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herrsel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-^rrschluß Nr. 8

Nr. 60.

Donnerstag, den 23. Mai

1907

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 17. Mai 1907.

Die Körungskommission hat auf dem Zuchtviehmarkt in Gersseld a/Rhön am 15. Mai sechs männliche Zuchttiere angekauft. Diese Tiere werden entsprechend meinem Aus- schreiben vom 8. Mai 1907 I. Nr. I. 4156 abge­druckt im Kreisblatt Nr. 55 vom 9. Mai d. Js. und unter den dort besonders ausgeführten Bedingungen am

Freitag, den 24. Mai, um 10 Uhr aus dem Hofe des Herrn Holzhändlers Heil zu Hersfeld, Neustadt, gegen sofortige Baarzahlung öffentlich meiftbietenb versteigert werden. Die Tiere können am Morgen des Versteigerungstages dort besichtigt werden.

J. I. 4471. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Hersseld, den 18. Mai 1907.

Die nachstehend ausgeführten Personen, als:

1. Der Landwirt Johannes Schade aus Heenes.

2. Der Ackermann Friedrich Alles aus Malkomes.

3! Der Schreiner Johannes Schott aus Herfa.

4. Der Anstreicher Heinrich Niebeling aus Philippsthal sind als Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer für ihren Ge- mcindebezirk, der unter 4 Genannte als zweiter Beschauer (umfassend den Bezirk von Haus Nr. 62 ab einschließlich des Zollhauses und des landgräflichen Schlosses) der Gemeinde Philippsthal bestellt und heute eidlich verpflichtet worden.

Der bisherige Schlachtvieh- u. Trichinenbeschauer Adam Schade zu Heenes hat sein Amt niedergelegt. I. 3928. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 16. Mai 1907.

Der Bürgermeister Johannes Ruppel in Oberlengsfeld ist am 14. d. Mts. als solcher für einen am 1. Juni d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden.

Diese Wiederwahl ist von mir bestätigt worden. A. 2308. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 17. Mai 1907.

Unter den Schweinebeständen des Johannes Oehm, Bür­germeisters Nuhn und Valentin Hartwig in Nicderaula ist die Schweinepest ausgebrochen. I. 4456. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Hersseld, den 18. Mai 1907.

Aus die in Nr. 20 des Regierungs-Amtsblattes veröffent­

SMahiWe.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Auch der andre schweigsame Fremde blickte voll glühender Bewunderung in daS schöne, bleiche Frauenantlitz, welches noch anziehender heute war denn einst als Mädchen; eS lag eine tiefe Vergeistigung in den regelmäßigen Zügen, welche die herben Jahre ihrer unbefriedigten Ehe hineingegraben.

Zuerst, gnädigste Gräfin," begann Welheim endlich er­schüttert,möchte ich Ihnen das tiefste Beileid zu Ihrer Trauer aussprechen. Ihr verewigter Herr Vater war mir ein lang­jähriger, geschätzter Bekannter. Wann ist er gestorben?"

Es sind wohl sechs Wochen seitdem vergangen," ent- gegnete sie tonlos;er hatte eine Schlagberührung gehabt und schlief sanft und schmerzlos ein. Ich war solange noch in unsrem Schlosse geblieben um den ersten Schmerz durchzukämpsen."

Arme Maria", flüsterte der stattliche Mann, nur ihr verständlich, daß eine heiße Blntwelle in die bleichen Wangen schoß; das war feit Jahren der erste Ton von Liebe und Treue, der ihr Ohr traf.

Mein Gemahl konnte zum Begräbnis nicht kommen," fuhr die Gräfin fort,er blieb in Wien. Haben Sie gehört, daß ich vor drei Jahren ein fünfjähriges Töchterchen verlor mein einziges Kind!"

Ich weiß es, Frau Gräfin, und ich hoffe, Sie zürnen mir nicht, daß ich stets Kränze für das kleine Grab sandte."

Also von Ihnen kamen stets diese herrlichen Blumen! O, Emmerich, mein treuer Freund!"

Wieder fanden sich ihre Hände mit festem Drucke, und die Blicke redeten eine stummheiße Sprache.

Es war gefährlich, so dahin zu fahren durch die Pußta, in deren Lüften die alten, ewig jungen Lieder schwirrten und die beiden Menschenherzen zitterten in mächtiger Bewegung. Sie beachteten den einsamen Mitreisenden dort drüben garnicht.

Und wie ist eS Ihnen in all den Jahren gegangen, Herr

lichte Polizeiverordnung des Herrn Oberpräsidenten vom 16. April d. Js. über die Einrichtung und den Betrieb von Bäcke­reien und solchen Konditoreien, in denen neben den Konditor­waren auch Bäckerwaren hergestellt werden, mache ich die Orts­polizeibehörden des Kreises aufmerksam. Wegen der Durchführung der Polizeiverordnung ersuche ich, das Erforderliche zu veran­lassen.

I. 4301. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

HerSfeld, den 18. Mai 1907.

