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herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 58*

Donnerstag, den 16. Mai

1907.

Amtlicher teil

Hersseld, den 10. Mai 1907.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 23. März 1880 Kreisblatt Nr. 24. betr. Aus­räumung der Flutgräben sowie der Ent- und Bewässerungs- Anlagen, noch nicht erledigt haben, werden hiermit wiederholt erinnert.

Ich sehe der Erledigung vorstehender Verfügung innerhalb 8 Tagen bestimmt entgegen. I. 3882. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a in e r.

Hersseld, den 13. Mai 1907.

Nach den an der pflanzenpathologischen Untersuchungs- station in Gcisenheim gemachten Erfahrungen hat sich zur Bekämpfung der auf Stamm und Aesten unserer Obstbäume häufig vorkommenden Schildläuse ein Bestreichcn der Obstbäume mit 6 daselbst geprüften Sorten Karbolineum zu Beginn des Frühjahres sehr bewährt.

Jedoch achte man bei dessen Anwendung daraus, daß die Knospen und nicht verholzten Teile der Bäume von diesem Mittel nicht betroffen werden, da diese unter dem Anstrich leicht notleiben.

Da auch in unserem Bezirke durch Schildläuse erkrankte Obstbäume Vorkommen, sei dieses Gegenmittel den Obstzüchtern zum Gebrauch empfohlen.

I. 4196. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Technischer Leitfaden, betr. Schweineseuche.

(Fortsetzung.)

c) Lungenentzündung infolge Aufsaugung von Fremdkörpern.

Infolge Aufsaugung von Fremdkörpern entstandene Lungen­entzündungen von Schweinen sind in der Regel einseitig und führen zum brandigen Zerfall der entzündeten Teile. In den entzündeten Herden sind zahlreiche Bakterien der verschiedensten Art, insbesondere Streptokokken, Staphilokokken und Kolibakterien nachzuweisen.

Die durch Aufnahme von Fremdkörpern verursachte Lungen­entzündung ist durch das meist einseitige Auftreten, durch die Neigung zum brandigen Zerfall und dadurch von der Schweine­seuche unterscheidbar, daß sie nicht ansteckend ist, sondern nur ge-. legentlich bei einem Tier des Bestandes auftritt.

' d) Lungenentzündungen im Anschluß an Wundinfektionen.

Im Anschluß an Wundinfektionen, insbesondere nach Kastra­tions- und Bißwunden, können sich durch Verschleppung der In- fektionserreger auf dem Wege der Blutbahn (metastatisch) Lungen­entzündungen und Brustfellentzündungen entwickeln. Hierbei treten im Lungengewebe kugeliche oder keilförmige Herde auf, die sich fest anfühlen, zuerst rot sind, dann grau oder graugelb werden. Die Herde können erweichen und von einer bindegewebigen Kapsel umgeben werden. Die über den veränderten Teilen gelegenen Brustfellabschnitte können die Merkmale der fibrinösen Entzündung

LchMmchte.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Vater, willst Du denn wirklich Dein Kind elend machen," schrie das arme Mädchen, in ausbrechender Angst die gerungenen Hände zu ihm erhebend.

Keine Theaterszene, Maria," gebot Landry kalt,Du wirst ihn heiraten, es ist mein Wunsch und Wille."

Dröhnend fiel seine geballte Hand aus den Marmor der Tischplatte, daß ein starker Riß ausklaffte.

Da richtet sich die Gräfin stolz und fest in die Höhe, toten­blaß, aber mit klarer Stimme sprach sie:Ich will Dir ge­horchen, mein Vater, doch unter der Bedingung, daß Du meinem Gemahl niemals das Geheimnis meines Herzens ver­rätst jenen Namen soll und darf er nicht erfahren."

Nun wohlan, mein Kind, es sei; daß Du gerade jenem Manne Dein Herz geschenkt, tut mir leid, denn auch ich schätze ihn aufrichtig.

Und nun lasse ich Giulay rufen."

Stumm und kalt standen Vater und Tochter bis zum Er­scheinen des jüngeren Grafen sich gegenüber; das waren die­selben reglos hochmütigen Züge, die gleiche unnahbare Kopf­haltung, der nämlich sestgeschlosscne Mund Zoll um Zoll Sprossen desselben Geschlechtes.

Endlich hörte man draußen Giulays Schritte. Maria biß sich auf die Lippen, daß ein heller Blutsstopfen hervorquoll, doch mit gleichgültigem Ausdruck wandte sie jetzt dem Ein­tretenden das Gesicht zu, als er übermütig auSrief:Also in der Tat ein tiefernster, wichtiger Familienrat. Schönes Cou- sinchen, haben Sie denn kein Lächeln für mich?"

