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herzMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Blnschlutz Nr. 8
Nr. 77.
Dienstag, den 2. Juli
1907.
Amtlicher teil
Hersseld, den 26. Juni 1907.
Die unter dem Schweinebestand des Schäfers Ortwein in Hersfeld ausgebrochene Rotlaussenche ist erloschen.
I. 5776. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Hersseld, den 26. Juni 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Johannes Rudolph zu Heringen ausgebrochene Rotlaussenche ist erloschen. I. 5762. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Hersseld, den 1. Juli 1907.
Die sofortige Einreichung der noch rückständigen Gemeindebogen nebst Kontrollisten von der Berufs- und Betriebs- zählung bringe ich bei den beteiligten Herren Ortsvorständen des Kreises in Erinnerung.
Letzter T e r m i n 3. I u l i, evtl. 5 Mk. Ordnungsstrafe.
I. I. Nr. 5897. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Französische Zargen.
Frankreich ist in großen inneren Sorgen. Was sich während der letzten Wochen in den südlichen Departements ereignet, ist gegen alle Staatsordnung. Die Bevölkerung lebt dort überwiegend vom Weinbau; da aber der Wein unverkäuflich ist, so lebt sie in Not und hat in ihrer Not zu Mitteln gegriffen, die einer Auflehnung gegen den Staat ähnlich sehen. Ein tiefer Gegensatz besteht zwischen Süden und Norden, zwischen dem Wein und der Rübe. Die Weinbauern führen die Unverkäuflichkeit ihres Produkts aus die Kunstweinpro- dnktion zurück und erheben gegen die Regierung den Vorwurf. daß sie aus Schonung für die an der Kunstweinerzeugung interessierte Zuckerindustrie des Nordens den Weinfälschern nicht an den Kragen gegangen sei. Die Weinpanscherei ist aber sicher nicht die einzige und vielleicht nicht einmal die Hauptursache der unglücklichen Lage der Winzer. Einerseits ist die
Das Geheimnis.
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Wollt Ihr nicht hinüberfahren?" meinte Herr von Hohcnstein.
„Nein, ich danke," entgegnete Ludolf. „Wanda glaubt, gehen werde ihr gut tun."
Ein leichtes Lächeln kräuselte Konstanzes Lippen, sie schwieg zu allem, als man sich aber von dem Tische erhob, rief sie plötzlich aus: „Ich gehe heute nachmittag nach dem Vorwerk Gries. Wer kommt mit dorthin?"
Ihre Mutter sah sie befremdet an. Sie hatte geglaubt, Konstanze würde die letzte sein, die absichtlich Ludols und Wandas Wege kreuzen werde.
„WaS willst Du dort, mein Kind?" fragte sie.
„Ich habe Susanne, der Pächterstochter, einige Bücher versprochen und die will ich ihr hintragen," antwortete Konstanze.
In ihrem Innern meinte die alte Dame, die Bücher würden auch bis aus einen andern Tag Zeit haben, sagte indessen nichts. Vielleicht dachte Ludolf ebenso, aber mit liebenswürdiger Miene wandle er sich zu Konstanze und sagte:
„Wie Sie wissen, gehen auch wir hin und werden uns freuen, den Weg in ihrer Gesellschaft zurücklegen zu können."
„Ueber ihr Gesicht glitt ein schnelles Rot, indem sie in kaltem Tone erwiderte: „Ich danke Ihnen, ich ziehe es vor, zu zweien zu gehen, und beabsichtige überdies, sofort aufzn- brechen, Marion, willst Dn nicht mitkommen?"
DaS kleine Mädchen war gern bereit. Sie liebte Fritzchen und freute sich stets, wenn sie ihn auf dem Vorwerk GrieS besuchen durfte. Frau von Hohenstein, die ihre Tochter heute gar nicht begreifen konnte, hätte sie von ihrem Vorhaben gern zurückgehalten, doch gelang ihr daS nicht, und kopfschüttelnd sah sie den zwei sich entfernenden Gestalten nach.
