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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 97»

Sonnabend, den 17» August

1907»

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 9. August 1907.

Die vom deutschen Flottenverein aus Anlaß des Aus- standes in Südwestasrika zur Verfügung gestellten Unter- stützungsgelder sollen einen besondern Fonds mit der Bezeich­nungSüdwestasrika-Fonds des deutschen Flottenvereins" bilden.

Die Uuterstützungsgesuche find an das Präsidium des deutschen Flottenvereins in Berlin direkt oder durch die Ortsgruppen zn richten, die in letzterem Falle die Anträge weitergeben.

Der Vorsitzende oder sein Stellvertreter, dem die Gesuche seitens des Präsidiums vorgelegt werden, überweist je nach der Zugehörigkeit des Teilnehmers an der Expedition die Anträge dem Reichs-Marine-Amt oder dem Oberkommando der Schntz- lruppen zur Aeußerung über die Bedürftigkeit und Würdigkeit des Bittstellers.

I. 6439. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 13. August 1907.

Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Ver­fügung vom 9. April d. Js. I. 3131, Kreisblatt Nr. 43, be­treffend Bekämpfung der Maikäferplage bis jetzt noch nicht er­ledigt haben, werden hieran erinnert.

Ich erwarte den erforderlichen Bericht bestimmt innerhalb 5 Tagen.

I. 7218. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 13. August 1907.

Unter dem Schweinebestande des Gastwirts Heyer in Biede- bach ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 7255. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 13. August 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Andreas Mohr zu Kathus ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 7258. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malens in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versehung der Geschäfte des verstorbenen König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 20. August im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 16. August 1907.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

ALnigliches Cantratsamt

Sprechstunde r Täglich von 913 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der Swinemünder Monarchenbegegnung ist die Zu- sammenkunst Kaiser Wilhelms mit König Eduard von England in Wilhelmshöhe auf dem Fuße gefolgt. Obwohl es sich auch bei dieser Zusammen­kunft um keinerlei konkrete Abmachungen handelt, ist ihre Be­deutung dennoch nicht zu unterschätzen. Die Bemühungen um eine Stärkung und Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England, die hüben wie drüben seit längerer Zeit schon im Gange sind und an weiten einfluß­reichen Volkskreisen ihre Träger finden, werden ohne Zweisel durch die Wilhelmshöher Begegnung eine Förderung ersahren. So heißen wir denn den Beherrscher des großen britischen Weltreiches, den Onkel unseres Kaisers, auf deutschem Boden herzlichst willkommen.

In der Berichtswoche waren auch zwei Jahrzehnte verflossen, seit Fürst Ferdinand von Bulgarien in Tirnowo den Eid auf die Verfassung geleistet hat. Mit Bcsriedigung kann der Fürst bei einem Rückblick aus den vergangenen Zsit- abschnitt seiner Regierung seststellen, daß sich sowohl die inter­nationale Stellung wie die innern Verhältnisse Bulgariens sehr zum Bessern gewandelt haben. Auch die Beziehungen Deutsch­lands zu Bulgarien haben sich unter der Regierung des Fürsten Ferdinand sowohl in wirtschaftlicher wie politischer Hinsicht allmählich immer lebhafter und freundlicher gestaltet. Wir knüpfen daher an daS Jubiläum auf Bulgariens Thron den

Wunsch, daß es dem Fürsten Ferdinand gelingen möge, sein Volk zu immer höhern Stusen des Wohlstandes und der Kul­tur cmporzusühren, und daß Bulgarien sich auch weiterhin als ein wertvoller Faktor des Friedens und der Ruhe aus der Balkanhalbinsel bewähren möge.

