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1905—06 für Unterstützung?- und Wohlsahrtszwccke 796 398 Mark ausgegeben. Die hierfür gemachten Aufwendungen der dem Deutschen Kriegerbunde angehörenden Vereine sind nicht iiiitgcrcchnet.

Den ausgeschiedenen Schutztruppenange- Hörigen in Südwestafrika wird, falls sie aus Heim- beförderung verzichten und sich verpflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben, das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihülse gezahlt. Ausgeschiedene Schutztruppenangehörige werden beim Käufe von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 Mark Nachweisen können. Diejenigen ausgedienten Schutztruppen- angehörigen, welche auf eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Darlehen bis zum Höchstbetrag von 6000 Mark bewilligt erhalten und finden hierbei gegenüber anderen Bewerbern in erster Linie Berücksichtigung.

In Peine beiHannoversind schwere Ausschreitungen polnischer Arbeiter vorgekommen. Der Gutsbesitzer Leßmann in Oderberg bei Peine hatte eine Anzahl polnischer Arbeiter entlassen. Daraufhin machte sich alsbald unter den aus dem Gute verbliebenen polnischen Arbeitern eine große Unzuftiedcnheit bemerkbar. Leßmann wurde schließlich von den Arbeitern, etwa 40 an der Zahl, mit Heugabeln u. s. w. tätlich angegriffen und mußte fliehen. Die herbeigerufene Gendarmerie war gezwungen, von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Sie nahm vier Verhaftungen vor. Nachdem die Gendarmen abgezogen waren, gingen die Polen wieder vor, umlagerten das Haus LeßmannS, den sie in ihre Hände zu bekommen suchten. Die wiederum herbeigerufene Gendarmerie schritt ein, wurde aber von den polnischen Arbeitern bis Peine wütend verfolgt. Dort sammelten sich die Polen vor dem Amtsgericht und versuchten die Gefangenen zu befreien. Die Schutzmannschast und die Gendarmerie konnten nur mit blanker Waffe die Polen auseinandertreiben.

Dem Reuterschen Bureau wird aus Magador vom 24.d. M. gemeldet: Zehn angebliche Rädelsführer in der Angelegenheit der Ermordung des französischen Arztes Manchamp sind hier von Marrakesch in Eisen unter starker Bedeckung eingetroffen und werden mit einem Dampfer nach Tanger geschafft werden, wo die Untersuchung stattfinden soll. Die Eskorte, welche die Rädelssührer brächte, ist zur Versüguug des französischen Konsuls gestellt worden, um diesem nach Marrakesch das Geleit zu geben, doch hat der Konsul seine Reise verschoben, solange die Untersuchung gegen die Ge­fangenen schwebt. In Marrakesch uud im Süden ist alles ruhig, und neue Unruhen werden nicht befürchtet, wenn bis zur Ankunft des Sultans im Süden nicht daraus gedrungen wird, daß die übrigen Forderungen Frankreichs erfüllt werden. Kap Jubi ist von den Anhängern des Scheiks Maelainin der Adrar-Gegend besetzt, der versucht, sich beim Kab Jubi in den Besitz von Waffen und Munition zu setzen, um auf diese Weise seine Feindseligkeiten gegen die Franzosen im Süden forffetzen zu können. Der Gouverneur von Kap Jubi befindet sich gegenwärtig hier und versucht, einen Dampfer von den Kanarischen Inseln zu chartern, um Hülfe zu erlangen und so zu verhindern, daß Waffen in die Hände der Rebellen fallen. Zehn Eingeborene, die die Mörder Mauchamps sein sollen, sind auf einem Dampfer von Magador in Tanger eingetroffen und an Land gebracht worden. Die wirklichen Hauptschuldigen befinden sich indessen immer noch unbehelligt in Marrakesch.