Es mochte wohl eine Stunde später sein, als Ludols und Wanda den beiden Mädchen durch die Felder folgten. Anfangs gingen sie langsam und sie schwer auf seinen Arm gelehnt,
Ausdehnung des Weinbaues auf die schlechteren Böden ermuntert, anderseits sind vom Staate Maßregeln versäumt worden, die den Weinabsatz hätten erleichtern können.
Viele Ortsvorstände haben ihre Aemter niedergelegt, die leicht erregbare Phantasie des Südfranzosen hat sich von wirren Köpfen zum passiven Widerstand gegen die Zentralgewalt des Staates und schließlich anch zu Angriffen aus die Präsekturen und zur Verführung der Soldaten hinreißen lassen. Diese letztere Erscheinung, die Meutereien in mehreren Regimentern, geht den französischen Parteien am meisten ans Herz. Ganze Regimenter mußten durch zuverlässige Truppen aus anderen Departements ersetzt, mehrere Bataillone nach Algerien verschickt werden. Dieser Garnisonwechsel hat der Republik schon über 3 Millionen Mark gekostet, und, um den Ausfall wieder auszugleichen, hat der Kriegsminister die großen Herbstmanöver abgesagt. Man hat mit der aufgeregten Bevölkerung milde zu paktieren versucht, trotzdem ist Bürger- und Soldatenblut geflossen.
In der Deputiertenkammer werden die traurigen Vorgänge parteipolitisch behandelt, die Sozialisten und die Rechte suchen das Ministerium zu stürzen, dessen Haupt Clemencau glücklicher in allerhand Einfällen des Augenblicks als in praktischen Taten war. Indessen gelang es der Redegeschicklichkeit des Ministerpräsidenten am Freitag, mit 324 gegen 233 Stimmen ein Vertrauensvotum zu erlangen. Die neuen Männer, die im Hintergründe stehen, erachteten ihre Zeit noch nicht für gekommen, der Block hielt noch einmal zusammen. Mitgewirkt hat dabei ohne Zweifel die Rücksicht auf das Ausland. Der General Langlois hat kürzlich im Senat bitter darüber geklagt, daß Frankreich gegen die Gefahr eines deutschen Ueber- falls nicht genügend gerüstet sei. Es macht nichts, daß eine solche Gefahr nicht besteht; b*. Glaube an sie ist trotzdem eine Macht, die wiederholt schon die Lebensdauer eines schwachen Ministeriums verlängert hat.
Sie Stroonoe in RMM
Petersburg, 29. Juni. Die russische Regierung hat soeben einen Beschluß von enormer Wichtigkeit gefaßt, nämlich: die faktische Lösung der Agrarfrage noch vor Zusammentritt der dritten Reichsduma vorzunehmen. Die Regierung verfügt über einen Landfonds von zehn Millionen Deßjatinen. Dieser soll unter den Bauern verteilt werden, und zwar in Stücken von 2 bis 28 Deßjatinen je nach der Qualität der Bodenbeschaffenheit. Das Land wird den Bauern unter äußerst günstigen Bedingungen überlassen, wobei es nicht nur pachtweise, sondern als Eigentum in die Hände der Bauern wandert. Ferner wird gestattet, daß, wo eS notwendig erscheint, die Gemeinde selbst den Lundankauf vornimmt, wobei wiederum jedes den einzelnen Bauern zugeteilte Stück in deren Eigentum übergeht. Die Verteilung übernimmt eine Landeskommission. Jedes Gouvernement erhält eine eigene Kommission, die augenblicklich die nötigen Dispositionen treffen muß und dazu ihre Unterkom
allmählich aber malte ihr die frische Lust wieder ein wenig Farbe aus die Wangen, und ihr Schritt wurder leichter. Noch immer aber war sie schweigsam. Ludolf versuchte umsonst, sie aufznmuntern und für etwas zu interessieren, bis ihm der geheimnisvolle Fremde wieder einfiel und er ihr von dem erzählte.
