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hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 69.
Donnerstag, den 13. Juni
1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 10. Juni 1907.
Bei einem Pferd des Spediteurs Drude in Hersfeld wurde Milzbrand sestgestellt.
I. 5245. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 10. Juni 1907.
Unter dem Schweinebestand der Frau Gertrude Gleim in Biedebach ist die Rotlausseuche ausgebrochen. l. 5240. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 10. Juni 1907.
Unter den Schafherden der Schäfer Hahl und Hebebrand zu Schwarzenborn ist die Räudekrankheit ausgebrochen.
I. 5215. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 10. Juni 1907.
Die Schasherde des Schäfers Streck zu Hof Ottersbach ist räudeverdächtig.
I. 5227. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Lehranstalt 1. ein Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 12. bis 24. August d. Js., 2. ein Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 26. bis 31. August d. Js. abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden einzuüben. — Der Unterricht umfaßt Obstwein-Bereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine, Bereitung von Essig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkoholfreien Getränken. Untersuchung von Reinhesen, Kahnhefen und Schimmelpilzen, ferner des Mostes aus Zucker und Säure. Bereitung von Mus, Gelee, Marmelade und Pasten; Herstellung und Ausbewahrung von Konserven und Obstsäften, Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. Obsternte, Sortierung, Aufbewahrung und Verpackung des frischen Obstes. Gurken-, Kraut- und Bohnensäuerung.
Das Hanorar beträgt 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. Unterkunft für die Frauen besorgt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen, zu den Kursen bis spätestens 14 Tage vor Beginn derselben zu richten sind.
Geisenheim am Rhein, den 16. Mai 1907.
Die Direktion.
Das Geheimnis.
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Wie trostlos!" rief Konstanze.
„DaS scheint Dir nur so. Uns erschien es niemals trostlos", entgegnete Wanda, über deren Züge sich langsam jener düstere Schatten gezogen hatte, den Konstanze schon an ihr kannte und nach dessen Ursache sie nie wieder zu fragen wagte.
Ihr Vater und Ludolf hatten inzwischen ihr landwirtschaftliches Gespräch beendet und waren hon der Wiese verschwunden. — Ringsum herrschte tiefe Stille; beide Mädchen standen, eine jede mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, schweigend da. Plötzlich erschollen Schritte hinter ihnen und hastig wandte Konstanze den Kopf. Es war Ludolf, der in der rechten Hand einen Schlüssel hielt.
„Wollen die Damen mit in den Wald kommen und dort die Sonne untergehen sehen?" fragte er hinzutretend. Er hatte Konstanze dabei angesehen und erntete dafür ein dankbares Lächeln.
„Sie hörten wohl, daß wir gern hinein wollten?" fragte sie zurück. „Komm, Wanda."
Sie hätte diese nicht zurücklassen mögen, selbst nicht um den Preis, mit Ludolf allein zu sein. Ihr größter Wunsch nach dem, fein Herz zu gewinnen, war, daß Wanda lernen möge, über ihn zu denken, wie er e§ verdiene.
So schritten sie alle Drei über die weichen, gras- und moosbewachsenen Wege dahin, hier und da sich unter den tief herabhängeiideü Zweigen bückend, bis sie, von Ludolf geführt, an eine Lichtung kamen, von der aus der Boden sich jäh hinabsenkte. Hier — aus einem moosbewachsenen Baumstumpf — ließen sie sich nieder, um zu beobachten, wie die Sonne hinter dem Dickicht sich zur Ruhe begab, wobei sie die leichte», scdergleichen Wolken wie in Purpurglut getaucht beleuchtete und die Stämme der ringsum stehenden Bäume vergoldete.
„Nun ist sie fort!" sagte Behringen mit einem tiefen
Anweisung zur Reinigung und zur Zerstörung der Anstektungsstoffe (Desinfektionsverfahren) bei Rotlauf, Schweineseuche und Schweinepest.
(Schluß.)
I. Als Reinigung?- und Zerstörungsmittel sind anzuwenden:
1. Sodalösung. Die Bereitung geschieht durch Auflösung von mindestens einem Kilogramm käuflicher Waschsoda in 50 Liter heißen Wassers.
