unternahm, stieß aus eine starke marokkanische Reiterabteilung und trieb sie in die Flucht.
Casablanca, 1. September. Die Umgebung der Stadt ist anscheinend nicht mehr von Feinden besetzt. Die spanischen Truppen, die etwa 500 Dieter von dem Marrakesch- Tore entfernt an der Meeresküste lagern, gaben während der Nacht zahlreiche Schüsse aus eingeborene Marodeure ab. Ein Eingeborener, der aus Mzab zurückkehrte, gab an, die Stämme im Innern des Landes würden gegen ihren Willen von fanatisch gesinnten Eingeborenen, die sich durch frühere Ankäufe mit Waffen- und Munitionsvorräten versehen hätten, gezwungen, die Waffen zu ergreifen. Es mache sich jetzt bereits Mangel an Kriegsmaterial beinerkbar, da die Zufuhr infolge der Ueber« wachung durch die Kreuzer erschwert sei.
Casablanca, 1. September. Mulay lhafid fordert in einer Kundgebung die Eingeborenen aus, die Franzosen in Casablanca nicht anzugreisen, außer wenn sie in das Innere des Landes eindringen, empfiehlt ihnen, Mannschaften auszu- rststen, und verspricht, jedem Kavalleristen einen Sold von einem halben Duro und jedem Infanteristen einen solchen von einem Viertel Duro zu geben.
London, 2. September. Reuters Bureau meldet: Die Lage in Mazagan wird sich vermutlich in den nächsten Tagen kritisch gestalten. Im dortigen Zollhause lagern zwei Millionen Patronen, die Mulay Hafid ausgeliesert haben will, die Munition gehört der marokkanischen Regierung, aber da die Stadtbevölkerung zu Mulay Hafid hält, so möchte diese sie Mulay Hafid ausgeliesert sehen. Die französischen Behörden sind entschlossen, die Fortschaffung der Patronen mit Gewalt zu verhindern, und möchten sie an Bord eines Kriegsschiffes schaffen. Man befürchtet aber, daß ein derartiger Versuch zu Feindseligkeiten mit der Bevölkerung führen würde.
Casablanca, 3. September. Eine AusklärungsAbteilung verließ das Lager vorgestern um 1 Uhr nachmittags und stieß gegen 3 Uhr auf den Feind. Nachdem sie Verstärkungen erhalten hatte, brächte sie den Marokkanern große Verluste bei, in deren Gefolge, wie unbestätigte aber glaubhafte Gerüchte besagen, die Mahalla von Taddert zerstreut worden ist. Die Franzosen hatten fünf Tote, darunter einen Offizier.
W Soroinot in WM
Die barbarischen Zustände in Rußland dauern fort. In Odessa verunstaltete der Verband russischer Leute am Montag ein Pogrom, (Judenmetzelei) unter dem Vorwand, die tötliche Verunglückung eines Offiziers und dreier Polizisten beim Entladen einer Bombe rächen zu wollen. Die Raufbolde liefen durch alle Straßen, hierbei auf die Juden feuernd. 3 Juden wurden getötet, gegen 60 schwer und viele leicht verwundet; die Polizei verhielt sich charakteristischer Weise völlig passiv, sie ließ die Uebeltäter gewähren. In der Stadt herrscht natürlich große Panik.
Im Kreise Gluchow, Gouvernement Tschernikow, wurde aus dem Landgute des Generals Gukow dieser und fein Bruder, der ebenfalls im Generalrange steht, sowie dessen Sohn von Räubern ermordet.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 3. September 1907.
