Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, «a
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Herrsel-er Kreisbkitt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 110.
Dienstag, den 17. September
1907.
Amtlicher teil
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die Listen über die im I. Halbjahr des Steuerjahres 1907 eingetretenen Zu- und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungssteuer bis spätestens zum 20. d. Mt s. an mich einzureichen.
Zu diesen Listen sind nur die durch Artikel 88 der Aus- sührungsanweisung vom 25. Juli 1906 vorgeschriebenen neuen Formulare zu verwenden. Dieselben sind aus der Funk'schen Buchdruckerei hier zu beziehen.
Hersseld, den 11. September 1907.
Der Vorsitzende der EinKommensteuer- Veranlagungs-Kommission von Grunelius.
In den Orten Erdmannrode und Unterweisenborn sind Telegraphenanstalten mit Unsallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, 11. September 1907.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.
nichtamtlicher teil.
At PMMi»W auf Soritrntg.
Die Besprechungen des Reichskanzlers in seiner Norder- ncyer Sommerfrische sind noch immer nicht abgeschlossen, soeben erst hat auch der zur freisinnigen Bereinigung gehörende Reichstagsabgeordnete Schrader infolge Einladung des Fürsten Bülow auf Norderney geweilt und hat mit dem Kanzler politische Besprechungen gehabt, während schon vorher der Konservative v. Normann, der Nationalliberale Bassermann, die Freisinnigen Schmidt und Kaempf, der Reformparteiler Liebermann v. Sonnenberg und der süddeutsche Volksparteiler Payer zum Reichskanzler nach Norderney berufen worden waren. In diese Verhandlungen des leitenden Staatsmannes des Reiches und Preußens mit hervorragenden Parteiführern und Parlamentariern haben dann auch Beratungen des Fürsten Bülow mit hohen Beamten des Reiches und Preußens hineingespielt, so sind in den letzten Tagen der Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren v. Bethmann-Hollweg, der Minister des Inneren v. Moltke und der Unterstaatssekretär v. Löbell bei ihm aus Norderney gewesen und haben mit ihm eingehende Konferenzen gehabt. Obwohl die Oeffentlichkeit bis jetzt noch nichts bestimmtes über all diese Norderneyer Verhandlungen weiß, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß in ihrem Mittelpunkt die Frage der Weiterführung der bisherigen Blockpolitik auch in der kommenden Wintersession des Reichstages gestanden hat. Je näher der Zeitpunkt des Wiederzusammentrittes des
Die Erbin.
Roman von I. d'Anin. (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Tags daraus frühstückte Nell allein mit Onkel Georg. Sie sah so frisch und rosig aus und erinnerte ihn in diesem Augenblick an ihre Mutter. Und beider Bild verschmolz in seinem Herzen ineinander. — Herr Burklay aß nicht, er freute sich im Stillen über die Ruhe seines Adoptivkindes, das seine innersten Gefühle an diesem bedeutungsvollen Tage so trefflich zn bemeistcrn verstand.
„Du wunderst Dich über meine Ruhe, lieber Onkel," sagte Nell aus eine diesbezügliche Bemerkung des Vormundes hin, „weshalb sollte ich es nicht sein? Ich habe mich ja nicht in Ren4 verliebt, ich liebe ihn aber von Herzen, darin liegt ein großer Unterschied. Ich vertraue ihm und mir, über unsere Gefühle sind wir nicht im Zweifel. — Wir haben das gleiche Streben und verfolgen dasjelbe Ziel und werden sicherlich so glücklich werden, wie es sich unter diesen Umständen erwarten läßt."
Hieraus umarmte Nell den Onkel und eilte davon um sich anzukleiden.
Ein ganzes Heer von Jungfern und Schneiderinnen war versammelt. Endlich stand Nell in dem weißen Brautkleide fertig da. Sie schickte ihre Helferinnen fort und ließ Nellie zu sich bitten.
