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Herrseloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 63.

Donnerstag, den 30. Mai

1907.

Amtlicher teil.

Sonderabdruck aus dem Ministerialblatt der Handels- und Gewerbe-Verwaltungfür den HerrnRegierungspräsidenteninCassel.

Berlin, W. 66, den 27. April 1907.

Aus eingereichten Beschwerden haben wir ersehen, daß in einigen Regierungsbezirken Fabrikschornsteine dem Kehrzwang unterworfen und zu ihnen auch die Schornsteine von Meiereien und ähnlichen landwirtschaftlichen Betrieben gerechnet werden.

Nach einem Gutachten der Königlichen Technischen Depu­tation für Gewerbe ist die regelmäßige Reinigung solcher Schornsteine nicht erforderlich, weil in den größeren gewerblichen Feuerungen eine vollständigere Verbrennung stattzufinden pflegt als in Hausseuerungen, so daß selbst bei Verwendungen gas­reicher Kohlen nur geringe Neigung zur Glanzrußbildung vor­handen ist. Ferner wirkt der stärkere Zug dem Ansatz von Glanzruß entgegen. Gefährdungen der Nachbarschaft durch die zwar gelegentlich beobachteten, aber seltenen Fälle von Bränden in Fabrikschornsteinen sind durch ihre meist freie Lage und die Höhe ihrer Mündung über dem Erdboden so gut wie ausgeschlossen. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß viele Fabrikschornsteine nur im Inneren Steigeisen haben, andere, z. B. eiserne, meist gar nicht besteigbar sind. Ihre Reinigung ist daher während des Betriebes der Feuerungsanlage ausge­schlossen, im übrigen aber mit Lebensgefahr verbunden.

Wir bestimmen daher, daß alle freistehende Schornsteine für größere Feuerungsanlagen in Fabriken, sowie die ähnlichen Zwecken dienenden Schornsteine in landwirtschaftlichen Betrieben und endlich alle Schornsteine für Dampskesselseuerungen dem Kehrzwange nicht zu unterwerfen sind, gleichgültig ob es sich um gemauerte oder eiserne Schornsteine handelt. Ausge­nommen sind enge, in Gebäuden eingemauerte Schornsteine zu dem angegebenen Zweck (sogenannte russische Kamine).

III 2681 M. t. H. Ilb 1935 M. f. J. T Aa 2835 M. f. L. Der Minister für Handel und Gewerbe, gez. D e l b r ü ck.

Der Minister des Innern.

In Vertretung gez. B i s ch o f f s h a u s e n.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

In Vertretung, gez. v. C o n r a d.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei­präsidenten in Berlin.

*

Cassel, den 14. Mai 1907.

Abschrift zur Kenntnisnahme. Die Ausnahme der Fabrik- fchornsteine vom Kehrzwange (§11 der Polizei-Verordnung Dom 1. Juni 1906, Amtsblatt Seite 194 flgd.) ist nicht mehr an die Voraussetzung zu knüpfen, daß die Besitzer selbst für eine fachgemäße Reinigung sorgen und die her' Ortspolizeibe­hörde nachweisen.

Die Herrn Landräte ersuche ich, die Ortspolizeibehörden mit entsprechender Anweisung zu versehen.

Der Regierungs-Präfident. In Vertretung, gez. Schenk.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.) '

Nach dem scharfen Peitschenhieb rannte Graf Landry hinaus auf die Straße. Ein ihm bekannter Offizier begegnete ihm; derselbe hatte noch nichts von dem Vorfall gehört.

Helmstedt, wollen Sie mir sekundieren bei einem Ehren­handel mit Baron Roskolny?"

Hm, wenn Sie wollen. Und die Bedingungen?"

Pistolen übers Taschentuch."

Bassa manelka, also aus Tod und Leben."

Ja, wegen Elviras schönen Augen. Als ob ein Ehemann dagegen blind sein müßte."

Herr von Helmstedt war andrer Meinung, aber er schwieg und versprach, noch heute seine Forderung zu überbringen.

Landry stürmte nun zu Elvira, die bei seinem Anblick entsetzt ausschrie:Wie sehen Sie aus, Graf. Wer hat Sie so zugerichtet?"

Baron Roskolny wegen des elenden Colliers."

Hier haben Sie es," schrie die Künstlerin zornig,soeben kündigte mir mein Direktor, weil der Erzherzog erklärt habe, kein Aristokrat werde den Zirkus wieder betreten, wenn ich ritte."

Das ist Roskolnys Werk," knirschte der Gras,aber Geduld, morgen schießen wir uns übers Taschentuch."