Se. Majestät d er Kaiser HHrte am Sonntag während der Fahrt von Münster nach Berlin "den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geh. Rats Dr. von Lucanns. Gestern nachmittag unternahm Se. Majestät eine Automobil- fahrt. Um 53/i Uhr empfing Allerhöchstderselbe eine Deputation des russischen Dragonerregiments Narwa, sodann den in Wien akkreditierten persischen Gesandten als außerordentlichen Botschafter behufs Notifizierung der Thronbesteigung des Schahs von Perfien und hierauf die hier eingetroffene abessinische Gesandtschaft. Um 6 Uhr fand im Weißen Saal des Königlichen Schlosses bei Sr. Majestät Paradetafel statt. Am Abend um 8 Uhr fand im Opernhause auf Allerhöchsten Befehl Theätre pare statt. Das Parkett füllten fast ganz die Offiziere der Gamison, die obern Ränge waren den Mannschaften eingeräumt. Im ersten Rang und in den Proszeniums- logen saßen neben der Generalität die hier anwesenden russischen, amerikanischen und englischen Offiziere, die Militärattaches, sowie die Mitglieder der persischen und abessinischen Gesandtschaften. Generalintendant von Hülsen geleitete den Kaiser in die große Hofloge, wo Se. Majestät zwischen den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar Platz nahm. Die anwesenden fürstlichen Herrschaften und die Herren der Umgebung folgten. Eröffnet wurde die Vorstellung mit Richard
Herrlich brach die Nacht an mit ihrem flimmernden Sternen- himmel, unter dem die Karawane wiederum durch die in tiefes Schweigen gehüllte Kampagna den Rückweg antrat. Von den schlafenden Feldern stieg würziger Dust auf und die grauen Steine der Appischen Straße und die Ausschaltungen des Grabmals der Cäcilia Metella hoben sich schaff am ties- blauen Nachthimmel ab.
Rens, dem Glaczkowicz seinen Platz überlassen hatte, saß Nell gegenüber. Nellie, die ihren Kummer nicht abzuschütteln vermocht hatte, litt schweigend, in sich gekehrt. Mrs. Black- House war von der rythmischen Bewegung deS Wagens geschaukelt, eingeschlasen. Glückselig tauchten Renäs und Nells Blicke ineinander. Von dem herrlichsten Rahmen umgeben, genossen sie schweigend in ihm ihre junge Liebe.
XVII.
Es schlug neun, alS beide Kusinen wiederum in der Villa Ludovisi eintrafen. Nellie klagte über Kopfweh und eilte, nachdem sie die Tante flüchtig umarmt, in ihr stilles Schlafzimmer.
Frau von Vemeul, die nichts von Nellies trüber Stimmung zu bemerken schien, hielt Nell durch ein Zeichen zurück. Tante Angelika war sichtlich erregt und fieberte ein wenig. Nell sah sie betroffen an.
«Was fehlt Dir, Tante? Bist Du krank?" fragte sie rasch und ängstlich.
«Ich bin froh, daß Ihr wieder hier seid. Lchne Dich noch gesprochen zu haben, hätte ich die Nacht kein Auge zugetan. Ich hatte einen seltsamen Besuch und weiß nicht recht, was ich davon halten soll.
„Erkläre dich, Tante", drängte Nell.
«Denke Dir, gegen drei Uhr wurde mir der Besuch des alten Kardinal Montecorvello in Begleitung Angelottis gemeldet. Der Kardinal ist unfähig zu gehen. Drei Männer mußten ihn von seinem Wagen hier in mein Zimmer tragen. Er spricht wenig französisch und Angelotti diente uns ' als Dolmetscher. Um es kurz zu machen, er hielt um Deine Hand an."
„Um meine Hand?" rief Nell bestürzt aus.
Strauß' Kriegsmarsch, bessen letzten Teil Fanfaren aus den oberen Proszeniumslogen begleiteten. Gegeben wurde sodann Viktor Hahns Festfpicl Ein Kaisertag in Nürnberg. Die Abfahrt deS Kaisers nach Wilhelmshasen erfolgte um 103/* Uhr vom Lehrter Bahnhof. — Heute Morgen 7 Uhr ist Se. Majestät der Kaiser in WilhelmShaven eingetroffen und hat Sich an Bord der Jacht Hohenzollern begeben, die um 8 Uhr bei starkem Südwestwind zur Flottenparade in See ging. Nach 9 Uhr Morgens ist die Kaiserjacht Hohen- zollern bei regnerischem Wetter aus der Höhe von Schilling eingetroffen. Die Flotte lag in Doppelkiellinie verankert.
