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herrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 9Ö. Donnerstag, den 1. August 1907>
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 29. Juli 1907.
Der Bürgermeister Jäger in Motzfeld ist am 24. d. MtS. als solcher für einen am 12. August d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden.
Ich habe diese Wiederwahl aus Grund des § 55 der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
A. 3315. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 25. Juli 1907.
Der Bürgermeister Schwalm in Gersdorf ist als solcher für einen am 15. August d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Diese Wiederwahl ist von mir bestätigt worden.
A. 3313. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 22. Juli 1907.
Durch Beschluß des Bundesrates vom 21. März d. Js. (Reichsgesctzbl. S. 95) ist auf Grund des § 22 des Gesetzes, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, vom 30. Juni 1900 (R. G. Bl. S. 306) eine allgemeine Desin- sektionsanweisung und je eine besondere Desinfektionsanweisung bei Aussatz, Cholera, Fleckfieber, Pest und Pocken festgesetzt worden. Die allgemeine DeSinsektionsanweisung stimmt im wesentlichen mit der durch die allgemeinen Ausführungsbe- stimmungen — Anlage 5 — vom 25. September 1906 lMin. Bl. S. 388) zum Gesetze, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, vom 25. August 1905 erlassenen Desinfektionsanweisung überein und erhält nur folgende wesentliche Abweichung:
1) zu I.6 Formaldehyd ist in Abs. 2 a) hinter „oder zerstäubt" eingeschaltet:
„oder das Formaldehydgas durch ein anderes erprobtes Verfahren entwickelt."
2) zu 1,7 Wasserdamps. Im ersten Satz sind die Wörter „bei Atmosphärendruck" gestrichen.
3) zu II. V o r b e m e r k u n g. Im Abs. 2 ist im dritten Satz hinter „unter Ziffer 1 bis" und vor „9" „6" eingefügt.
4) In 11,5 Waschbecken usw. ist hinter „mit Wasser auszuspülen" folgender Satz angeschlossen:
„Bei nicht emaillierten Metallgefäßen ist die Verwendung von Sublimat zu vermeiden."
5) zu II,6 Eß- und Tri n kge sch i rre ist im ersten Satz „hinter dem Soda" eingefügt:
„etwa 2 %."
6) zu Anhang I) Schisse a.) Als dritter Absatz ist hinter „feucht abgescheuert werden" eingeschaltet:
„Wände mit Plüsch- oder ähnlichen Bezügen können nach
Die Erbin.
Roman von I. d'Anin.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
In den ersten Tagen mußte er immer und immer wieder gerührt nach dem über den staubigen Akten gebeugten jugendlichen Kops schauen. Nell sonderte sorgfältig die verschiedenen Stücke aus, addierte die langen Zahlenreihen, ordnete die Notizen, schrieb aus der Maschine, oder stenographierte einen Bericht mit dem Ernst eines im Dienst ergrauten Beamten.
Dies alles aber genügte Herrn Burklay nicht. Mit einer geheimen Furcht sah er dem Augenblick entgegen, in welchem er Nell in die große Gesellschaft entführen mußte. Schön und reich wie sie war, ahnte er die baldige Trennung von ihr, in die er sich wohl oder übel zu ergeben haben werde. Am meisten fürchtete er, daß Nell das, was sie mit Vorliebe den persönlichen Wert nannte, allzu sehr in den Vordergrund setzen und andere bei einer Heirat nicht minder wichtige Faktoren dadurch übersehen wurden, und aus diesem Grunde schob er ihren Eintritt in die große Welt am liebsten noch etwas hinaus.
Hierzu boten ihm die Ereignisse, sowie Nells eigenes Zartgefühl die erwünschte Unterstützung.
