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Hersselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 111.

Donnerstag, den 19. September

1907.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 17. September 1907.

In denjenigen Gemeinden, in deren Gemarkungen durch die diesjährigen Truppenübungen Flurschäden entstehen, haben die Herrn Ortsvorstände die Beschädigten sofort zur Anmeldung ihrer Entschädigungsforderungen auszusordern. Diese Ent- schädigungssorderungen sind umgehend in einer Nachweisung zusammenzustellen, wie sie auf Seite 969 des Reichsgesetzblattes von 1898 vorgeschrieben ist. Die der Nachweisung vorgedruckte Anmerkung 1 Absatz 2 ist dabei zu beachten. Die Herrn Ortsvorstände sind für die vollständige und richtige Ausfüllung der Nachweisung verantwortlich.

Die Nachweisungen sind mir so einzureichen, daß sie hier am 23. September sämtlich eingehen. Im Uebrigen richtet sich das Verfahren nach der Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden in der Fassung des Gesetzes vom 24. Mai 1898 <R. G. Bl. S. 361) vom 13. Juli 1898, abgedruckt im Reichsgesetzblatt von 1898 Seite 921 und folgende. Die Herrn Ortsvorstände haben sich insbesondere mit den Be­stimmungen unter IIIBesondere Verpflichtungen der Besitzer von Grundstücken rc." sofort wieder vertraut zu machen und hiernach zu verfahren.

Den Termin der Abschätzung, welcher zur Zeit noch nicht seststeht, werde ich demnächst noch besonders mitteilen. Die Herrn Ortsvorstände haben bei dem' Schätzungstermin an­wesend zu sein.

I. 8493. Der Königliche Landrat von Gru n e l i u s.

Hersseld, den 13. September 1907.

Unter dem Schweinebestande des Valentin Reinhardt in Lengers ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 8465. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 13. September 1907.

Unter dem Schweinebestand des Schreiners Friedrich Mansius in Heringen ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 8466. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Hersseld, den 13. September 1907.

Unter dem Schweinebestand des Landwirts Johannes Adolf Rudolph in Heringen ist die Rotlausseuche ausge­brochen.

I. 8399. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

felicia.

Novelle von Hella Limpurg.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Nordeck schilderte gut und lebendig; der Graf, ein äußerst kluger, belesener und weitgereister Mann, gewann Interesse an dem Gespräch und so verging das Frühstück rascher und an­genehmer, als alle Teilnehmer vermutet hatten.

Wir nehmen unser Diner um sieben Uhr," sagte die junge Gräfin sich erhebend,und werden uns freuen, wenn die Herren daran ebenfalls teilnehmen."

Die Einladung klang nicht sonderlich freundlich, aber die beiden Offiziere nahmen sie doch an, und als sie nun gemeinsam nach ihren Zimmern gingen, floß Leutnant Hoffmann's Mund über vor Begeisterung über die Schönheit der Gräfin.

Herr Rittmeister, welch' ein wunderschönes Mädchen ist diese Gräfin! Diese dunklen, blitzenden Augen, dieser kleine, rote Mund und die unnachahmlich vornehme Haltung, wenn sie spricht!"

Ja, und die eisige Verachtung, welche sie uns armen Ulanen zu teil werden läßt; hat Ihnen daS auch gefallen; Kamerad?"

O, sie wird schon zugänglicher werden beim Diner ver­lassen Sie sich darauf. Wer hätte gedacht, solch' eine Schönheit hier in dem abgelegenen Erdenflecke vorzufinden!"

Und all Ihr Pessimismus über die Franktireurs ist auf einmal fortgeblasen? Wie nun, wenn die schöne Gräfin selbst mit ihnen zusammen hielte?"

Herr Rittmeister, ich bitte Sie, wie können Sie so etwas auch nur vermuten. Diese vornehme stolze Erscheinung kann sich doch nun und nimmer herabwürdigen und mit den feigen Meuchelmördern gemeinsame Sache machen!"

