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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblott" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 89.

Dienstag, den 30. Juli

1907.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 29. Juli 1907.

Am 1. Augu st d. I s. wird die II. R a t e der für das laufende Rechnungsjahr zu entrichtenden Kreis st euer fällig.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß dieser Zahlungstermin tunlichst eingehalten wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

von Grunelius.

Hersseld, den 26. Juli 1907.

Die Straße zwischen dem Orte Asbach und der Domäne Eichhof ist vom 29. Juli bis zum 2. August er. wegen der Ausführung umfangreicher Herstellungsarbeiten für den Last- suhrverkehr gesperrt. Während der Sperrung dieses Straßen- teils ist der Weg ab Asbach über EichhofmühleDomäne Eichhos für den Lastsuhrverkehr zu benutzen.

I. 6688. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Nachrichten für diejenigen Freiwilligen, welche in die Unteroffizier­schulen einzutreten wünschen.

1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, welche sich dem Militärstande widmen wollen, zu Unter­offizieren heranzubilden.

2. Die Ausbildung in den Unteroffizierschulen dauert in der Regel 3, bei besonderer Brauchbarkeit 2 Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen Unterricht erhalten, welcher sie befähigt, bei besonderer Tüchtig­keit auch die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feld­webel etc.) des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister etc.) und des Zivildienstes zu erlangen.

Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigungen aller Arten von Dienstschreiben, mili­tärische Rechnungsführung, Geschichte, Geographie Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen sowie Gesang.

Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonett­fechten und Schwimmen.

3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes; sie stehen wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahnen­eid zu leisten.

4. Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.

Der Einzustellende soll mindestens 154 Zentimeter groß, voll­kommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehm­baren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauch­barkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.

5. Der Einzustellende muß sich tadellos geführt haben, latei­nische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und die ersten Grundlagen des Rechnens mit unbenannten Zahlen kennen.

6. Der Einberufene muß mit ausreichendem Schuhzeug, zwei Hemden und mit 9 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein. Im übrigen ist die Ausbildung kosten­

Die Erbin.

Roman von I. d'Anin.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Wunsch, feine Gattin mit mehr Behagen umgeben zu können und für Nellie eine Mitgift zu schaffen, hatte ihn bewogen, die Stelle eines Finanzrates bei einer Schiffsbauge- sellschast anznnehmen. Hierdurch wurde er zum öfteren zu kleineren Reisen genötigt, in die er sich mit immer gleicher Liebenswürdigkeit ergab.

Da Frau von Verneuil ihre Mittagsruhe nicht entbehren durste, begaben sich beide Mädchen in Nellics Zimmer. Ein kokettes, kleines, nur aus Mousfeline und Crctonne zusammen­gesetztes Nest.

Du hast Deine Zimmereinrichtung erneuert?" fragte Nell, die die mattgrün lackierten Möbel betrachtete.

Alles mein eigenes Werk," bestätigte Nellie,als ich aus dem Kloster kam. Die Sitze habe ich überzogen, die Möbel lackiert und für den ganzen Kram einige sechzig Frank ausgegeben. Die kleinen Zierrate sind zum Teil in Tante Angelikas Feenhänden entstanden oder auch das Produkt meiner Mußestunden."

Sie halte Nell einen bequemen, niedern Sessel an das Fenster gerückt und nahm selbst ihr gegenüber Platz, indem sie den Nähtisch an sich heranzog.

Penn eS Dich nicht langweilt, so arbeite ich weiter, Nell, gerade im Augenblick hab ich soviel zu tun."

WaS machst Du denn da?" fragte Nell neugierig.

Ich wende mein Kleid, wie Du siehst. Mit dem Rock geht eS noch, aber die Taille macht mir eine unsägliche Mühe, die Ausschläge sind abgenutzt, da beschloß ich endlich nach vielem Hin- und Herüberlegen, sie mit Guipüre zu überziehen." Gib sie mir mal her, daS will ich Dir machen," sagte Nell bestimmt.

Dn kannst nähen?" lachte Nellie und sah ihre Cousine etwas ungläubig an.

Nell sah ihrerseits erstaunt zu ihr auf.

frei ; die Unteroffizierschüler werden bekleidet und verpflegt wie jeder Soldat des aktiven Heeres.

7. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthalts­ortes oder bei dem Kommandeur einer Unteroffizierschule (z. Z. in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißenfels, Ettlingen und Marien- werder) persönlich zu melden und hierbei folgende Papiere vor- zulegen:

1) einen von dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,

2) den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,

3) etwa vorhandene Schulzeugnisse,

4) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäfti­gungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.

Eine Einstellung findet indessen bei den Unteroffizicrschulen in Potsdam, Jülich, Weißenfels und Ettlingen nicht mehr statt, da dieselben sich aus Unteroffiziervorschülern ergänzen.

8. Die Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder sollen, soweit angängig, berücksichtigt werden.

9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizier­schulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober statt.

10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffiziersberuf erweisen, werden aus den Unteroffizierschulen entlassen.

11. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizierschule er­halten bei guter Führung diejenigen Unteroffizierschüler, welche in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reise-Ent­schädigung.

12. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirks­feldwebel eingesehen werden.

Die Erziehung findet unentgeltlich statt.

nichtamtlicher Ceil.

I«m 50. Juli.

Wieder ist der Tag gekommen, an dem vor neun Jahren die erschütternde Kunde die Welt durchflog, daß der Tod seinen Arm ausgestreckt habe auch nach dem Manne, dem seine Taten und die Geschichte die Unsterblichkeit verliehen. Wohl ruht Fürst Bismarck, der Begründer und erste Kanzler des neuen Deutschen Reichs, nun schon neun Jahre unter den mächtigen Eichen des Sachsenwaldes, aber seine krastvolle Gestalt mit den blauen, blitzenden Augen, den markigen Zügen und dem milden Lächeln lebt unter uns fort, denn nie hat sich eine Gestalt so tief eingeprägt in das Gedächtnis der Mitlebenden und der Künftigen wie die des eisernen Kanzlers, nie hat das Volk so eifrig gelauscht auf jede Kunde, die von dem Tun und Sinnen des Alltaglebens sprach, wie bei Otto von Bismarck. Nichts Schattenhaftes ist an ihm geblieben, kein falscher sentimentaler Zug stört das Bild dieser klaren, wie in Stein gemeißelten Persönlichkeit, und selbst der Haß des Gegners muß vor seiner Größe huldigend sich neigen.

Neun Jahre sind vergangen seit Bismarcks Tode. Auf

Warum lachst Du denn? In Boston habe ich oft genug meinen Cousinen bei der Arbeit geholfen, und dann habe ich mir manches in den Frauen-ArbeitSvereinen, die wir beauf­sichtigten, abgesehen."

Wie kamt ihr denn dazu, euch mit Arbeiterinnen abzu- geben?" fragte Nellie verwundert.

Das waren Bcschästignngsoereine," erwiderte Nell,die dazu dienen, die Leute in~ geregelte Bahnen zu bringen, sie vor Not zu schützen und sie vor moralischer Versumpfung zu bewahren. Dabei kann unsereiner sehr viel lernen."

Etwas ängstlich blickte Nellie aber trotzdem auf ihre silber- graue Taille und die Spitzen, die Nell immer wieder in den Händen hin und her wendete. Nach ein paar Augenblicken schien sie indes beruhigt. Ja, sie sah sogar schweigend zu, als Nellie die Scheere ergriff, die Spitze in zwei Hälften teilte und mit einem Ruck entschlossen die Ausschläge abtrennte. Aus Nellics Fragen mußte ihr die Cousine die Einzelheiten aus ihrem amerikanischen Leben erzählen, denen sie mit un­verhohlener Verwunderung folgte. Dann berichtete Nellie von den Erlebnissen feit ihrer Rückkehr aus dem Kloster. Zu ihrem eigenen erstaunen bemerkte sie gar bald, daß ihr Leben im Vergleich zu dem Nell's recht saust, gleichmäßig, ja gleich­förmig dahiugeflossen war, so daß ihr kurzer Bericht ihr schal vorkam.Du siehst," schloß Nellie lächelnd,eS geht mir wie allen glücklichen Völkern, ich habe keine Geschichte!"

Dennoch, cutgegnctc Nell,geht in jedem Leben etwas vor, wenn man sich nur einmal richtig Auge in Auge mit ihm besaßt. Das wahre Leben, das, was einzig den Namen verdient, liegt in unS selbst und lenkt und leitet unsere Taten. Die Frage besteht nicht in dem, was Du getan hast, denn Du bist ja nicht Dein eigener Herr, es handelt sich nur darum, zu wissen, waS Du in deu verflossenen drei Jahren gedacht und empfunden hast und waS Du eigentlich für ein Ziel ins Auge saßt."

Verständnislos blickte Nellie die Cousine an.

WaS Du sagst, Nell, ist mir etwas unklar," gab sie zögernd zurück.Ich habe wohl kaum je im Leben weiter gedacht, als bis zum kommenden Monat, und an keine andern Menschen als die, die in unmittelbarem Verkehr mit uns

seinem Grabe kündet die Inschrift, daß er ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I. war, ein Zeugnis zugleich bescheidenen Sinnes und stolzen, aber berechtigten Selbstgefühls; denn was Großes er geschaffen, das steht lebendig vor uns in der Einheit und Machtstellung des Deutschen Reiches. Aber nie wohl hat Fürst Bismarck, dessen Leben so überreich an Erfolgen und Siegen war, einen größeren Triumph gefeiert als in den Tagen, da er auf der Bahre ruhte: in fünf Erdteilen wurde ihm ge­huldigt in überwältigenden Ausdrücken einer fast schrankenlosen Anerkennung und Bewunderung, zu der seine gigantische Größe zwingt, die überall, wo sie sich betätigt hat, alle Durchschnitts- maße ins schier Uebermenschliche und Unermeßliche überragte, die in ihrer alleinstehenden Eigenart unwiderbringlich ist, aber auch unverlierbar, weil von ihr Kräfte ausgeströmt sind, die nicht in Aeonen untergehen.