Lieber Giulay," sprach Graf Landry feierlich,ich ließ Dich hierher bitten, um Dir mitzuteilen, daß meine Tochter Maria, unsrem Familienabkommen gemäß, bereit ist, Deine Gemahlin zu werden."

Ach, in der Tat, schönstes Cousinchen, Sie machen mich unsäglich glücklich durch Ihren Entschluß."

zeigen. Außerdem wird im Anschluß an Wundinfektionen auch eine diffuse fibrinöse Entzündung des Brustfells beobachtet.

Bei der bakteriologischen Untersuchung findet man in den durch Metastasen entstandenen Lungen- und Brustfellentzündungen ge­wöhnlich Streptokokken oder Staphylokokken oder den Bacilius pyogenes, ausnahmsweise auch das Bacterium coli commune. Diese Bakterien sind in den durch Metastasen hervorgerufenen Ent­zündungsherden in großer Zahl, häufig wie in Reinkultur, an- zutreffen.

Die metastatischen Lungenentzündungen sind, wie schon erwähnt, nicht von einem Tier auf das andere übertragbar. Sie treten gewöhnlich vereinzelt in einem Bestand auf und werden nur ge­legentlich gehäuft beobachtet, wenn durch eine Operation, wie die Kastration, bei einer größeren Zahl von Tieren eine Eingangs­pforte für die Wundinfektionserreger geschaffen wird.

Die metastatischen Lungen- und Brustfellentzündungen des Schweines sind mithin durch die Form und Verteilung der Ent­zündungsherde, durch den bakteriologischen Befund und durch den nicht ansteckenden Charakter festzustellen.

e) Atelektatische Herde.

Gelegentlich haben auch luftleere Stellen (atelektatische Herde) in den Lungen gefallener oder geschlachteter Schweine zur Ver­wechslung mit Schweineseuche geführt. Die atelektatischen Herde sind auch fest, ähnlich wie entzündete Teile der Lunge, aber blaurot oder braunrot und eingesunken. Die zu den atelaktischen Herden führenden Luftröhrenäste sind mit Absonderungsprodukten der Schleimhaut verstopfr. Ferner sind bei dem Vorhandensein atelek- tatischer Stellen in der Lunge die Bronchialdrüsen nicht ange» schwollen. Bei genauerer Untersuchung ist mithin die Lungenate- lektase unschwer als solche zu erkennen. Hierzu kommt, daß bei der Lungenatelektase erhebliche allgemeine Veränderungen fehlen.

Die Schweineseuche unterscheidet sich von sämtlichen genannten Lungenkrankheiten an den lebenden Tieren durch ihre Ansteckungs­fähigkeit, an getöteten oder gefallenen durch die Art und den Sitz der anatomischen Veränderungen in den Lungen, ferner durch den bakteriologischen Befund.

Gemeinfasiliche Belehrung über den Rotlauf der Schweine.

Wesen.

Der Rotlauf der Schweine ist eine ansteckende, mit erheblicher Störung des Allgemeinbefindens verlaufende, durch den Rotlauf- bazillus verursachte Erkrankung der Schweine.

Der Ansteckungsstoff wird von den Tieren mit dem Futter (Getränk) oder auch gelegentlich beim Wühlen in Schmutz und Unrat ausgenommen. Der Ansteckungsstoff wird von den kranken Tieren hauptsächlich mit dem Kote ausgeschieden und gelangt so in die Ställe, Dungstätten und Höfe. An feuchten Stellen, z. B. im feuchten Erdboden, in Jaucherinnen und Pfützen, kann sich der Ansteckungsstoff lange Zeit erhalten und weiterentwickeln. Durch Kälte wird er nicht unschädlich gemacht. Durch Wärme wird sein Gedeihen befördert. Deshalb tritt die Rotlaufseuche besonders in der warmen Jahreszeit auf.

Merkmale an den lebenden Tieren.

Die Aufnahme des Ansteckungsstoffes des Rotlaufs hat nicht die sofortige Erkrankung der Tiere zur Folge. Es vergeht vielmehr eine bestimmte Zeit (Inkubationszeit), bevor offensichtliche Krank- Heilserscheinungen hervortreten. Die Inkubationszeit ist verschieden, beträgt aber meist zwei bis drei Tage, Nach dieser Zeit zeigen die Tiere hohes Fieber mit erhöhter Temperatur der Haut, Verlust der Munterkeit und des Appetits; sie liegen viel, verkriechen sich in der Streu und zeigen nach dem Auftreiben einen schwankenden Gang. (Fortsetzung folgt.)

