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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 103. Donnerstag, den 39. August 1907.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 27. August 1907.

Nach den Patenten wegen Besitznahme des vormaligen Kurfürstentums Hessen vom 3. Oktober 1866 (G. S. S. 594), der vormals Bayerischen Landesteile vom 12. Januar 1867 (G. S. S. 173) und der vormals Großherzoglich Hessischen Landesteile vom 12. Januar 1867 (G.. S. S. 137) in Ver­bindung mit dem Erlaß des Königlichen Ministeriums des Innern und der Polizei vom 8. Februar 1823 (Kamptz, Analen Bd. 7 S. 97) haben auch in den Gemeinden, in denen die Handhabung der Ortspolizei nicht einer besonderen Staatsbe­hörde oder einem besonderen Staatsbeamten übertragen ist, die Polizeiverwaltungen in ihrem Siegel den preußischen heraldischen Adler zu führen.

Soweit die Ortspolizeibehörden des Kreises z. Zt. noch ein anderes Siegel führen, ist ein vorschriftsmäßiges Siegel zu beschaffen.

I. 5379. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 26. August 1907.

Unter dem Schweinebestandc des Landwirts Georg Beier in Obergeis ist Rotlauffeuche ausgebrochen.

I. 7760. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

In den Orten Goßmannsrode, Reckerode und Rotterterode, sämtlich im Kreise Hersseld, sind Telegraphenanstalten mit Unfallmelbebienft und öffentlicher Fernsprechzelle in Wirksam­keit getreten.

Cassel, 22. August 1907.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hosfmann.

nichtamtlicher teil.

Sie mobernen HMklsmWe.

Ein im Verlage von B. G. Teubuer in Leipzig er­schienenes BüchleinGeschichte des Welthandels- von Dr. M. G. Schmidt gibt über den Anteil der einzelnen Großstaaten an dem Aufschwünge des modernen Handelsverkehrs interessante und lehrreiche Aufschlüsse.

Das verhältnismäßig geringste Vorwärtsschreiten hat Frank­reich gezeigt. So hat die Hochseeschiffahrt Frankreichs an dem Ausblühen der Welthandelsflotte nicht teilgenommen, sondern ist in den letzten Jahrzehnten fast zu vollkommenem Stillstand gelangt. Dagegen hat sich der englische Welthandel im letzten Jahrhundert in ganz einzigartiger Weise entfaltet. Englands

Die Erbin.

Roman von I. d'Anin.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Nell schaute mit geheimer Angst zu ihm aus. Auch sie war von der unwiderstehlichen Sucht ergriffen worden, an diesem Abend schön zu sein, um den letzten Widerstand, den sie von seiner Seite instinktiv fühlte, zu besiegen.

Herr von Valgrand seufzte tief auf, als schnüre ihm etwas den Hals zu. Sein Herz begann heftig zu schlagen, aber noch behielt die Vernunft den Sieg, er wollte nicht unter­liegen und daher mußte er seine Schiffe endgültig hinter sich verbrennen.

Es wird für lange Zeit die letzte Erinnerung sein, die ich von Rom mit mir nehme und die schönste"

Sie verlassen Rom?" fragte Nell etwas erblassend, ohne jedoch die innere Erregung zu verraten, die ihr das Herz zu- sammenschnürte.

In zwei Tagen. Ich begebe mich auf eine Studienreise."

Beide schwiegen und Nell sühlte sich plötzlich von einer unendlichen Traurigkeit eingehüllt. Sollte sie wirklich daS Spiel verloren haben? Mußte sie in der Jagd nach dem Glück unterliegen? Flog der Wnndervogel wieder davon, nachdem sie bereits seinen Zaubersang vernommen hatte? Und dennoch sühlte sie, daß Renv sie liebe. Sie war ihm nicht gleichgültig geblieben. Aber er wähnte sie arm und des Onkels Worte klangen warnend in ihr Ohr, als sie siegesgewiß für den Kamps um die Liebe eintrat. Fest entschlossen, ihn bis zu Ende zu führen, hob sie jetzt den Kopf. Herr von Valgrand schaute ihr tief in die Augen und sie senkte sie unter seinem Blicke, dessen Ausdruck sie verwirrte.