An dem Todestage eines Bismarck kann es nicht gelten, sein Gedächtnis zu erhalten oder gar auszufrischen, und ebenso wenig dürfen wir heute in der unauslöschlichen Erinnerung an ihn in schwächlicher Wehmuth klagen und zagen wollen über die Vergänglichkeit selbst des Größten auf Erden; denn Bismarck ist nicht tot, er lebt! Was vergänglich an ihm war, ruht in stiller Grust im Sachsenwalde, aber er selbst, sein Eigenstes kann nicht vergehen, sein Geist lebt fort in seinen Taten und in seinen Werken, in dem durch ihn wiedererstandenen Deutschen Reiche, dessen politische, wrrtschasliche und rechtliche Grundlagen er gelegt hat, in dem von ihm geeinten deutschen Vaterlande als das getreuefte Abbild des Deutschtums in so künstlerischer Vollendung und plastischer Schönheit, daß sein Volk es ver­ehren muß als die zaubermächtigste Jdealgestalt des deutschen Volksgeistes. In die fernsten Zeiten hinaus lebt und wirkt Bismarck weiter als ein unveräußerliches Element unseres in ihm neugeborenen vaterländischen Empfindens, als eine zuver­sichtliche Quelle nationalen Denkens, als der Begeisterung er­haltende und fort und fort erzeugende Faktor des deutschen Selbstbewußtseins, als der Schöpfer und Lehrmeister der deutschen Staatskunst, als der Meister der Realpolitik, der uns aus den Banden eines unfruchtbaren Doktrinarismus befreit hat. Das mögen die Gedanken sein, die uns an des großen Bismarck Todestage beseelen.

K«vea.

Bei ihrem Vorgehen in Korea versahren die Japaner, wie in so vielen andern Dingen, nach europäischem Muster. Die Franzosen haben ihre Schattenkönige von Kambodja und Anam und ihren ebenso schattenhaften Bey in Tunis, die Engländer können mit ihrem ägyptischen Khcdive auswarten, die Russen mit den früheren Herrschern der innerasiatischen Steppe. Man hat dort überall den eingeborenen Völkern die angestammte Dynastie im Mumien- oder Puppenzustand zur ferneren Ver­ehrung überlasten, nachdem man ihrem letzten Repräsentanten mit mehr oder weniger sanfter Gewalt die Macht genommen, und ihre Ausübung einem Ministerresidenten, Premierminister

stehen. Nach dem Verlassen des Klosters nahm ich noch einen KursuS für Aquarellmalerei und Klavierstunden. Du drängtest mich in all Deinen Briefen mein Englisch weiter zu treiben, da ich aber meine Elementarprüfung bestanden hatte, so ließ ich es beiseite. Tante war damit einverstanden, weil sie meint, ich sei weder zum Reisen noch zum Leben in der großen Gesellschaft berufen, und so könne die Ausgabe unterbleiben. Im ersten Jahre beschäftigte ich mich noch stark mit Literatur, für die ich ein besonderes Interesse hege, dann wurde Tante so leidend, daß sie mich nicht mehr in meine Stunden be­gleiten konnte, und allein mit der Kammersrau ließ sie mich nicht gehen. Ich setzte die Studien für mich fort und lese, soviel ich irgend kann. Dabei fliegt die Zeit so schnell dahin, es gibt immer zu tun und auch immer gewisse Ausgaben, die wir unserer gesellschaftlichen Stellung doch nun einmal schuldig sind. Hin und wieder ist es wirklich ein Wunder bei den beschränkten Einnahmen. Mit meinen tausend Frank, die Onkel mir jährlich für meine persönlichen Bedürfnisse bc stimmt hat, muß ich mich sehr Anrichten. Ich kann doch auch nicht alles für mich verwenden. Daneben gibt es Arme zu bebenten, Geschenke hier und da zu machen und die taufenb Kleinigkeiten, die man nun einmal nicht entbehren. kann. Ich mache ja schon alles selbst," schloß sie lachend ihren Bericht. Hüte, Kleider und wer weiß was alles", dabei warf sie lustig ben einen ausgetrennten Acruiel in die Luft,it^ bin sicherlich zur richtigen Hausfrau bestimmt, das sagt Onkel immer."

Das mußte Nell, die die Cousine wohlgefällig betrachtete, auch innerlich zugeben und dabei der Worte von Onkel Surften gedenken, als er von denen sprach, die das häusliche Glück nicht zu erreichen bestimmt sind. Konnte dies wirklich für diese hübsche, lebensfrohe Nellie mit den fanst-träümcnden Augen in Erfüllung gehen? Nein, sie wollte es nichr glauben und die Vorsehung versuchen, indem sie nur die Schattenseite der Dinge in Betracht zog. Onkel Georg war im Jntnm und würde denselben eines Tages einsehen. 'Nellie mußte auch ohne Mitgift den ihr wüthigen Gatten finden, dem )te mit ihrer Armut und ihren sonstigen Eigenschaften ein be­hagliches Heim zu bereiten so geeignet war. Sie selbst aber,