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hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Flnschlutz Nr. 8

Nr. 81.

Donnerstag, den 11. Juli

1907.

Amtlicher teil

Hersseld, den 8. Juli 1907.

Im Monat Juni d. Js. sind diesseits den nachbenannten

Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am 1/6. dem Gutsbesitzer Georg Pachten zu Hof Kühnbach,

3/6. Landwirt Konrad Glebc in Aua,

4/6. Sattler Jakob Gluth in Asbach,

5/6. Werkmeister Richard Schade in Heddersdvrf.

5/6. Schreiner Heinrich Wenzel in Rotterterode,

6/6. Bergassessor Jnngeblodt in Vacha,

7/6. Schul,macher und Landwirt Johannes Fink in Gershausen,

8/6. Referendar Dr. Strupp in Eiterfeld,

11/6. Gutsbesitzer Heinrich August Schön zu Her- mannshos,

11/6. Rentner Heinrich Schön daselbst,

12/6. Postassistenten Rudolf Köhler in Hersseld,

18/6. OeconomenAugustRoßbachzuHos Weißenborn,

24/6. Bierbrauereibesitzer Wilhelm Steinweg in Hersfeld, b. unentgeltliche:

10/6. von Banmbach'schen Waldwärter Philipp Panl in Willingshain,

17/6. Königlichen Förster Radeck in Hilmes. B. Tagesjagdscheine:

am 7/6. dem Rentner Heinrich Greifs in Alsseld,

11/6. demselben,

12/6. der Frau Paula Redicker in Niederaula,

15/6. dem Rentner Heinrich Greiff in Meisebach.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Warnung.

In hiesigen Zeitungen wird von der FirmaThe Giant Oxie Co.", 8 Bonverie St. London E. C. eine Gratisprobe von Oseien gegen Herzkrankheiten angeboten und nach Ueber- scudung der aus weißen Pillen und roten Tabletten bestehenden Probe eine 3 monatliche Behandlung mit Oxien-Medikamenten für 25 Mark angeboten. Die Tabletten bestehen ans Rohr­und Milchzucker, Maisstärke, Sassasrasöl, Wintergrünöl und einem Bitterstoff, die Pillen im wesentlichen aus einer mit Psesfermünzöl versetzten Mischung von bittern Extrakten mit Jalapenharz und Capsaicin, die mit einer Masse von Zucker und Maismehl überzogen ist.

Vor dem Ankauf der Mittel kann nur dringend gewarnt werden, da bei Herzkrankheiten große Vorsicht geboten ist und ohne Schaden nur Arzneien genommen werden können, die nach stattgesundener ärztlicher Untersuchung des Kranken der

Das Geheimnis.

Roman von Tea van Hnsen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.) /

Haben Sie Nachricht?" flüsterte diese, während sie er­wartungsvoll auf den Brief in Wanda's Hand deutete.

Nicht von ihm", lautete die Antwort;ach, Brigitte, ich glaube, ich höre nie wieder von ihm, ich bin des Hoffens und Wartens müde und habe ihm doch so fest vertraut; ich war sicher, daß er sein Wort halten würde."

Mit einem schweren Seufzer trat sie in das kleine Wohn- zimmer, wohin ihr die alte Dienerin folgte.Fräulein Wanda," sprach sie ernst, fast seierlich.Sie werden sich noch krank machen, wenn das so fort geht. Denken Sie doch an Fritzchen und an alles, was sie ihm schon getan haben, und versuchen Sie um seinetwillen tapfer zu ertragen, was der Himmel Ihnen Schweres schickt."

Das arme Mädchen erfaßte Brigittens von der Arbeit harte und rauhe Hand und sagte:Ich will versuchen, mich in Geduld zu fassen, und will nicht in die Zukunft schauen. Brigitte, Du wirst mir helfen, so lange Du hier bist, und bis Du fort gehst, bin ich vielleicht stärker geworden."

Ich gehe nicht, so lange Sie meiner noch bedürfen," erklärte die alte Dienerin entschieden.