Das dürfen Sie nicht Graf," schrie Elvira empor fahrend, wegen jener erbärmlichen Diamanten soll derjenige nicht fallen den ich liebe."

Elvira, schönstes Weib," rief Landry glühend, aber sie wehrte ihn kühl ab.

Nicht doch, Graf. Glauben Sie nicht, daß Sie c8 sind, den ich liebe.

Elende Komödiantin," brüllte jetzt der Graf,iinb des­halb ließ ich mich heute züchtigen wie ein Hund. Aber Geduld, morgen fällt Ihr Liebhaber von meiner Hand."

Auch wenn Sie erfahren daß er kein Magyar und mithin nicht satisfaktionsfähig ist?"

An die Herrn Polizeidirektoren hier, Hanau und Fulda die Herrn Landräte des Bezirks und die Polizeiverwaltungen in Marburg und Eschwege. A. II. 4025.

*

Hersfeld, den 24. Mai 1907.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.

I. 4672. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hess. Nass. land.

Berufs-Genossenschaft

Sektion Hersseld.

A. 2418.

Hersfeld, den 25. Mai 1907.

Die Erledigung des Ausschreibens vom 26. April d. Js. Nr. 1942, (Kreisblatt 51) die Untersuchung des neu ausge­stellten Unternehmer-Verzeichnisses betreffend, bringe ich in Er­innerung (Frist 5 Tage).

von Grunelius.

Hersseld, den 27. Mai 1907.

Unter den Schweinen des Schäfers Ortwein in Hersfeld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

L 4785. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 27. Mai 1907.

Bei einem Pferd des Abde^ers Johannes Schneider zu Hof Aspenknittel ist Milzbrand festgestellt worden. I. 4783. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 27. Mai 1907.

Die unter dem Schweinebestand des Landwirts Heinrich Heidcrich I. in Lautenhausen ausgebrochene Schwcineseuche ist erloschen.

I. 4774. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 27. Mai 1907.

Die unter der Schafherde des Schäfers Allendors in Asbach ausgebrochene Räude ist erloschen.

I. 4619. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Was soll daS heißen? Baron Roskolnv kein Magyar?" Allerdings. Er ist ein Zigeuner und heißt Nilol Laloy. Er sührt nur den Namen seiner Adoptivmutter und stammt aus dem Volke wie ich selbst."

Sehr interessant, Sennora, und Sie heißen?"

Selka, die Tochter des Grobschmieds von Schloß Landry. Ich "habe Nikol schon damals geliebt und tue es heute noch. Nun kennen Sie meine Geschichte und werden sich nicht schlagen."

Nun erst recht, edle Sennora. Leben Sie wohl."

Als er gegangen, sprang Elvira jammernd auf.

Ich muß zur Gräfin, um das Duell zu hindern."

Befremdet öffnete der Portier der gräflichen Villa sein Fenster und sah zwei verhüllte Frauen vor sich stehen.

Ich muß sogleich die Frau Gräfin sprechen", herrschte ihn die eine an und reichte ihm ein Goldstück hin, das er ruhig ablehnte,melden Sie ihr eine Fremde."

Die Gräfin blickte beunruhigt dem späten Besuch entgegen, als Elvira indes den Mantel zurückschlng, trat sie empört und eiskalt zurück.

Sie hier, Sennora? Sie wagen es, nach dem heutigen Vorfall mich zu belästigen? Ich reise schon morgen auf meine Güter und dann ist der Graf frei

Elvira zuckte zusammen unter dem Ton grenzenloser Ver­achtung, der aus diesen Worten klang.

Und dennock, Gräfin, müssen Sie meine Bitte erfüllen, um großes Unheil zu verhüten

,^Wie sollte ich," lautete die kühle Antwort,eine Dame mischt sich nicht in Ehrenhändel"

O, Gräsin," rief Elvira, mit gerungenen Händen vor der Dame zu Boden falleiib,seien Sie barmherzig und retten Sie durch ein Wort den Mann, den ich liebe."

Erschöpft verhüllte sie ihr Antlitz mit der Hand, doch Maria trat empört zurück.

Mein Fräulein, Sie wagen mir, der Gräfin Landry zu sagen daß Sie den Grafen lieben?"

Nein, o nein aber den Grafen RoSkolny."

Eine Paufe entstand, dann hob Elvira das Haupt.

nichtamtlicher teil.

Sie Wahl des HerM Zahami Albrecht Don Mecklenburg zum Regenten »an Prunnfchmcig.

