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herrfelder Armblatt

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Zernsprech-Hlnschlutz Nr. 8

Nr. 109.

Sonnabend, den 14. September

1907

Amtlicher teil.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versetzung der Geschäfte des verstorbenen König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 17. September im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen.

Hersseld, den 13. September 1907.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersseld, den 5. September 1907.

Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersseld, welche in diesem Herbst ausgelernt haben, werden ausgefordert, sich zum 20. September er. bei dem Unterzeichneten in Hersseld zu melden und nachstehende Sachen einzusenden: 1) Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2) Einen eigenhändig geschriebenen Lebens­lauf. 3) Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4) Ein Zeugnis aus der Volksschule. 5) Ein Zeugnis aus der Fortbildungsschule, wenn dieselben eine solche besucht haben. 6) Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle.

Der Prüfungstermin wird noch mitgeteilt.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die Maurer­lehrlinge im Kreise Hersseld: Robert Wölbing, Maurermeister.

Hersseld, den 7. September 1907.

Der aus Donnerstag, den 26. d. Mts. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den bekanntgegebenen Be­stimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6V2 Uhr morgens begonnen werden.

I. 8234. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Wir leben in der Zeit der Kongresse und Parteitage. Nachdem in der abgelaufenen Woche bereits mehrere stattge- suuden haben, stellt demnächst der Parteitag der national­liberalen und der freisinnigen Partei bevor. ES ist zu wünschen, daß man bei diesen Verhandlungen nicht die Partei über daS Vaterland stellen möge, sondern sich dessen eingedenk sei, daß der nationale Block gegründet wurde, um eine Einigung der bürgerlichen Parteien herbeizuführen als eine feste Schutzwehr gegen die Politik des Umsturzes, als eine starke Stütze, auf die sich das Vaterland, wenn e§ sich um große nationale Fragen handelt, verlassen kann. Werden von diesem Gesichts­punkte aus die Verhandlungen geführt, dann werden sie auch zum Wohle des gesamten Vaterlandes beitragen und dem hämischen Gerede der Vaterlandsseinde von einem über kurz oder lang bevorstehenden Zusamipenbruche des Blocks ein Ende bereiten.

In der auswärtigen Politik steht die Marokkofrage noch immer obenan. In der deutschen Antwort auf den fran­zösischen Vorschlag, in den acht marokkanischen Häfen, französisch- spanische Polizeikorps auszustellen, wird in freundschaftlicher Weise das Bedenken ausgesprochen, daß dadurch die Marokkaner noch mehr gereizt und infolgedessen die Lage der in Marokko lebenden Europäer noch gefährlicher werden könnte. Die deutsche Regierung hat die außergewöhnlichen Umstände, durch die Frankreichs Vorgehen in Marokko begründet wurde, wohl an­erkannt und beabsichtigt nicht, der von Frankreich unter­nommenen Aktion Schwierigkeiten zu bereiten, hat aber auch den Wunsch geäußert, Frankreich möge seine weiteren Ope­rationen so einrichten, daß dadurch nicht wieder wie in Casa- blanca deutsches Eigentum beschädigt werde. ES ist zu hoffen, daß der ruhige und freundliche Ton, in dem die deutsche Ant­wort gehalten ist, in Frankreich gewürdigt wird und die Ueber­zeugung befestigt, daß zur Vermeidung neuer, allerseits uner­wünschter Konflikte die strenge Jnnehaltung der in der Algecirasakte scstgelegtcn Bestimmungen das beste Mittel ist.

Der H a s e n a r b c i t e r a u s st a n d i n A n t w e r p e n bat sich zu einem regelrechten Aufstande entwickelt. Die Ar­beiter sind die unumschränkten Herren des Antwerpener Hafens geworden; sie wollen nur unter bestimmten Bedingungen ar­beiten, die sie den Arbeitgebern auserlegen. Lehnen diese die Bedingungen ab und stellen andere Arbeiter ein, so werden die Arbeitswilligen mit Steinwürsen und Revolverschüssen empfangen und gezwungen, die Flucht zu ergreifen. Ja, mit noch verbrecherischeren Mitteln sechten die Antwerpener Hafen­arbeiter ihre Lohnkämpse aus: neun Brände haben sie mittels Petroleum angelegt und dadurch eine riesige FeuerSbrunst her- Vorgerufen, gegen bereit furchtbares Wüten die Antwerpener Feuerwehr machtlos war, so daß zur Bewältigung deS ent­fesselten Elements die Feuerwehren aller größeren Städte Belgiens herbeigeholt werden mußten. Die Arbeit int Hasen ist zum weitaus größten Teile lahmgelegt.

