Einzelbild herunterladen
 

und verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Herrscher- häusern eine neue Kräftigung erfahren. Die Zusammenkunft dürfte aber auch in politischer Hinsicht gute Früchte tragen und ist von der Kopenhagener Presse, die aus Anlaß des Besuches herzliche Begrüßungsartikel,Vorstand" sogar in deutscher Sprache, brächte, auch in diesem Sinne gewürdigt worden.

DerProzeßgegendensozialdemokratischen Redakteur Gruber vor dem Münchener Gerichtshöfe wegen Beleidigung des Gouverneurs a. D. Dr. Peters, desfen Verhandlungen die gesamte Oeffentlichkeit in Deutschland und kaum weniger im Auslande mit gespannter Aufmerksamkeit ge­folgt ist, ist nach fünftägiger Dauer zu Ende geführt worden, und der angeklagte Gruber ist zu einer Geldstrafe von 500 Mark und zur Tragung der noch viel höheren Kosten verur­teilt worden.

Die Programmrede des österreichischen Ministerpräsidenten Baron Beck im neuen Abge- ordnetcnhause hat einen der Klärung der Lage und der Be- ziehungen zwischen der Regierung und den Parteien zustatten kommenden guten Eindruck gemacht. Baron Beck hat in seiner Rede Anschauungen entwickelt, die alle Parteien, ja sogar die Sozialdemokraten teilen können, indem er das Hauptgewicht daraus legte, daß das Parlament an fruchtbare Arbeit gehe. Er hat sich in sachlicher Beziehung nicht auf die Einzelheiten eingelassen lind sich aus die Fülle der Aufgaben berufen, die, als dem neuen Parlament gestellt, schon in der Thronrede auf- geführt waren; wohl aber hat er eine politische Programmrede gehalten, die deutlich zeigte, daß er sich mit allen Parteien nach Möglichkeit gut stellen wolle, wenn eben nur erreicht wird, daß, was er als Notwendigkeit betonte, von allenfruchtbar für das Ganze" gearbeitet werde. An den Parteien wird es nun sein zu ermöglichen, daß diese fruchtbare Arbeit zum Wohle des uns eng befreundeten Nachbarstaates geleistet wird.

Das englisch-französisch-spanische Abkommen hat in Deutschland keinerlei Nervosität erzeugt, und damit ist es sicherlich richtig eingeschätzt worden. In' ihm haben sich England und Frankreich Spanien gegenüber verpflichtet, den gegenseitigen Besitzstand im östlichen Teile des Atlantischen Ozeans und im westlichen Mittelmeerbecken zu achten und Aenderungen nur im Einverständnis miteinander vorzunehmen, wennneue Umstände" eintreten sollten. Da Marokko von dem Abkommen nach PichonS Versicherung nicht betroffen werden soll, so könnte das Abkommen als ziemlich überflüssig erscheinen, da der Besitzstand der drei Mächte von keiner Seite bedroht erscheint.

Im englischen Unterhause sind die Vorschläge deS Premier­ministers Campbell-Bannermann wegen einer Reform des englischen Oberhauses durch Einschränkung seiner Vollmachten mit großer Mehrheit angenommen worden. Da indessen nicht zu erwarten steht, daß das Oberhaus gutwillig sich lahmlegen läßt, so wird schließlich ohne eine erneuerte An­rufung sämtlicher Wähler in der Angelegenheit nicht vorwärts zu kommen sein. Bei der geringen Befriedigung, die das liberale Ministerium während seiner bisherigen Amtszeit dem Volke gewährt hat, dürste es zweifelhaft sein, ob Neuwahlen ihm dieselbe Mehrheit wie bisher oder überhaupt den Sieg bringen werden.

WiUfemmtn jum ^«♦vwe^vfeft.

Gruß Euch Ihr starken Mannen

t NuS v,iferm Hessenland,

Euch soll mit uns umspannen

Ein sestgewebtes Band, Gewebt aus hohen Pflichten,

Aus frohem Trunk und Scherz, Daraus wird nie verzichten

Ein echtes Feuerherz.

