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herrseloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 84.

Donnerstag, den 18. Juli

1907.

Amtlicher teil.

Berlin W., den 10. Juni 1907.

Das von Hamburg aus in das Zollgebiet eingeführte Coper's Schaswaschpulver", das sowohl zur Vertreibung von Ungeziefer bei den Schafen, wie mich zur Verhütung von Schaskrankheiten (Räude oder Krätze) dienen soll, ist arsen­haltig und für Menschen und Tiere giftig. Als arsen­haltiges Ungeziefermittel darf dieses Waschpulver nach § 18 Abs. 3 der Polizeiverordnung über den Handel mit Giften vom 22. Februar 1906 (Minbl. s. Med. Ang. S. 115) nur mit einer in Wasser leicht löslichen grünen Farbe vermischt scilgehalten oder abgegeben werden. Tatsächlich wird eS aber ungefärbt in den Handel gebracht. Ew. Hochgeboren ersuchen wir ergebenst, den Verkehr mit dem gedachten Waschpulver durch die Polizeibehörden überwachen zu lassen.

Seitens des Herrn Finanzministers sind die Zollstellen angewiesen worden, bei dem Eingänge von Cooper's Schaf- waschpulver in ungefärbtem Zustande (nicht grün) der Polizei­behörde des Bestimmungsortes Nachricht zu geben.

Die Vermischung von Cooper's Schaswaschpulver mit grüner Farbe würde übrigens auch dann zu fordern sein, wenn hier­durch die Anwendung des Mittels beeinträchtigt oder gar un­möglich gemacht werden sollte. Es stehen für den Zweck noch andere Mittel zur Verfügung. (M. d. g. A. M. Nr. 6404. M. f. Landw. I. Ga 5948.)

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- unb Medizinal- Angelegenheiten. J. A. gez.: Förster.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

3; A. (Unterschrift)

An die Herren Regierungspräsidenten und den Herrn Polizei­präsidenten in Berlin.

*

* Cassel, den 5. Juli 1907.

Abdruck zur gefälligen Kenntnis und Beachtung. Die Herren Landräte ersuche ich die Polizeibehörden mit entsprechender Weisung zu versehen. (A. II. 5323.)

Der Regierungs-Präsident. J. V.: Fliedner. An die Herren Landräte und Polizeidirektoren des Bezirks.

*

Hersseld, den 15. Juli 1907.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises gut Kenntnis und Beachtung mit.

1. 6318. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 10. Juli 1907.

Ich habe mit der aushülssweisen Ausübung des Jagdschutzes bis auf Weiteres beauftragt:

1. den Königlichen Förster Paul in Biedebach bezüglich der Gemarkung Biedebach;

Das Geheimnis.

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wanda stieß einen schweren Seufzer auS und barg das Gesicht in den Kissen.Wenn ich nur wüßte, was ich tun soll-, murmelte sie leise in sich hinein,vielleicht ist eS unrecht, aber Frau v. Behringen", sagte sie plötzlich laut, während sie den Kopf wandte und dieser forschend in das traurige, fast schwermütige Gesicht blickte,ich möchte eine Frage an Sie richten, zu der ich vielleicht kein Recht habe, doch bitte ich inständigst, sie mir zu beantworten. Ist Konstanze von Hohenstein die Gemahlin Ihres Sohnes?

Nein", lautete die einfache Antwort.

So wird sie eS bald werden?" fragte das junge Mädchen weiter.Wenigstens habe ich es gehört."

Dann hat man Dich falsch unterrichtet", entgegnete die alte Dame.Mein Sohn ist weder mit ihr noch meines Wissens mit einer anderen verlobt; und nun", setzte sie ernst, säst streng hinzu,habe ich Deine Fragen beantwortet und muß Dich bitten, es dabei bewenden zu lassen. Es kann für uns beide nur peinlich sein, bei diesem Tema länger zu verweilen..

Dabei wollte sie sich erheben und daS Zimmer verlassen, als Wanda'S auSgestreckte Hand sie sanft in die Polster zu- rückdrückte.

Nein, nein, Sie dürfen nicht gehen", rief das Mädchen erregt;Sie haben eben gesagt, Sie hätten mir all den Kummer vergeben, den ich Ihnen bereitet. Sie haben mich jetzt gepflegt wie eine Mutter ihr Kind, tun Sie noch daS eine, hören Sie meine Geschichte an, die ich Ihnen erzählen werde, und beurteilen Sie mich dann mild und gütig, wenn Sie es können."

Die alte Dame zögerte noch, wie aber hätte sie dem Mädchen, welches sie mit so dringenden, flehenden Augen ansah, diese Bitte abschlagen können.