Der junge Diplomat sühlte seinen Widerstand schwinden. In NellS Schönheit lag an dem heutigen Abend etwas Weiches, Verführerisches, zugleich, als wirke der Blumendust, den ihre Nähe auSströmte, betäubend.

Was gedenken Sie denn mit all den Blumen anzufangen?" fragte er, sich zu ihr neigend.

Einfuhrhandel belief sich im Jahre 1904 auf einen Wert von 9,813 Milliarden Mark, während der Ausfuhrhandel 6,137 Milliarden betrug. Der Gesamthandel Großbritanniens be­wertete sich auf 15,950 Milliarden und machte infolgedessen 17 v. H. des gesamten Welthandels aus. In einsamer, uner­reichter Größe schreitet damit England an der Spitze sämt­licher Handelsmächte. Die britische Handelsflotte übertrifft mit einem Raumgehalt von fast 157a Mill. Registertonnen die deutsche trotz aller Anstrengungen unserer Schiffahrtsgesellschaften noch immer um das Fünffache. Immerhin sind doch um die Wende des Jahrhunderts Anzeichen deutlich geworden, als ob die unumschränkte Handelsherrschast der Briten in Zukunft gewisse Einbußen erleiden wird. Neben England sind in den letzten Jahrzehnten Deutschland und die amerikanische Union zu Industriestaaten ersten Ranges emporgestiegen. Immer schärfer haben sie den Wettbewerb mit dem Juselreiche aus­genommen und vielfach schon den britischen Handel gerade in den wichtigsten englischen Exportartikeln, den Baumwoll- und Eisenwaren, zur Seite gedrängt. Auch in der mächtigen Aus­dehnung der deutschen Hochseeschiffahrt und in der Vergröße­rung der deutschen Seemacht erblickt man jenseits des Kanals vielfach eine Beeinträchtigung britischer Interessen.

Auch die Vereinigten Staaten nahmen im 19. Jahrhundert einen Aufschwung, welcher der sich neu bildenden Dankeenation mit ihrem rastlosen Tätigkeitsdrang, ihrer verwegenen Unter­nehmungslust und ihrem kräftigen Selbständigkeitsgefühl ein ehrenvolles Zeugnis ausstellt. Die Einfuhr belief sich' im Jahre 1906 auf 4233 Millionen, die Ausfuhr auf 5847 Millionen Mark. Die letztere besteht in der Hauptsache noch heute aus Rohprodukten, unter denen die Erzeugnisse der Landwirtschaft den breitesten Raum einnehmen. Die Einsuhr- werte haben infolge der neueren amerikanischen Handelspolitik in der letzten Zeit einen ständigen und recht beträchtlichen Rückgang für die meisten europäischen Jndustrieartikel erfahren. Umgekehrt hat die amerikanische Industrie infolge des Hoch- schutzzollsystems einen Aufschwung genommen, der in einzelnen Zweigen als förmlich blendend zu bezeichnen ist. Das Ziel der Amerikaner, sich industriell vom Auslande unabhängig zu machen, ist zwar noch längst nicht erreicht, mit einem jährlichen Handelsumsatz von über 10 Milliarden sind uns indes die Amerikaner bereits dicht aus den Fersen, und bei den uner­schöpflichen Hülssquellen des Landes ist die Besorgnis be­rechtigt, daß sie uns in absehbarer Zeit überholen werden.

Immerhin hat doch aber Deutschland unter allen Handels­mächten verhältnismäßig die großartigste Entwicklung auszu- weisen. Nach der amtlichen Statistik ist der deutsche Spezialhandel, welcher im wesentlichen die Einfuhr der zum Konsum in Deutschland bestimmten Waren und die Ausjuhr der in Deutschland selbst hergestellten Produkte umfaßt, in den verflossenen 25 Jahren genau auf das Doppelte (von etwa 6 Milliarden Mark auf über 12 Milliarden Mark) angewachsen. Allein im letzten Jahrzehnt (18841904) ist. bet* deutsche Außenhandel von 7,3 Milliarden Mark aus 12,2 Milliarden

Verschenken will ich sie."

