Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für kferrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vs^^rvs

Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 64.

Sonnabend, den 1. Juni

1907.

Bestellungen aus das

Rersfelder Kreisblatt

werden für den

Monat Juni von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil.

Der Herr Oberpräsident hat durch Erlaß vom 29. v. Ms. (Nr. 4326) als Erkennungszeichen für Kraftfahrzeuge für den Regierungsbezirk Wiesbaden die weiteren Nummern 2601 bis 3200 überwiesen. (A. II. 3589.)

Cassel, am 6. Mai 1907.

Der Regierungspräsident. J. A.: Schenk.

Hersseld, den 28. Mai 1907.

Es besteht die Absicht, noch in Ober-Hessen eine Anzahl Zuchtbullen reiner Simmeutaler Rasse durch die Körungskom- misfiou des Kreises ankausen zu lassen, da der angcmeldete Bedarf an derartigen Zuchttieren auf dem Markte in Gersseld nicht hat gedeckt werden können.

Ich ersuche daher, die Interessenten des Kreises, welche bei der demnächst stattfindenden Versteigerung der anzukaufenden Zuchttiere aus ein solches reflektieren, mir von ihrer Absicht bis spätestens den 4. Juni er. Mitteilung zu machen. Die Be- dingungen bleiben die gleichen, wie sie in meinem Ausschreiben vorn 8. Mai 1907 I. Nr. I. 4156 abgedruckt im Kreisblatt Nr. 55 vom 8. Mai d. Js. enthalten sind.

Eine Verpflichtung zur Abnahme eines Tieres entsteht hieraus nicht.

A. 2428. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 28. Mai 1907.

Die durch Vermittlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins beschafften, am 24. Mai d. Js. dahicr öffentlich versteigerten und nachstehend näher bezeichneten Bullen sind von der Körungs- kommission für sprungsähig erklärt worden.

1. Besitzer Adolf Reinhardt zu Unterweisenborn, Bulle mit Ohrnummer 2046, 15 Monate alt.

2. Besitzer Landwirt Bornemann zu Reimboldshausen, Bulle mit Ohrnummer 171, 14 Monate alt.

3. Besitzer Landwirt Paul zu Kathus, Bulle mit Ohr­nummer 793, 11 Monate alt.

4. Besitzer Landwirt Jakob zu Unterhaun, Bulle mit Ohr­nummer 1084, 12 Monate alt.

5. Besitzer Gutsbesitzer Gliemeroth zu Wölsershausen, Bulle mit Ohrnummer 216, 15 Monate alt.

6. Besitzer Landwirt Rüger zu Motzseld, Bulle mit Ohr- nummer 1840, 15 Monate alt.

J. I. 4835. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 27. Mai 1907.

Der Herr Oberpräsident hat genehmigt, daß die dem Evan­gelisch-kirchlichen Hilssverein durch Erlaß deS Herrn Ministers des Innern vom 21. Januar d. Js. IIlc. 2007 in jedem der Jahre 1907, 1908 und 1909 bei den evangelischen Ein- wohnern der Provinz Hessen-Nassau bewilligte Hauskollekte im Konsistorialbezirk Cassel zunächst im laufenden Kalenderjahr dem­nächst erhoben wird.

Die Ortspolizeibehörden des KreiseS ersuche ich, dafür Sorge zu tragen, daß der Ausführung der Sammlung keine Hinder­nisse bereitet werden.

I. 4703. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Breslan, den 8. Mai 1907.

Der am 22. Februar d. J. in die Provinzial-Heil- und Pflcgcanstalt Lenbus i/Schlcs. aufgenommene gefährliche Geistes­kranke Zigarrenmacher Johann Kokott aus Strehlen, geboren am 10. Mai 1869 zu Dammratschhammer, Kreis Oppeln, ist am 6. d. MlS. auS der Anstalt entwichen. Signalement: Religion: katholisch, Größe: 1,70 m, Haare: blond, Stirn: normal, Augenbrauen: blond, Augen: schicfersarbig, Nase: gewöhnlich, Mund: gewöhnlich, Bart: Schnnrrbart, Zähne: lückenhaft, Kinn: normal, Gesichtsbilduug: normal, Gesichtsfarbe: blaß aussehend, Gestalt: mittelkrästig, Sprache: dentsch und polnisch. Besondere Kennzeichen: keine. Ich crsnche nach dem Verbleib deS p. Kokott gefälligst Ermittlungen anstelle» zu lassen und im BetretungSfalle sowohl die Direktion der Provinzial-

Heil- und Pflegeanstalt in Leubus i./Schles. wie mich ent­sprechend zu benachrichtigen.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: (Unterschrist.) (I. A. 111.7568) An die Herren Regierungspräsidenten der Monarchie pp.

*

Cassel, den 17. Mai 1907.

