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wird, und damit sich nicht die Gefahr einer Ausdehnung des Ausstandes dadurch vergrößert."

Welche Geldopfer die Sozialdemokratie für die R e i ch § t a g s w a h l e n gebracht hat, geht aus einem Bericht in einer sozialdemokratischen Parteiversammlung in Leipzig hervor. Danach hat die Wahl in Leipzig-Land, wo der bisherige Abg. Geber im ersten Wahlgange wiederge­wählt wurde, der Sozialdemokratie nicht weniger als 47 466 Mark gekostet. In diesem einen Kreise wurden insgesamt 298 Wählerversammlungen abgehalten, mehr als iVa Millionen Flugblätter, 234 850 Handzettel und 896 000 Stimmzettel verteilt und 11 757 Plakate angeschlagen. Die Wahl in den vier Kreisen Oschatz-Wurzen, Leipzig-Stadt, Leipzig-Land und Borna-Penig, die von dem Agitationskomitee zu bearbeiten waren, verschlang in Summa 106 635 Mark. Die Einnahmen des Wahlsonds waren aber noch um rund 6300 Mark höher, woraus sich ergibt, daß eS an Opferwilligkeit zu Parteizwecken bei den Sozialdemokraten nicht fehlt, die sich die bürgerlichen Parteien zum Muster nehmen sollten.

Umdiein Casablanca geschädigten Deutschen vor wirtschaftlichem Ruin zu schützen, hat Reichskanzler Fürst v. Bülow angeordnet, daß ihnen aus der Reichskasse aus ihre Entschädigungsansprüche, die sich auf ungefähr eine Million belaufen, ein Vorschuß von 250 000 Mark gewährt werden soll, vorbehaltlich der späteren Erstattung durch die dazu Ver­pflichteten und ebenso vorbehaltlich der nachträglichen Geneh­migung durch den Reichstag.

Von beteiligter Seite wird festgestellt, daß das Lotterie- unternehmen der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialausstellung ganz unabhängig von der finanziellen Lage der Ausstellung^st, und daß die Gewinner dieser Lotterie absolut sicher gestellt sind, auch die Losinhaber haben in Bezug auf ihre Ansprüche in keinem Falle etwas zu besorgen.

Dem Zaren und seiner Familie ist auf der gegenwärtigen Erholungsreise der kaiserlichen Herrschaften in den finnischen Schären ein kleiner Unfall zugestoßen. Die kaiserliche JachtStandart" lief am Mittwoch nachmittag bei Hörso auf einen Felsen aus. Aus Reval ging ein Rettungs- dampser nach der Unfallstelle ab. Zar Nikolaus und seine Familie verblieben an Bord deSStandart". Nach einem Telegramm des Hofministers, der sich an Bord der Kaiser­lichen JachtStandart" befand, erfolgte das Auflausen des Schiffes gestern nachmittag 5 Uhr auf einem Riff, das 12 Seemeilen von Hangö entfernt liegt. Die Kaiserliche Familie, die sich des besten Wohlseins erfreut, hat sich mit Gefolge aus denAviso Asija" begeben.

Bus Provinz u. Nachbargebiet.

* Der Abfall des Laubes beginnt in diesem Jahre früher denn sonst. Die Weichhölzcr, besonders die Linden, zeigen bereits gelbes Laub, welches vielfach schon fällt. Aus dem frühzeitigen Laubfall wollen wetterkundige Leute schließen, daß ein früher und strenger Winter in Aussicht steht. Das wäre ja sehr erfreulich!

