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herchlder Krdsblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 70.

Sonnabend, den 15. Juni

1907.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 12. Juni 1907.

Zwecks Prüfung der richtigen Erhebung der Beiträge znr Landwirtschaftskammer für das Jahr 1906 wünscht die Land- wirtschastskammer die alten (19001905) und die neuen Hebelisten.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises ersuche ich, diese Listen umgehend direkt dorthin einzusenden. I. 5285. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 11. Juni 1907.

Der Bürgermeister Christian Scheer zu Ransbach ist am 28. Mai d. Js. als Ortsschätzer und der Kaufmann Hartmann Landsiedel daselbst als stellvertretender Ortsschätzer für den Bezirk der Gemeinde Ransbach eidlich verpflichtet worden.

I. 5304. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Bekanntmachung.

Zum 15. Oktober d. Js. können noch eine Anzahl junger Leute im Alter von 1720 Jahren in Unteroffizierschulen eingestellt werden.

Die näheren Bestimmungen können beim Bezirksfeldwebel eingesehen werden. Meldungen haben alsbald zu erfolgen.

Hersfeld, den 11. Juni 1907.

Königliches Bezirkskommando.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der preußischeLandtag ist während der Berichts­woche in die Ferien gegangen, um sich nach treufleißiger Arbeit für einige Monate der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Von den gesetzgeberischen Maßnahmen der letzten Session ist an erster Stelle das Berggesetz zu nennen. Durch dasselbe ist der monopolistischen Ausbeutung preußischer Kohlenfelder für die Zukunft ein fester gesetzlicher Riegel vorgefchoben worden. Da­neben verdienen vor allem das Jagdgesetz und das Wander- arbeitsstätten-Gesetz Erwähnung. Mit besonderer Befriedigung kann ferner die preußische Beamtenschaft aus die verflossene Landtagssession zurückblicken. Es hat in dieser Session eine Erhöhung der Richtergehälter sowie eine reichere und zweck­mäßigere'Ausgestaltung der Pensions- und Reliktengesetze für Staatsbeamte und Volksschullehrer stattgefunden. In letzter Stunde ist dann auch noch der Unterbeamten und der gering besoldeten mittleren Beamten durch den Nachtragsetat gedacht worden, der eine ansehnliche Summe zur Bewilligung von Teuerungszulagen an diese Beamtenklassen zur Verfügung stellt. Für die nächste Session aber wurde durch die Rede des kon­servativen Führers, des Abgeordneten Dr. v. Heydebrand und der Lasa, eine organische Gehaltsaufbesserung der gesamten Staatsbeamtenschaft Preußens gefordert, und von der Regie­rung ist eine diesbezügliche Vorlage auch fest zugesagt worden. Das preußische Dreiklassenparlament hat hiermit jedenfalls be­wiesen, daß es sich an sozialpolitischer Fürsorge von keinem Parlamente des allgemeinen Wahlrechts übertreffen läßt; der Unterschied ist nur der, daß sich der preußische Landtag bei allen seinen Maßnahmen von dem Gefühle staatlicher Verant­wortlichkeit leiten läßt, während bei den Parlamenten der letzt­genannten Kategorie vielfach demagogische und parteipolitische Gesichtspunkte den Ausschlag geben.

In Oest erreich sind die Organisationsarbeiten der ver­schiedenen Parteien und Parteigruppen für die bevorstehende erste Tagung des aus der Grundlage des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählten Parlamentes im vollen Gange. Leider ist eine Einigung der freiheitlich gesinnten deutschen Parteien nicht in dem erwünschten Umfange zustande gekommen. Nur die deutsche Volkspartei und die deutschen Agrarier haben sich zu einemdeutschnationalen Verbände" zusammengeschlossen. Die Freialldeutschen unter Karl Hermann Wolfs Führung, die sich künftigDeutschradikale" nenne», unterhalten zu diesem Verbände Unter vollster Wahrung der Eigenart ihrer Partei frenndnachbarliche, wenngleich lose Beziehungen, während die deutsche Fortschrittspartei gänzlich abseits geblieben ist. Die zweite große Richtung im Parteileben der Deutschen Oesterreichs, die Christlich-Sozialen, haben sich mit den deutsch-konservativen oder klerikalen Elementen zu einer 96 Mitglieder starken christlich sozialen Partei znsammengeschlossen. In der ersten Klubsitzung dieser Fraktion wurde unter dem Vorsitze Luegers

