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ßischen Automobil-Statistik sehr günstig da, denn mit 1161 bei uns beheimateten Automobilen ereigneten sich 56 Unfälle, das sind auf 100 Kraftwagen 4,8, während in ganz Preußen 7,5 kamen. 78 der hessen-nassauischen Automobile dienten der Lasten-, die übrigen der Personenbeförderung. 12 der Personen-Automobile standen im Dienst der Behörden, 25 dienten dem öffentlichen Fuhrverkehr, 312 fanden Verwendung im Handelsbetriebe, 6 in der Landwirtschaft, und 142 in anderen Berufen.

* Eine neue Felddienstordnung wird auf Befehl des Kaisers zur Zeit ausgearbeitet. Die zu diesem Zweck ein- acscüte Kommission dürfte noch länger mit ihren Beratungen über die Einzelheiten der wichtigen Neuerung zu tun haben. Erst in einigen Monaten wird darum die Ausgabe der neuen Felddienstordnung an die Truppe erfolgen.

* (Neuerung in der Benutzung der Truppen- Übungsplätze.) Die ursprüngliche nur für ein Armeekorps geschaffenen Truppenübungsplätze werden fortan nicht allein den zu diesem gehörigen Truppenteilen, sondern auch den Truppen- körpern anderer Korps zur Verfügung gestellt. Es soll dadurch in jedem Jahr eine Abwechslung des Geländes bewirkt werden. Diese Einrichtung wird als besonders zweckmäßig für die Schießübung der Artillerie erachtet. Neue Terrains stellen natürlich an die Schießleistungen jedesmal neue Aufgaben, wie es ja im Ernstfälle alle Tage vorkommt.

* (Zur Lehrerflucht aus Kurhessen.) In dem eben verflossenen Vierteljahr haben wieder 11 Lehrer und 1 Rektor ihre Entlassung aus dem Schuldienst des Regierungs­bezirks Cassel genommen und zwar zwecks Uebertritts in den Schuldienst der Regierungsbezirke Düsseldorf (4), Arnsberg (5), Erfurt (1) und Stade (1); ein Rektor trat in den Seminar­dienst über.

):( Hersfeld, 10. Juli. (Se. Durchlaucht Sere­nissimus in Hersfeld.) Wie uns von zuständiger Seite gemeldet wird, trifft Serenissimus nebst großem Gefolge im Laufe des kommenden Donnerstags 11. Juni hier ein. Abends wird Durchlaucht nebst Exzellenz von Kindermann der im Bolenderschen Etablissement stattfindenden Fest-Vorstellung von der Hofloge aus beiwohnen. Die hohen Herrschaften werden nach dem 1. Teil des Cabaret-Programmes ungefähr gegen 9 Uhr den Saal betreten, das Erscheinen wird durch Fanfaren angekündigt, welchen sich die Nationalhymne zur Begrüßung Sr. Durchlaucht anschließt. Durchlaucht Sere­nissimus werden ferner Gelegenheit nehmen, einige Herrschaften aus dem Zuschauerraum durch huldvolle Ansprachen auszu- zeichnen. Für die Fest-Vorstellung wurde auf speziellen Wunsch Sr. Durchlaucht ein Cabaret-Programm arangiert, zu deffen Mitwirkung die hervorragendsten Mitglieder unserer Sommer-Bühne besohlen wurden. Ferner hat unsere hiesige Bade-Kapelle ein ausgewähltes Concert-Programm für diesen Abend eingeschaltet, welches unter anderem die Jubel-Ouverture von Weber, Fantasie aus der Operette Zigeunerbaron, Sirenen- Zauber aus der OperetteDie lustige Witwe" rc. enthält.