Die bedauerliche Krisis, welche durch den Tod des früheren Regenten von Braunschweig, des Prinzen Albrecht von Preußen, im vorigen Jahre durch die Geltendmachung ihrer Ansprüche auf den Thron von Braunschweig durch die Agnaten des Hauses Braunschweig Lüneburg, vertreten durch den Herzog von Cumberland und seine Söhne, entstanden war und den deutschen Bundesrat, sowie den braunschweigischen Landtag wiederholt beschäftigt hat, ist nun durch die am 28. Mai er­folgte Wahl des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg zum Regenten des Herzogtums Braunschweig durch den braun­schweigischen Landtag in sehr glücklicher Weise gelöst worden. Der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, geboren am 8. Dezember 1857 und vermählt mit der Prinzessin Elisabeth von Weimar, gilt als ein Fürst von hervorragenden staatsmän- nischen Eigenschaften und reifer politischer Erfahrung, denn er hat schon für feinen Neffen, den jetzigen Großherzog von Mecklenburg-Schwerin während dessen Minderjährigkeit die Regentschast für das Großherzogtum Mecklenburg-schwerin ge­führt und sich während seiner Regentschaft der allgemeinen Beliebtheit erfreut. Die-Wahl des Herzogs Johann Albrecht zum Regenten von Braunichweig ist seitens des braunschwei­gischen Landtages auch einstimmig erfolgt, und wie man hört, ist gerade die Erreichung der Einstimmigkeit bei der Wahl des neuen Regenten ein schöner Beweis für die loyale Gesinnung und den politischen Takt der Regierungsoertteter und der Land­tagsmitglieder im Herzogtume Braunschweig. Man kann all­gemein sagen, daß bei der Frage der Neuwahl eines Regenten für Braunschweig weder die preußische, noch die welfische Partei im Herzogtum Braunschweig gesiegt hat, indem die preußische Partei gern den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, den jüngsten Sohn des verstorbenen Regenten Prinzen Albrecht, auf dem braunschweigischen Thron sehen wollte, während die welfische Partei natürlich nur einen Herzog von Cumberland das Szepter Braunschweigs in die Hände legen möchte. Aber die Wahl ist nun doch aus politischen Gründen und aus sehr richtigem Taktgefühl auf den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg gefallen und die alten Streitfragen, ob welfische oder preußenfreundliche Stimmen die Wahl eines Regenten von Braunschweig entscheiden würden, ist durch die soeben stattgefundene Wahl vollständig ausgeschieden und existiert glücklicherweise für das Herzogtum Braunschweig gar nicht mehr. Menschlich konnte man es ja bedauern, daß es nicht möglich gewesen ist, einen der Söhne des Herzogs von Cumber-

Ich liebe ihn so heiß und treu, so innig, wie nur je ein Weib lieben kann und er liebt Sie allein! Er stirbt auch morgen für Sie allein!"

Und deshalb hassen Sie mich, Elvira? Aber ich liebe Roskolny nicht, ich achte und schätze ihn nur, aber weiter nichts."

O, ich Elende, und ich haßte diesen Engel zu unrecht", schrie das unglückliche Mädchen auf und fiel nieder vor Maria den Saum ihres Gewandes küssend;wie habe ich je denken können, daß Sie meine Nebenbuhlerin seien! Aber er liebt Sie und würde sein Herzblut für Sie vergießen."

Armer Roskolny! Er ist ein edler Mann. Aber Elvira, es bleibt nur ein Ausweg, Sie müssen selbst zu dem Baron gehen und ihm sagen, daß ich das Duell nicht wünsche. Ob er noch zurücklrctcn kann, weiß ich nicht, aber gleichviel, ver­suchen Sie dies letzte Mittel."

Ruhelos schritt Baron Roskolny in seinem Gemache aus und nieder. Die Fenster standen weit geöffnet, die Ächter waren herabgebrannt, auf dem Schreibtisch stand ein offener Pistolenkasten, lagen fertige und angefangene Briefe. Er be­reitete sich auf das Duell und was damit gleichbedeutend war, auf den Tod vor.

Er ging wie träumend auf und nieder, dann nahm er die Amali, welche so lauge geschwiegen, in die Hand u:ib . die sehnsüchtige Klagetöne zogen hinauf in die dumme no i.e. .e frühe. Er spielte sich den Alp von der Brust, ei nugu |. ., sicher, ruhig werden, um denjenigen nickn zu |cu d.i sie beschimpft, sein Idol im Leben und im Tode. Ein kleines Bild der Gräfin hatte er beim Photographen für schweres Geld erstanden und in seinem letzten Willen den Wunsch aus gesprochen, es mit ins Grab zu bekommen.

Da raschelte plötzlich von der Türschwelle her ein Francn- gewand und die Reiterin aus dem Zirkus Leonards stand vor dem Baron.

Starr und kalt schaute er sie an.

WaS suchen Sie bei mir, Sennora? Sie verwechseln