Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für fjersfelb vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ns
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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 73. Donnerstag, den 27. Juni 1907.
AdsWMtlils-WadNg
auf das Reisfelder Kreisblatt.
Das „Hersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alle wichtigen Ereignisse in der
Politik des Zu- und Auslandes, wichtige Gerichts-Entscheidungen re., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer
spannende Romane, Erzählungen re.
sortsctzungsweise zum Abdruck.
SKIS“ Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. ^2L
........ . An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein „Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle t4 Tage eine ausgezeichnete „Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".
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Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier tieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausfchl. Bestellgeld vierteljährlich.
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Das Geheimnis.
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Ein Gefühl wie Ehrfurcht durchzuckte das Herz des jungen Mädchens, besten glücklich strahlende Augen auf all' der Pracht ruhten. Doch die Kälte machte sie wieder schauern und langsam schritt sie nach der Türe zurück. Bevor sie noch diese erreicht, bevor sie zwei Schritte getan hatte, blieb sie plötzlich stehen, wandle den Kops und lauschte gespannt, denn es war ihr gewesen, als ob sie an ihrer Seite eine Stimme vernommen hätte. War es Einbildung gewesen, oder eine der vielen Stimmen von drinnen? Sie sah scharf die ganze Veranda entlang, doch da war alles still und leer. Sie tat keinen Schritt vorwärts, um sich ringsum zu sehen. Ihr Antlitz, welches der Mond jetzt klar und voll erschien, war heiter und friedlich wie das einer echten Braut, da§ Herz leicht und glücklich, während sie, den Atem anhaltend, mit geteilten, fast lächelnden Lippen in die stille Nacht hincinlauschte. So stand sie wohl eine Minute, als sie plötzlich dicht an ihrem Ohr ihren Namen vernahm. Sie fuhr nicht entsetzt zurück. Sie eilte nicht davon, sondern blieb, wie zu Stein geworden, flehen. Da ertönte zum zweitenmal das leise gehauchte „Wanda." und diesmal wandte sie mit einem halb unterdrückten Schrei und unsagbarem Schreck und Angst den Kops zur Seite und sah hinter einem Pfeiler der Veranda ein Gesicht hervorlugen, das sie nur gar zu gut kannte. Die dunklen Augen, das schwarze, lockige Haar waren dieselben, welche das Miniaturbild zeigte, das sie heimlich so oft geküßt hatte. Aber wie verändert! Die kummervollen, abgezehrten Züge, die in dem fahlen Mondlicht fast geisterhaft erschienen, hatten ihre Schönheit verloren und daS Haar hing lang und wild über die Stirne herab. Und trotzdem erkannte sie ihn. Starren AngeS, Wangen und Lippen farblos, sah sie ihn sprachlos an. Da trat die Gestalt hinter dem Pfeiler hervor und kam mit ansgestrecktcu Händen ihr entgegen. Das brächte sie wieder zu sich selbst, sie wankte und würde gefallen sein, wenn er nicht
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 24. Juni 1907.
Nach einer amtlichen Bekanntmachung der Landwirtschafts- kammcr zu Cassel ist der Termin zur Vornahme der diesjährigen Stutenschau mit Prämien-Verteilung für den Kreis Hers- seld aus
Donnerstag den 18. Juli d. I., Vormittags 9 Uhr in Hersfeld anberaumt.
Es werden nur bedeckte Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der ausgewählten Stuten das in diesem Jahre von ihnen für die Bedeckung dieser Stuten gezahlte Deckgeld zurückerstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1908 eventl. geborenen Füllen ein Füllengeld nicht zu entrichten ist.
Der Nachweis für die Bedeckung der ausgewählten Stuten ist durch Vorzeigen des Deckscheines zu führen. Wer den letzteren nicht vorlegen kann, ist von der Prämiierung ausgeschlossen. Die Deckscheine der prämiierten Stuten werden abgenommen und den Besitzern nach einigen Tagen wieder zugestellt.
