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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt fürherrseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na

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herssel-er KreisWatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 82. Sonnabend, den 13. Juli 1907.

Amtlicher Ceil.

Nachdem Seine Majestät der König Aller- gnädigst geruht haben, mich zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau zu ernennen, habe ich mein Amt am heutigen Tage übernommen und bringe dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis.

Cassel, 4. Juli 1907.

Hengstenberg.

Hersfeld, den 24. Mai 1907.

Das Ober-Ersatz-Geschäft findet am

Mittwoch den HZ. Juli d. Is. und Donnerstag den |8. Juli d. Js.

jedesmal von morgens 7 Uhr ab im Saale des Gastwirts Herrn B. Bolender hierselbst statt.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises haben die ihnen demnächst zugchcnden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszuhändigen.

Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militär- pflichtigen in den genannten Terminen pünktlich zu erscheinen und ihnen zu eröffnen, daß diejenigen, welche beim Ausruf ihrer Namen im Musterungsraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen, die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als un­sichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Commission zur Entscheidung vorgelegt. Alle Familienglieder, aus deren Ar- beits- oder Nichtarbeitssähigkeit es bei der Beurteilung der Rekla­mation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) haben deshalb im Termin mit zu erscheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht staltfinveu kann

Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachweis hierfür durch drei glaubhafte persönlich anwesende Zeugen zu führen oder ein Zeugnis eines beamteten Arztes beizubringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen ; ebenso müssen auch die etwa zur Borlage kommenden ärztlichen Atteste sich vorzugsweise über neuere Fälle aussprechen. Im übrigen sind Kraukbeiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit seststellcn lassen, (z. B. geistige Befchränktyeit, Bluttzusten, Herzleiden usw.) durch Borlage von ärztlichen Attesten nachzuweisen.

Befinden sich Reklamanten, welche ihre Angehörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, außerhalb, sind die diesbe­züglichen Postfcheme mitzubrmgen.

Die Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Ge­meinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntnis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie die Militärpflichtigen noch besonders anzuweisen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen und die Loofungsscheine mit zur Stelle zu bringen haben, Da andernfalls der Betrag von 50 Pfennig für Ausstellung eines Duplikatscheines gezahlt werden muß.

J. M. Nr. 488. Der Königliche Landrat

von Grün elius.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. Malens in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versetzung der Geschäfte des erkrankten König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 16. Juli im Sitzungszimmer des hiesigen LandratSamteS von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. HerSfeld, den 12. Juli 1907.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 8. Juli 1907.

Nach einer hier vorliegenden Anzeige dcS Königlichen Museumsdirektors zu Cassel beabsichtigt der Dr. phil. I. B. Willy Bergmann, Dozent für Zoologie und Geologie an der Humbold-Akademic in Berlin auf Gemeinde und Privatgrund- stücken in der Nähe von Hersfeld und Marburg Hügelgräber auszugraben.

Da keine Gewähr dafür vorhanden ist, daß Bergmann die Ausgrabungen fachgemäß und wissenschaftlich vornehmen wird, ist sein Vorschlag abgelehnt ivorben. Falls Bergmann jedoch trotzdem die Ausgrabungen aus eigene Rechnung anssühren

sollte, weise ich die Herren Bürgermeister des Kreises daraus hin, daß

1) aus Gemeindebesitze Ausgrabungen nur mit schriftlich eingeholter Genehmigung Königlicher Regierung statthaft sind,

2) Funde von Ausgrabungen aus Privatgrundstücken als Altertumsunde im Sinne der landesherrlichen Verfügung vom 22. Dezember 1780 zu betrachten, mithin unverzüglich an mich einzusenden sind und

3) von Ausgrabungen, die auf Privatgrundstücken statt- finden, sofort dem Königlichen Museum zu Cassel Anzeige zu machen ist.

I. 6120. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T H a m e r.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In der öffentlichen Erörterung innerpolitischer Vorgänge nimmt der stattgehabte Ministerwechsel immer noch den ersten Platz ein. Dabei treten mancherlei schiefe und unrichtige Anschauungen zutage, deren Zurückweisung geboten erscheint. Hierhin gehört insbesondere die von der Zentrumspartei und der Sozialdemokratie im Bunde mit den extremenSozial- resormern" kolportierte Meinung, als bedeute der Rücktritt des Grafen Posadowsky einen Stillstand der Sozialreform. Davon kaun keine Rede sein. Deutschland wird zweifellos auch in Zukunft seinen Ruhm bewahren, in sozialpolitischer Hinsicht an der Spitze der zivilisierten Welt zu marschieren. Wir wollen aber nicht verfehlen, dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß bei dem weiteren Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung zweierlei nicht außer Acht gelassen werde. Ein­mal darf die Sozialpolitik nicht einseitige Arbeiterpolitik sein, und sodann muß bei der Organisation der Sozialreform alles vermieden werden, was geeignet ist, der revolutionären Pro­paganda der Sozialdemokratie Vorschub zu leisten. Nur wenn diese beide Kauteln beachtet werden, wird die sorlschreitende Sozialreform unserm Volke und Vaterlande zu wirklichem Segen gereichen.

