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^mrch die Vcterancnstatistik hat sestgestcllt werden können, 250 836, also 16,2 v. H. Veteranen. Der stärkste LandeS- kriegerbund ist der preußische mit 15179 Vereinen und 1317332 Mitgliedern.

Eine Note der Agence Havas erklärt nach Mitteilungen aus maßgebender russischer Quelle, es sei völlig unrichtig, daß der russische Vertreter auf der H a a g e r K o n s e r e n z, Nelidow, die Initiative zu einer Erklärung, betreffend die Be­grenzung der Rüstungen ergreifen werde. Es sei gegenwärtig schwer, vorauszusehcn, wie der voraussichtliche Präsident der Haager Konferenz handeln werde, wenn die Delegierten einer oder mehrerer Mächte diese Frage auswerfen. Man dürfe indessen annehmen, daß die große Erfahrung und der Takt NelidowS ihn zu einer Haltung veranlassen werben, welche die allgemeine Zustimmung finden wird.

Für daS abgelaufene Etatsjahr haben aus den im Etat der StaatSeisenbahnverwaltung zur Prämiiernn g nützlicher Erfindungen vorgesehenen Mitteln 45 Beamten und Arbeitern der Eisenbahnverwaltung Belohnungen im Gesamt­betrage von 15 000 Mk. für Erfindungen und Verbesserungen, die für die Erhöhung der Betriebssicherheit oder in wirtschaft­licher Beziehung von Bedeutung sind, bewilligt werden können.

Der Pariser Temps bespricht die Lage in Marokko und weist darauf hin, daß das diplomatische Korps in Tanger in den letzten Wochen gute und nutzbringende Arbeit geleistet habe. Das Blatt gibt der Befriedigung Ausdruck über das Einvernehmen, welches bei den Arbeiten herrschte, und meint, es sei etwas Vortreffliches, daß Marokko, welches früher der Brandherd Europas war, nunmehr als eine positive Frage behandelt werde, über welche anders als mit der Hand am Degenknopf Erörterungen gepflogen werden können. Aus Tanger meldet die Times, daß Briefen aus Marrakesch zufolge sich nach einer Periode verhältnismäßiger Ruhe nunmehr An­gehörige der bedeutendsten Stämme des Südens in großen Mengen außerhalb der Stadt gesammelt haben und dort Verstärkungen von anderen Stämmen erwarten. In der Stadt herrsche große Unruhe. Ueber die Absicht der Stämme sei bisher nichts bekannt, da sie noch keinerlei Forderungen gestellt hätten. Da die Verhandlungen zwischen dem Sultan und Raisuli gescheitert seien, habe der gegenwärtig in Tanger weilende Kriegsminister Befehl erhalten, die Feindseligkeiten gegen die Raisuli schützenden Stämme wieder zu beginnen.

Im Hinblick auf die trotz des jüngst abgeschlossenen Friedens erfolgte Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen Sal - v a d o r und Nicaragua ensenden die Vereinigten Staaten von Amerika einige kleine Kreuzer und Kanonenboote nach dem Schauplatze der Kämpfe, um die ausländischen Interessen zu schützen., Der Washingtoner Gesandte der Republik Sal- vador empfing aus San Salvador folgendes Telegramm: Die Regierungstruppen sind heute mit den Revolutionären bei Sonsonato, 40 Meilen von Acajutla zusammengestoßen, haben sie geschlagen und nach Acajutla getrieben; dort ver­suchen die Revolutionäre sich nun an Bord von Schiffen zu begeben.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* (Personal-Chronik.) Emannt: der Regierungs­baumeister Vogel zum Landesbauinspektor in Cassel, der Pfarrer extr. Leopold Koch zum Hilfspfarrer an der lutherischen Ge­meinde zu Marburg, die Reserendare Bachmann und Klippert zu Gericht-assessoren, die Rechtskandidaten Büttner, Hartmann, Schäfer und Weisbecker zu Gerichtsreferendaren. Beauftragt: mit der Verwaltung der durch daS Ableben des Baurates Tophof freigetoorbenen Kreisbauinspektion HünfeldGersfeld der Regierungsbaumeister Trümpert vom 1. Juni d. Js. ab, der Pfarramtskandidat Weßel aus Frankenberg als Gehilfe des Pfarrers Niemeyer zu Ronshausen. Versetzt: der Reg.- Sekretär Roß in Cassel an die Regierung in Trier, der Steuer­sekretär Jähnert bei der Einkommensteuer-Veranlagungskommission des Landkeises Hanau vom 1. Juni ab an die Veranlagungs- kommission des Stadtkreises Cassel, der Steuersekretär Prinz bei der Einkommensteuer-Veranlagungskommission des Stadt­kreises Caffel vom 1. Juni ab in der Eigenschaft als Regie­rungssekretär zur Regierung in Cassel, der Regierungssekretär Meiß zu Cassel vom 1. Juni ab als Steuersekretär an die Einkommensteuer-VeranlagungskommissiondesLandkreisesHanau, der Gerichtsdiener Reichhardt von Orb nach Wächtersbach. Verliehen: dem Oberbürgermeister, Geheimen Regierungsrat Schüler zu Marburg aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand der Rote Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife, dem Rentmeister Jansen in Ziegenhain vom 1. Juli 1907 ab die Rentmeisterstelle bei der Kreiskasse zu St. Goar, dem Regierungssekretär Lange in Oppeln vom 1. Juni 1907 ab die Rentmeisterstelle bei der Kreiskasse zu Gelnhausen.