eine Resolution angenommen, in der es heißt:Wir werden die Rechte des deutschen Volkes unentwegt wahren und für dessen Schutz und dessen Interessen jederzeit eintreten. Wir sind daher gern bereit, in allen nationalen Fragen mit den andern rein deutschen Parteien gemeinsam vorzugehen." Das ist ein auch vom reichsdeutschen Standtpunkte hocherfreulicher Beschluß, an dessen Verwirklichung sich die besten Hoffnungen knüpfen.

In Ungarn hat während der verflossenen Woche die Feier des Krönungsjubiläums stattgefunden. Vierzig Jahre sind verflossen, seit dem Kaiser Franz Joses von Oesterreich und seiner verewigten Gemahlin Elisabeth die ungarische Königs­krone feierlich aufs Haupt gesetzt worden ist. Die gegen­wärtigen Verhältnisse Ungarns ließen eine frohe Jubiläums­stimmung nicht auskommen. Es läßt sich nicht leugnen, daß Ungarn sich für die zahlreichen Wohltaten, die es von seinem gegenwärtigen Herrscher empfangen, und für die glänzende Entwickelung, die es unter feinem vierzigjährigen Regime ge­nommen hat, wenig dankbar gezeigt hat. Die Gefühle hiervon hat denn auch Kaiser Franz Joses in seinem dem Jubiläum unmittelbar vorausgehenden Gespräche mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle unumwundenen Ausdruck gegeben, indem er die ungarischen Trennungsbestrebungen aufs schärfste verurteilte. Ob solche kaiserlichen Worte aber bei der gegen­wärtig vorherrschenden magyarischen Volksstimmung etwas fluchten werden, erscheint höchst zweifelhaft.

In Frankreich ist der glücklich beendete Ausstand der eingeschriebenen Seeleute" sofort wieder von einer neuen auf­rührerischen Bewegung, der Bewegung der südfranzösischen Winzer, abgclöst worden. Dieselbe scheint sehr gefährliche Dimensionen annehmen zu r^i «n. Es werden gewaltige Massenkundgebungen verunstaltet, aufreizende Reden gehalten, die Scbstvcrwaltungsorgane der südlichen Departements Frank­reichs danken ab, und die Bevölkerung jener Gegenden schickt sich an, die sämtlichen Staatsleistungen einzustellen. Der Keim dieser Vorgänge liegt in der Schntzlosigkcit der französischen Weinbauern gegenüber der unehrlichen Konkurrenz der Wein- fälscher, durch die die Arbeitsprodukte jener entwertet und fast unverkäuflich gemacht werden. Das französische Parlament hat diesem Notstände gegenüber bisher einen unverzeihlichen Mangel an Interesse bekundet. Als am 7. Juni dieses Jahres die Weinbaukrisis aus der Tagesordnung der Deputierten- kammer stand, waren ganze 25 Deputierte anwesend. Die horrende sozialpolitische Rückständigkeit, die einem parlamen- tarisch-republikanischen Regime mit halbsozialistischer Färbung allemal eigen zu sein pflegt, tritt hier wieder einmal aufs deutlichste in die Erscheinung. In wahrhaft monarchisch regierten Ländern, wie Deutschland, würde man längst den Weg der Abhülse für derartige wirtschaftliche Nöte betreten haben.

Zm toidiitö Kaiser Friedrichs III.

f 15. Juni 1888.

