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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 104.
Dienstag, den 3. September
1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 30. August 1907.
Die am 22. d. Mts. erfolgte Wiederwahl des Bürgermeisters George Croll in Gittersdors als solcher sür einen am 18. September d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum ist von mir bestätigt worden.
A. 3771. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 29. August 1907.
An der Elektrischen Lehr- und Untersuchungsanstalt des Physikalischen Vereins in Frankfurt a/M. findet in der Woche vom 23. bis 28. September d. Js. ein Unterrichtskursus statt, welcher dazu dienen soll, die beteiligten Beamten und Berufskreise mit den maßgebenden Gesichtspunkten über Anlage und Prüfung von Blitzableitern vertraut zu machen. Anmeldungen sind möglichst frühzeitig an das Sekretariat der Elektrischen Lehranstalt des Physikalischen Vereins Frankfurt a/M. Ketten- hosweg 132/144 zu richten.
I 7711. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
In Kaiser in StMnrg.
Das westfälische Bergstädtchen Tecklenburg hatte sich heute zu Ehren der Ankunft des Kaisers aus Anlaß der 200jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft zu Preußen mit Fahnen und Ehrenpforten reich geschmückt. Aus der Chaussee, die den Berg hinanführt, bildeten Vereine und Schulen Spalier. Das Wetter war sehr schön. Der Kaiser, begleitet von dem Kronprinzen, den Prinzen Eitel-Friedrich und Oskar, in kleiner Generals- uniform, traf im Automobil über Greven, Ladbergen und Lengerich um 11 Uhr vormittags ein. Aus dem zweiten Burghof der Schloßruine begann die Huldigungsfeier, nachdem der Kaiser unter das Ehrenzelt getreten war. Landrat Bellie hielt eine Anrede an den Kaiser, in der er ausführte, die Bewohner der Grasschast sprächen ihren Dank aus und entböten dem Kaiser bei seinem Erscheinen den Willkommgruß. Als die Grasschast vor 200 Jahren an Preußen gekommen sei, sei sie bald inne geworden, welche Wohltat es für die Bewohner sei, Glieder eines kraftvollen mächtig emporstrebendcn, von starker Hand und zielbewußtem Willen gelenkten Staatswesens zu sein. Der Landrat schloß mit der Bitte um Annahme eines Ehren- trunks und einem Hoch aus den Monarchen. Der Kaiser ergriff den silbernen Pokal und hielt folgende Ansprache:
„Sie haben soeben im Namen der Grasschaft Tecklenburg die Gefühle der Treue und Dankbarkeit für das Haus, unter
Die Erbin.
Roman von I. d'Anin.
(Nachdruck verboten.) (Fortfetzung.)
„Was Donna Bianka betrifft, so war dieser Ball der reine Triumph für fiel Die ganze Männerwelt lag ihr zu Füßen und man hofft allgemein, daß dies ihr Wiedererscheinen in der Welt, den Anstoß, das Präludium zu einem weniger zurückgezogenen Leben werden wird. In Bezug auf die Damen Verneuil — nun, die haben Sie ja gesehen — Nellic war entzückend, und Nell ..."
„Nun?"
„Sehen Sie," nahm jetzt Ren6 von Valgrand das Ge^ spräch mit ernstem Ton aus, „der gestrige Ball hat mir im Innersten Klarheit verschafft. Ich liebe Fräulein von Verneuil. Bisher war ich über meine Gefühle für sie noch nicht so völlig im Reinen. Mir war, als liebte ich sie mehr mit der Vernunft, auch mit dem Herzen bis zn einem gewissen Grade natürlich, jetzt aber ist es anders. Ich sühle mich derart zu ihr hingezogen, daß ich unmöglich mehr gegen diese Neigung ankämpsen kann, die mein ganzes Sein erfaßt hat."
„Das wundert mich gar nicht," erwiderte ernst der Pole, „und weiter?"
„Wenn ich Nell jetzt ausgebe, laufe ich Gefahr, sie auf immer zu verlieren. Diesen Gedanken aber ertrage ich nicht mehr. Anderseits verlangt es meine Diplomatenkarriere, daß ich mich verheirate. Hierzu ist mir aber eine geistig hochstehende Frau von höchstem Werte, ja unerläßlich. Sie kennen ja das Diplomatenleben mit feinen Anforderungen, sagen Sie mir offen, ob ich so leicht eine passende Frau zir finden imstande sein werde, wie es Fräulein von Verneuil ist?"
