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Herzfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 107.
Dienstag, den 10. September
1007.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 4. September 1907.
Im Monat August b. JS. sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdschein« r
ant
a. entgeltli che:
2/8. dem Landwirt Georg Heuser in Lautenhausen, Kaufmann Julius Ehrhardt in Hersfeld, Königlichen Gymnasial-Oberlehrer Professor Dr. Stamm in HerSfeld, Kaufmann Heinrich Bolkenand in Friedewald, Königlichen Landmesser Dr. Overbeck in HerSfeld, Direktor Ernst Koch in Philippstal,
5/8.
7/8.
8/8. 14/8. 19/8.
20/8.
26/8.
27/8.
29/8.
30/8.
31/8.
Fleischermeister Ernst Gozian in Berka a/W., Materialienverwalier August Sperber in Philipps- thal,
Gastwirt Georg Bock in Heimboldshausen,
Bergmann Ernst Decker in HeimboldShausen, Rittergutsbesitzer Ernst Merkel in Heiligenroda bei Vacha,
Landwirt Georg Schmidt I. in Wölfershausen, Domänenpächter Rabe von Pappenheim zu Wil- Helmshof,
Gastwirt Jakob Ruhn in Niederaula, mit Gültigkeit vom 28/8. ab,
Bierbrauereibesitzer Jean Steinweg in Hersfeld, Königlichen Eisenbahn-Seeretair Paul Schlarb in HerSfeld,
Kaufmann Wilhelm Gies in HerSfeld,
Leutnant von Gorrissen in Hersfeld,
Maurermeister Heinrich Flurschütz in Berka a/W., mit Gültigkeit vom 1/9. ab,
am 31/8. dem Königlichen Hilfsjäger Kurz in Hersfeld,
„ „ „ „ Forstaufseher Abraham in UntergeiS,
„ „ „ „ Hegemeister Langerhans in Holzhetm,
„ „ „ „ Förster Kohl in Niederaula,
„ „ „ „ „ Kühnemuth zu ForsthauS
Falkenbach,
„ „ „ „ ,, Neuschäfer in Hattenbach,
„ „ „ „ Forstaufseher Müller in Niederaula,
„ „ „ „ Oberförster Kersting in Friedewald,
„ „ „ „ Förster Rohloff daselbst,
........ „ Uhl daselbst, „ „ „ „ „ Krause daselbst,
„ „ „ „ Forstaufseher Löwer daselbst,
b. TageSjagdscheine:
am 30/8. dem Gregor Volkemer in HerSfeld für den 2., 3. und 4. September d. JS.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 3. September 1907.
Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgeineindcn, welche meine Verfügung vom 5. Juli d. Js. I. 1. Nr. 4986 betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.
Ich sehe der nunmehrigen Erledigung innerhalb drei Tagen bestimmt entgegen.
I. 8133. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
am
7/8.
b. u n e dem Königlichen
14/8.
19/8.
23/8.
26/8
27/8.
31/8.
ntgeltlich e:
Oberförster Müller-Hillebrand in PhilippSthal,
Förster Breitenstein in Friedewald, „ Curth in Lautenhausen, „ Klotz zu ForsthauS Stöckig, Forstaufseher Göbel in Niederaula, „ Kranz in Kirchheim, Oberförster Cäsar in Hersfeld, Hegemeister Gute zu Forsthaus Sorga, „ Christ zu Forsthaus Wüst- feld,
Förster Andreas in WipperShain, „ Schaake in Unterhaun, „ Mainz in KerSpenhansen, „ Drusche! in Rotensee,
„ „ Kötzschke in HerSfeld,
Forstschutzgehülfen Diel in Landershausen, städtischen Hilfsjäger Hinke in Hersfeld, Königlichen ~
Forstaufseher Hahn in Hersfeld, „ Rühr in Bengendorf, Förster Buchmann in Obergeis, „ Schnepp in Obergeis, „ SchuppeliuS in Aua, Forstmeister Jordan in Hersfeld, Förster TeuSler zu ForsthausMöncheS, Hegemeister Wege in HerSfeld, Förster Buge in Heenes, „ Tunecke in GitterSdorf, „ Kaul in Biedebach, Hegemeister Nogatz in Gittersdorf,
Der Plan über die Errichtung oberirdischer Telegraphen- linicn an den Straßen von Asbach über Kohlhausen und Roßbach nach Kerspcnhausen und Hilperhausen liegt bei dem Postamte in Hersfeld vom 9. September 4 Wochen aus.
