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geriet wahrscheinlich infolge dieses Umstandes unter einen rasch dahersahrenden beladenen Futterwagen, dessen Räder über ihn hinwegrollten und ihn sowohl am Kops als auch in der Magen­gegend, wo die Eingeweide hervortraten, tödlich verletzten.

Cassel, 17. August. DasC. T." schreibt: Hiesige und auswärtige Blätter brachten kürzlich die Mitteilung, daß Schwälmer und Schwälmerinnen nach Wilhelmshöhe berufen würden um der Kaiserin die Schwälmer Nationaltänze vor- zufübren Diese Meldung ist, wie wir an zuständiger Stelle erfahren unrichtig. Dagegen habe die Kaiserin die Absicht gehabt ' die Schwalmgegend aufzusuchen, um die Vvlkssitten und Gebräuche näher fennen zu lernen, die Ausjührnng dieser Absicht jedoch aufs nächste Jahr verschoben.

Cassel, 16. Angust. In nicht geringen Schrecken wurde heute früh die Familie eines Obersörsters am Kaiserplatz ver­setzt, als sie die Entdeckung machte, daß ihr vier Monate altes Kind über Nacht spurlos verschwunden war. Das Bett des Kindes hatte in einem an der Straße zu ebener Erde gelegenen Zimmer gestanden, das Fenster war offen. Eine Meldung aus der Polizei klärte den Vorfall bald aus. In der Frühe war ein Eisenbahnbeamter im Tannemväldchcn einem Arbeiter begegnet, der ein nur mit einem Hemd bekleidetes Kind auf dem Arme trug. Die Sache kam dem Beamten verdächtig vor, er meldete sie einem Schutzmann, der den Arbeiter mit dem gestohlenen Kinde einholte. Der Kindesräuber ist ein vielfach vorbestrafter Gelegenheitsarbeiter.

Cassel, 19. August. Heute morgen V28 Uhr rückten die Batterien des hiesigen Feld-Artillerie-Regiments ins Manöver ab.

Philippsthal, 17. August. Der hiesigen Kirche stiftete Frau Christine Günther zu ihrem Gedächtnis ein wert­volles Chorfenster in reicher Teppichmalerei. Die schöne Arbeit wurde von der Glasmalerei Ferd. Müller, Hoflieferant, in Quedlinburg, ansgesührt. (R. Z.)

Aus der Rhön, 15. August. Die beiden Töchter des GetreidehändlerS Joseph Heß in Hollstadt lenkten das mit Pferden bespannte Fuhrwerk ihres Vaters vom Felde heimwärts. Aus der Straße nach Junkershausen scheuten die Pferde und gingen durch; die beiden Mädchen stürzten eine Höhe Böschung hinab und erlitten schwere Verletzungen.

Fritzlar, 15. August. Der acht Jahre alte Sohn des Gutsbesitzers Anton Seibel ging von hier mit noch mehreren Kameraden aus den an der Waberner Straße gelegenen Zimmerplatz, um dort eine Bestellung auszusühren. Um schneller dorthin zu gelangen, kletterten die Knaben über das Eisenge- länder der Ederbrücke und ließen sich an einer Telegraphen­stange, die au der letzteren angebracht ist, herunter. Hierbei verließen den jungen S. anscheinend die Kräfte. Er vermochte sich nicht mehr zu halten und stürzte aus beträchtlicher Höhe herab. Schwer verletzt wurde der Knabe in die elterliche Wohnung geschafft.

Gießen, 17. August. Ueber Gießener Originale plaudert anläßlich des Universitätsjubiläums ein Mitarbeiter der Darm- städter Zeitung. Eins der komischsten Männlein war das Kirchenrätchen E. Er war ein drolliger Seelsorger mit seinen typischen Reden, wenn er z. B. bei Hochzeiten immer versicherte: Ja, Ihr Leitcher, ich hab' e gut Lcimpfännche; ich hab' schon manch Pärche zusammengeleimt, und es hat gut gehakte!" Ein Kandidat brächte ihm einmal eine Probepredigt zur Durchsicht. Beim Durchlesen schüttelte das Kirchenrätchen bedenklich das Haupt, denn es kam ihm zu viel vom Teusel drin vor.Herr Kandidat!" versetzte er schließlich energisch, des Dciwelche, des Kerlche, des wolle wer emol streiche!" Nahm seinen Rotstist nnd strich jedesmal den Namen des Teufels aus. Sein Humor war um so überraschender, als er zu Hause in der Zucht einer wahren Xanthippe stand. Als sie ihn endlich durch den Tod erlöste und ihn ein Freund teilnehmend besuchte, empfing er ihn mit den schmunzelnden Worten:Fühlen Sie nichts, was für ein sanftes Lächeln jetzt hier im Hause weht?" Am klassischsten jedenfalls war feine Tröstung beim Begleiten eines Raubmörders, namens Heß, zur Hinrichtung. Nachdem er bei den: störrischen Sünder die ganze Kunst seiner Beredsamkeit vergebens ausgeboten hatte, redete er endlich eindringlich mit dem Zuspruch auf den Ver­brecher ein:No, Heß, jetzt tut mir de einzige Gefallen, laßt Euch köppen!"