):( Hersfeld, 10. Juli. Die Tage des Feuerwehr­fest e s sind nun vorüber, und man muß feststellen, daß sie in der schönsten Weise verlaufen sind. Der Besuch war an allen drei Tagen ein sehr starker, so daß sowohl die Veran­stalter des Festes wie auch die Gastwirte zufrieden sein können. Mit Befriedigung äußerten sich allgemein die fremden Gäste über die gastfreundliche Ausnahme, welche sie bei den Bürgern unserer Stadt gefunden haben. Die Tage, welche sie in Hersfelds Mauern verlebten, werden ihnen gewiß noch lange Zeit in bester Erinnerung bleiben.

):( Hersfeld, 10. Juli. Der Gauner, welcher hier einen Anzug gestohlen hatte und dann am Sonntag dem Eigentümer desselben in die Arme lief, entpuppt sich als ein schon mehrfach vorbestrafter Verbrecher, darunter mit einer Zuchthausstrafe von 7 Jahren. Auch in R o t e n b ur ga. F. hatte er am Sonnabend eine Haarschneidescheere entwendet, was er einem hiesigen Polizeibeamten eingestand. Bei seinem Verhör gab der Mann an, er könne nichts liegen lassen.

Heringen a. d. Werra, 5. Juli. Dieser Tage wurde der Bürgermeister unseres Ortes, Herr Gebauer, dessen Wahl­periode demnächst abläuft, einstimmig wiedergewählt. Der Ge­nannte hat es verstanden, die Interessen unseres im Aufblühen begriffenen Ortes stets in bester Weise zu fördern. In Leimbach wurde die Frau eines dortigen Einwohners während des Heumachens von einem Herzschlage betroffen, der ihren sofortigen Tod zur Folge hatte. Die so jäh aus dem Leben Geschiedene hinterläßt ihren Mann mit sechs noch unmündigen Kindern.

Philippsthal, 9. Juli. Als Nachfolger des demnächst von hier scheidenden Herrn Oberförster Schwecht ist Herr Oberförster Müller in Montjoie bei Aachen ernannt worden. Herr Oberförster Müller wird bereits am 1. August seinen hiesigen Posten antreten und in der inzwischen von ihm käuf­lich erworbenen Eichblatt'schen Villa am Bahnhose Wohnung nehmen. (R. Z.)

Cassel, 9. Juli. Durch ein Großfeuer wurde das Gast­hausDeutsches Haus" im benachbarten Holzhausen nebst allen Wirtschaftsgebäuden total eingeäschert.

Cassel, 8. Juli. Ein entsetzliches Unglück, dem zwei spielende Kinder zum Opfer fielen, hat sich heute im Laufe des Vormittags hinter den vor dem Holländischen Tor gelegenen Quellhösen ereignet. An der sogenannten Eiche waren aus einem mit Sandboden bedeckten Grundstück mehrere Kinder im Spiele begriffen. Ihrer kindlichen Phantasie folgend, versuchten sie, sich in den etwas lehmhaltigen Erbmassen Höhlen zu bauen. Eine solche Höhle, die schon einen ziemlich großen Umfang angenommen hatte, stürzte nun plötzlich durch das über ihr befindliche Gewicht ein. Von den darin befindlichen vier Knaben vermochten zwei, die sich näher am Ausgang befanden, sich noch im letzten Augenblick in Sicherheit zu bringen, während die beiden anderen verschüttet wurden. Die Entkommenen be­nachrichtigten sofort mehrere Erwachsene, die sich an da? Rettungs- werk machten. Gleichzeitig wurde die Sanitätskolonne alarmiert, doch war es zur Hilfe bereits zu spät. Nachdem es gelungen war, zu den zwei verschütteten Kindern vorzudringen, nahm die Sanitätskolonne sofort Wiederbelebungsversuche vor, doch blieb dies erfolglos, da inzwischen der Erstickungstod einge­treten war.

Rotcuburg a. d. Fulda, 9. Juli. Ein schrecklicher Un- glückssall ereignete sich in dem Dorfe Heyerode. Die mit Futterschneiden beschäftigte Tochter deS Bürgermeisters Reinhardt dortselbst geriet beim Ueberschreiten der Triebwelle mit den Kleidern in das Getriebe der Maschine, sie wurde zu Boden geworfen und fiel dabei so unglücklich, daß ihr eine Rippe ge­brochen wurde, deren Ende in daS Herz Andrang und den so- sortigen Tod deS Mädchens herbeiführte.