Willkommen! rauscht die Welle,

Der Fulda, Geis und Haun,

Willkommen! ruft die helle

Viel süße Stimm der Fraun.

So tönt's Euch allerwegen

Aus tiefstem Herzensgrund, In Sang und Spruch entgegen Zu sreud'ger FesteSstund.

Wohlauf Ihr Salamander,

Die Ihr das Feuer zwingt, Beratet miteinanber,

Wie man mit Flammen ringt.

Und kommt ein Brand gezogen In Kehle oder Haus, Löscht gleich mit Wasserwogen, Mit Wein und Bier ihn aus!

Mt Ja- und Ausland.

Berlin, den 4. Juli 1907.

Aus FredenSborg, 4. Juli wird gemeldet: Ihre Majestäten der K a i s e r und die K a i s e r i n, sowie König Friedrich nebst den Mitgliedern der Königlichen Familie, mit Ausnahme der Königin, unternahmen Vormittags einen längeren Spaziergang im Fredensborger Schloßpark.

Der ehemalige preußische Landwirtschastsminister v. P o d - birlski hat sich jetzt als Finanzpolitiker versucht. In der Berliner ZeitschriftDer Morgen" veröffentlicht er einen Artikel, in welchem er zur Bekämpfung der Finanznöte des Reiches eine staatliche Geldumsatz st euer vorschlägt, die von jeder geleisteten Zahlung, die mehr als fünf Mark beträgt, erhoben werden soll. Der Podbiclskischc Steuervorschlag erfährt indessen allseitig in der Tagespresse wegen der ungeheuren Schwicrig- kesten seiner praktischen Durchführung als auch wegen der ein- seitigm Belastung unseres Handels und unseres Gewerbes, welche diese PodbielSkische Steuerreform nach sich ziehen müßte, die verdiente Zurückweisung.

Die verschiedenen Kommissionen und Unterkommissionen der Haag er Friedenskonferenz sind fleißig bei ihren Arbeiten; doch können bislang noch keine wichtigeren Resultate derselben verzeichnet werden. Die Plenarsitzungen der Konserenz sind bis auf weiteres ausgesetzt. Ein interessanter Zwischenfall aus der Haager Konserenz ist durch den Protest hervorgerufen worden, welchen die koreanischen Delegierten gegen das Austreten der Japaner in Korea bei der Konferenz eingereicht haben, letztere scheint aber den koreanischen Protest ad acta legen zu wollen.

DaS Giornale d'Jtalia veröffentlicht eine noch nicht im Druck herauSgegebene Stelle aus den Memoiren des Grasen Nigra, enthaltend einen Bericht über die Unter- redung, welche Nigra am 16. Juni 1876 zu EmS mit dem Kaiser Wilhelm Halte. In dieser Unterrebung berichtete Kaiser

Wilhelm Nigra über die Zusammenkunft, welche er am 13. Juli 1870 mit dem französischen Botschafter in Ems hatte, und welche die Ursache des deutsch-französischen Krieges war. Kaiser Wilhelm beendigte seine Erzählung mit folgenden Worten: Am Abend benachrichtete ich Bismarck von dem, wasinEmS vorgesallen war, nämlich von der von dem französischen Bot- schaster gestellten Forderung, von mir die Versicherung zu er­halten, daß die Kandidatur des HauseS Hohenzollern für den spanischen Thron zurückgezogen und niemals wieder aufgestellt werde, sowie von meiner Weigerung, dem französischen Botschafter eine zweite Audienz im Laufe des Tages zu bewilligen. Ich ermächtigte Bismarck, meine Vertreter am den deutschen Hösen und im Auslande zu benachrichtigen, wenn er es für gut be- sände. Aus Grund dieser Mitteilung sandte Bismarck an die Botschafter und die Gesandtschaften Preußens im Auslande ein Telegramm, welches das Wesentliche der Mitteilung enthielt, die er von mir erhalten hatte, jedoch geändert in der Form. Dieses Telegramm kam nachts in Paris an. Die französische Regierung glaubte sich befugt, in der Art, in der die Depesche die Verweigerung der Audienz angekündigt hatte, eine an die Adresse Frankreichs gerichtete Beleidigung zu sehen, und ohne weitere Erklärungen abzuwarten, erklärte mir Kaiser Napoleon den Krieg." Graf Nigra bemerkt dazu, er habe den Eindruck gehabt, daß Kaiser Wilhelm, als er diese Tatsache sechs Jahre, nachdem sie sich ereignet hatte, auseinandersetzte, so sicher im Gedächtnis zu haben schien; er habe keinen Augenblick irgend welche Unsicherheit gezeigt oder in der Erzählung gestockt.

