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herssel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 85.

Sonnabend, den 20. Juli

1907.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. Juli 1907.

Nach einem Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten vom 19. Juni d. Js. ist es in neuerer Zeit mehrfach vorgekommen, daß Orts­polizeibehörden um Uebersendung von gemeinverständlichen Be­lehrungen und Ratschlägen bei übertragbaren Krankheiten direkt bei ihm nachgesucht haben.

Ich weise daraus hin, daß dies unzulässig ist. Die sragl. Belehrungen sind von hier zu beziehen bezw. durch mich zu be­stellen.

I. I. 6293. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 13. Juli 1907.

Nach der Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 20. Juni 1892 A. II. 5168 sollen die Polizeiverwaltungen von Unfällen in gewerblichen Betrieben dem zuständigen Gewerbeinspektor sofort Abschriften der Unfallanzeigen über­senden. Diese Verfügung wird in letzter Zeit nicht immer beachtet. Von vielen Unfällen erhalten die Gewerbeinspektionen erst von dritter Seite Kenntnis.

Ich bringe deshalb die oben erwähnte Verfügung, milgeteilt im Kreisblatt Nr. 77 vom Jahre 1892, in Erinnerung.

I. 6253. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 15. Juli 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Bernhard Koch zu Hersfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 6296. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 16. Juli 1907.

Unter dem Schweinebestande des Bäckers Andreas Mohr zu Kathus ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 6344. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 16. Juli 1907.

Unter dem Schweinebestande des Schlossermeisters Steinmetz zu Hersseld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 6345. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Der Kreis-Assistenzarzt D. M a l c u s in Hünscld, welcher zur Zeit mit der Veischung der Geschäste des erkrankten König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 28. Juli im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersfeld, den 19. Juli 1907.

Der Königliche Landrat von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In der abgelaufenen Woche hat nunmehr der Staats­sekretär des Kolonialamts Dernburg seine Informationsreise nach Ostafrika angetreten, um den kolonialen Boden, den er beackern soll, jetzt aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Hat sich Exzellenz Dernburg gleich bei seinem Amtsantritt nicht nur als ein geschickter parlamentarischer Taktiker, sondern bisher auch als der rechte Mann an feinem Platze gezeigt, dem die Erschließung unseres Kolonialbesitzes am Herzen liegt, so darf man jetzt an seine Reise die Hoffnung knüpfen, daß sie für die fernere Zukunft unserer Kolonien von Segen sein werde. In diesem Sinne wünschen wir dem Staatssekretär eine glückliche Reise und fröhliche Heimkehr.

Eine erfreuliche Tatsache, die sich in der Berichtswoche vollzogen hat, ist die V e r l ä n g e r u n g des D r e i b u n d e s bis zum Jahre 1914. Unter deren Wirkung hat auch die Zu­sammenkunft des österreichischen Ministers Frhrn. v. Aehren- thal mit seinem italienischen Kollegen Tittoni in Desto statt- gesunden, bei der die Gefühle sehr herzlicher Freundschaft zum Ausdruck gebracht und bestätigt worden sind, die infolge des Bündnisses die Regierungen der beiden Länder vereinigen. Die Prüfung der allgemeinen europäischen Lage sowie all die verschiedenen Fragen, die für Oesterreich-Ungarn und Italien ein besonderes Interesse haben, gestattete es den beiden Mi­nistern, mit gegenseitiger Genugtuung ihr vollkommenes Ein­verständnis festzustellen. Dieses Einvernehmen, dessen Grundlage immer das Prinzip des Gleichgewichts und der Aufrechter­haltung dc§ status quo bleibt, so heißt es in einer von der Agcnzia Stcsani" veröffentlichten Note, bezieht sich nicht nur aus die Gegenwart, sondern aus alle Eventualitäten der Zu­kunft.