Germcrode, 15. August. Ein 17jähriger Bursche von auswärts, der hier bei einem Schneidermeister in Arbeit steht, schoß im jugendlichen Uebermut mit einem Revolver nach einem Passanten. Der Schuß drang diesem in den Ober­schenkel, so daß der Getroffene sich sofort in ärztliche Behand­lung begeben mußte.

Frankfurt a. M., 17. August. Schwere Gewitter mit Hagelschlag haben in der näheren und weiteren Umgebung, im Taunus, Rhcingau, der Lahngegend, der Pfalz und im Odenwald großen Schaden angerichtet. In Hetzbach im Odenwald wurden 21 Schafe vom Blitz erschlagen. In Oberlustadt bcj Sermersheim stürzte ein Schuppen ein; mehrere Personen wurden schwer verletzt.

Bon» Eichsfeld, 14. August. Sonntag früh wurde in der neben dem Vorwerk Albrechtshausen bei Lindau n. H., der nördlichsten Grenze des Eichsfeldes, liegenden Wohnung des Schrankenwärters auf dessen in den 50er Jahren stehende Frau ein Mordversuch unternommen. Die Frau befand sich allein im Haus, da ihr Mann Nachtdienst in Wnlften hatte. Als sie früh morgens nach der Uhr sehen wollte, kam es ihr so vor, als ob jemand im Haus wäre. Bald darauf sah sie einen etwa 20 Jahre alten Mann vor sich stehen, der mit einem derben Knüppel ihr einen Hieb über den Kopf versetzte und sie dann weiter mit Stockschlägen bearbeitete. Die Frau setzte sich zur Wehr und lief, um ihr Leben zu retten, in ihrer Todes­angst zur Haustür, die verschlossen war. Der Unmensch ver­folgte sein Opfer und hieb weiter unbarmherzig auf die un­glückliche Frau ein. Schon ganz blutüberströmt gelang es ihr doch noch, zu öffnen und ins Freie zu gelangen, wo sie laut um Hilfe schrie. Der Täter, der offenbar einen Raubmord geplant hatte, flüchtete durch ein Fenster und verschwand im nahen Gehölz. Die Frau hat furchtbare Verletzungen im Ge­sicht und am Kopf davongetragen und dürste schwerlich mit dem Leben davonkommen. Der mutmaßliche Täter ist der Adoptivsohn der Uebersallcnen.

Wiesbaden, 16. August. Im Hoftheater wurde nach­mittag beim Reinigen eines Kessels der Maschinist Brück aus Dotzheim durch Einatmung giftiger Gase Plötzlich bewußtlos. Obwohl sofort von der Herbeigernseuen Sanitätswache Wicder- belebuugsversuchc unternommen wurden, konnte der inzwischen eingetroffene Arzt nur den Tod seststellen.

Souneberg, 17. August. Auf der Bahnstrecke Mönchen- roden-Sonneberg wurde gestern nachmittag ein Bahnarbeiter namens Höhn vom Blitz erschlagen, ein anderer Bahnarbeiter mürbe schwer verletzt. Mehrere Landleute, die mit Erntearbeiten beschäftigt waren, wurden vom Blitzschläge gelähmt.

Eisenach, 17. August. Wie die hiesigen Blätter melden, legte sich ein etwa 19jähriger Fabrikarbeiter aus Thal auf den Schienenstrang zwischen Eichrodt und Wutha, wo er um

Mitternacht von einem Zuge übersahren wurde. Das Motiv der Tat ist unbekannt.

Oberhausen, 17. August. Als gestern nachmittag die 22jährige Ehefrau des Italieners Francisco Francesco am Petrolenmherd beschäftigt war, explodierte letzterer. Die Frau, die ihr 10 Tage altes Kind auf dem Arme hatte, verbrannte. Auch das Kind erlitt Brandwunden, doch hofft man, es am Leben zu erhalten.