Diese erschien in einer Wolke von silberdurchwirkter blauer Seide. Beide traten vor den Spiegel und sahen einander lächelnd an. Nell sah majestätisch aus in der milchweißen Seide, die ihre kräftige, schlanke Gestalt rieselnd umfloß. Nellie, die sich an sie geschmiegt hatte, machte den Eindruck eines SüvrcS FigürchenS, angetan mit einem Stück blauen Himmels. In diesem Augenblick hätte keiner die beiden zu verwechseln vermocht.
„Nellie," sagte Nell jetzt weich, „ich möchte Dir so gerne ein Andenken an meinen Hochzeitstag hinterlassen; eine Er-
Reichstages heranrückt — voraussichtlich wird er seine im Frühjahr vertagten Arbeiten gegen den 21. November herum wieder ausnehmen, um so dringender wird für den Fürsten Bülow das Bedürfnis, den Zusammenhalt der den „Block" bildenden regierungssreundlichen Parteien zu sichern, um hierdurch eine glatte Weiterführung der parlamentarischen Geschäfte zu ermöglichen. Es gilt also für ihn, beizeiten das die konservativen und liberalen Parteigruppen des Reichstages umschlingende Band möglichst zu sestigen und stärker anzuziehen, damit der Block nicht etwa eines schönen Tages zusammen- stürze, wodurch mit einem Male die Ergebnisse des Sieges dieser Parteien im Reichstägswahlkampse vom Januar und Februar dieses Jahres vernichtet werden würden. Es fehlt nicht an Anzeigen, daß die Blockmehrheit des Reichstages keineswegs aus. festem Grund steht, daß sie vielmehr nur ein schwankes Gebilde darstellt, welches die kommenden parlamentarischen Winterstürme leicht Hinwegsegen könnten, falls das luftige Gebäude nicht endlich eine solidere Konstruktion erhält. Speziell. von den Konservativen ist es bekannt, daß sie keineswegs freudig an dem gemeinsamen Strange mit den Liberalen und besonders mit den Linksliberalen ziehen, sondern daß sie lieber mit dem Zentrum zusammengehen möchten, das ja auch mehr Berührungspunkte mit den Konservativen hat, als letztere mit den Liberalen. Wiederholt schon haben bekannte freisinnige Politiker in den Blättern ihrer Partei erklärt, der Kanzler müsse nunmehr mit den dem entschiedenen Liberalismus verheißenen politischen Zugeständnissen heranrücken, salls er nicht wolle, daß die Freisinnigen wieder zur Opposition abschwenken, und die nämliche Melodie ist auf dem soeben in Berlin statt- gcsundenen Parteitage der freisinnigen Volkspartei gepfiffen worden. Fürst Bülow versteht denn auch diese für den Block allmählich entstehenden Schwierigkeiten sehr wohl zu würdigen, und darum sind die Berufungen der genannten Parteiführer des Blockes nach Norderney erfolgt, um in traulicher Zwiesprache mit dem Kanzler eine Verständigung über die Wetterführung der Blockpolitik zu erzielen, welche gegenseitige Aussprache nun ihre Ergänzung durch die Beratungen des Fürsten Bülow mit den für die politisch-parlamentarischen Ausgaben des herannahenden Winters besonders in Betracht kommenden RegierungSmänner erfahren hat. Hoffentlich werden sich jetzt die Früchte der Norderneyer Verhandlungen bald zeigen!
Ae Wirrt» in Marokko.
Die französische Regierung scheint nunmehr die militärische Besetzung der wichtigsten marokkanischen Hafenstädte endgültig beschlossen zu haben, und gleichzeitig soll von der algerischen Grenze her ein neuer Vorstoß in das Innere vorgenommen werden, waS allerdings offiziös in etwas unbestimmter Form bcstritten wird. Es steht aber fest, daß der Kommandierende General von Algerien Servivres und der Divisionskommandeur von Oran General Liauthey sich im Automobil von Tlcmccn nach Udjida begeben haben. Der frühere sowie der gegen-
innerung an jene unvergeßlichen, hinter unS liegenden Tage, die uns für das Leben für immer vereint haben."