Interessante Mitteilungen aus Marokko ver­öffentlicht Hauptmann Fischer, der bisherige Ordonnanzoffizier des maroKanischen Polizei-Inspektors Müller, in einer Schweizer Zeitung. Danach schulde die marokkanische Regierung ihm für Auslagen über 5300 Francs, ohne daß er bis heute bezahlt worden sei. Fischer habe deshalb beim Machsen auf Ge­nehmigung seiner Anstellung gedrungen. Statt der Genehmigung des Kontrakts und statt Geld habe er feine Entlastung als Ordonnanzoffizier bekommen.

Das EchodePansbespricht diesr anzösisch-deutschen Beziehungen und sagt, es bestreite nicht, daß Kaiser Wilhelm die Franzosen in Kiel so liebenswürdig wie möglich empfangen habe. Was die Anwesenheit des früheren Kriegs­ministers Etienne in Kiel betreffe, so habe Kaiser Wilhelm mit Etienne nur als einem Privatmann gesprochen; jener habe keinerlei Mission erhalten. — Das Echo glaubt versichern zu können, daß die dem Minister Pichon von einem italienischen Blatte zugeschriebenen Aeußerungen, nach denen der Minister des Auswärttgen bereit fein sollte, ein Abkommen mit Deutsch­land abzuschließen, unzutteffend sind. Der Rappel schreibt: Wir wünschen, daß der Ton und die Beziehungen zwischen Frankreich und Deuffchland normal bleiben; es gibt aber zwischen Deuffchland und uns einen alten und wichtigen Prozeß, der noch nicht soweit ist, daß er geregelt werden kann.

sondern eine Freude, und das Herz wurde ihm leichter, als er, den Kopf in die Hand gestützt, an einem Zaun lehnte und von der Zeit träumte, wo ihm das Recht gegeben sein werde, sie vor allem Leid zu hüten. Eine leise Berührung riß ihn aus seinem Sinnen. War sie schon da? Lächelnd wandle er den Kops und sah nicht Wanda, sondern Konstanze neben sich stehen. Ihr Gesicht war ernst und streng, ihre Lippen fest aufeinander gepreßt.

„Ludols", sprach sie in gleichgiltigem Tone, „Sie sagten mir einmal, daß man von hier aus den Altendorfer Kirchturm sehen könnte."

„So ist es auch", entgegnete er, „dort, von der Biegung der Landstraße aus können Sie ihn deutlich sehen".

„Würden Sie mich wohl dahin begleiten?" fragte sie.

Er zögerte einen Moment überlegend, bevor er antwortete:

„Ich kann nicht gut. Wanda weiß, daß ich sie hier erwarte."

„O, sie ist noch lange nicht fertig, und überdies brauchen wir nicht viel Zeit, um den kurzen Weg zu machen", wandle Konstanze ein.

Es würde ungefällig ausgesehen haben, hätte er ihr die unbedeutende Bitte abschlagen wollen. Schweigend gingen sie nebeneinander her. Nun der langersehnte und absichtlich herbeigeführte Moment gekommen, war es ihr, als ob ihr die Zunge gelähmt wäre.

Als Ludols daS Hostor öffnete, sagte er freundlich: „Kon- stanze, ich glaube, wir sind seit jenem Sommerabend, an dem Sie, Wanda und ich den herrlichen Sonnenuntergang sahen und durch den Wald kamen, nie wieder zusammen spazieren gegangen. Wir haben eigmtlich unser FrenndschastsbündniS, welches wir dem nämlichen Tage mit einander schloffen, schlecht gehalten! Ist daS Ihr Fehler oder der meine?"

Wenn er ihr absichtlich hätte zu Hilfe kommen wollen, hätte er seinen besseren Weg einschlagen können, als diesen. Daß er — und gerade jetzt — sich dieses entsetzlichen Tages erinnern mußte! Alle Furcht war plötzlich verschwunden und ein verzweifelter Mut bemächtigte sich ihrer.

„Ich weiß es nicht", entgegnete sie. „Jedenfalls habe ich Sie gebeten, mich zu begleiten, weil es unbedingt nötig ist, daß ich Sie allein spreche." —

Bis er es ist, ist es durchaus zu wünschen, daß man nicht unnütze prozessualische Zwischenfälle auf den Hauptprozeß auf- Pfropfe.