Heiligenstadt, 17. August. Das Eichsselder Tageblatt meldet: Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Nord­hausen wurde gestern nachmittag in Geislcben die Leiche der vor 10 Tagen an Typhus verstorbenen Frau Schaumburg wieder ausgegraben und durch die Kreisärzte von Heiligenstadt obduziert. Die Typhuskranke war von dem Kurpfuscher Aus­meier in Küllstedt, in völliger Unkenntnis über die Art und die Gesährlichkeit der Krankheit falsch behandelt worden. Gegen den Knrpsnscher ist das Strasverfahren eingeleitet worden.

Göttingen, 16. August. Vorgestern wurde der Bahn­wärter Jhlhardt aus der Strecke zwischen Northeim und Catlen- burg von einem Personenzuge übersahren und getötet. Der Getötete befand sich während der Dunkelheit auf einem Re- visionsgange.

Hannover, 17. August. Der Großkaufmann Weilz in Lüneburg, Oberleutnant der Reserve hat sich wegen verfehlter Spekulationen in Kaliwerten und Vermögensverlust von über 3/4 Millionen Mark erschossen.

vermischtes.

Hamburg, 16. August. Der Adjutant der 2, Abteilung des Feldartilleric-Regiments Nr. 45 in Bahrenfeld Leutnant Häselcr wurde in Krivitz (Mecklenburg), wo sich das Regiment zurzeit im Manöver befindet, beim Baden vom Blitz erschlagen.

Eine Kreuzotter verspeist hat nach der Erml. Ztg. im Gasthause zu Neu-Bartelsdorf bei Allenstein der Arbeiter Trojahn. Gn Eigenkätner kam mit einer in der Forst getöteten Kreuzotter in die Gaststube. Sofort erbot sich Trojahn, die Otter zu verspeisen. Man hielt dies für Rcnommisterei. Als er aber bei seiner Erklärung blieb, erbot sich der Gastwirt, für den Fall einer solchenSchweinevesper" dem Trojahn ein Achtel Bier zu geben. Gesagt, getan! In Gegenwart der Gäste häutete Trojahn die Kreuzotter ab, teilte sie in kleine Teile, die er dann ohne jede Zutaten in seinem Magen verschwinden ließ. Trohjahn hat sein Achtel Bier gewonnen und auch erhalten.

Die Leipziger Baufabrik vormals W. F. Wenck brennt seit dem vorigen Sonnabend abend. Die Ent- stehungsnrsache des Brandes ist unbekannt.

Ueber die Einkäufe, die der König v 0 n S i a m bei seinem Aufenthalt in Deutschland macht und wie der märchenhaft reiche Fürst dabei versährt, plaudert derBerl. Konfektionär": Der Besuch des Königs von Siam war zum großen Teil, man kann es ohne Uebertreibung sagen, ein Besuch der siamesischen Gäste im Kaufhaus des Westens am Witten- bergplatz. Am Samstag war der Bruder des Königs von Siam, Prinz Sampasat im Kaufhaus erschienen und hatte für zirka 15,000 Mark Spielwaren, Lederwaren, Bronze und andere Gegenstände gekauft. Der König selbst war zweimal dort und am Freitag von 11 Uhr mittags bis halb 7 Uhr abends. Interessant nach jeder Richtung hin waren die Einkäuse des Königs und der Königlichen Prinzen, denn sie gewähren gleich­zeitig einen wertvollen Blick aus das Kulturniveau des siame­sischen Hofes. Neben der Fragewas der König gekauft hat", interessiert auch die Fragewie kaufte der König?" Wir können sagenschnell entschlossen." Der König suchte selbst aus und deutete mit dem Stock oder Finger auf die ihm gefallenden Waren, die dann sofort beiseite geräumt werden mußten. Ge­kauft haben der König und Prinz Sampasat in der Hauptsache folgende Artikel: Fächer, Lederwaren für 8000 Mark, Strümpfe für 9000 Mark, darunter verschiedene Paar mit echter Stickerei zu 250 Mark das Paar, abgepaßte Roben, Kleiderstoffe, letztere stets zwanzigmeterweise, Bronzen für zirka 10,000 Mark, künst­liche Blnmen für 18,000 Mark, seidene Teppiche für 12,000 Mark, Blusen, Handschuhe, Federboas, Spitzenkragen. Spiel­waren wurden für annähernd 20,000 Mark gekauft. Auch Papierwaren, Pompadours, Gürtel, Gürtelbänder und Damen­wäsche, sowie Kronen für elektrisches Licht hat der König sehr stark getauft. Damenwäsche allein für 910 000 Mark. Weiter wurden bestellt und getauft Sportartikel für Automobilsport, Wirtschastsartikel, Passcmcntcricn, sowie Regenmäntel für Herren und Damen nebst Knabenkonfektion. Wie wir hören, hat der Köuig für 126,000 Mark getauft. Während der Dejeuners, die der König im Damensalon an beiden Tagen einnahm, ließ er sich speziell die Blusen zwischen den einzelnen Gängen noch­mals vorzeigen. Zehn Probierdamen führten ihin abwechselnd die getauften Pieccn vor. Der König von Siam hat in Berlin auch noch andere Geschäfte ausgesucht und außerordentlich große Einkäufe gemacht. Bei den Hosjuwelieren Leonhard u. Ficgel taufte er für 900,000 Mark Juwelen, darunter zwei Corsages aus Brillanten, deren jedes allein zirka 350,000 Mark kostete. Nach zuverlässigen Informationen sind auf der jetzigen Tournee durch Europa mehrere Millionen für Juwelen ausgegeben worden. Während seines Aufenthalts in Baden-Baden hat der König von Siam dort bei der bekannten Juwelenfirma Koch für zirka eine halbe Million Juwelen eingetauft. Auch die Firma Gustav Lohse, Berlin, wurde vom König besucht. Wie wir hören, {liefert letztere Firma dem siamesischen Hof jährlich für ungefähr 300,000 Mark Parfümerien und Toiletteartikel.