Auch von einem größern Streik haben wir wieder zu be­richten, wann wäre dies in der Gegenwart wohl anders, und zwar ist diesmal Amerika an der Reihe. Nachdem vorerst nur die Telegraphisten in Chicago gestreikt hatten, ist nunmehr der General streik allerTelegraphistenKanadas und der Vereinigten Staaten verkündigt worden, so daß der Nachrichtendienst der Presse im ganzen Lande sowie nach dem Auslande lahmgelegt ist. Die Telegraphisten ver­langen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit. In Nordamerika ist wohl die Post staatlich, nicht aber der Telegraphen- und Telephonverkehr. Dieser liegt vielmehr ganz in den Händen von Privatgesellschaften. Die Gefahr der Lahmlegung dieses wichtigen Verkehrszweiges durch einen Streik ist deshalb drüben sortdauernd vorhanden. Unwillkürlich wird man sich bei dieser Gelegenheit der Vorteile bewußt, die das deutsche System der Verstaatlichung deS gesamten Verkehrswesens mit sich bringt. Staatsbeamte streiken denn doch so leicht nicht und besonders nicht, so lange sie sich unter einem Regime wissen, das Wohl­wollen mit eiserner Disziplin zu paaren weiß. Ein solches Regime aber haben wir Gott sei Dank in Preußen-Deutschland.

Die Tage der Haager Friedens-Konserenz neigen sich nun auch allmählich ihrem Ende zu. Fast drängt sich einem angesichts ihres Verlaufes die Erinnerung an das biblische Wort auf:Sie gedachten es böse mit mir zu machen, Gott aber hat es gut gemacht." Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß starke Kräfte tätig waren, die Haager Konferenz zu Verdächtigungen der Friedensliebe Deutschlands und zu unserer Isolierung auszunutzen. Und was ist der Erfolg dieser Bestrebungen? Ein völlig negativer. Soweit tatsächliche Ergeb­nisse für die Humanisierung des Krieges von der Konferenz erzielt worden sind, sind diese Ergebnisse in erster Linie der tatkräftigen Mitwirkung Deutschlands zu danken, ja, man tut nicht unrecht, wenn man unserm Delegierten Freiherrn von Marschall die geistig führende und beherrschende Rolle auf der Konsereuz zumeist. So dürfen wir mit lebhafter Genugtuung aus den Verlauf der Haager Friedenskonferenz zurückblicken. Auch sie ist ein Glied in der Reihe der Momente geworden, die dank der besonnenen und weitblickenden Staatskunst von Kaiser und Kanzler zur Erhöhung des Glanzes und der Festig­keit unserer Weltmachtstellung dienen.

Ser $tM Ach AmA in Wiihelmshiiht.

Mit dreistündiger Verspätung gegenüber den vorgesehenen Dispositionen für die Ankunft traf König Eduard am Mittwoch nachmittag Vi2 Uhr auf dem Bahnhöfe Wilhelmshöhe ein, wo ihn fein kaiserlicher Gastgeber und Neffe erwartete. Die Monarchen begrüßten sich aufs herzlichste. Nach Erledigung der üblichen Empsangszeremonien fuhren die beiden Herrscher nach Schloß Wilhelmshöhe; während der Fahrt bildeten die Truppen der Garnison Kassel und der benachbarten Garnisonen, sowie Korporationen, Kriegervereine und Schulen Spalier.

Bei der Ankunft im Schloß Wilhelmshöhe wurde der König von England von der Kaiserin begrüßt. Ihre Majestät wohnte dann mit den Monarchen dem Vorbeimarsch der Truppen bei; ebenso Prinzessin Viktoria Luise, Fürst Hohenlohe-Langenburg, und sämtliche Damen und Herren der Umgebungen. Hieraus nahmen der Kaiser und die Kaiserin mit dem König, den eng­lischen Herren des Gefolges und den Herren des Ehrendienstes das Frühstück ein. Um 4Va Uhr machten die Majestäten mit sämtlichen Herren der Umgebungen einen Ansflug nach Schloß WilhelmSthal in Automobilen. In Wilhelmsthal wurde der Tee genommen. Die beiden Majestäten und sämtliche Herren trugen Zivil. Im ersten Automobil hatten Platz genommen der Kaiser, der König und Reichskanzler Fürst Bülow, im zweiten die Kaiserin nnd der kommandierende General Herzog Albrecht von Württemberg, das Publikum begrüßte die Maje­stäten allenthalben auf das herzlichste. Nach dem Thee in Schloß Wilhelmsthal besichtigten die Majestäten das Gestüt in Beberbeck und kehrten nach Schloß Wilhelmshöhe zurück, wo sie gegen 8 Uhr cintrasen.