Zwischen dem Kaiser und der W ö r m a n n - L i n i e sind die bisherigen Abmachungen aufgehoben worden; dafür hat Staatssekretär Dernburg, als Vertreter des Reichsfiskus, mit der Wörmann-Linie neue Verträge abgeschlossen, die das Landungswesen in der Lüderitzbucht und Swakopmund eingehend regeln. Der Fiskus verpflichtet sich darin, für die Dauer der Verträge die Beförderung sämtlicher in Lüderitzbucht und Swakopmund für seine Rechnung antommenben und abgehenden Personen, Tiere und Güter zwischen Schiff und Land der Wörmann-Linie zu übertragen. Beide Verträge endigen am 31. März 19< 9. Eine auf Wunsch der Regierung eintretende Verlängerung aus weitere sechs Monate, wozu dieser das Recht zusteht, kann sich nur auf beide Verträge gemeinsam erstrecken. Ueber alle Ansprüche, die sich aus bem- Vertragsverhältnis ergeben, soll unter Ausschluß des Rechtsweges ein Schiedsgericht entscheiden.
Der Branntweinverbrauch in Deutschland stellt sich nach den neuesten Ermittlungen auf durchschnittlich 3,8 Liter Alkohol auf den Kopf und Jahr. Bekanntlich hat sich der Branntweingenuß in Deutschland gegen früher beträchtlich vermindert. Dafür ist namentlich in Norddeutschland der Bierkonsum gestiegen. Dieser wird jetzt aus 120 Liter auf den Kopf unb Jahr veranschlagt. Zieht man in Betracht, daß außerdem bis gegen 8 Liter Wein aus den Kops jährlich in Deutschland getrunken werden, so ergibt sich ein ganz erheblicher Verbrauch von Alkohol. Nun wollen neuerdings die Aerzte gesunden haben, daß der regelmäßige Genuß von Kaffee und Tee viel nachteiliger für die Gesundheit sei als der Alkoholgenuß. Was den Teeverbrauch in Deutschland betrifft, so hat es damit freilich keine Gefahr; denn es kommen durchschnittlich nur 0,05 Kilogr. jährlich auf den Kopf der Bevölkerung. Verhältnismäßig groß dagegen ist bei uns der Verbrauch von Kaffee. Dieser stellt sich auf mehr als 3 Kilogr. jährlich auf den Kopf. Aber es scheint, als ob damit auch der Höhepunkt deS Verbrauchs bereits erreicht sei; denn in den letzten Jahren war eine Zunahme nicht mehr zu erkennen. Auch in Ab- stinentenkreisen, die früher lediglich gegen den Alkohol an- kämpften, bricht sich die Erkenntnis immer mehr Bahn, daß Tee und Bohnenkaffee auf die Dauer mindestens ebenso schädlich wirken wie der Alkohol unb daher als Ersatzgetränke aus- scheiden.
An Offiziere und MannfchastendcrSchutz- t r u p p e von Südwestafrika ist bie Anfrage ergangen, ob sie bereit feien, im Bedarfsfälle sich nach Kamerun übersühren zu lassen, um dort für den Küstenschutz Verwendung zu finden. Es sollen zwei Kompagnien gebildet werden, von denen die eine in Swakopmund, die andere in Lüderitzbucht stationiert bleibt. Der Anlaß zu dieser Anfrage ist nicht durch bestimmte kriegerische Vorfälle in Kamerun gegeben, man will nur für alle Möglichkeiten gesichert sein, damit, wenn die Kameruner Schutztruppe nach dem Innern vorgehen muß, die Küste nicht völlig vom Militär entblößt wird, und damit sich nicht die Gefahr einer Ausdehnung des Ausstandes hierdurch vergrößert.