München, 17. August, abends. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich heute mittag in Perlach in der Nähe von München. Ein mit drei Chauffeuren besetztes Automobil fuhr in vollem Laus an einen Baum an, sodaß die drei Insassen herausgeschleudert wurden, lebensgefährliche Verletzungen erlitten und bewußtlos liegen blieben. Zwei der Verwundeten sind wieder zum Bewußtsein gekommen.

(Verhängnisvolle Folgen eines Un­wetters.) Bei einem heftigen Gewittersturm stürzte in Oberlustadt am Oberrhein ein leerstehendes Holzgebände ein, in das sich zahlreiche Leute vor dem Unwetter geflüchtet hatten. Ein Kind wurde durch herabstürzende Balken getötet. Neun Personen, die unter den Trümmern begraben wurden, erlitten schwere Verletzungen,

(Was braucht eine Dame in London?) In den nächsten Tagen wird in Londou ein amerikanischer Gerichtsdelegierter eintreffen, um fcstzustellen, was eigentlich eine junge Dame braucht, um deu Ansprüchen der englischen Gesellschaft in einwandfreier Weise zu genügen. DaS New Imker VormnndschastSgericht ist es, das diese seltsame Studien­reise veranlaßt hat; man will ergründen, welche Summe eine junge Amerikanerin zur Verfügung haben muß, um anständig in London leben zu können. Denn waS die junge Ameri- kanerinnen im allgemeinen in Europa verbrauchen, kommt den Herren vom New Imker Vormundschaftsgericht wohl etwas

zu hoch vor. Ein englisches Blatt hat nun nach eingehenden Beratungen mit den sashionablen Modehäusern berechnet, welches Sümmchen ein junges Mädchen zur Verfügung haben muß, wenn sie ihre Eroberungskünste würdig entfalten will. 15 300 Mk. werden als eine mittlere Durchschnitssumme an­gesehen nur für die Ersordernisse der Toilette während einer Londoner Saison. Aber man kann nicht das ganze Jahr in London sein; die junge heiratsfähige Amerikanerin muß auch nach CoweS oder nach Goodwood gehen. Und das bedeutet wieder eine Extraausgabe für Toiletten und Zubehör, die mit 5200 Mk. nicht zu hoch augefetzt ist. Für kleine Aus­gaben, Taschengeld, Vergnügungeu und Geschenke wird man mindestens 16 000 Mk. für das Jahr in Rechnung stellen müssen. Mit rund 40 000 Mk. insgesamt kann eine junge Amerikanerin, die keine übertriebenen Ansprüche stellt, sich zur Not in London durchschlagen. Die schönen Töchter der Neuen Welt müssen also schon immerhin einiges anlegen, ehe die Bräutigamschau Aussicht auf Erfolg bietet. Findet sie dann einen Gemahl mit einem angemessenen Titel, so ändern sich diese Zahlen mit einem Schlage um ein Bedeutendes. Denn die verheiratete Frau, die in London ein Haus machen will, muß mindestens zwei Bälle und vier oder fünf Diners geben, will sie ihren gesellschaftlichen'Pflichten nachkommen. Rechnet man zu diesen nicht unerheblichen Kosten noch die Hausmiete, Toiletten usw., so ergicbt sich ein Budget von 226 000 Mk. Und dabei wird sie sich noch hüten müssen, besondere Lieb­habereien zu kultivieren . . .