Abends um 9 Uhr fand bei Ihren Majestäten auf Schloß Wilhelmshöhe eine Tafel statt.

Während der Abendtafel brächte Se. Majestät Kaiser Wilhelm folgenden Trinkspruch aus:

Ich bitte Euer Majestät, der Kaiserin und meinen wärmsten Dank entgegennehmen zu wollen für den freundlichen Besuch, den Euer Majestät unS beiden gemacht haben. Ich erblicke in diesem Besuch den Ausdruck der verwandtschaftlichen und freund­schaftlichen Gefühle, die Euer Majestät hegen für die Kaiserin, für mich und mein Haus, Gefühle, die begründet sind in den alten Beziehungen zwischen unsern Häusern von langer Zeit her, und die in unserer Zeit ihren Ausdruck gesunden haben, als wir gemeinsames Leid trugen an den Särgen meiner lieben Eltern und an der Bahre der großen Königin, meiner Groß­mutter. Zu gleicher Zeit aber erblicke ich in Encrcr MajGtät den Vertreter deS großen englischen Volkes und in Euerer

Majestät Besuch den Ausdruck guter Beziehungen zwischen unseren beiden Völkern. Auf der Fahrt zum Schloß konnten Euer Majestät in den Augen der Bürger von Kassel und ihrer Kinder und später bei unserer Rundfahrt durch die schönen Fluren und stillen Wälder in den Gesichtern aller derer, welche die Ehre und Freude gehabt haben, Euer Majestät zu sehen, das Gefühl dankbarer Ehrerbietung für diesen Besuch lesen. Ich bitte Euer Majestät um h;* Erlau uns, mein Glas zu erheben aus br urohl Euer Majestät, Euer Majestät er­habenen Gemahlin der Königin, des gesamten großbritannischen Königshauses und Euer Majestät Volkes.

Se. Majestät König Eduard erwiderte auf den Trinkspruch des Kaisers mit folgendem Toast in deutscher Sprache:

Ich bitte Euer Majestät von ganzem Herzen meinen besten Dank aussprechen zu dürfen für die so gütigen und freunb- lichen Worte. Euer Majestät können versichert sein, daß es mir eine große Freude bereitet hat, zu diesem leider nur so sehr kurzen Besuch hierher zu kommen. Euer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin kann ich nicht genügend danken für den herzlichen Empfang, der mir geworden ist, für den Empfang von feiten der Armee Euer Majestät und von dem Volke, wie es uns in den Straßen begegnet ist. Euer Majestät wissen, daß es mein größter Wunsch ist, daß zwischen unseren beiden Ländern nur die besten und angenehmsten Beziehungen bestehen. Ich freue mich sehr, daß Eure Majestäten mich bald in England besuchen werden. Ich bin fest davon überzeugt, nicht nur meine Familie, sondern auch das ganze englische Volk werden Eure Majestäten mit der größten Freude em- psangen. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Eurer Maje­stäten.

Nach der Tasel hielten die Majestäten Cercle ab, und um 11 Uhr 30 Min. Abends reiste der König von Enoland von Station Wilhelmshöhe ab. Kaiser Wilhelm geleitete den König zur Bahn. Hierzu hatte der Kaiser wieder die englische Feldmarschallsuniform angelegt. Die Verabschiedung war überaus herzlich.

Schwalmer Tänzer vor der Kaiserin.