Neunzehn Jahre liegen hinter uns, seit das deutsche Volk am 15. Juni 1888 in ehrlicher und tiefer Trauer an der Bahre seines heißgeliebten zweiten Kaisers stand und manche Träne offenkundig oder auch nur verstohlen die Augen feuchtete. Ja ein entsetzlich schweres Jahr, eine trübe, trostlose Zeit war über daS deutsche Volk hereingebrochen, denn erst drei Monate zuvor hatte es den Begründer deS deutschen Reiches, den gewaltigen Kriegshelden und doch demütigen Friedenssürsten und Gottesknecht zur letzten Ruhe bestattet, und der tiefe Schmerz um den großen Toten hatte sich noch nicht gemildert. Keine langen, selbst noch so schönen Reden und Vorträge können so klar und deutlich zeigen, wie innig das Volk mit dem Kronprinzen verbunden war, als die beiden schlichten und einfachen Worteunser Fritz!" Aus ihnen klingen uns der Jubel und die Herzens­freude entgegen, die aus dem Bewußtfein entspringener ist unser, und wir sind sein; keine Macht der Erde kann uns von ihm trennen oder scheiden."

Von unendlicher Liebe zu feinem Volke beseelt und durch­drungen von einem hochgemuten Pflichtgefühl, kehrte er, der zum Tode Matte und damals schon ein Sterbender von San Remo, wo er Heilung suchte, nach Berlin zurück, um den durch den Tod seines großen Vaters verwaisten Thron zu besteigen und die Zügel der Regierung zu ergreifen. Wir kannten unsern Fritz und wußten, er würde als Kaiser halten, was er als Kronprinz versprochen hatte. Seine Feldherrntugend und sein hoch entwickelter soldatischer Sinn, die er bei Königsgrätz, Woerth und Sedan so herrlich betätigte, waren ja nicht Kinder kriege­rischer Gelüste, Freude am Blute des Feindes, sondern sie waren die Grundlage eines dauernden, gesicherten Friedens, denn mit ihnen war die Weisheit des Regenten verbunden. Deutschland sollte der Hort des Friedens werden; nicht unter kriegerischen Lorbeeren sollte es wachsen und gedeihen, sondern in friedlichem Wettbewerb sollte sein Ansehen unter fremden Völkern immer heller erstrahlen, und nicht mit den Waffen in der Hand, sondern durch Weisheit und Kraft der Regierung sollte Deutschland im Rate der Völker eine der ersten Stellen einnehmen. Gott hat seinem Wollen daS Vollbringen versagt.

Unendlich viel hat Kaiser Friedrich gelitten, aber so sehr ihn auch die entsetzlichen, nimmermüben Schmerzen quälten, auch

auf dem Krankenbett, auch sterbend war der Schwergeprüfte ein Held. Möge doch jedem Leidenden, gleichviel ob körperliche Schmerzen ihn quälen oder Kummer und Sorge an feinem Herzen nagen, sich an dem Leidenshelden auflichten und mit ihm sprechen:Lerne leiden, ohne zu klagen!" Dies Wort, von einem Gesunden in der Fülle der Jugend und Kraft ge­sprochen, mag wohl vermessen klingen, aber aus dem Munde des von Schmerzen furchtbar heimgesuchten Kaiser) klingt e3 doch wie ein Trost aus einer besseren Welt.

Die Geschichte hat über Kaiser Friedrich nur wenig zu berichten, um so fester und sicherer wird er aber in den Herzen seines Volkes sortleben von Geschlecht zu Geschlecht, er ist und bleibt ebenunser Fritz".

Me $»rwt in Ulm).

Die politische Situation in Rußland verdüstert sich immer mehr. Nach in Petersburg umgehenden Gerüchten wird eS immer wahrscheinlicher, daß ein Kabinetswechsel und also auch die Auflösung der Duma bevorsteht. AlS Premierminister wird genannt, der frühere Minister deS Innern Durnowo oder der Admiral Dubassow. Bezeichnend ist es, daß wieder Kapitalien ins Ausland übergeführt werden und Güter zu jedem annehm­baren Preise verkauft werden. Hierin sieht man mit Recht schlimme Vorboten. In der Budgetkommission der Reichs­duma ließ sich der Minister des Aeußeren JswolSki am Mittwoch über die russisch-japanischen Beziehungen vernehmen. Er er­klärte, Rußland brauche Konsulate in Ostasien und Japan zur Pflege der Beziehungen. Was Japan betrifft, so sei nach dem Friedensschluß in Rußland die Meinung verbreitet gewesen, Rußland werde eine Wi^ersxgeltung anstreben; statt Reifen sei zwischen Japan und Rußland ein Handelsvertrag abge­schlossen worden, und man könne sich der berechtigten Hoffnung hingeben, daß sich beide Staaten auch politisch nähern werden, zumal da das verbündete Frankreich denselben Wunsch geltend mache. Ueber die abgeschlossenen Handelsverträge stellte Jswolsky ein Blaubuch in Aussicht.