Wer weiß! Wir sind eben Feinde und die leidenschaftlichen Französinnen finden kein Mittel zu schlecht, um unS aus dem Wege zu räumen."

Hm, Herr Rittmeister, wir scheinen wahrhastig die

nichtamtlicher teil.

$odi immer Sie MmW-8Ghr!

Während man nach den bisherigen Meldungen über das erneute Auftreten des gefährlichen Rebellenführers Morenga an der Grenze Deutsch-Südwestafrikas erwarten konnte, daß sich Morenga mit dem Rest seines Anhanges den deutschen Be­hörden freiwillig stellen würde, womit also der Ausstand in dieser Kolonie definitiv beendigt wäre, lauten auf einmal die Nachrichten über Morenga wieder viel bedrohlicher. Es war allerdings schon befremdlich, daß Morenga mit seiner Ergebung noch immer zögerte, obwohl ihm doch seitens des Gouverneurs von Deutsch-Südwestasrika, v. Schuckmann, gegen die Ab­lieferung seiner Waffen und das Versprechen, sich künftig fried­lich zu verhalten, vollständige Straflosigkeit zugesichert worden war. Auf Grund von privaten, angeblich vollkommen zuver­lässigen Mitteilungen, die neuerdings aus Kapstadt eingegangen sind, muß man nun annehmen, daß es Morenga wohl gar nicht ernst mit seinem Herrn v. Schuckmann übermittelten Unterwersungsanerbieten gewesen ist, vielmehr scheint es, daß der verschlagene Rebell durch die Verhandlungen hierüber ledig­lich Zeit' gewinnen wollte, seinen Anhang zu verstärken. Den erwähnten Privatmeldungen zufolge ist eine sorgfältige Ueber- wachung Morengas notwendig. Zahlreiche Eingeborene aus dem Kaplande sind ihren Herren entlaufen, um zu Morenga zu stoßen, und haben teilweise ihr Kleinvieh mitgenommen. Ein bekannter Transportunternehmer ist aus Warmbad in Upington angekommen; seine Berichte lauten bedenklich. Die eingeborenen Wagensührer und Liehtr^iber lassen ihre Herren im Stiche, um Morenga zuzulanfen. Die ganze Holtentotten- bcvölkerung ist auf den Wiederbeginn des Krieges begierig. Die Bastards jenseits der deutschen Grenze leisten den Hotten­totten Vorschub, aber die Kappolizei ist nicht stark genug, um energisch dagegen einschreiten zu können.

Das sind freilich plötzlich wieder böse Nachrichten aus Süd- westasrika, und man kann nur lebhaft wünschen, daß sie sich wenigstens als übertrieben herausstellen mögen, sonst wäre tat­sächlich mit der Notwendigkeit eines neuen kostspieligen Feld­zuges gegen Morenga zu rechnen. Auffällig genug ist es indessen, daß der Berliner öffiziöse Telegraph schon feit einigen Tagen gar nichts mehr von Morenga zu melden weiß; das letzte, was er in dieser Hinsicht berichtete, war, daß die Ver­handlungen mit Morenga über dessen Unterwerfung noch fort- dauerten. Sollten aber diese Verhandlungen wirklich so schwierig sein, angesichts des Umstandes, daß Morenga vom Gouverneur v. Schuckmann völlige Amnestie und sogar Unter­stützung vom Gouvernement für seine Wiederansiedelung im Lande zugcsichert worden ist? Kaum kann man sich darum des Verdachts erwehren, daß es Morenga mit seinem Unter- wersungsanerbielcn nicht aufrichtig gemeint hat, daß er viel­mehr die deutschen Behörden nur täuschen will, um dann,

Rollen getauscht zu haben; nun sind Sie plötzlich der Pessimist geworden"

Und wenn Sie heute Nacht wachen, lieber Hoffmann, dann werden Sie wohl als nächtlicher Troubadour unter die Fenster Ihrer Dame schleichen, um hinaufzuseufzen."

