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Herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 94.
Sonnabend, den 10* August 190V.
Amtlicher teil.
Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malcus in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Verschung der Geschäfte des verstorbenen Königlichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist
Dienstag, den 13. August im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. HerSseld, den 9. August 1907.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 9. August 1907.
Der Maurer Heinrich Georg Hildebrandt zu Rohrbach hat zwecks Reise nach Nordamerika um Erteilung eines Reise- Passes nachgesucht.
I. 7162. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Leib
Politischer Wochenbericht.
Die SwinemünderKaiserbegegnunghateinen hocherfreulichen und in jeder Hinsicht harmonischen Verlauf genommen. Von allen sührenden Preßorganen des In- und Auslandes ist diesem Eindrücke denn auch in übereinstimmender Weise Ausdruck gegeben worden. Besonderes Gewicht wird dabei aus die überaus warm gehaltenen Trinksprüche gelegt, die bei der Abschiedsfeier an Bord des „Standart" zwischen den beiden Kaisern gewechselt worden sind, und in der Tat läßt sich ja auch ein herzlicherer Ton, als er hier erklang, nicht denken. Kaiser Wilhelm nannte die Freundschaft der beiden Herrscherhäuser und Staaten unveränderlich, und Kaiser Nikolaus gedachte ebenfalls in warmen Worten der überlieferten Freundschaft und Verwandtschaft. Nicht um spezielle Abmachungen handelte es sich bei der stattgehabten Zusammenkunft, wohl aber ist im Verkehr der Souveräne und in den Besprechungen der leitenden Staatsmänner das vertrauensvolle Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland neu bekräftigt worden. Auch wurde damit ohne Zweifel der europäischen Friedenspolitik ein neues Moment der Festigung hinzugesügt. So dürfen wir mit freudiger Genugtuung und ungeteilter Befriedigung auf die Kaiserlage von Swinemünde zurückblicken.
Leider haben sich jedoch während der Berichtswoche in die Töne des Friedens und der Freundschaft auch kriegerische Klänge gemischt. Der Boden für solche Dissonanzen ist wiederum Marokko. Jn Caseblanca sind sranzösische Arbeiter nebst einigen Spaniern und Italienern von der fana- tisierten einheimischen Bevölkerung ermordet worden. Daraus hat eine Landung französischer und spanischer Marinemann- schasten und in weiterm Fortgange der Ereignisse eine Beschießung Casablancas sowie ein blutiger Zusammenstoß zwischen Franzosen und Spaniern einerseits und Marokkanern anderseits stattgefunden. Die französische Aktionspartei hat damit endlich den eifrigst ersehnten Anlaß zu einem bewaffneten Einschreiten in größerem Maßstabe, als ihn die Besetzung von Udscha nötig machte. Es steht aber nach den offiziellen französischen Erklärungen zu erwarten, daß die Regierung Frankreichs sich von den Drängern und Stürmern in der Marokkofrage nicht ins Schlepptau nehmest lassen wird, sondern gewillt ist,' das Abkommen von Algeciras gewissenhaft zu beobachten. Unter solchen Umständen wird Deutschland selbverständlich den auf die Beruhigung Marokkos abzielendett französischen Maßnahmen keinerlei Hemmnisse bereiten und ebensowenig die anderen Mächte. Hoffentlich gelingt diese Beruhigung recht bald.
Aus Anlaß des 20jährigen Regierungsjubiläums des F ü r st e n Ferdinand v o n B u l g a r i e n hat der Kaiser von Oesterreich den Fürsten zum Chef des k. k. Husarenregiments Nr. 11 ernannt und ihm damit seine unverhohlene Sympathie zum Ausdrucke gebracht. Darin liegt eine Anerkennung der Fortschritte, die Bulgarien nach einer 20jährigen Friedensarbeit aufzuweisen hat, sowie ein Zeichen deS Vertrauens, daß Bulgarien die kluge Linie seiner bisherigen Politik, die Anlehnung an die Großmächte, auch fernerhin einzuhalten bestrebt sein wird. Die in der letzten Zeit wiederholt aufge- tauchten Gerüchte über angebliche ehrgeizige Pläne des Fürsten Ferdinand, die den Frieden gefährden können, erhalten durch diese» Sympathiebeweis des greisen österreichischen Kaisers wohl die deutlichste Entkrästung.