Nur Stuten, welche in das Stutbuch eingetragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden bevorzugt, deren unter Vorweis des FülleNscheines vorzuführende Nachzucht ihren Zuchtwert bestätigt. Die Zahl der an den einzelnen Schauorten zu prämiierenden Stuten bestimmt die Schaukommission.
Der Besitzer von in das Stutbuch eingetragen werdenden Stuten erhält für jedes Stück 5 Mark.
Außerdem müssen die seit der letzten Stutenschau mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer gekauften Stutfohlen vorgeführt werden.
Die Herren Ortsvorstände ersuche ich, den sämtlichen Pferdezüchtern des Kreises von dem Ort und der Zeil der Stutenschau Mitteilung zu machen und dieselben zur Vorführung ihrer Stuten zu veranlassen.
I. 1. 5692. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 22. Juni 1907.
Der auf Donnerstag den 11. Juli d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
I. 5663. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
herzugesprungen wäre und sie in seinen Armen anfgesangen hätte. Sie versuchte es, ihn von sich zu drängen, doch er hielt sie fest, während er in vibrierendem Tone sagte: „Wanda, hast Du kein Wort für mich?"
Bei dem Klänge dieser Stimme blickte sie verwirrt um sich und fragte leise: „Sprich, wo bin ich?"
„Hier, Teuerste," antwortete er. „Hier bei mir. Hast Du gelernt, mich zu hassen?"
„Dich hassen! — Ach, Anton!" flüsterte sie und klammerte sich fester an ihn, während heftiges Schluchzen ihren ganzen Körper erschütterte und er ihr Gesicht mit heißen Küssen bedeckte; „bist Du es wirklich? Wie soll ich das alles verstehen ?"
„Ich konnte nicht fortleben, Wanda. Ich habe es versucht, aber die Sehnsucht war stärker als ich. Seit zwei Tagen schon schleiche ich hier herum. Bereitet es Dir Schmerz, mich wiederzusehen?"
„Ueber ihre Züge glitt ein seltsam freudiger Ausdruck, als sie erwiderte: „Dich Wiedersehen, bei Dir fein 1 Wenn nur — still!" unterbrach sie sich selbst, „was ist das?"
Ein Lichtschein auf dem Boden, ein leichtes Geräusch an dem Fenster, dann war alles still und dunkel wie zuvor. Sie aber hatte sich in wildem Schrecken seinen Armen entrissen.
„Er sucht mich!" rief sie voll leidenschaftlicher Angst. „Er wird gleich Hiersein! Komm, Anton," und mit geradezu übernatürlicher Kraft zog sie ihn mit sich die Veranda entlang, bis ein vorspringender Pfeiler sie den Blicken vom Fenster aus entzog. Doch es war zu spät; ein bleiches, ängstlich spähendes Gesicht wurde gegen die Scheiben gepreßt und ein Paar von Haß und Argwohn geschärfte Augen folgten den zwei enteilenden Gestalten. _
Nicht Ludolf war es, sondern Konstanze. Sie hatte die Gardine hinter sich herabgelassen, so daß sie im Dunkeln stand.
Zehn Minuten zuvor war sie teilnahmSloS für alles, ivaS um sie herum vorging, in das Bibliothekzimmer gekommen. Ludols'S freundlichen Worten war es nicht gelungen, auch nur eine vorübergehende Heiterkeit in ihre Züge zu bringen; kamen ihr jene doch vor wie grausamer Spott; und bald schrie sie ihm ^>en Rücken, um in der Ausgabe ihres VaterS, Gäste zu
Der Saatenstand Mitte Juni 1907. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld. Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 — gut, 3 — mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft re. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. b. I. —)
Fruchtarten usw.
Winterweizen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste Hafer .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) Klee ....
Luzerne Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)wässerung Andere Wiesen .
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
nichtamtlicher teil.