In der ausländischen Politik ist ferner daS A b k 0 m m e n

zwischen Rußland und England zu verzeichnen, das nach Meldungen englischer Blätter nunmehr abgeschlossen worden ist. Im allgemeinen weiß man, daß es sich aus die Grenzsragen und vor allem auf die Abgrenzung der beider­seitigen Interessensphären in Westasien bezieht, und daß es selbstverständlich keine wechselseitige Garantierung des asiatischen Besitzstandes der Vertragsmächte enthält. Mehr ist nicht bekannt, und gerade deshalb orakelt jede Londoner Zeitung aus eigene Hand irisch daraus los und brüstet sich mit geheimnisvollen Jnsormationen. Man kann diese ruhig übergehen und muß abwarten, bis der offizielle Text des Abkommens bekannt wird.

Die englandscindliche Gesinnung und Stimmung in Irland hat zu ernsten Unruhen geführt, die bereits zu zahlreichen Verhaftungen, darunter mehrerer irischer Abgeordneten, geführt haben. Daß die Bewegung be­reits einen bedeutenden Umfang gewonnen hat, geht schon aus der Tatsache hervor, daß die Regierung eine Reihe von Graf­schaften alsim Aufruhr befindlich" erklärt und zahlreiche Verstärkungen der Polizei ausgeboten hat. Die Frauen sind eifrige Parteigängerinnen der Bewegung und stellen infolge­dessen auch einen großen Teil der Verhafteten. Wenn die englandscindliche Gesinnung in Irland zuweilen einen rebellischen Charakter annimmt, so ist nicht zum wenigsten die irische Presse dafür verantwortlich zu machen, die in ihrem Engländerhasse keine Schranken kennt.

Aus Itlitsch-Mwestilftikll.