Zu den Winzer Unruhen in Südsrankreich wird weiter gemeldet, die Nachricht von der Ablehnung der Haftentlassung Marcellin Alberts Ferrouls und Genossen habe in den südlichen Departements große Bewegung hervorgeruscn; zu Ruhestörungen kam es nicht. Der Winzerausschuß von Argellicrs lud die Vertreter aller verbündeten Gemeinden ein, sofort noch vor dem 10. Juli, das heißt noch vor dem von der Regierung gestellten Termin, einen einstimmigen Beschluß zu fassen, daß die Bürgermeister und Gemeinderäte nicht in die Mairien zurückkehren und bei dem passiven Widerstand bleiben, der gegenwärtig besteht.

Nachrichten aus Belgrad zufolge ist eine M i II t ä r v e r- schwörung in Montenegro entdeckt worden. Fünf­zehn Offiziere sind unter der Anschuldigung des Hochverrats und des Mordanschlages gegen Mitglieder der Regierung verhaftet worden.

Aus Mexiko wird von einem Gewaltstreich des Präsidenten von Guatemala berichtet: Präsident Cabrera hat 160 Personen verhaften lassen unter der Anklage, sie seien Mitschuldige an dem jüngst gegen ihn gerichteten Mordversuche. Unter den Verhörten, zum Tode Verurteilten und Verhafteten befinden sich viele bekannte Persönlichkeiten. Das diplomatische Korps, mit Ausnahme des amerikanischen Geschäftsträgers, hat einen Protest eingereicht, der keine Be- rücksichtigung gesunden hat. Der britische Gesandte ist mit der Abfassung der Note betraut worden, welche die näheren Umstände schildert, und die an die Mächte gesandt werden soll.

Der vielgenannte S ch e i k R a i s u l i hat sich einen be­sonderen G e w a l t st r e i ch geleistet. Er nahm den Kaid Maclean, welchen der Sultan abgesandt hatte, um mit Raisuli über dessen Unterwerfung zu verhandeln, gefangen; er will Maclean nicht eher in Freiheit setzen, als bis seine Ansprüche Wiederaufbau seiner Bergfeste Zinat, eine Entschädigung in Höhe von 100000 Duros und die Ernennung Raisulis zum Gouverneur von Tanger und zum Polizeichef befriedigt sind. Maclean wird in ElkmoS gefangen gehalten, der Platz liegt drei Tagemärsche entfernt im wilden Gebirge.

Eine Verstärkung der amerikanischen Schlachtflotte im Stillen Ozean soll, obwohl die ur­sprüngliche Nachricht hierüber von Washington aus dementiert wurde, doch im Werke sein. Auch wird versichert, daß die Amerikaner die Küstenbesestigungen aus den Philippinen eifrig betreiben.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* (Hessischer Forstverein.) Als Ort der nächsten Versammlung, welche in zwei Jahren stattfindet, ist H e r s s e l d bestimmt worden.

