Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Keile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vQnr^ns
Herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 59, Sonnabend, den 18. Mai 190^.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 17. Mai 1907.
Die Körungskommission hat aus dem Zuchtviehmarkt in Gersfeld a/Rhön am 15. Mai sechs männliche Zuchttiere angekauft. Diese Tiere werden entsprechend meinem Ausschreiben vom 8. Mai 1907 — I. Nr. I. 4156 — abgedruckt im Kreisblatt Nr. 55 vom 9. Mai d. Js. — und unter den dort besonders aufgesührtcn Bedingungen am
Freitag, den 24. Mai, um 10 Uhr auf dem Hofe des Herrn Holzhändlers Heil zu Hersfeld, Neustadt, gegen sofortige Baarzahlung öffentlich meistbietend versteigert werden. Die Tiere können am Morgen des Versteigerungstages dort besichtigt werden.
I. I. 4471. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 15. Mai 1907.
A m 12. Juni d. Js. findet auf Grund des Rcichsge- setzes vom 25. März 1907 und nach den vom Bundesrate erlassenen Ausführungsbestimmungen im Deutschen Reiche eine Berufs- und Betriebszählung statt.
Die Zählung erfolgt gemeindeweise. Ihre unmittelbare Ausführung liegt den Gemeindebehörden ob, welche freiwillige Zähler hierzu heranziehen können.
Die Angaben sind von den einzelnen Haushaltungen durch Eintragung in die Zählungsformulare zu machen. Die Pflicht der Eintragung liegt für die Haushaltungslisten den Haus- haltungsvorständen, (auch einzelne lebende Personen mit besonderer Wohnung und eignet Hauswirtschaft gelten als solche) für die Land- und Forstwirtschastskarten, Gewerbebogen und Gewerbesormulare den Betriebsinhabern oder deren Vertretern ob. Aushilfsweise kann auch der Zähler die Eintragung bewirken.
Die Zahlung hat den Zweck, die Grundlagen zu einer neuen Statistik der volkswirtschaftlichen Verhältnisse des Deutschen Reichs zu gewinnen.
Die Angaben werden nicht zu Zwecken der Besteuerung benutzt.
Wer die Fragen wissentlich wahrheitswidrig beantwortet oder die vorgeschriebenen Angaben zu machen sich weigert, wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft (8 5 des Gesetzes.)
Für die Erhebung dienen folgende Drucksachen:
1. die Haushaltungsliste (Drucksache No I)
2. das Gewerbeformular ( „ „ I a)
3. die Musterbeispiele ( „ „ 1 b)
4. die Land- und Forstwirtschaftskarte (Drucksache No. II)
5. der Gewerbebogen (Drucksache No. III)
6. die Anweisung der Zähler (Drucksache No. IV)
7. die Kontrolliste (Drucksache No. V)
8. die Anweisung für die Gemeinde- pp. Vorstände (Drucksache No. VI)
9. der Gemeindebogen (Drucksache No. VII)
Der voraussichtlich erforderliche Bedarf an diesen Drucksachen wird den Herren Ortsvorständen in Kürze von hier aus zu- gehen. Die Gemeindebogen werden nachgesandt.
Diejenigen Herrn Bürgermeister pp. die nicht innerhalb der nächsten 8 Tage in den Besitz der Formulare gelangen, haben mir hierüber sofort zu berichten. Sollten die über- jandten Formulare wider Erwarten in einzelnen Fällen nicht ausreichen, ist der Mehrbedarf unverzüglich anzumeldcn und näher zu begründen. Bei Verwendung der Zählkarten wird möglichst Sparsamkeit empfohlen.
Die Herren Ortsvorstände ersuche ich, sich nach Eingang der Drucksachen alsbald mit ihrem Inhalt, insbesondere mit der Anweisung (No. VI) gehörig vertraut zu machen, die Abgrenzung der Gemeinde PP in Zählbezirke vorzunehmen und die erforderliche Anzahl tauglicher Zähler zu bestellen, die mit dem erforderlichen Bedarf an Formularen zu versehen sind.
Die Austeilung der Zählpapiere muß spätestens am 11. Juni d. Js. beendet sein.
Jede Haushaltung erhält eine Haushaltungsliste, außerdem ein Gewerbeformular, die Musterbeispiele und eine Land- und Forstwirtschaftskarte, wenn eine land- oder forstwirtschaftlich benutzte Fläche, sei es auch nur im kleinsten Umfange, bewirtschaftet wird. Ein Gewerbebogen ist nur dann noch aus- zufüllen, wenn mehr als 3 Personen im Betrieb tätig sind oder wenn mit einer durch elementaren Kraft bewegten Maschine gearbeitet wird.
Die Zählpapiere sind am 12. Juni d. Js. Vormittags nuszufüllen.
Mit der Einsammlung der Zählpapiere ist mittags desselben TageS zu beginnen.