* Auf Veranlassung des Reichsamts des Innern finden gegenwärtig an den maßgebenden Stellen Erwägungen darüber statt, ob und in welchem Umfang eine Einschränkung der S o n n t a g s a r b e i t in industriellen Betrieben durch- gesührt werden kann. In Zustimmung damit werden bereits seitens der GewerbeaussichtSbeamren in verschiedenen Betrieben Erhebungen angestellt. Veranlaßt sind diese Erwägungen durch wiederholte Anregungen und Anttäge des Reichstags. Dieser hat noch zuletzr am 16. April d. Js. einen Zentrumsantrag angenommen; den Reichskanzler zu ersuchen, die in Aussicht gestellte Revision der Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit im Gewerbetriebe (§ 115 d der Gewerbeordnung zu beschleunigen und tunlichst im Sinne einer schärferen Durchführung der Sonntagsruhe und insbe­sondere des vollen Schutzes der Weihnachts-, Öfter- und Pfingstseiettage auszugestalten. Einem früheren Anttäge des Reichstags entsprechend, ist bereits durch eine Bundcsratsver- ordnung vom 23. Mai 1906 eine wesentliche Einschränkung der Ausnahmebestimmungen für die Sonntagsarbett in Glas­hütten verfügt worden. Aehnliche Einschränkungen der Sonn­tagsarbeit in anderen industriellen Betrieben sind demnach für die nächste Zeit zu erwarten.

* Die Einstellung der Rekruten für das 11. Armeekorps erfolgt in diesem Jahr bei der Infanterie am 10. Oktober, bei der Kavallette und bei den Bespannungsabteilungen der Fußartillerie am 4. Oktober, bei der Feld- und Fußar- tillerie sowie bei den Pionieren am 10. Oktober, bei den Oeko- nomichandwerkern und Krankenwärtern am 1. Oktober.

* In Unterweisenborn im Kreise Hersfeld ist eine Telegraphenanstalt mit Unsallmeldedicnst und öffentlicher Fern- sprechstelle in Wirksamkeit getreten.

) :( Hersfeld, 13. September. Es ist in letzterer Zeit mehrsach vorgekommen, daß sich Quartiermacher Ueber- griffe erlaubt und Qua rti erb ill ete teils geändert, teils umgeschrieben haben. Den Quartierpflichtigen dient zur Nach­richt, daß sie nur die ihnen vom Magistrat mittelst Quartier­billet, das mit dem Magistratssiegel versehen sein muß, zuge- wiesenc Einquartierung zu nehmen brauchen und ihnen auch nur diese vergütet wird. Alle übrigen von den Quattiermachern geschriebenen Quartierbillets haben keine Gültigkeit und be­rechtigen auch somit nicht zur Inempfangnahme des Quartier- geldes.

P Hersfeld, 13. September. (Altweibersommer.) Ein klarer, sonniger Herbsttag. Der leise Wind, der kosend uns umfächelt, hebt hier und da aus den abgeernteten Aeckern lange weiße Fäden empor.

Es spinnt das Märchen in blauer Lust Silberne Härchen ob Wald und Kluft.

Kleine Luftschiffe find es, die winzige Passagiere hoch über Aecker und Wiesen dahintragen. In jedem Fahrzeuge sitzt ein schwarzes Wanderspinnlein, so scheu, wie nur ein Tierchen sein kann; denn kaum stößt der feine Faden auf ein Hindernis, jo spinnt der kleine Luftschiffer auch schon die Rettungsleine, an der er sich geschwind zur schützenden Erde herabläßt. Von leher hat sich die Phantasie mit diesen Fäden beschäftigt, die der VolksmundAltweibersommer" nennt, und der zu einer noch wenig bekannten, reizenden Sage Anlaß gegeben hat. Als nämlich der erste Sommer zu der jungen Erde kam, freuten sich Pflanzen und Tiere unsäglich. Da besprachen sie miteinander, wie sie ihn wohl festhalten könnten, damit er immer bei ihnen bleibe. Als die starken Tiere und die großen Bäume aber kein Mittel anzugeben vermochten, da sagte ein ^.räslein:Die Spinnen können ein Gewebe machen, dann wird eS der Wind ausheben, und wenn der Sommer fort will wird er sich darin verfangen." Und so geschah es. Die Spinnlein begannen gar fleißig zu arbeiten, und dann kam der Wind und hob die tausend und tausend Fäden hoch in die Lust. Aber es war vergebens: der Sommer zerriß das Netz, das ihn fangen und festhalten sollte und entfloh. Da

begannen alle Gräser und Bäume vor Trauer an zu weinen, das nennen die Menschen Herbsttau. Und jedes Jahr wieder­holen die unermüdlichen Spinnlein immer wieder denselben Versuch.