Anstatt der gehofften Besserung trat in dem Zustand der Baronin eine merkliche Wendung zu Schlimmern ein, die ihre Kräfte von Tag zu Tag verringerte, wozu die Einkerkerung im Zimmer nicht zum wenigsten beitrug. Kaum, daß sie sich noch mühsam von einem Zimmer in da§ andere schleppte. Weder Blumen noch sonstige Aufmerksamkeiten er- srenten sie mehr, und nach und nach sahen sich die Freunde ebenfalls genötigt, ihre regelmäßigen Besuche einzustellen. Ihre allzeit fröhliche, liebenswürdige Laune ward durch düstre Gedanke» und Vorstellungen getrübt, sie wurde reizbar und nervös. Tiefe Schatten begannen sich über das friedliche Heim zu lagern und das Familienleben, dessen Seele sie gewesen, fing an, schmerzlich darunter zu leiden.
Von der Nichte bestürmt, im Innersten erregt und besorgt
Maßgabe der Vorschriften in Ziffer 23 desinfiziert werden." An dem bisherigen dritten Absatz ist hinter „frisch gestrichen" angefügt :
„jedoch darf zuvor der alte Anstrich nicht durch Abkratzen oder dergleichen beseitigt werden."
Die besonderen Desinsektionsanweisungen bei P e st, Aussatz, Cholera, Fleckfieber und Pocken, welche an Stelle der den Bekanntmachungen des Bundesrates vom 6. Oktober 1900 (R. G. Bl. S. 849) und 21. Februar 1904 (R. G. Bl. S. 67; Min. Bl. s. Med. Ang. S. 96) beigefügten Desinsektionsanweisungen treten, sind in Nr. 17 des Reichsgesetzblatts abgedruckt.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich aus die neuen Desinsektionsanweisungen besonders aufmerksam.
1. 6494. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 26. Juli 1907.
Unter den Schweinebeständen der Witwe Psalzgraf, Anna Gela Gerhardt, Witwe Katharina Gerhardt, des Johann George Bernhardt und Johannes Gerhard zu Christerode, Kreis Ziegenhain, ist die Schweinepest ausgebrochen.
I. 6691. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil
HtM-SiUMstafrika mch beut «rieben.
Das Generalstabswerk über die Kämpfe unserer Truppen in Südwestafrika beschäftigt sich in dem jetzt erschienenen Schlußhefte auch mit der Lage in Südwestafrika nach dem Frieden. Die prächtigen Ausführungen des Generalstabswerkes sind so interessant, daß sie eS verdienen, im Auszug auch weiteren Kreisen bekannt zu werden.
Bis die allgemeine tiefgehende Erregung der farbigen Rasse, so heißt es u. a., sich im Schutzgebiete gelegt hat, befindet sich das gesamte Gebiet in einer Uebergangszeit, in der es gilt, das Erreichte zu sichern, den beginnenden Wiederaufbau zu ermöglichen und den weißen Kolonisten das Sicherheitsgefühl zu geben, ohne das eine ersprießliche Erwerbstätigkeit ausgeschlossen ist. Das lange zurückgehaltene wirtschaftliche Leben der Kolonie drängt nunmehr zur Betätigung und Entfaltung, aber völlig friedliche Verhältnisse, welche die Vorbedingung bilden, sind gegenwärtig noch nicht überall vorhanden. Im Damaralande werden immer noch von den sich herumtreibenden Feldherero dauernd Viehdiebstähle verübt, wenn auch die meist nicht mit Gewehren bewaffneten Räuberbanden keine nennenswerte Widerstandskraft besitzen. Die Besiedlung des Hererogebietes, die lebhaft fortschreitct, bietet vermehrte Angriffspunkte. ... Im mittleren Namalande begünstigen der Schwarzrand und das Karrasgebirge das Raubwesen ganz besonders. Hier wohnt
konsultierte Herr von Verneuil mehrere medizinische Autoritäten. Während der Konsultation warteten Nell und Nelli angstvoll harrend in dem Salon, aus die Rückkehr des Onkels. Endlich trat er ein.
„Ich bin einigermaßen beruhigt", rief er ihnen entgegen, „die Lungen sind es nicht; in diesem Falle wäre jede Rettung ausgeschlossen, aber die Bronchien sind aufs höchste gereizt, und außerdem macht sich der Anfang einer Neurasthenie bemerkbar, die Folge ihres zurückgezogenen, stillen Lebens. Die Aerzte raten zu einem sofortigen hydrotherapeutischen Verfahren. Wenn die Kur indes den gewünschten Erfolg haben soll, so müßte eure Tante in ein weiches, mildes Klima, unter blauem Himmel und Sonnenschein."