Aus Grund der vom Zähler zurückgelicserten und seitens der Ortsbehörden nachgeprüften Kontrollisten ist der Gemeinde- bogen auszustcllcn. Zugleich sind die daraus gestellten Fragen zu beantworten und ist die Prüfung der Zählpapiere aus ihm zu bestätigen.
Die Reinschriften der Kontrollisten sind nebst der Reinschrift deS ©emeinbebogeuS mir bis spätestens zum 30. Juni d. I s. cinzureichen.
Die Urschriften der Kontrollisten und des Gemeindebogens bleiben bei den Akten der Ortsbehörden.
Die übrigen sorgfältig geprüften Zählpapiere sind nach Nummern der Haushaltungslisten- und Zählpapieren geordnet, bis z u m 9. I u l i d. I s. an mich einzusenden. I. 4036. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Unter Bezugnahme auf die Verordnung des Herrn Ober- präsidenten der Provinz Hessen-Nassau vom 13. Mai 1905, betr. Verbot der Ausfuhr von Reben aus reblausverseuchten Gemarkungen (veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 21 von 1905) wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß derzeit die Gemarkungen Wellmich, Nochern, Lierschicd, St. Goars- hausen, PaterSberg, Bornich, Lorch, Geisenheim, Biebrich, Wiesbaden, Hochheim, Wicker und Diedenbergen, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden, als reblausverseucht zu gelten haben.
Cassel am 27. April 1907. (A. III. 1822a.)
Der Regierungspräsident.
I. A.: Schenk zu Schweinsberg.
Hersseld, den 13. Mai 1907.
Nach einer Mitteilung des Landesbauamtes hier kommt es häufig vor, daß die Landwege als Lagerplätze für Baumaterialien benutzt,- auch Wagen, Ackerpflüge u. s. w. aus die Banketts oder in die Gräben gestellt werden. Hierdurch wird nicht nur der öffentliche Verkehr auf den Wegen gestört, sondern es werden auch die Banketts und Gräben beschädigt. Letzteres geschieht auch häufig durch Uebersahren der Gräben an beliebigen Stellen.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie des Kreises haben aus diese Mißstände ein besonderes Augenmerk zu richten und darüber zu wachen, daß Zuwiderhandlungen gebührend bestraft werden.
I. I. 4171. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 16. Mai 1907.
Mehrere Gemeinden und Gutsbezirke des hiesigen Kreises sind noch mit der Einzahlung der am 1. d. Mts. fällig gewesenen ersten Rate der für das Rechnungsjahr 1./4. 1907/8 zu entrichtenden Kreissteuer im Rückstände.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher dieser betr. Gemeinden und Gutsbezirke werden hierdurch ersucht, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Zahlung alsbald, spätestens aber bis zum 24. d. Mts., bei der Kreis- kommunalkasse hier bewirkt wird.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Grunelius.
Hersseld, den 16. Mai 1907.
Bei dem Hospitale in Niederaula ist eine Frei-Pfründe der Klasse E frei geworden.
Es wird dieses unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 19. Oktober 1906 I. H. Nr. 14, im Kreisblatt Nr. 126, veröffentlicht.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden deS Kreises ersuche ich, etwaige bedürftige und würdige Personen ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen und sie zur Bewerbung zu veranlassen.
Die Bewerbungsgesuche rc. sind mir bis spätestens zum 15. Juni d. JS. cinzureichen.
Der Vorsitzende
des Vorstandes des Hospitals in Niederaula:
von Grunelius,
H. Nr. 12. Königlicher Landrat.
In den Orten Frielingen und Gersdors, beide im Kreise Hersfeld, ist eine Telegraphenanstalt mit UnfaHmelbebienft und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, 13. Mai 1907.
Kaiserliche Ober-Postdircktion. I. V.: B u ch h o l z.
nichtamtlicher teil.
Hsingstgrdunken»
Nun grüßt in bunter Farbenfülle UnS Garten, Au' und Wald und Feld — In einer einigen Blütenhülle Erglänzt die schöne GotteSwelt — Nun läuten ringsum duft'ge Glocken DaS wahre Fest des Frühlings ein, Es geht ein wonniges Frohlocken Jetzt durch die Welt am Tag der Mai'u!
D'rum laßt die letzten Wintersorgen Hinaus in alle Winde ziehn — Winkt uns doch jetzt am Pfingstenmorgen Der Hoffnung Bild, das Maicngrün —
Verbannt sei fortan aus dem Herzen Der letzte Rest von Schmerz und Leid, Da nun mit ihren Blütenkerzen Uns grüßt die frohe Pfingstenzeit!
Willkommen denn in deinen Rauschen, Du lieblich Fest so rein und licht, Gern wollen wir der Botschast lauschen, Die heute zu uns durch dich spricht — O, gieße deinen reichsten Segen Vom Fels bis hin zum fernsten Strand — Den Pfingstcugeist weck allerwegen Im teuren deutschen Vaterland!