AuS Deutsch-Südwestafrika kommt die Kunde, daß der gefährliche und außerordentlich listige Gebestenfübnr Morenga, der in seiner Person die Tapferkeit der Hereros mit der Schlauheit der Hottentotten vereinigte, dem Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika feine Unterwerfung angeboten und um Aufnahme in das Bondelzwarts-Abkommen gebeten hat, wenn ihm Straffreiheit zugesichert werde. Da der Gouverneur von Schuckmann dem Häuptling Morenga Straffreiheit zugesichert hat, wenn er und seine Leute die Waffen abliefern und fried­lich im Lande zu leben versprechen, so kann kaum noch ein Zweifel darüber bestehen, daß Morenga sich diesen Bedingungen unterwerfen wird. Die Gewährung des Beitrittes zu dem Bondelzwarts-Abkommen für Morenga und das letzte Häuflein seiner Anhänger bedeutet, daß Morenga seine Verwandten, sein Gefolge und feine Anhänger aus einem bestimmten Ge­biete Viehzucht treiben und sich dort häuslich niedeilassen dürfen. Für die ganze Situation in Deutsch-Südwestafrika bedeutet die Unterwerfung Morengas einen großen Erfolg, denn es wird dadurch das Wiederausflackern des AufstandeS im Süden der Kolonie verhindert und die Beruhigung des Landes nichr und mehr in sichere Bahnen gelenkt. Es kann auch nicht verkannt werden, daß der zähe und unternehmungs- lustige Morenga durch die ganzen Verhältnisse zur Unter­werfung gezwungen worden ist, oder daß er vielleicht gar deshalb das englische Gebiet verlassen hat, um die Bedingungen des Bondelzwartsabkommens für sich und seine Anhänger noch von der deutschen Regierung zu erlangen, ehe es zu spät war. Ohne Zweifel hat zu der raschen Unterwerfung Morengas aber auch die Haltung der Regierung in der eng­lischen Kapkolonie beigetragen, wo man Morenga hat wissen lassen, daß er keine Zuflucht mehr auf englischem Gebiet finden werde. Zu dem hatte sich auch schon vor einiger Zeit ein Heerhause von 70 Kriegern und etwa 130 Frauen und Kindern von Morenga getrennt und sich der deutschen Re­gierung in Südwestasrika unterworfen. Außerdem scheinen sich die Anhänger Morengas in verschiedenen kleinen Trupps über den Südösten der Kolonie und über das Grenzgebiet hin zerstreut zu haben, wahrscheinlich um in irgend welchen Schlupfwinkeln auS Furcht vor den Deutschen Soldaten ihr Leben zu fristen. Diese Vermutung erscheint deshalb richtig, weil die ganze Anhängerschaft Morengas nur noch aus zwölf Kaffern bestanden haben soll, mit denen er sich in der Gamsib- Bucht, einem von Schluchten gebildeten waldigen Gelände, ausgehalten haben soll. Jedenfalls wäre der verschlagene Rebell auch mit der kleinen Schar seiner Anhänger immer noch schwer zu fangen gewesen und hätte einen Teil der Kolonie in Unruhe versetzt, deshalb ist feine Unterwerfung mit Freuden zu begrüßen, dadurch sie die Riesenstrapazen einer Jagd auf den Rebellen und das Blut unserer tapferen Soldaten erspart bleiben. Auch wird durch diese Unterwerfung die weitere Beruhigung der Kolonie die größten Fortschritte machen und alle guten Aussichten auf ein Aufblühen der Kolonie mehren sich in jeder Weise. Sehr bedeutsam für die Entwickelung der Kolonie und ihren Wert ist vor allen Dingen die Tatsache, daß Kupfer und Zinn durch verhältnis­mäßig leichten Abbau in. sehr guter Qualität in Deutsch- Südwestafrika immer mehr gesunden wird, zwei _ Metalle, welche in der Industrie der ganzen Welt die größte Rolle spielen. Aber auch Viehzucht, Landbau, und Gewerbe werden in Deutsch-Südwestafrika unter der fleißigen Hand der deutschen Kolonisten und Kaufleute und unter der zielbewußten deutschen Kolonialverwaltung nach und nach emporblühen.

Ae »irren in Marokko.

Der Angriff des Generals Drude aus die Stellung der Marokkaner bei Taddert ist von vollem Erfolg gewesen. Es gelang, den Feind aus der Position, von der aus er daS französische Lager bei Casablanca so oft beunruhigte, gänzlich zu vertreiben.

Casablanca, 12. September. Bei dem gestrigen Bor- stoße gegen Taddert machte sich General Drude den herrschenden Nebel, sowie die Vorteile, die das Terrain bot, zunutze, um Taddert zu überraschen. Der Feind wurde zerstreut und aus der Flucht fortgesetzt von den Geschützen sowie von dem Kreuzer Moire", der sehr wirksam eingriff, beschossen. Die franzö­sischen Verluste betragen einen Toten und zehn Verwundete.

Paris, 12. Sept. Der Bericht des Generals Drude über die Ucberrumpelung des Kabylenlagers bei Taddert spricht nicht von Gefangenen, nur von erbeuteter Munition und zurück­gelassenen Pferden. Das Gros der Kabylen entkam; ihre Nachhut kämpste verzweifelt. Ein Hauptverdienst an dem Siege kommt der sranzösifchcn Ballonabteilung zu.

