Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, vo
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^n:»!«^
herrfel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 74.
Dienstag, den ÄS. Juni
1907.
AbmmnIs-EjMW
auf das Ijersfelder Hetzblatt.
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen
alle wichtigen Ereignisse in der
Politik des In- und Auslandes, wichtige Gerichts-Entscheidungen re., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer
spannende Romane, Erzählungen rc.
sortsetzungsweise zum Abdruck.
Die Verbindung mit einem der ersten Depefchen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. "ALK
■■■ An Gratisbeilagen ■■■ erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein
„Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle tq, Tage eine ausgezeichnete
„Illuftrirte Landwirtschaftliche Beilage".
Anfang Mai und Oktober je einen
Auszug aus dem Eisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.
Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mt., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.
Probenummern werden auf verlangen kostenfrei zugesandt.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Expedition des Kersfelder Kreisblattes.
Das Geheimnis.
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
VL
Die Weihnachtsglocken tönten hell durch die klare, kalte Lust und Ludolf stand mit Wanda aus der Terraffe vom Mellwitzer Herrenhause, um sie zu hören. Sie hatten von den verschiedensten Dingen gesprochen, hauptsächlich von Ludolfs Reiseerlebnissen, nach und nach aber waren sie einsilbiger geworden und standen nun schweigend bei einander, dem feierlichen Geläute lauschend und, wie es schien, in ihrem eigenen friedlichen Glücke ruhend.
Die fünf Wochen, während welcher Ludols abwesend gewesen, waren vorüber und vor zwei Tagen war er heimgekehrt, von Wanda liebend begrüßt, von Konstanze ernst und schweigend, denn sie hatte ihm nichts zu sagen. Sie war ihrem Ziele während der fünf Wochen mit keinem Schritte näher getreten.
Wanda war es, welche das Schweigen brach. Sie legte die Hand auf seinen Arm und sagten
„Möchten wir nicht gehen? Es ist fast drei Uhr und wir dürfen nicht zu spät kommen."
Sie hatten den Tag ruhig bei Frau von Behringen zugebracht und am Abend war Gesellschaft auf Deubitz.
„Das alte Haus gefällt Dir also wirklich am besten, wie eS ist? Du willst es nicht neu möbliert haben?" knüpfte Ludols an ein Gespräch an, welches sie zuvor über ihre Hochzeit, sowie über die Veränderungen, welche diese mit sich bringen würde, geführt hatten.
„ES sollte mir leid tun, wenn es umgestaltet würde," antwortete Wanda; „es könnte nie wieder so behaglich werden, ivic es jetzt ist mit all seinen interessanten, altmodischen Stücken, die mir unzertrennlich von ihm scheinen. Bitte, laß alles, wie es jetzt ist."
Ludolf stimmte ihr freudig bei. Er liebte das alte HauS so sehr, daß eS in seinen Augen nur noch der schönen jungen Herrin bedurfte, um vollkommen zil sein. Doch eine andere
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 19. Juni 1907.
Der Landwirt Johannes Wenzel zu Oberhaun ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden. A. 2649. Der Königliche Landrat
von G r un e l i u s..
Hersseld, den 21. Juni 1907.
Die unter dem Schweinebestand der Frau Gleim in Biedebach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 5609. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Thamer.
Aonigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen ' vormittags.
nichtamtlicher teil.
Sie Sinitrrtnolulion in Frankreich.
Die aus der Unzufriedenheit der südfranzösischen Weinbauern über ihre gedrückte wirtschaftliche Lage entstandene Bewegung bat sich allmählich zu einer förmlichen Revolution enl- wickelt, die speziell in Narbonne, Montpellier und Perpignan blutige Straßenkämpfe zwischen der erregten Bevölkerung einerseits, der Gendarmerie und dem Militär anderseits gezeitigt hat. Noch ist die Zahl der Toten und Verwundeten, die es hierbei gegeben hat, nicht genau bekannt, aber wenigstens die Zahl der Verwundeten ist zweifellos eine verhältnismäßig hohe, auch aus Seiten des Militärs. Auf der Unterpräfektur in Narbonne gibt man die Zahl der bei den Straßenunruhen speziell in dieser Stadt verwundeten Soldaten mit 62 an, darunter befinden sich 6 Offiziere und 9 Unteroffiziere. Die Zahl der in der Apotheke behandelten Zivilisten wird mit 21 angegeben, darunter sind vier Schwerverletzte. Viele verwun. bete Militärs wie Zivilisten gab es auch in Montpellier, die Gesamtzahl der Toten dürfte mindestens ein Dutzend betragen. Es ist also heiß und blutig genug zugegangen, und dabei kann man noch keineswegs von einem schon errungenen durchschlagenen Siege der Regierungsgewalt sprechen, denn noch immer gährt es unter der südfranzösischen Bevölkerung, und zwar nicht nur in den Kreisen der Winzerschaft, gewaltig, und es kann leicht ein furchtbarer Ausbruch der Volkserregung erfolgen. Das Kritische in der ganzen Situation für die Re
Bitte hatte sie geäußert, nämlich, daß die Hochzeit so still wie möglich gefeiert werden möge. Sie gab keinen Grund dafür an, bat aber dringend und dabei doch zaghaft.