Eine weitere erfreuliche Tatsache ist die, daß der öster­reichisch-ungarische Ausgleich unmittelbar bevor- steht, und zwar ganz aus der Basis des früheren Zustandes, der nun bis 1917, d. h. bis zum Ablauf der von Oesterreich- Ungarn abgeschlossenen Verträge, gesichert bleibt. Der Wunsch ging dahin, dem Ausgleich eine Dauer bis 1927 zu sichern, aber das war nicht zu erreichen, und man ist froh, den innern Frieden zwischen den beiden Ländern gesichert zu haben.

Dagegen haben die ungarisch-kroatischen Be­ziehungen ihren unerfreulichen Charakter bewahrt, und es ist zunächst nicht abzusehen, welchen Verlauf sie nehmen werden. Das Unrecht ist so sehr auf magyarischer Seite, daß sogar der PariserTemps" mit großer Entschiedenheit für die Kroaten Partei ergreift und den Ungarn ihr Unrecht zu Gemüt zu führen bemüht ist. Aber in Fragen, die die Vormachtstellung ihrer Nation betreffen, sind die Ungarn nicht zu belehren und zu bekehren.

Die alarmierenden Nachrichten über eine bevorstehende Re­volution die aus Portugal verbreitet wurden, haben sich nicht bestätigt. Der Ministerpräsident Franco setzt energisch seine Reformbestrebungen fort und schafft besonders in der Finanzverwaltung Ordnung. Wie verlautet, ist es ihm bereits gelungen, eine Reihe Unregelmäßigkeiten zu beseitigen und große Ersparnisse zu erzielen. Für die Unbedenklichkeit der Lage spricht, daß der König feinen Sohn eine Studienreise nach den Kolonien hat antreten lassen.

Die Krisis in Südfrankreich ist nicht, wie sich vor kurzem hoffen ließ, beigelegt, sondern dadurch verschärft worden, daß der feierliche Schwur von zurückgetretenen Bürger­meistern und Räten geleistet worden ist, beim passiven Wider­stand zu beharren. So läßt sich noch nicht absehen wie Hn friedlicher Ausgleich gefunden werben kann.

SieGinfrtiW'.

Der Dreibundvertrag, d. h. die Verträge Deutschlands und Oesterreich-Ungarns mit Italien, war im Jahre 1902 aus sechs Jahre verlängert worden mit der Klausel, daß, wenn nicht bis Juni 1907 gekündigt werde, die Verträge von selbst weitere sechs Jahre, also bis 1914, laufen sollten. Eine Kündigung ist nicht erfolgt, auch Aenderungen und Zusätze sind nicht gemacht worden. Im völligen Einklang mit dieser Tatsache steht der Besuch des österreichisch-ungarischen Ministers des Auswärtigen Baron Aehrenthal bei seinem italienischen Kollegen Tittoni in Desio, an den sich eine Audienz des Barons Aehrenthal bei dem König Victor Emanuel in Racconai anreihte. Bei diesen Besprechungen handelte es sich nicht um den Fortbestand des Dreibundes, der, wie gesagt, schon außer allen Zweifel entrückt war, sondern um eine Befestigung des Einvernehmens zwischen dem Donaureich und Italien in den Balkanfragen. Beide Staaten haben hier namentlich in Al- banicn, verschiedene, um nicht jtt sagen widerstreitende Inter­essen, über die sie sich bisher als Verbündete auf der Basis der Erhaltung des status quo verständigt haben und offenbar auch weiter vertragen werden.