Einen Augenblick lang währte das Schweigen.
„Die Kur," begann er abermals, „können wir ja Gottlob gleich versuchen und wenn in einigen Wochen keine Besserung eintritt, so wird sich das Nötige für die Reise nach dem Süden, auf welcher Du, Ncllie, Tante begleiten wirst, schon finden."
„Armer Onkel," entgegnen Nellie, ihn zärtlich umarmend, „sollst Du denn nie mel)r aus Angst und Sorgen befreit werden und stets nur neue Opfer bringen?"
„Letztere werden mir nicht schwer, Kind. Da, wo es Deiner Tante Leben gilt, ist alles übrige Nebensache."
Nell hatte sich schweigend verhalten. Während sie die Treppe zu der Tante Gemächer hinausgcstiegeii, würde sie am liebsten der Cousine etwas zugcflüstert haben, aber sie enthielt sich und beide traten bei der Kranken ein.
Herr von Verneuil war ihnen gefolgt und setzte seine Frau sofort rückbaltlos von der Ansicht der Aerzte in Kenntnis. Wahrheit und Klarheit in allen Dingen, das war von jeher sein Grundsatz gewesen. Außerdem ahnte er die Gedanken, die der Baronin Hirn durchkreuzten. Hier wirkte insbesondere der moralische Druck auf dies physische Uebel. Ergebe» fügte sich Frau von Verneuil in die verordnete Kur, nur von einem Ortswechsel wollte sie nichts hören. Man befand sich noch in voller Aussprache über den letzten Punkt, als die alte Kammerfrau eintrat und der Baronin nebst einigen teilnehmenden Zeilen, einen prächtigen Strauß Rosen und Flieder im Aus-
eine zahlreiche, schwer kontrollierbare Eingeborenenbevölkerung, die mit den Aufständischen vielfach durch Bande deS Bluts verknüpft ist und ihnen wiederholt Zuflucht gewährt hat. . . Im Süden des Schutzgebiets.braucht die volle Durchführung der Unterwerfung der Bondels Zeit und unmittelbar gegenwärtige Macht, die allein aus die unberechenbaren Eingeborenen wirkt, obschon nach den bisherigen Srfabrungen es den Anschein hat, daß die Bondels entschlossen sind, den Frieden ehrlich zu wahren. Ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Truppen wird zunächst noch benötigt zur Bewachung von runb 16 000 Gefangenen, deren Freiheitsdrang noch nicht erloschen ist und deren Waffen noch nicht sämtlich abgeliesert sind. Aeußerlich ruhig, innerlich aber kaum mit seinem Schicksal versöhnt, wird sich das freiheitsliebende Volk an die neue Lage gewöhnen. Militärstationen müssen eingerichtet und so besetzt werden, daß jederzeit genügend starke Abteilungen verwendungsbereit sind. Ebenso müssen noch längere Zeit hindurch ununterbrochen Streiszüge unternommen werden, um die Entwaffnung der Eingeborenen endgültig durchzuführen.
Nachdem dann an der Eigenart des kolonialen Kriegs dargelegt wurde, wie die Notwendigkeit der Schaffung einer Kolonial-Stammtruppe vom militärischen Standpunkte aus durch die Erfahrungen dieses Krieges klar erwiesen sei, heißt es in einem Schlußworte: Das deutsche Volk aber kann mit Stolz und Vertrauen auf seine wehrhaften Söhne blicken! Der Kampf mit jenem harten und unverbrauchten Naturvolke in einem kulturarmen Lande hat dargetan, daß das deutsche Volk trotz aller Errungenschaften einer hohen Kultur an seinem kriegerischen Werte noch nichts eingebüßt hat. In biefem sieghaften Bewußtsein liegt ein hoher innerer Gewinn.