In England verdienen die irischen Angelegenheiten je länger je mehr besondere Aufmerksamkeit. Seit dem Scheitern des Campbel-Bauuerinanschen irischen ReformprojektS gärt es unzweiselhast. König Eduard hat durch feinen Aufenthalt in Dublin vergeblich versucht, die bestehende Spannung zu mindern. Die neueste Phase dieser Gärung stellt der Streik der Polizisten in Belfast dar. Diese irische Bewegung ist jedenfalls dazu angetan, die Schwierigkeiten, die dem liberalen Kabinett sowieso das Leben schwer machen, noch beträchtlich zu erhöhen.
Zum Schlüsse aber möge noch ein freudiges Ereignis be
richtet werden. ExzellenzDernburg ist während der verflossenen Woche in Ostasrika eingetroffen. Bei dem praktischen Blicke und der hervorragenden Gabe schnellster Orientierung, die dem Staatssekretär des Kolonialamtes eigen sind, dürfte diese Reise reiche Früchte für die gedeihliche Entwicklung unseres Kolonialbesitzes tragen. Der Staatssekretär hat von Daressalam aus ein Huldigungstelegramm an Kaiser Wilhelm gerichtet, in dem auch er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es gelingen werde, die reichen Schätze unserer überseeischen Kolonien zu heben. Kaiser Wilhelm betonte in seinem Antworttelegramm als eine der Grund- und Hauptbedingungen für das Emporblühen der Kolonie „das feste und einheitliche Zusammenhalten und Zusammenarbeiten der Kolonisten ohne Unterschied des Standes." Damit hat unser Kaiser in der Tat den Nagel auf den Kops getroffen. Nur wenn Standesdünkel und Klassen- Vorurteile unseren Kolonien sernbleiben, wird diesen eine glückliche Zukunst beschieden sein.
K frooäofifijt tzdedilioa nach AManca.
Die Schiffe des französischen Admirals Philibert mit dem Landungskorps unter General Drude haben Casablanca jedenfalls bereits erreicht. Ihrer Ausgabe, neue Angpffe aus Europäer zu verhindern und durch Entfaltung einer beträchtlichen militärischen Macht die Marokkaner schärfer, als es durch diplomatische Vorstellungen geschehen kann, an ihre Verpflichtungen zu erinnern, werden sie sich ungestört mit Nachdruck widmen können; denn die politischen Ziele der Expedition, wie sie die französische Regierung gestern den Mächten dargelegt hat, sind in Berlin wie sicherlich auch bei den anderen Kabinetten auf keinerlei Einwendung gestoßen. In Paris , ist man zurzeit noch mit der genaueren Verständigung mit der spanischen Regierung beschäftigt.
London, 8. August. In Tanger wurde aus das Gerücht, daß 10,000 Anjeras anrücken würden, um die Beschießung von Casablanca an den Ausländern in Tanger zu rächen, die militärische Besatzung der Tore verstärkt. Die Anjeras kamen jedoch nicht, nur einige Marabuts (Maurenpriester) fanden sich ein, die die eingeborene Bevölkerung zur Niedermetzelung von Christen und Juden und zum Abfall vom Sultan aufzustacheln suchten. Sie wurden jedoch bald ergriffen und ins Gesängnis geworfen, wo man ihnen Cayennepfeffer aus die Zungen rieb, damit sie diese künftig bester zügeln lernten. — Aus Rabat kommt die Nachricht, daß die dort ansässigen Franzosen sich infolge der Drohungen des Zairstammes auf den Dampfer „Gaule" geflüchtet haben. Auch die europäischen Bewohner von Masagan haben sich weiteren Meldungen aus Tanger zufolge an Bord liegender Schiffe in Sicherheit gebracht. In beiden Hafenorten werden französische Kriegsschiffe erwartet. Die marokkanischen Behörden in Tanger vertreten dem dortigen diplomatischen Korps gegenüber die Auffassung, das das militärische Vorgehen der Franzosen in Casablanca als Ausführung eines stillschweigenden Mandates des Maghzen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung betrachtet werden müsse, Frankreich also nur in Vertretung und als Mandatar des Sultans gehandelt habe. In der Londoner Presse beider Parteien wird mehrfach die Ansicht vertreten, daß Frankreich in der Aktion gegen Casablanca weiter gegangen ist, als ihm auf die Dauer lieb sein wird.