„Gewiß nicht," antwortete Glaczkowicz einfach.
„Eine Fremde," fuhr Valgrand fort, „möchte ich nicht. Sie würde sich nicht gut für einen französischen Diplomaten eignen. Sie würde' höchstwahrscheinlich eine allzu ausgesprochene Persönlichkeit an den Tag legen, wie das fast immer der Fall ist, und dann fügen sie sich schwer in die fremden
dem Sie seit 200 Jahren stehen, ausgesprochen. Ich meinerseits spreche Ihnen am heutigen Tage meinen Glückwunsch aus. In dieser Feier und mit Ihnen zusammen danke ich Gott, daß er es also gefügt hat, daß wir die Feier in Frieden mit frohem Herzen miteinander begehen können. In Gedanken weilt heute auch meine Gemahlin, die Kaiserin, hier, die schmerzlich bewegt ist, am heutigen Tage nicht auch hier oben unter Ihnen weilen zu können. Als der hochselige König Friedrich Wilhelm IV. hier oben war und seine schönen, begeisterten Worte an die Tecklenburger richtete, war das Vaterland noch in seiner Entwicklung begriffen. Der große Wunsch, den Sie vorher in so poesievvller Weise geschildert haben, bewegte noch die Herzen aller Deutschen. Am heutigen Tage stehen wir vor vollendeten Tatsachen. Das kaiserliche Banner ist in deutschen Landen wieder nusgerichtet, und der germanische Aar schwebt über dem Reiche, seine Flügel ausbreitend. In ihm rufen die Germanen: Sub umbra alarum tuarum protege nos. Die hier versammelten Vereine, Kriegervereine und Veteranen, das sind die Männer gewesen, die in der heißen Zeit des Jahres 1870 die Kaiserkrone aus dem Feuer der Schlachtfelder gewonnen haben, und die mit dem großen Kaiser zusammen das Deutsche Reich wieder zusammengeschmiedet haben. An Ihnen ist es, die Eindrücke der großen Zeit zu bewahren, die Sie mit meinem Großvater erlebt haben, sie auf die jüngere Generation zu übertragen, in Dörfern und Städten, wo Sie sich auch befinden, die Königstreue und das Andenken an die Vergangenheit zu stärken, Hörbilder der Jugend zu sein und als ihre Vorbilder zu wirken. Den Pokal, gefüllt mit deutschem Wein, trinke ich aus das Wohl der Grasschast Tecklenburg mit dem Wunsche, daß Gottes Segen sie behüten möge, daß 'Lr mir Krast verleihen möge, auch fernerhin den Frieden zu bewahren, damit Sie ungestört Ihren Geschäften nachgehen können und mit dem Wunfch, wie König Friedrich Wilhelm I V. ihn aussprach, daß ihre Reinheit, Treue und hingebende Liebe auch fernerhin den Tecklenburgern bewahrt bleiben möge bis in alle Ewigkeit".
Der Kaiser leerte den Pokal, worauf der Landrat ein Hoch ausbrachte. Später erfreute sich der Monarch an der wundervollen Aussicht von der Ruine über Berg und Wald und trat sodann die Rückfahrt nach Münster über Brochterbeck, Dörenthe, Särbeck und Greven an, überall wie auf der Herfahrt von der Einwohnerschaft aufs herzlichste begrüßt, unter anderen auch von etwa 900Bergleuten ausGeorgsmarienhütteundJbbenbühren.
M ü n st e r i. W., 1. September. Hente morgen 10 Uhr fand aus dem Neuplatz beim Schloß unter strömendem Regen Feldgottesdienst in Gegenwart Seiner Majestät des Kaisers statt. Später besichtigte der Kaiser den Friedenssaal im Rathaus in Anwesenheit des Oberbürgermeisters und des Stadt- verordnetenvorstehers. Um llVa Uhr erfolgte die Abreise nach Berlin, wo der Kaiser gegen 8 Uhr eintrifft. Zur Ver- abschiedung aus dem Bahnhof waren der Kommandierende General Freiherr v. Bissing und Oberpräsident v. d. Recke erschienen.