Ueber Nellies Wangen liefen ein paar helle Tropfen.
„Ich wartete damit bis zu diesem Augenblick, in dem Du mir nichts mehr abschlagen wirst. Nicht wahr?"
Sie öffnete das Etui und zog den Schmuck heraus.
„Oh, Nell, der ist viel zu kostbar!" rief Nellie bei dem Anblick des Juwels aus.
„Nein, mein Liebling, Du versprichst ihn anzunehmen, wie ich ihn Dir gebe, so wie er ist und mit dem, was er enthält?"
„WaS meinst Du damit, Nell?"
„Das wirst Du nachher erfahren. Du versprichst mir also, daß Du ihn annehmen wirst, wie ich ihn Dir darreiche?"
„Aber gewiß! Mit tausend Freuden."
Nell befestigte die Ketten an Nellies Halsausschnitt, sodaß diese auSsah, wie ein kleines Heiligenbild. Entzückt beugte sie sich zu dem Spiegel hinüber, um dann in der Nähe die kunstvolle Arbeit in Augenschein zu nehmen.
„Die Platte in der Mitte bewegt sich ja," sagte sie erstaunt.
„Das ist daS UeberraschungSsach," antwortete Nell, „Du mußt eS mit in den Kauf nehmen. In dem ersten Fach findest Du mein Bild, in da§ zweite kannst Du später daS hineintun, waS Dir im Leben das Teuerste fein wird. Vielleicht das Bild Deines Mannes."
„Ich und heiraten, Nell! Jetzt habe ich die Welt besser kennen gelernt, aber ich bin beruhigt. Meinen Lebenszweck werde ich darum nicht verfehlen.
„Daran soll dich auch eine Heirat nicht hindern. Im Gegenteil. Ich hoffe und wünsche von Herzen, daß sie dir dazu verhelfen wird, ihn zu erreichen."
Man klopfte. Es war Rens, der fragen ließ, ob Nell ihn empfangen wolle.
Nellie eilte mit ihrem Schatz zur Tante zurück, während Nell, Rens und Onkel Burklay zufammenblieben. Letzterer überreichte Nell ein Telegramm der Prinzessin Cvrglione, in dem diese ihr mit einem Gebet zugleich ihre Wünsche sandte.
„Glücklich die Braut, welche die Sonne bescheint," sagt ein englisches Sprichwort. Für Nell wurde es tatsächlich der
wärtige Scheik dieses Ortes wurden nebst zwei anderen Marokkanern gefesselt nach dem französischen Grenzorte Lalla Marnia eingebracht. Sie werden beschuldigt, bei dem Stamm in der Umgegend, nämlich dem Beni Senasscn, gegen die Franzosen Stimmung gemacht zu haben.
Paris, 15. September. Wie General Drude heute meldet, befinden sich nur noch drei kleine Abteilungen Marokkaner in der Umgebung Casablancas und zwar in einer Ent- sernung von 20 bis 25 Kilometer von der Stadt. Die Zenata haben an den General Drude einen Boten geschickt mit der Bitte um Verlängerung des Waffenstillstandes, damit die Delegierten aller Stämme Zeit haben, bei Drude einzutreffen oder sich vertreten zu lassen. General Drude hat in eine Verlängerung des Waffenstillstandes bis heute mittag eingewilligt. Es bestätigt sich, daß die meisten Stämme um Frieden bitten.
Paris, 15. September. Aus Casablanca wird von gestern gemeldet: Die Lage ist andauernd ruhig. Die Mahallas Merchich und Tittmellil lagern jetzt außerhalb der Tragweite der Geschütze. Seit gestern wird die Rückkehr einiger Marokkaner gemeldet, die sich um Sidi Mumen zu sammeln scheinen. Einige maurische Familien hatten darum gebeten, nach Casablanca zurückkehren zu dürfen. Sie sind gestern eingetroffen und heute, nachdem ein Verhör mit ihnen an gestellt worden war, in die Stadt eingelassen worden.