Was würde wohl Thorwald dazu sagen, wenn er das hörte," meinte Wanda und lachte, ein mattes Echo ihres alten, herzlichen Lachens.Nein, Brigitte, ich darf nicht egoistisch sein. Ich könnte Dich immer brauchen, aber ich trete Dich an Thorwald ab, sobald ich mich ohne Dich be­helfen kann!"

Ich wünschte", rief Brigitte ungeduldig,ich wäre nie so eine Gans gewesen, dem Thorwald zu versprechen, daß ich ihn heiraten würde! Ich bin zu alt zum Heiraten und werde fern von Ihnen niemals glücklich sein."

Doch, das wirst Du," entgegnete Wanda sanft;Thorwald ist ebenso alt wie Du, und außerdem, Brigitte, wird c§ in einer Art für mich besser sein. Wenn Du fort bist, werde ich

Natur seines Herzleidens angepaßt sind. (I. A a. 2958. 07.) Berlin, den 29. Mai 1907.

Der Polizei-Präsident, gez. v. B o r r i e s.

nichtamtlicher teil.

Her Friede m Tilsit.

Zum 9. Juli.

Die Schlacht bei Friedland, am 14. Juni 1807, sowie alle Ereignisse des Jahres 1806 hatten die Überlegenheit der sran- zösischen Waffen so unzweideutig offenbart, daß man nicht er­warten durfte, das Glück werde dem Sieger jenseits der Memel weniger günstig sein als diesseits. Der mächtige Korse stand wie einst Cäsar am Rubikon, und es war nicht an ihm, sondern an Kaiser Alexander von Rußland, die Folgen des Uebergangs zu erwägen.

Am 25. Juni fand eine Zusammenkunft zwischen Napoleon und Alexander in einem Bretterhäuschen aus einem im Memel- strom verankerten Prahm statt. Der UcberredungskunstNapoleons gelang es, den Kaiser von Rußland durch die Aussicht auf die Verwirklichung altrussischer Träume zu sich herüber zu ziehen. Vergessen war die weihevolle Stunde am Sarge Friedrichs des Großen in der Nacht vom 3. zum 4. November 1805, ver­gessen waren die Freundschastsgelöbnisse in Memel! Sein Ge­wissen suchte Kaiser Alexander dadurch zu beruhigen, daß er wenigstens ein gutes Wort für seinen Freund und Bundes­genossen einlegte. Am 26. Juni erschien König Friedrich Wilhelm III. in Tilsit. Wie hatte Napoleon sich aus den Augenblick gefreut, wo er ihn, wie fast alle anderen* deutschen Fürsten es getan hatten, demütig bittend vor sich würde stehen sehen! Er sollte sich aber täuschen. Voll Hoheit und getragen von einem guten Gewissen, still aber bestimmt, traurig aber ungebeugt trat der Erbe des Ruhmes Friedrichs des Großen vor ihn hin. Auch die edle Königin Luise kam von Memel nach Tilsit, um für ihr Land zu bitten. Es war für sie, die von Napoleon früher beschimpft worden war, ein schwerer Schritt, aber die Sorge um ihr geliebtes Preußenland trieb sie dazu. Aber umsonst opferte sie ihrem Lande ihren weiblichen Stolz; ihre Schönheit machte aus den Emporkömmling so wenig Eindruck wie der edle Anstand, mit dem sie die höhnischen Vorwürfe des Siegers ziuückwies.

Am 9. Juli wurde der Friede von Tilsit geschlossen, in welchem Napoleon, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, dem Könige von Preußennur aus Achtung für den Kaiser aller Reußen" den kleineren Teil seines völlig verwirkten Staates zurückgab. Preußen mußte alle Besitzungen im Westen der Elbe mit Magdeburg abtreten, ferner mit Ausnahme einiger Teile von Westpreußen auch das polnische Gebiet, dazu Danzig und Thorn; von rund 5700 Quadratmcilcn sank es ans rund 2870, von fast 10 Millionen Einwohner aus 48A Millionen. Zu diesen Bedingungen trat ferner die Zahlung einer noch

Fritzchen alles tun, und er wird mir dadurch der Trost werden, den ich anfangs in ihm suchte, als das Unglück über mich hercinbrach."