Verhältnisse ein. Es würde dennoch stets und ständig der französische Sinn fehlen, das Verständnis für meine Mission. Die Fanzösinnen dagegen sind für daS eigene Vaterland er- zogen, das kosmopolitische Leben, die elegante Bohöme, die doch nun einmal einen Teil unseres fahrenden, halb Missionar-, halb Schauspielerlebens ausmacht, ist ihnen fremd. Was soll ich tun? Auf meinem Wege begegnet mir nun plötzlich eine Landsmännin, mir gleich an Geburt und Erziehung, mit Kenntnissen des AuslandeS begabt, wie geschaffen für einen Mann in meiner Stellung."
Zustimmend nickte Glaczkowicz, und als wolle er des jungen Mannes Ausführungen vervollständigen, sagte er: „Ein seltener Vogel allerdings."
„Nicht wahr, den darf ich nicht wieder fliegen lassen!" rief Rcnä aus.
„Besser, Sie stecken ihn in den Käfig!"
Nach einer Weile nahm Valgrand noch einmal das Wort, und rasch kam es über seine Lippen: „ES ist töricht von mir, mich meiner heutigen Gefühle vor Ihnen zu schämen, da ich Ihnen doch vor zwei Tagen meine Abreise ankündigte! — Die VermögenSsrage bleibt ja bestehen. Wenn aber die Tatsache auch heute die gleiche ist, so liegt der Unterschied darin, daß ich sie jetzt von einem andern Gesichtspunkte aus betrachte. Mit dem waS ich besitze und mit meinem Gehalt werden wir durchkommen. Ohne Glanz allerdings — aber anständig. Ich habe alles genau überdacht. Was daS gesellige Leben betrifft, so werden wir unS in Den bescheidensten Grenzen bewegen. Ich bin im Begriff, eine große Arbeit, die Geschichte der Diplomatie in Frankreich, zu beginnen, Wenn es not tut, so nehme ich einen Urlaub, um besser arbeiten zu können. In höchstens zwei Jahren hoffe ich damit fertig zu sein. Dann werde ich mich, anstatt mich länger aus den sehr angenehmen Posten in europäischen Gesandtschaften auszphalten, bei denen eine persönliche Auszeichnung schwierig ist, weil die Gelegenheit oft dazu fehlt, um irgend eine Stellung alS Minister außerhalb bewerben, bei der ich dann ein Arbeitsfeld zn finden hoffe, daS meinen Fähigkeiten entsprechen wird. Sie sehen also, um mich auS der Affäre zu ziehen, gibt es nichts Besseres für mich, als nach perfön-
Morris iinü Moreoga.
Mit dem Hottentottenführer Morenga hat sich, wie bekannt, jetzt Morris vereinigt, Der schon früher mit jenem gemeinsam unsern braven Truppen viel zu schaffen gemacht hat. Dos Generalstabswerk über den Hottentottenkrieg macht' über die beiden interessante Mitteilungen.
Die Nachricht, daß die beiden Morris mit ihrem gesamten Troß im Februar 1905 zu Morenga gestoßen waren und die Zahl der Hottentotten auf 500 bis 800 Gewehre gebracht hatten, während auch die Witbois sich mit ihnen zn vereinigen beabsichtigten, hatte Oberst Deimling veranlaßt, schon früher, als im Hauptquartier geplant, einen konzentrischen Angriff gegen den in Den Karrasbergen sitzenden Feind einzuleiten. Morenga hatte in seinem geschickten Feldzugsplan, bei dem die getrennt vorgehenden deutschen Abteilungen nacheinander vernichtet werden sollten, dem Morris die Aufgabe zugewiesen, mit einer Abteilung von etwa hundert Mann bei Garup Ausstellung zu nehmen und den Vormarsch der deutschen Abteilungen auf- zuhalten, bis er selbst die schwache Abteilung Kirchner vernichtet hätte und sich dann aus die andern werfen könnte. Daß Morris seine Ausgabe nicht erfüllte, wurde von entscheidender Bedeutung für den für Morenga so ungünstigen Ausgang dieses Kampfes. Morenga selbst siegte bei Aob über die Abteilung Kirchner — in diesem Gefecht am 10. März 1905 fiel der jüngere Morris —, aber der ältere Morris ließ sich von Hauptmann v. Koppy mit leichter Mühe aus seiner Stellung bei Garup treiben.