Wenn es Dir eine Erleichterung gewährt", sprach sie noch immer zweifelnd;aber eS wäre besser"

2. den Königlichen Förster Buge in HeencS bezüglich der Gemarkungen Tann, Heenes und Allmershausen;

3. den Königlichen Förster Thunecke in Gittersdors bezüglich der Gemarkungen Allmershausen, Gittersdors, Untergeis, Meisebach und Hälgans;

4. den Königlichen Hegemeister Nogatz in Gittersdors bezüglich der Gemarkungen Gittersdors, Untergeis und Obergeis;

5. den Königlichen Förster Teusler zu Forsthaus Mönches bezüglich der Gemarkungen Asbach, Reckerode und Hälgans;

6. den Königlichen Hegemeister Weege in Hersseld bezüglich der Gemarkungen Hersseld, Eichhof, Asbach und Meise­bach ;

7. den Königlichen Forstausseher Abraham in Untergeis bezüglich der Gemarkungen Obergeis, Untergeis, Gilters- dors und Reckerode und

8. den Königlichen Hilfsjäger Kurz in Hersfeld bezüglich der Gemarkungen Hersfeld, Eichhof und Meisebach.

I. 6136. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 15. Juli 1907.

Meine Verfügung vom 5. November 1892 I. I. 73 80 (Kreisblatt Nr. 133) betreffend Berichterstattung über die Herab­minderung von Strafen wird au ehoben.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher wollen ihren Terminkalender entsprechend berichtigen.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

Thamer.

Hersfeld, den 13. Juli 1907.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung deS Herrn Regierungs-Präsidenten vom 21. Juni d. JS., A. II. G. 635 a (Kreisblatt Nr. 78) mache ich daraus aufmerksam, daß je ein Exemplar der für Damenfriseusen, Damenschneiderinnen und Putzmacherinnen erlassenen Gehilfinnen-Prüfungsordnungen vom 15. Juli d. Js. ab zur Einsicht im Geschäftslokal des König­lichen Landratsamtes ausliegen.

J. I. 6216. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Thamer.

Hersseld, den 13. Juli 1907.

Unter dem Schweincbestande deS Gastwirts Richardt in Willingshain ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 6232. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Ich muß reden, ich kann eS nicht länger ertragen", rief Wanda ungestüm;um Gottes willen, sagen Sie nur, daß Sie mich anhören wollen."

Nun denn, so sprich", und zum Hören bereit, lehnte sie sich in die Stuhllehne zurück.

Eine Weile noch, nachdem die vier Worte verhallt, blieb Wanda still und schweigend, wie in tiefe Gedanken verloren, liegen, dann hob sie mit leiser, hastiger Stimme an:

'Ich muß zurückgreisen in die Zeit, wo ich noch ein kleines Kind war und mein Vater starb. Seines TodeS und meiner alten Heimat erinnere ich mich gar nicht mehr. _ Meine erste Erinnerung knüpft sich an den Moment, wo ich ängstlich und schüchtern unter dem großen steinernen Torweg im Hause meiner verheirateten Schwester stand, Sie und ihr Mann standen bei mir, und vor meiner Schwester fürchtete ich mich nicht, ihr Gxsicht und ihre Stimme waren mir nicht fremd, wohl aber vor meinem Schwager, dessen vergnügtes Lachen und sein schwarzes Haar mir Entsetzen einflößle, und sobald ich konnte, verkroch ich mich. Doch das dauerte nicht lange. Sehr bald begriff ich gar nicht mehr, wie ich mich vor Schwager Anton hatte fürchten können und liebte ihn fast ebenso sehr, wie ich Helene liebte. Ich mochte ungefähr drei Jahre bei ihnen gelebt haben, als ihnen daS erste Kind geboren wurde; doch es starb schon nach acht Tagen und ich war wieder das einzige Kind im Hause. Ich glaube, des Kleinen Tod machte mich Anton und Helene noch viel teurer, als ich ihnen bis dahin gewesen; selbst die Bauern im Dorfe meinten, es wäre etwas ganz Herrliches, eine solche Liebe zu sehen, um so mehr noch, da ich doch nur Helene's Halbschwester war. Die beiden unterrichteten mich, spielten mit mir, pflegten mich, wenn ich krank war, genug, sie machten mir mein Leben zu einer Kette ununterbrochener Freude, bis ich ziemlich sechs- zehn Jahre zählte."

Da wurde Fritzchen geboren, und gerade, als wir unS alle mit dem kleinen, herzigen Jungen freuten, kam der erste Umschwung. BiS dahin hatten wir in dem alten, grauen Hause, in dem Anton und sein Vater geboren worden, von aller Welt isoliert, glücklich und zufrieden in unserer Einsamkeit gelebt. In späteren Jahren erfuhr ich, weshalb Anton dies

nichtamtlicher teil.

Mlwn Der französischen Volksseele.