2. Lösung der Kaliseife. 3 Teile sogenannter Schmierseife oder grüner oder schwarzer Seife werden in hundert Teilen heißen Wassers gelöst.
3. Kalkmilch. 1 Raumteil frisch gelöschter Aetzkalk wird mit 3 Raumteilen Wasser zu einer dicken oder mit 20 Raumteilen Wasser zu einer dünnen Kalkmilch angerührt.
4. Frischer, starkriechender Chlorkalk wird mit 3 Raumteilen zu einer dicken oder mit 20 Raumteilen Wasser zu einer dünnen Chlorkalkmilch angerührt.
5. 5°/oige Karbolsäurelösung. Ein Teil verflüssigte Karbol- säure (Acidum carbolicum liquefactum des Arzneibuches) wird in 18 Teilen Wasser gelöst.
6. Steinkohlen- oder Holzteer.
7. 30/vige Kresolschwefelsäurelösung. Zur Herstellung werden zunächst 2 Raumteile rohes Kresol (Cresol crud. des Arzneibuches für das deutsche Reich) mit 1 Raumteil roher Schwefelsäure fAcid. sulfuricum crud. d. A. B. f. d. D. R.) bei gewöhnlicher Temperatur gemischt.
Von diesem Gemisch werden frühestens 24 Stunden nach seiner Zubereitung 30 Gramm mit Wasser zu 1 Liter Desinfektionsflüssigkeit aufgefüllt und gut durchgemischt. Die Kresolschwefelsäurelösung ist innerhalb 24 Stunden nach ihrer Herstellung zu verwenden.
II. Anwendung der Reinigung?- und Zerstörungsmittel:
1. Kot, Blut, Magen-, Darminhalt und Abfälle seuchekranker oder verdächtiger Schweine müssen sorgfältig gesammelt und verbrannt oder wie die Tierkörper vergraben werden.
In gleicher Weise Pud die Eingeweide geschlachteter seuchekranker oder verdächtiger Schweine, sowie die Schlachtabfälle einschließlich der Abwaschwässer unschädlich zu machen.
2. Behufs Zerstörung des AnsteckungSstoffes der von seuche- kranken oderseucheverdächtiger Schweinen benutzten Räumlichkeiten sind nebenher gründlichen Reinigung und Auslüftung der letzteren nachfolgende Maßregeln anzuwenden:
a) Hölzerne Gerätschaften, Kripppen, Bretterverschläge usw- sind, soweit erforderlich, abzunehmen und zu verbrennen.
b) Nicht gepflasterter Fußboden muß, soweit er von den flüs- sigen Ausleerungen der kranken Tiere durchfeuchtet ist, abgegraben und an den trockenen Stellen durch Abstößen der obersten Schicht gründlich gereinigt werden. Schlechtes Plaster und hölzerne Fuß. böden müssen ausgenommen und alsdann die darunter befindliche von Kot und flüssigen Abgängen der kranken Tiere durchfeuchtete Erde abgegraben werden. Da? alte Material an Steinen kann nach Reinigung und Abschlämmen mit dicker Kalkmilch, gesunde? Holzwerk der Fußböden, in welches die Feuchtigkeit nicht tief eingedrungen ist, nach erfolgtet Reinigung und Uebertünchen mit Chlorkalkmilch wieder benutzt werden. Feste? Plaster wird mit heißem Wasser gereinigt und mit dicker Kalk- oder Chlorkalkmilch geschlämmt.
Die Abflußrinnen und Kanäle werden wie der Fußboden behandelt.
c) Feste, massive Wände werden mit dicker Kalkmilch übertüncht. Von den Lehmwänden wird eine dickere oder dünnere Schicht, je nachdem sie schadhaft sind oder nicht, abgestoßen, worauf die Wände mit dicker Kalkmilch bestrichen werden. Hölzerne Wände und feste Bretterverschläge werden mit heißer Lösung von Kaliseife
Atemzüge, als die Sonne hinter den dunklen Umrissen des Waldes verschwunden war. „Ich glaube, ich habe noch nie im Leben einen so wunderbar schönen Sonnenuntergang gesehen."