„Er hat augenscheinlich viel Interesse für Dich Wanda, und wir müssen sehen, ob sich nicht mehr von ihm in Erfahrung bringen läßt," schloß er seine Mitteilungen, wobei er ihr lachend in das Gesicht sah; das Mädchen aber war totenbleich geworden, und nach Atem ringend bat sie matt: „Laß uns einen Augenblick ausruhen."
Er zog sie auf eine Moosbank nieder und kniete an ihrer Seite hin, um sie zu stützen. Einige Minuten vergingen so in tiefem Schweigen, dann sah sie zu ihm auf und sagte:
„Mir wurde so schwindelig, jetzt ist es vorüber. Nun können wir weitergehen."
„Du hättest überhaupt nicht gehen sollen," meinte Lridolf vorwurfsvoll, „Komin, laß uns umkehren."
„Nein, nein," rief sie hastig, „ich muß weitergehen." _
Sie erhob sich und schnell war Ludols wieder an ihrer Seite.
„Wanda," sagte er in sehr zärtlichem Tone, „so teuer Dir auch Fritzchen ist, darsst Du doch nicht vergessen, daß er jetzt nicht mehr Deine erste Sorge sein darf, Du weißt, waS Du mir bist, und um meinetwillen denke auch an Dich selbst."
„Bist Du eifersüchtig aus Fritzchen?"
Es lag in dem Tone, in welchem sie das sprach, eine Ironie, die ihn auf das Unangenehmste berührte, und cö traten ihm bittere Worte auf die Lippen. Er drängte sie indessen früh genug noch zurück und entgegnete ruhig: „Nein!" Er wollte ihr nicht länger widersprechen, denn er sah, daß sie nicht allein körperlich sondern auch geistig litt.
Es war das erstemal, daß sich Bitterkeit zwischen die beiden drängte.
Sie hatten nicht inehr weit zu gehen, um ihr Ziel zu erreiche«. Die Gutswirtschast lag am Fuß eines kleinen, steilen Abhanges, und von dem Torwege her lachte ihnen Fritzchcns munteres Kindergesicht entgegen. Es war ein alter, malerischer Platz. Die eine Seite desselben hatte seinerzeit zum Wohnhaus
missionen in jedem Kreise haben wird. Durch diesen Beschluß der Regierung werden kleine Privatbcsitze geschaffen, wonach die Bauern mit aller Macht streben.
P e t e r s b u r g , 29. Juni. Der ehemalige Ackerbauminister Jermelow ist von einer Reise in die von Not heimgesuchten Provinzen nach Petersburg zurückgekehrt. Jermelow hat fest- gestellt, daß die Bauern am meisten in den Provinzen gelitten haben, in denen Agrarunruhen stattgefunden und wo die Grundeigentümer ihre Wirtschastsbctriebe ausgegeben haben. Jermelow machte noch die weitere Feststellung, daß die Armut der Bevölkerung nicht in Beziehung steht mit zu geringem Ländereibesitz. Bauern, welche große Ländereien besaßen, wurden in gleicher Weise von der Hungersnot betroffen wie diejenigen, welche unter zu geringem Landbesitz zu leiden hatten. Baschkiren, die an Skorbut litten, besitzen manchmal hundert Deßjatinen. Jermelow sagt, der Stand der Saaten sei ein ausgezeichneter, man könne auf eine gute, ja sogar glänzende Ernte rechnen.
Nowonikolajewsk, 29. Juni. In der Nähe des Dorfes Bigry in der Provinz Tomsk haben 7 Räuber die von Barnaul kommende Post ausgeplündert, nachdem sie die Pferde und einen Polizeiagenten getötet hatten. Die Räuber erbeuteten 25 000 Rubel und entkamen in einem Boot.
Tiflis, 29. Juni. Nach amtlicher Mitteilung wurden bei dem Bombenanschlag am Eriwanplatz, wie zuerst gemeldet, nur 250 000 Rubel geraubt, darunter 100 000 Rubel in Fünfhundert-Rubel-Scheinen, deren Nummern der Reichsbank bekannt sind.