) :( Hersfeld, 13. September. DaS in der Klausstraße Gelegene Wohnhaus nebst Kolonialwarengeschäft des Herrn Kaufmanns Paul Schulze ging zum Preise von 20000 Mark in den Besitz des Herrn Kaufmanns A ß e n m a ch e r aus Ziegenhain über. Die Uebernahme erfolgt zum 1. Ok­tober d. Js. Der Kauf wurde durch Vermittelung des Herrn Georg Hagedorn, Weinstraße 9, abgeschlossen.

) :( Hersfeld, 13. September. Gestern vormittag brach in dem Wohnhaus des Fabrikarbeiters Peter Kühn in dem benachbarten S i e g l o s auf unaufgeklärte Weise Feuer aus, dem der Dachstuhl des Hauses zum Opfer fiel. Der Schaden beträgt ca. 1200 Mark. Bei den Löscharbeiten wurden der Weber Adam Fuchs sowie ein Feuerwehrmann verletzt.

C assel, 13. September. Se. MajestätderKaiser hörte gestern vormittag den Vortrag des Chefs des Militär- kabinetts und empfing später den japanischen Botschafter. Zur Frühstückstafel bei den Majestäten waren geladen: der japa­nische Botschafter, der gestern früh eingetroffene Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschky und Graf Lanza-Mazzarini und Gemahlin. Am Nachmittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin eine Spazierfahrt im offenen Zweispänner im Habichts­wald. In 4 Automobilen folgten Damen und Herren des Gefolges. Die Fahrt ging durch die Rasenallee. Die Tochter des Kaiserpaares, Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Viktoria Luise, begeht heute Freitag aus Wilhelmshöhe ihren Geburtstag (geb. 13. September 1892). (T.)

Cassel, 13. September. DieAllg. Zeitung" schreibt folgendes: Von Unglücksfällen, die sich während der Manöver­tage in dem Gelände zwischen Eggegebirge und Weser ereignet haben, sind die nachstehenden zu unserer Kenntnis gelangt:

1. wurde am Nachmittag des 9. September auf der Land­straße unweit Höxter ein auf einem Motorrad fahrender Herr, angeblich ein Kreisphysikus Dr. Hartmann aus Ottenstein im Herzogtum Braunschweig, rücklings von einem Automobil an­gefahren, so daß er kopfüber vom Rade flog und eine klaffende Schädelverletzung davontrng, an welcher er, nachdem man ihn nach einem nahegelegenen Gehöft verbracht, verschieden sein soll. 2. wurde ein Knabe von 13 Jahren etwa, dessen Personalien nicht sofort sestgestellt werden konnte, am 10. .Sept. während des Feuergefechtes bei Puttelsheim von einem Automobil über­fahren und so schwer verletzt, daß man ihn nach Höxter ins Krankenhaus transportieren mußte. 3. Ein Jnsanterieoffizier Vorn X. Armeekorps geriet beim Angriff auf die Hampen- häuser-Höhen in der Frühe des 10. September infolge Aus- gleitcnS unter ein Geschützrad, welches ihm den einen Unter­schenkel zermalmte; er wurde nach Holzminden ins Krankenhaus geschafft. 4. Ebenso geriet in der Frühe des 10. September ein Unteroffizier der Kölner Festungsartillerie ebenfalls unter das Rad eines Geschützes, welches ihm über Brust und Leib ging und ihn schwer verletzte. Er wurde nach der Unfallstation des VII. Armeekorps aus Bahnhof Altenbeken verbracht. So groß die Zahl der Unglückssälle auch erscheinen mag, die sich innerhalb der wenigen Tage ereignet, so ist sie in Wirk­lichkeit doch gering gegenüber dem nach vielen Tausenden zäh­lenden Andrange des Publikums in das Manövergelände und gegenüber dem Unverstand, mit welchem Viele der Manöver­besucher den Anordnungen der Truppenführer und Gendarmen geradezu ^entgegenhandeln.