War er Ihnen denn damals kein Trost?" fragte Brigitte.

Ja," erwiderte Wanda,dann aber kam ein neuer Trost. Nun muß mir Fritzchen alles im Leben sein. Wo ist er?"

Eben trat er in das Zimmer und ein Lächeln auf den Lippen, wandte seine Tante den Kopf nach ihm.

O Tantchen, liebes Tantchen," rief er auf sie zuspringend, wirst Du wieder so glücklich sein, wie Du es auf Deubitz gewesen bist?"

Ja, mein Herzblatt", antwortete sie zärtlich,ich bin in letzter Zeit eine'recht dnmme Tante gewesen, nun verspreche ich Dir aber, wieder eine lustige Tante zu sein."

An jenem Abend hörte man in dem kleinen Zimmer zum erstenmal heiteres Lachen und Plaudern; nachdem der Kleine aber zu Bett gebracht worden war und Brigitte zu ihrer Herrin zurückkehrte, fand sie dieselbe mit sehr trüber Miene, die Stirn sorgenschwer in die Hand gestützt. ,,S' ist eine schwere Aus- gäbe, lachen, wenn das Herz blutet," sagte Wanda, zu der Dienerin aussehend,und das Schwerste, das Härteste von allem ist, daß ich selbst an allem die Schuld trage. Ach, Brigitte, wenn ich doch alles gesagt hatte, dann mürbe es nie so gekommen sein."

Ich weiß nicht," meinte Brigitte.Sie konnten ja nicht wissen, ob er je zurückkommen würde."

Und dennoch hätte ich es sagen sollen," entgegnete Wanda.Ach, wenn ich es doch getan hätte. Aber ich werde meinem Entschluß bereits untreu," fügte sie mit einem Seufzer hinzu.

Die folgenden Wochen und Monate blieb Wanda ruhiger, äußerlich heiterer, williger, an Fritzchens Freuden teilzunehmen und ihn in seinen kleinen Kümmernissen zu trösten. Allmählich gewöhnte sie sich sogar daran, mit ihren einfachen Nachbarn zu verkehren und überhaupt vor nichts mehr zurückzuschrecken, was Fritzchen gut und von Vorteil war. Ost hörte man jetzt in ihren Zimmern lustige Kinderstimmen, und zuweilen fand man sie als Gast in einem anderen Hause. In dem einen lernte sie auch den Herrn Dornach kennen, von dem Frau

nicht festgesetzten Kriegskosten-Entschädigung hinzu, bis zu deren ratenweiser Abtragung französische Truppen entsprechende Teile Preußens besetzt halten sollten. Schließlich mußte Preußen sich verpflichten, nicht mehr als 42 000 Mann Soldaten zu halten. So war Preußen, von seinem Bundesgenossen schnöde im Stiche gelassen, zu einem kleinen Staate zurückgesunken, der abhängig war von den Launen des französischen Kaisers und seiner Generäle.

Mit den Beutestücken wurden Napoleons Bruder 3erome, der König von Sachsen und Kaiser Alexander von Rußland ausgestattet. Serome erhielt das aus den preußischen Gebieten westlich der Elbe gebildete Königreich Westfalen, mit der strengen Weisung, Frankreichs Vorteil stets im Äuge zu haben. Die polnischen Landesteile bekam zum größten Teil Friedrich August als Großherzog von Warschau, und Kaiser Alexander scheute sich nicht, einen Teil von Neuostpreußen, den Kreis Bialystock, anzunehmen.