Aus Provinz u. Nachbargebiet

* (Neue Speisewagen auf d e r E i s e n b a h n.) Aenderungen im wirtschaftlichen Betriebe der Speisewagen auf den preußischen Staatsbahnen werden, wie die Magdeburger Zeitung hört, in der Eisenbahnverwaltung vorbereitet. Im Zusammenhang mit der vom nächsten Jahre ab geplanten erheblichen Vermehrung der O-Züge werden neue Speisewagen in größerer Zahl zur Einstelluug gelangen. Der WirtschastS- betrieb dieser Speisewagen soll nicht mehr wie bisher aus­schließlich an Erwerbsgesellschaften übertragen werden, sondern die Eisenbahnverwaltung beabsichtigt, zur Erhöhung der Betriebseinnahmen und zur Verbesserung des Wirtschaftsbetriebes diesen selbst zu übernehmen.

* (Pslanzen als Wetterpropheten.) Zu solchen gehören insbesondere: die Ackerwine und der auch gegen den Biß toller Hunde angepriefenc Gauchheil, beide öffnen beim Nahen nassen Wetters ihre Blüten, während die Kleearteu beim Aussteigen eines Gewitters ihre Blätter zusammenziehen. Der Hühnerbiß oder gemeine Hühnerdarm richtet bei heiterem Wetter deS Morgens 9 Uhr seine Blüten in die Höhe, entfaltet die Blätter und bleibt bis gegen Mittag wachend; steht aber Regen bevor, so hängt die Pflanze nieder, und die Blumen bleiben geschlossen. Schließen sich letztere nur halb, so ist kein anhaltender Regen zu erwarten. Die Regen-Ringelblume, von der Shakespeare die Perdita im „Wintermärchen" sagen läßt, daß sie mit der Sonne entschläft und weinend mit ihr aussteht, öffnet sich zwischen 6 und 7 Uhr morgens und pflegt bis 4 Uhr nachmittags wach zu sein; ist dies der Fall, so ist auf beständiges Wetter zu rechnen, schläft sie aber nach 7 Uhr noch fort, so ist noch an demselben Tage Regen zu er­warten. Die Gänsedistel zeigt für den nächsten Tag heiteres Wetter an, wenn sich der Blütenknopf in der Nacht schließt, Regen, sobald er offen bleibt. Wenn die Stundenblume ihre Bluinen öffnet, wenn die Kelche der stengellosen Distel sich schließen, der Sauerklee und die meisten andern Arten dieser Gattung die Blätter falten, dann steht sicher Regen in Aus­sicht. Schließt der Ackerkohl des Nachts nicht feine Blüten, läßt das Frühlings-Hungerblümchen seine Blätter tief herab­hängen, bläht sich das wahre Labkraut auf und riecht stark, dann hat man ebenfalls Regen zu erwarten. Das gleiche ist der Fall, wenn die Birke stark duftet. Der kriechende Hahnen­fuß zieht die Blätter zusammen, sobald es regnen will, und der Sumpfdotter gleichfalls. Das hahnenfußartige Windröschen schließt beim Nahen von Regen seine Blüten, und das Hain- windröschen läßt bei trübem Wetter seine Blüten herabhängen, bei heiterem Wetter aufrechtstehen.

):( Hersfeld, 1. Juli. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß der V o r v e r k au f der Familien- und Einzeldauerkarten zum F e u e r w e h r s cst unbedingt am Sonnabend abend 6 Uhr geschlossen wird.

):( Hersfeld, 1. Juli. Drei hiesige Einwohner, welche in der Nähe von Kirchheim in der Aula unberechtigter­weise die Fischerei ausübten, wurden von Forstbeamten dabei betroffen und zur Anzeige gebracht.