Cassel, 12. September. Das Artillerieregiment Nr. 11 ist im Laufe des gestrigen Tages aus dem Kaisermanöver zu­rückgekehrt. Am Sonnabend wird das Regiment zur Teil­nahme an den Divisionsmanövern per Bahn nach Eisenach verladen. Das 82. und 83. Jns.-Regt. und die Hofgeismarer Dragoner werden ebenfalls noch nach dem Kaisermanöver an den Divisionsmanövern teilnehmen; diese Regimenter haben also diesen Herbst zweimal Manöver.

Hünseld, 10. September. Der jetzt in Langendreer wohnhafte Gastwirt Hermann Fürkötter führte in den Jahren 19041906 in Hünfeld eine Wirtschaft und bezog während dieser Zeit alle 814 Tage etwa 25 Pfund Pferdefleisch, fodaß die Gäste offenbar statt Rinderbraten und dergl. Speisen von Pferdefleisch vorgesetzt erhielten. Geschmeckt hat jedoch keiner etwas, mit Ausnahme des Pferdefleisch-Lieferanten selbst, der natürlich Kenner war. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung des Angeklagten, die Strafkammer in Hanau als Berufungs-Jnstanz kam jedoch zu anderer Ansicht über die Schuld des Angeklagten und verurteilte ihn zu 40 Mk. Geld­strafe. (C. T.)

Homberg, 10. Sept. Die bei dem Hotelbesitzer Paulstich (Hessischer Hof) hierselbst bedienstete Schwägerin des Schuh­machermeisters Wigand von hier war gestern auf dem zweiten Boden in der Scheuer des Herrn P. beschäftigt. Als sie einem Rufe folgen und die Leiter hinabsteigen wollte, kam sie, jeden­falls vom Schwindel gepackt, zu Fall und stürzte hinunter, wobei sie so unglücklich auf einen Wagen fiel, daß ihr die eine Runge desselben tief in den Leib drang. Das bedauernswerte Mädchen wurde sofort nach der Marburger Klinik transportiert. An seinem Auskommen wird gezweifelt.

Hofgeismar, 10. September. Seinem Leben ein ge­waltsames Ende machte gestern vormittag der etwa 28jährige Kaufmann O. H. von hier, indem er sich eine Kugel in den Kops schoß. Er scheint die unselige Tat in plötzlicher Geistes­störung, begangen zu haben.

Fritzlar, 11. September. Von den Jägern wird all­gemein sehr geklagt über den ganz außergewöhnlich zurückge- gangenen Wildstand. Es werden nicht nur sehr wenig Reb­hühner angetroffen, sondem auch in Rehwild ist so wenig vorhanden, daß geradezu von einem großen Mangel gesprochen werden kann. Es wird berichtet, daß Hunderte von Rehen verendet aufgesunden worden sind.

Dermbach, 10. September. Die Manöver der 22* Division haben gestern in der hiesigen Gegend ihren Anfang genommen. In der vergangenen Nacht fanden bei Eckards und Roßdorf größere Biwacks statt. Leider haben die den Uebungen vorausgegangenen Märsche bei der heißen Witterung bereits ein Opfer gefordert. Aus dem Marsche von Gehaus nach Dermbach starb infolge eines Herzschlages ein Reservist des Infanterie-Regiments Nr. 167 aus Cassel. (R. Z.)

Brunnhardtshausen, 10. September. Am Sonntag abend passierte hier ein schrecklicher Unglückssall. Die Müllersfrau Abe wollte das Getriebe der Mühl in Bewegung setzen, kam dabei dem Räderwerke zu nahe und verlor den ganzen rechten Arm.