* (Zur Schiffbarmachung der Werra.) Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel hatte sich in seiner Sitzung vom 14. Januar d. Js. dahin ausgesprochen, daß eine Kanalisation der Werra für die Landwirtschaft des Flußgebiets keinerlei Vorteile biete. Gegen diese Stellungnahme ist aus den Kreisen des Großgrundbesitzes geltend gemacht worden, daß durch die Anlage von Staubecken ein gewisser Ausgleich des Wasserabflusses herbeigeführt und somit Ueberschwemmungen verhütet würden und daß viele in­dustrielle Betriebe in Händen von Landwirten seien. Eine nochmaligcPrüsung der Angelegenheit durch den Vorstand der Landwirtschaftskammer unterbreitete daraufhin die Sache den landwirtschaftlichen Kreisvereinen Witzenhausen und Eschwege. Der Kreisverein Eschwege erstattete ein längeres Gutachten, daS sich dem Projekt der Schiffbarmachung der Werra wohl­wollend gegenüberstellt, wenn auch ohne übertriebene Hoff­nungen. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer beschäftigte sich,in seiner lebten Sitzung nun noch einmal mit dem Projekte und dem erstatteten Gutachten. Bei der Besprechung wurde darauf hingewiesen, daß die Ueberschwemmungen durch Stau­becken keineswegs verhütet würden, da man in solchen Fällen die Nadelwehre stets niederlege. Daß bei einem derartigen Unternehmen, wie es die Werrakanalisation darstelle, für einzelne Grundbesitzer ein Vorteil entstehen könne, sei wahrscheinlich, aber ebenso wahrscheinlich seien Schädigungen der Landwirt, schast durch Userunterhaltung und auf wirtschaftlichem Gebiete. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer blieb daher aus seinem ersten Gutachten stehen, daß die Interessen der Landwirtschaft für die Werrakanalisation nicht ins Feld geführt werden könnten.

8 Hersfeld, 14. Juni. (Schutztrnppe für Süd- west a s r i k a.) Nach Mitteilung des ReichS-Kolonialamts Kommando der Schutztruppe haben die ehemaligen Schutz- truppen-Angehörigen, die nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtuna bei der Schutztruppe behufs Ansiedelung im Schutzgebiet ver­bleiben, folgende Vergünstigungen: 1. Den ausgeschiedenen Schutztruppenangehörigen wird, falls sie auf Heimbesörderung verzichten und sich verpflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben, das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihilse gezahlt. 2. Ausgeschiedene Schutztruppenanze^oc.g- .^d en beim Kaufe

von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 Mk. nachweisen können. 3. Diejenigen ausgedienten Schutztruppenangehörigen, welche auf eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Darlehen bis zum Höchstbetrag von 6000 Mark bewilligt er­halten und finden hierbei gegenüber anderen Bewerbern in erster Linie Berücksichtigung. Es wird bemerkt, daß selbstverständlich auf diese Vergünstigungen ein rech tSverb i n d l ich er An­spruch nicht besteht.