Abdruck "zur Kenntnis und weiteren Veranlassung.

Die Herren Landräte ersuche ich, die Ortspolizeibehörden mit entsprechender Weisung zu versehen.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: gez. Sch enk. (A.II.4064.) An die Herren Landräte und Polizeidirektoren des Bezirks.

* *

H«sfeld, den 27. Mai 1907.

Abdruck bringe ich zur Kenntnis der Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises.

Im Betretungssalle ist Kokott sestzunehmen und mir schleunigst zu berichten.

I. 4702. Der Königliche Landrat

von Gr u n e l i u s.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. M a l c u s in Hünfeld, welcher zur Zeit mit der Versetzung der Geschäfte des erkrankten König­lichen Kreisarztes, Medizinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 4. Juni im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersfeld, den 31. Mai 1907.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Zum Eintritt in die Schutztruppe nach Südwest-Afrika können sich Mannschaften der gesamten Reserve und zwar Hand­werker aller Art, vornehmlich Beschlagschmiede, Schuhmacher, Maurer und Zimmerleute beim Bezirkskommando melden.

Persönliche Meldung ist erwünscht, damit gleichzeitig die ärztliche Untersuchung aus Tropendienstfähigkeit erfolgen kann. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Reisekosten können nicht erstattet werden.

Die zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwestasrika bereiten Mannschaften müssen sich für die normale Zeitdauer von 3Vs Jahren zum Dienst in der Schutztruppe verpflichten.

Es wird noch ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß es unzweckmäßig ist, lediglich auf die Meldung zum Eintritt hin bereits die Stellung zu kündigen oder sonstige Vorbereitungen zu treffen.

Hersseld, den 27. Mai 1907.

Königl. Bezirkskommando.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In der verflossenen Woche ist die Lösung der Braun- schweigischen Regentschafs frage erfolgt. Der Braunschweigische Landtag hat den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin einstimmig zum Regenten des Herzog- tums Braunschivcig erwählt. Diese Wahl muß als die denkbar glücklichste bezeichnet werden und ist daher auch allenthalben in Deutschland mit hoher Befriedigung ausgenommen worden. Herzog Johann Albrecht erscheint sowohl vom deutsch-natio­nalen wie vom braunschweigischen Standpunkte gleichermaßen als der gegebene Mann zur Uebernahme des Regenschafts­postens und bietet in feiner Person alle Garantien für eine erfolgreiche Tätigkeit auch in dem neuen Wirkungskreise dar. Auf der Höhe des Lebens stehend, hat Herzog Johann Albrecht bereits viel rühmliche Arbeit für sein engeres und weiteres Vaterland geleistet. Er hat das Schweriner Großherzogtum vier Jahre lang für seinen Neffen, den nunmehr regierenden Großherzog Friedrich Franz, als Regent trefflich verwaltet, und seit 12 Jahren hat er als der allgemein beliebte und verehrte Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft sich reiche Ver­dienste um daS große und größere Deutschland erworben. Aber nicht nur durch seine persönlichen Gaben, sondern auch durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen ist Johann Albrecht in hervorragendem Maße geeignet, ausgleichend und versöhnend in seiner neuen Stellung zu wirken, da er durch gleichartige verwandtschaftliche Bande den Höfen zu Berlin wie zu Gmunden nahesteht. So begleiten unsere besten Wünsche und Hoffnungen den neuen Braunschweiger Regenten bei der Uebernahme seines schweren und verantwortungsreichen Amtes. Möge ihm eine lange glückliche Regentschaft zum Heil deS Reiches und zum Segen deS Herzogtums beschicken sein!

Als willkommene Gäste sind zahlreiche Vertreter be­deute ndcrenglischerBlätterwährend der Berichts­woche in Deutschland eingetroffen. Gleich bei ihrem ersten Betreten deutschen BodenS in Bremen haben die englischen Journalisten eine überaus gastfreundliche und glänzende Auf­nahme gefunden, so daß sich ein hervorragendes englisches

Blatt veranlaßt gesehen hat, unter begeisterten Dankesbezeugungen von einemüberwältigen Empfange" zu sprechen. Wir hoffen, daß die englischen Gäste bei ihrem Aufenthalte in Deutschland den Eindruck gewinnen werden, daß in allen Kreisen der deutschen Bevölkerung der Wnnsch lebendig ist, zu England freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten. In dieser Zu­versicht rufen mir ihnen ein aufrichtiges Willkommen zu.