„Wie herrlich ist aber auch der Fleck, ihn zu beobachten!" fügte Wanda hinzu.
„Nicht wahr? Schon als kleiner Junge pflegte ich an jedem klaren Sommerabend mit meiner Mutter Hiecherzukommen", sagte Ludolf.
„Ich bin noch nie hier gewesen", meinte Konstanze, aus ihren langen, glücklichen Träumereien erwachend, „und freue mich, daß Sie unS heute abend ^erbrachten."
„Ich nicht minder", stimmte Ludolf bei, „denn ^run Sie einmal dagewesen sind, hoffe ich, daß Ihr Weg Sie öfter hersühren wird", und abermals traf ein freundlich lächelnder Blick Konstanze'S Augen.
„In welcher Menge und Ueppigkeit die Blumen hier wachsen!" fiel nun Wanda ein, während sie sich bückte und eine davon pflückte. „Sehen Sie, Herr von Behringen! Können Sie mir sagen, wci diese heißt? Ich habe sie noch nie gesehen."
Er nahm sie aus ihrer Hand, betrachtete sie näher und erwiderte: „Wir Landleute nennen das kleine blaue Blümchen „Männertreu“, den wissenschaftlichen botanischen Namen dafür kann ich Ihnen selbst nicht nennen." — Konstanze vermochte einen kleinen Seufzer nicht zu unterdrücken, als Wanda zum Aufbruch mahnte, da Frau von Hohenstein den Wunsch geäußert hatte, zeitig nach Hause zu fahren.
„Ja, ich denke auch, wir müssen gehen", pflichtete sie Wanda, sich erhebend, bei.
„Ich werde Sie einen anderen Weg zurücksühren", sagte Ludolf und schritt den beiden Mädchen voran nach einem breiten Waldweg, als Konstanze plötzlich ausries: „Da ist ja das Herrenhaus!"
„Ja", bestätigte Behringen, '.„nun wissen Sie den Weg direkt von der Fahrstraße sowohl, als den durch die Gärten zu finden. Wollen Sie nun öfter kommen."
„Wenn wir können", antwortete Konstanze und sab leuchtenden Auges zu ihm auf. Wenige Schritte »och und sie standen vor dem Tor.
oder Soda gereinigt und mit Chlorkalkmilch, Terr oder Kresol- schwefelsäurelösung angestrichen.
Ist die Oberfläche des Holzwerks stark zerrissen oder zerfasert, so ist sie durch Abstößen einer genügend dicken Schicht zu glätten, bevor das Reinigungsmittel (zu 1) aufgetragen wird.
d) Decken, Balken, Säulen usw. werden wie die aus gleichem Stoffe bestehenden Wände behandelt.
Eisenteile sind mit öprozentiger Karbolsäurelösung oder Teer zu bestreichen.
e) Stallgerätschaften aller Art von Eisen oder anderem Metall werden durch Feuer von AnsteckungSstoffen gereinigt und zu diesem Zwecke der Wirkung glühender Kohle oder deS Flammen- feuers kurze Zeit ausgesetzt. Ist die Anwendung des FeuerS ausgeschlossen, wie £ B. bei festsitzenden Krippen, so werden diese Gegenstände mit heißer öprozentiger Sodalösung oder3proz«ntiger Kaliseifenlösung gereinigt und mit dicker Kalk- oder Chlorkalkmilch angestrichen.
f) Hölzerne Geräte einschließlich der Fuhrwerke und Schleifen, auf denen Tierkörper, Streu, Dünger"oder andere Abfälle gefahren sind, sind mit heißer Kaliseifenlösung abzureiben, mit Wasser abzuspülen und demnächst mit Karbolsäurelösung, Kresolschwefel- säurelösung oder Teer zu bestreichen.
3. Kleider und Schuhe der Personen, denen die Wartung und Pflege der kranken und verdächtigen Tiere übertragen war, sind nach dem Erlöschen der Seuche zu desinfizieren. Die Kleider sind eine Stunde lang im Wasser oder Seifenwasser zu kochen, die Schuhe mit Kresolwasser abzuwaschen.