):( Hersfeld, 14. Juni. Die heute morgen in der neuen Turnhalle eröffnete Kriegsmarine-Ausstel­lung bietet einen interessanten Ueberblick über unsere Seemacht. Da sind vor allem die Modelle unserer größten Kriegsschiffe, welche das Auge des Beschauers fesseln. Bis ins kleinste ist alles an den Modellen ausgeführt, es fehlt kein Tau, kein Geschütz, kein Panzerturm, keine Treppe usw. Die Klasse der Linienschiffe, welche den Kern der Schlachflotte bilden, ist durch S. M. S.Weißenburg" vertreten. Ganz besonders großartig ist das Modell des mächtigem Großen KreuzersPrinz Heinrich", der erst im Jahre 1902 fertig gestellt wurde. Das Modell des KreuzersNiobe" zeigt uns eines der leichteren Schiffe, derKavallerie" des Meeres. Das Modell eines schlank ge­bauten Torpedoboots mit seinen auf Deck angebrachten Tor­pedorohren führt uns das schnellste Kriegsschiff vor Augen. Den allerneusten Kriegsschiffstyp finden wir durch das Modell eines Torpedobootszerstörers vertreten, welche dazu bestimmt sind, die feindlichen Torpedoboote durch Anrennen zu ver­nichten. Die Hauptmasse der Torpedoboote, der Torpedo, ist ebenfalls ausgestellt, und gibt uns durch seine Dimensionen einen Begriff von seiner Wirkung. Das berühmte Kanonen­bootMeteor", welches im Jahre 1870 vor Havanna den weit überlegenen französischen AvisoBouvet" in die Flucht schlug, ist ebenfalls vor Augen geführt, und zeigt uns den gewaltigen Unterschied zwischen unsern heutigen modernen Panzerkolossen und den Kriegsschiffen der damaligen Zeit. Die Modelle der RennjachtVineta", eines Segelschiffs mit gerefften Segeln, eines alten holländischen Kriegsschiffes, sowie eines Kriegsschiffes aus dem 17. Jahrhundert vollenden diese interessante Modcllsammlnng. Um die innere Einteilung eines Kriegsschiffes zu zeigen, ist das Modell des früheren Kriegs­schiffesFriedrich der Große" mit fehlender Außenhaut dar­gestellt. Die Bewaffnung der Kriegsschiffe wird durch ein 8,7 cm Feld- und Landungsgeschütz, eine Revolver-Kanone, eine Maschinen-Kanone, sowie durch ein Maschinengewehr ge­zeigt. Letzteres, welches im Feuer vorgeführt wird, entsendet mit unheimlicher Geschwindigkeit seine Schüsse. Das größte und schwerste Geschoß unserer Marine, eine 28 cm Granate mit Zünder erregt besonderes Aussehen, daneben stehen noch eine 10,5 cm Granate, sowie ein 15 cm Schrapnell. Eine Sammlung Von allen möglichen Schiffs-Jnstrumenten, sowie eine komplette Taucherausrüstung, Hängematten, Kochgeschirre unserer Blaujacken, Enterpiken, Entermesser, verschiedene in­teressante Seetiere usw. bilden einen weiteren Teil der Aus­stellung. Eine im Boxerkriege erbeutete Kanone sowie eine Boxersahne, welche im Gefecht bet Liang-hsiang-hsien am 11. September 1900 beim Sturm aus das Nordtor der Stadt er­beutet wurde, verdienen ebenfalls Beachtung. Außerdem sind noch eine ganze Anzahl Flaggen der verschiedensten Länder, sowie Photographien von deutschen Kriegsschiffen und von den von Sr. Majestät dem Kaiser entworfenen Flottentabellen ausgehangen. Eine ethnographische Sammlung aus unseren Kolonien sesselt den Besucher im höchsten Maße. Hier sieht man Speere, Bogen und Pfyle, das Modell eines KriegskanoeS mit Besatzung, ein Frauenkleid, Hirtenhnt, Hausschmuck, Schild, ein Ruderboot usw. aus der Südsee. Originell ist ein Musik­instrument (Klavier), Marimba genannt. Keulen, Waffen und das Modell eines Kanoes stammen aus Kamerun und Süd» west-Asrika. Die Ausstellung bietet eine Fülle des In­teressanten, sodaß ein Besuch derselben nur zu empfehlen ist. Den vielen, welche wohl nie in die Lage kommen, mal in Wirklichkeit ein Kriegsschiff zu sehen, ist hier Gelegenheit ge­boten, sich von dem Gesehenen einen Begriff von unseren modernen Panzerkolossen zu machen. Im Laufe des heutigen Vormittags wurde die Ausstellung bereits von den Schülern der Bürgerschule besucht.