Mit Bezug auf meine Verfügung vom 30. Oktober 1906 Kreisblatt Nr. 127 betreffend die Vermarkung von Grundstücksgrenzen, veranlasse ich die Herrn Bürgermeister des Kreises die Grundeigentümer wiederholt aus ortsübliche Weise daraus hinzuweisen, daß vor der Stellung von Anträgen auf Vermessung von Grundstücken erst die erforderliche Anzahl von Grenzsteinen zu beschaffen ist. Zur Vermarkung dürfen nur die 2teiligen Normal-Grenzsteine verwendet werden.

I. 3072. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Der Kreis-Assistenzarzt Dr. M a l c u S in Hünseld, welcher zur Zeit mit der Versetzung der Geschäfte des erkrankten König­lichen Kreisarztes, Medifinalrats Dr. Victor hier beauftragt ist, ist

Dienstag, den 28. Mai im Sitzungszimmer des hiesigen Landratsamtes von vormittags 10 Uhr ab in dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen. Hersseld, den 22. Mai 1907.

De' Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Hersseld, den 17. Mai 1907.

Die unter dem Schwcinebcstande des Landwirts Johannes Bock zu Bengeudors ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 4449. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Am 18. Mai wird in dem zum Landbestellbezirke der Kaiser­lichen Postagentur in Mecklar gehörigen Orte Meckbach eine Posthilssstelle mit Telegraphenbetrieb eröffnet, deren Verwaltung dem Gastwirt Apel übertragen ist.

Cassel, 17. Mai 1907.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. J. V.: Buchholz.

In Niederjossa ist eine Telegraphenaustalt mit Unfallmelde- dienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Cussel, 16. Mai 1907.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.

von Welheim?" frug die Gräfin jetzt verwirrt und befreite errötend ihre Hände,wo steht Ihr Regiment jetzt?"

In Wien", entgegnete er kurz;Sie sehey, Gräfin, ich bin ein alter, grauhaariger Mann geworden."

Onkel Liszka wird sich freuen, Sie wiedcrzusehcn, lächelte Maria,er ist noch zur Kur in Wiesbaden, doch erwarte ich ihn demnächst zurück. Er ist noch immer der Alte, munter, jovial, gutmütig und gesellig.

Die Zeit flog, der Zug brauste dahin, und als er endlich in den Hauptbahnhof der Residenz einfuhr, seufzte die schöne Frau leise:Wie schade, daß wir schon angelangt sind; es plaudert sich so angenehm mit einem alten Freunde."

O törichtes Frauenherz, das sich mit diesem Worte selbst betrog! Es war ja nicht Freundschaft, welches ihr Auge auf- leuchten ließ!

Sie stiegen aus und auch jener schweigsame Passagier folgte.

Sie hat mich nicht erkannt, aber in meiner Seele lebt ihr Bild fort so hell und wunderbar wie damals am Lagerseuer. Und sie ist unglücklich durch jenen Schurken! Wehe über ihn, nun kommt die Stunde der Rache!"

Mit abgezogenem Hute trat der Kammerdiener des Grasen Landry auf feine Herrin zu und meldete, daß der Herr Gras leider verhindert sei, selbst zu kommen.

Kein auch noch so leises Zucken im Antlitz der Dame verriet einen Eindruck bei dieser Meldung.

Gut, besorgen Sie mein Gepäck in den Wagen Bitte um Ihren Arm, Herr Oberst."

Herr von Welheim stand noch einen Augenblick am Wagen, nachdem er der Gräfin hineingeholscn nnd frug leise: Darf ich Ihnen meinen Besuch machen, Mar . . ., Frau Gräfin?"

Nein, mein Freund," antwortete sie fest, und einen Moment lang schob sich die kleine, zitternde Hand in die seine;lassen Sie die Vergangenheit ruhen und haben Sie Mitleid mit einer unglücklichen Frau, welche die Vergangen­heit nicht überwinden kann."

O, Maria, auch ich werde eS niemals vermögen." Noch ein heißer Kuß auf ihre weiße Hand, eine liefe, zeremonielle Verneigung, und dahin rollte die gräfliche Equipage; drin in

Gemeinfaßliche Belehrung über den Rotlauf der Schweine.

(Fortsetzung.)

Nach kurzer Zeit treten in der Haut, besonders an der innern Fläche der Hinterschenkel, an den Geschlechtsteilen, unter dem Bauche, der Brust und dem Halse, zuweilen auch auf dem Nacken, dem Rücken und an den Ohren, rote Flecke auf. Die Rotfärbung der Haut breitet sich schnell aus und nimmt an Stärke zu, sodaß die Tiere bei vorgeschrittener Krankheit an der unteren Fläche des Körpers kupferrot oder blaurot erscheinen. Die Krankheit endet bei den meisten Tieren in kurzer Zeit mit dem Tode.

Gutartig ist der Krankheitsverlauf bei einer Abart des Rotlaufs den Backsteinblattern (Nesselfieber, Fleckrotlauf, Masern, Knoten- rose). Hierbei äußert sich die Erkrankung in rundlichen oder eckigen beetartig über die gesunde Haut erhabenen, roten bis blauroten Flecken in der Haut. Störungen des AllgemeinbesindenS, wie sonst beim Rotlauf, pflegen bei den Backsteinblattern nur im Anfang der Erkrankung zugegen zu sein.