Werden Sie mir auch eine zum Abschied, zur Erinnerung geben?"

Ja, gewiß," antwortete das junge Mädchen mit zittern­der Stimme,wählen Sie, welche Sie wollen."

Nein, wählen Sie für mich. Oder doch nein, ich will lieber selbst diejenige in Ihrem Korbe suchen, die Ihnen am ähnlichsten ist."

Unter Rosen und Orchideen, Flieder, Veilchen, Farnkraut und Kamelien entdeckte Reno endlich einen Strauß wilder Zyklamen. Er nahm drei Blüten heraus und zögerte einen Augenblick. Dann ergriff er den ganzen Strauß.

Erlauben Sie mir, ihn zu behalten", sagte er,der Ge­danke, daß irgend ein anderer dieselbe Blume auS ihrer Hand erhalten sollte, ist mir unerträglich."

Nell fand nicht Zeit zu einer Antwort. Ein allgemeines, aus Erstaunen und Bewunderung gemischtes Schweigen war plötzlich in dem Salon eingetreten. In der Tür stand ein Weib. Etwas überrascht über den durch ihr Erscheinen ver­ursachten Eindruck, blieb sie gleichsam zögernd auf der Schwelle stehen.

Der Direktor der Villa sowie Glaczkowicz hatten sich er­hoben und eilten der Ankommenden mit einer tiefen Ver- neigung entgegen.

Prinzessin, welche Ehre, welche Ueberrajchung!" stammelte der Direktor, ihr ehrerbietig die Hand küssend.

Wer ist das?" fragte Nell.

Und irgend eine Stimme neben ihr antworteteEs ist die Prinzessin Corglione, Donna Bianka."

Ja, gewiß. Das war sie, die schöne Vision auS Sankt Peter. Jetzt erkannten sie Nell und Nellie, es war dasselbe Gesicht mit den sammetartigen Augen und den reinen Linien. Serafine hatte sie wahrlich schön gemacht.

Donna Bianka trug daS Brautkleid der Corglioncs, ein mit Silberlilien durchwehter Damast, der sie wie eine Strahlen- garbe umfloß. Das Kleid war alt und entstammte der schönen Florentiner-Epoche. Die Corglivnes waren mit den Monte- corvelloS gleichen Ursprungs. Die Corsage ließ Hals und Nacken frei; letzteren umrahmte ein wunderbarer Medici»

Mark, dem Gewichte nach um 60 v. H., dem Werte nach um 66 v. H. gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat der Spezial­handel Englands um 38 v. H., der der Bereinigten Staaten um 59 v. H., der Frankreichs um 28 v. H. und der Rußlands um 23 v. H. zugenommen. Die deutsche Handelsflotte ist in den letzten Jahrzehnten, was Zahl wie Raumgehalt angeht, ganz außerordentlich gestiegen. Während sich die TranSport- leistungsfähigkeit der Welthandelsflotte in den Jahren von 18951905 um 70 v. H., diejenige Englands um 47 v. H. vermehrt hat ist die Leistungsfähigkeit der deutschen Handels­flotte gleichzeitig von 37» Millionen auf 72/s Millionen Netto - tonnen, d. h. um 234 v. H., gestiegen. Der Anteil Deutsch­lands an der Welthandelsflotte betrug 187475 5,2 v. H.; bis 189495 erhöhte er sich aus 6,5 v. H. und stieg bis 190506 auf 9,9 v. H.

So ist Deutschland diejenige Großmacht, welche im letzten Jahrzehnt aus die günstigste Handelsentwickelung zurückblickt. Während es zur Zeit der Begründung des Reiches als Außen­handelsstaat an dritter, zeitweilig sogar an vierter Stelle stand, hat es sich heute in der Reihe der Welthandelsmächte den zweiten Platz erobert, auf dein es allerdings hinter Englands 16 Milliarden noch ganz erheblich zurücksteht.

At Wirren in Marokko.