):( Hersfeld, 14. Juni. (Schöffengericht.) Eine Frau aus Asbach wurde wegen Betrugs mit 2 Wochen Ge­fängnis bestraft. Wegen Körperverletzung erhielt ein Ein­wohner von Niederaula eine Geldstrafe von 10 Mk. ev. 2 Tage Gefängnis. Ein hiesiger Sattlergehilfe wurde wegen Körperverletzung zu 30 Mk. Geldstrafe ev. 6 Tage Gefängnis verurteilt. Wegen fahrlässiger Brandstiftung wurde ein Tage­löhner aus Kalkobes mit 15 Mk. ev. 3 Tagen Gefängnis bestraft. Zwei Schlossergesellen von hier erhielten wegen Anzündens von Gras in der Nähe eines Waldes je 30 Mk. Geldstrafe ev. 4 Tage Haft. Ein hiesiger Metzgermeister, welcher ausge­schlachtetes Fleisch in seinem Hausgang ansgchangen hatte, war von der Polizeiverwaltung bestraft worden. Hiergegen hatte er Einspruch erhoben, welcher jedoch verworfen wurde.

) ( Hersfeld, 14. Juni. Ein erst seit kurzer Zeit hier in Diensten stehendes Mädchen von auswärts wurde gestern verhaftet. Dasselbe wurde steckbrieflich verfolgt, da es in dem Verdacht steht, bei seiner früheren Dienstherrschaft Brand­stiftung verübt zu haben.

):( Hersfeld, 14. Juni. Se. Durchlaucht Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst, welcher heute vormittag mittelst Automobils unsere Stadt passierte, nahm im Hotel zum Stern einen mehrstündigen Aufenthalt.

):( Hersfeld, 14. Juni. (Stadttheater.) Mit ihrer gestrigen Benefizvorstellung hatte Fräulein Käthie Speiser einen glänzenden Erfolg zu verzeichnen. Das Haus war dicht besetzt, und eine große Anzahl von Blumenspenden wurde der Benefiziantin überreicht. Lauter Beifall empfing die beliebte Künstlerin bei ihrem Auftreten als Frau Agathe Stern, die Tochter des Herrn FabriziuS. Meisterhaft verstand es Fräulein Speiser auch gestern wieder ihre Rolle durchzu- führen. Ergreifend gab sie die Szene wieder, als die Kindes­liebe mit der Scham vor dem alten Zuchthäusler, ihrem Vater, rang. Herr Lessa spielte denselben mit viel Geschick, ebenso Herr Vettermann den Fabrikanten Rolf. Allgemeine Heiterkeit erregte wieder das humorvolle Spiel der Frau Direktor Herrmann als Frau Wohlmuth. Auch die anderen Darsteller entledigten sich ihrer Rollen auf das beste. Das Stück selbst, reich an dramatischen Effekten, machte auf das Publikum einen tiefen Eindruck. An jedem Aktschluß spendeten die Zuschauer rauschenden Beifall. Am nächsten Sonntag abend gelangt die luftige PosseDer Walzerkönig" zur Aus­führung.

Caffel, 13. Juni. Erschossen aufgesunden wurde vor­gestern in dem Söhrewald der 19jährige Modellschreiner H. aus Crumbach, der in einer hiesigen Maschinenfabrik in Stel­lung war und bereits seit mehreren Tagen vermißt wurde. Die Leiche wurde im Lause des gestrigen Tages nach dort geschafft. In einem Briefe, der bei der Leiche gefunden wurde, teilt der Unglückliche mit, daß er den Grund für seine Tat in

das Modell eingeschrieben" habe. Es muß nun abgewartet werden bis das Modell aus der Gießerei zurückkommt, wohin es am vergangenen Montag geschafft ist.