Es gibt aus der ganzen Erde kein Kulturvolk, welches so wie daS französische der Welt seelische Rätsel aufgegeben hat. Für alles Große und Schöne leicht zu entstammen, von der Freiheit und Brüderlichkeit begeistert, hat das sranzösische Volk in seiner Entwickelung oft riesenhafte, sprungartige Fortschritte gemacht, hat in kurzer Zeit oft den Gipfel der politischen Macht und Größe, des bestrickenden Glanzes und Ruhmes erklommen, um dann oft in wenigen Jahren in einen Ab­grund zu stürzen. Diese eigenartige Erscheinung zeigt sonst kein einziges Volk auf der Erde, und sie wiederholte sich in der Geschichte des sranzösischen Volkes und bedeutsam für ganz Europa, dreimal, unter Ludwig XIV., unter Napoleon I. und unter Napoleon III. Die Weltgeschichte und auch die Ge- schichtssorscher haben den Franzosen in ihren überschwenglichen Großmachtsbestrebungen Unrecht gegeben, aber all den Spott und Hohn, den die Wett nach den Niederlagen Frankreichs aus die Franzosen ausgegossen hat, haben sie nicht verdient. Wenn in Frankreich den großen Worten auch sehr oft die großen Taten fehlten, und den Idealen und Begeisterungen für die Freiheit und Brüderlichkeit, für die Kunst, die Wissen­schaft und Bildung nicht immer die tiefe gründliche Arbeit und das solide Streben zur Seite standen, so muß man eben daran denken, daß eben solche großen Gefühle sich nicht immer in die Praxis des Lebens als Taten und Werke vollständig um- setzen lassen, und hochzusckätzen bleibt im französischen Volke die Begeisterung, sür die Freiheit und Brüderlichkeit und für die Menschrechte überhaupt. Diesen großen Gefühlen in der französischen Volksseele steht nun aber auch als Gegenstück die tiefe Verstimmung gegenüber, welche die Franzosen über ihre Niederlagen empfinden, und die sie verhindert, die Dinge real­politisch zu betrachten. Darin ist auch die tief zu beklagende Ursache der Entfremdung zwischen dein französischen und deutschen Volke zu erblicken, obwohl hochgebildete Männer beider Nationen zugeben müssen, daß Frankreich wie Deutsch­land, abgesehen von den seitens der Franzosen nicht ganz über­wundenen Folgen des letzten deutsch-sranzösischen Krieges, eine ganze Menge gemeinsame Knlturinteresscn und natürliche An- knüpsungspunktc besitzen. Glücklicherweise ist gegenwärtig die Erkenntnis der gemeinsamen Kulturinteressen in Frankreich wie in Deutschland so im Wachsen begriffen, daß vielleicht auf kolonialpolitischem Gebiete, zumal was Afrika und Asien anbe- trifft, eine derartige Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich stattfindet, daß die Franzosen darüber das Loch in den Vogesen vergessen und nach und nach mit der Tatsache rechnen, daß der Franksurter Friede vom Jahre 1871 wirklich ein Friedensschluß zwischen Deutschland und Frankreich, und nicht etwa nur ein Waffenstillstand ist, wie die französische Volksseele so lange und in so verhängnisvoller Weise diesen

einsame Leben gewählt hatte. In seiner Jugend hatte er einen unüberlegten Streich ausgeführt, der einen bimsten Schatten auf sein ferneres Leben warf, und ihn nur gar zu gern den stillen Geburtsort aussuchen ließ, der ihn den Augen und dem Gedächtnis der Welt entrückte. Hier führte er ein friedliches, tadelloses Leben, bis er einen gewissen Herrn Falkner kennen lernte, der ungefähr eine halbe Meile von uns entfernt ein Gut gepachtet hatte. Er war ein junger, hübscher und liebens­würdiger Mann, den wir alle sehr gern sahen. Freilich ahnten wir damals noch nicht, welches Unheil er über uns bringen sollte."

Die Bckanntschast hatte bereits eine geraume Zeit gewährt und zwar zwischen Falkner und Anton fast zur Freundschaft geworden, als ich auf Helene's Antlitz zuweilen einen Schatten bemerkte. Anfangs nur einen ganz schwachen, doch wurde er dunkler, bis selbst ihr kleines Söhnchen denselben nicht mehr zu verscheuchen vermochte. Sie sprach zu mir kein Wort darüber, sie liebte wohl Anton zu sehr, als daß sie das getan hätte, aber eine innere Stimme sagte mir, daß uns ein Unglück bevorstand. Die Wolke wurde immer finsterer und lagerte nun auch aus Antons Stirn. Ein fröhliches Lachen kannte man in unserem Hause nicht mehr; wir gingen alle einher, als ob der Tod bei unS Einkehr gehalten hätte, und oft ließ Helene die Arbeit in den Schoß sinken und starrte dann stundenlang in das Leere, während ihr langsam Träne um Träne die Backe herabrollte. Endlich konnte ich es nicht länger ertragen und bat sie inständigst, mir doch alles zu sagen; und nun erzählte sie mir, daß Antons Ehre und Ver- mögen in Falkners Händen seien. Das war aber »och nicht daS Schlimmste. Ihre große Sorge war, daß der Tag bald kommen würde, an dem Anton erfahren mußte, daß er betrogen und hintergangen worden.

An einem stürmischen Winterabend ritt Anton nach Falkners Gut hinüber. Er hatte nichts weiter gesagt, als daß er in zwei Stunden wieder zurück sein werde. Doch wir warteten die ganze lange Nacht und er kam nicht. Am folgenden Morgen erfuhren wir, was geschehen war. Ach, es war zu entsetzlich!" hier machte sie eine Pause, als ob sie Kräfte sammeln müßte, daS Furchtbare auszusprechen. Erst nach einer Weile