Französische Blätter heben mit Genugtuung hervor, daß der Weg zwischen Wien und Rom nicht mehr über Berlin zu führen scheine; ja eS fehlt sogar nicht die kühne Vermutung, daß die Besprechungen in Desto ein neuer Erfolg derEin- krcisnngSpolitik" gegen Deutschland seien. Man hat vergessen, daß der deutsche Reichskanzler Fürst Bülow in diesem Frühjahr erst den Besuch TittoniS in Rapollo und Achrenthals in Berlin empfangen hat. Das war vorgetane Arbeit für die Begegnung in'Desto, was auch durch die Nachricht bestätigt wird, daß Aehrenthal und Tittoni nach ihrer Unterredung dem Fürsten Bülow mitteilten, sie hätten in jedem Augenblick ihrer Verhandlungen des langen unb treuen Bündnisses mit Deutsch­land gedacht. Um so sonderbarer mutet eine angeblichoffiziöse" Mitteilung in Pariser Blättern an. die besagt, die Begegnung in Desio falle keineswegs in die Einflußsphäre Deutschlands, man dürft vielmehr überzeugt sein, daß sich Italien jetzt end­gültig an Frankreich und England genähert habe. Deutsch­land hat in Albanien und Mazedonien keine besonderen Interessen, es hat aber ein Interesse daran, daß sich feine beiden Verbündeten dort nicht verzanken.

Der Einkreisungswahn sieht nicht, was ist, und erfindet Dinge, die nicht sind. Eine neue hatte Probe steht ihm be­vor,' wenn nächstens der offenbar aus russischer Initiative hervorgegangene'Besuch des Zaren in deutschen Gewässern zur Ausführung' kommt und König Eduard nicht nach Marienbad reisen wird, ohne den Kaiser Wilhelm, den er zum November als Gast in Windsor erwartet, zuvor auf deutschem Boden zu begrüßen. Unter diesen Umständen können wir die angebliche Isolierung erst recht aushalten. Wäre sie wirklich vorhanden, so hätte'sie nur noch daS Gute, uns dak BcwShttsein der eigenen Kraft zu stärken.

Aus Htm Sochmssttgebici in Schießen ist die Meldung über einen Dammbruch eingctrosfcn, durch den weite Strecke fruchtbaren Ackerlandes unter Wasser gesetzt und auf lange Zelt hinaus der Kultur entzogen wurden.

Breslau, 17. Juli. Bei Taschenberg hat das Hoch­wasser den Neißedeich auf 25 Meter Länge durchbrochen, weite Strecken des Kreises Brieg sind überflutet. Dieselbe Glatzer- Neiße hat bei Ellguth den Bahndamm Camenz-Neiße unter­spült, so daß die Schienen in der Lust hängen. Der Verkehr wird mittels Umsteigens aufrecht erhalten. Die Forstschäden im Riesengebirge durch Hochwasser und Sturm sind unüber­sehbar. Allein im Forstrevier Riesenhain sind 600 Festmeter Altholz gebrochen. Andere Dämme sind in großer Gefahr. Ein Militärkommando ist von Brieg abgegangen. Die ganze Nacht über wird gearbeitet, um die Dämme zu schützen.

Breslau, 18. Juli. In Brieg hat die Oder die ganze Aue überschwemmt, zahlreiche Häuser stehen unter Wasser, der Kanalbau erleidet großen Schaden. In Breslau regnete eS fast die ganze Nacht. Ueber den Kreis Brieg gingen gestern mehrere schwere Gewitter nieder. An die Durchbruchstelle des Neißedammes bei Taschenberg ist ein Kommando von 50 Mann des Infanterie-Regiments Nr. 158 aus Brieg telegraphisch beordert worden, die den über 20 Meter großen Dammriß mit Sandsäcken zu schließen suchen und Tag und Nacht daran arbeiten. Der gleichfalls befürchtete Dammbruch in dem be­nachbarten Kantersdors, der die Stadt Löwen stark bedroht haben würde, ist nicht eingetreten. An einer Stelle rutfchte der Damm zwar um zwei Meter, das Loch wurde aber durch Sand­säcke und Bretterverschläge verschlossen.