):( Hersfeld, ,5. Juli. Nur eine kurze Spanne Zeit trennt uns noch von dem XVI. Feuerwehrtag des Reg.-Bez. Cassel. Am gestrigen Abend fand im Kaiser­restaurant die letzte Gesamtsitzung der verschiedenen Ausschüsse statt. Aus den Berichten der betr. Vorsitzenden kann man entnehmen, daß alles zum Gelingen des Festes aufs beste vor- bereitet ist. Heute und morgen wird nun in den Straßen unserer Stadt noch eifrig an der Ausschmückung gearbeitet, damit die zahlreichen Gäste von auswärts auch gebührend empfangen werden können. Mögen unsere Mitbürger so viel wie möglich zur Ausschmückung der Straßen, besonders der­jenigen, durch welche sich der Festzug bewegt, beitragen. Bereits von morgen mittag an werden die auswärtigen Fest­teilnehmer eintreffen. Möge es denselben in unserer alten ehr­würdigen Lullusstadt gefallen, damit sie stets mit Freuden an die hier verlebten Festtage zurückdenken. In diesem Sinne rufen wir den Gästen zum Feuerwehrtag einHerzliches Willkommen" zu.

):( Hersfeld, 5. Juli. (S t a d tt h e a t e r.) Das herr­liche LustspielH u s a r e n f i e b e r", welches am Mittwoch abend bei seiner dritten Aufführung abermals ein ausverkauftes Haus erzielte, soll nun bis Sonntag abend unwiderruflich zum letzten Male gegeben werden. Alle diejenigen, welche sich dies herrliche Stück noch nicht angesehen haben, mögen diese letzte Gelegenheit benutzen.

):( Hersfeld, 4. Juli. (Schöffengericht.) Ein früherer Schweizer der Domäne Bingartes und dessen Ehefrau erhielten wegen Diebstahls 2 bezw. 1 Woche Gefängnis. Wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde ein hiesiger Pflasterer zu 20 Mk. Geldstrafe ev. 4 Tagen Gefängnis ver­urteilt. Drei Schlosseilehrlinge von hier waren wegen Diebstahls von Tauben angeklagt. Zwei Jungen erhielten 2 Tage und der dritte 3 Tage Gefängnis. Ein Kellner, welcher kürzlich wegen Zechprellerei verhaftet worden war, wurde mit 5 Tagen Gefängnis bestraft. Außerdem wurden noch drei Privatklagesachen verhandelt, wovon 2 mit Verurteilung der Angeklagten zu Geldstrafen, die dritte mit Freisprechung beendet wurden.

Eschwege, 3. Juli. (Ein Opfer des Schuhmacherstreiks). Der in der Wallgasse wohnende Schuhmacher Ernst Reuffurth machte gestern Mittag seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Er gehörte anfänglich auch zu den 50 Zwickern, welche in der Hochhuthschen Schuhfabrik die Arbeit niederlegten. Er nahm aber als Arbeitswilliger später die Arbeit wieder auf und trat aus dem Verbände. Hierüber wurde er von seinen streikenden Kollegen beschimpft. Er nahm sich dies so zu Herzen, daß er in einem Anfall geistiger Stömng gestern Hand an sich legte.

Hanau, 4. Juli. Der bei der Gummisabrik in Geln- hausen angestellte Buchhalter Gustav Albrecht wurde verhaftet.

Es wird ihm zur Last gelegt, der Gummisabrik annähernd 30 000 Mark unterschlagen zu haben.

Hanau, 2. Juli. Der 71 Jahre alte Zigarrenfabrikant Nesselträger wurde von einem Ohnmachtsansalle' betroffen und stürzte aus dem Fenster seiner im ersten Stockwerk belegenen Wohnung. Hierbei erlitt er einen Schädelbrucb, an dem er nach einigen Stunden verschied.