Letzte Nachrichten.

Cassel, 18. August. Abends 8 Uhr fand im könig­lichen Theater aus allerhöchsten Befehl Theätre pare statt. Gegeben wurdeKrieg in Frieden" unter der Regie von Hertzer. Das Haus war mit Girlanden, frischem Eichengrün, Astern und Rosen über und über geschmückt. Im ersten Rang bemerkte man die Herren der österreichisch-ungarischen Botschaft, Staatssekretär v. Tschirschky, Kriegsminister v. Einem, den Chef des Zivilkabinetts. Während Hnsarentrompeter im oberen Range Fanfaren bliesen und das Publikum ein dreifaches Hoch ausbrachte, erschienen die Majestäten, vom Jndendanten Grasen Bylandt, geleitet, in der Hofloge. Der Kaiser trug die Uni­form der Posener Jäger, während die Kaiserin eine elfenbein­farbene Toilette trug. Neben dem Kaiser nahm der Fürst zu Schaumburg-Lippe Platz, neben der Kaiserin Herzog Albrecht von Württemberg und der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeny-Marich. Die Majestäten beteiligten sich lebhaft an dem Beifall des Publikums. In der Pause wurde Cercle abgehalten. ________

Tokio, 17. August. Am 15. d. Mts. brach aus dem Hamburger Dampser Wik auf der Höhe von Mikamoto Feuer aus; es erfolgte dann eine Explosion, bei der ein Leck in den Schiffsrumps gerissen wurde. Eine Person kam ums Leben, die übrigen an Bord befindlichen Personen wurden gerettet.

Paris, 18. August. Das Journal meldet aus Casa- b l a n c a : Die Spanier haben eine Position außerhalb der Stadt inne. Der Fregattenkapitän Lesquivit hat das Kommando der Stadt übernommen. Die Uneinigkeit der Stämme nimmt zu. Der Medjunastamm soll die Absicht haben, sich zu unter­werfe».

Dem Matin ivird aus San Sebastian berichtet, der Minister des Auswärtigen sei sehr optimistisch gestimmt. Er glaube an eine glatte Lösung der marokkanischen Frage. Die Nachrichten von Agitationen in den marokkanischen Häfen feien übertrieben. Demselben Blatt zufolge hat der französische Konsul in Casablanca in einem Interview geäußert, er glaube, wenn die Stämme den Angriff erneuern sollten, so würde dies ihre letzte Anstrengung sein; sie begännen bereits an Munition und Lebensmitteln Mangel zu leiden.

S t r a ß b u r g, 18. August. In der Nacht zum Sonntag erschoß sich Oberleutnant Ursell von dem 9. Husarenregiment.

Mailand, 18. August. Eine Touristengesellschaft, die aus drei Turiner Alpenfreunden und einer Dame namens Ada Costagna bestand, wurde bei der Besteigung des Roca Bernanda von einem Schneesturm überrascht. Die Dame erlag der Kälte. Eine Rettungsexpedition brächte den Männern Hilfe. Die Leiche der Dame wurde zu Tal geschafft.

Straß bürg, 18. August. Bon Hohencck in den Vogesen stürzte der Tourist Karl aus Straßburg ab; er war sofort tot.

Wien, 18. August. In Marburg verübte ein Winzer des deutschen Ritterordens Tuklavec aus furchtbare Weise Selbstmord. Er lud eine Wetterschießkanone und beugte sich beim Abfeuern über die Mündung. Er wurde vollkommmm zerrissen und der Kops vom Rumpf getrennt.

London, 19. August. Nach Blättermeldungen aus Tanger sind gestern nachmittag Nachrichten aus Fez eingetroffen, denen zufolge der Sultan plötzlich wahrscheinlich unter dem Einfluß einer aus Palastintriguen zurückzuführenden Furcht in einer Versammlung angesehener Männer erklärt habe, Frankreich habe seine rechtlichen Verpflichtungen überschritten und Marokko müsse gegen einen französischen Angriff geschützt werden. Die Vertreter jeder Notabelnklasse wollen bei den Mächten in Tanger gegen das Vorgehen Frankreichs protestieren.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschastsschnle).

Wettervoraussage, ausgegeben am 19 August 1907.

Morgen zunächst noch etwas Regen, später ausklärend, recht drehende Winde; am Tage etwa- wärmer.