In O e st e r r e i ch - U n g a r n haben sich wieder Vorgänge abgespielt, die beweisen, wie sehr dieses Reich an dem Natio- nalitätenproblem krankt. In Ungarn sind die Kroaten ent= schloffen, sich der Tyrannei der Magyaren mit allen Kräften zu widersetzen, und man kann wohl erwarten, daß ihr Beispiel bei den andern Nationalitäten, aus denen Ungarn zusammen­gesetzt ist, Nachahmung finden wird. Ebenso droht im öster­reichischen Parlament die Sprachenfrage eine Krisis hervorzu- rufen. Setzen die Tschechen durch, daß ihre Sprache in den Verhandlungsprotokollen für zulässig erklärt wird, so werden die Polen, Ruthenen und wie die in Oesterreich vorhandenen Völkerstämme alle heißen schließlich denselben Anspruch auch für sich erheben.

Die Erklärungen, die der f r a n z ö s i s ch e M i n i st e r des A e u ß e r n P i ch o n aus Anlaß der Interpellation Dcnys Cochin über die deutsch-französischen Beziehungen abgegeben hat, haben einen durchaus günstigen Eindruck gemacht. Ins­besondere sind für die ganze Art, wie der französische Staats­mann das deutsch-französische Verhältnis auffaßt, seine auf Marokko bezüglichen Worte charakteristisch. Er stellte sich mit voller Bestimmtheit auf den Boden der Vereinbarungen von Algeciras und hob ausdrücklich hervor, daß heute keinerlei diplomatische Schwierigkeiten zu befürchten sein. Man wird bei uns in Deutschland den freundlichen Ton, in dem Minister Pichon die deutsch-französischen Beziehungen besprach, gewiß mit Dank anerkennen. Zugleich wird man nicht umhin können, daran den Wunsch zu knüpfen, daß die Gesinnung Pichons recht bald Gemeingut des französischen Volkes werden möge.

Daß der französische Staatsmann die marokkanische Frage in so nüchterer und loyaler Weise behandelte, gewinnt noch besondere Bedeutung gerade im gegenwärtigen Moment, wo wieder recht eigenartige Nachrichten aus Marokko kommen. Um sich des alten Räubers Raisuli, der sich allen ihn gestellten Scklingen immer wieder mit großer Schlauheit zu entziehen weiß, zu entledigen, hat der marokkanische Sultan den Versuch gemacht, ihn durch eine größere Zahlung abzufinden und zum Verlassen des Landes zu bewegen. Der alte Bandit hat aber den Abgesandten des Sultans, den Kaid Mac Leau, einen englischen Staatsangehörigen, einfach gefangen genommen und verlangt nun seinerseits Lösegeld. Die marokkanische Regierung ist dadurch in eine peinliche Lage gekommen; denn daß Eng­land für Mac Lean eintreten würde, war voranSzuschen. Im englischen Unterhause hat der Parlamentssekretär Runciman bereits erklärt, die englische Regierung werde aus den Sultan von Marokko einen Druck auSüben, daß er die größten An­strengungen zur Befreiung Mac LcanS mache, und habe ihn zugleich davor gewarnt, irgendwelche Schritte zu tun, welche die persönliche Sicherheit Mac Leans gefährden könnten. Man darf immerhin auf den Ausgang der Affäre gespannt sein.

Die Lage in Rußland bessert sich noch immer nicht. Täglich laufen Berichte über Meutereien des russischen Mili­

tärs und arge Verletzungen der Disziplin ein. In Riga meuterte ein ganzes Infanterieregiment, wurde jedoch bald zu Ruhe gezwungen. Neun bewaffnete Personen griffen den Kaffiercr der Eisenbahn MoskauKasan an, der eine bedeutende Geldsumme bei sich trug. Vier Räuber wurden lebend scst- genommen und einer getötet. Zwei Bomben, acht Revolver und zwei Dolche wurden ihnen abgenommen. In Warschau erschossen vier unbekannte Männer den Direktor der Warschauer Wasserleitung Eduard Szymanski. Im Gebiete des Ladoga- Kanals sind wieder ernstliche Bauernunruhen abgebrochen. Die aufständischen Bauern suchen mit Gewalt den Verkehr der Schleppdampfer zu verhindern und setzen der Polizei heftigen Widerstand entgegen, dem auch Menschenleben zum Opfer ge­fallen sind. An den Kanälen von Bjelostrov im Gouverne- ment Nowgorod sind die gleichen Unruhen ausgebrochen, und auch dort gab es Verwundete. Es ist wirklich dringend zu wünschen, daß in dem schwergeprüften Lande endlich wieder geordnete Zustände einziehen.