Hanau, 2. Juli.. Vor der hiesigen Strafkammer wurde eine dreiköpfige jugendliche Räuberbande abgeurteilt. Die Burschen, im Alter von 1416 Jahren stehend, hatten sich an einer einsamen Waldesstclle eine Räuberhöhle gegraben und diese wohnlich eingerichtet. Die Ausstattung der Höhle, sowie eine Menge Lebensmittel, Waffen rc. hatten sie sich durch Ein­bruchsdiebstähle verschafft. Ihr Plan war, fortab sich ihren Lebensunterhalt nur durch Raub zu erwerben. In einem Schriftstück hatten sie sich alle durch Namensunterschrist ver­pflichtet, treu und fest zum Bunde zu halten. Das Urteil lautete gegen zwei der Uebeltäter auf je 4 Monate, gegen den jüngsten aus 2 Monate Gefängnis. Der abenteuerliche Plan war bei ihnen durch das Lesen von Räuberromanen und Jndianerge- schichten gereift.

Melsungen, 3. Juli. Zu dem dramatischen Vorgang, der sich am Montag morgen aus dem hiesigen Bahnhöfe ab- spielte, ist noch zu berichten, daß die junge Dame, welche den Tod in den Wellen der Fulda suchte und durch das schnelle und tatkräftige Eingreifen des Bahnhofsarbeiters Engelhardt gerettet wurde, bereits am Abend desselben Tages soweit wieder hergestellt war, daß sie in Begleitung ihres Vaters um Va9 Uhr die Rückreise nach Fulda, woher sie kamen, antreten konnte. Die Unglückliche, welche den bessern Ständen angehört, soll hoch­gradig nervenkrank sein, und in einem solchen Anfälle den ver­zweifelten Schritt getan haben. Sie befand sich mit ihrem Vater aus dem Wege nach Cassel, um einen dortigen Spezial- arzt zu tonfultieren.

Frankfurt a. M., 4. Juli. Von der Straskammer in Frankfurt a. M. wurde der Heiratsschwindler Karl Nuber alias Barnsdall, der eine Dame, mit der er sich verlobt hatte, um 65,000 Mk. betrog, zu drei Jahre Gefängnis verurteilt. Wie sich aus der Gerichtsverhandlung ergab, hat er ein Leben hinter sich, wie man es sich romanhafter uud abendteuerlicher kaum denken kann. Der Heiratsschwindel brächte ihm in 3 Va Jahren rund eine Viertelmillion ein, und er wird sich wegen einer Reihe anderer Heiratsschwindeleien noch vor anderen Gerichten verantworten müssen. Nuberarbeitete" nach einem ganz bestimmten System. Er ließ sich nämlich als nervenkrank in Sanatorien aufnehmen, machte dort die Bekanntschaft reicher Damen, verlobte sich mit ihnen und prellte sie dann um ihr Vermögen. Sein elegantes Aeußeres und seine Formenge­wandtheit unterstützten ihn dabei wesentlich. Der Schwindler ist 1873 in Mannheim geboren, diente als Einjähriger bei den Dragonern in Bruchsal und heiratete später eine 14 Jahre ältere, reiche Witwe, mit deren Geld er in Baden-Baden eine Fabrik zur Herstellung von Klosettspülapparaten etablierte, die aber bald fallierte. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden, und Nuber ging nach New Aork und von da nach den Goldfeldern Alaskas. 1903 kehrte er mit einem Vermögen von 20,000 Mk. nach Deutschland zurück und begann seine Heiratsschwindeleien. In demselben Jahre noch ging er wieder nach Amerika, wo er eine Petroleumquelle und Perlenfischerei betreiben wollte. Dabei verlor er aber sein ganzes Geld und kehrte 1906 nach Deutschland zurück, wo er nun seinen Schwindel mit dem größten Erfolge fortsetzte. Der Fall, der ihn vor die Strafkammer in Frankfurt a. M. führte, betraf eine Dame, die er in einer Pension in München kennen gelernt hatte, wo er sich als reicher Amerikaner mit Namen Barnsdall ausgegeben hatte. Es gelang ihm, die Dame zu einer Reise mit ihm nach Franksurt a. M. zu bewegen, wo sie ihm ihr ganzes Vermögen in Höhe von 65,000 Mk. einhändigte, Nuber ließ die Betörte in einem Restaurant in Frankfurt a M. sitzen und fuhr mit dem Automobil nach Heidelberg und von dort nach Zürich. Hier kaufte er ein Automobil für 10,000 Mk., mit dem er nach Gibraltar fahren wollte, um von da mit dem Schiff nach Amerika zu gelangen. Inzwischen erfolgte aber seine Verhaftung. Er machte zwar noch einen Fluchtversuch, indem er in den Züricher See sprang, wurde aber wieder er­griffen und dingfest gemacht.