Natürlich müssen Sie, Vetter Giulay, nicht verlangen, daß ich Sie liebe," bemerkte Maria eisigkalt und hob unnah­bar den schönen Kopf in die Höhe,dazu kennen wir uns doch erst zu kurze Zeit."

Ist mir ganz einerlei, Cousinchen, wenn Du mir nur er­laubst, dich glühend anzubeten alles andre findet sich mit der Zeit und ich bin beileibe kein Romanstker; also Du er­laubst den ersten Kuß."

So ist's recht, meine lieben Kinder," nickte der Hansherr, ausnehmend befriedigt,meine unumwundene Einwilligung zu Eurem Bunde habt Ihr; so werdet denn recht glücklich! Und morgen beim Diner kommt die öffentliche Verlobung."

Ein heißes Weh schlich sich in Marias Herz; die Würfel waren gefallen, das Schicksal nahm seinen Laus.

Am nächsten Tage strahlten die Gesellschaftsräume des Schlosses in schimmerndem Lichterglanzc.

Wagen fuhren unten vor, die galonierten Diener flogen bald hier bald dort hin, murmelndes Geplauder ging durch die Reihen.

Der Graf und seine Tochter empfingen die Gäste im Bor­gemach; ersterer sehr gesprächig und liebenswürdig, letztere totenbleich, aber ruhig und artig.

Maria trug ein schwerseidenes, lachsfarbenes Seidenkleid, mit Rosen garniert; an Hals und Armen blickte der kostbare Familienschmuck der Landrys in fast märchenhaften Glänze: deS Grasen VerlobungSgeschenk für seine schöne Braut.

Es waren Sternenblumen aus Perlen und Brillanten, wundervoll zusammengesetzt, von unermeßlichem Werte; schwer und kalt lag der Schmuck aus dem Halse der jungen Gräfin und sie dachte voll bittrer Verzweiflung:Das sind Deine Fesseln, welche Dn von nun an immer tragen wirst."

Im Saale waren trotz der frühen Stunde die Kronleuchter schon angezündet; man schloß Sonnenlicht das deS herrlichen Oktobertages auS, damit es nicht jenes bleiche junge Wesen treffe, dessen Glück in dieser Stunde im Trümmer ging.

Ach, wieder und stets von Neuem mußte Maria an jenen hohen, ernsten Mann denken, aus dessen Augen eine Welt voll Liebe für sie geleuchtet.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag hielt am Montag eine von 11 Uhr vormittags an bis in die achte Abendstunde hinein währende Dauersitzung ab, eine bei der herrschenden fast tropischen Temperatur höchst anerkennenswerte Leistung; sie wurde allerdings dadurch er« klärlich, daß es die vorletzte Sitzung vor den Sommerferien deS Hauses war. Debattelos wurde zunächst der neue Weltpostoer- trag in dritter Lesung genehmigt; ebenfalls ohne Diskussion passierte der Zusatzvertrag zum Auslieferungsvertrag mit Dior« wegen in erster und zweiter Lesung. Der zur ersten Lesung stehende Auslieferungsvertrag mit Griechenland wurde von der Tagesordnung wieder abgesetzt, worauf die ZusatzkonventioN zum deutsch-türkischen Handelsvertrag in dritter Lesung Annahme fand. DaS Haus trat nunmehr in die zweite Beratung des deutsch-amerikanischen HandelsprovisoriumS ein, wobei es an mehr oder weniger gewichtigen Bedenken gegen das Abkommen nicht fehlte; schließlich wurde dasselbe aber gegen einige Stimmen der Rechten angenommen. Ohne bemerkenswerte Diskussion stimmte hierauf der Reichstag den Vorlagen zu, welche sich auf die Aenderung des Reichsbeamtengesetzes, des Beamtenhinterbliebenen. gesetzeS und deS MilitärhinrerbliebenengesetzeS beziehen. Die weitere Sitzung wurde durch die dritte Etatslesung auSgefüllt, die zunächst eine allgemeine Aussprache hervorrief. In ihr polemisierte Abg. Bebel (soz.) gegen die Blockparteien. Seine Angriffe wurden von den Abgeordneten Bassermann -nat. lib.) Hausmann (südd. Volksp.), Müller-Meiningen (fr. VolkSp.) und Rösicke (Bund d. Landw.) zurückgewiesen. Alsdann fanden der Etat des Reichstages und weiter der Etat des Reichskanzlers Annahme, der letztere nach einer Debatte über die braunschweigische Thronfolgestage.