Hauptmann v. Koppy, der das Gelände aus eigenerAnschauung von früher her kannte und wußte, daß die vom Feinde besetzte Stellung i» Dir Fron, jast-wneinnchmbar war, beschloß, sobald der Feind gemeldet war, ihn mit der berittenen Abteilung zu umgehen. Während sich die Fußmannschaften der feindlichen Stellung gegenüber entwickelten, wurde die berittene Abteilung mit den Geschützen in westlicher Richtung gegen die Rückzugs- stratzc des Gegners entsandt. Kaum aber hatten die Hottentotten diese Bewegung erkannt, als sie bereits nach wenigen Schüssen ihre Stellung aufgaben und eiligst in der Richtung auf Narudas davonflohen. So konnte die deutsche Abteilung ihren Vormarsch fortsetzen, und am Vormittag des nächsten Tages traf sie ganz kurze Zeit vor Morenga in der Narudas- schlucht ein und konnte sich hier noch festjetzen, ehe der eiligst heranstürmende Feinde die Schlucht gewonnen und das sie umgebende klippenreiche, sehr günstige Gelände besetzt hatte. Morenga war durch die Schuld des Morris zu spät gekommen, und der nun folgende hartnäckige Kamps endete mit einer folgenschweren Niederlage der Hottentotten.
Nach dem Kampse herrschte unter den Führern große Uneinigkeit ; Morenga schob dem Morris die Schuld an der Niederlage zu, weil dieser seine Stellung bei Garup seiner Ansicht nach viel zu früh ausgegeben hätte, und die Folge dieser Streitigkeiten war, daß Morris sich mit seinen Leuten wieder von Morenga trennte und nach Den Oranjebergen zog. Ende lichem Wert zu streben. Und nun wagen Sie es noch, mir zu entgegnen, daß eine solche Liebesheirat nicht gleichzeitig die beste, vollkommenste Vernunstheirat zugleich ist.
Ueber das Antlitz Glaczkowiys ging ein Leuchten. „Um- armen Sie mich, mein Kind!" rief er, die Arme weit ausbreitend, „Sie werden das Glück erreichen, weil Sie es nicht verächtlich am Wege stehen ließen. Ja, das Glück! Wie oft denke ich über die Ursache nach, weshalb es dessen so wenig gibt auf Erden. Und immer wieder muß ich mir sagen, daß Frauen sowohl wie Männer es nicht mehr zu sehen imstande sind und darum zu kämpfen nicht mehr gewillt sind. Man opfert es untergeordneten Beweggründen. Und doch will anch das Glück erkauft sein. Und nur die werden es erlangen, die den Preis Dafür einznsetzen wissen."
Ein erleichterndes Schweigen war ein getreten. Jenes Glücksschweigen, von dem es heißt, daß unterdes ein Engel vorüberfliegt.
Aus der Straße lächelten Rosen, Nelken und Iris der Sonne entgegen, und die Wasserfläche deS Brunnen? glitzerte wie fließendes Silber.
„Werden Sie morgen mit nach Albano und Nenn zum Picknick gehen?" fragte Rene».
„Sicherlich. Die Zusommenkunst soll an dem Tor Gapene stattfinden. Wir werden sehr zahlreich sein. Sehe» Sie Die Damen heut noch?"
„Nein," antwortete Renä, „ich habe vor, morgen mit Fräulein Nell zu reden. Ich muß erst abwarten, ob sie mir dazu Gelegenheit geben wird. Jetzt sehne ich mich danach, die Angelegenheit so schnell wie möglich zn Ende zu bringen.“
Der Pole lächelte. „So, nun gehen Sie. Es ist 11 Uhr und ich ermatte den Besuch eines alten Archivisten, de. mir Papiere bringen soll. Bei ihrem Anblick würde er sich cinjchüchlcrn lassen!"
XVI.
Nell und Nellie erwachten mit dem Widerschein des strahlenden Sonnenscheins am wolkenlosen Himmel ihrer Herzen. Glücklich begaben sie sich in den Garten, während ^tathrine und FranceSco den Frühsiückskvrb füllten.