Gertenbach b. Witzenhausen, 7. Juli. Auf dem hiesigen Stationsgebäude machte man in der Abortgrnbe deS Abteils für Frauen einen schrecklichen Fund. In dem Abfuhrkübel lag die Leiche eines neugeborenen Kindes, eines kräftigen, wohl­

gestalteten Knäbleins. Nachdem die Gendarmerie den Tatbe­stand sestgestellt, wurde zur Sektion der kleinen Leiche geschritten. Nach ärztlichem Gutachten soll das Kind gelebt haben und auf die Fingerstellung rc. zu schließen muß das Kind keines natür- lichen Todes gestorben sein. Die Gendarmerie recherchiert sehr eifrig, um Licht in dieses Dunkel zu bringen. Es wird an­genommen, daß das Kind nicht hier an diesem Orte zur Welt gebracht ist; denn es waren keine verdächtigen Spuren vorzu- finden. Vielmehr neigt man der Ansicht, daß das Kind ein­gewickelt hierher gebracht und in den Kübel geworfen wurde, um die Tat so darzustellen, als wenn sie von einer durchsah- renden Person ausgesührt sei.

Gersfeld (Rhön), 5. Juli. Einem Schuhmacher in Gersfeld wurde vergangenen Winter der gesamte Speck von einem 270 Psund schweren Schlachtschwein aus seiner in einem Backosen neben dem Wohnzimmer befindlichen Räucherkammer gestohlen. Der Bestohlene, der anfangs an einen Scherz glaubte, scheint den Humor ob des Verlustes seines Schlachtgutes nicht verloren zu haben, denn er inseriert imGerss. Kreisblatt": Derjenige, der vergangenen Winter meinen gesamten Speck geholt hat, kann sich jetzt auch den extra schönen Kopfsalat aus meinem Hausgarten dazu holen, denn Salat ohne Speck ißt nicht gern der Ferdinand Streck."

Tann a. d. Rhön, 6. Juli. Ein dieser Tage über das Ulstertal hingezogenes Gewitter hat leider auch ein Menschen­leben zum Opfer gehabt. Der Maurer Adam Kümpel aus dem benachbarten Dorfe Günthers war mit feiner Frau bei dem Heumachen beschäftigt. Aus dem Heimwege traf ihn ein Blitz­strahl, so daß er sofort tot niederstürzte. Dem Unglücklichen waren die Kleider vom Leibe gerissen und die Schuhe verkohlt. Der in den 30er Jahren stehende Mann hinterläßt eine Witwe mit drei unmündigen Kindern.

Vom Eichsfelde, 8. Juli. Ein Unglück ereignete sich Sonnabend Spätabend. Der Botensuhrmann Vogt aus Küllstedt kam mit einer schweren Fuhre von Mühlhausen. In der Nähe der Dörnaer Warte stürzte er vom Wagen, wurde überfahren und erst am Sonntag Morgen in schrecklichem Zustande aufgesunden. Arme und Beine waren gebrochen, der Kopf ist verletzt und es besteht wenig Aussicht, daß dem Schwerverletzten das Leben erhalten werden kann.

Frankfurt a. M., 8. Juli. Vor den Augen seiner Schwester und seiner Schwägerin schnitt sich heute abend nach 6 Uhr der Metzgermeister Dotter den Hals bis zum Wirbel- knochen durch; der Tod trat sofort ein.

Biebrich, 9. Juni. Als heute vormittag 11 Uhr im Neubau der Turngesellschast in der Kaiserstraße Arbeiter damit beschäftigt waren, im zweiten Stockwerk einen Flaschenzug anzubringen, stürzte plötzlich ein schwerer Ballen auf die Straße herunter. Der dort stehende 18 Jahre alte Zimmerer Peter Schmidt aus Schierstein wurde von dem Balken am Kops getroffen und erlitt einen schweren Schädelbruch, so daß der Tod binnen kurzer Zeit eintrat.