Der Reichstag erteilte am Dienstag zunächst dem Anträge zur Vertagung bis zum 19. November seine Zustimmung und nahm einen Antrag Ablaß wegen Einstellung einer gegen den Abg. Nenmann-Hofer (steif. Vp.) schwebenden Privalklagesache für die Dauer der Session an. Sodann kam der AuslieferungS- vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Griechenland zur Ver- Handlung, der gestern von der Tagesordnung abgesetzt worden war. Er fand einstimmige Annahme, nachdem Geheimrat Frantzius auf eine Anfrage deS sozialdemokratischen Abgeordneten Heine erklärt hatte, daß die Auslieferung wegen politischer De­likte nicht stattfinden dürfe. Nachdem deS weiteren ohne Debatte der Zusatzvertrag zum AuslieferungSantrag mit Norwegen, vaS Handelsabkommen mit Amerika, die Novelle zum Reichsbeamten­gesetz, das Beamtenhinterbliebenengesetz und daS Militärhinter­bliebenengesetz enbgültig angenommen worden waren, setzte das Haus die dritte Beratung des Etats fort. Beim AuSwärtigen Amt wurden Klagen über mangelnden Schutz der Deutschen im Auslande laut. Staatssekretär v. Tschirschkp und Bögenborf trat den Beschwerden entgegen und teilte mit, daß Rußland die Ersatzpflicht für die durch die Unruhen hervorgerufenen Schädig­ungen allen Staaren gegenüber abgelehnt habe. Beim RcichSamt des Innern entspann sich eine Debatte über die Explosion der Roburitfabrik in Annen bei Mitten. Staatssekretär Graf Posa- dowsky erklärte, daß der preußische Handelsminister in eine Prüfung der Frage eingetreten sei, ob eine Aenderung der Kon- zessionsbedingungcn für solche Arbeiten, oorgenommcn werden solle. Die vom Abgeordneten Huc (Sozd.) aufgeworfene Frage der Entschädigung der von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogenen kleinen Leute sei eine zivilrechtliche den Feuerver- sicherungS-Gesellschaften gegenüber, sodann aber eine Frage der preußischen Instanzen. Er werde nicht ermangeln, diese auf den Fall aufmerksam zu machen.

Aber nein fort mit solchen Gedanken! Sie waren sündig, seit an ihrem Halse die kostbaren Brillanten funkelten.

Als Graf Landry sich endlich erhob, um den Gästen die Verlobung seiner Tochter mitzuteilen, war es für niemand etwas NeueS; Graf Giulays Benehmen gegen seine schöne Cousine hatte es längst annehmen lassen.

Stolz ausgerichtet, totenblaß, aber mit lächelndem Munde nahm die junge Braut den Sturm von Glückwünschen ent- gegen; ihr wars, als werde ihr Herz dabei Zoll um Zoll in Stücke gerissen.

ES hat nicht sollen sein!"

Mit flammender Schrift brannten die Dichterworte in ihrem Herzen, ihre feine Hand bebtc konvulsivisch und als sie wiederum ihr Glas hob, um mit einem der Gäste anzustoßen, da schwankte es und ein Strom rotsprühenden Weines ergoß sich über das schneeige Damaststichtuch. Ein böses Omen!

Länger hielt sich Maria nicht aufrecht.

Mühsam wandte sie sich zu ihrem Bräutigam und sagte mit erlöschender Stimme:Deinen Arm, Vetter Giulay, mir ist nicht gut und ich will etwas Kölnisch Wasser holen, um wieder frisch zu werden.

In ihrem Boudoir angelangt, entfernte ein fast gebiete­risches Zeichen Giulay, dann sank sie in einen Divan und heiße, erlösende Tränen brachen hervor.

Als die Gesellschaft sich erhob, trat die schöne Braut ihren Gästen im Salon wieder entgegen, während der Kaffe serviert wurde.

Kühl und blaß wieS sie alle bedauernden Fragen zurück, beteiligte sich aber bald wieder an der gleichgültigen Unter­haltung, welche nun begann.

Gnädigste Gräfin," bat ein junger Offizier, zu Maria heranstetend,darf ich im Namen der ganzen Gesellschaft um ein Lied bitten?"

Wie freundlich von Ihnen, Herr Leutnant," lächelte das schöne Mädchen verbindlich und doch kühl abweisend,aber ich muß leider ablehnend antworten; ich bin so garnicht dis­poniert." Und in der Tat, die Stimme versagte momentan, eS klang wie ein Schluchzen aus derselben hervor.

Ist das Glück?" dachte der junge Offizier bei sich, als