In den Verhandlungen der Haager Friedenskonferenz über die Schiedsgerichtsfrage ist ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Am Montag nahm das Somite B der Schiedsgerichtskommission in zweiter Lesung das 1. Kapitel des Entwurfes für einen ständigen Schiedsgerichtshof an. Bei der Weiterberatung erklärten die Delegierten Belgiens, Brasiliens, Chinas, Griechenlands, Mexikos und Rumäniens, welche mit der geplanten Verteilung der Richter-Mandate nicht einverstanden sind, daß sie sich ihr Votum vorbehalten. Die Fortsetzung der Weiterberatung erfolgt am Donnerstag. Die Landkriegskommission vertagte sich auf Mittwoch behufs Beratung eines neuen französischen Vorschlages, die Behandlung neutraler Staatsangehörigen betreffend.
Im Hafen von Antwerpen dauert der Kamps der ausgesperrten Hafenarbeiter gegen die Arbeitswilligen, insbesondere die aus dem Ausland zugereisten, mit ungeschwächter Erbitterung fort. Ueber neue Ausschreitungen,, bei denen sich die Polizei wiederum sehr nachsichtig verhalten zu haben scheint, wird gemeldet: 230 deutsche Arbeiter, welche nachts in Gladbach ankamen, wurden am Bahnhof von Ausgefverrten tumultuarisch
„Um Deine, oder um die Nellies. Ich muß offen gestehen, daß ich in der Art, wie die Frage geschah, darüber im Unklaren geblieben bin. Zuerst glaubte ich allerdings, es handelt sich um Nellie, als der Kardinal von der Liebe seines Neffen zu der Dame im florentinischen Kostüm sprach, die ihn gänzlich bezaubert zu haben schien. Dann aber, als die Ver- mögenssrage in den Vordergrund trat und etwas von einem Ehekontratt — was weiß ich — habe ich die beiden nicht mehr verstanden. Da diese Angelegmheit mich nicht weiter angeht, so antwortete ich einsach, daß ich durch Angelottis Vermittelung Deinen diesbezüglichen Entschluß dem Kardinal unterbreiten würde, und daß sich jener dann für das Weitere an Deinen Vormund zu wenden haben werde."
Nell blieb in einiger Verlegenheit schweigend stehen. Die Aufmerksamkeiten, die der Prinz ihrer Kusine geschenkt hatte, waren ihr zwar nicht entgangen, sie hatte ihnen aber keine weitere Bedeutung beigelegt. Jetzt mußte sie sich eingestehen, daß der vorliegende Irrtum der guten Nellie möglicherweise Schmerz zufügen würde.
Der Tante Stimme riß sie aus ihrem Nachdenken.
„Ich wollte Dir daS nicht in Nellies Gegenwart sagen, da eS Dich persönlich betrifft."
„Das war auch gut, Tante Angelika, man muß es ihr fürs erste verschweigen. ES hat ja keinen Zweck."
„Was soll ich denn aber dem Kardinal in deinem Namen antworten ?"
„Etwas ganz Einfaches. Daß mir fein Neffe uicht ge- fällt, brauchen wir ihm nicht zu sagen; aber Du sollst jetzt als erste, noch vor Onkel Georg, eine große Neuigkeit erfahren. Ich habe mich heute mit Herrn von Valzrand verlobt."
„Geliebtes Kind", erwiderte Frau von Vernenil, ihre Nichte zärtlich umarmend, „nimm meinen Glückwunscy zu dieser Wahl, ich kann sie nur billigen."
Nach einem kurzen Schweigen sagte Nell: „Herr von Valgrand wollte morgen zu Dir kommen, aber ich habe ihn davon zurückgehalten/indem ich ihn bat, sich sofort nach Paris zu Onkel Georg zu begeben. Es ist mir sehr wichtig, daß er ihn sogleich spricht."