Roßdorf (Rhön), 11. September. Bei Roßdors scheute beim Aufsitzen das Pferd eines Pionier-Oberleutnants; es ging hoch und überschlug sich, wobei der Offizier unter das Pferd kam. Er wurde schwer verletzt und mußte im Wagen vom Platze gefahren werden.

Warburg, 11. September. Heute Vormittag wurde ein Soldat inS hiesige Krankenhaus gebracht, welcher am Morgen

im Manöver durch einen Schuß in den rechten Arm schwer verwundet wurde. Der Zivilist, der, wie gemeldet, gestern von einem Manöver-Automobil üb erfahren wurde, ist ver­gangene Nacht im hiesigen Krankenhause seinen schweren Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

Heiligenstadt (Eichsseld), 12. September. Nach dem Genuß aufgewärmten Blumenkohls erkrankte die Familie des Kunstgärtners Tuckermann in Duderstadt. Der älteste Sohn ist bereits tot, der Zustand der Uebrigen ist hoff­nungslos.

Heiligenstadt, 11. September. Heute Mittag brach beim Abrüsten ein am hiesigen Bürgerschulgebäude angebrachtes Dachdeckergerüst zusammen. Mit dem Gerüst stürzten auch zwei Dachdeckerlehrlinge in die Tiefe; einer wurde schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus geschafft werden.

Herborn, 12. September. Das ohne Aufsicht in der Weinstube gelassene Töchterchen des Brauereiarbeiters Kahlmann fand Gelegenheit, mit Streichhölzern zu spielen, die sich ent­zündeten und die Kleider des Kindes in Brand setzten. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es nach zwei Stunden starb.

Frankfurt a. M., 11. September. Vor einiger Zeit wurde hier der Zahntechniker H. Plechatsch wegen Kuppelei zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde gegen Stellung einer Kaution von 6000 Mk. auf freiem Fuß belassen. Als er schließlich die Strafe antreten sollte, erschien statt seiner sein Schwager, der Anstreicher Bill, und ließ sich einsperrcn. Nachdem Bill einen Teil der Strafe verbüßt hatte, stellte sich der Betrug heraus, und Bill wurde wieder in Freiheit gesetzt. Plechatsch aber wurde festgenommen und hinter Schloß und Riegel gebracht. Beide werden sich nächstens wegen Ur­kundenfälschung bezw. Anstistung dazu vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Zugleich aber hat das Landgericht die Kaution von 6000 Mk. für verfallen erklärt, da in der Entsendung eines Stellvertreters ein Entziehen der Straf­vollstreckung zu erblicken sei. Die vom Verteidiger des P. gegen diese Entscheidung eingelegte Beschwerde beim Öberlaudesgericht wurde verworfen.

Darmstadt, 11 September. Der 40 Jahre alte ledige Georg Klier aus Bessungen, der heute morgen mit einer Dreschmaschine auf der Pallaswiesenstraße nach Weiterstadt fuhr, geriet unter den angehängten Wagen und wurde tot­gefahren. ,

Heiligenstadt, 9. September. Ein schwerer Unfall hat sich heute im hiesigen Dampssägewerk Leinetal ereignet. Der Arbeiter F. war an der Kreissäge beschäftigt, als ein Stamm Hartholz zurückprallte und ihn dermaßen gegen den Leib schlug, daß innere Organe verletzt wurden. Der Verunglückte befindet sich im Krankenhause; sein Zustand läßt nur wenig Hoffnung auf Wiedergenesung zu.

Eichenberg, 10. September. Durch einen heftigen Stoß der Deichsel gegen einen Baum fiel der Ackermann Möser im benachbarten Reiffenhausen so unglücklich von seinem Wagen herab vor die Hufe seiner Pferde, daß er arg zugerichtet wurde. Er schleppte sich nach Hause und ist bald daraus an den er­littenen innern Verletzungen gestorben.

Wiesbaden, 11. Sept. Wie der Rhein. Kur. meldet, wurde der Schauspieler Hermann Leffler vom hiesigen König­lichen Theater wegen Zweikampfes zu vier Monaten Festungs­haft verurteilt.