Spotten Sie nur. In diese Gräfin Felicia könnte ich mich wahrhaftig bis über die Ohren verlieben."

Hm, so muß ich wohl ganz allein auspassen. Nun gut, auf Wiedersehen."

Am folgenden Morgen, als die beiden Offiziere noch beim Frühstück saßen, ließ sich einer der Ulanen melden, er habe dienstlich etwas zu berichten.

Vielleicht schon jetzt eine herannahende Gefahr," seufzte Hoffmann, dem nichts fataler hätte sein können wegen der schönen Gräfin, die er gestern abend wieder ganz ohne jeden Erfolg angeschwärmt hatte.

Laß den Mann herein," befahl Nordeck seinem Burschen und wandle sich sodann zu dem Leutnant:Was würden Sie sagen, Kamerad, wenn ich Sie schon heute nach Ver­stärkung fortschickte?"

Dröhnend marschierte der Ulan herein, klirrend schlug er die Hacken vorschriftsmäßig zusammen, und Nordeck frug im Diensttone:Sie haben mir eine Mitteilung zu machen Krause?"

Zu befehlen, Herr Rittmeister!"

Nun, so sprechen Sie; was soll's sein?"

Gestern abend," so rapportierte der Soldat,zog ich um 11 Uhr aus Posten; gegen Mitternacht sah ich auf ein­mal eine weiße Gestalt auS dem linken Schloßflügel hervor- kommen und über den breiten Kiesweg nach dem Parke zu gehen."

Alle Wetter," fuhr Hoffmann auf,ein richtiges Gespenst also, eine weiße Frau hier in Frankreich! Was kann da? sein?"

Nordeck war sehr ernst geworden.Es ist wohl kein solches, sondern vielleicht eine Gefahr. Krause, Sie dürfen vor der Hand zu niemandem im Schlosse von der Er­scheinung reden."

Das kann ich so wie so nicht," entgegnete der Ulan, ein

wenn er hinlänglich Zulauf erhalten hat und auch genügend mit Waffen versehen ist, aufs neue seinen Guerillakrieg in Deutsch-Südwestasrika zu beginnen. Das wären allerdings überaus unerfreuliche Aussichten, denn es müßte alsdann mit der Niederkämpfung des Hottentottenausstandcs in unserer süd- westafrikanischen Kolonie wieder von vorn angefangen werden und es würden sich neue Opfer an Geld und Blut nötig machen. Allerdings ist es noch nicht bis zu diesem Aeußersten gekommen, noch liegt keine positive Meldung über das etwaige Scheitern der Verhandlungen mit Morenga vor, und so dürste wohl immer noch der Hoffnung Raum zu geben sein, daß es doch gelingen wind, mit diesem gewandten schwarzen Krieger und Diplomaten zu einer Verständigung zu gelangen. Andern­falls müßte sich Deutschland darauf gefaßt machen, wieder aus Jahre hinaus in einen kostspieligen und dabei keine besonderen Lorbeeren versprechenden Eingeborenenkricg im Süden seines westasrikanischen Schutzgebietes verwickelt zu werden.

Her neue MlpOertrG

Infolge Inkrafttretens eines neuen Weltpostvertrags und sonstiger neuen Vereinbarungen für den internationalen Post­verkehr treten vom 1. Oktober a b zahlreiche Aenderungen im Postverkehr Deutschlands mit dem Ausland ein, von denen die hauptsächlichsten folgende sind.

1. Für Briese aus Deutschland nach anderen Ländern gilt soweit nicht schon niedrigere Sätze bestehen eine Gebühr von 20 Pf. für die ersten 20 g und von 10 Pf. für jede weiteren 20 g (bisher 20 Pf. für je 15 g). Die Gebühr für Postanweisungen nach einer großen Zahl von Ländern wird auf 20 Ps. für je 40 Mk. herabgesetzt. Die Taxen für Postpakete und die Versicherungsgebühren für Wertsendungen erfahren im Verkehr mit einer Reihe von Ländern eine Ermäßigung.

