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Hersseloer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 95. Dienstag, den 13. August 1907.
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 10. August 1907.
Die diesjährigen Herbstübungen der 22. Division finden zum Teil im Kreise Hersfeld (Wcrratal und Landecker Amt) statt. Wegen der bevorstehenden Einquartierung erhalten die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteber besondere Verfügung. Das Erforderliche ist hiernach sofort zu veranlassen.
ZurVerhütung von Unglücksfällen und Krankheiten sind ferner folgende Anordnungen aus das Strengste zu beachten. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher sind dafür verantwortlich, daß die erforderlichen Maßnahmen alsbald und ausreichend getroffen werden.
Die Ränder von Steinbrüchen, Kalk- und Lehmgruben, sowie von Steilabfällen sind abzuzäunen, oder durch schwarze Flaggen oder Tafeln kenntlich zu machen. Brückendecken und Geländer an öffentlichen Wegen sind in einen guten Zustand zu bringen.
Brunnen und Tränken, welche gesundheitsschädliches Wasser enthalten, sind zu verschließen oder mit einer entsprechenden auffälligen Bezeichnung zu versehen. Ueber das etwaige Auftreten ansteckender Krankheiten im Manövergebiet ist mir umgehender Bericht zu erstatten.
Während der Manöver sind beim Durchmarsch von Truppen durch Ortschaften längs der Dorsstraße möglichst viele große Gefäße mit Trinkwasser aufzustellen.
Zur Vermeidung von Flurschäden ist darauf hinzuwirken, daß das reife Getreide nach Möglichkeit rechtzeitig abgeerntet und eingefahren wird. Vorzugsweise zu schonende Ländereien (Forstkulturen, Zuckerrüben, Saatklee u. s. w.) — nicht aber auch alle gut bestandenen sonstigen Feldflächen — sind durch Tafeln oder durch Strohwische auf Stangen kenntlich zu machen. Aus Aufwendungen und Arbeiten, deren demnächstige Zerstörung durch Truppenübungen den Interessenten von vornherein bekannt sein mußte, kann ein Anspruch auf Schadloshaltung nicht hergeleitet werden. Ebensowenig wird derjenige Schaden aus Reichsmitteln ersetzt, welchen die Zuschauer erfahrungsgemäß verursachen.
Während der Zeit vom 5. bis 7. September (Brigademanöver der verstärkten 43. Infanterie-Brigade bei Berka a./Wcrra und im Ringau) und vom 16. bis 20. September (Divisionsmanöver zwischen Hünfeld und Berka) sind die dem Großherzogtum Sachsen-Weimar angehörenden Gendarmen befugt, auch im Kreise Hersseld Amtshandlungen vorzunehmen. I. 7058. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Ein- talcrstücke deutschen Gepräges. Vom 27. Juni 1907.
Aus Grund der Artikel 8, 15 Abf. 1 Ziffer 1 des Münz- gcsctzes vom 9. Juli 1873 (Reichs-Gesetzbl. S. 233) hat der Bundesrat die nachfolgenden Bestimmungen getroffen:
Die Erbin.
Roman von J. d'Anin.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
VIII.
Tags daraus befanden sich Tante und Nichten unter den Erstaugekommenen vor der von Angelotti angegebenen Türe. Von der Menge gedrängt, die sich mehr und mehr ansammelte, standen sie wartend auf den Stufen der Treppe. Endlich tat sich das Gitter aus und von dem Strome getragen, betraten sie das Innere der Basilika, in der noch Halbdunkel herrschte. Ersterbend fiel das matte Tageslicht auf die bunten Marmorfliesen. In dieser unbestimmten Beleuchtung enthüllte Sankt Peter, erfüllt von geheimnisvollem Rauschen gleich der Stimme des Ozeans, seine unendlichen Tiefen. Zu dieser Morgenstunde schien daS Hauptschiff von dem Atem der unzähligen Menge belebt, den EwigkeitShauch der Jahrhunderte und ihrer Geschlechter auszuströmen.
Angelotti erwartete die Damen an der angegebenen Türe im Innern der Basilika. In dem engen Anzug, mit dem Federhut und Kragen würden sie ihn kaum wiedererkannt haben. Er sah höchst stattlich aus und trug sein etwas theatralisches Kostüm mit einer Ungezwungenheit, die ihn gänzlich umwandelte. Rasch führte er seine Klientinnen zu der Beichtkapelle unter der großen Kuppel, unter der sich die erleuchteten Gräber der Apostel befanden. RingS herum waren Tribünen errichtet worden, zwischen denen herabgelassene Schnüre den leer gelassenen Raum für geladene Gäste bezeichneten.
Angelotti wieS Frau von Verneuil und ihren Nichten den ersten Rang an, in dem sie Platz nahmen. Nachdem er sich genügend davon überzeugt, daß den Damen weder das Opernglas noch der Boubonbcutel fehlte, um ohne Schwächeanfall der Zeremonie bis zum Ende folgen zu können, kehrte er aus feinen Posten zurück.