MinisttMtchstl.
Der Personenwechsel in einigen der höchsten Staatsämter des Reiches und Preußens, mit dem sich die politischen Zeichendeuter schon so lange beschäftigten, ist nun tatsächlich einge- treten. Freilich hat sich keine der gemachten Voraussagen bestätigt, und es läßt sich daraus rückschließend ersehen, daß es sich bei jenen Voraussagen nicht um irgendwie zutreffende Informationen, fondern teils um Versuchsballons, teils um parteitendenziöse Machenschaften gehandelt hat.
Ueberraschend kommt wohl allgemein der Rücktritt des Grafen v. Posadowsky von dem Posten eines Staatssekretärs des Reichsamts des Innern. Mit dem Grafen Posadowsky scheidet zweifellos eine der bedeutendsten Persönlichkeiten aus dem Staatsdienst. Seine hohen Geistesgaben sind allgemein anertannt. Mit hervorragendem Rednertalent verbindet Graf Posadowsky ein staunenerregendes Wissen und einen in die Tiefe dringenden und die großen Zusammenhänge der Dinge erfassenden Blick. Mit virtuoser Gewandheit wußte er im Reichstage jederzeit Rede und Antwort zu stehen und in
unterhalten, sich selbst zu vergessen. Sie sprach eben in ihrer gleichgültigen Weise mit Frau Osborn, als sie bemerkte, daß eine Dame am andern Ende des Ziminers ihr durch Zeichen etwaS zu verstehen geben wollte. Sich bei Frau Osborn entschuldigend, kreuzte sie das Zimmer und trat zu jener Dame mit den Worten: „Haben Sie mir gewinkt, Frau Westermann?"
„Ja, meine Liebe, ich wollte ihnen etwas sagen. Ich bin wirklich bange um ihre Cousine. Sie sollte bei einer solchen Kälte nicht so lange im bloßen Kopfe draußen bleiben."
„Wo ist sie?" fragte Konstanze hastig.
„Sie ging vorhin dort zn der Verandatüre hinaus, nur ein einfaches Tuch um die Schultern gehängt. Ich fand es gleich sehr leichtsinnig, wagte es ober nicht, sie zurückzuhalten," antwortete Frau Westermann. „Nun ist aber schon eine ganze Zeit vergangen und sie ist noch immer nicht wieder hereingekommen."
„Ich werde nach ihr auSschauen," sagte Konstanze, deren stets bereiter Argwohn sofort erwachte, und schritt hastig der GlaStür zu.
Irgend ein Vorfall mußte Wanda wieber in Unruhe und Auflegung versetzt und sie sich hinauSgestohlen haben, um allein zu sein. So dachte Konstanze; als die Gardine aber hinter ihr niederfiel und daS Licht von innen auSschloß, traf ihr Blick auf eine unerwartete Szene. Wanda war da. Wer aber war der Mann, der sie widerstandslos in den Armen hielt, der seine Lippen innig aus die ihren preßte, und der, als Konstanze in ihrer Ucberraschnng gegen die Scheiben^ stieß, den Kopf wandte und ihr in dem hellen Mondlicht ein Gesicht zeigte, daS sie bei Tag und bei Nacht verfolgte? Nun war er schließlich doch gekommen. DaS Herz drohte ihr zu zer- springen. Während sie aber noch eifrig ausspähte, waren sie verschwunden, — wohin, das konnte sie nicht ergründen. Doch im nächsten Augenblick bemerkte ihr scharfes Auge, wie zwei schattenhafte Gestalten um die Ecke deS Hauses verschwanden. Sollte sie Ludolf herbeirufeii und ihn hin führen wo er die Beiden zusammen sehen konnte? „Noch nicht, — noch nicht", rief eine Stimme in ihrem Innern, nicht eher, als bis sie mehr erfahren hatte. Sie wagte es nicht, ihnen auf die Veranda zu folgen, doch es gab noch einen anderen