2. Die Versendungsbedingungen für Postkarten, Geschäfts- papicre, Warenproben und Drucksachen werden in mehrfacher Beziehung geändert: Bei Postkarten ist die Ueberschrist Postkarte" oder eine gleichbedeutende Bezeichnung in einer anderen Sprache nicht mehr erforderlich. Der Absender kann außer der Rückseite die linke Hälfte der Vorderseite zu Mit­teilungen usw. benutzen, auch können daselbst Verzierungsbildchen oder Photographien aus sehr dünnem Papier ausgesiebt werben; im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten, Luxemburg, Oesterreich-Ungarn nebst Lichtenstein und Bosnien-Herzegowina sowie der Schweiz sind auch andere Ausklebungen gestattet. Die Aufhebung sogenannter Wohltätigkeitsmacken auf die Vorderseite der Postkarten ist jedoch nicht erlaubt. Als Ge- s chästspapiere werden auch angesehen offene Briese oder Postkarten älteren Datums, die ihren ursprünglichen Zweck schon erfüllt haben, sowie nichtkorrigierte Schülerarbeiten. Gegen die Taxe für Warenproben werden neu zugelassen einzelne Schlüssel, abgeschnittene frische Blumen, Tuben mit Serum und pathologische Gegenstände, die durch die Art ihrer Zubereitung

komisches Gesicht machend,denn ich verstehe ja keine Silbe von dem dummen Kauderwelsch, was die sprechen."

Um so besser. Wie sah die Gestalt au§?"

Weiß von oben bis unten, sie war in einen Schleier gehüllt."

Trug sie irgend etwas bei sich?"

Ich glaube nicht, wenigstens nur in den Händen, mir war, als habe ich da etwas blitzen sehen, doch genau sagen kann ich es nicht."

Hatte sie ein Licht mit sich?"

Vorn an der Brust unterm Schleier eine BergmannS- lampe, denn es war finster, der Mond ging erst später aus."

Riefen Sie die Erscheinung an?"

Nein, ich wußte nicht ich hatte keine Instruktion."

Esel," brauste Hoffmann auf, doch beschwichtigend legte ihm der Rittmeister die Hand aus den Arm.Ich bin zu- frieben mit Ihnen, Krause. Heute nacht will ich selbst wachen, um die Erscheinung zu sehen. Kam sie vielleicht aus dem Parke wieder?"

Ich wurde abgclöst, Herr Rittmeister, und mein Nach­folger hat wohl nichts gesehen, sonst hätte er eS heute früh erzählt."

Nun gut, Sie schweigen also und können tagsüber ganz unauffällig den Park absuchen, ob sie irgend ein Mauerpförtchen, eine Luke im Zaun, auch wohl eine Leiter finden. In letzterem Falle wird die Leiter ohne Umstände zerhackt, verstanden?"

Zu Befehl, Herr Rittmeister," und aus ein entlassendes Zeichen machte der Mann kehrt und marfVierte hinaus; eine Weile blickten sich die Offiziere schweigend an, bann erhob sich Nordeck und schritt nachdenklich im Zimmer umher.

Sie haben mich vielleicht mit ihrem Mißtrauen angesteckt, Herr Kamerad, begann er, vor Hoffmann stehen bleibend,die weiße Erscheinung bedeutet etwas, was ich auf alle Fälle er­gründen muß."

Aber ich bitte Sie, Herr Rittmeister, wie sollen denn die Franktireurs mit dem Schlosse Zusammenhängen ? Gras St, Roc ist ein so vornehmer Edelmann, daß er sich gewiß nicht dazu hergäbe, auf seinem Territorium einen Ucbersall in Szene zu setzen."