Hanau, 13. Juni. Seit V2I2 wütet in der hiesigen Jnfanteriekaserne 'des Infanterieregiments Nr. 166 ein verhee­rendes Großfeuer. Das Reiter hat bereits den Dachstuhl bc5 nördlichen Flügels, von wo der Brand ausging, vernichtet, sodaß er teilweise eingestürzt ist. Inzwischen ist auch das Dach des Mittelbaues, der ebenfalls bereits zur Hälfte zerstört ist, von dem Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden. Da in den Dachränmen die Klciduugskammern des 2. Bataillons liegen, fand das Feuer reiche Nahrung. Ein mächtiges Flammen­meer überzog mit unheimlicher Schnelligkeit den nördlichen Dachstock. Die Feuerwehr griff den Brand von verschiedenen Seiten an und es gelang ihr bis jetzt, die glommen aus den nördlichen Flügel zurückzudrängen. Nachdem es auch gelungen ist, die in der einen Hälfte des Mittelbaues anfgespeicherten Uniformen herauszuschaffen, scheint es der Feuerwehr, die jetzt deu ganzen Angriff auf diesen Brandherd richten konnte, möglich zu werden, das Ucberspringen der Flammen nach dieser Richtung hin zu verhindern. Die im zweiten Stockwerk liegenden Mann­schaftsstuben mußten, da ein Einstürzen der Decke befürchtet wurde, ebenfalls ausgeräumt werden. Die Feuerwehr konnte den Brand nach zweistündiger angestrengter Arbeit bewältigen. Eine Brandmauer im Mittelbau verhinderte das weitere Vor­dringen des Feuers. In diesem Teil der Kaserne ist der Dach­stuhl, sowie der Dachstuhl des nördlichen Flügels eingeäschcit. Ein Glück ist es, daß Regenwetter herrschte, weil sonst zweifellos ein großer Teil der Feuerwehr bei dem heute stattfindcndcn Lamboyseste im Walde gewesen wäre. Wie der Brand ent­standen ist, weiß bis jetzt noch niemand. Da viele Bekleidungs­stücke, Tornister n. s. w., verbrannt sind, ist der Schaden be­deutend. (F. G. A.)

Marburg, 12. Juni. Zwei Studenten, die zur Nacht­zeit ins Wachtlokal eingedrungen und vom Schöffengericht zu je acht Tagen Gefängnis verurteilt worden waren, erzielten heute in der Berufungsinstanz ein milderes Urteil. Der eine wurde zu 100 Mark und sein Genosse zu 30 Mark Geld­strafe verurteilt.

Marburg, 13. Juni. Auf der Grube Heinrichsegen bei Littseld kamen zwei Bergleute ums Leben. Sie erstickten beim Sprengen durch das entstandene Sprenggas.

Bobenhausen, 13. Juni. Der Bezirkskassierer Strak in Ulrichstein, als ein rühriger nationalliberaler Agitator bekannt, endete durch Selbstmord. Die Motive zu der Tat sind noch unbekannt.

Gießen, 11. Juni. Auf hiesigem Bahnhöfe wurde der 19jährige Bahnarbeiter Heb aus Allendorf (Lahn) beim Ueber- kreuzen des Bahnkörpers vom Schnellzuge 5.56 Gießen-Koblenz ersaßt und sofort getötet.

Kloster Thron, 13. Juni. Wagen 19 C (Führer Goebel) ist bei Graevenwiesbach verunglückt. Der Führer ist tot.

Cronberg i. T., 12 Juni. Am 21. Juni d. J. hält hier derNassauische Städtetag" unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeister von Jbell-Wiesbaden seine diesjährige Haupt­versammlung ab. DerHessische Städtetag" entsendet hierzu als Delegierte die Herren Stadtrat Boedicker aus Cassel und Bürgermeister S t r a u ß aus H e r s f e l d.

Frankfurt a. M, 13. Juni. Zu Ehren der Herkomer- sahrer war gestern an der Hanauer Landstraße dekoriert und eine Schnur gespannt worden, an der die dreieckig geschnittenen Flaggen aller Rationalitäten angebracht waren. Als man heute früh den Schmuck wieder abnehmen wollte war er schon abgenommen. Gestern abend in der Dunkelheit war er nämlich in Länge von 7500 Meter gestohlen worden. Die Polizei vermutet, daß er nach auswärts gewandert ist, um anderorts wieder als Festschmuck verwendet zu werden.