Frankfurt a. M, 3. Juli. Ein trauriger Unglücksfall hat die Familie eines hiesigen Metzgermeisters betroffen. Der Schwager und die Schwägerin des Herrn kamen vor mehreren Tagen nach langjähriger Abwesenheit aus Amerika zurück nach der deutschen Heimat. Das Glück war dem Ehepaar in Amerika hold geblieben und so beschlossen sie, ihren Lebens­abend in Frankfurt als Rentiers zuzubringen. Ehe sie nach Frankfurt gingen, machten sie von Hamburg aus eine kleine Rundreise. Sie besuchten Berlin und kamen vor einigen Tagen nach Dresden. Am letzten Donnerstag war schlechtes Wetter, weshalb die Eheleute beschlossen, ihre Souper aus dem schönen Balkon ihres Wohnzimmers einzunehmen. Der Kellner hatte eben gedeckt. Das Ehepaar setzte sich an den Tisch, als plötzlich der Balkon in die Tiefe stürzte. Die Ehefrau starb bereits nach wenigen Minuten, während ihr Mann mit lebens­gefährlichen Verletzungen nach dem Krankenhaus transportiert wurde. Die Leiche der unglücklichen Frau wurde nach ihrer Heimat im Taunus verbracht.

Frankfurt a. M. Ein schreckliches Familiendrama hat sich in dem Arbeiterviertel abgespielt. In der heutigen Nacht war in der Familie des Lumpensammlers Münzel, die in einem stallartigcnRaum wohnt und noch mehrerenLenten Nachtquartier gewährt, ein Streit entstanden, der zu Tätlichkeiten ausartete. Schließlich ergriff der Sohn Münzels ein Holzbeil, schlug seinem Vater damit auf den Kopf und schlitzte ihm dann mit einem Taschenmesser den Mund bis zu den Ohren auf. Die Mutter unterstützte bei den Mißhandlungen ihren Sohn, der noch einen zu Hülse kommenden Arbeiter Groß unmittelbar neben der Schlagader in den Hals stach. Der Vater und der Ar­beiter Groß wurden blutüberströmt inS Kraukenhaus gebracht, wo der alte Münzel im Sterben liegt. Die Menge wollte den entmenschten Sohn lynchen, der ebenso wie die Mutter von der Polizei in Haft genommen wurde.

Von der Diemel, 3. Juli. Einer unglaublichen Unvorsichtigkeit ist ein Bauer aus dem westfälischen Dorfe Menne zum Opfer gefallen, wie bereits kurz berichtet. Der Mann war auf der Wiese und mähte Heu, die Sense ward stumpf, er mußte sie dengeln (schärfen). Da er den erforderlichen Sensenstein nicht bei sich hatte, beging er die Torheit, den in / der Nähe befindlichen Schienenstrang der Cassel-Altenbekener Bahn als Sensenstein (Ambos) zu benutzen. Er setzte sich also aus den Bahnkörper und dengelte munter daraus los. Als ein Güterzug sich naht, steht er gelassen auf, setzt sich aus andere Geleise und hämmert weiter. Durch das Geräusch be8 vorbeifahrenden ©üteriuge« getäuscht, überhört er, daß aus der anderen Seite der Schnellzug Casscl-Cöln herangebraust kommt, wird erfaßt und auf der Stelle getötet. Der Getötete hinter­läßt eine zahlreiche Familie.

Heiligenstadt, 2. Juli. Ein schrecklicher Unglücksfall