):( Hersfeld, 30. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht, dem Ober-Postschaffner Hüter bei seinem Scheiden aus dem Dienst das Allge­meine Ehrenzeichens» verleihen.

x. Hersfetd, 1. Juli. Die Zeit der Kirschen ist gekommen, und es dürfte deshalb eine oft wiederholte Mahnung am Platze sein, nämlich die Kirschsteine nicht auf die Straßen, Treppen und Wege zu werfen, die von Fuß­gängern benutzt werden. Zahlreiche Personen haben sich erhebliche Verletzungen dadurch zugezogen, daß sie auf solche Steine traten, ausglitten und hinstürzten. Es sind sogar schon Todesfälle aus diesem Anlaß entstanden.

):( Hersfeld, 1. Juli. (St ad ttheater.) Auch mit der gestrigen zweiten Aufführung des prächtigen Lustspiels „H u s a r e n s i e b e r" hatte die Direktion Herrmann einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Das Theater war bis auf den letzten Platz ausverkaust und das Publikum amüsierte sich auf das beste. Wahre Heiterttitsstürme durch­brausten den Saal In dankenswerter Weise ist die Direktion einem vielfach geäußerten Wunsche nachgekommen und giebt am nächsten Mittwoch das Stück zum dritten Male. Da alsdann eine weitere Aufführung dieses Lustspiels nicht mehr stattfinden soll, so dürfte sich der Besuch für alle die, welche noch keine Gelegenheit hatten, das Stück zu sehen, empfehlen. — Morgen (Dienstag) abend geht Charlotte Birch-Pseiffers

In höchster Überraschung sah Ludolf sie an und fragte: „Was gibt es? Kann ich Ihnen in irgend etwas behilflich sein?"

„Mir?" gab Konflanze zurück. „Nein es handelt sich hier nicht um mich, sondern um Sie und andere."

„Nun?" fragte Ludolf mit wachsendem Erstaunen.

„Ludols", fuhr sie in festem Tone fort, obgleich sie die Hände zusammenballte, daß sie schmerzten. „Sie müssen be­merkt haben, daß ich mich in letzter Zeit Wanda gegenüber verändert habe."

„Das habe ich allerdings", lautete die Antwort.

„Und sie kennen den Grund dafür nicht?"

„Nein. Aber", fügte er lächelnd hinzu, „es wird das Beste fein, wenn Sie ihn mir nicht nennen, denn ich kann kein unparteiischer Richter zwischen Ihnen und ihr sein."

„Das weiß ich wohl," entgegnete Konstanze, „und ver­lange auch nicht von Ihnen Schiedsrichter zwischen uns zu fein, sondern einfach mich anzuhören."

Er gab keine Antwort, seine Züge aber wurden ernst und eine Weile schritten sie schweigend nebeneinander hin. Dann begann Konstanze von neuem: „Ich liebte sie anfangs fehl innig und würde ihr noch heute gerade so zugetan sein, wenn ich nicht hinter ihren Betrug uud Verrat gekommen wäre.

Ludolf warf stolz den Kopf zurück und wiederholte: „Betrug und Verrat! Konstanze, Sie müssen sich vollständig vergessen, wenn Sie es wagen, mir gegenüber solche Worte mit Wandas Namen in Verbindung zu bringen!"

„Ich vergesse mich nie!" rief sie heftig. „Sie sollen und müssen die Wahrheit hören. Als Sie Wanda um ihre Liebe baten, versprach sie, was sie nicht mehr zu vergeben hatte, denn lange, bevor Sie sie kennen lernten, gehörte ihr Herz einem anderen."

Ludolss Gesicht glühte vor Zorn und mitten aus der Landstraße stehen bleibend, rief er: „Fräulein von Hohenstein, ich wollte nicht unhöflich werden, aber Sie fordern mich dazu heraus. Wenn Sie es wagen, Wanda und somit auch mich in solcher Weise zu beleidigen, so zwingen Sie mich dazu, Sie hier aus offener Straße allein stehen zn lassen."