„DaS verstehe ich vollkommen, Kind. Also brauchen wir
empfangen. 50 Polizisten vermochten die Ankommenden vor einem Steinhagel nicht zu schützen. Die Menge begleitete die deutschen Arbeiter lärmend zu ihrem Logis. Diese erklärten unterwegs den Angreifern, sie seien über den Zweck des Engagements getäuscht worden und würden die Arbeit verweigern. Als nachts eine Gruppe von Engländern aus ihren Logier- dampfer zurückkehrte, wurden sie von Ausgesperrten mit Re- volverschüsfen angegriffen. Auch auf zwei anderen Dampfern wurden die Engländer beschossen. Die Polizei erwiderte die Schießerei, die unblutig verlies. Aus zwölf Schiffen zwangen Ausgesperrte die fremben Streikbrecher, die Arbeit einzustellen. Im übrigen wurden wiederum von den Streikenden Arbeits- Wagen umgestürzt und die Pferde davongejagt. Ein Wagen wurde in Brand gesetzt.
Der auch in U n g a r n, wie in dem benachbarten Oester - reich tobende N a t i o n a l i t ä t e n st r e i t hat sich in der ausblühenden Hasenstadt Fiumc wieder einmal durch Straßen- krawalle und blutige Zusammenstöße. zwischen magyarischen Einwohnern der Stadt und kroatischen Bewohnern des Nachbarortes Susak Lust gemacht. Hierbei ereignete es sich am Montag, daß beim Vorgehen des Militärs ein kroatischer Feldwebel aus der Reihe einer Militärpatrouille trat und für seine Landsleute Partei ergreifen wollte. Von einem anwesenden Offizier zur Ordnung gerufen, antwortete der Feldwebel in drohendem Tone. Daraus versetzte ihm der Offizier einen Säbelhieb und ließ ihn verhaften.
Aus Teheran wird die Ermordung des persischen Großvesirs gemeldet. Die Ermordung geschah unmittelbar vor dem Parlamentsgebäude. Er erhielt fünf Schüsse und starb sofort. Ferner wurden ein Soldat und ein Kosak getötet und ein Mitglied bei Versammlung wurde ins Bein geschossen. Einer der Mörder beging Selbstmord, ein zweiter wurde verhaftet, die übrigen entkamen. Der Mörder, der sich durch Selbstmord der Strafe entzogen hat, ist ein Geldwechsler namens Abbasalt und gehörte einer revolutionären Gesellschaft an. Er hat zuletzt in Baku gelebt.
Aus Provinz u. kachbargebiet.
* (Neuerungen im Drucksachenverkehr.) Auch im Drucksachenverkehr bringt die Einführung der Beschlüsse des Weltpostkongresses am 1. Oktober wichtige Neuerungen. Im inländischen Verkehr war es bisher bei Drucksachen zulässig, aus Weihnachts- und Neuhjahrskarten eine Widmung hinzuzu- fügen. Künftig darf der Absender auf Weihnachts- und Neujahrskarten außer seiner Adresse und seinem Titel gute Wünsche mit höchstens 5 Worten oder Buchstaben handschriftlich an« geben. Das Niederschreiben einer Widmung und die Beisügung einer Rechnung sollen nicht erlaubt sein. Aus den DrucksachenEl selbst kann künftig die Wohnung usw. des Empfängers handschriftlich oder auf mechanischem Wege angegeben und'anch abgeändert werden, eine Vorschrift, die es bisher im Inland nicht gab. Es war ferner bisher nur zulässig, gewisse Stellen einer Drucksache zu durchstreichen, um sie unleserlich zu machen; in Zukunft soll es allgemein erlaubt sein, einzelne Stellen zu streichen. Bei Preislisten war es schon bisher erlaubt, Preise usw. Handschriftlich beizusügen. In Zukunft dürfen auch Zahlen mit der Feder oder aus mechanischem Wege bei Offerten ergänzt oder berichtigt werden. In gedruckten Schiffsnachrichten können künftig außer der Angabe über die Abfahrt auch solche über die Ankunft und die Namen der Schiffe handschriftlich ergänzt werden. Ebenso kann in Nachrichten über die Absendung von Waren in Zukunft der Tag der Absendung handschriftlich bei-—1 gefügt werden. Als Drucksache werden künftig auch Karten befördert, die als Postkarte in irgend einer Sprache bezeichnet sind, wenn sie sonst den Vorschriften über Drucksachen entsprechen.