B. Neuendorff.
Wenn alles draußen grünt und blüht, wenn die Nachtigall ihre schmelzenden Lieder ertönen läßt, wenn blau der Himmel sich über uns wölbt und die ganze Natur ein seliges Empfinden durchflutet, das ihr der belebende Gottcsodem einhaucht, dann ist das Fest der Pfingsten gekommen, das Fest der Erfüllung. Das Leben hat den Tod besiegt, und die Gewißheit des Lebens durchströmt uns mit Wonnegefühlen. Nur dunkel erinnern wir uns noch der hinter uns liegenden schweren Tage, denn eine Welt voll Herrlichkeit liegt vor uns. Das Eis des langen Winters wurde gebrochen, das Leichentuch deß Schnees von der höher und höher steigenden Sonne hinweggenommen, des Lichtes und der Wärme Schaffenskraft erweckte Milliarden von Keimen zum quellen, wachsen, blühen, bis die vormals öde Flur wieder sich dem bewundernden Auge barbietet in ihrer lebendigen Herrlichkeit, herzerquickend, sinnelabcnd, ein Zeugnis der unendlichen, unerschöpflichen Güte und Liebe. Das ist Pfingst- stimmung.
Und daß es uns Christen vergönnt ist, in dieser Pfingst- ftimmiing das Fest der Gründung der christlichen Kirche zu begehen, das ist ganz besonders erhebend. Keine Zeit könnte geeigneter sein als die, in der unser Herz erfüllt ist von Freude und Dankbarkeit für die Güte, die aus dem unerschöpflichen Borne quillt, die jedem fließt, ihn zu laben. Die häufig betonte innige Verbindung des Deutschtums mit dem Christentum, die das deutsche Volk besonders geeignet erscheinen läßt, der Träger des Christentums zu sein, hat gewiß nicht zuletzt ihren Grund darin, daß gerade in der uns umgebenden Natur die Stimmung für die christlichen Feste gegeben ist, und daß der Deutsche sich besonders innig an die Natur anschließt und in seiner Gemütstiese, die ihn vor allen Nationen auszeichnet, empfänglich ist für alle an ihn von außen herantretenden Andrücke. Dadurch ist das deutsche Volk auch vor allen andern geeignet, Träger des christlichen Glaubens zu sein, der in erster Linie Gemütssache ist; denn keine Religion stellt so hohe Ansprüche an Herz und Gemüt wie die christliche, die Religion der reinsten Liebe und Selbstlosigkeit. Darum machen sich aber auch diejenigen, die unserm Volke sein Christentum nehmen wollen, zugleich eines Verrats gegen das Deutschtum schuldig, darum gehen Entchristlichung und Vaterlandslosigkcit Hand in Hand, darum sehen wir auch in der Umsturzbewegung undeutsche und christenfeindliche Elemente emsig an der Arbeit.
Pfingsten ist uns Deutschen ein religiöses und zugleich ein Natursest. Aber „alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis", verkündet unser größter Dichter Goethe in seiner Fausttragödie, und so ist der vergängliche irdische Frühling das Gleichnis des ewigen himmlischen Frühlings. Und nächst dem Stifter der christlichen Religion waren es wohl dessen Jünger, die zuerst schon hier auf Erden den himmlischen Frühling, das stolze Triumphgefühl über alle irdischen Fährnisse, offenbart erhielten, und das geschah am ersten christlichen Pfingstseste, an dem der Geist Gottes ein Häuflein armer, ungebildeter Männer so stark und mächtig machte, daß sie an sittlicher und geistiger Kraft alle andern Menschen überragten und in dieser Kraft die Lehre ihres Herrn und Meisters mit den feurigen Zungen der Begeisterung verkündeten, die einen so mächtigen Widerhall fand, daß sie sich auSbreitete, über alle Länder der Erde.
Aus diesen Gedanken heraus wollen wir heute unser Pfingsten feiern. Möge auch unsere Herzen der Pfingstgeist beseelen, der mächtig und sieghaft pulst und pocht in der Natur wie im Menschenherzen. Aus zur Pfingstfeier!
Der Lenz hat Rosen angezündet Auf Leuchtern von Smaragd im Dom, Und jede Seele schwillt und mündet Hinüber in den Opferstrom.
Politischer Wochenbericht.
Der Reichstag ist während der Berichtswoche vertagt worden, nachdem er i2V-j Wochen versammelt war und wäh- rend dieser Zeit 54 Plenarsitzungen abgebalten hat. Natur gemäß konnte in dieser kurzen Spanne Zeit die gefetzgeberiiche Ausbeute keine allzu große sein. Man wird aber bei gerechter Beurteilung anerkennen müssen, daß der neue Reichstag sich hinsichtlich seiner Arbeitsfreudigkeit und Leistungsfähigkeit bisher in vorteilhafter Weise von zahlreichen Vorgängern abgehoben hat, wenngleich der Redestrom immer noch eine weitere Eindämmung erfahren könnte. Erfreulicher noch als die Summe positiver.Arbeit aber wirft daS Bild innerer Panei»