Schlitz, 9. Juli. In Uellershausen ereignete sich am Freitag Abend ein beklagenswerter Unglückssall. Der Landwirt Bernges, ein noch rüstiger Siebziger, war auf der Wiese mit Heuaufladen beschäftigt; die Bespannung des Wagens, von Fliegen gequält, zog plötzlich an und ging durch, Bernges stürzte von dem schon hoch beladenen Wagen und wurde so schwer verletzt, daß er bald daraus starb.

Marburg, 9. Juli. Die Landwirte K. und H. aus Gruland wurden beim Lehmgraben verschüttet, der erstere büßte sein Leben ein und der letzte erlitt lebensgefährliche innere Verletzungen, so daß seine Wiederherstellung zweifelhaft erscheint.

Krassolzheim, 9. Juli. Die 18jährige Tochter des hiesigen Bürgermeisters Permaneter wurde auf freiem Felde vom Blitz erschlagen. Ihr Bruder stürzte bewußtlos zu Boden.

Vom Kyffhäuser, 8. Juli. Ein schweres Automobil­unglück hat sich, wie schon kurz berichtet, am Sonnabend Abend aus der Straße vom Kyffhäuser nach Frankenhausen, unterhalb des Ratsseldes, ereignet. Ein denFrankonia-Automobilwerken" zu Frankenhausen gehörendes Automobil stürzte, wahrscheinlich durch unvorsichtiges Nehmen der Kurve, um, wobei die Insassen, zwei Damen und einige Kinder, herausgeschleudert wurden. Während die Kinder erhebliche Hautabschürfungen erlitten, trug die Dame einen Armbrnch davon. Der Führer des Automobils, Werkmeister Fickel, 32 Jahre alt, Familienvater, kam zu Tode. Von dem Steuer wurde ihm der Brustkorb eingedrückt. Der Verunglückte war ein hervorragend tüchtiger Mann.

Uermiscbtes.

Die Tragödien des Lebens schwellen wieder einmal in unheimlicher Weise an. In Düsseldorf erhängte sich ein gegen seinen Willen pensionierter Polizcisergeant. Er glaubte, seine zahlreiche Familie mit der Pension nicht ernähren zu können. In einer Bodenkammer bei Chemnitz wurde ein Liebespaar erschossen aufgesunden. Beweggrund zu der Tat war unglückliche Liebe. In Berlin erschoß eine junge, von ihrem Manne getrennt lebende Büfettdame, Mutter zweier Kinder, ihren Geliebten, einen Apothekergehilfen, weil er sie nicht heiraten wollte. Hieraus tötete sie sich selbst. Weil er ins Gefängnis sollte, versuchte ein Kutscher in Rummelsburg bei Berlin seine Frau und seine vier Kinder mit Gas im Schlafe zu vergiften. Die Frau erwachte noch rechtzeitig, sodaß alle gerettet werden konnten. Aus demselben Grunde erschoß in Niederkreibnitz in Böhmen ein Arbeiter seine Frau, seinen Sohn und sich selbst. Einen eigenartigen Selbstmord beging ein Weber in Asch in Böhmen. Er steckte seinen Kops in einen Wassertrog und hatte die Willenskraft, solange auszuhalten, bis er ertrunken war.

__Duisburg, 8. Juli. Heute abend kenterte aus dem Rheine, ungefähr 200 Meter oberhalb der Ekkenberger Fähre, daS DampsbootHeinrich", das ein Schiff in den hiesigen Hafen schleppen wollte. Der Kapitän, sowie dessen Sohn und ein Maschinist ertranken trotz sofortiger Hilseleistung.