Der Krieg in Südwestasrika ist zu einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Kolonialpolitik geworden und bezeichnet den bedeutsamen Beginn eines neuen verheißungsvollen Zeitabschnittes nationaler, insbesondere kolonialer Betätignng des deutschen Volkes. Dieser hohe nationale Gewinn ist in erster Lienie zu danken den schweren und blutigen Opfern, die das Vaterland in diesem Kriege hat darbringen müssen. In dem Kampse um die wirtschaftliche Erschließung von Südwestasrika müssen dieselben Kräste lebendig und tätig sein, die das Schutzgebiet erobern halfen. Ohne hohe opferwillige Hingabe an die Sache, ohne Selbstverleugnung, Treue, Ausdauer und Geduld kann auch hier Großes nicht erreicht werden. Ohne diese sittlichen Opfer des einzelnen für das Ganze sind dauernde Errungenschaften und Fortschritte ober Menschheit nicht denkbar! Schwierig sind die Aufgaben, welche dem deutschen Volke die Erschließung seines kolonialen Besitzes stellt, aber gerade in ihrer Schwierigkeit liegt auch ihr Reiz, und mit dem Reiz einer Ausgabe wächst die Krast zu ihrer Bewältigung. Diese Aufgaben sind des Schweißes der Besten wert.
Mißerfolge und Fehlschläge werden auch hier nicht aus- bleiben. Möge der deutsche Kaufmann und Siedler dann nicht erlahmen, sondern in schwerem Kampfe des deutschen Soldaten
trage von Herrn Burklay überbrachte. Tief gerührt nahm die Kranke diese öfteren Zeichen der Aufmerksamkeit an.
Während die jungen Mädchen sich anschickten, die Blumen in den dazu bestimmten Vasen zu ordnen, las Frau von Verneuil mit wachsendem Erstaunen Herrn Burklays Zeilen. AlS sie geendet, reichte sie sie wortlos ihrem Manne hin.
„Nell", sagte sie'hierauf, „weißt Du auch, was Dein Onkel mir schreibt?"
„Nein, Tante," erwiderte mit aufrichtigem Tone das junge Mädchen.
Frau von Verneuil nahm den Brief wieder und las: „Eingedenk Ihrer Sorgfalt unb Liebe für unsere gemeinsame Nichte, gestatten Sie mir, einen Dienst von Ihnen zu erbitten. Sie haben meiner Nell wahrhaft mütterliche Zärtlichkeit entgegengebracht, die sie schon längst nicht mehr kannte. Sie steht im Begriff, in die Welt, in das Leben einzutreten, in dem sie, wie ich hoffe, einen ibrer würdigen Platz finden wird. Ich glaube aber, daß ihre Erziebung vorher noch der Vervollständigung bedarf in Bezug auf Kunst und auf allgemein europäische' Art. Würden Sie nun wohl geneigt fein, liebe Frau von Verneuil, mir ein Opfer zu bringen? Nämlich auf vier bis fünf Monate Ihren Gatten, Ihr Heim zu verlassen? — Ich weiß, daß ich Großes von Ihnen erbitte, liebe Freundin. Möchten Sie die beiden Mädchen nach Rom begleiten?"
Bei diesen Worten unterbrach Nellie mit einem Freuden- ruf das Schreiben.
„Lassen Sie sich dort häuslich mit ihnen nieder, nicht in einem ungemütlichen Hotel, sondern in einer freundlichen Villa, die Ihnen alle nur gewünschten Bequemlichkeiten zu bieten imstande sein wird. Ferner münfdjte ich, daß Sie sie beide, so weit eS sich mit ihrem Gesundheitszustände vereinbaren wird, in die dortige Gesellschaft einführen möchten. DieS wird Ihnen nicht schwer werden mit Hülse der Empfehlungsschreiben an die Gesandten. Eigentlich haue ich allen Grund, vor der Ungeheuerlichkeit meines Anliegens zurückzufchrccke». und benmid) glaube ich Sie so genau zu kennen, um im voraus zu wissen, daß Sie sowohl wie Herr von Verncuil, mir diese Bitte nicht abschlagen werden.