Bingen, 11. September. Gestern abend geriet eine Frau. Arnhold aus Mainz, die im Personenzug nach Mainz ihr voll­besetztes Koups mit einem anderen vertauschen wollte, während der Zug schon in Bewegung war, unter die Räder und wurde überfahren. Sie starb auf dem Transport nach dem Kranken­haus. Die Verunglückte hinterläßt sechs Kinder.

Meiningen, 11. September. Gestein nachmittag wurde aus dem hiesigen Bahnhof der 40 Jahre alte, in der Haupt- werkstätte beschäftigte Schlosser Sauter von einem von Eisenach kommenven Zug übersahren und sofort getötet

Sollstedt, 9. Sept. Ein schrecklicher Unglücksfall er­eignete sich Sonnabend nacht in der hiesigen chemischen Fabrik. Der Arbeiter R. aus Niedergcbra, der an einem Kessel mit heißer Salzsäure zu tun hatte, glitt aus und fiel in die ge­fährliche Flüssigkeit. Mit schweren Brandwunden bedeckt, wurde er herausgezogen. Bald nach seiner Einlieferung ins Kranken­haus starb er.

Halle, 12. September. In Siersleben warfen junge Bergleute eine Flasche, die sie mit Karbit und Wasser gefüllt hatten , in eine Schar spielender Kinder. Die Flasche explodierte, und durch die herumgeschleuderten Glassplitter wurden zehn Kinder verletzt.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

In der am 11. September beendeten Berichtswoche hielt die feste Stimmung an den Getreidemärkten zunächst an und erfuhr zeitweise noch eine erhebliche Verschärfung. Insbe­sondere in Berlin setzte sich die Aufwärtsbewogung unter mäßigen Schwankungen infolge andauernden regnerischen Wetters und anregender Berichte von den ausländischen Märkten weiter fort. Die Zufuhren aus dem Jnlande bleiben ungenügend, und Besorgnisse hinsichtlich des Ausfalls der Kartoffelernte trugen dazu bei, daß die Preissorderungen für Getreide, namentlich für Roggen, erhöbt wurden. Bei dem starken Einsuhrbedars an Weizen, welchen Deutschland infolge Minder- ertrages an dieser Frucht hat, ist es natürlich, daß die Preise sich ungefähr aus der Höhe der Auslandsnotierungen mit Zu­schlag des Zolles halten. Da nun die Welternte an Weizen gegen die letzten Jahre entschieden zurücksteht, wie dies aus den weiter ermäßigten Schätzungen des nordamerikanischen Ertrages ersichtlich ist, so dürfte auf einen Rückgang der Weizenpreise auf den normalen Stand der letzten fünf Jahre kaum zu rechnen sein, es müßten sich denn die allerdings jetzt vorhandenen Erwartungen einer überaus glänzenden Ernte Argentiniens in vollem Umfange erfüllen. Die Preisgestaltung des Roggens ist im wesentlichen von der Kartoffelernte ab­hängig. Der in den letzten Tagen eingetretene Umschwung der Witterung läßt hoffen, daß die hinsichtlich der genannten Erd­frucht gehegten Befürchtungen sich als unbegründet erweisen werden, und damit würde die Hauptursache für eine etwaige weitere Steigerung der Roggenpresie beseitigt sein. Haser ist dem Markte ausgiebiger zugeführt worden und ging infolge dessen im Werte zurück. Bei Anhalten des am letzten Tage der Berichtswoche herrschenden warmen und trockenen Wetters ist auf weitere Abschwächung der deutschen Getreidemärkte zu rechnen. Mais lag im allgemeinen fest, da die Ernteaussichten aus dem südöstlichen Europa ungünstig lauteten und Nord­amerika höhere Forderungen stellte. Die Preise für September- Lieferung stellten sich schließlich wie folgt: Weizen 224,25 Mk., Roggen 203,50 Mk., Hafer 172,00 Mk., Mais, Mk.