Der Friede von Tilsit bezeichnet den Zeitpunkt der tiefsten Erniedrigung Preußens; und doch mischt sich in das Gesühl der Trauer, mit welcher das preußische Volk daraus zurückblickt, heute, nachdem ein Jahrhundert darüber vergangen ist, zugleich der lebendigste Dank gegen den Lenker der Staaten, denn von jenem tiefen Fall inmitten unsäglichen Elends ging Preußens Wiedergeburt aus! Es sammelten sich die Edelsten und Besten aus allen Gauen des Vaterlandes um das Königshaus, und fester noch und inniger ward in jenen Zeiten des Unglücks die Verbindung zwischen den Hohenzollern und dem preußischen Volke geschlossen. Ein neues Geschlecht erstand wie ein Phönix aus der Asche und scharte sich um den Thron, um, erfüllt mit patriotischem Geiste, dereinst in der Stunde der Ent­scheidung die Freiheit und die Ehre des geschändeten Vater­landes wieder auszurichten. Nun das schwere Unglück hercin- gebrochen war, begann man, seinen Ursachen nachzusorschen, und fing an, einzuschen, daß man selbst zu großem Teil es verschuldet hatte. Im innigsten Anschluß an das erhabene Königspaar, welches als Muster würdiger Ergebung, geistiger und sittlicher Kraft voranleuchtete, strebte das ganze Volk, sich eines besseren Geschicks für die Zunkunft durch innere Umkehr wert zu machen, und so ist das Unglück von Jena und Tilsit, als der Urquell der Wiedergeburt Preußens, unter Gottes gnädigem Beistand ein Segen für unser Vaterland geworden!

Ziorkmerikli mit 3oMn.

Die offen zugestandene Maßregel der nordamcrikanischen Regierung, noch im Laufe dieses JahreS fast die ganze nord- amerikanische Kriegsflotte an die Küste des Stillen Ozeans zu senden, hat in bet politischen Welt großes Aussehen erregt und erweckt in der öffentlichen Meinung Japans wie auch Nord­amerikas ein großes Mißtrauen inbezug aus die künftige Ge­staltung der Beziehungen Japans und der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Man dars in den realistischen Fragen der

Säuberlich ihr erzählt hatte. Er war ein ernster, stiller Mann, aus welchen Wanda, trotz chren von Kummer umwölkten Zügen einen tiefen Eindruck zu machen schien. Er näherte sich ihr und die ersten Worte, die er mit ihr wechselte, erhöhten noch den Reiz, den sie bereits für ihn besaß. Eines Abends holte Brigitte ihre junge Herrin und den Kleinen von einer befreun­deten Familie ab. Der erste Blick, den sie auf Wanda warf, sagte ihr, daß dieser etwas Außergewöhnliches passiert sein mußte. Wanda sagte indessen kein Wort, bis Fritzchen im Bett lag und cingeschlummert war. Da erst winkte sie Brigitte zu sich heran und sagte mit lächelnder Miene:Mir ist heute ein Heiratsantrag gemacht worden."

Von wem?" fragte die alte Dienerin erstaunt.

Von Herr Dornach. Ich war anfangs so überrascht und es tat mir so leid ; und doch ist es zu absurd! Wenn er alles wüßte!"

Was haben Sie ihm geantwortet?" fragte Brigitte weiter.

Ich weiß selbst kaum", entgegnete Wanda;jedenfalls fiel ich ihm gleich in die Rede."

Am folgenden Tage hatte Darnach W. verlassen, Niemand sprach Wanda mehr von Liebe. So kam denn auch die Zeit heran, wo Brigitte sie verließ, um sich mit Thorwald, dem Besitzer eines kleinen Bauerngutes unweit Deubitz, zu ver­heiraten. Bei dem Abschied vergoß sie bittere Tränen, Wanda aber tröstete und erheiterte sie, obgleich ihr selbst Tränen die Wangen herabrollten.

Du wirst mir schreiben und mir auch alles mit teilen, was Du hörst, nicht wahr?" Das waren ihre letzten Worte, die sie noch zu der alten, treuen Dienerin sprach, dann folgte nur noch ein herzliches Lebewohl, ein fester Händedruck und Wanda kehrte allein in ihr Zimmer zurück.

Allein in der Welt! Nur ein kleiner Knabe noch war bei ihr, ein Kind, dein sie von ihrem geheimen Kummer nicht reden konnte, dem sie stets eine heitere Miene zeigen mußte. Es war das ein sehr hartes Los, doch sie mußte stark sein und es ertragen. Des Briefträgers Kommen erwartete sie jetzt trotz ihrer Bemühungen, das in ihr lodernde Feuer zu ersticket ^ wieder voll höchster Spannung. Sie hatte hin und wic!^"