* Zur Flur- und Treppenbeleuchtung bei Dunkelheit sind Hauswirte verpflichtet. Vielfach herrscht die Meinung, daß die Beleuchtung erst vom 1. Oktober ab zu beginnen habe. Diese Ansicht ist falsch, denn schon jetzt ist es in den meisten Häusern um 8 Uhr und noch früher dunkel, und muß deshalb Beleuchtung erfolgen. Zuwiderhandelnde werden bestraft und sind außerdem noch für alle entstehenden Unglückssälle haftbar.
* Um Schülerselb st morden vorzubeugen oder sie seltener zu machen, hat das Kultusministerium ein Rundschreiben in Erwägung gezogen, das den Schulvorständen und Lehrern zugestellt werden soll. Es wird in der Denkschrift aus das Steigen der jugendlichen Selbstmorde in Stadt und Land hingewiesen. Alle Kreise, die mit Schülern in Verbindung stehen, sollen sich dahin äußern, ob und durch welche Mittel dem Umsichgreifen dieses Uebels vorgebeugt werden kann. Als Motive kämen hier in Betracht: Schlechtes Zeugnis, gekränkter
nur an Angelotti zu schreiben, um damit eine nochmalige Unterredung zu vermeiden."
Nell zögerte einen Moment.
„ Vielleicht wäre es doch besser, ihm zu sagen, daß Du doch nicht so ganz sicher bist, welche von uns beiden der Kardinal gemeint hat. Schreibe lieber an Angelotti, daß er uns morgen um vier Uhr besuchen möge. Dann wird Nellie gerade zum Gartenfeste in der englischen Gesandtschaft weilen."
„Gehst Du nicht auch hin?"
„Nein, Tante, ich machte es mit Mrs. BlackhoUse aus, daß sie Nellie mitnehmen solle."
„Gut, Kind. Jetzt ist es aber spät geworden und wir wollen zur Ruhe gehen. Ich bin total hin von der Ausregung."
(Fortsetzung folgt.)
— München, 3. September. Gestern abend begingen ein 23jähriger Tischler und seine Geliebte, eine 16jährige Näherin, auf offener Straße Selbstmord. Der Mann war sofort tot. Der Zustand des Mädchens, das ihr Geliebter mit ihrer Einwilligung in den Mund schoß, ist nicht lebens- gesährlich.
— (Die Rache der gestohlenen Gans.) Einem Bauern in einem Taunusorte wurde im Herbst eine Gans gestohlen. Der Dieb hatte dieselbe in sicherem Gewahrsam gehalten, in dem sie Eier legte, aus denen elf schöne Gänslein entschlüpften. Nach langer Zeit entschloß sich der Dieb, die Gänfesamilie ins Gras zu treiben. Die Gans, die zum erstenmal feit ihrer Gefangenschaft die Freiheit genoß, verließ abends die Weide, lenkte aber ihre Schritte nach dem Hose ihres früheren Besitzers und langte dort glücklich mit ihrer Brut an. Der Bauer, voll Freude über das unerwartete Wiedersehen und voll Verwunderung über den stattlichen Zuwachs, konnte unschwer den Zusammenhang erraten und den Täter auskundschaften. Der ganze Ort lachte den Dieb aus, der natürlich keine Miene machte, die GanS und die GänSlein, die er wochenlang gehegt und gepflegt hatte, zurück zu werlangen,