Frankfurt a. M, 12. Juni. Nach Unterschlagung eines großen Geldbetrages geflüchtet ist der 18jährige Angestellte der großen Speditionsfirma Egan u. Cie. Er hat mit zwei Wertbriefen, die er aufliefern sollte, das Weite gesucht. Der eine Brief enthielt einen Scheck aus Paris über 45 000 Frank, der andere acht Tausendguldenscheine.

Frankfurt a. M., 12. Juni Heute nachmittag während eines schweren Gewitters schlug bei Groß-Uinstadt der Blitz aus freier Chaussee in ein Fuhrwerk. Der Fuhrwerksbesitzer und beide Pferde wurden erschlagen.

Frankfurt, 11. Juni. Der Bau der Fest- und Aus­stellungshalle, die für das große Säugersest 1909 fertiggestellt werden sollte, wird so beschleunigt, daß das deutsche Turnfest 1908 darin abgehalten werden kann. Pros. Thierisch wird mit dieser Festhalle wieder Imponierendes schaffen und Frank­furt erhält einen Prachtbau, der seinesgleichen suchen wird. Die gesamten Baukosten sind aus 4 Millionen veranschlagt, wovon das Stammkapital 3 Millionen beträgt. Die Stadt übernimmt IV2 Millionen und garantiert eine weitere Million durch eine zu Ende der Banperiode auszunehmende Obligations­anleihe. Die übrigen IV2 Millionen werden von einer Privat­gesellschaft ausgebracht. Der für das Unternehmen erforderliche Bauplatz umfaßt zirka 18 Hektar.

Darmstadt, 12. Juni. Eine Tragikomödie trug sich gestern abend in einem Hause des nördlichen Stadtviertels zu. Ein dort wohnendes Ehepaar hat seit einiger Zeit einen jungen Mann als Aftermieter zu sich genommen, und es entspann sich zwischen diesem und der Ehefrau ein Verhältnis, welches an­scheinend über die freundnachbarlichen Beziehungen hinausging, denn der Ehemann merkteLunte", wurde unangenehm und zwischen den beiden Eheleuten entstanden ernstliche Zwistigkeiten. Die Liebe zu dem neuen Mieter scheint aber doch stärkere Gewalt auf die Frau ausgeübt zu haben, denn die beiden faßten den Entschluß, aus diesem Jammertal zu scheiden, da sie sich doch nicht angehören konnten. Zu dem Zwecke kleideten sich beide in Schwarz, tranken sich vor dergroßen Reise" kräftig Mut zu, suchten den Revolver hervor, luden ihn scharf und-- als der Ehemann abends nach Hause kam, fand er die Türe zum Wohnzimmer verschlossen. Die Sache kam ihm verdächtig vor, weshalb er durch einen Schlosser öffnen ließ. Im Zimmer fand er das Pärchen auf dem Sofa schnarchend vor. Der Liebhaber hielt den Revolver noch in der Hand. Das Liebes­paar hatte sich gehörig bezecht rc. und war in dem Rausch dann vor Müdigkeit eingcschlafen. Das Erwache» soll kein sehr sanftes gewesen sein. Der verliebte Selbstmordkandidat flog statt in den Himmel vor die Türe und mit seiner Ehefrau soll der Ehemann auch verschiedene ernste Worte geredet haben. Vielleicht sind jetzt beide von ihren Selbstmordgedanken geheilt.

Cronberg, 12. Juni. Heute nachmittag verunglückte aus der Rennstrecke unweit Schloß Friedrichshos ein pfälzischer Tourwagen Nr. 1580 dadurch, daß er in den Straßengraben geriet und am Kilometerstein 1,8 total zerschellte. Der Chauffeur brach den Oberarm. Die beiden Insassen trugen innere Ver­letzungen davon. Die Namen waren nicht sestzustellen, weil die Verunglückten sie zu nennen sich weigerten.

Nordhansen, 13. Juni. Bei einem Gewitter schlug der Blitz in die 1872 nach einem Brande neuerbaute Kirche