„Das werden Sie gewiß nicht tun", entgegnete sie, „denn

Schauspiel „Die Waise von Lowood" in Szene. Der Name der bekannten Verfasserin birgt für ein gediegenes Werk, so daß sich ein Besuch dieser Vorstellung lohnen wird. — Die Spielzeit ist bis Ende Juli verlängert worden, und werden von jetzt auch halbe Abonnements ausgegeben. Es wäre zu wünschen, daß die Direktion noch in den letzten Wochen durch zahlreichen Besuch für ihre Mühen entschädigt würde, denn Herr Direktor Herrmann ist stets bemüht ge­wesen, dem Publikum das beste zu bieten, was ja auch die zahlreichen Novitäten beweisen, welche er unter großen Opfern hier znr Ausführung gebracht hat.

Wolfhagen, 29. Juni. Gestern nachmittag hat sich in dem nahegelegenen Dvrje Bründersen ein Unglücksfall ereignet. Die Ehefrau des Landwirts G. Uthof stürzte so unglücklich von einem mit Klee beladenen Wagen, daß sie das Genick brach und der Tod sofort eintrat. Der Mann ist umsomehr zu bedauern, da ihm im letzten Frühjahr auch 2 Kinder kurz hintereinander gestorben sind.

Stolzhansen b. Spangenberg, 29. Juni. Der Kgl. Oberförster der benachbarten Oberförsterei Stölzingen, Herr Forstmeister Müller, wurde vorgestern, nachdem man ihn bereits einen Tag vermißt hatte, im Walde zwischen hier und Bischofferode tot ausgefunden. Ueber die Todesursache ver­lautet noch nichts; es ist jedoch anzunehmen, daß ein Schlag- anfall den schon bejahrten Beamten auf seinem Dienstgauge getroffen hat.

Aus dem Kreise Fulda, 29. Juni. Nach einem vorausgegangenen heißen Tage ging gestern abend gegen V26 Uhr ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag über unsere jetzt in voller Pracht stehenden Fluren hernieder. Sehr großer Schaden wurde angerichtet in der Richtung Haimbach, Mackenzell rc. und gegen den Vogelsberg zu. Viel Heu, das Montag hätte eingefahren werden können, ist, wenn nicht fortgespült, so doch durch Nässe verdorben. Der Hagel fiel strichweise erbsen bis taubeneigroß und/besonders Korn-,Hafer- und Weizenfelder fast vollständig niedergedroschen. Gegen 8 Uhr brach ein zweites Gewitter los, das ebenfalls großen Schaden angerichtet hat. Durch die ungeheuren Regenmassen steigt die Fulda rapid.

Hanau, 18. Juni. Der Zugschaffner Marmor ist von einem Personenzuge gestürzt und von einem Schnellzuge, der aus der andern Richtung kam, überfahren und getötet worden.

Bacha, 26. Juni. Ein 16jähriger Zigarrenmacher aus Salzungen. der sich in der dortigen Kirche eine Zigarre an ge­steckt hatte, wurde vom Landgericht zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.

Casfel, 1. Juli. Im hiesigen Landkrankenhause starb an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich durch Verun­reinigung einer Wunde an her Hand zugezogen hatte, Herr Schuhmachermeister Barchfeld aus dem benachbarten Ober- kausungen. Die Kunst der Aerzte hat den im besten Lebens­alter stehenden Mann, der die geringfügige Wunde an der Hand ansänglich gar nicht sonderlich beachtet hatte, leider nicht zu retten vermocht. Der Verstorbene hinterläßt Frau und Kinder.

Brotterode, 29. Juni. Bei dem Gewitter gestern abend wurde in der Nähe des Ortes der Tagelöhner Hartmann vom Blitz erschlagen. Ein anderer Tagelöhner wurde von dem Blitz betäubt. Außerdem sahen Passagiere des Zuges Brotte­rode — Schmalkalden auf dem Felde ein getötetes Pferd und daneben eine Menschengestalt liegen. Näheres ist noch nicht bekannt.