Die energische Haltung, welche der in Marrakesch zum Sultan ausgerufene Mulay Hafid im Gegensatz zu seinem bisher regierenden Bruder vom ersten Augenblick seiner Schild­erhebung an eingenommen hat, läßt feine Autorität in den gegenwärtigen gefahrdroyenden Wirren, die über das Land hereingebrochen sind, mit iedem Tage sich fester konsolidieren. Daß die Stämme in Casablanca sich seit einigen Tagen völlig ruhig verhalten, findet jetzt darin seine Erklärung, daß Mulay Hafid ihnen den Befehl zugehen ließ, die Franzosen nicht vor seinem Eintreffen anzugreifen. Er fügte hinzu, daß er mit zahlreichen Truppen und mehreren Geschützen im Anmarsch sei. Bei dieser Lage der Dinge wird der französische Ober­befehlshaber aus seiner bisher beobachteten Defensive wohl oder übel doch sehr bald heraustteten müssen.

Paris, 27. August. Aus Casablanca wird ein stetiges Anwachsen der Mulay Hafidschen Marschkolonnen gemeldet. Die vom ehemaligen Kaid dieser Stadt Benlarbi gesitteten Beni Hassen seien zu den Hafidschen Hcerhaufen gestoßen. General Drude benutzt, um sich über die Bewegungen im Osten auf der Straße nach Rabat zu unterrichten, die frisch eingetroffenen Eingeborenen-Freiwilligen, während die Fremden­legionäre und Spahis das Gelände im Süden bis zum zwölf Kilometer von Casablanca entfernten Punkte Taddaett abzu- suchen haben. Dort wird das Hauptlagrr der Kabylen, mit denen Drude bisher zu tun hatte, vermutet. Dieses Lager mit seiner Hauptmacht nächtlich anzugreifen, lag bis gestern noch in Drudes Plan. Ob das jetzt noch ausführbar ist, ob Drude nicht fürchten muß, bei einem allzustarken Engagement

Gipürekragen. Sie trug keinerlei Schmuck, weder am Halse, noch auf der Taille, denn wie sie es bereits Angelotti gesagt, besaß sie nichts mehr. In ihrem Haar indes funkelte das Rubin-Diadem, dessen Strahlen einen Purpurschein auf ihre bleichen Wangen warfen.

Das Erscheinen der Prinzeffin glich einer Auferstehung. Es war die Auferstehung einer Epoche, eines Geschlechts, einer Welt. Es war nicht bloß ein Weib, das sich bort von Gelehrten und Künstlern umringt sah, nein, es war das Italien der Medici, das hier aufs neue lebendig geworden war.

Niemand fiel es ein, sich über diese Erscheinung zu wundern. Die Schönheit der Prinzessin erweckte in allen Anwesenden dieselben Gesühle, die ein Kunstwerk aus das Auge des Be­schauers Hervorrust.

Mit einem matten Lächeln ließ Bianka die Blicke umher- schweisen. Sehr bald begegnete sie denen NellS und Nellics, die fest auf sie gerichtet waren. Auch sie erkannte beide Mädchen.

Anfänglich zögerte sie. Welche von beiden mochte es wohl sein, der Don Cäsar sein besonderes Interesse entgegenbrachte? Welche war die Erbin? Obgleich verschieden, sahen sich die Cousinen dennoch vollkommen ähnlich.

Von dem Wunsche getrieben, die zukünftige Prinzessin Montecorvello kennen zu lernen, machte sie einige Schritte vorwärts.

Sie haben da sehr schöne Blumen, mein Fräulein," sagte sie, sich dem Flügel nähernd, auf dem der Korb stand und an den Nell sich leicht angelehnt hatte.

Und sich an Glaczkowicz wendend, fügte sie mit gewinnen­der Freundlichkeit hinzu:Würden Sie wohl die Güte haben, unS miteinander, bekannt zu machen?"

Nachdem die Vorstellung beendet, wendete sich Bianka wieder an Nell:ES war eine glückliche Eingebung, daß Sie gerade dies Kostüm wählten. ES macht nicht den Eindruck einer Verkleidung. Sie lieben wohl daS Echte, Wahre?" fetzte sie mit einem bedeutsamen Blick in die hellen Augen des jungen Mädchens hinzu.

Darf ich Ihnen eine der Blumen anbieten, Prinzeffin?" fragte Nell tief gerührt unter diesem Blicke, der von einer