Immer stärker begann das Tageslicht die Basilika zu überfluten. Die Tribünen füllten sich, und im Schiff staute sich die Menge. Bald mußten die 50000 Seelen, von
§ 1. Die Eintalerstücke deutschen Gepräges gelten vom 1. Oktober 1907 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkte ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.
§ 2. Die Taler der im § 1 dieser Bekanntmachung bezeichneten Gattung werden bis zum 30. September 1908 bei den Reichs- und Landeskassen zu dem Wertverhältnisse von drei Mark gleich einem Taler sowohl in Zahlung als auch zurUm- wechslung angenommen.
§ 3. Die Verpflichtung zur Aunahme und zum Umtausche (§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendundg.
Berlin, den 27. Juni 1907.
Der Reichskanzler. J. V.: gez. Freiherr von Stengel. ♦ *
Hersseld, den 2. August 1907. Wird veröffentlicht.
I. 6930. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 12. August 1907.
Die Jagdordnung vom 15. Juli 1907 (G. S. S. 207) ist am 10. August in Kraft getreten. Für den Abschluß von Jagdpachtverträgen sind daher von diesem Zeitpunkte ab die neuen Bestimmungen maßgebend.
I. 7216. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 7. August 1907.
Ich habe die Königlichen Förster Uhl und Krause in Friedewald bis auf Weiteres mit der aushilssweisen Ausübung des Jagdschutzes in den Gemeindebezirken Friedewald und Herfa betraut.
I. 7076. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 12. August 1907.
An der Landwegestrecke Schenklengsseld-Friedewald im Orte Schenklengsfeld werden in der Zeit vom 12. bis einschließlich 16. August umfangreiche Pflasterarbeiten auSgeführt. Die bezeichnete Strecke wird für die genannte Zeit für jeglichen Fuhrverkehr gesperrt.
Während der Sperrung dieses Straßenteils ist der Landweg nach Oberlengsfeld und der hieran links abzweigende Feldwirtschaftsweg zu benutze».
I. 7219. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 9. August 1907.
An den Landstraßen und Landwegen sowie aus Gemeinde
denen Angelotti gesprochen, versammelt sein, um die Ankunft des hohen Greises zu begrüßen. Ohne jedwede Langeweile waren diese ersten zwei Wartestunden für Nell und Nellie verstrichen. Gespannt folgten sie den Vorbereitungen der Zeremonie und studierten dabei eifrig die bemerkenswerten oder bizarren Typen, die auf der gegenüberstehenden Tribüne wie ein malerisches Schauspiel vor ihnen austauchten.
Plötzlich wurde ihre Ausmerksamkeit durch die Ankunft einer jungen Frau, die in dem römischen Damenadel gegenüber Platz nahm, angezogen. Bei ihrer Ankunft hatte sich alles zürückgedrängt, um ihr freien Durchgang zu gewähren, und selbst alte Damen des höchsten Standes mit strengen, mürrischen Gesichtern bemühten sich, ihr ihre Ehrerbietung durch eine tiefe Verbeugung zu bekunden. Wenngleich ihr Anzug von gesuchtester Einfachheit war, soviel stand fest, es mußte sich bei dieser Frau um eine Persönlichkeit im sozialen und intellektuellen Sinne des Wortes handeln.
Voller Entzücken schauten Nell und Nellie zu ihr hinüber. Nie hatte ein schöneres Geschöpf ihren Blick gefesselt. Da sich die reizende Frau sofort auf die Knie geworfen, um in einem längerem Gebet zu verharren, konnten die Mädchen vorläufig nur den Kops und die Büste der Dame sehen. Das vollendet regelmäßige Gesicht mit den reinen Zügen schien wie aus Marmor, dessen Blässe es angenommen, gemeißelt. In langabfaHenbem Scheitel umrahmte das tiesschwarze Haar, das im Genick in einen hohen Knoten zusammengesteckt war, daS liebliche Antlitz. Die Mantille fiel wie ein Schleier über ihre schönen Schultern herab. Sie hatte die Augen gesenkt, und Nell und Nellie warteten sehnsüchtig, daß sie dieselben erheben möchte. Endlich schaute sie auf, doch ihr Blick wandte sich der strahlenden Krvpta zu. Von unten scholl jetzt der rythmische Lärm einer im Anmarsch befindlichen Truppe herauf, in der man Sporcngeklirr unterschied. Es war die Nobelgarde, die ihre Posten einnahm. Wie eine Hecke umgab sie Altar und Thron des erlauchten Pontisex. Bei dem Kn« blick der blitzenden Uniformen machte sich eine Bewegung auf den Tribünen bemerkbar, denn jede Dame hatte in dieser auserwähltcu Schar einen Verwandten oder Freund, mit dem sie einen Gruß oder ein Lächeln auSzutauschen hoffte.
plätzen (Angern) befinden sich Disteln, welche kurz vor dem Abblüheu stehen.