London, 15. September. Wie aus Mazagan unter dem 3. d. Mts. gemeldet wird, wurde ein dort lebender englischer Untertan nachts von einer Bande von Dieben angesallen, die aber von dem Wachtposten verjagt wurden. Ein Dieb wurde getötet und einer verwundet. — Muley Hafid soll die Absicht haben, am 23. d. Mts. mit einer Gesolgschast von 30 000 Mann von Marrakesch direkt nach Rabat zu marschieren.
London, 14. September. Wie dem Reuterschen Bureau aus Gibraltar gemeldet wird, ist der Befehl zur Entsendung einer spanischen Brigade aus Algeciras nach Marokko widerrufen worden.
Aus > und Ausland.
Berlin, den 15. September 1907.
Der Kaiser und die Kaiserin werden, Nachrichten aus London zusolge, während des Besuches, den sie im Monat November dem britischen Hofe abstatten, auch mit dem König Haakon von Norwegen und der Königin Maud, der jüngsten Tochter des Königs Eduard VII., Zusammentreffen.
Der Parteitag der Christlich-Sozialen nahm einstimmig eine Resolution an, worin das bestehende preußische Landtagswahlrecht für reformbedürftig erklärt wird, weil es mit dem Kulturzustand des preußischen Volkes in Widerspruch stehe und viele Volkskreise von der Vertretung im Landtag ausschließe. Die Stellungnahme zu den Resormvorschlägen bleibt Vorbehalten, aber jetzt schon halten die Christlich-Sozialen
Fall. Wie im Goldregen fielen die Sonnenstrahlen beim Eintritt in die Kapelle aus sie herab. Und mit dem Segen erhielt Nell gleichsam daS Psand ihres zukünftigen GlückeS. das sie in so edler Weise erstrebt hatte. —
felicia.
Novelle von Hella Limpurg.
(Nachdruck verboten.)
Hell und warm schien die Septembersonne des Jahres 1870 über ein kleines, reizendes Schlößchen des nördlichen Lothringens, welches so sriedlich nnd weltverloren dalag, als ahne es nichts von Kriegsgctümmel und Feindesmacht. Und dennoch rückte diese heran; ein Zug jener gefürchteten Ulanen, welche die Phantasie des französischen Volkes zu einer ungeheuerlichen Nationalität ausgebauscht, ritt die Allee entlang, die zum Schlosse des Grafen von St. Roc führte. Die Leute hatten es sich bequem gemacht, die Zügel lose hängen lassen, und plauderten zusammen so gemütlich, als seien sie nicht in Feindesland und jeder Zeit gewärtig, von einer meuchel- mörderischen Kugel aus dem Hinterhalt zu Boden gestreckt zu werden. Die Gewohnheit der Gefahr stumpft den Menschen ab und die Ulanen hatten alle Furcht abgelegt.
„Nun, Herr Leutnant, hier scheinen wir ja in ein kleines Paradies geraten zu sein," rief der ältere der beiden voran- reitenden Offiziere aus, „sehen Sie nur daS allerliebste Rokoko- schlößchcu, welches zwischen den Kastanien austaucht. Hoffentlich sind die Bewohner nicht allzu seindselig. Dann kann es eine recht angenehme ErholungSzeit hier werden."
Der Sprecher war ein hoher, stattlicher Mann, der Ritt- Meister von Nordeck, seine blauen, ernsten Augen leuchteten jetzt auf beim Anblick der herrlichen Natur ringsum, seine Hand strich über den dunkelblonden, wohlgepflegten Schnurrbart und die breite Brust hob sich zu tiefem Atemzüge.
„In der Tat, Herr Rittmeister, hier ist eS herrlich." pflichtete Leutnant Hoffmann bei, „wenn dies Wohlbehagen nur nicht durch die verwünschten Franktireurs unterbrochen wird; eS