Killt neue KrWms uns Htm Stlllltoitr.

Es scheint den tüchtigsten Vertretern der gelben Rasse, den Japanern, vorbehalten zu sein, eine ganz neue Art der Ausbreitungs- und Eroberungspolitik, wie sie bisher die Welt noch nicht gekannt hat, mit großer Ausdauer und Erfolg in Szene zu setzen. Es ist nicht notwendig um die ganze Größe des japanischen Unternehmungsgeistes richtig zu würdigen, auch schon anzunehmen, daß die Japaner einen Krieg mit Nordamerika anfangen und die Nordamerikaner aus den Philippinen verdrängen wollen. In Washington und in Tokio gibt man sich auch jetzt jeden Tag Mühe, um den Anschein zu erwecken, daß die Bczi-Hungen zwischen Japan und Nordamerika die besten seien, und daß weder die amellkanische noch die japanische Regiemng in den gegenwärtigen Beziehungen der beiden Länder den Anlaß zu einem Konflikte sähen. Aber die Absettdung einer großen amerikanischen Flotte nach dem Stillen Ozean wird doch mit großer Beschleunigung betrieben. Es ist ferner in Washington beschlossen worden, daß die neuesten und größten amerikanischen Schlachtschiffe und Panzer­kreuzer nach dem Stillen Ozeane zu schicken sind und daß die jüngsten und tüchtigsten Seeoffiziere mit dem Befehle über die Kriegsschiffe betraut werden sollen. Es ist ferner in Washington der Befehl erteilt worden, die Herstellung der Dampfkessel für die noch nicht ganz fertig gestellten neuen Kriegsschiffe zu beschleunigen und alle älteren Kriegsschiffe mit Reservekesseln zu versehen. Diese Maßregel beweist also ganz deutlich, daß mindestens Nordamerika durch die Ent­sendung einer so großen Flotte nach dem Stillen Ozeane einen starken Schachzug gegenüber Japan vollziehen will, und man muß sich unwillkürlich fragen: welche Umstände drängt denn Nordamerika zu biefem Schachzuge? Ist _ es die Sorge um die Philippinen oder ist es die fatale beängstigende Konkurrenz welche die in Kalifornien so zahlreich eingewanderten Japaner den Amerikanern bereiten und dort zu soviel Unzufriedenheit, ja sogar zu Volksaufständen Anlaß gegeben haben? Alle diese Ursachen sind nur der Schaum, der an den vom Sturme gepeitschten Wogen des politischen OzeanS emporspritzt. Die ivahre Ursache für den schweren Gegensatz zwischen Japan und Nordamerika und man kann wohl sagen, auch zwischen Japan und Europa, ist in ganz anderen Erscheinungen zu erblicken. Japan leidet an Uebervölkerung und die Intelligenz und Tüchtigkeit der jähen japanischen Raffe sucht sich ein neues Vaterland im Auslande zu schaffen. Japan selbst will offenbar ein Neu-Japan mindestens in Ostasien, wenn nicht auch noch in anderen Erdteilen begründen. Dieses Bestreben Japans zeigte schon der japanische Krieg gegen China, es wird ferner noch durch die Tatsache bewiesen, daß die Japaner seit ihrem Siege über Rußland Korea unter ihre Botmäßigkeit gebracht haben und immer neue und größere Auswanderungsftröme nach der Mandschurei, aber auch nach Australien und Amerika senden. Es ist dann natürlich, daß zumal die weißen Ansiedler, Ge- weibetrcibendcn unb Kaufleute in Nordamerika, Die ja auch alle von einem elementaren Dränge des BorwärtskommenS beseelt sind, sich in ihrer Existenz von den Japanern bedroht fühlen. Und geradezu mit elementarer naturgesetzlicher Gewalt kann sich daraus ein schwerer Konflikt, ein Krieg aus Leben unb Tod zwischen der weißen und gelben Rasse entwickeln. In den Vordergrund dieses drohenden Konfliktes ist nun jetzt seltsamerweise Nordamerika gerückt, ein Land, welche? feit seinem Bestehen kaum die Konkurrenz von Nebenvölkern und Nachbarstaaten gekannt hat, und darin, sowie in der eigen­tümlichen Art der Ausbreitung deö Japanertums ist eine ganz neue Erscheinung in der Weltgeschichte zu erblicken.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 11. Juli 1907.

Sc. Majestät der Kaiser ist, wie auS Bodö ge- meldet wird, nach guter Fahrt in der Nachr vom Mittwoch zum Donnerstag dort eingetroffen. Das Wener in meit trübe. An Bord ist alles wodl. Am DienSrag hat Le. Majestät der Kaiser in Bergen mit dem Vertreter des AuS-