Ein Veteran u n d K r i e g s i n v a l i d e, der Maurerpolier, Gefreiter Ferdinand Doehring aus Mehlsack wurde am 5. d. M., wie der Gesellige berichtet, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. 1866 hat er im 33. Füsilier- regiment die Schlacht bei Königgrätz mitgemacht. 1870 wurde er zur 9. Kompagnie 44. Regiments eingezogen und am 14. August 1870 in der Schlacht bei Metz lebensgefährlich durch einen Granatsplitter an Kops und Schulter verwundet. Durch Feldpostkarte wurde Doehring als bei Metz gefallen unter die Zahl der Toten gezählt und befindet sich tatsächlich auch auf der gedruckten Verlustliste. Sein eherner Name prangt auch auf dein Denkmal in Graudenz. AlS die Kameraden ihn bei Metz in dem Massengrab beerdigen wollten, sagte einer jii einem andern:Du, sich doch, der lebt ja noch", worauf der andere entgegnete:Ach was, immer rin mit ihm." Doehring stöhnte in demselben Augenblick und bat um ein Schluck Wasser. Daraus wurde Doehring in daS Lazarett Trier geschafft und genas. 1871 wurde er nach Mehlsack als <

Ganzinvalide entlassen. Doehring war noch bis vor kurzem ganz rüstig, trotz seiner erlittenen Verletzungen.

Ei n schweres Unwetter hat in Mittelschlesien, Niederschlesien und im südlichen Teile Oberschlesiens großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude sind infolge Blitzschlags niedergebrannt. In Waldenburg ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder. In den tiefer gelegenen Straßen standen alle Kellerräume sowie auch die zu ebener Erde belegenen GeschästS- lokale teilweise meterhoch unter Wasser. Der von der Stadt Waldenburg unter großem Kostenaufwand neu geschaffene Felsensteg wurde vollständig zerrissen.

(Eine a st r o n o m i s ch e R i e s e n u h r.) Ein Bauer des Radomschen Gouvernements überreichte dieser Tage dem Zaren in Gegenwart der Zarin ein seltenes Geschenk, bestehend in einer enormen Uhr, die das ansehnliche Gewicht von 360 Kilo repräsentiert. Der Bauer namens Franz KaraS, ist Autodidakt und gebrauchte zur Ausarbeitung seines Projekts 22 Jahre, zu dessen Fertigstellung 6 Jahre. Die Riesenuhr braucht erst nach 400 Tagen wieder aufgezogen zu werden; sie zeigt: Zeit, Monat, Tag und Wochen, die Länge der Tage und Nächte, Auf- und Untergang der Sonne, Schalt- wie einfache Jahre, die Phasen des Mondes sowie die Erdbewegung um die Sonne. Das Zifferblatt ist auf einer Glasplatte markiert, mit schwarzer Emaille überzogen. 1 m hoch, 70 cm breit. Der Mechanismus des Kunstwerks ist aus einem ganzen Kupferstück hergesiellt. Der Gang der Udr ist vollkommen unhörbar, worin Spezialisten einen vorzüglichen Mechanismus erkennen. Das Kunstwerk befindet sich in einem großen Holzgehäuse von IV4 m, darunter ist ein solides Postament in Form einer Säule. Das Gehäuse ist mit geschnitzten Kolonnen verziert. Oberhalb des Zifferblattes prangt eine Ausschrift in goldenen Buchstaben:Sr. Majestät, dem Selbst­herrscher aller Reußen, König von Polen, Großfürst von Finland usw." von einem bäuerlichen Autodidakten 1904/ Das Auseinandernehmen und Zusammenfetzen der Uhr beansprucht eine sechstägige aufmerksamste Arbeit.

Paris, 8. Juli. Der 30jährige Arbeiter Munce wurde heute mit der Reinigung des großen Ofens der englischen Kunstdüngersabrik im Pariser Vororte Saint Quen betraut. Das Heizerpersonal glaubte ihn schon draußen. Erst nach Stunden fiel seine Abwesenheit auf. Man fand schließlich seinen Leichnam verkohlt neben einer wenige Zentimeter tiefen Oeffnung, die der Verzweifelnde in die Osenmauer zu bohren versucht hatte. ,

Letzte Nachrichten.