4. Die Tummelplätze der Schweine sind mit ungelöschtem Kalk zu bestreuen, wenn angängig, nachdem die oberste Erdschicht ab» gehoben ist. Die Schweine sind darauf noch einige Zeit hindurch von den Tummelplätzen fernzuhalten.
nichtamtlicher teil.
Zum und üt bereinigten Staaten den MSmmka.
In dem Augenblick, da ein japanisch-französischer Vertrag mit gegenseitiger Garantierung des Besitzstandes in Asien zustande gekommen ist, tauchen neue Mißhelligkeiten zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Die Ereignisse treffen nur zeitlich zusammen, ein innerer Zusammenhang besteht nicht. Frankreich soll sogar seine Vermittelung in Washington angeboten haben, um eine dauernde Verständigung zwischen Japan und Nordamerika herbeizujüüren. Dazu wird es sobald nicht kommen. Es handelt sich nicht um Streitigleiten zwischen den Regierungen, sondern um tiefe Gegensätze zwischen den Völkern, die ein sreundschastliches Verhältnis unter den Regierungen nicht auskommen lassen.
Den ersten Anlaß zur Spannung zwischen Washington und Tokio bot der Beschluß der Stadtverwaltung von San Fran- zisko, die japanischen Schüler aus den Schulen der Weißen zu entfernen und in Sonderschulen unterzubringen. Die Japaner sahen darin eine Verletzung der Kulturgleichheit, die sie in Anspruch nehmen, und zugleich eine Verletzung von Verträgen, die ihnen in Amerika gleiche Behandlung wie den Unterranen
„Das Tor wird schon geschlossen sein", sagte der junge Mann, „doch ich habe den Schlüssel bei mir".
Während er diesen aus der Tasche zog, fiel etwas auS derselben heraus und flatterte zu Boden. Was war daS? Ein Blatt oder ein Grashalm, dachte Konstanze, und ging, ohne es zu beachten, weiter. Warum aber ergoß sich über Behringen's Gesicht eine glühende Röte, als sein Blick daraus fiel.
Eine Sekunde lang hing Konstanze'S Auge wie gebannt an feinen Zügen, dann schoß es blitzschnell nach dem Herab- gefallenen Gegenstand. Eine kleine, blaue Blume an langem, mit grünen Blättchen besetztem Stiel lag am Boden, — dieselbe, welche Wanda gepflückt hatte!
War es wirklich dieselbe? War sie durch Zufall in seine Tasche gekommen? Und wenn dem so war, warum brächte ihr Anblick eine so Helle Röte in fein Antlitz? Was hatte das alles zu bedeuten? — Das waren die Gedanken, welche wild durch Konstanzes Hirn jagten, während sie vor dem Tor standen.
Ludols schloß das Tor auf und ließ die Damen hindurchgehen, indessen ohne ihnen zu folgen. „Ich bin gleich wieder bei Ihnen", sagte er und ging einige Schritte zurück.
„Will er die Blume wieder holen?" dachte Konstanz«; „nein, das ist unmöglich."
Wanda hatte sich an das Tor gelehnt und schaute zu den erleuchteten Fenstern des alten Herrenhauses hinauf, wobei sie laut bemerkte, sie müsse es einmal zeichnen: Konstanze aber hörte sie nicht. Ihre Augen waren der Gestalt deS jungen Mannes gefolgt; er ivar stehen geblieben. Einen Moment lang sah er scheu um sich, worauf er sich bückte, etwas vom Boden aushob und eS fest in der Hand verbarg, dann kam er mit einer flüchtigen Entschuldigung wieder zu den Damen geeilt.
„Wir sind nicht so ungeduldig", erwiderte Wanda lächelnd; „Tante aber scheint eS au fein, denn eben fährt der Wagen vor."
ES entstand eine Pause, welche Ludolf schließlich brach, indem er in leisem Tone sagte: „Ich bin Ihnen Allen so dankbar, daß Sie unS das heutige Heumachen zu einem solchen Freudenfest gestaltet haben."
„Nicht Ihnen allein, gleichzeitig auch uns", bemerkte