Cassel, 4. September 1907.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
nichtamtlicher Ceil.
NiistM-rle.
Ein Teil der deutschen Blätter läßt es sich angelegen sein, die selbstbewußte, starke, echt königliche Art unseres Kaisers, sich zu geben, dahin zu deuten, als stehe er dem deutschen Volke innerlich sremd, vielleicht sogar mit einer kühlen Geringschätzung gegenüber. Zwar hat der Glaube an diese Auffassung dank der ganz anders gearteten Persönlichkeit unseres Kaisers an Boden verloren, immerhin aber gefällt sich noch immer besonders die Sozialdemokratie darin, das Bild seines Wesens von diesem Gesichtspunkte aus zu zeichnen. Zwei Reden, die der Kaiser in letzter Zeit im Anschluß an die großen Kaiserparaden gehalten hat, sind recht geeignet, im Verein mit früheren Reden dazu beizutragen, dieses Märchen zu zerstören.
Wohl angeregt durch den glänzenden Verlauf der Paraden sowie durch das Zusammcnsciu mit der in unserem Heere und in unseren Kriegervereinen vereinigten Elite des deutschen Volkes,
der die große Ausgabe zufällt, in Stunden der Gefahr nicht mit Worten, sondern mit Leib und Leben das Vaterland zu schützen, hat der Kaiser sich in diesen Reden unmittelbarer und menschlich freier gegeben, als es sonst seine und anderer Herrscher Art ist. Dies gilt zunächst von der Rede in Tecklenburg, wo der Kaiser in Gegenwart der Kriegervereine der großm Verdienste der Männer gedachte, „die in der heißen Zeit deS Jahres 1870 die Kaiserkrone auS dem Feuer der Schlachtfelder gewonnen haben, und die mit dem großen Kaiser zusammen das Deutsche Reich wieder zusammengeschmiedet haben", und sie aufforderte, die Eindrücke der großen Zeit zu bewahren, sie aus jüngere Generationen zu übertragen, die KönigStreue und das Andenken an die Vergangenheit zu stärken, Vorbilder der Jugend zu sein und als ihre Vorbilder zu wirken. DaS sind Worte, aus denen sich ohne weiteres ergibt, wie hoch der Kaiser die Mitarbeit auch des gemeinen Soldaten an der Wiederausrichtung des Deutschen Reiches schätzt und wie weit er von einer einerseitigen Auffassung des Königtums von Gottes Gnaden entfernt ist, die ihm von Neidern und Nörglern nur zu gern nachgesagt wird.
Mit diesen hat sich der Kaiser in der zweiten, in Münster gehaltenen Rede auseinandergesetzt. Hier hat er offen ringe- standen, daß beabsichtigt und unbeabsichtigt ungerechte Angriffe ihm oft bitter weh getan hätten, daß er es aber als Christ für seine Pflicht gehalten habe, ihre Urheber milde zu beurteilen. Auch dieses Wort ist eine unmittelbare Widerlegung der Behauptung, daß der Kaiser nicht mit seinem Volke fühle und denke. Wäre das der Fall, so würde er nicht in dieser Weise nach einer gerechten Beurteilung seiner Persönlichkeit streben, sondern Lob und Tadel verachten, während doch gerade diese Worte beweisen, wie sehr der Kaiser den Wunsch und daS Bcdürsnis hat, van dem deutschen Volke verstanden und wiedergeliebt zu werden. Denn er fühlt sich eins mit ihm nicht nur aus der Jahrhunderte alten Zeit der HerrschertStigkcit seines Geschlechts, sondern eins durch die Bande deS Blutes und die Bande der Abstammung. Gerade der nationale Gedanke, der Stolz aus die deutsche Nationalität sind in dieser Rede mit einer Lebhaftigkeit zum Ausdruck gekommen, wie selten. Worte wie die, daß, wenn Bürger, Bauer und Arbeiter sich im Geiste der Versöhnlichkeit zusammentun und einheitlich in gleicher Treue und Liebe zum Vaterlande wirken, dann unser deutsches Volk der Granitblock sein werde, auf dem unser Herrgott seine Kultur werde in der Welt weiter aufbauen und vollenden können, sowie die Wiederholung des Dichterwortes „An deutschem Wesen wird einmal noch die Welt genesen" sind Bekundungen einer reinen Vaterlandsliebe, die jeder im Herzen tragen muß, der an die Zukunft seines Volkes glaubt und an ihm und mit ihm mit ganzer Kraft arbeiten will.