Berlin, 10. Juli. Am Dienstag abend wurde bei Schluß der Nationalgalerie die Entdeckung gemacht, daß aus einem Goldrahmen ein Oelgemälde herausgedrückt und gestohlen worden war. DaS Bild, das auf Pappe gemalt ist und den Kaiser Nikolaus I. in großer russischer Gcneralunisorm darstellt, repräsentiert einen Wert von mehreren tausend Mark. Von dem Täter fehlt jede Spur.

Posen, 9. Juli. Der Pächter Quast in Hüttenhauland bei Tirschtiegel schloß seine Familie mit der er in Unfrieden lebte, in das Wohnhaus ein, legte Feuer an und legte sich auf dem Stallboden zum Schlafen nieder. Das Gehöft wurde völlig eingeäschert. Quast ist mitverbrannt.

O rentano (Toscana), 9. Jnli. In Anwesenheit deS Kardinals Maffi sollten die neuen Kirchenglockcn eingeweiht werden. Kaum war mit dem Läuten begonnen, als die Glocken herabstürzten. Zwei Personen wurden erschlagen, mehrere Anwesende trugen Verletzungen davon.

Marseille, 9. Juli. In Samkong, einer chinesischen Stadt im Bezick Kanton, geriet das Theater in Brand, in dem etwa 500 Personen der Vorstellung beiwohnten. Mehrere Personen sollen verbrannt und einige hundert Verletzungen davongetragen haben.

Homburg, 9. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung sprach sieg fast einmütig für die Beibehaltung der Automobil­rennen aus, die jedoch womöglich vor den Beginn der Kur­zeit gelegt werden sollen. Sie verurteilen in scharfen Worten das Vorgehen des früheren Oberbürgermeisters.

Warschau, 9. Juli. Als in Radom der Polizeipräsident die Lublinstraße im Wagen passierte, wurde von einem Unbe­kannten aus einer Wohnung eine Bombe geschleudert. Die Pferde wurden verletzt und der Wagen zertrümmett. Der Polizeiches und der Kutscher blieben unverletzt. Ein Kind auf der Straße wurde verwundet.

Trieft, 9. Juli. Während eines Gewitters ließen sich unbekannte Männer aus den Jägerhügel fahren, erschossen den Kutscher, raubten ihn aus und entflohen.

Bukarest, 9. Juli. Die Gärung unter den Fabrik- und Hafenarbeitern führte zum AuSbruch eines Streifs. 3500 Mann sind in den AuSstand getreten. Die Getreide- und Holzexporteure erleiden einen unberechenbaren Schaden. Zwischen den Soldaten und den Ausständigen sanden Straßenkämpse statt.

Standesamtsbezirk Niederaula.

Monat Juni 1907.

Eheschließungen.

Am 1. Paul Rube, Oekonomieoerwalter in Uelleben mit Maria Weppler in Hattenbach. 21. Maurer Valentin Hellwig Witwer mir Wilhelme Luise Stang beide von hier.

Geburten.

Am 2. Anna Katharina Elise, L. des Kaufmann- und Dag. ncrS Adam Bieder dahier. 7. Jakob, S. deS Arbeiter? Johanne? Hahn dahier. 9. Wilhelm Ferdinand, S. dc? Arbeiter? Philipp Krumhard dahier. 30. Ludwig S. de? Arbeiter? Peter Diebel zu Niederjossa.

S t e r b c f ü l l e.

Am 9. Sophie, T. de? Maurermeister? Heinrich Pfeffer zu Niederjossa, 6'. 2 Monate alt.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).

Wettervoraussage, ausgegeben am 10. Juli 1907.

Morgen trocken bei wechselnder Bewölkung, mäßige West­winde : kühl. Baldiger WitterungSumschlag wahrscheinlich.