Im englischen Unter Hause hat die Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen für eine ver­mehrte Anzahl kleiner Landgüter gesorgt werden soll. Der den Entwurf vor dem Parlament vertretende Regierungs­kommissar Harcourt schilderte die mit der Entvölkerung des platten Landes verbundenen Mißstände und erklärte, die vorge­schlagene Gesetzesmaßregel solle der Entvölkerung Einhalt tun. Die Bill ist aus der Ägraruot Englands herausgeboren, und diese Not wiederum ist eine Folge der verkehrten britischen Agrarpolitik, die durch schrankenlosen Freihandel die heimische Landwirtschaft zum Erliegen gebracht und das platte Land der Verödung preisgegeben hat. England hat der gesamten Welt damit ein warnendes und abschreckendes Beispiel geliefert, wollte Gott, daß es von unserem deutschen Vaterlande für alle Zeit beachtet würde.

Die Stichwahlen in Oesterreich sind nunmehr mit Ausnahme Galiziens abgeschlossen. Die stärkste geschlossene Partei bilden die Sozialdemokraten mit 82 Mandaten; nach ihnen folgen die Cbristlichsozialen mit 66 Mandaten. Die letztem dürften im Verein mit dem 31 Sitze umfassenden katholischen Zentrum die stärkste parlamentarische Gruppe bilden. Wenn man vielfach von dem Anwachsender Sozialdemokratie die Ausschaltung der nationalen Gegensätze in dem künftigen österreichischen Parlamente erwartet hat, so wird sich diese Er­wartung voraussichtlich nicht bestätigen. Die tschechischen Sozialdemokraten denken nämlich genau so national wie die sich bisher in nationaler Hinsicht am schärfsten und radikalsten geberdende Richtung des Tschechentums, der Jungteschenklub, und treten deshalb auch für die extremsten Forderungen ihres Volksstammes ein. Das marxistische Dogma von der Jnter- nationalität der Sozialdemokratie ist bei ihnen nichts als leere Kulisse. Ernst mit der geforderten Jnternationalität macht nur die deutsche Sozialdemokratie, nur bei ihr ist wirkliche Vater- landslosigkeit und Vaterlandsseindlichkeit anzutreffen. AufS deutlichste führe» uns die österreichischen Verhältnisse diese be­schämende Tatsache wieder einmal vor Augen.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 30. Mai 1907.

Bei dem den Gefechtsübungen in Döberitz gestern folgenden Frühstück im Kasino, das etwa 2Va Stunden dauerte, saß der österreichisch-ungarische Gcneralstabsches von Hötzendors neben Sr. Majestät dem Kaiser. Dieser hielt eine Ausprache, in welcher er sagte, der heutige Tag fei ein Ehrentag für die zweite Garde-Jnfanteriebrigade, um so mehr, als der Chef des Generalstabes der verbündeten Armee hier weile. Der Kaiser brächte ein dreifaches Hurra auf die österreichisch-ungarische Armee aus. Am Abend um 8 Uhr fand beim österreichisch-ungarischen Militärattachee ein Diner statt, zu welchem auch v. Hötzendors und Hauptmann Putz, der Kriegsminister, Generalstabschef v. Mölke, Graf v. Hülsen- Haescler, Oberstleutnant v. Bülow, Major v. Dommes, Oberst vom Franz-Regiment Freiherr v. Esebeck und der österreichisch- ungarische Geschäftsträger Graf Szechenyi geladen waren. Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten vom Neuen Palais aus einen Ausritt. Später hörte Sc. Majestät der Kaiser die Vorträgc deS Kriegsministers, des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts. Zur Frühstückstafel waren geladen Professor Schaper, LtaatS- minister v. Möller, Gras Platen-Hallermund und General­direktor Bode.

Die Agence HavaS meldet aus Tanger, in maurischen Kreisen werde erklärt, der Sultan habe beschlossen, Fez zu verlassen und sich über Rabat nach Marakejch zu begeben. Kriegsminister el Gebbas werde den Sultan mit einer Truppen- macht begleiten. Dann werde die Polizeifrage geregelt und die Polizei Angeführt werden. Die französische Kolonie zu Tanger bespreche die persönliche Haltung deS Sultans sehr günstig. Der Sultan habe wiederholt' sein Bedauern über die Ermordung Dr. Mauchamps auSgedrückt und sich bereit erklärt, alle Forderungen, die Frankreich gestellt hat, zu erfüllen. Einer weiteren Nachricht Per Agence HavaS zufolge, begaben sich am 28. Abends die schcrisischen Regiemngsbeamten Elmokri und Benghanem auf die französische Gesandtschaft, um nch mit Regnault über die französischen Forderungen zu besprechen. Es wurde volle Einigung bezüglich der Frage der Polizei in dem algerisch-mauretanischen Grenzgebiete erzielt. Hinsichtlich der Angriffe auf Franzosen zeigten die schenfischen Beamten Entgegenkommen. Sie besprachen dann mit den Beamten der französischen Gesandschaft und der Drogomanate noch einige andere Fragen. Die marokkanischen Regicrungstruppen hatten in dem Gefecht am Montag 20 Tote; die Ausständigen 40 Tote. Das Gefecht dauerte den ganzen Tag, während