„Ich weiß nicht, was die Nachbarschaft von mir erwartet," lachte Behringen.,, Doch, wie Du willst, mir ist es ganz gleichgiltig, auf welche Weise die Hochzeit gefeiert wird. Wenn sie Dich nur zu meinem Weibe macht, dann bin ich zufrieden."
„Ach, Ludolf," rief sie in plötzlich überwallender Empfindung, „dann bin ich auch zufrieden. Selbst Du kannst nicht ahnen, wie ich mich nach Ruhe sehne, nach Sicherheit in Deinen Armen; wie es mich verlangt, Ludols —". Hier brach sie ab. Sie schmiegte sich fester an ihn und begann dann wieder: „Ich habe Dir etwas zu gestehen. Es gibt Dinge, über welche ich nicht zu Dir reden kann, — die auszusprechen ich mich fürchte; es liegt auf Deinen Zügen zuweilen ein Ausdruck, der mir Angst einflößt. Aber, Ludolf, wenn ich erst Dein Weib bin, dann sage ich Dir alles. Willst Du dann ebenso lieb und mild mit mir sein wie jetzt?"
Sie waren auf dem engen Wege, welcher durch ein Tannen- wäldchen nach Deubitz führte, stehen geblieben. Ludolf hatte seine Hand aus fihre Schulter gelegt uud sah mit innigem, zärtlichem Blick zu ihr nieder. „Werde ich nicht immer milder und immer liebevoller werden," sprach er, „wenn ich mit jedem Jahr die Gattin, die ich mir genommen habe, höher schätzen lerne! Und nun, mein Lieb, muß ich Dich allein gehen lassen, denn ich habe noch Verschiedenes mit meinem Verwalter zu reden und die Zeit ist kurz. Auf Wiedersehen also heute abend."
Wandas Herz war durch Ludolfs Worte um vieles leichter geworden und hatte glückliches Licht auf ihre Züge geworfen. — Wenige kurze Monde noch, und sie würde, wie sie sagte, in Ruhe sein; die Vergangenheit war dann für immer tot und neues, herrliches Leben begann. „Dann soll er alles erfahren," sprach sie zu sich selbst, „und er wird mir verzeihen, er hat es ja versprochen."
Sie schritt weiter, ihr leichter Tritt hallte wieder von dem festgefrorenen Boden und jetzt trat sie aus dem dunklen Tannenwald hinaus in die freien Gartenanlagen, wo Schnee und Eis in der hellen Wintersonne glitzerten. AnS Dunkelheit in
gierung ist dabei die zu Tage tretende Unzuverlässigkeit der Regimenter im Ausruhrgebiet, wie die gemeldeten bedenklichen meuterischen Szenen beim 100., 17. und 15. Infanterie-Regiment und beim 13. reitenden Jägerregiment beweisen. Davon, daß die meuterischen und desertierten Soldaten bestraft worden seien, hat man noch nicht das geringste erfahren, im Gegenteil, es wird mit ihnen verhandelt, um sie um Gottcswillen zu bitten, nur ja wieder ihre Pflicht zu tun, es solle ihnen nichts geschehen. Schier komisch nimmt sich da die triumphierende offiziöse Pariser Meldung aus, daß es dem in Bezisrs eingetroffenen General Bailloud gelungen ist, die nach dieser Stadt desertierten Mannschaften des 17. Infanterieregiments, zur Rückkehr in ihre Garnison zu bewegen, die französischen Oberoffiziere haben also anscheinend kein anderes Mittel, die disziplinlosen Soldaten wieder zum militärischen Gehorsam zu- rückzubringen, als gute Worte und womöglich noch allerlei Versprechungen!