Aus Tang er. wird gemeldet: Der sranzösische Geschäftsträger Gras Saint'-Aulaire begab sich zu dem Vertreter des Sultans, um ihn über den Charakter des Bombardements von Casablanca auszuklären und ihm mitzuteilen, daß die marokkanischen Behörden für die geringsten Angriffe gegen die französischen Staatsangehörigen in Tanger verantwortlich gemacht werden würden. Der Vertreter des Sultans drückte dem Grasen das lebhafteste Bedauern über die Vorkommnisse in Casablanca aus. Der französische Geschäftsträger hat ferner eine entschiedene Note an Ben Sliman nach Fez gerichtet. Sie legt dar, wie die französischen Soldaten in einen Hinterhalt gelockt wurden, und gibt einen Bericht über die weiteren Ereignisse. Der Geschäftsträger fordert ferner den Maghzen auf, 1. den marokka- irischen Behörden von Casablanca dringend den Auftrag zu erteilen, sich unter den Befehl des Kommandanten der französischen Landungstruppen zu stellen und demselben ihren Beistand zu leihen, bamit er die notwendigen Strafmaßnahmen treffen könne; 2. in wirksamer Weise über die Sicherheit der Franzosen in Fez und im Innern des Landes zu wachen; 3. die Erfüllung der anläßlich der Ermordung des Dr. Mauchamp versprochenen Genugtuung zu beschleunigen; 4. die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Anwendung der durch die Algeciras-Akte vorgesehenen Reformen zu sichern.
Dem Reuterschen Bureau zusolge hat Mohammed el Torres den Gesandten mitgeteilt, daß er für die Sicherheit der Europäer außerhalb der Stadt nicht verantwortlich sei. Die Eingeborenen seien über das Bombardement von Casablanca sehr erregt. — Aus guter Quelle verlautet, die sranzösische Gcsaudt- schast habe die Behörden davon benachrichtigt, daß zum Schutz der Gesandtschaften und der Stadt Wachen gelandet werden würden, falls Unruhen vorkommen sollten. — Der französische Geschäftsträger in Tanger forderte einige Franzosen, welche in Elksar ansässig sind, auf, sich nach Larasch zu begeben.
Das Eisenbahnunglück bei Tremeffen.
Amtlich wird mitgeteilt: Die Namen der bei dem Eism- bahnunglück bei Tremessen getöteten 8 Personen sind folgende: Kadett Gras Heintze von Kaiserlingk; Kadett Gras Hilka von Kaiserlingk aus Mitau; Hauptmann Sotrow, russischer Topograph und Ingenieur, Fürst Konstantin Alexander Begetow auS Petersburg, Julius Jsack, Reisender bei Hoppenheim-Berlin und Abramowitsch, Kausmann, Wohnort unbekannt, sowie dessen Frau und Kind. Schwer verletzt sind: Distrikts- kommissar von Hennig aus Ostrowo; geheimer expedierender Sekretär Kreske im Finanzministerium, aus Charlottenburg; Moritz Zeiglin aus Petersburg und Heizer Beyer aus Gnesen. Der Name des Schwerverletzten, der sich im Krankenhause Bethesda befindet, sowie die Namen der Leichtverletzten, die sich entfernt hatten, werden, soweit ihre Namen sestgestellt werden können, besonders gemeldet werden. Als Ursache der Entgleisung ist eine starke Auskofferung als Vorbereitung zum Geleisumbau, der nach der Durchfahrt deS Zuges 52 fortgesetzt werden sollte, anzunehmen.
Von einem Augenzeugen, der von Gumbinnen über Posen nach Breslau sahrcn wollte, geht dem B. T. nachstehende telegraphische Schilderung der Katastrophe zu: Ich war eben etwas in meinem Coups eingeschlasen, als ich durch einen jähen Ruck ausgerissen wurde. Es erfolgte ein lautes Krachen, ein Dröhnen und Klingen des gesamten Zuges. Dann eine atemlose Stille. Die zweite Maschine des O-ZugeS explodierte bei der Entgleisung.. Die der Maschine nachfolgenden fünf Wagen suhren ineinander und zermalmten alles, waS sich in ihnen besand. Zwei »äv-^ge sind eingetroffen. Der Zug bestand aus 44 Achsen. Unter den Verunglückten befinden sich mehrere Kinder, die vom Ferienurlaub nach Hause reifen wollten. Die Ursache der Katastrophe wird der übergroßen Fahrgeschwindigkeit auf der im Umbau befindlichen Strecke zugeschrieben. Es spielten sich herzzerreißende Szenen ab.
