der Steuergesellschast ver­weigert oder nicht ordnungsmäßig bewirkt wird oder die Ge­wählten die ordnungsmäßige Mitwirkung verweigern, die dem Steuerausschusse zustchendcn Befugnisse nach § 48 des Gesetzes aus den Vorsitzenden übergehen.

Der Vorsitzende des Steuerausschuffes der Gewerbefteuerklaffen III und IV von GrunexiuS.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden ersuche ich, innerhalb der Zeit vom 1. bis 10. Oktober d. I. Vormittags von 912 Uhr zwecks Rücksprache über die Veranlagung für 1908 in meinem Büro vorzusprechen.

Hersseld, den 23. September 1907.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer; Veranlagungs-Kommiffion. von Grunelins.

Bekanntmachung.

Zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwest-Afrika, können sich Mannschaften der gesamten Reserve und zwar Hand­werker aller Art, vornehmlich Beschlagschmiede, Schuhmacher, Maurer und Zimmerleute beim Bezirkskommando melden.

Persönliche Meldung ist erwünscht, damit gleichzeitig die ärztliche Untersuchung aus Tropendienstfähigkeit erfolgen kann. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Reisekosten können nicht erstattet werden.

Seitenweg einbog, der vom Schlosse wieder fortführte.Unser Ahnherr kehrte aus dem Morgenlande wieder, wo er als Kreuzritter um das heilige Grab gekämpft und gestritten; seine Gemahlin, die ihn zärtlich liebte, hatte mit heißester Sehnsucht seine Rückkunft erwartet. Als er aber einen schlanken, dunkeläugigen Griechenknaben, Achmed, mitbrachte, den er gerettet zu haben behauptete, erwachten in ihr alle Furien der Eifersucht; sie redete sich ein, es sei sein eigen Kind, und er ihr treulos, sie begann, den armen Achmed hart und lieblos zu behandeln, so daß es dem Ritter endlich selbst ausfiel. ES kam zu einer stürmischen Szene, bei der endlich St. Roc seinem Weibe drohte, sie völlig zu verstoßen, wenn sie den armen kleinen Waisenknaben weiterhin so lieblos behandle. Die Gräfin tobte vor Zorn, und noch am selben Abend, ihr Gemahl war zur Jagd auf ein Nachbargut geritten, lockte sie Achmed mit ganz ungewohnt süßen Worten an sich, sie in den Park zu begleiten. Von dem Zeitpunkt an blieb der alte Pavillon verschlossen, kein Mensch wußte, wohin der Schlüssel gekommen; jede Nacht schlich die unselige Mörderin hinaus, um ihr Opfer, das sie zum Hungertode verdammt hatte, zu beobachten.

Die Leute im Dorfe wollten klägliches Jammern und Weinen vernommen haben, doch aus Furcht vor der Herrschaft oder den bösen Geisten! sagten sie nichts.

Als der Graf wiederkehrte, teilte ihm seine Gemahlin mit, Achmed sei entlaufen, und nun wurden die weitgehendsten Nachforschungen angestellt, das Kind wiederzuerlangen, natürlich erfolglos, denn eS war längst eines grausigen, qualvollen Todes gestorben.

Ein'Jahr daraus legte sich die Gräfin, um nicht wieder auszustehen; sie war in der letzten Zeit ruhelos umhergeirrt, hatte Messen lesen lassen und allerlei Gutes gestiftet, aber umsonst. Die Furien des Gewissens verfolgten sie unausgesetzt, und als der Tod seine kalte Hand auf ihr pochendes Herz legte, da drängte eS sie, zu beichten. In Gegenwart ihres Gemahls gestand sie ihr Verbrechen ein, und der Graf wandte sich voll Grauen von ihr ab:Gott und die Heilige Jungfrau mag Dir vergeben ich kann eS nicht." Dann starb sie einsam und verzweifelnd; ihre irdischen Ueberreste wurden nicht