Es hätte etwaS in der Rede deS Kaisers gefehlt, hätte er nach alter Hohmzollernart nicht auch der sozialen Frage gedacht und die Armen und wirtschaftlich Schwachen seiner kaiserlichen -Fürsorge und seines kaiserlichen Schutzes versichert. Durch nichts hätte der Kaiser das ihm fälschlich nachgesagte Wort
Die Erbin.
Roman von I. d'Anin.
^Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Höre, Nellie," nahm jetzt Nell sanft das Wort, „wenn Du den Prinzen wirklich geliebt haben mürdest, dann würde ich Deinen Kummer begreifen. Aber da Du unsere Unter- redung mit Angelotti gehört hast, mußt Du Dir doch selber eingestehen, daß es sich bei dem Pnnzen keineswegs um Liebe handelte. Er glaubte Dich zu lieben, weil er Dich für reich hielt. Dann, seinen Irrtum einsehend, warb er um mich. Was beweinst Du also, mein Liebling? Höchstens den Traum Deiner Jugend und Deiner Einbildung, zu dem der Prinz Dir für wenige Tage seine Züge lieh. ES ist der Tranm aller, der in jedem Herzen schlummert, wohinein zufällig Don Cäsar hineinge^ogen wurde."
Nellie weinte noch immer leise vor sich hin. „Nie werde ich mich darüber trösten können," jammerte sie, „eS ist zu schwer!"
„Sage mir, Kindchen, waS ist denn so besonderes an diesem Prinzen, daß sein Andenken Dir die Zukunft trüben sollte? Hast Du ihn wirklich geliebt? Oder richtiger gesagt, was hast Du eigentlich an ihm geliebt, außer seiner schimmernden Apßenseite und dem Zauber seiner altherrlichen Abkunft?"
Leise wiegte Nell die Weinende in ihrem Arme hin und her. „Du leidest jetzt, und ich will nicht in Deinen Schmerz eingreisen. Binnen kurzem werden wir weiter darüber sprechen, und Du wirst die Dinge in einem sehr veränderten Lichte ansehen, wenn Deine Augen nicht mehr von Tränen getrübt sein werden."
Jetzt brach auch Nell ihrerseits in Weinen aus.
„Nellie, armes Kind, mir fällt plötzlich ein, daß ich am Ende gar an diesem deinem Schmerze schuld bin. Erinnerst Du Dich noch meiner Bitte an jenem Morgen beim Pincio? Du solltest mir versprechen, nichts von unserer finanziellen Lage merken zu lassen?"
„Allerdings, Du sagtest mir noch, Dein LebenSglück hinge davon ab."
„Dennoch," rief Nell aus, „würde ich es mit Deinem Schyierze nicht haben erkaufen wollen! Verzeih mir! Und befreie mich von den Gewissensbissen, an Deinem Kummer schuld zu sein!"
Nellie hatte sich aufrecht gesetzt. „Du brauchst Dir darüber keine Gewissensbisse zu machen, Nell, mir ist schon etwas leichter. Du magst recht haben. Es war ein Traum! Es ist die Entdeckung des Häßlichen da, wo ich die Schönheit zu finden glaubte. Und doch, wenn ich darüber nachdenke, muß ich mich immer wieder fragen, weshalb ich nicht auch um meiner selbst willen geliebt werden konnte, wie Du von Valgrand?"