Als unser Kaiserpaar aus seiner Besitzung in Sabinen weilte, bereitete es ihm ein großes Vergnügen, die Pomehren- dorfer in ihren alten Volkstrachten und angestammten Tänzen als ihre Gäste bei sich zu sehen. Ein ähnliches Interesse bringen sie jetzt auch den heimatlichen Sitten der ländlichen Bevölkerung entgegen, die in der Nähe von Cassel sitzt und sich ganz be­sonders durch die eigenartigen Aeußeilichkeitcn ihrer Volksfeste auszeichnet. In diesen Tagen werden, wie wir der Morgenpost entnehmen, junge Söhne und Töchter aus dem Schwalmgrund bei Kassel in Wilhelmshöhe vor der Kaiserin erscheinen, die sie entbieten ließ, um sich die originellen Schwälmer Tänze vor- snhrcn zu lassen, für die sie schon bei ihrem vorjährigen Be­suche in der Schwalm das lebhafteste Interesse gewann. Der Schwälmer Tanz ist sehr wenig in weiteren Kreisen bekannt. Der bekannte treffliche Tondichter Johann Seroalter hat die Schwälmer Tänze in Wort und Weise in der Schwalm ge­sammelt und zum ersten Male herausgegeben. Wie Lewalter erzählt, wurden die Bauerntänze, Schwälmer genannt, schon vor vielen Jahren zu Fiedel und Schalmei in der Schwalm (Oberheffen) zur Kirmeszeit getanzt und sind in dem auf der Wiera und Willingshausen gelegenen Schwälmer Dorfe Wasen- berg noch jetzt sämtlich gang und gäbe. Ihre packenden Weism haben sich bei den Doiffpielleuten feit uralter Zeit erholten und sind niemals ausgeschrieben worden. Die Spielleute spielen sie daher nach Zigeunerart auswendig. Es gewährt einen herrlichen Anblick, wenn die Schwälmer Burschen und Mädchen in ihren bunten Trachten unter der Dorflinde nach den eigenartigen Tanzweisen sich drehen. Die Paare tanzen erst rechts, dann links herum, die Burschen oft auf einem Bein, am Schlüsse der einzelnen Teile stampsen sie zumeist mit dem Fuße auf; oder daS Mädchen dreht sich allein tanzend herum, während der Bursch, in die Hände klaschend, hinterher hüpft; oder daS Mädchen ersaßt daS von dem Burschen hochgehaltene rötlich- bunte Taschentuch und dreht sich unter seinem hochgehaltenen Arm; oder Bursch und Mädchen treten sich gegenüber, nähern sich einander unter malerisch auSfebenben Bewegungen und lassen dann einander wieder loS. Beim Schluß deS Tanzes stampfen alle. Paare wie auf einen Schlag heftig mit den Füßen auf. Sind die Burschen erst in Stimmung gekommen, so jauchzen sie. Die Ausführung des Schwälmer Tanzes ist wegen der damit verbundenen, durch das sehr schnelle Zeitmaß hervorgerusenen Anstrengungen schwer, so daß dieSchwälmer" auf der Kirmes nicht oft getanzt werden. Citier allemal, wenn ein echterSchwälmer" gespielt und getanzt wird, ist dies der Glanzpunkt deS Kirmeötages. DerSchwälmer" bat einen stark ausgeprägten Rhythmus, steht im Zweivierteltakt und be wegt sich nur in Durtonarten. Er besteht aus zwei bis drei Teilen, von denen jeder gewöhnlich acht Takte hat, wird sehr schnell gespielt und oft zwanzigmal wiederholt. ES sind im ganzen zehnSchwälmer", die uns Levalter überliefert hat, darunter natürlich auch die berühmtesten:Jnft Kermes zu Leßhäuse",Seng der da die Hosebengel",Zu Aeschcrod, zu Acjcherod" und 'Ich hab mich in die Kech verbeugt". In einem der Tänze kommt eine der größten musikalischen Selten-