Breslau, 18. Juli. Die Schlesische Zeitung meldet über den Taschenberger Dammbruch : Der Damm ist auf eine Strecke von 25 Meter gerissen. Vorläufig ist es unter großen Schwierigkeiten gelungen, weitere Brüche zu verhindern. Jenseits der Löwener Brücke sind die Häuser vollständig von Wasser umgeben, das bis Ranske c^- w.- ibe See bildet. Der Verkehr ist nur mittels Kähnen möglich. Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen besuchte gestern von Kamenz aus das Ueberschwemmungsgebiet von Frankenberg bis Plottnitz, und begibt sich heute nach Seitenberg, um die Windbrüche zu be­sichtigen. Wie die Schlesische Zeitung weiter meldet, ist der Boberdamm bei Oberleschen zwischen Liegnitz und Sagan ge­brochen. Laut Schlcsischer Volkszeitung erklärte der Schlesische Bauernverein, daß er den durch Hochwasser geschädigten Be­sitzern durch Verlängerung der Zahlungsfristen für die Lieferung von Futter, Saat- nnd Düngermittel zu Hilfe kommen werde.

At Vorgänge in Ulan).

Laut Meldung der Petersburger Telegraphcnagentur ordnet ein Kaiserliches U k a s die Verlängerung des Zustandes des verstärkten Schutzes für Petersburg vom 21. Juli ab für weitere sechs Monate an.

Nach Beendigung der Voruntersuchung durch den Unter­suchungsrichter ist hcnte wegen es von Deputierten der ersten Reichsduma am 23. Juli 1906 in Wiborg verfaßten Ausrufes an das Volk beim Petersburger Appellhof Klage erhoben worden. Nach der Anklageschrift werden 169 Exdeputierte unter der Anschuldigung, ein Staatsverbrechen begangen zu haben, gesetzlich verfolgt.

Am 17. d. errichteten in Jwenez (Provinz Minsk) Polen aus dem öffentlichen Platz in der Nähe der russischen Kirche ein Kreuz ihres Glaubens. Der Chef der örtlichen Verwaltung ordnete die Entfernung des Kreuzes an, die Menge widersetzte sich dem aber und warf die Polizei mit Steinen, so daß diese Feuer geben mußte, wobei ein Mann getötet wurde. Der Polizeikommiffar und mehrere Schutzleute haben Verletzungen erlitten.

Wjatka, 18. Juli. Aus der Wolga wurden in der Nacht vom 17. d. M. an Bord des Dampfers Lubimow auf der Fahrt zwischen Perm und Ochansk von einer zwölf Mann starken Räuberbande zwei Soldaten und ein Polizei­kommiffar getötet, der Kapitän und ein Passagier verwundet; durch eine in die Maschine geworfene Bombe wurde die Maschine unbrauchbar gemacht und das Schiff zum Stehen gebracht. Die Räuber erbrachen daraus den Postraum, ent­waffneten den Postbeamten, raubten 35 000 Rubel und suchten dann auf einem Boot daS Weite.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 18. Juli 1907.

Von der Nordlandreise S r. Majestät d e S Kaisers wird gemeldet: N a r v i k, 17. Juli. Se. Majestät der Kaiser setzte gestern nachmittag um 4Va Uhr die Reise nach Narvik fort, wo die Ankunft heute gegen 1 Uhr Mittags erfolgte. Das Wetter ist andauernd regnerisch und kalt. An 'Bord ist alles wohl. Narvik, 17. Juli, Abends. Die Hohenzollern geht morgen Donnerstag früh 8 Uhr in See. Telegraphenstation bis 3 Uhr Nachmittags ist Bodö, dann Selsövik. Der heute eingetroffene Kurier geht morgen nach Deutschland zurück. An Bord ist aQc$ wohl.

Ihre Majestät die Kaiserin traf gestern, wie auS Sabinen gemeldet wird, mit dem Prinzen Joachim undderPAnzeisin zn Wagen in Frauenburg ein, bestätigte die _ evangelische Kirche, in der die Kaiserin mit Orgelkängen begrüßt und vom