Und nach einer Pause fuhr sie fort: „Tante Angelika weiß nichts von dem Vorgang in meinem Innern, wir wollen eS ihr auch lieber verschweigen."
„Weißt Du, was wir tun sollten?" sagte Nell mit überzeugendem Tone. „Jetzt wo die Tage noch kühl sind, laß uns nach Neapel gehen. In der Osterwoche kommen wir zurück und dann geht's heim nach Paris. Stelle Dir einmal vor, wie schön daS sein wird, auf der blauen Meeresflut Deinen Kummer einzuwiegen und zu begraben!"
„Aber," cntgegnctc Nestie, „was wird Valgrand dazu sagen?"
„Er wird sich freuen. Uebrigens reist er morgen nach PariS, wo er aller Wahrscheinlichkeit eine Woche ausgehalten werden wird. Er wird uns dann nachkommen und mit allem sehr zufrieden sein."
Inzwischen war es dunkel geworden und Francesco trat ein, um Licht zu machen.
„So, jetzt komm, mein Liebling, Du kannst doch nicht im Morgenrock zu Tisch erscheinen," sagte Nell, die Trauernde sanft nach sich ziehend.
„Nein, nein, Nell! Laß mich lieber allein. Ich kann doch nicht essen, mir ist daS Herz zu schwer."
Nell, der ein derartiger Kummer fremd war, wußte sich keinen Rat. Sollte sie die Zerknickte ihrem Schmerze überlassen? Sollte die Wnnde tropfenweise auSbluten? Die Vernunft riet davon ab. Für Nellie gab eS nur ein Mittel.
Sofort gegen den Gram ankämpsen, sich selbst überwinden, um den andern das vorhandene Leid geschickt zu verbergen.
„Höre, Nellie, das geht nicht. Tante würde sich beunruhigen, und schließlich verlangt es Deine Würde, nichts an Deinen Gewohnheiten zu ändern. Komm rasch, ich werde Dir helfen!"
Und sie zog die kaum Widerstrebende mit sich fort.
Das Mahl verlief wie gewöhnlich; Nellie, obwohl etwas blaß, hielt tapfer Stand unter dem Blick Tante Angelika-, die sich noch immer nicht von einer gewissen Besorgnis zu befreien vermochte.
Diesen Abend war Glaczkowicz der einzige Teegast in der Villa. Nell drückte er seine Freude über daS Glück, daß sein Schützling Rens gesunden, aus, das er vom ersten Augenblicke an für beide ersehnt hatte.
Im Lause des Abends schlug Nell Tante Angelika den Ausflug nach Neapel vor. Glaczkowicz unterstützte sie in diesem Pläne. Instinktiv fühlte er, daß eS sich in diesem Falle nicht um eine Laune handelte, sondern daß hier ein anderer, ernster Grund vorliegen müsse. DaS Fembleiben des Prinzen bei der Partie war ihm nicht entgangen. Außerdem hatte auch er von dem Besuche deS Kardinals in der Villa Ludovisi gehört, NellicS blasses Gesichtchen schien ihm die genügende ^Erklärung zu geben. Endlich gab Tante Angelika den Bitten der Nichten nach. Auch sie hatte im Grunde Italien ungern verlassen, ohne Neapel gesehen zu h'ben. So beschlossen die Damen am andern Tage abzu- reisen. Beim Abschied versprach der alte Pole, in Begleitung Herrn von ValgrandS die Damen am märchenhaften Golse wiederzuschen.
XX.
Am nächsten Morgen verließ die Baronin mit ihren Nichten Rom. Neapel nur im Borübergehen berührend, ließen sie sich in Posilippc in einem Hotel nieder, besten etagenfärmige Terrassen von Lorbeerbäumen überschattet bis zum MeereS- gestade herunterliefen.
Dort verbrachten sie acht wundervolle Tage bis zu der Ankunft von Valgrand. — Nell hatte Rom mit einem unbe-