Ein Ingenieur aus Riga, der am Arme verletzt und verbunden war, teilt folgendes mit:
„Etwa 10 km von Gnesen entfernt, gab es in der Nacht um Vs2 Uhr einen furchtbaren Stoß im Zuge. Wir wurden von den Sitzen geworfen, die Lampen erloschen, ein schweres Entsetzen lähmte uns. Als wir uns im Freien befanden, sahen wir, daß von unserem Coups auch nicht die Spur mehr vor- Handen war, es war vollständig demoliert worden. Die Wagen hatten sich ineinander geschoben, aus allen Wagen drangen Schreie des Grauens. Nach unserer Ansicht lleß die Hilfe recht lange Zeit auf sich warten; doch mag es sein, daß uns jede Minute eine Ewigkeit dünkte. Die Rettungsarbeiten wurden nicht nur von dem Personal des Zuges, sondern auch von den Passagieren mit großer Bravour ausgeführt. Unter anderen tat sich ein junger Mann aus Russisch-Polen besonders hervor, der seine Kollegen mit eigener Lebensgefahr herausholte. Um 7 Uhr vormittags wurden wir mit einem Hilsszuge weiterbe- fördert. Es gab genug Schreckensszenen zu beobachten, von denen wir uns mit Schaudern abwandten. Ein älterer Mann hatte grauenerregende Bauchverletzungen erlitten; andere wiederum waren am Kops schwer verletzt. Wir selbst schätzten uns glücklich, mit verhältnißmäßig geringfügigen Verletzungen davongekommen zu sein, die auf der 'Unsallstelle verbunden wurden.
Gnesen, 7. August. Die Trümmerstätte bietet einen schaurigen Anblick. Die erste Lokomotive steht noch aufrecht zwischen den Schienen, die Räder haben sich tief in die Erde eingebohrt, der Tender steht etwas schräg. Die zweite Lokomotive liegt auf der Seite neben der ersten, ebenso der Tender. Der Packwagen steht quer über dem Gleise und ist stark zersplittert. Der erste Wagen zweiter Klasse hat sich zur Seite geneigt, steht aber sonst noch ziemlich auf den Schienen. Dieser Wagen ist nicht so stark beschädigt, nur die Fenster sind zersplittert. Hier müssen die Passagiere mit kolossaler Gewalt durch die Fensteröffnungen geschleudert sein. Dann liegt wieder ein total zertrümmerter Wagen quer über dem Gleise. In den nächsten Wagen ist der darauf folgende hineingesahren und zwar bis zur Hälfte. Diese beiden Wagen haben auch wohl die Mehrzahl der Toten zu verzeichnen gehabt. Der letzte Wagen ist unversehrt geblieben. Die Toten, die von einer Gerichtskommission aus Gnesen rekognosziert wurden, waren in einer Reihe am Bahndamm niedergelegt.
Die PsWW in Rußland.
Die russische Marineverwaltung beabsichtigt, im laufenden Jahre zwei Pairzerschiffe eines neuen TypS nach vom Marineministerium ausgearbeiteten Plänen mit einer Wasserverdrängung von 19 970 Tonnen zu bauen. Die Schiffe sollen, abgesehen von Schuellfencrgcschützen kleinen Kalibers, eine Armierung von zehn zwölfzölligen Geschützen erhalten und mit Turbinenmaschinen für eine Geschwindigkeit von 21 Knoten in der Stunde versehen werden.
Die Petersburger Telegraphenagentur erklärt, daß das auswärts verbreitete Gerücht von der Ermordung deS Warschauer Generalgouverneurs jeder Begründung entbehrt., — Bei einem Parteistreit in Lodz wurden zwei Arbeiter getötet und drei verwundet.
Wie heute auS Petersburg gemeldet wird, reichten 125