Unter solchen Umständen begreift es sich, wenn die Regierung des Herrn Clsmenceau trotz ihres verkündeten prahlerischen Entschlusses, mit aller Strenge gegen die Aufrührer im Süden vorzugehen, es nicht wagt, durch eine energifche militärische Krastcntfaltung die Ruhe und die Achtung vor den Gesetzen und der Staatsautorität im Süden des Landes wieder- herzustellen. Wohl sind mehr als 30 000 Mann aus die Beine gebracht worden, um die Rebellen der Weinbaudistrikte des Südens wieder zu ducken, aber angesichts der Disziplinlosigkeit und offenen Meuterei in einem Teile der ausgebotenen Regimenter darf es die Regierung nicht riskieren, zu einem entscheidenden Schlage auSzuholen, die Regimenter könnten leicht versagen und mit den Aufrührern sogar gemeinsame Sache machen, wie dies hie und da schon geschehen ist. Man darf wirklich begierig sein, .w-e sich die Äemcnceausche Regierung aus dieser heiklen Klemme ziehen wird, die sie selber durch ihr ursprüngliches unentschlossenes Verhalten gegenüber den revoltierenden Winzern mit verschuldet hat. Als ein wahres Glück muß es da angesichts der ganzen verworrenen Sachlage noch angesehen werden, daß die Krisis im Süden des Landes noch nicht den Sturz des jetzigen französischen Kabinetts bewirkt hat, sonst würde die herrschende Verwirrung und Zersahrenheit auss höchste gesteigert und ganz Frankreich vielleicht in ein politisches Chaos gestürzt worden sein. Nun, dieses äußerste ist eben glücklich noch vermieden worden, denn die zweitägige lebhafte Jnterpellationsdebatte in der Deputiertenkammer über die Vorgänge im Süden, endete am Freitag damit, daß dieKammcr dem Ministerium Clsmenceau mit 327 gegen 223 Stimmen ein Vertrauensvotum erteilte, und dieses parlamentarische Vertrauensvotum für die Regierung versetzt vielleicht der Winzer- revolution den Todesstoß.
tainibn in IMnool.
Die Diktatur des Ministerpräsidenten Franko begegnet im portugiesischen Volke dem erbittersten Widerstände. Mit einer
klaren Sonnenschein. Es war ein gutes Omen und Wanda lächelte glücklich.
Am Abend fanden sich auf Deubitz eine große Anzahl Gäste ein. Das strahlende Lichtermeer beleuchtete Seiden- und Atlasgewänder und prächtige Blumengruppen, welche die Ecken der Zimmer schmückten. — Lustige Musik ertönte und es war ein buntes Durcheinander von Lachen und Plaudern, als Ludols von Behringen in den Saal trat und sich, von dem in diesen Räumen ungewohnten Augenblick belustigt, ringsum schaute. Sein Auge fand in der Menge zuerst Gertrud heraus, und auf diese zutretend, sagte er: „Welch' eine Verwandlung!"
„Nicht wahr?" entgegnete das Mädchen lächelnd. „Finden Sie nicht, daß der erste Versuch uns ganz leidlich geglückt ist?"
„Also ist es wirklich ein erster Versuch ?" meinte Ludols.
„Ich dachte schon daran, daß ich mich in diesen Räumen noch keiner großen Gesellschaft erinnern kann."
„Nein; Mama machte zwar voriges Jahr den Vorschlag, aber weder Konstanze noch Wanda lag etwas daran, und ich war krank."
„Wo ist Wanda?" fragte er.
„Ich wunderte mich schon, daß Sie noch nicht nach ihr gefragt hatten", lachte Gertrud. „Sie war vor einer Weile im Bibliothekzimmer, man hat dort eben angefangen zu tanzen und ich glaube, Sie werden sie dort finden."
„Ich" will sie jetzt nicht aufsuchen," entgegnete Ludols. „Wir haben beschlossen, heute sehr vernünftige Leute zu fein, und so werde ich bei Ihnen bleiben. Ah, hier kommt auch Konstanze," fügte er hinzu, „sie ficht nicht gerade so aus, als ob ihr Geschmack für Tanzgesellschaften sich seit vorigem Jahre geändert hätte."
Sie machte in der Tat diesen Eindruck! Ihr üppiges, rabenschwarzes Haar und ihre großen, dunklen Augen wurden durch das matttose Kleid, welches sie trug, in daS beste Licht gesetzt, der düstere Ausdruck aber, welcher auf ihrem Gesicht lagerte, stand zu dem ganzen heiteren Bilde in seltsamem Kontrast. Ludolf war dadurch unangenehm berührt, wechselte nur wenige Worte mit ihr und ging weiter in das anstoßende Zimmer. ' Konstanze sah der stolzen. elastischen Gestalt einen