Aus In- und Ausland.
Berlin, den 30. Juni 1907.
Aus Travemünde, 29. Juni wird gemeldet: I h r e Majestäten der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute vormittag auf einem Spaziergang das Gut Rosenhagen des Gutsbesitzers Hauswald bei Travemünde. Herr und Frau Hauswald sind für morgen abend zur Tafel aus die Hohenzollern geladen. Nachmittags besichtigte Ihre Majestät die Kaiserin das Schiffsjungenschulschiff Großherzogin Elisabeth. Abends fand im Kurhause Preisverteilung und hieran anschließend ein Herrenabend statt. Prinz Heinrich nahm an beiden Veranstaltungen teil. Sc. Majestät der Kaiser speiste mittags aus der aus der Reede ankernden Dampf- jacht Nahma.
Die soziale Liebestätigkeit der deutschen Kriegervereine ist ersichtlich aus dem Geschäftsbericht des Deutschen Kriegerbundes für die Jahre 1905 und 1906. Danach wurden aus der Bundeskasse unter anderm in den beiden Jahren ausgegeben für Unterstützungen an Kameraden 341775 Mark, für Unterstützungen an Kameradenwitwen 104 709 Mark, für Notstandsunterstützungen 26 630 Mark, für die Unterhaltung der vier Kriegerwaifenhäuser 317 930 Mark. Im ganzen hat der Deutsche Kriegerbund in den Jahren
gehört, und die roten Ziegelmauern und spitzen Giebelfenster standen in seltsamem Widerspruch zu den modernen Vorwerks- gebäuden, welche später hinzugekommen waren. Der alte Teil besaß einen besonderen Eingang und hier war es, wo Fritzchen von den Pächtersleuten und Arbeitern, welche auf dem Vorwerk Gries beschäftigt waren, ungestört mit seiner Wärterin wohnte.
Während der Knabe seiner Tante entgegenlief, kam Marion von der anderen Seite herbeigesprungen.
„Ich muß gleich wieder fort," rief sie, „denn Konstanze sagt, sie brauche mich. Sie ist drinnen in der Stube bei Susanne und liest ihr vor."
„Bei Susanne?" wiederholte Wanda zerstreut.
„Ach, Tantchen!", rief auch der Knabe, „wir haben so reizende kleine Kätzchen! Komm, die mußt Du sehen."
Er wollte das junge Mädchen mit sich sortziehen; dieses wandte sich zuvor erst noch zu Ludolf mit den Worten um: Ich habe dann noch verschiedenes mit Brigelte zu reden, waS wirst Du indessen tun?"
„Ich sehe mich überall um und erwarte Dich dann hier," lautete die Antwort.
Konstanze, welche in der Stube am Fenster saß, sah Ludols kommen und langsam dem Hose zugehen. Das war, was sie gehofft hatte! Sie wußte, daß Wanda, sobald sie nach dem Vorwerk Gries kam, meist längere Zeit mit Brigitte zu reden hatte. Schnell reichte sie das Buch, in welchem sie gelesen, der kleinen Marion, die an ihrer Seite stand und jagte: „Du kannst so gut lesen, wie ich; hier, nimm das Buch und lieS, bis ich zurück bin, ich bleibe nicht lange."
Ludolf sah sich heute auf dem Vorwerk nicht weiter um. Es lastete etwas auf seinem Geinüt; nicht, daß er unglücklich gewesen wäre, wohl aber unruhig. BiSber waren die Tage seit seiner Verlobung so glücklich dahingefloffen, daß die erste trübe Wolke ihn sehr niederdrückte! Sein momentaner Zorn war längst verraucht, nicht so seine Besorgnis. Wanda's ganze Konstitution mußte weit zarter sein, als wie er geglaubt hatte, wenn eine einzige Ballnacht sie in einem solchen Grade an- zugreifen vermochte. Sie würde viel Sorgfalt bedürfen, für jeiite innige Liebe aber würbe jene Sorgfalt keine Last sein,