Aus dem noch unter russischer Herrschaft flehenden Teile der Mandschurei wird ein für die dortigen Zustände bezeichnender Vorgang gemeldet. Eine aus Kaukasiern und Chungusen be­stehende Bande beschoß ein Arrestlokal und das alte Stations­gebäude in Progranitschnaje, Kreis Charbin. Ein Polizeimeister wurde bei der Verteidigung einer Wohnung getötet, ebenso 20 Grenzsoldaten. Ein Grenzsoldat wurde verwundet. Die Bande richtete hieraus eine halbe Stunde lang Schüsse gegen die Kaserne.

Fünf mit Revolvern bewaffnete Räuber führten gestern vormittag einen Uebersall auf eine Bankfiliale im Petersburger Stadtteil aus und raubten 1000 Rubel. Bei ihrer Verfolgung erschossen sie einen Revierausseher und einen vorübergehenden und verwundeten einen Schutzmann und vier andere Personen. Einer der Räuber erschoß sich, als er sah, daß es ihm unmöglich war zu entkommen.

Aus den Direktor des Zuchthauses in Algatschin (Gouver- nement Jrkutsk), Borodulin, dessen Verhalten seinerzeit den Gegenstand einer Interpellation in der Reichsduma bildete, wurde am Dienstag ein Revolveranschlag verübt. Borodulin blieb unverletzt.

Charbinsk, 13. Juni. Der ärztliche Militärchef ist von einem Arbeiter durch einen Revolverschuß getötet worden. Der Mörder wurde ergriffen. Er bekannte, daß er den Mord aus politischen Beweggründen begangen habe.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 13. Juni 1907.

Sc. Majestät der Kaiser traf gestern abend um 8 Uhr 45 Min. mit Sonderzug von Hannover auf dem Bahnhof in Homburg v. d. H. ein. Zum Empfang waren der Landrat Ritter v. Marx und Oberbürgermeister Maaß erschienen. Der Kaiser fuhr im Automobil durch die festlich 'beflaggte Stadt zum Königlichen Schlöffe, von der zahlreich versammelten Menge jubelnd ^begrüßt. Um 9 Uhr 44 Min. begann der Start der zweiten Serie des AuSscheidnngS- rennens mit Wagen 8 B. Se. Majestät der Kaiser beobachtete den Verlauf mit der größten Aufmerksamkeit in der Hofloge. Es waren noch anwesend die Minister v. Bethmann-Hollweg und Breitenbach, Oberpräsident v. Windheim, Regierungs­präsident von Meister und Landrat Dr. Ritter von Marx. Prinz Heinrich und der Großherzog von Hessen dielten sich vielfach beim Zivil ant Der Regen läßt nach. Mittags 12 Uhr wurde für Se. Majestät den Kaiser, den Prinzen und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und Gefolge ein Frühstück in den hinter der Hofloge gelegenen Räumen serviert. Die übrigen Fürstlichkeiten speisten im RestaurationSzelr.

Der Deutsche Kriegerbund umfaßte nach seinem 11. Geschäftsbericht am I. Januar 1905 16 774 Vereine mit 1418876 Mitgliedern, am 1. Jannar 1906 17 288 Vereine mit 1489 366 Migliedern, am 1. Januar 1907 17 901 Vereine mit 1548 279 Migliedern, am 1. April 1907 18 069 Ver­eine mit 1545 2 7 9'Mitgliedern. Hiervon waren, soweit daS