Bei den Tieren, die den Rotlauf überstanden haben, entwickelt sich zuweilen als Nachkrankheit eine mit fortschreitender Abmage- rung und Anschwellung der Gelenke verbundene Steifheit; in anderen Fällen zeigen sich bei ihnen durch Herzfehler bedingte Erkrankungen.

Merkmale an den toten Tieren.

Bei gestorbenen, getöteten oder geschlachteten rotlaufkranken Schweinen findet man neben der Verfärbung der Haut eine mehr oder weniger hochgradige Entzündung der Magen-Darmschleim­haut, Schwellung und blaurote Färbung der Milz, Schwellung und Rötung der GekröSlymphdrüsen, Schwellung der Leber und eine meist mit Blutung verbundene Entzündung der Stieren.

Bei den Backsteinblattern sind die Veränderungen in der Regel auf die erkrankten Hauptpartien beschränkt.

Anzeigepflicht.

Wenn ein Schwein unter den angegebenen Erscheinungen er krankt, so liegt der Verdacht des Rotlauss vor. Von dem Rot- laufoerdacht ist der LrtSpolizeibehörde Anzeige zu erstatten, wo­rauf amtlich festgestellt wird, ob der Verdacht begründet ist oder nicht.

Verhütung des Rotlaufs.

Zur Vermutung des Rotlaufs ist eine saubere, möglichst trockcnc Haltung der Schweine in Ställen mit festem Fußboden erforderlich. Auch empfiehl: es sich, von Zeit zu Zeit eine gründliche Reinigung der Ställe unter Anwendung von Desinfektionsmitteln oorzu- nehmen.

Einen fast sicheren Schutz gegen den Rotlauf gewährt die Schutzimpfung.

In häufig von dem Rotlauf betroffenen Orten empfiehlt eS sich, regelmäßig alle Schweine der Schutzimpfung zu unterwerfen. Wo der Rotlauf selten ist, kann von einer regelmäßigen Impfling aller Schweine abgesehen werden. Es ist jedoch dringend ratsam, beim Auftreten des Rotlaufs schleunigst alle Schweine des be­troffenen Bestandes impfen zu lassen.

Durch die Impfung gelingt eS in der Regel, die bedrohten Schweine zu frügen ; auch wird ein nicht unerheblicher Teil der erkrankten Tiere durch die Impfung geheilt. (F. f.)

Oeffentlicher Wetternachrichtendienst in Norddeutschland.

Der im letzten Sommer zum ersten Male durchgeführte öffent­liche Wetterdienst, der durch Ausgabe von Wettervorhersagen und rasche Verbreitung von Witterungsnachrichten in erster Linie den Landwirten Gelegenheit geben soll, das jeweils bevorstehende Wetter besser berücksichtigen zu können als bisher, wird im lau- senden Jahre mit dem 1. Mai wieder eingerichtet werden. Den

die blauen Atlaspolstcr jedoch grub sich ein schmerzzuckendeS Frauenantlitz in heißem Weh.

Wie betäubt starrte Oberst von Welheim dem davonrollenden Wagen nach, als plötzlich eine Hand seinen Arm berührte und eine Stimme sagte:

Herr Oberst von Welheim, gestatten Sie mir, mich Ihnen bekannt zu machen. Mein Name ist Baron Roskolny-Baloy; ich erbitte Ihre Hilfe in einer sehr delikaten Angelegenheit, welche der Dame gilt, die Sie soeben begleiteten der Gräfin von Landrp."

Welheim wendete sich hastig um; er hatte den jungen Mann vorhin im Kupee garnicht bemerkt.

Sie kennen die Gräfin, Baron Roskolny?"

Allerdings, seit Jahren schon. Auch ihren Gemahl. Bitte begleiten Sie mich heute abend in den Zirkus Leonardi."

Sie entschuldigen mich, Baron; ich bin von der Reise ermüdet."

Aber der Fremde trat dicht an Welheim heran und flüsterte ihm ewige Worte zu, daß dieser zusammenzuckte und hastig ausries:Ich bin bereit, Baron; lassen Sie uns gehen.

* *

Im Zirkus Leonardi sollte heute große Benefizvorstellung für Sennora Elvira stallfinden, und der weite Raunt war Kopf an Kops gcdrängh mit vornehmsten Publikum gefüllt, besonders Herren.

Die geräumigste Loge hatte Graf Landru; er saß inmitten einer Anzahl intimer Freunde lachend und plaudernd und sehr ungeniert, daS Opernglas gebrauchend.

Ah," rief er plötzlich, sein Opernglas gebrauchend,dort drüben sitzt Baron Roskolny; die Elvira ist ja wie vernarrt in seine schwermütigen Augen."

Also eifersüchtig bist Du, Landrn?" fragte ein andrer Herr lachend;die Dina macht sich in der Tat aus Dir nicht viel, während sie ihn nicht aus den Augen läßt."

I nun," meinte Landrn übermütig,daS Blair kann sich auch wenden und ich werde vielleicht ein feuriger, getreuer Gatte."

Schäme Dich, Mensch! Deine schöne, edle Gemahlin