Frankfurt, 27. Juni. Auf dem Opernplatz, gegenüber dem Hotel Jmperial, hat sich heute nachmittag ein tödlicher Unfall zugetragen. Der 18 Jahre alte Auslaiffer eines Kolo- nialwarengeschäfts in der Friedberger Landstraße, Peter Zender, fuhr auf seinem Fahrrad über den Opernplatz. Als er in be­schleunigter Fahrt um die Ecke der Bockenheimer Anlage bog, kam ihm gleichzeitig ein Wagen der elektrischen Straßenbahn und ein Möbelwagen entgegen; durch diese verdeckt, fuhr dahinter eine Droschke. Zender, der zwischen Trambahn und Möbel­wagen passieren wollte, fuhr direkt in die Droschke hinein. Die Deichsel drückte ihm den Brnstkorb ein und drang ins Herz. Zender war sofort tot.

Caldeu, 29. Juni. Vom Blitz erschlagen wurde gestern abend die Witwe Wentzel dahier. Sie war aus die sog. Treiswiese gegangen, um noch etwas Grünfutter zu holen. Heute Morgen V25 Uhr fand sie einer ihrer Söhne tot auf der Wiese.

Witzenhausen, 29. Juni. Staatssekretär Dernburg ist heute zum Besuch der deutschen Kolonialschule hier eingetroffen.

Frankenberg, 27. Juni. In Eimelrod fiel gestern das 2jährige Söhnchen der Eheleute Wilke in den Brunnen und ertrank.

sonst wird vor morgen Abend noch ganz Deubitz dasselbe wissen — und die Beweise dazu."

„Die Beweise?" rief er sarkastisch.

„Glauben Sie, ich würde eine derartige Anschuldigung ohne genügende Beweise hervorbringen? Nein. Schon um meiner selbst willen nicht. Also aus Gerechtigkeit für mich, die An­klägerin, wie für Sie, die Angeklagte, hören Sie mich an."

„Um Wandas willen will ich versuchen, Sie ruhig anzu­hören."

Nun erzählte Konstanze alles, was sie gehört und gesehen: von dem heimlich verborgenen Miniaturbild, den häufigen selt­samen Aufregungen, dem Schlag, welcher Fritzchens Fall vom Pferde veranlaßte und was ihr ihre Mutter über Wandas Familie mitgeteilt hatte. Sie hatte erwartet, daß er sie unter­brechen würde, doch kein Ton entfuhr seinen Lippen, bis sie ihm von der Zusammenkunft der vergangenen Nacht erzählte, und daß für den Abend eine zweite solche geplant sei.

(Fortsetzung folgt.)

— (Ein Wiedersehen nach 55 Jahren.) In dem unterfränkischen Pfarrdorf Eichfeld ist eine 73jährige Greisin aus Amerika zurückgekehrt, um ihre 91 Jahre alte Mutter noch einmal zu sehen, die sie vor 55 Jahren als Mädchen verlassen hatte.

— (Der Junge mit 60 Zähnen.) Sollte es in Amerika schon sehr heiß sein, während wir uns noch immer über die kühle Witterung und den Regen zu beklagen haben? Fast möchte man es vermuten, wenn man folgende New Docker Sensationsmeldung von dem neuesten amerikanischen Natur­wunder liest: Der kleine Israel Metz, ein neunjähriger Junge, ist von dem Hungertote bedroht, weil — er zu viel Zähne hat. Nicht weniger als sechzig besitzt der Knabe; in fünf Reihen füllen sie fast feine ganze Mundhöhle. Obgleich er mit der größten Vorsicht kaut, verletzt er beim Essen doch fast regelmäßig seine Zunge. Die Mutter hat den Aerzten erklärt, daß der Junge drei Stunden vor Schulbeginn anfstehen muß, nur um sein Frühstück essen zu tönen. Die Zahnärzte haben schon mehrfach die überzähligen Zähne entfernt, aber jedesmal wuchsen an ihrer Stelle neue und stärkere.