Paris, 12. Sept. Die Agcnce Havas meldet aus Casa­blanca : General Drude kündigte gestern abend an, daß er be­absichtige, Taddert anzugreifen. Um 6 Uhr brach eine Kolonne auf und erreichte um 7 Uhr das Gehöft Alveraz. Hier über­raschte sie die marokkanischen Vorposten und machte sie nieder, bevor sie Alarm schlagen konnten. Die zweite Kolonne mit General Drude und seinem Stäbe brach um 7 Uhr bei dichtem Nebel aus und vereinigte sich mit der ersten, woraus beide in gleich bleibendem Abstand den Marsch sortsetzten. Um 8 Uhr wurde Halt gemacht. Die MilKrie eröffnete ein heftiges Feuer aus das Lager, in dem sie große Verwüstungen an- richtete. Die Infanterie nahm den Marsch gegen die marokka­nischen Abteilungen, die von allen Seiten Zuzug erhielten, auf und warf sie von Hügelkette zu Hügelkette zurück. Die Artillerie nahm bald eine Stellung ein, die das ganze Feld beherrschte und feuerte ununterbrochen bis mittag. Die Infanterie rückte um 9 Uhr vormittags in Taddert ein. Die Artillerie ver­nichtete lange Züge von Feinden, die wertvolle Gegenstände mit sich führten. Die Truppen bezogen um 3 Uhr das Lager, nachdem sie unausgesetzt die Herren des Geländes gewesen waren.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 12. September 1907.

Die diesjährigen Kaisermanöver im östlichen Westfalen sind am Mittwoch vormittag wieder zu Ende gegangen. Ihr Schlußakt spielte sich vor den Toren der alten Stadt Marburg ab. Die am Dienstag geschlagene Blaue Armee, das 7. (westfälische) Armeekorps, hatte an letzterem Tage gegen Abend feste Stellungen nördlich von Marburg, mit der Front nach Norden, eingenommen; ihr ziemlich gegenüber bei Pickelsheim u. s. ro., stand die siegreiche rote Armee, das 10. (hannoversche) Armeekorps. Am Mittwoch in aller frühe griff die rote Armee an und drängte denFeind" nach mehrstündigem Kamse auf beiden Flanken zurück. Zu einer eigentlichen Entscheidung kam es indessen nicht mehr, da der Kaiser, welcher mittlerweile aus Wilhelmshöhe mit dem Automobil wiederum im Manöver- gelände eingetroffen war, gegen 10 Uhr das ganze Manöver für beendigt erklären ließ. Er hielt die Kritik ab und kehrte dann nach Wilhelmshöhe zurück, wo auch die fürstlichen Manövergäste wieder eintrafen. Abends gab der Kaiser eine Tafel für die Fürstlichkeiten. Vom Kaiser sind anläßlich der diesjährigen großen Herbstmanöver zahlreiche Auszeichnungen verliehen worden; den Schwarzen Adlerorden erhielten die beiden obersten Führer in dem nun wieder beendigtenKrieg im Frieden", der kommandierende General des 10. Armeekorps, General der Kavallerie v. Stünzner und der kommandierende General des 7. Armeekorps, General der Kavallerie V. Bissing. Der Chef des Generalstabes der Armee, General v. Moltke, wurde durch Verleihung deS GroßkreuzeS zum Roten Adler- orden mit Eichenlaub und der Königl. Krone in besonderer Weise ausgezeichnet.

Zum Chef der mit dem 1. Oktober ins Leben tretenden neuen (6.) Armee-Inspektion in Berlin ist der kommandierende General deS 1. Armeekorps, v. d. Goltz, er­nannt worden. Ihm folgt im Kommando des 1. Armeekorps der Kommandierende General des 5. Armeekorps, General Kluck, nach.

DieDeutsch südwestafrikanische Zeitung" macht Meldung von der Bildung einer Reserve für Kamerun; sie schreibt:An Offiziere und Mannschaften der hiesigen Schutz­truppe ist die Anfrage ergangen, ob sie bereit seien, im Be­darfsfälle sich nach Kamerun überführen zu lasten, um dort für den Küstenschutz Verwendung zu finden. ES sollen zwei Kompagnien gebildet werden, von denen die eine in Swakop mund, dir andere in Lüderitzbucht stationiert bleibt. Der Anlaß zu dieser Anfrage ist nicht durch bestimmte kriegerische Vorfälle in Kamerun gegeben, man will nur für alle Fälle gesichert fein, damit, wenn die Kameruner Schutztruppe nach dem Innern vorgehen muß, die Küste nicht völlig von Militär entblößt