Nach § 1 der Polizeiverordnung des Herrn RegierungS- Präsidenten in Cassel vom 26. Mai 1905 A. III. 643 Amtsblatt Seite 129 soll das Abblühen aller Distelartm durch rechtzeitiges Abschneiden von dem Unterhaltungspslichtigen, Eigentümer, Nutznießer, Pächter oder Verwalter verhindert werden.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich um alS- baldige Veranlassung des hiernach Erforderlichen.
Nichtbefolgung der diesbezüglichen Aufforderung rc. ist nach § 2 ber vorbezeichneten Polizeiverordnung zu ahnden.
I. 7021. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
An der öffentlichen Volksschule zu Heringen a/Werra soll alsbald ein sechster Lehrer als Rektor angestellt werden.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1100 Mark, sowie 100 Mark persönliche Zulage, der Einheitssatz der Dienstalters- zulage 130 Mark, die Rektorzulage 600 Mark. Daneben wird freie Dienstwohnung oder eine Mietsentschädigung von 250 Mark gewährt.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 25. August d. Js. an den Königlichen Ortsschulinspettor — Herrn Pfarrer Martin zu Heringen — einreichen.
Hersfeld den 7. August 1907.
Der königliche Schulvorstand von Grunelius
I. 6957. Landrat.
nichtamtlicher Ceil.
3ur MmMbegWW in WelwWt.
Am 14. August wird der König Eduard von England zum Besuche des deutschen Kaisers und der kaiserlichen Familie aus Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel eintreffen, und eS kann keinem Zweisel unterliegen, daß dieser Besuch neben seinem verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Charakter auch eine politische Bedeutung hat, zumal auch der englische Staatssekretär des Auswärtigen, Mr. Hardinge, und der englische Botschafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, der Monarchenbegegnung in Wilhelmshöhe beiwohnen werden. Man darf überhaupt wohl an diesen Besuch des Königs von England bei dem deutschen Kaiser die Hoffnung knüpfen, daß die un« liebsame Periode der Mißverständnisse und Reibungen, wie sie jahrelang zwischen Deutschland und England bestanden hat, nunmehr ihr Ende gesunden hat, und die politischen Beziehungen zwischen England und Deutschland sich freundlicher und vertrauensvoller gestaltet haben. In England war die feindselige Strömung gegen Deutschland offenbar dadurch ent«
Von diesem Augenblick an kam Leben in die Reihen und die Mantillen wallten mit herausfordernder Grazie hin und her. Die Aufmerksamkeit der beiden Cousinen hatte sich von der schönen Römerin zu der Nobelgarde gewendet, unter denen die meisten vornehme Gestalten waren. Bald jedoch nahmen Nells Augen wieder die Schönheitsvision von vorhin auf. Ein mattes Lächeln umspielte soeben die Lippen der jungen Pattizierin und ihre Blicke schienen sich unverwandt auf einen besonderen Punkt in der Reihe der Nobelgarde zu richten. Nell, die dieser Richtung folgte, entdeckte bald unter dem goldglänzenden Helm einen der Edelleute, ein aristokratisches Antlitz, besten leuchtend schwarzes Augenpaar sich wunderbar anziehend von der Wachsblässe des Gesichts abhob. Sein Blick begegnete dem der Patrizierin und er grüßte. Dann ließ er seinerseits die Augen über die Tribünen hinschweisen, als suche er dort etwas.
Ein ungeheurer Jubel riß in diesem Moment beide Mädchen aus ihrer weltlichen Neugier heraus. Der Papst betrat soeben die Basilika und auS jeder Brust erscholl der begeisterte Zuruf „Eviva il Papa re!" Wie Meeresbrausen scholl die Begeisterung an, das alle Herzen mit unwiderstehlicher Gewalt auf ihren Wogen Hinwegtrug. Tränen entströmten vieler Augen und auf den Lippen, die nicht müde wurden den Zuruf zu wiederholen, witterte gleichsam die jauchzend erschauernde Seele, während alle Stirnen sich bei dem Herannahen des heiligen Vaters und deS Pontifex beugten.
Daraus begann die Pontifikalmesse, begleitet von dem Klang der silberhellen Posaunen.
Plötzlich richtete Nell wiebentm den Blick nach ibrer schönen Nachbarin hinüber. Diese saß regungslos da, den Kopf etwas hintenüber geneigt, sodaß er sich scharf von der roten Draperie abhob. Sie schien in einer anderen Welt zu schweben. Die mächtige, innere Bewegung war auf ihren Zügen ausgeprägt. Ihre nach oben gerichteten Augen glänzten in dem überirdischen Feuer der Verklärung. So schön war sie, daß Nell über ihrer Bewunderung, den um sie her entfalteten Pomp vergoß. Der Magnetismus dieses auf' sie gehefteten Blickes riß die junge Frau endlich auS